Operative Intelligenz und komplexes Problemlösen als Prädiktoren für den Erfolg von Erfindern


Diplomarbeit, 2006

141 Seiten, Note: 1,0


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Verzeichnis von Tabellen, Abbildungen und Anhängen

Zusammenfassung

Abstract

1. Einleitung

2. Theoretischer und empirischer Hintergrund
2.1 Erfinderforschung
2.1.1 Was ist ein Erfinder?
2.1.2 Zum Prozess des Erfindens
2.1.3 Erfolgsdeterminanten beim Erfinden
2.1.4 Diagnostik
2.2 Operative Intelligenz und komplexes Problemlösen
2.2.1 Was ist komplexes Problemlösen?
2.2.2 Entwicklung des Konstruktes „operative Intelligenz“
2.2.3 Merkmale der operativen Intelligenz
2.2.4 Verwendung von Computerszenarios
2.2.5 Parallelen zwischen komplexem Problemlösen und Erfinden

3. Forschungsfragen

4. Methoden
4.1 Operationalisierung der verwendeten Konstrukte
4.1.1 Prädiktor 1: Komplexes Problemlösen
4.1.2 Prädiktor 2: Steuerung von divergentem und konvergentem Denken
4.1.3 Kriterium: Erfolg beim Erfinden
4.2 Kontrollvariablen
4.3 Statistische Hypothesen und Datenanalyseverfahren
4.4 Untersuchungsdesign
4.5 Stichprobe
4.5.1 Vorüberlegungen zur Stichprobe
4.5.2 Beschreibung der Stichprobe
4.6 Durchführung

5. Ergebnisse
5.1. Datenanalyse
5.1.1 Komplexes Problemlösen – FSYS 2.0
5.1.2 Steuerung von divergentem und konvergentem Denken – FKP
5.1.3 Erfolg beim Erfinden
5.1.4 Methodische Voraussetzungen der Datenanalyseverfahren
5.2.Hypothesenprüfung
5.2.1 Hypothese 1
5.2.2 Hypothese 2
5.2.3 Interkorrelation der Prädiktoren
5.3 Weiterführende Rechnungen
5.3.1 Zusammenhang zwischen komplexem Problemlösen und Erfindererfolg
5.3.2 Zusammenhang zwischen Steuerung von dD und kD und Erfindererfolg

6. Diskussion
6.1 Einschränkungen dieser Untersuchung
6.2 Zusammenfassung und allgemeine Diskussion der Ergebnisse
6.3 Beitrag zur Forschung
6.4 ausblick

Literatur

Verzeichnis von Tabellen, Abbildungen und Anhängen

Tabellen:

Tabelle 1

Produkt-Moment-Korrelationen zwischen FKP-Skalen und Generalgütekriteriums der Lohhausen-Studie

Tabelle 2

Partialkorrelationen zwischen Vorwissenstest und FSYS-Skalen

Tabelle 3

Produkt-Moment-Korrelationen zwischen ISA versus FSYS 2.0 einerseits und einer konkreten Arbeitsaufgabe andererseits

Tabelle 4

b-Gewichte der M-Skalen sowie ISA zur Vorhersage der jeweiligen Bewertung in der Fallstudie

Tabelle 5

Trennschärfen und Konsistenzschätzungen des Fragebogens für kognitive Prozessvariablen (FKP)

Tabelle 6

Zusammenhänge zwischen Geschlecht und hypothesenrelevanten FSYS-Skalen

Tabelle 7

Bildungsstand der Versuchspersonen.

Tabelle 8

Mittelwerte und Standardabweichungen der FSYS-Skalen dieser Stichprobe sowie einer Referenzpopulation von Wagener (2001)

Tabelle 9

Korrelationen der FSYS-Skalen mit den Kontrollvariablen

Tabelle 10

Interkorrelationen der FKP-Skalen

Tabelle 11

Korrelationen der FKP-Skalen mit den Kontrollvariablen

Tabelle 12

Statistische Kennwerte der Erfolgsindikatoren

Tabelle 13

Statistische Kennwerte der aggregierten Erfolgsmaße

Tabelle 14

Interkorrelationen der sechs Erfolgsindikatoren

Tabelle 15

Korrelationen der Erfolgsmaße mit Kontrollvariablen

Tabelle 16

Interkorrelationen (Produkt-Moment) der Prädiktoren von Hypothese 1

Tabelle 17 a-c

Regressionsanalyse zur Hypothese 1

Tabelle 18 a-c

Regressionsanalyse zur Hypothese 2

Tabelle 19

Interkorrelationen der Prädiktoren beider Hypothesen

Tabelle 20

Bivariate Korrelationen der Indikatoren von komplexen Problemlösen und Erfolg

Tabelle 21

Gruppenunterschiede und Referenz-Werte (Wagener, 2001) in den FSYS-Skalen abhängig von Zahl erteilter Patente (Patent1)

Tabelle 22

Mittelwertsvergleich für Alter, Geschlecht und Bildung

Tabelle 23

Gruppenunterschiede und Referenz-Werte (Wagener, 2001) in den FSYS-Skalen abhängig von Zahl genutzter Patente (Patent2)

Tabelle 24

Bivariate Korrelationen der Fragebogenskalen und Erfolgsindikatoren

Tabelle 25

Gruppenunterschiede in den Fragebogen-Skalen abhängig von Zahl erteilter Patente (Patent1)

Tabelle 26

Mittelwertsvergleich für Alter, Geschlecht und Bildung

Tabelle 27

Gruppenunterschiede in den Fragebogen-Skalen abhängig von Zahl genutzter Patente (Patent2)

Abbildungen:

Abbildung 1

Hendersons Modell der Determinanten der Leistung von Erfindern.

Abbildung 2

Systemmodell FSYS 2.0, einzelnes Waldstück

Abbildung 3

Altersverteilung der Stichprobe

Abbildung 4

SKAPKOR-Mittelwerte in vier Gruppen (nach Patent1) und SKAPKOR-Referenzwert der Normpopulation

Anhänge:

Anhang A

Beschreibung FSYS-Skalen

Anhang B

Verwendeter Fragebogen mit FKP-Items, Fragen zu Erfolgsindikatoren und demographischen Angaben

Anhang C

Anschreiben

Anhang D

Begleitschreiben Stiftung

Anhang E

FSYS-Einführungstext für den Teilnehmer

Anhang F

FSYS-Text zum Vorlesen während der Übungsphase

Anhang G

Email von Dr. Dietrich Wagener

Anhang H

Verteilungen der FSYS-Skalen

Anhang I

Faktorenanalyse der FSYS-Skalen

Anhang J

Verteilungen der FKP-Items und -skalen

Anhang K

Interkorrelationen der FKP-Items

Anhang L

Faktorenanalyse der FKP-Items

Anhang M

Verteilungen der einzelnen Erfolgsmaße

Anhang N

Verteilungen der aggregierten Erfolgsmaße (PG1, PG2, EE)

Anhang O

Kollinearitätsprüfung Hypothese 1 (Konditionsindize, Verteilung Varianzanteile)

Anhang P

Kollinearitätsprüfung Hypothese 2 (Konditionsindize, Verteilung Varianzanteile)

Anhang Q

Histogramm und Normalverteilungsplot der Residuen aus Hypothese 2

Anhang R

Regressionsanalyse zur Hypothese 1 ohne Kontrollvariablen

Anhang S

Regressionsanalyse zur Hypothese 2 ohne Kontrollvariablen

Anhang T

Gruppenvergleiche für Kontrollvariablen

Zusammenfassung

In der vorliegenden Arbeit wurden kognitive Determinanten des Erfolges von Erfindern untersucht. Im Rahmen der Arbeiten von Dietrich Dörner (z.B. 1986) stand dabei die operative Intelligenz von Erfindern im Mittelpunkt. Es wurde angenommen, dass sie mit dem Erfolg von Erfindern positiv zusammenhängt. Die operative Intelligenz wurde über die komplexe Problemlösefähigkeit und die bewusste Steuerung von divergentem und konvergentem Denken operationalisiert. Der Erfindererfolg wurde über die Anzahl an erteilten und genutzten Patenten und Gebrauchsmustern definiert. Zusätzlich wurde ein Effizienzmaß nach Mieg (2005) berechnet. Die komplexe Problemlösefähigkeit wurde der klassischen Tradition folgend mit einem komplexen Computerszenario (FSYS 2.0 von Wagener, 2001) erfasst. Die Steuerbarkeit von divergentem und konvergentem Denken wurde mit dem von Kreuzig (1981) erstellten Fragebogen zur Erfassung kognitiver Prozessvariablen (FKP) erhoben, der bereits in der berühmten Lohhausen-Studie eingesetzt wurde. Untersucht wurden insgesamt 46 freie Erfinder, von denen 36 auch den Test zum komplexen Problemlösen bearbeitet haben. Während sich der FKP als guter Prädiktor des Erfindererfolges erwiesen hat, standen die Ergebnisse im Szenario FSYS in keinem Zusammenhang mit dem Erfolg der Erfinder.

Abstract

This work studies cognitive determinants of the success of inventors. According to Dörner (e.g., 1986) the focus lies on the inventor’s operative intelligence. It was assumed that it correlates positively to the inventor’s success. The operative intelligence was operationalized via the ability to complex problem solving and the deliberate controlling of divergent and convergent thinking. The inventor’s success was defined by the number of granted and marketed patents and utility patents. Additionally Mieg’s (2005) efficacy measure was calculated. Following the tradition the complex problem solving ability was assessed with a complex computer scenario (FSYS 2.0 by Wagener, 2001). The controllability of divergent and convergent thinking was assessed by Kreuzig’s (1981) questionnaire for cognitive process variables (German: Fragebogen für kognitive Prozessvariablen – FKP). The FKP also was used in the famous Lohhausen study. The sample consists of 46 inventors; 36 of them worked on the computer scenario, too. While the FKP turned out as a good predictor of the inventor’s success, the results of the complex computer scenario were not related to the success of the inventors.

1. Einleitung

Was ist die besondere Grundlage, die es Erfindern ermöglicht, neue Ideen zu produzieren und umzusetzen? Lässt sich diese Frage einfach mit Kreativität beantworten? Welche Denkprozesse verbergen sich dahinter?

Psychologische Erfinderforschung steckt heute noch in den Kinderschuhen. Es ist wenig bekannt über die kognitiven Merkmale von Erfindern und ob sie sich bezüglich dieser als homogene Gruppe klassifizieren lassen. Ebenso existieren keine Instrumente, anhand derer man den Erfolg eines Erfinders verlässlich vorher sagen kann.

In der vorliegenden Diplomarbeit wird der Prozess des Erfindens mit komplexem Problemlösen verglichen. Mit Theorien und Instrumenten der komplexen Problemlöseforschung wird das Erfinden beschrieben und untersucht. Hier stehen vor allem die Arbeiten von Dietrich Dörner (z.B. 1986) zur operativen Intelligenz im Mittelpunkt. Es wird angenommen, dass die operative Intelligenz von Erfindern mit ihrem Erfolg in Verbindung steht. Dieser Zusammenhang soll untersucht werden – mit dem Ziel, Einblicke in die Kognitionen von Erfindern zu gewinnen.

Zunächst folgt in Kapitel 2 eine Darstellung der theoretischen Grundlage dieser Arbeit. Es wird beschrieben, auf welche Theorien die Untersuchung aufbaut und inwiefern sie bisher empirisch untermauert wurden. Das Kapitel lässt sich in Arbeiten zur Erfinderforschung und Arbeiten zur operativen Intelligenz und komplexen Problemlösen gliedern. Aus den beschriebenen Theorien leitet sich die psychologische Forschungsfrage ab, die in Kapitel 3 erläutert wird. Im Methodenteil (4. Kapitel) wird auf die Operationalisierungen der verwendeten Konstrukte und das Design der Untersuchung eingegangen. Dort finden sich neben einer Beschreibung der Stichprobe auch Hinweise zur Durchführung der Untersuchung. Die gewonnenen Daten werden im 5. Kapitel beschrieben. Eine Interpretation und Diskussion der Ergebnisse findet sich in Kapitel 6.

Die verwendeten Materialien (Fragebogen, Instruktionstexte etc.) und Tabellen, auf die im Text nicht näher eingegangen wird, werden in den Anhängen am Ende der Arbeit aufgeführt.

2. Theoretischer und empirischer Hintergrund

2.1 Erfinderforschung

2.1.1 Was ist ein Erfinder?

Während Kreativität ein weithin untersuchtes Forschungsfeld darstellt (z.B. Csikszentmihalyi, 1997; Guilford, 1973; Hemmer-Junk, 1994; McCrae, 1987, Ward, Smith & Vaid, 1997), sind Erfinder darin doch eher eine Minderheit. Die folgenden Abschnitte fassen den aktuellen Stand der Erfinderforschung (samt der relevanten Aspekte der Kreativitätsforschung) zusammen.

Demographische Variablen

Henderson (2004a) bezieht sich auf eine Studie von Rossman, die Anfang des 20. Jahrhunderts durchgeführt wurde und in der v.a. demographische Angaben erfragt wurden. Rossman führte eine Umfrage unter 710 der erfolgreichsten US-Erfinder durch, die zu der Zeit insgesamt 95 Prozent aller Patente hielten. Die Erfinder waren ausschließlich männlich. Personen mit einer College-Ausbildung (59 Prozent) besaßen durchschnittlich 47.3 Patente, während Personen ohne eine solche Ausbildung nur 3.6 Patente im Durchschnitt hatten. Die Bildung schien also einen enormen Einfluss auf die Zahl der erworbenen Patente zu haben.

In der von Henderson (2002) durchgeführten Studie im Jahr 2001 betrug der Frauenanteil 19 Prozent. Das Durchschnittsalter betrug knapp 38 Jahre, wobei Frauen signifikant jünger waren als Männer (34.2 bzw. 38.4 Jahre).

97 Prozent der Studienteilnehmer konnten mindestens einen College-Abschluss vorweisen (darunter 62 Prozent mit Master oder einem höheren akademischen Titel). Die Erfinder dieser Untersuchung konnten im Mittel sechs Patente vorweisen.

Auch in dieser Studie wird also deutlich, dass Erfinder im Allgemeinen über einen hohen Bildungsstand verfügen. Der geringe Frauenanteil findet sich laut Henderson ebenso in Statistiken der National Science Foundation von 1997, wenngleich er dort mit 23 Prozent noch etwas höher liegt.

In Deutschland haben sich Burkhardt und Greif (2001) der Frage gewidmet, wie groß der Anteil von Frauen im Patentgeschehen ist. Da in den Patentanmeldungen das Geschlecht (ebenso wie andere demographische Angaben) nicht erfragt wird, musste die Klassifizierung nach männlich und weiblich über den Vornamen erfolgen. Burkhardt und Greif analysierten die Patentanmeldungen der Jahre 1995, 1997 und 1999. Der Beitrag von Frauen zu den Patentanmeldungen dieser Jahre wurde über eine Gewichtung der Patentanmeldungen geschätzt, an denen Frauen allein oder als Bestandteil einer Erfindergruppe beteiligt waren. Dazu wurden die Anmeldungen mit Frauen durch die Zahl der beteiligten Erfinder dividiert und dann zu gleichen Teilen den einzelnen Erfindern zugeordnet. So ergab sich für das Jahr 1999 ein weiblicher Patent-Beitrag von 3.5 Prozent. Dieser Anteil ist sehr gering, aber immerhin seit 1995 bereits um rund 60 Prozent gestiegen, was auf einen Anstieg des Beitrages von Frauen im deutschen Patentgeschehen schließen lässt.

Persönlichkeitsmerkmale

In der Kreativitätsforschung werden kreativen Personen meist folgende Eigenschaften zugeschrieben: Tendenz zur Unabhängigkeit und Autonomie, Nonkonformismus, unkonventionelles Verhalten, weit gespannte Interessen, Offenheit für Erfahrungen, Risikobereitschaft sowie kognitive Flexibilität (Funke, 2000, S.291). Als weitere Merkmale gelten Brander (1989) zufolge der Wille, hart und viel zu arbeiten, ein hohes Selbstvertrauen und eine Präferenz oder zumindest Toleranz für Komplexitäten und Ambiguitäten. Diese Fähigkeit zur Ambiguitätstoleranz beschreibt Matussek auf folgende Weise (zit. nach Hemmer-Junk, 1994, S.75):

Sie lässt sich als die Fähigkeit definieren, in einer problematischen und unübersichtlichen Situation zu existieren und trotzdem unermüdlich an deren Bewältigung zu arbeiten. Die meisten Menschen ertragen die aus der Ungelöstheit entstehenden Spannungen nur für kurze Zeit... Der Kreative kann dagegen die Ungelöstheit der Probleme lange aushalten, ohne die intensive Arbeit an ihnen aufzugeben.

Diese Eigenschaften sind laut Schaefer (1972, nach Barron & Harrington, 1981) zeitstabil und haben hohe Interkorrelationen.

Auf den nächsten Seiten findet sich eine Darstellung theoretischer und empirischer Befunde zu wesentlichen Persönlichkeitsmerkmalen. Die wichtigsten dem zugrunde liegenden Studien sollen hier kurz skizziert werden.

McCrae (1987) konnte in seiner Untersuchung zum Zusammenhang von Kreativität und Persönlichkeit auf die Daten einer vorliegenden Längsschnittstudie zurückgreifen, in der 268 Männer (meist weiß, gebildet) über einen Zeitraum von 1959 bis 1985 u.a. folgende Tests bearbeiten mussten: 1) Tests zum divergenten Denken (im Guilfordschen Sinne; es v.a. wurden Flüssigkeit und Originalität gemessen, s.u.), 2) NEO-Inventory von Costa & McCrae (1985), 3) Creative Personality Scale (CPS) von Gough (1979), 4) die Psychotozismus-Skala des EPQ von Eysenck & Eysenck (1975) und 5) der CPS, „which has predicted high levels of creativity across multiple studies and diverse samples“ (Carson, Peterson & Higgins, 2003, S.501), wurde von Gough aus Ergebnissen der Adjective Check List (Gough & Heilbrun, 1965) und entsprechenden Korrelationen mit Kreativitätsbewertungen von mehreren Experten abgeleitet. Da manche Probanden nur bei einigen Teilen der Studie mitgewirkt haben, wird die jeweilige Stichprobengröße bei den einzelnen Ergebnissen immer mit angegeben.

Auch die Studie von King, McKee Walker & Broyles (1996) widmete sich der Beziehung zwischen Kreativität und Persönlichkeit. Persönlichkeitsmerkmale wurden hier mittels Big Five Inventory (BFI) von John, Donahue & Kentle (1991) erhoben. Kreativität wurde einmal auf der Ebene der Fähigkeit mit dem Torrance Tests of Creative Thinking (TTCT) von Torrance (1990) gemessen und einmal auf der Ebene der kreativen Leistungen über die Beurteilung von Produkten kreativer Arbeit durch zwei Psychologie-Studenten (Interrater-Korrelation von .89). 75 Versuchspersonen (Psychologiestudenten, darunter 48 Frauen, Durchschnittsalter 20.9 Jahre) nahmen an der Untersuchung teil. Von 62 Probanden waren außerdem Intelligenzmessungen (mittels des Scholastic Aptitude Test, SAT) verfügbar.

Braun (2005) hat persönliche Bedingungen für eine erfolgreiche Umsetzung von Erfindungen untersucht. Von 69 Erfindern (Durchschnittsalter 49.4 Jahre; darunter 49 Erfinder über eine Erfinderstiftung und 20 Erfinder über die Insti-Erfinderclubs vermittelt) wurden hierfür u.a. folgende Daten ermittelt: 1) Big Five mittels NEO-FFI (Borkenau & Ostendorf, 1993), 2) Risikoskala DOSPERT-G von Johnson, Wilke & Weber (2004) und 3) Kurzskala zur allgemeinen Selbstwirksamkeit von Schwarzer & Jerusalem (1999). Außerdem wurde erfragt, wie viele Patente, Gebrauchs- und Geschmacksmuster (PGG) die Erfinder erteilt bekommen haben, wie viele PGG sie wirtschaftlich nutzen und wie viele PGG bereits Erträge bringen. Da das Alter der Probanden einen wesentlichen Einfluss auf die Erfolgskriterien (PGG) hat, wurde mit den „altersfreien“ Residualwerten gerechnet. Neben Mittelwertsvergleichen mit den jeweiligen Normstichproben wurden die einzelnen Skalen bei Regressionsanalysen zur Vorhersage der Erfolgskriterien heran gezogen. Da bei den Erfindergruppen bezüglich aller Erfolgskriterien signifikante Unterschiede bestehen (wobei sich die Erfinder der Stiftung als bedeutend erfolgreicher erwiesen), gingen diese Gruppen auch getrennt in die Auswertung ein (hier konnten die Daten von 67 Personen einbezogen werden).

Henderson führte 2001 eine Querschnittstudie unter 1.070 angestellten Erfindern durch (Henderson, 2002). 96 Prozent der Erfinder waren an einer von drei großen Firmen in Silicon Valley in Kalifornien beschäftigt. Die anderen wurden über einen Alumni-Email-Verteiler einer großen Universität ausgesucht und kontaktiert. Die Teilnehmer hatten einen Online-Fragebogen mit 90 Fragen zu bearbeiten (vgl. Kapitel 2.1.3). Neben Fragen zur Motivation, Rollenidentität, Fähigkeiten zum Erfinden und zum prägenden Umfeld wurden auch demographische Variablen erhoben. Die Rücklaufquote betrug 23 Prozent, es gingen also die Daten von 247 Erfindern in die Auswertung ein.

Big Five

Mit „Big Five“ werden die fünf Persönlichkeitsdimensionen des Fünf-Faktoren-Modells angesprochen, das heute die gängigste Klassifikation der Persönlichkeit darstellt. Zu den „Big Five“ gehören Neurotizismus, Extraversion, Offenheit für Erfahrungen, Verträglichkeit und Gewissenhaftigkeit.

Denkt man an Erfinder, mögen einige Vergleiche mit der Comicfigur Daniel Düsentrieb vor Augen haben und sich einen verschrobenen Exzentriker mit wirrem Haar und abstrusen Ideen vorstellen. Auch viele Künstler werden als neurotisch wahrgenommen. Doch diese umgangssprachliche Bezeichnung, die eher in den psychopathologischen Bereich zielt, darf nicht mit dem psychologischen Begriff „ Neurotizismus “ verwechselt werden. Ein Abschnitt zu „Psychopathologischen Merkmalen“ findet sich später in diesem Kapitel. Als Persönlichkeitsmerkmal der Big Five darf Neurotizismus „nicht im Sinne der Diagnose einer psychischen Störung ... verstanden werden. ... Der Kern der Dimension liegt in der Art und Weise, wie Emotionen, vor allem negative Emotionen, erlebt werden“ (Borkenau & Ostendorf, 1993, S.27). Menschen mit geringen Punktwerten in der Neurotizismus-Skala des NEO-FFI, also emotional stabile Menschen, „beschreiben sich selbst als ruhig, ausgeglichen, sorgenfrei, und sie geraten auch in Streßsituationen nicht so schnell aus der Fassung“ (Borkenau & Ostendorf, 1993, S.27).

Laut King, McKee Walker und Broyles „there is the notion that creativity ought to relate to superior coping and heightened well-being” (King et al., 1996, S.192). Damit verweisen sie auf Anthony (1987). Als Beleg für diese These kann das Ergebnis einer Studie von Goff (1993, nach King et al., 1996) verstanden werden, der über positive Zusammenhänge zwischen Kreativität und Lebenszufriedenheit berichtet. King et al. (1996) haben daraus gefolgert, dass kreative Personen nicht neurotischer bzw. emotional instabiler als nicht-kreative Personen sein sollten. In ihrer Untersuchung ließen sich keine Zusammenhänge zwischen Neurotizismus und kreativen Fähigkeiten bzw. kreativen Leistungen finden, was als Bestätigung dieser Vermutung verstanden werden kann..

McCrae (1987) konnte einen hoch signifikanten Zusammenhang zwischen Neurotizismus und dem Kreativitätstest CPS von Gough (r = -.30; p < .001;

n = 86-137) nachweisen. Dementsprechend geht steigende emotionale Stabilität (geringe Neurotizismus-Werte) also mit steigender Kreativität einher. Mit den Tests zum divergenten Denken konnten in McCraes Untersuchung keine Korrelationen gefunden werden.

In der Studie von Braun (2005) ließen sich die untersuchten Erfinder als sehr viel weniger neurotisch als die Normstichprobe charakterisieren (z = -5.58, p < .01, zweiseitig). Erfinder sind demnach bedeutend weniger neurotisch als die Referenzpopulation. Unter den Erfindern zeigten die erfolgreicheren Stiftungserfinder bei einem Mittelwertsvergleich signifikant niedrigere Neurotizismus-Werte als die Erfinder der Erfinderclubs, t (67) = -2.77; p < .01. Damit stellen sich erfolgreiche Erfinder als emotional äußerst stabile Personen-gruppe dar, die Stresssituationen gut gewachsen ist und sich nicht so leicht aus dem seelischen Gleichgewicht bringen lässt.

Extrovertierte Personen können als „selbstsicher, aktiv, gesprächig, energisch, heiter und optimistisch“ (Borkenau & Ostendorf, 1993) klassifiziert werden. Diese Beschreibung lässt King et al. (1996) zufolge einen positiven Zusammenhang zwischen Extraversion und Kreativität vermuten. Mit kreativer Fähigkeit konnte in ihrer Studie auch eine signifikante Korrelation (r = .28; p < .05) gefunden werden.

McCrae (1987) fand einen sehr hohen Zusammenhang mit dem CPS (r = .30;

p < .001; n = 86-137). Bei zwei von sechs Tests zum divergenten Denken ließen sich ebenfalls signifikante Korrelationen (je r = .13; p < .05; n = 130-267) finden. In der Untersuchung von Braun (2005) erwiesen sich die Erfinder als extrovertierter als die von Borkenau & Ostendorf (1993) angegebene Normstichprobe (z = 2.04, p < .05, zweiseitig). Damit zeichnen die Untersuchungen ein ähnliches Bild.

In der Kreativitätsforschung wurde und wird immer wieder eine Persönlichkeitsdimension als besonders bedeutend für Kreativität hervorgehoben: Offenheit für Erfahrungen (z.B. McCrae, 1987). In der Handanweisung des deutschen NEO-Fünf-Faktoren-Inventars wird diese Eigenschaft folgendermaßen beschrieben (aus Borkenau & Ostendorf, 1993, S.28):

Personen mit hohen Punktwerten geben häufig an, dass sie ein reges Phantasieleben besitzen, ihre eigenen Gefühle ... akzentuiert wahrnehmen und an vielen persönlichen und öffentlichen Vorgängen interessiert sind. Sie beschreiben sich als wißbegierig, intellektuell, phantasievoll, experimentierfreudig, und künstlerisch interessiert. Sie sind eher bereit, bestehende Normen kritisch zu hinterfragen und auf neuartige soziale, ethische und politische Wertvorstellungen einzugehen. Sie sind unabhängig in ihrem Urteil, verhalten sich häufig unkonventionell ... und bevorzugen Abwechslung.

Tatsächlich ließen sich oft hohe Zusammenhänge zwischen Kreativität und Offenheit für Erfahrungen (OfE) nachweisen. In seiner Untersuchung fand z.B. McCrae (1987) Korrelationen zwischen OfE und Kreativität (gemessen mit Tests zum divergenten Denken) von bis zu .39 (p < .001; n = 127). Der Zusammenhang zwischen CPS und OfE betrug in dieser Studie sogar .44 (p < .001; n = 123).

Auch in der Untersuchung von King et al. (1996) fanden sich hoch signifikante Zusammenhänge zwischen Offenheit für Erfahrungen und Kreativität. Der Zusammenhang zwischen OfE und TTCT (kreativer Fähigkeit) betrug .38, mit kreativen Leistungen .47 (beide signifikant auf .01-Niveau). Da sowohl Offenheit für Erfahrungen, als auch kreative Fähigkeit und Leistungen mit Intelligenz verbunden sind, haben King et al. auch die Partialkorrelationen interessiert. Eliminiert man den Einfluss der Intelligenz aus den drei Faktoren, reduzieren sich die Zusammenhänge zwar auf .33 bzw. .39, bleiben aber immer noch auf dem .05-Niveau signifikant. Außerdem konnte in dieser Untersuchung festgestellt werden, dass OfE und kreative Leistungen immer noch signifikant zusammen hängen, wenn der Einfluss von kreativer Fähigkeit kontrolliert wird (pr = .25; p < .01). Dies bedeutet, dass (obwohl sich die Merkmalsbereiche von Offenheit für Erfahrungen und kreativer Fähigkeit überschneiden) beide Konstrukte eine Varianzaufklärung der Variable „kreative Leistungen“ leisten, die über die des anderen Konstruktes hinausgeht.

Es lässt sich also eindeutig festhalten, dass Offenheit für Erfahrungen ein wesentliches Merkmal von kreativen Personen zu sein scheint. Können diese Ergebnisse nun so auf Erfinder übertragen werden?

Die Studie von Braun (2005) lässt zunächst das Gegenteil vermuten. Die von ihr untersuchten Erfinder erzielten keine höheren Werte als die Normstichprobe des eingesetzten NEO-FFI (Borkenau & Ostendorf, 1993), z = -0.80. Braun, Mieg und Neyer (eingereicht) haben die aus Brauns (2005) gewonnenen Daten zur Offenheit für Erfahrungen zusätzlich mit den Daten von Körner, Geyer und Brähler (2002) verglichen, da die von Borkenau und Ostendorf (1993) zitierte Referenzpopulation vorwiegend aus Studierenden besteht. Körner, Geyer und Brähler (2002) bieten NEO-FFI-Werte einer allgemeineren Stichprobe zum Vergleich. Hier ergibt sich ein beträchtlicher Unterschied in der Offenheitsskala (z = 10.78, p < .01, zweiseitig). Im Vergleich zu einer heterogeneren Stichprobe sind Brauns Erfinder eindeutig offener für neue Erfahrungen.

Braun (2005) hat die Vorhersagegüte von OfE für den Erfindererfolg mit einer Regressionsanalyse untersucht. Hier erwies sich OfE zwar als geeigneter Prädiktor für die Vorhersage von wirtschaftlich genutzten Patenten, Gebrauchs- und Geschmacksmustern (PGG), allerdings in hypothesenkonträrer Richtung. Es fand sich ein Beta von -.26 (p < .05). Bei einer weiteren Regressionsanalyse sollte das Vorhersagepotential für die Verhältnisvariable „PGG am Markt/erteilte PGG“ untersucht werden. Höhere Werte sollten demnach für erfolgreichere Erfinder sprechen. Hier wurde der beschriebene Effekt noch deutlicher (b = -.42; p < .01). Offenheit für Erfahrungen kann demnach bei Erfindern als geeigneter Prädiktor für die PGG am Markt angesehen werden, wenn auch in anderer Weise als man vermuten würde. Wie kann das mit den Ergebnissen der Kreativitätsforschung in Einklang gebracht werden?

„Vor dem Hintergrund des Erfindungsprozesses als ein Phasenmodell ... scheint es, dass in unterschiedlichen Abschnitten jeweils unterschiedlichen Persönlichkeitseigenschaften eine besondere Bedeutung zukommt“, schreibt Braun (2005, S.36). So sagt z.B. West (2002), dass Kreativität nur das erste Stadium des Innovationsprozesses darstellt. Danach folgt die Anwendung der Innovation.

Aphoristically, creativity is thinking about new things, innovation implementation is about doing new things ... Innovation can then be defined as encompassing both stages – the development of ideas – creativity; followed by their application – the introduction of new and improved products, services, and ways of doing things at work. (West, 2002, S.357)

Betrachtet man erteilte und bereits wirtschaftlich genutzte Patente, Gebrauchs- und Geschmacksmuster (PGG) als Kriterium einer Prädiktionsanalyse, befindet man sich damit zwangsläufig in der Phase der „innovation implementation“. In unserem Phasenmodell des Erfindens kann diese dem fünften Stadium, der Ausarbeitung, zugeordnet werden. In dieser Phase scheint sich Offenheit für Erfahrungen eher negativ auszuwirken. Diese Überlegung wird plausibler, wenn man ein weiteres Ergebnis der Untersuchung von Braun mit einbezieht. Als weiterer geeigneter Prädiktor hat sich Gewissenhaftigkeit bei der Vorhersage von erteilten und am Markt genutzten PGG erwiesen (b = .34; p < .05 bzw. b = .36; p < .05). In diesem späten Stadium scheinen Eigenschaften wie Zielstrebigkeit, Ehrgeiz, Fleiß, Systematik und Ordentlichkeit also wichtiger als Kreativität und Offenheit für Erfahrungen zu sein. Daraus folgert Braun:

Zusammengeführt bedeutet dies, dass das Produkt eines Erfindungsprozesses gemessen an den PGG als Erfolgskriterium nur dann erfolgreich umgesetzt werden kann, wenn in der Spätphase eine Fokussierung auf Vermarktbarkeit und die Implementierung der Produkte am Markt stattfindet. Anders gesagt, ein erfolgreicher Erfinder bzw. Erfinder-Unternehmer ist eine Person, der es gelingt, die offene, kreative Anfangsphase in einen auf Vermarktung fokussierten, unternehmerischen Prozess überzuleiten. (Braun, 2005, S.37)

Im Vergleich zu anderen sind Erfinder also wesentlich offener für neue Erfahrungen. Innerhalb der Erfinderpopulation erweist sich aber Nicht-Offenheit für Erfahrungen als bedeutender Prädiktor für den Erfindererfolg.

Da Menschen mit hohen Werten in der Skala zur Verträglichkeit zur Kooperativität und Nachgiebigkeit aufgrund ihres stark ausgeprägten Harmoniebedürfnisses neigen (Borkenau & Ostendorf, 1993), kann man folgern, dass dies zu einem konformen Verhalten führt. Wie oben bereits erwähnt zeichnen sich kreative Personen aber eher durch Nonkonformismus, Unabhängigkeit sowie unkonventionelles Verhalten aus. Daher sollten in entsprechenden Untersuchungen über negative Zusammenhänge berichtet werden. Tatsächlich ließ sich bei King et al. (1996) eine signifikante Korrelation von -.23 (p < .05) finden. Auch McCrae fand Verträglichkeit und Kreativität via CPS miteinander verbunden (r = .17; p < .05;

n = 86-137), allerdings in anderer Richtung. Hier ging Kreativität also mit wachsender Verträglichkeit einher. Mit divergentem Denken ließ sich demgegenüber kein Zusammenhang feststellen. Auch die Erfinder in der Studie von Braun (2005) zeigten sich (zumindest tendenziell) verträglicher als die NEO-FFI-Normstichprobe (z = 1.70).

Der Zusammenhang zwischen Kreativität und Gewissenhaftigkeit stellt sich nach King et al. (1996) uneindeutig dar. Nach McCrae, Costa & Busch (1986, nach King et al., 1996) sind Tagträume und Phantastereien Indikatoren für wenig Gewissenhaftigkeit. Für Kreativität haben sie aber eine große Bedeutung: „The ‚no nonsense’ flavor of conscientiousness seems to oppose the open-mindedness that characterizes the creative person“ (King et al., 1996, S.191). Auf der anderen Seite betonen King et al. aber auch, dass Selbstdisziplin und harte Arbeit einen großen Beitrag für die kreative Produktivität leisten. Sehr gewissenhafte Personen beschreiben sich laut Manual des NEO-FFI (Borkenau & Ostendorf, 1993, S.28) als „zielstrebig, ehrgeizig, fleißig, ausdauernd, systematisch, willensstark, diszipliniert, zuverlässig, pünktlich, ordentlich, genau und penibel“. Diese Eigenschaften sollten tatsächlich eine wesentliche Rolle bei der Umsetzung kreativer Ideen spielen. Daraus folgern King et al., dass Gewissenhaftigkeit zwar nicht mit den vorhandenen kreativen Fähigkeiten zusammenhängen, sich aber bei einer geringen kreativen Begabung positiv auf die kreative Produktivität ausprägen sollte. Dies lässt sich dadurch erklären, dass es wahrscheinlich viele Menschen gibt, die zwar über kaum kreative Fähigkeiten verfügen, sich aber dennoch gerne kreativ betätigen. Sind diese Personen nun zusätzlich ausgesprochen gewissenhaft, werden sie mehr kreative Produkte hervorbringen als ähnlich Kreativ-Interessierte mit nur mäßig ausgeprägter Gewissenhaftigkeit. Die empirische Prüfung stützt diese Annahme. Auf globaler Ebene ließ sich kein Zusammenhang zwischen Gewissenhaftigkeit und kreativen Fähigkeiten (r = .06) bzw. kreativen Leistungen (r = -.12) nachweisen. Über eine hierarchische Regressionsanalyse im Anschluss konnten King et al. aber zeigen, dass bei geringen kreativen Fähigkeiten tatsächlich ein positiver Zusammenhang zwischen Gewissenhaftigkeit und kreativen Leistungen besteht. Umgekehrt produzieren hoch kreative Personen mit einer nur gering ausgeprägten Gewissenhaftigkeit mehr kreative Erzeugnisse als sehr gewissenhafte Kreative.

In der Untersuchung von McCrae (1987) bestand zwischen den Ergebnissen der Tests zum dD und Gewissenhaftigkeit kein Zusammenhang (r s lagen zwischen .00 und -.08). Mit dem Kreativitätstest CPS korrelierte Gewissenhaftigkeit aber hoch signifikant (r = .30;

p < .001). Die fehlende Beziehung zwischen dD und Gewissenhaftigkeit bestätigt die Nullkorrelation von Gewissenhaftigkeit und dem verbalen Teil des Torrance Tests of Creative Thinking (TTCT), der auch die Fähigkeit zum divergenten Denken misst. Der starke Zusammenhang mit dem CPS weist nun aber darauf hin, dass sich kreative Personen anscheinend doch durch eine hohe Gewissenhaftigkeit auszeichnen.

Die Ergebnisse von Braun (2005) weisen daraufhin, dass dies auch für Erfinder gilt. Im Vergleich zur Normpopulation des NEO-FFI stellten sich die Erfinder als signifikant gewissenhafter (z = 3.03, p < .01, zweiseitig) dar. In dem von Braun, Mieg und Neyer (eingereicht) durchgeführten Vergleich mit den von Körner, Geyer und Brähler (2002) zitierten Referenzwerten wurde der Unterschied aber nicht signifikant (z = 1.31). Wie oben bereits beschrieben zeigte sich bei einer Regressionsanalyse, dass Gewissenhaftigkeit auch ein stabiler Prädiktor für erteilte Patente, Gebrauchs- und Geschmacksmuster (β = .34;

p < .05) sowie für PGG auf dem Markt (β = .36; p < .05) ist. Bei einer schrittweisen Regression mit sämtlichen Skalen der Untersuchung erwies sich Gewissenhaftigkeit auch als guter Prädiktor für die Vorhersage der Zahl an Patenten, Gebrauchs- und Geschmacksmustern (PGG), die bereits Erträge bringen (β = .27; p < .05). Daraus schließt Braun, dass sich Erfinder durch ein hohes Maß an planendem und zielstrebigem Verhalten auszeichnen (2005, S.23). Ein Mittelwertsvergleich bei beiden Erfindergruppen zeigt, dass dies besonders für die erfolgreicheren Erfinder der Stiftung gilt, t (67) = 2.31, p < .05. Innerhalb dieser Gruppe erweist sich Gewissenhaftigkeit sogar als noch besserer Prädiktor für erteilte PGG (β = .54; p < .05) und auch für PGG auf dem Markt (β = .56; p < .05).

Zusammenfassend und stark vereinfacht lässt sich also festhalten, dass Erfinder allgemein emotional sehr stabil, extrovertiert und offen für Erfahrungen sind, dafür aber eher verträglich und eher gewissenhaft.

Risikobereitschaft

Risikobereitschaft (RB) wird nach Andresen (1995, nach Braun, 2005) als wichtige Ergänzung zu den Big Five gesehen. Darunter werden folgende Persönlichkeitsaspekte zusammengefasst: Einsatzbereitschaft, Durchsetzungsfähigkeit, Tatkraft, Forscherdrang, Führungsanspruch und Zielstrebigkeit. Risikobereitschaft wurde ebenfalls von Zuckermann (1994, nach Braun, 2005) aufgegriffen und in sein Konstrukt des „sensation seeking“ integriert. Dieses Konstrukt beschreibt die Tendenz, „vielfältige, neue und komplexe Erfahrungen zu machen und die Bereitschaft, für die Erfahrungen physische, soziale, legale und finanzielle Risiken einzugehen“ (Braun, 2005, S.11). Damit könne auch der Erfinderprozess als Risiko aufgefasst werden, da alle monetären und nicht-monetären Investitionen einer gewissen Unsicherheit unterliegen.

In der Kreativitätsforschung wurde „sensation seeking“ auch schon von Barron und Harrington (1981) als Determinante von Kreativität erwähnt. Bei Zuckermann (1979, nach McCrae, 1987) findet sich eine Darstellung einiger Studien mit signifikanten Korrelationen zwischen verschiedenen Versionen der Sensation Seeking Scale (SSS-V) von Zuckermann (1979) und diversen Messungen von Kreativität und kreativem Verhalten. Auch McCrae (1987) hat den SSS-V mit seinen vier Subskalen („Thrill and Adventure Seeking“, „Experience Seeking“, „Disinhibition“ und „Boredom Susceptibility“; n = 156-201) in seiner Untersuchung eingesetzt. Es fanden sich durchweg (und teils sehr) bedeutende Zusammenhänge mit den Ergebnissen der Tests zum divergenten Denken (.18 ≤ rs ≤ .25). Die Korrelation mit dem Total-Score des SSS-V war sogar auf .001-Niveau signifikant

(r = .31). Zusammenhänge mit dem CPS wurden von McCrae nicht berichtet.

Kreative Personen scheinen sich demnach auch durch eine hohe Risikobereitschaft auszuzeichnen. Nach den oben erwähnten Überlegungen von Braun (2005) sollte dies auch für Erfinder gelten. Braun hat Risikobereitschaft in ihrer Studie über die Risikoskala DOSPERT-G erfasst. In sechs Subskalen („Investment“, „Ethical“, „Recreational“, „Health“, „Social“ und „Gambling“) wurde hier die Wahrscheinlichkeit einer bestimmten Verhaltensweise erfragt. In allen Skalen erhielten die Erfinder (zumindest tendenziell) hypothesenkonträre Ergebnisse. Bei „Health“ und „Ethical“ war der Unterschied zur Normpopulation sogar signifikant (z = -3.93 bzw. z = -9.28). Das heißt also, dass die Erfinder viel weniger als andere bereit sind, Risiken bezüglich ihrer Gesundheit einzugehen. Ebenso wenig sind sie bereit, Grenzen ethischer Wertvorstellungen zu überschreiten. Die Subskala „Ethical“ erwies sich bei einer Regressionsanalyse sogar als stabiler Prädiktor für das Erfolgskriterium „PGG mit Erträgen“. Je eher die Erfinder bereit sind, ethische Normen einzuhalten, „umso wahrscheinlicher ist es, dass ein Erfinder mit seinen PGG bereits Erträge erzielt. Das steht in eindeutigem Widerspruch zu den … aufgestellten Annahmen“ (Braun, 2005, S.27). Auf die „Investment“-Skala legte Braun besondere Aufmerksamkeit. Sie nahm an, dass besonders Erfinder eine hohe Bereitschaft zeigen, Investitionen einzugehen. Dies konnte nicht bestätigt werden (z = -0.61). Im Gruppenvergleich zeigten sich die erfolgreicheren Stiftungserfinder jedoch als signifikant investitionsfreudiger, t (67) = -2.29;

p < .05.

Selbstwirksamkeit

Das Konstrukt der Selbstwirksamkeit (SW) wird verstanden als (optimistische) Kompetenzerwartung, eine schwierige Lage zu bewältigen, wobei der Erfolg auf eigene Fähigkeiten attribuiert wird. „Menschen mit … vergleichsweise hoher Selbstwirksamkeit verfügen über größere Anstrengung und Ausdauer, ein höheres Anspruchsniveau, eine größere strategische Flexibilität bei der Suche nach Problemlösungen, bessere Leistungen, eine realistischere Einschätzung der Güte ihrer eigenen Leistung und betreiben selbstwertförderlichere Ursachenzuschreibung“ (Braun, 2005, S.12f). Daraus folgert Braun, dass Erfinder über eine hohe Selbstwirksamkeitserwartung verfügen sollten. Bei der Kurzskala zur allgemeinen SW-Erwartung von Schwarzer & Jerusalem (1999) zeigten die Erfinder aus Brauns Untersuchung jedoch keine nennenswerten Unterschiede zur Vergleichspopulation (z = 0.49). Auch bei Regressionsanalysen zeigte Selbstwirksamkeit keine Vorhersagekraft.

Auch Henderson (2004a, S.115) hat ihren Erfindern Fragen zur Selbstwirksamkeit vorgelegt. Sie konstruierte 52 Fragen zum Glauben in die eigene Fähigkeit, 52 spezifische Aufgaben zu bewältigen (in Rezeption der Transkripte von Interviews mit Erfindern und in Anlehnung an die Selbstwirksamkeitsskala von Bandura, 1997, nach Henderson, 2004a). Cronbachs Alpha variierte von .67-.93. Durchschnittlich vertrauten die Erfinder zu je 75 Prozent ihren technischen Fähigkeiten und zwischenmenschlichen Fähigkeiten (Kritikfähigkeit, Toleranz, Unterstützung etc.), und zu 67 Prozent ihrer „hardiness“. Darunter fallen z.B. Eigenschaften wie Durchsetzungsfähigkeit, Stressresistenz, Aufgaben-Fokussierung und Ausdauer. Mit Hinblick auf Fords motivationale Systemtheorie (siehe Kapitel 2.1.3) folgert sie, „that a high sense of personal agency would be instrumental in any creative endeavor“ (Henderson, 2004a, S.116).

Motivation

Um zu untersuchen, inwieweit Motivation einen Einfluss auf den Erfolg und die Produktivität von Erfindern hat, fragte Henderson (2002 und 2004a) die Erfinder ihrer Stichprobe nach den Hauptgründen, warum sie erfinden. Diese wurden anschließend entsprechend der Taxonomie von menschlichen Zielen nach Ford und Nichols (1991, nach Henderson, 2002) codiert. Zu den top ten zählen: „mastery, entertainment, exploration, happiness, resource provision, intellectual creativity, task creativity, superiority, individuality and material gain“ (Henderson, 2004a, S.114). Abgesehen von “superiority” und “material gain” befinden sich keine extrinsischen Ziele in den Hauptmotiven ihrer erfinderischen Tätigkeit. Am häufigsten (229 Nennungen bei N = 247) wurden Gründe genannt, die dem persönlichen Ziel „mastery“, also Meisterschaft/Beherrschung ihres Fachs zugeordnet werden konnten. Daraus folgerte sie, dass Erfinder hauptsächlich intrinsisch motiviert seien. Henderson berichtet auch von Studien, die ebenfalls die Bedeutung von intrinsischer Motivation für Kreativität belegen (ein Überblick findet sich bei Henderson, 2004a, S.115). Wie weiter unten noch beschrieben wird, erwies sich die Motivation der Erfinder außerdem als stabiler Prädiktor für ihren Erfolg.

Affinität zum Problemlösen

Die Eigenschaft, die Erfinder nach Meinung von Henderson (2004a) am meisten von anderen kreativen Personen unterscheidet, ist ihre Orientierung am Problemlösen (S.107): „The process of inventing new products involves identifying unmet needs in society, zeroing in on the underlying technical conundrums, and then discovering novel solutions; inventors therefore can be deemed expert problem solvers in the physical world“. Sie betont, dass das Problemlösen so zentral innerhalb des erfinderischen Prozesses sei, dass in amerikanischen Ingenieurs-Studiengängen sogar die Kunst des Problemfindens und –lösens unterrichtet werde.

Psychopathologische Merkmale

Simonton weist daraufhin, dass der „creative genius is associated with high scores on the Psychoticism dimension of the Eysenck Personality Inventory“ (Simonton, 1997, S.313). Auch Barron und Harrington (1981, S. 461f) und McCrae (1987, S.1259) berichten von Studien, die diesen Zusammenhang nachweisen konnten. In seiner eigenen Untersuchung konnte McCrae jedoch nur eine Nullkorrelation mit den Tests zum divergenten Denken feststellen (n = 156-201): „in this sample, it appears instead to measure the low poles of the two dimensions of Agreeableness and Conscientiousness” (McCrae, 1987, S.1263).

Bei Barron und Harrington (1981. S.460ff) finden sich ferner Literaturhinweise zu Untersuchungen, die positive Zusammenhänge zwischen Kreativität und der Prävalenz von Schizophrenie und Denkstörungen belegen.

Kognitive Variablen von Erfindern

Intelligenz

In Untersuchungen konnte auch eine Verbindung zwischen Kreativität und Intelligenz festgestellt werden. Geringe Intelligenz scheint kreativen Leistungen im Wege zu stehen. Aber oberhalb einer gewissen IQ-Grenze, Csikszentmihalyi (1997) erwähnt den Schwellenwert 120, wirke sich eine Erhöhung der Intelligenz nicht mehr auf die Kreativität aus. Dies bringt Robert Sternberg der folgenden Redewendung zum Ausdruck: „bright but not brilliant“ (zit. nach Funke, 2000, S.291).

Auch McCrae berichtet von einem Zusammenhang von Intelligenz und Kreativität: „There is considerable evidence that creativity is strongly associated with intelligence when the full range of both variables is assessed“ (1987, S.1258). Die Beziehung zwischen Intelligenz und Kreativität haben King et al. (1996) empirisch untersucht. Von 62 Probanden wurden Werte auf der verbalen und mathematischen Skala des Scholastic Aptitude Test (SAT) erhoben. Zwischen verbaler Intelligenz und kreativen Fähigkeiten und Leistungen konnten sie keinen Zusammenhang finden. Werte der mathematischen SAT-Skala jedoch korrelierten signifikant mit kreativen Fähigkeiten (r = .34; p < .01) und auch mit kreativen Leistungen (r = .27; p < .05). „Studies of creative artists, scientists, mathematicians, and writers find them scoring very high on tests on general intelligence“, schreiben auch Barron & Harrington (1981, S.445). Bei ihnen finden sich auch Literaturhinweise zu weiteren Untersuchungen zu Intelligenz und Kreativität.

Daraus lässt sich folgern, dass man diese Annahmen auch auf Erfinder übertragen kann. Empirische Studien zur Intelligenz von Erfindern liegen nach Kenntnis der Autorin noch nicht vor.

Divergentes Denken

Denkt man an kognitive Variablen in der Kreativitätsforschung, kommt man um eine nicht umhin: das divergente Denken (dD). Die Unterscheidung von divergentem und konvergentem Denken wurde von Guilford eingeführt. Unter konvergentem Denken (kD) versteht er ein logisches Vorgehen, das in eine einzige Richtung zielt – die eine richtige Antwort zu finden. Das divergente Denken beinhaltet eine breit angelegte Informationssuche und die Entwicklung möglichst vieler Ideen. Krause definiert es als ein Denken, „welches nach verschiedenen Richtungen fortschreitet. Es wechselt beim Problemlösen die Richtung, sobald dies erforderlich ist, und führt somit zu einer Mannigfaltigkeit von Antworten, die alle richtig und angemessen sein können“ (zit. nach Hemmer-Junk, 1994, S.68). Diese können auf vielfältige Art und Weise zustande kommen: durch unübliche Assoziationen, durch den Wechsel von Perspektiven oder Denkrichtungen und durch die Berücksichtigung vieler Aspekte. Charakteristisch für das divergente Denken sind laut Guilford folgende Aspekte (nach Brander, 1985 und Hemmer-Junk, 1994):

- Flüssigkeit (Fähigkeit, zu einem Problem oder einer Sache möglichst viele Ideen oder Assoziationen zu generieren),
- Originalität (Entwickeln von ungewöhnlichen, überraschenden Ideen),
- Elaboration (sich in ein Problem vertiefen, es weiter denken sowie eine Lösung detailliert ausarbeiten zu können),
- Flexibilität (Fähigkeit, ein Problem von verschiedenen Perspektiven betrachten zu können) und
- Neudefinition (Fähigkeit, Zusammenhänge aus vertrauten Betrachtungskontexten zu lösen und neu zu interpretieren).

Barron und Harrington berichten in ihrem Review von über 70 Studien, die signifikante, positive Zusammenhänge zwischen verschiedenen Tests zum dD und Kreativität gefunden haben (Literaturhinweise bei Barron & Harrington, 1981, S.447f). In dieser scheinbaren Validierung des Zusammenhangs sehen sie drei Einschränkungen: Erstens gibt es natürlich auch eine Zahl an Untersuchungen, die keine Korrelationen zwischen Testergebnissen des dD und kreativen Leistungen oder Verhalten nachweisen konnten. Dies könnte aber auch an der Feldspezifizität der Fähigkeiten zum divergenten Denken liegen: „Because the DT [divergent thinking] abilities presumably underlying creative achievements probably vary from field to field, there is little reason to expect any randomly selected DT test to correlate with creative achievement in any randomly selected domain“ (Barron & Harrington, 1981, S.448).

Zweitens könnte der Zusammenhang zwischen dD und Kreativität auch durch die dem dD zugrunde liegende Intelligenz vermittelt sein, die auch (wie bereits gezeigt wurde) mit Kreativität bedeutende Korrelationen aufweist. Torrance (1967, nach Barron & Harrington, 1981) hat 388 empirisch ermittelte Zusammenhänge zwischen seinem Torrance Test of Creative Thinking (TTCT) und diversen Intelligenzmessungen in einer Metaanalyse zusammengefasst. Er berichtet über einen Median der Korrelationen zwischen figuralem dD und Intelligenz von .06 und zwischen verbalem dD und Intelligenz von .21. Guilford (1967, nach Barron & Harrington, 1981) fand in seiner Studie mit 204 Neuntklässlern durchschnittliche Korrelationen von Intelligenz mit figuralem dD von .22 bzw. mit symbolischem dD von .40 und mit semantischem dD von .37.

Eine dritte Einschränkung in der Validierung des Zusammenhangs zwischen Kreativität und divergentem Denken sehen sie darüber hinaus in dem großen Einfluss, den die Art der Instruktion der Tests zum dD auf Korrelationen mit Kreativität hat. So konnten in zwei Studien (Datta, 1963 und Harrington, 1975, beide nach Barron & Harrington, 1981) signifikante Korrelationssteigerungen festgestellt werden, sofern in der Instruktion von den Probanden „kreativ zu sein“ gefordert wurde. Daher kommen Barron und Harrington zu folgendem Schluss: „The vitally important question of whether divergent thinking tests measure abilities actually involved in creative thinking is not at all easy to answer in satisfying detail“ (1981, S.447).

Guilford nahm an, dass divergentes und konvergentes Denken unabhängig voneinander seien. Er setzte divergentes Denken mit kreativem Denken und konvergentes Denken mit intelligentem Denken gleich. Hemmer-Junk (1994, S.68f)) schreibt dazu:

Doch zu Recht wendet KRAUSE ein, daß ‚kreatives und divergentes Denken nicht vollständig gleichzusetzen ist, sondern eine Menge konvergenter Denkfunktionen benötigt’... Problemlösungsprozesse im täglichen Leben wie im künstlerischen oder wissenschaftlichen Arbeiten beweisen ausdrücklich, daß gerade in Vollendungsphasen des Schaffens konvergente Bewältigungsformen unverzichtbare Dienste leisten.

„Divergent thinking in fact goes hand in glove with convergent thinking in every thought process that results in new idea“, meinen ebenso Barron und Harrington (1981, S.443). Für die Nicht-Unabhängigkeit dieser Denkformen spricht auch der bereits beschriebene Zusammenhang zwischen Kreativität und Intelligenz. Guilford zufolge sollten kreative Menschen über sehr gutes divergentes Denken verfügen (bei Kreativitätsaufgaben müssten sie also gut abschneiden), während das konvergente Denken bei ihnen weniger stark ausgeprägt sein sollte. Schlechte Leistungen bei Intelligenzaufgaben wären die Folge. Brander (1985) berichtet von einer Studie von Hargreaves & Bolton (1972), in der 117 10- bis 11-jährige Schulkinder Kreativitäts- und Intelligenztests bearbeiten mussten. Im niedrigen IQ-Bereich fand sich eine Korrelation zwischen den Leistungen bei Kreativitäts- und Intelligenzaufgaben von .31, im Mittelbereich betrug sie .46. Im hohen IQ-Bereich sank der Zusammenhang auf .09. Damit gehen die Ergebnisse konform mit Sternbergs Aussage „bright but not brilliant“, aber nicht mit Guilfords Unabhängigkeits-These.

Heute werden divergente und konvergente Denkvorgänge also vielmehr als zwei Spezialfälle von Problemlösungsprozessen aufgefasst. Laut Facaoaru (1985) ist besonders bei technisch Kreativen – und um solche handelt es sich zweifelsfrei bei den meisten Erfindern – unter divergenten und konvergenten Denkprozessen folgendes zu verstehen (S.59): „Technische Kreativität erfordert zugleich sowohl das divergente Generieren einer Vielzahl möglicher Lösungsalternativen als auch das konvergente Überprüfen und Beurteilen vorgeschlagener Lösungsalternativen i.H. auf die einzuhaltenden technischen Erfordernisse“. Auch Csikszentmihalyi (1997) schreibt, dass das divergente Denken schnell an seine Grenzen stößt, wenn es nicht durch die Fähigkeit ergänzt wird, eine gute von einer schlechten Idee zu unterscheiden – hier wird also konvergentes Denken gefordert.

Lassen sich diese Erkenntnisse der Kreativitätsforschung nun also auf Erfinder übertragen? Dass sowohl divergente als auch konvergente Denkprozesse ebenso förderlich für das Erfinden sind wie für andere kreative Probleme, deutet folgendes Zitat von Hans Sauer an, der selbst ein erfolgreicher Erfinder war (Sauer, 1999,

S. 64):

Der kreative Mensch, der Neues erschafft..., braucht nicht nur analytische, systematische und logische Denkmethoden... Erfolgreiches Erfinden setzt die Beherrschung von logischem, kybernetischem und intuitivem Denken voraus. Intuitive Gedankengänge sind sprunghaft und auf viele Einflüsse gerichtet, die der Lösung eines Problems dienen, um dabei neue, ganzheitliche Erkenntnisse zu gewinnen und entsprechend neue Sachverhalte zu schaffen. Nur die enge Verbindung beider Denkarten führt zu positiven kreativen Resultaten.

Empirische Untersuchungen zum divergenten und konvergenten Denken wie auch zu weiteren kognitiven Variablen von Erfindern stehen bislang aber noch aus.

2.1.2 Zum Prozess des Erfindens

Nach aktuellem Strand der Wissenschaft (z.B. Csikszentmihalyi, 1997; Funke, 2000; Hemmer-Junk, 1994) durchläuft der kreative Prozess, also auch der des Erfindens, fünf Phasen:

Vorbereitung: In dieser Stufe beschäftigt man sich intensiv mit einem spezifischen Gebiet. Ohne ein tiefes Eintauchen in die jeweiligen Wissens- oder Symbolsysteme einer Disziplin lassen sich kaum kreative Leistungen hervor bringen. In diese Richtung zielt auch die Aussage von Ericsson: „exceptional talents are less born than made“ (zit. nach Funke, 2000, S.288). Bestandteil der Vorbereitungsphase ist natürlich auch, dass man ein bestimmtes Problem erkennt und es lösen möchte. Dazu muss das Problem zunächst genau definiert und analysiert werden. Daran schließt sich eine aktive Suche nach möglichen Lösungen an.

Inkubation: Die Phase der Inkubation umfasst die Zeit, in der man sich nicht bewusst mit dem Problem beschäftigt. Vielleicht schläft man, fährt Auto oder macht Urlaub. Dann können informationsverarbeitende und –umstrukturierende Prozesse ablaufen, die nicht gesteuert werden können und auch nicht ans Bewusstsein gelangen. Durch freie Assoziation von Gedächtnisinhalten können neue Gedanken entstehen, die bei einer gewissen Sinnhaftigkeit lange genug überdauern können, um schließlich ins Bewusstsein vorzudringen.

Illumination: Dies ist die Zeit des Aha-Erlebnis, des Heureka-Augenblicks – der Moment der Bewusstwerdung der Lösung eines Problems, über das man lange gegrübelt hat.

Bewertung: Nicht alle Ideen, die man entwickelt, sind wirklich brauchbar. In dieser Phase werden eigene Normen, Werte und Vorstellungen selbstkritisch berücksichtigt, aber auch die voraussichtliche Meinung der Fachkollegen. Vielleicht ist der Einfall zwar verwendbar, doch die Umsetzung würde einer Kosten-Nutzen-Analyse niemals Stand halten. Ein Erfinder wird sich fragen müssen, ob seine Erfindung überhaupt vermarktbar ist und ob sie nicht schon jemand vor ihm entwickelt hat. Die Stufe der Bewertung endet mit der Entscheidung, die Idee umzusetzen oder fallen zu lassen.

Ausarbeitung: Von der Idee bis zum fertigen Produkt ist es oft ein langer Weg. Nicht umsonst hat Thomas Edison einmal gesagt:: „Genie bedeutet ein Prozent Inspiration und 99 Prozent Transpiration“. An die Bewertung schließt sich ein oft sehr langer Prozess an, in dem noch so manches Problem gelöst werden muss. Im Prozess des Erfindens zählen zu dieser Phase z.B. auch die Patentanmeldung, die Entwicklung eines Prototyps sowie auch die Vermarktung einer Erfindung. Hierfür müssen ein Businessplan entwickelt und mögliche Kapitalgeber gefunden werden. Dies kann manchmal sogar noch mehr Zeit und Arbeit als die Problemfindung und –lösung beanspruchen. In diesem letzten Schritt stellen sich den Erfindern oftmals unüberwindbare Hürden entgegen (es finden sich keine Finanziers, oder der Patentverwertungsprozess nimmt mehr zeitliche und finanzielle Ressourcen in Anspruch, als man entbehren kann), so dass die Phase der Ausarbeitung von Erfindungen sehr häufig nicht abgeschlossen werden kann. Probleme der Patentvermarktung werden z.B. von Limbeck (2003) beschrieben.

Dieser Prozess, besonders die ersten vier Stufen, läuft keinesfalls linear oder seriell ab, sondern vielmehr rekursiv. Es ist abhängig von der Person und dem betreffenden Problem, wie viel Zeit die einzelnen Phasen beanspruchen und in welcher Reihenfolge sie ablaufen, also wie viele Wiederholungen jede einzelne Phase durchläuft. Eine ausführliche Darstellung der fünf Phasen findet sich z.B. bei Csikszentmihalyi (1997).

2.1.3 Erfolgsdeterminanten beim Erfinden

Um mögliche Einflussfaktoren auf den Erfolg von Erfindern zu identifizieren, muss erst einmal geklärt werden, wie der Erfolg eines Erfinders definiert wird. Da der Erfolg eines Erfinders über seine Erfindungen bestimmt werden sollte, muss ebenso auch erst kenntlich gemacht werden, worum es sich bei Erfindungen handelt.

Definition: Erfindung

Die folgende Definition ist Henderson (2004a, S.105) entnommen:

An invention is created through the production of novel ideas, processes, or products that solve a problem, fit a situation, or accomplish a goal in a way that is novel, implementable, useful, and cost-effective and alters or otherwise disrupts an aspect of technology.

Die fünf zentralen Kriterien, die Erfindungen von anderen kreativen Formen unterscheiden, sollen noch kurz einzeln dargestellt werden. Die Neuheit einer Erfindung zeichnet sich dadurch ab, dass sie sich von bereits existierender Technik unterscheidet. Die Nützlichkeit definiert sich über die Anwendbarkeit und das Vorhandensein eines geeigneten Marktes. Auch das Kriterium der Kosten-Effektivität spielt darin eine Rolle: eine Erfindung muss einer Kosten-Nutzen-Analyse leicht standhalten können. Der Einfluss oder die Wirkung einer Erfindung zeigt sich darin, wie sie im Markt angenommen wird (Häufigkeit und Dauer der Nutzung) und auch in der Art, wie sie das Denken und Handeln der Leute beeinflusst. Das letzte Kriterium betrifft den Patentschutz, den es nur für technische Erfindungen gibt.

Definition: Erfolg eines Erfinders

Üblich für die Bewertung des Erfinder-Erfolges sind die Patente, Gebrauchs- und Geschmacksmuster (PGG) an, die ein Erfinder angemeldet oder erteilt bekommen hat. Patente und Gebrauchsmuster schützen technische Erfindungen vor der Nachahmung und unberechtigten Nutzung durch Konkurrenten. Um diesen Schutz erteilt zu bekommen, muss die Erfindung drei Voraussetzungen erfüllen, die bereits bei der Definition von Erfindungen behandelt wurden. Zunächst muss eine Erfindung neu sein, sie darf also nicht zum Stand der Technik gehören. Zweitens muss sie auf einer erfinderischen Tätigkeit beruhen (Erfinderhöhe). Diese Bedingung gilt als erfüllt, wenn sich die Erfindung für den Fachmann nicht in nahe liegender Weise aus dem Stand der Technik ergibt. Die letzte Voraussetzung betrifft die gewerbliche Anwendbarkeit: eine Erfindung muss geeignet erscheinen, auf irgendeinem gewerblichen Gebiet hergestellt oder benutzt zu werden. Dabei gilt jedoch laut der Patentfibel des Bundesministeriums für Bildung und Forschung (BMBF):

Die Patenturkunde ist kein Garantieschein für ökonomischen Erfolg, sondern nicht mehr als die Voraussetzung dafür. Um die Verwertung des Patents muss sich der Erfinder selbst kümmern. Ob seine Erfindung sich gut vermarkten lässt und einen wirtschaftlichen Erfolg bringt, hängt von vielen weiteren Faktoren und manchmal auch einfach dem nötigen Quäntchen Glück ab. (Patentfibel BMBF, S.13)

Dies gilt in gleichem Maße für Gebrauchsmuster.

Der Unterschied zwischen Patent und Gebrauchsmuster liegt vor allem in der Erfinderhöhe. Gebrauchsmuster schützen auch „kleinere“ Erfindungen und zeichnen sich zudem durch weniger Aufwand und Kosten bei der Anmeldung aus.

Mit einem Geschmacksmuster lässt sich die ästhetische Gestaltung, das Design eines gewerblichen Gegenstandes oder einer Fläche rechtlich schützen. Als Anmelder kommen demnach auch eher Designer und Grafiker als Erfinder in Betracht.

Wählt man PGG als Erfolgskriterium, muss man wiederum Faktoren berücksichtigen, die neben personeninternen Größen (diese werden im Anschluss beschrieben werden) die Anzahl der angemeldeten und erteilten PGG beeinflussen. Solche Faktoren liegen v.a. in den langwierigen und kostenintensiven Anmeldungsformalitäten begründet, die hier nicht vollständig aufgeführt werden können. Besonders zu betonen sind:

- benötigte Zeit (um sich mit den Anmeldungsformalitäten vertraut zu machen, für die Patentrecherche, für das Bearbeiten der notwendigen Formulare und Skizzen) und
- finanzielles Vermögen (das BMBF schätzt, dass die Kosten für eine deutsche Anmeldung durchschnittlich 7.000 bis 8.500 Euro kosten).

Henderson (2004a, S.107) spricht sich gegen eine Wertung der Patente als Indikator für die Bedeutung von Erfindungen aus und befürwortet die Betrachtung der Vermarktbarkeit von Erfindungen als Indiz für ihren Erfolg:

Inventions vary in technical complexity and in time required for development (i.e., time-to-market). Patent acquisition is expensive, and in practice more influenced by corporate priorities, incentives, and legal support (not to mention the changes in patent law) than novelty or impact on the marketplace. Furthermore, many an invention has been awarded a patent but has not endured well in the marketplace... Ultimately it is the marketplace rather than the U.S. Federal Patent Office that awards an invention its creative merit.

Diese Einwände sind sicher berechtigt. Laut Angaben des BMBF (Patentfibel) werden lediglich fünf bis sieben Prozent der patentierten Erfindungen auch wirtschaftlich verwertet. Doch ein objektives und reliables Maß für das Ausmaß, in dem sich eine Erfindung ökonomisch vermarkten lässt, steht aktuell noch nicht zur Verfügung.

Sowohl die Zahl der angemeldeten und erteilten PGG als auch die Vermarktbarkeit von Erfindungen sind Erfolgskriterien, die (wie bereits erläutert) besonders die Zeit nach der kreativen Problemlösung mit in die Bewertung einbeziehen. Würde ein Erfinder nach der Ideenfindung – und sei sie noch so kreativ und Erfolg versprechend – im Prozess stehen bleiben. Somit könnte er keine PGG und keine Verwertung seiner Erfindungen vorweisen und würde gemäß dieser Erfolgskriterien nicht als erfolgreicher Erfinder erfasst werden.

Determinanten des Erfinder-Erfolges

Was nun beeinflusst den Erfolg eines Erfinders? Um diese Frage zu beantworten, werden im Folgenden zwei Theorien vorgestellt.

Dem interaktionistischen Systemmodell kreativer Intelligenz von Csikszentmihalyi (1997) zufolge ist außergewöhnliche Kreativität nie allein der Leistung einer Person zuzuschreiben. Man muss stets drei Aspekte betrachten, um über ein kreatives Produkt urteilen zu können. Da ist zum einen das Individuum zu nennen mit seinen Talenten und Zielen. Zweitens ist auch die so genannte Domäne von Relevanz – der Tätigkeitsbereich oder die Disziplin, in der das Individuum kreativ agiert. Der dritte Aspekt umfasst das Umfeld: die Gruppe von Personen und Institutionen, die Urteile über die kreative Arbeit fällen. Erst im dynamischen Zusammenspiel dieser drei Faktoren liegt der Grund, wieso manche Werke von Personen als überaus kreativ empfunden werden und andere nicht. Gardner (1999, S.19f) führt in diesem Zusammenhang die Beispiele von Vincent van Gogh (dessen künstlerische Leistung erst nach seinen Tod von einem Umfeld anerkannt wurde) und Sigmund Freud an, der in jungen Jahren von einer Domäne zur nächsten wechselte „ohne großen Eindruck zu hinterlassen. Erst als Freud sich daran machte, eine neue Wissensdomäne ... zu schaffen – die Psychoanalyse – und schließlich die Entwicklung eines Umfeldes anregte, das Urteile auf diesem Gebiet abgeben konnte, wurde sein Werk als verdienstvoll anerkannt“.

Einen etwas anderen Weg geht die hier vorgestellte Theorie von Henderson (2002). Grundlage dieser Theorie bildet „the living systems framework“ von Ford (1992). Dieses Modell erklärt menschliche Leistungsfähigkeit als Ergebnis des Wirkens internaler und externaler Kräfte. In Abbildung 1 sind die einzelnen Komponenten des Modells in ihrem Wirkungsgefüge dargestellt.

Dieses Modell wurde von Henderson aufgegriffen und in Rezeption weiterer Theorien (eine vollständige Darstellung findet sich bei Henderson, 2002) auf Erfinder spezifiziert.

Die Leistungsfähigkeit der Erfinder wurde in fünf abhängigen Variablen erhoben. In drei Likert-Skalen mussten die Erfinder der in Kapitel 2.1.1 vorgestellten Studie subjektive Einschätzungen abgeben zu a) dem Ausmaß der erhaltenen Anerkennung, b) der eigenen Leistung und c) dem Gesamterfolg als Erfinder. Die Anzahl der Publikationen und die Anzahl der angemeldeten und erteilten Patente vervollständigten die Liste.

Die Motivation wurde gemäß der motivationalen System-Theorie von Ford als Funktion von drei Komponenten aufgefasst: 1) persönliche Ziele (wurden durch schriftliche Antworten zu offenen Fragen ermittelt), 2) Emotion (erfasst über Likert-Skalen zur subjektiven Zufriedenheit bzw. zum subjektiven Wohlgefühl im Arbeitsleben, mit der Art der Arbeit sowie mit der aktuellen Arbeitssituation) und 3) Selbstwirksamkeit, die mittels 52 Likert-Skalen zum Glauben in die eigenen Fähigkeiten, 52 spezifische Aufgaben zu lösen, festgestellt wurde. Teilergebnisse zu den Zielen und zur Selbstwirksamkeit wurden bereits in vorhergehenden Kapiteln dargestellt.

Die Fähigkeiten zum Erfinden operationalisierte Henderson über a) den Zeitraum, den man bereits als Erfinder tätig ist und b) den Bildungsgrad. Daten zur prägenden Umwelt wurden wie die Ziele mit offenen Fragen erfasst, die schriftlich zu beantworten waren.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

ABBILDUNG 1. Hendersons Modell der Determinanten der Leistung von Erfindern, abgeleitet aus dem „living systems framework“ von Ford (1992; nach Henderson, 2004, S.113).

Über eine lineare Regression bestimmte Henderson, wie Motivation und persönliche Fähigkeiten mit der Leistungsfähigkeit als Erfinder verbunden waren. „The regression models for each of the five dimensions of achievement showed strong linear relationships (adjusted r² ranged from .19-.47) between achievement and the other components of Ford’s motivational system” (Henderson, 2004a, S.113). Dass sie keine Original-Skalen für ihre Erfinder nutzen konnte (da noch keine existieren), wertet sie als Einschränkung ihrer Untersuchung. Obwohl die von ihr genutzten Skalen stark theoretisch fundiert waren, hat dieser Umstand laut Henderson die Herleitung konvergenter und divergenter Validität erschwert.

Zusammenfassend lässt sich also sagen, dass der Erfolg eines Erfinders sich durch den Einfluss der Person (Motivation und Fähigkeiten) und den Einfluss des Umfeldes ergibt, in dem die Person groß geworden ist. Der obigen Diskussion folgend gehört zu den notwendigen Fähigkeiten nicht nur Kreativität. Mit Bildungsgrad und Zeit des aktiven Erfindens sind die für Erfolg hilfreichen Fähigkeiten von Erfindern sicher nicht ausschöpfend erfasst. Welche weiteren persönlichen Faktoren für den Erfolg von Erfindern verantwortlich sind, muss die Forschung noch zeigen.

2.1.4 Diagnostik

In der Kreativitätsforschung wurden zur Erfassung von Kreativität meist Verfahren eingesetzt, die divergentes Denken messen sollen. Typisch sind dabei Aufgaben, in denen man für einen bestimmten Gegenstand möglichst viele Verwendungszwecke nennen soll. Neben Flüssigkeit und Flexibilität interessiert dabei auch die Originalität der Antworten. Neben solchen sprachlichen Kreativitätstests gibt es auch sprachfreie Verfahren. Nach Funke (2000) beruhen diese Tests im Wesentlichen auf zeichnerischen Aktivitäten. So sollen oftmals vorgegebene Bilder vervollständigt, neu kombiniert oder produziert werden. Funke (2000) schreibt, dass sowohl die sprachlichen als auch die sprachfreien Verfahren einer kritischen Betrachtung kaum stand halten. Auch Hussy (1986, S.78) ist der Meinung, „daß sie zur Erfassung des kreativen Prozeßes als untauglich zu bezeichnen sind“.

Wenn es demnach schon keine brauchbaren Instrumente zur Einschätzung der kreativen Leistungsfähigkeit gibt, wie kann man dann das Potential zum Erfinder bei einer Person messen? In der Erfinderforschung wurde nach Kenntnis der Autorin der vorliegenden Arbeit die Konstruktion eines solchen Instrumentes bisher nicht unternommen. In der Vergangenheit begegnete man Erfindern in der psychologischen Forschung eher mit qualitativ orientierten Interviews (vgl. Csikszentmihalyi, 1997) oder Persönlichkeitstests (vgl. Braun, 2005 oder Henderson, 2004b), um zunächst einmal eine Vorstellung des modernen Erfinders zu gewinnen.

[...]

Ende der Leseprobe aus 141 Seiten

Details

Titel
Operative Intelligenz und komplexes Problemlösen als Prädiktoren für den Erfolg von Erfindern
Hochschule
Technische Universität Berlin  (Institut für Psychologie)
Note
1,0
Autor
Jahr
2006
Seiten
141
Katalognummer
V84985
ISBN (eBook)
9783638895958
ISBN (Buch)
9783638896009
Dateigröße
9184 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Operative, Intelligenz, Problemlösen, Prädiktoren, Erfolg, Erfindern
Arbeit zitieren
Katrin Wolf (Autor), 2006, Operative Intelligenz und komplexes Problemlösen als Prädiktoren für den Erfolg von Erfindern, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/84985

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