Auf Spurensuche in der Familiengeschichte. Vergessen und Erinnern in der deutschsprachigen Gegenwartsliteratur


Examensarbeit, 2007

117 Seiten, Note: 1,3


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Vorüberlegungen – Kollektives Gedächtnis und Erinnerungsdiskurse
2.1. Formen und Aspekte des kollektiven Gedächtnisses
2.1.1. Das kollektive Gedächtnis
2.1.1.1. Das kommunikative Gedächtnis
2.1.1.2 Das kulturelle Gedächtnis
2.2. Öffentliche und familiäre Erinnerungsdiskurse
2.2.1. Öffentliche Vergangenheitsbewältigung
2.2.2. Das Familiengedächtnis
2.2.3. Generationsromane im Kontext von Gedächtnis und Erinnerung

3. Monika Marons Pawels Briefe – Zwischen Erinnerungskampf und Erinnerungsdialog
3.1. Warum jetzt erinnern? – Marons Auslöser des Erinnerungsprozesses
3.2. Visuelles Erinnerungsmedium: die Fotografien
3.3. Orte als familiäres Erinnerungsmedium
3.4. Hella und Monika Maron: Varianten der persönlichen Erinnerung
3.5. Zwischenbilanz – Monika Marons Erinnerungskonzept

4. Stephan Wackwitz´ Ein unsichtbares Land – Zwischen Aversion und Identifikation
4.1. Erste Spuren zur Familiengeschichte – Auslöser des Erinnerungsprozesses
4.2. Familiäre und kulturelle Erinnerungsstrategien
4.2.1. Fichte vs. Schleiermacher & Co.: Zur Bedeutung der kulturellen Archive
4.2.2. Unglaubliche und gespenstische Begebenheiten: Zur Rolle der familiären Archive
4.2.3. Die 68er – Generation: Eine kritische Selbstbefragung
4.3. Zwischenbilanz – Stephan Wackwitz Erinnerungskonzept

5. Schlussbetrachtung: Perspektiven des Erinnerns und Vergessens

6. Literaturverzeichnis
6.1. Primärliteratur
6.2. Sekundärliteratur
6.3. Internetquellen

7. Anhang

1. Einleitung

Als Eingangsimpuls in die Thematik dieser Arbeit soll ein kurzes Gedicht von Annemarie Schnitt vorangestellt werden:

Erinnerung

was macht sie mit dir

die Erinnerung

sie lässt dich im Regen stehen

sie lässt dir ein Licht aufgehen

sie gewinnt Farbe

sie verliert Farbe

sie verklärt sich

sie verdunkelt sich

sie klingt nach

sie verklingt

sie webt sich ein

bunt und fadenfest

in den Stoff deines Lebens[1]

Schnitt thematisiert in diesem Gedicht die komplexe und zugleich ambivalente Struktur der Erinnerung. So wird deutlich, dass Erinnerungen auf der einen Seite auf selbstverständliche Weise im Leben eines jeden Menschen verankert sind. Die Erinnerung klingt nach, lässt uns ein Licht aufgehen und verleiht dem Leben seine unverwechselbare Farbe. Mindestens genauso gewiss ist allerdings, dass sie den Menschen immer wieder in den unterschiedlichsten Situationen verlässt. Wie in dem Gedicht zum Ausdruck kommt, kann sich die Erinnerung verklären, verdunkeln, verklingen oder einen im Regen stehen lassen. Daraus lässt sich schlussfolgern, auch wenn Schnitt es nicht direkt ausspricht, dass Erinnern ebenfalls Vergessen impliziert und diese beiden Größen sich in einem dauerhaften Wechselspiel miteinander befinden. Sie sind fest verwobene Bestandteile in unseren Lebensgeschichten.

Die durch das Gedicht vermittelten ersten anregenden Erkenntnisse über das Erinnern stellen einen aufschlussreichen Anknüpfungspunkt zu der vorliegenden Arbeit Auf Spurensuche in der Familiengeschichte. Vergessen und Erinnern in der deutschsprachigen Gegenwartsliteratur dar. Zu Beginn des 21. Jahrhunderts blickt eine beachtliche Anzahl deutscher Autoren der nachgeborenen Generation auf die familiäre und die kollektive Erbschaft des „kurzen zwanzigsten Jahrhunderts“ (1914 bis 1989) zurück. Bedingt durch die politisch einschneidenden Ereignisse dieses Jahrhunderts (Nationalsozialismus, Shoah) sowie den prägenden weltanschaulichen Ausrichtungen (nationalsozialistische und kommunistische Ideologie) ist die Weitergabe – das Erbe – von identitätsstiftenden Erinnerungen von einer Generation an die nächste auf vielfache Weise gestört bzw. zerstört. Viele der nachgeborenen Autoren können, wie ebenfalls viele andere Deutsche, auf keine schlüssige Tradierung ihrer Familiegeschichte zurückblicken. Es scheint, um es noch einmal mit den Worten von Annemarie Schnitt auszudrücken, die Erinnerung verklingt in den Familien, sie lässt die Nachgeborenen im Regen stehen. Nun resignieren die besagten Autoren allerdings nicht vor dieser scheinbaren Pattsituation. Die Vergangenheit ist zwar historisch geworden, sie ist jedoch keineswegs ad acta gelegt. Da die verdrängten und in der Gesellschaft bzw. in der Familie nicht zugelassenen Erlebnisse der Vorfahren, weiterhin auf unterschiedliche Art und Weise in dem Leben der nachfolgende Generationen nachwirken, teilweise mit schwerwiegenden Folgen, begeben sich die Autoren auf eine Spurensuche in der Familiengeschichte. Es gilt, Antworten auf unzählige, bisher verschwiegene, jedoch unterschwellig fortwirkende Fragen zu finden, um die vermeintlichen Erinnerungslücken der (groß-)elterlichen Generation zu überwinden. Dementsprechend haben sie es sich zur Aufgabe gemacht, die Erfahrungen der Großeltern und Eltern im nationalsozialistischen Deutschland und ihre Erfahrungen in den deutschen Nachkriegsstaaten neu aufzuarbeiten. Anzumerken ist, dass es sich bei den derzeitigen Generationsromanen somit nicht um einfach nacherzählende multigenerationelle Familiengeschichten im Stile der Buddenbrooks handelt. Es sind vielmehr (auto)biografische[2] Romane, die vom heutigen Standpunkt aus die eigene Familiengeschichte erforschen und mühsam rekonstruieren.

Aus der Fülle an Generationsromanen, die seit den neunziger Jahren publiziert wurden, sind zwei der jüngeren Texte ausgewählt worden, anhand derer dem Umgang mit der Vergangenheit und dem Vergessen innerhalb der Familie nachgespürt werden soll. Dabei soll kein Vergleich der beiden Romane miteinander angefertigt werden, vielmehr gilt es anhand von ihnen unterschiedliche familiäre Erinnerungspraktiken und Vergangenheitsentwürfe herauszuarbeiten und ihre literarische Umsetzung zu begutachten.

Zum einen wird der von Monika Maron veröffentlichte Roman Pawels Briefe. Eine Familiengeschichte (1999)[3] in die Analyse einbezogen.[4] Ausgangspunkt des Buches ist der Versuch der heute 65 – jährigen Maron, sich dem Schicksal des jüdischen Großvaters Pawel Iglarz, den sie nie richtig kennen lernen konnte, da er bereits zwei Jahre nach ihrer Geburt (1943) von den Nationalsozialisten ermordet wurde, anzunähern. Der Schwerpunkt der Auseinandersetzung liegt bei Maron in dem ambivalenten Verhältnis zu ihrer Mutter Hella, die als überzeugte SED - Anhängerin als Persönlichkeit sehr eng mit der kommunistischen Ideologie verknüpft ist.

Zum anderen wird in dieser Arbeit die literarische Umsetzung einer der jüngeren Autoren analysiert. Von Stephan Wackwitz (Jahrgang 1952) erschien 2003 die literarische Auseinandersetzung mit seiner Familie Ein unsichtbares Land. Familienroman[5]. Darin befasst er sich ebenso wie Maron generationsübergreifend mit seiner rudimentär überlieferten Familiengeschichte – angefangen beim nationalsozialistischen Großvater Andreas Wackwitz bis hin zu ihm selbst, dem Enkel. Bei Wackwitz kann allerdings kein direkter transgenerationeller Austausch wie zwischen Monika Maron und ihrer Mutter Hella stattfinden, da der Großvater längst verstorben ist. Der Vater kommt für eine Auseinandersetzung mit der NS-Zeit nicht in Frage, da er sich während des gesamten Zweiten Weltkrieges in britischer Gefangenschaft befand. Wackwitz beschreibt mit Hilfe von zahlreichen Erinnerungskladden des Großvaters die Verstrickungen und Verblendung der Kriegsgeneration in den Nationalsozialismus und reflektiert aus heutiger Perspektive deren darauf folgende Verweigerung einer Auseinandersetzung. In diesem Zusammenhang beleuchtet er selbstkritisch seinen eigenen bisherigen Lebensweg, insbesondere seine tendenziös kommunistische Zeit als Anhänger der 68er – Bewegung. Den Kristallisationspunkt und den stärksten emotionalen Bezugspunkt innerhalb der familiären Vergangenheit und ihrer Nachgeschichte stellt dabei immer der Großvater dar.

Trotz des unterschiedlichen familiären Hintergrundes spricht aus beiden Texten das Befremden der Autoren gegenüber einer vergangenen Zeit und Welt, die einem zugleich bekannt, aber auch befremdlich und unzugänglich ist. Das liegt vornehmlich daran, da Maron und Wackwitz nicht wie die vorherige Autorengeneration, zu der beispielsweise Günter Grass, Christa Wolf oder Martin Walser gehören, über eigene Erinnerungen an die nationalsozialistische Zeit verfügen. Sie sind vielmehr mit der Erbschaft dieser Zeit aufgewachsen: dem persönlichen Schweigen und den kollektiven Tabus. Und eben diese gilt es in den Romanen auf unterschiedliche Art und Weise aufzubrechen. Dabei geht es allerdings nicht länger um Rache oder Abrechnung der jungen Generationen mit der Generation[6] der Eltern und Großeltern, so wie es beispielsweise in den Väterbüchern der 70er und 80er Jahre gehandhabt wurde.[7] Aufgrund der zeitlichen und räumlichen Distanz ist die pauschale Anklage einer differenzierten und vielschichtigen Analyse gewichen. Dementsprechend sind die Generationenromane von Maron und Wackwitz von dem Bestreben geprägt, durch den Schreib- und Erinnerungsprozess Brüche und Leerstellen im familiären wie im gesellschaftlichen Gedächtnis zu problematisieren, um nachträglich einen Weg für den Umgang mit der vergessenen, verdrängten und verformten Vergangenheit zu beschreiten. Um im gleichen Atemzug eine kommunikative Brücke zwischen Gegenwart und Vergangenheit zu schlagen, wird intensiv in familiären oder auch kulturellen Archiven gestöbert, die der „eigenen Stimme einen historischen Resonanzraum“[8] eröffnen. Auf diese Weise versuchen sich Maron und Wackwitz nachträglich ihre Familiengeschichte zu „erschreiben“. Somit dient ihr Projekt der Familiengeschichte letztlich auch dazu, sich der familiären Wurzeln bewusst zu werden, um innerhalb der Familienkonstellation die eigene Identität zu begreifen.

Die Texte von Maron und Wackwitz bilden die Grundlage der Analyse, da sie die Erinnerung in der Familie auf vielfältige Weise thematisieren, inszenieren, nachträglich schaffen und reflektieren. Darüber hinaus sind die Texte selbst Dokumente der literarischen Spurensuche in Zeiten gesellschaftlicher Umbrüche. An ihnen lassen sich derzeitige Tendenzen des öffentlichen und familiären Erinnerungsdiskurses ablesen. Dadurch leisten sie jeweils einen Beitrag zum außerliterarischen Diskurs über Erinnerungsprozesse und Gedächtnismechanismen.

Nachdem der Gegenstand der Arbeit festgelegt wurde, gilt es an diesem Punkt die innere Einheit dieser Arbeit genauer zu bestimmen. Bevor in den ausgewählten Generationsromanen nachgespürt werden soll, auf welche Weise die Erbschaften von Nationalsozialismus, DDR – Sozialismus und der westdeutschen Protestbewegungen der 68er – Generation in deutschen Familien nachwirken, stellt sich die grundsätzliche Frage: Was verbirgt sich auf theoretischer Ebene hinter den Begriffen Erinnerung und Gedächtnis? Aus diesem Grund sollen für die Arbeit zentrale gedächtnistheoretische Begriffe bzw. Diskurse angesprochen werden. Dabei wird es weniger um eine Reproduktion der Forschungsgeschichte gehen, denn um die Skizzierung der für die Arbeit relevanten Ergebnisse der kulturwissenschaftlichen Theorien zum kollektiven Gedächtnis sowie den öffentlichen und familiären Erinnerungsdiskursen. In den nun folgenden Textlektüren spielen zweierlei Aspekte literarischer Erinnerungsarbeit eine zentrale Rolle: Auf welche Weise und mit welcher Wirkung wird der Prozess- und Konstruktionscharakter des Erinnerns kommentiert und reflektiert? Wie wird der vielfach vermittelte und verbarrikadierte Zugang des Autors zu der Familiengeschichte literarisch gestaltet und welche Rolle spielen dabei unterschiedliche Gedächtnismedien? Davon ausgehend soll zunächst Pawels Briefe von Monika Maron analysiert werden. Der Leitgedanke dieses Abschnitts manifestiert sich in dem Kontrast Erinnerungskampf versus Erinnerungsdialog. Es soll aufgezeigt werden, wie Maron die Störungen des familiären Gedächtnisses, die insbesondere in dem ambivalenten Verhältnis zwischen Mutter und Tochter zum Ausdruck kommen, zu überwinden versucht. Dabei wird die Darstellung bzw. Verwendung visueller, sprachlicher und topografischer Medien des Gedächtnisses eine zentrale Rolle zukommen. Marons Erinnerungsstrategie stützt sich dabei verstärkt auf familiäre Erinnerungsarchive wie Fotos, Briefe, Orte oder Zeitzeugenbefragungen. Neben der Einarbeitung der zeithistorischen und familiären Dokumente in den Text wird ihre Lesbarkeit und ihr Grad an Authentizität ebenfalls thematisiert. In einer ersten Zwischenbilanz wird dann Monika Marons Erinnerungskonzept festgehalten.

Im Zentrum der Textanalyse von Ein unsichtbares Land sollen ebenfalls der Stellenwert und die Funktion von verschiedenartigen Gedächtnismedien stehen. Dabei wird der Schwerpunkt neben den familiären auch auf den kulturellen Archiven liegen. Mit Hilfe einer Analyse der familiären und kulturellen Erinnerungsstrategien gilt es, den Standpunkt von Stephan Wackwitz´ im Kräftefeld zwischen Aversion und Identifikation abzuwägen. Einen besonderen Stellenwert nehmen in diesem Zusammenhang die Philosophen Fichte und Schleiermacher sowie die selbstkritische Befragung zu seiner Teilhabe in der 68er – Bewegung ein. Nachdem die Untersuchung zu Wackwitz´ Erinnerungskonzept ebenfalls bilanziert worden ist, sollen die Romane in der Schlussbetrachtung in den übergeordneten, gesamtgesellschaftlichen Kontext der Gedächtnistheorien eingeordnet werden. Neben der literarischen Inszenierung von Familiengedächtnissen, sollen die Generationsromane somit insbesondere hinsichtlich ihres möglichen Beitrages zum deutschen Diskurs über Erinnerung und Gedächtnis überprüft werden.

Die Zielsetzung dieser Arbeit ist es – so lässt es sich abschließend zusammenfassen – die literarische Spurensuche der Autoren in der bruchstückhaft vorhandenen Familiengeschichte zu analysieren sowie das Verhältnis dieser literarischen Erinnerungsdiskurse zu nicht – literarischen Erinnerungsdiskursen im kulturellen und familiären Gedächtnis der „neuen“ Bundesrepublik herauszustellen.

2. Vorüberlegungen – Kollektives Gedächtnis und Erinnerungsdiskurse

Um eine literaturwissenschaftliche Auseinandersetzung mit Erinnerungskonzepten in Familienromanen überhaupt vornehmen zu können, ist es zunächst einmal notwendig eine Vorstellung zu entwickeln, was die abstrakten, nicht deckungsgleichen Begriffe Gedächtnis und Erinnerung umfassen.

2.1. Formen und Aspekte des kollektiven Gedächtnisses

Die wissenschaftliche Kategorie Gedächtnis ist geprägt von einer Vielzahl von Begriffen und Konzepten, die Forscher unterschiedlichster Wissenschaftsbereiche beschäftigen. Seit längerem findet eine breite interdisziplinäre Forschung und produktive Diskussion über Erinnern und Gedächtnis in der Soziologie, Psychologie sowie Neurophysiologie[9] statt. Ebenso findet sie Eingang in die Geschichts–, Medien– und Literaturwissenschaften, sodass die Auseinandersetzung mit Gedächtnistheorien mittlerweile geradezu zu einem labyrinthisch verzweigten Forschungsfeld geworden ist. Innerhalb dieses Feldes sind entsprechende begriffliche und konzeptuelle Differenzierungen vonnöten, die es hier aufzuschlüsseln gilt.[10]

2.1.1. Das kollektive Gedächtnis

Die Gesellschaft verfügt über kein Gedächtnis nach Art des Individuums, denn sie besitzt keine biologischen Grundlagen des Erinnerns. Dessen ungeachtet entwickelt sich eine kollektive Identität, die mit Hilfe von Zeichen und Symbolen ein künstliches Gedächtnis entwickelt, das zum einen aus Alltagskommunikation besteht und sich zum anderen auf symbolträchtige kulturelle Objekte stützt.

Ausgangspunkt der Überlegungen zu einem kollektiven Gedächtnis bilden die Vorstellungen des französischen Soziologen Maurice Halbwachs (1877–1945) zum sozialen Gedächtnis aus den zwanziger und dreißiger Jahren.[11] Halbwachs gilt als Pionier im Bereich der sozialen Gedächtnisforschung, da er als einer der Ersten das Phänomen des kollektiven Gedächtnisses im Rahmen einer modernen Kulturtheorie beim Namen genannt und systematisch untersucht hat. Dabei legte er Zusammenhänge zwischen individueller Erinnerung und sozialer Bedingtheit frei, erforschte die Formen und Funktionen des zwischen den Generationen gebildeten Gedächtnisses und erweiterte den Begriff „mémoire collective“ auf den Bereich kultureller Überlieferung und Traditionsbildung.[12] Halbwachs definierte Erinnern als einen gegenwarts– und interessengebundenen Prozess, der mit jedem Abruf die Vergangenheitsversionen gemäß der veränderten Gegenwart ändern muss, damit sie für die betreffenden Individuen (soziale Gruppe) bedeutsam bleiben. Seine Gedächtnistheorie bezieht sich somit auf das Gedächtnis sozialer Gruppen, in denen das Individuum als Gedächtnisträger fungiert. Im Gegensatz zur persönlichen Erinnerung bezieht es sich öffentlich, offiziell und in generalisierter Weise auf die Vergangenheit. Dabei ist es nicht als Summe, sondern als Produkt aller Einzelgedächtnisse zu verstehen. Als solches wirkt es auf die Einzelgedächtnisse der nachfolgenden Generationen ein. Demnach ist unsere Wahrnehmung gruppenspezifisch und unsere individuelle Erinnerung sozial geprägt.

Das kollektive Gedächtnis ist der „Vorratsspeicher“ der relevanten Erfahrungen und des geteilten Wissens der sozialen Gemeinschaft über die Vergangenheit, welcher in Form von Interaktion, Kommunikation, Medien und Institutionen innerhalb der Gesellschaft vermittelt wird.[13] Wird der Begriff Gedächtnis im täglichen Gebrauch in der Regel mit einem Individuum verknüpft, so bezieht die Wissenschaft die beeinflussende Umgebung des Menschen mit ein. Die Wahrnehmung ist demnach gruppenspezifisch und unsere individuelle Erinnerung sozial geprägt. Somit ist der einzelne Mensch mit seinen biographischen Erinnerungen in unterschiedliche, weit reichende Gedächtnishorizonte wie Familie, Generation, Gesellschaft und Kultur eingespannt. Zudem lassen sich anhand des kollektiven Gedächtnisses aussagekräftige Indizien für die Bedürfnisse und Belange der Erinnernden in der Gegenwart aufzeigen.

2.1.1.1. Das kommunikative Gedächtnis

Das Autorenpaar Jan und Aleida Assmann[14] nimmt in seiner Forschungsarbeit eine begriffliche Trennung des kollektiven Gedächtnisses in zwei „Gedächtnis – Rahmen“[15] vor. Sie prägten und popularisierten damit in jüngerer Zeit die Begriffe des kulturellen und kommunikativen Gedächtnisses, deren qualitativer Unterschied in deren Inhalten, Formen, Medien und Trägern besteht.[16]

Kennzeichnend für das kommunikative Gedächtnis ist seine lebendige Erinnerung, welche durch Alltagsinteraktionen angeregt wird und aus den Lebenserfahrungen der Zeitgenossen besteht. Dadurch ist es zeitlich auf eine kleine Generationenfolge begrenzt, deren mit der Gegenwart mitwandernder Zeithorizont in der Regel drei bis vier Generationen umfasst, was ungefähr achtzig bis hundert Jahren entspricht. Weitere Merkmale des kommunikativen Gedächtnisses sind unter anderem die thematische Variabilität, der informelle, wenig geformte, naturwüchsige Umgang und die Alltagsnähe.[17] Da die Inhalte veränderlich sind und keine feste Bedeutungszuschreibung erfahren, verändert sich mit jedem Generationswechsel das Erinnerungsprofil einer Gesellschaft merklich. Ehemals bestimmende oder repräsentative Haltungen verschieben sich in den Hintergrund.[18] Das kommunikative Gedächtnis entwickelt sich somit in der Zeit und vergeht mit seinen Trägern. Zerbricht eine Erinnerungsgemeinschaft, was meistens mit einem Generationswechsel einhergeht, gerät auch ein Teil des gemeinsamen Gedächtnisses in Vergessenheit und weicht einem neuen Gedächtnis.[19] Da das kommunikative Gedächtnis an die Existenz der lebendigen Träger und Kommunikatoren von Erfahrung gebunden ist, lässt sich in diesem Zusammenhang auch von dem „Kurzzeitgedächtnis“[20] der Gesellschaft sprechen.

2.1.1.2 Das kulturelle Gedächtnis

Das kommunikative Gedächtnis dient Jan und Aleida Assmann als Oppositionsbegriff und Abgrenzungsfolie zum kulturellen Gedächtnis, welches den eigentlichen Fokus ihrer Forschung darstellt.[21] Im Gegensatz zum kommunikativen Gedächtnis handelt es sich beim kulturellen Gedächtnis um eine institutionalisierte „kulturelle Mnemotechnik“[22], die einen festen Bestand an Inhalten und Sinnstiftungen transportiert. Oder anders formuliert: das auf diese Art konzipierte kulturelle Gedächtnis entspricht einem externen Datenspeicher, dessen Träger nicht die einzelnen Individuen sind, sondern ein ethnisches Kollektiv.[23]

Jan Assmann definiert das kulturelle Gedächtnis als Sammelbegriff für das Wissen, das in einem „spezifischen Interaktionsrahmen einer Gesellschaft Handeln und Erleben steuert“ und „von Generation zu Generation zur wiederholten Einübung und Einweisung ansteht“[24]. Somit wird deutlich, dass sich die Vergangenheit auch im kulturellen Gedächtnis nicht als solche zu erhalten vermag. Indem sie beständig gedeutet, diskutiert und erneuert wird, verwandelt sie sich vielmehr zu symbolischen Figuren, an die sich die Erinnerung heften kann.[25] Im Weiteren fasst Assmann unter den Begriff des kulturellen Gedächtnisses,

den jeder Gesellschaft und jeder Epoche eigentümlichen Bestand an Wiedergebrauchs –Texten, – Bildern und – Riten zusammen, in deren ,Pflege' sie ihr Selbstbild stabilisiert und vermittelt, ein kollektiv geteiltes Wissen vorzugsweise (aber nicht ausschließlich) über die Vergangenheit, auf das eine Gruppe ihr Bewußtsein von Einheit und Eigenheit stützt.[26]

Durch Medien wie Bilder, Denkmäler, Lieder, Feste, Rituale oder Mythen werden die Inhalte traditionell und symbolisch kodiert und inszeniert. Die Formen, in denen es gestiftet wird, sind somit durch eine hochgradige „Geformtheit und zeremonielle Kommunikation“[27] geprägt. Deren inhaltliche Definition und Interpretation wird durch Spezialisten, wie beispielsweise Historiker oder Museumspädagogen, gestaltet.

Durch die Institutionalisierung und die Spezialisierung der Trägerschaft ist das kulturelle Gedächtnis im Gegensatz zum kommunikativen Gedächtnis organisiert und verbindlich, da es die Werte und Normen für eine Gruppe festlegt.[28] Das kulturelle Gedächtnis lässt sich folglich an seiner „Identitätskonkretheit“[29] erkennen, da es durch eine soziale Gruppe konstituiert wird, die daraus ihre Identität ableitet. Außerdem ist es hochgradig selbstreflexiv: Es reflektiert die Praxis, das Wissen und das Selbst einer Gruppe, die sich vor dem Wissen konstituiert.

Das Verhältnis beider Gedächtnisformen ist mithin nur auf analytischer Ebene zu trennen.[30] In der Erinnerungspraxis ist ihr Vorkommen nicht als statisch, sondern in einem wechselseitigen, dynamischen Prozess zusehen.

2.2. Öffentliche und familiäre Erinnerungsdiskurse

Unter dem Begriff Erinnerungen lässt sich im Deutschen in erster Linie ein Akt der Rückholung oder der Rekonstruktion individueller Erlebnisse und Erfahrungen fassen.[31] Genauer betrachtet, handelt es sich dabei um einen rückwärtsgerichteten Zugriff, der die Erinnerung nicht als Abbild der Vergangenheit reproduziert, sondern die verfügbaren Daten der Vergangenheit in der Gegenwart subjektiv neu zusammenstellt und ihnen nachträglich einen Sinn verleiht.[32] Damit umfasst die Vergegenwärtigung von Vergangenem immer sowohl eine individuelle Selektion als auch eine Deutung. Das Auswahlverfahren der zu erinnernden Ereignisse wird indessen vom privaten Umfeld und der Öffentlichkeit als maßgebliche Indikatoren beeinflusst (s.u.).

Erinnern kann sich streng genommen nur derjenige, der die vergangenen Ereignisse selbst erlebt bzw. erfahren hat. Eine derartig konsequente Reduzierung von Erinnerung auf subjektives Erleben kann allerdings nicht aufrechterhalten werden, da diese einschränkende Auffassung der Komplexität der Prozesse von Tradierung, Erfahrung und Erinnerung diametral entgegenstehen würde. Vielmehr können angelesene und gelernte Gesichtspunkte, Erzählungen oder bestimmte Traditionen verinnerlicht werden und eine persönliche Bedeutung gewinnen.[33] Die Nachgeborenen erinnern sich folglich nicht an das Geschehen selbst, sondern an den Prozess der Tradierung und den damit verbundenen eigenen Erfahrungen und Gefühlen. Diese Merkmale spiegeln sich im öffentlichen Erinnerungsdiskurs im vereinigten Deutschland auf der einen Seite und im deutschen Familiengedächtnis auf der anderen Seite wieder.

2.2.1. Öffentliche Vergangenheitsbewältigung

Im öffentlichen Erinnerungsdiskurs des wiedervereinigten Deutschlands lassen sich zwei große Tendenzen[34] im Umgang mit der deutschen Vergangenheit feststellen (gemeint sind hier in erster Linie der Nationalsozialismus und Holocaust, die deutsche Teilung und der DDR – Sozialismus, aber auch das Erbe der westdeutschen Protestbewegung).[35]

Eine erste Tendenz kommt in der Entdifferenzierung deutscher Vergangenheit zum Ausdruck, die sich in erster Linie auf die umstrittene, da verallgemeinernde Totalitarismustheorie bezieht. Es handelt sich dabei um undifferenzierte Vergleiche oder Gleichsetzungen der beiden deutschen Regime DDR – Sozialismus und Nationalsozialismus in den öffentlichen Diskursen. Neben gewisser, nachweislicher Parallelen, die durch die Fülle an Informationen über das Ausmaß des Überwachungsstaates nach dem Ende der DDR zum Vorschein kamen, verdeckt diese Art des Vergleichs allerdings erhebliche Systemunterschiede. Insbesondere wird eine Unterscheidung zwischen dem rassistisch motivierten industriellen Massenmord an Juden im NS – Staat und der politischen Verfolgung Andersdenkender in der DDR in den Darstellungen vernachlässigt, wodurch die These zwangsläufig zur einer Relativierung des Holocausts führt.

Im Weiteren kommt der undifferenzierte Umgang in dem öffentlichen DDR – Bild zum Ausdruck. Im kollektiven Gedächtnis der Bundesrepublik wird die DDR auf ein repressives System reduziert, was sich, so merkt es Eigler kritisch an, bereits im Einigungsvertrag mit der offiziellen Bezeichnung „Unrechtsregime“ ankündigte.[36] Entsprechend wird ergänzt, dass sich die derzeitige eher zunehmende als abnehmende „Ostalgiewelle“ ebenfalls auf dieses selektive DDR – Bild zurückzuführen ist.[37] Es scheint, der öffentliche Umgang bezüglich der DDR – Vergangenheit ist lediglich in einer selektiven schwarz – weiß Manier möglich, der die Geschichte der DDR entweder dämonisiert oder verharmlost. Dies lässt sich ebenso an dem Umgang mit der 68er – Bewegung beobachten.[38]

Der Politologe Peter Reichel fasst diese Entwicklung als einen dreifachen Entdifferenzierungsprozess zusammen: Damit meint er erstens die Neigung zum Schematismus, der etwaige Systemunterschiede übersieht; zweitens eine verschobene Vergangenheitsbewältigung, die sich in der unnachgiebigen Aufarbeitung der vom Westen geforderten Aufarbeitung der sozialistischen Geschichte äußert; und drittens die Vernachlässigung der gemeinsamen „NS – Altlasten“.[39]

Neben der beschriebenen Entdifferenzierung lässt sich eine zweite sich abzeichnende Tendenz in der öffentlichen Erinnerungskultur beobachten: die Ritualisierung von Vergangenheit. Dabei handelt es sich um eine Sinnentleerung gesellschaftlicher Gedenkformen (z.B. Gedenktage, Mahnmale, politische Bekenntnisse) durch die Aufspaltung individueller und öffentlicher Gedenkformen.

Innerhalb des Spannungsfeldes der individuellen Erinnerung und kollektiven Gedenkrituale kollidieren verschiedenen Gedenkformen in erregt geführten öffentlichen Diskussionen, wodurch die deutsche Erinnerungspraxis in Bewegung geraten ist.[40] Dies kommt beispielsweise in dem äußerst problematischen und diskrepanten Umgang um der Rolle der deutschen Opfer von Flucht und Vertreibung sowie Städtebombardierungen im 2. Weltkrieg zum Ausdruck. Innerhalb des Spannungsfeldes der individuellen Erinnerung und der kollektiven Gedenkrituale kollidiert das Leid des Tätervolkes mit den Opfern der NS – Aggression.[41] Trotzdem kann dieses Diskussionsbedürfnis nicht unberücksichtigt bleiben, da sich ansonsten kein gemeinsames Erinnern entfalten könnte.

Obwohl sich die Vergangenheit durch eine Vielzahl öffentlicher Rituale, Gedenkfeier und Mahnmale im kulturellen Gedächtnis der Nation festgeschrieben hat, droht sich deren Funktion durch die Loslösung von kommunikativen und individuellen Gedächtnisformen zu entleeren. Das Oktroyieren einer öffentlichen Gedenkform kann sich somit langfristig negativ auswirken, da sie statt zu einer Vergegenwärtigung der Vergangenheit zu ihrer Verselbstständigung führen würde. Wenn die öffentliche Erinnerung lediglich ritualisiert begangen werden würde und unabhängig von der individuellen Erinnerung stände, leistet sie auf diese Weise dem Vergessen Vorschub, das es eigentlich zu vermeiden gilt.

2.2.2. Das Familiengedächtnis

Neben den skizzierten öffentlichen Erinnerungsdiskursen stellt das Familiengedächtnis der Deutschen eine weitere Bezugsgröße der ausgewählten Familienromane dar.

Die Besonderheiten des Familiengedächtnisses wurden beeindruckend in der soziologischen Studie zum Generationengedächtnis Opa war kein Nazi. Nationalsozialismus und Holocaust im Familiengedächtnis.[42] herausgearbeitet. Welzer, Moller und Tschuggnall stellten in ihrer breit angelegten Studie interessanter und überraschender Weise fest, dass in vielen Familien die Abgrenzung zwischen Familienmitgliedern und den „Nazis“ oder „Tätern“ sowie die entlastende Verharmlosung einer Involvierung der Familienmitglieder in den Nationalsozialismus weniger durch eine Selbstinszenierung der Zeitzeugengeneration erzeugt wird, als durch die Kinder und besonders Enkelkinder. Zudem spielt die Verfolgung und Vernichtung der jüdischen Bevölkerung im Familiengedächtnis kaum eine Rolle. Das dadurch zum Ausdruck kommende ausgeprägte Loyalitätsgefühl, führt zu einer Aufspaltung der emotional geprägten, familiären Erinnerung und des differenzierten historischen Wissens, das in Bildungsinstitutionen und kulturellen Erinnerungsorten vermittelt wird. Das Familiengedächtnis stellt somit „kein umgrenztes und abrufbares Inventar von Geschichten dar[stellt]“.[43] Vielmehr besteht eine kommunikative, familieninterne Vergegenwärtigung von vergangenen Episoden, die immer in einer Beziehung zu den Familienmitgliedern steht und über die gemeinsam gesprochen wird. Durch das gemeinsame Sprechen über die Vergangenheit bildet die Familie ihre soziale Identität, ihre Familiengeschichte. Dabei können die einzelnen Familienmitglieder durchaus verschiedene Versionen der Familiengeschichte pflegen, so wie es in Opa war kein Nazi verdeutlicht wurde.

Welzer weist daraufhin, dass die Vergegenwärtigung der Vergangenheit meistens beiläufig und absichtslos stattfindet. „Familien halten keine Geschichtsstunden ab, sondern thematisieren Vergangenes zu unterschiedlichsten Anlässen“[44] (z.B. beim Kartenspiel, Familienfeiern, Fernsehen, Diaabende etc.). Aufgrund der persönlichen Nähe – die familiäre Loyalität und Identifikation – ist das Familiengedächtnis besonders anfällig für selektives und harmonisierendes Erinnern, was Welzer als „kumulative Heroisierung“ bezeichnet.[45] Innerhalb des hier skizzierten theoretischen Bezugsfeldes sollen die Texte von Monika Maron und Stephan Wackwitz analysiert und diskutiert werden.

2.2.3. Generationsromane im Kontext von Gedächtnis und Erinnerung

In diesem Abschnitt sollen zwei Aspekte überblicksartig dargestellt werden: Zum einen wird auf das Verhältnis von Literatur und Gedächtnistheorie eingegangen. Zum anderen gilt es nachzuspüren, wieso verstärkt seit der Wende 1989 eine Konjunktur der Generationenromane zu verzeichnen ist.[46]

Der zuvor skizzierte außerliterarische Diskursraum lässt sich sinnvoll auf die literarische Erinnerungsarbeit[47] in der deutschen Gegenwartsliteratur übertragen. Mit Hilfe der Assmanschen Gedächtnistheorie lässt sich das Verhältnis von literarischen Erinnerungstexten zu Aspekten des kommunikativen und kulturellen Gedächtnisses beschreiben. Innerhalb dieses Gedächtnismodells sind die literarischen Texte auf der Schwelle zwischen kommunikativem und kulturellem Gedächtnis anzusiedeln.

Die Texte sind tendenziell kommunikativ, da sich die Generationsromane als Ersatzmedium für den aus vielfältigen Gründen abgebrochenen Dialog zwischen den Generationen sehen lassen. Dieser Austausch kommt auf die Weise zum Ausdruck, als dass sie im Idealfall einen kommunikativen Austausch mit der lesenden Generation ermöglichen.

Beide Gedächtnisformen des Erinnerns sind gekennzeichnet durch einen selektierenden Prozess. Dies trifft ebenfalls auf die Erinnerung in den Generationenromanen zu, da aus der Fülle von Ereignissen, Prozessen, Personen und Medien der Vergangenheit einige Elemente ausgewählt, bearbeitet und schriftlich fixiert werden. Der Vorgang des Verschriftlichens lässt den Text zu einer Art Erinnerungsspeicher werden, weswegen literarische Texte tendenziell kulturell sein können.[48] Die Annahme Literatur fungiere durch das Medium der Schrift als kulturelles Gedächtnis, lässt sich auf die Arbeiten von Jan und Aleida Assmann zurückführen.[49] Zudem ist Literatur durch ihre publizierte Form prinzipiell mehr als nur einem lokal begrenzten Publikum zugänglich. Somit liegt in ihr grundsätzlich die Möglichkeit eine größere gesellschaftliche Gruppierung anzusprechen und „das kulturelle Gedächtnis mit zu prägen oder zumindest auf dominante Diskurse in der Öffentlichkeit zu reagieren.“[50] Entsprechend lassen sich in der Literatur Medien und Praktiken der Erinnerungskultur nachweisen.

Wenn auch verkürzt dargestellt, wird deutlich, dass die literarische Konstruktion von Wirklichkeits– und Vergangenheitsversionen den Prozessen des kollektiven Gedächtnisses ähnelt, weswegen „sich Literatur so hervorragend als Gedächtnismedium“ eignet.[51] Zusammenfassend ist das spezifische Leistungsvermögen von Literatur so zu beschreiben:

Literarische Texte sind als Medien des kollektiven Gedächtnisses allgegenwärtig (…). Sie erfüllen vielfältige erinnerungskulturelle Funktionen, wie die Herausbildung von Vorstellungen über vergangene Lebenswelten, die Vermittlung von Geschichtsbildern, die Aushandlung von Erinnerungskonkurrenzen und die Reflexion über Prozesse und Probleme des kollektiven Gedächtnisses. Literatur wirkt in der Erinnerungskultur.[52]

So kann Literatur Neues und Anderes in die Erinnerungskultur integrieren.

Dennoch ist es nicht ausreichend, eine kultursoziologisch orientierte Gedächtnistheorie einfach auf die Analyse literarischer Texte zu übertragen. Denn:

Jede theoretische Annahme über Inhalte oder Funktionsweisen des kollektiven Gedächtnisses ist selbst ein Konstrukt und hat mehr von einer wissenschaftlichen Erfindung als von einem Auffinden kultureller Gegebenheiten.[53]

Entsprechend werden neben verschiedenen familiären und kulturellen Archiven ebenfalls andere Gedächtnismedien zu Rate gezogen, um nachträglich Erinnerungen zu „erschreiben“. Eine konstitutive Rolle nehmen dabei häufig – wie es im Verlauf der Arbeit noch aufzuzeigen gilt – die Gedächtnismedien Bilder, Schriftstücke, Fotos und Orte ein.

Seit der Wende und Wiedervereinigung haben Generationenromane in der deutschsprachigen Gegenwartsliteratur eine erstaunliche Popularität gewonnen. Es gibt eine Vielzahl von Literaten ebenso wie von Sachbuchautoren, Forschern oder Hobbyhistorikern[54] auf den deutschen Büchermarkt, die genaueres über ihre Vorfahren wissen wollen und das Gedächtnis der Deutschen analysieren.[55] In begrifflicher Anlehnung an die Arbeit von Aleida Assmann und Ute Frevert sind die ehemals „geschichtsvergessenden“ Deutschen im Umkehrschluss zu „geschichtsversessenen“ Deutschen geworden. Die Verkaufszahlen sind entsprechend hoch, sodass sich viele Werke in den Bestsellerlisten wieder finden. Die Bandbreite reicht dabei von Ulla Hahn, Uwe Timm, Reinhard Jirgl, über die Journalistin Wibke Bruhns bis zu dem Feuilletonkorrespondent Thomas Medicus.[56]

Die erstaunliche Konjunktur der Familienromane, die mit einer verstärkten Hinwendung zu Gedächtnisdiskursen einhergeht, ist allerdings kein neues Phänomen. Bereits in den 70er und 80er Jahren befassten sich Autoren vermehrt literarisch mit der Verarbeitung der Vergangenheit. Der entscheidende Unterschied zwischen der literarischen Bearbeitung der so genannten Väterliteratur und der um die Jahrtausendwende erschienenen Literatur liegt wohl in der Abwendung der Gegenwartsliteratur von der anklagenden Haltung gegenüber den Vorfahren. Die Bücher sind nicht aus einer moralischen Überlegenheit gegenüber einzelner Familienmitglieder geschrieben worden. Die Autoren sind nicht nur die Kinder der Nazigeneration, sondern auch deren Enkel. Somit wird der Blick auf eine ganze Generationsfolge ausgerichtet, was eine neue Umgangsform mit der familiären Vergangenheit ermöglicht. Durch diese erweiterte historische Perspektive, wird ein literarischer Umgang möglich, der in einem hohen Maße von Distanz sowie Reflexion und zugleich von einer gefühlsbetonten, emphatischen Annäherung geprägt ist. Distanzierung mit gleichzeitiger Annäherung sind die Schlüsselbegriffe, dieses neuen scheinbar paradoxen Umgangs.

Aber wodurch lässt sich die außerordentliche, wohl beispiellose und beinahe inflationäre Suche der eigenen familiären Wurzeln erklären, die sich zurzeit in der Erinnerungsliteratur niederschlägt?

Das wachsende Interesse an diesem Thema kann zum einen auf die digitale Revolution zurückgeführt werden. Durch die Innovationen der elektronischen Medien eröffnen sich externe Speicherungsmöglichkeiten, wodurch dem künstlichen Gedächtnis eine kulturelle Revolution widerfährt, die in ihrer Auswirkung mit der Erfindung der Schrift und des Buchdrucks vergleichbar ist.[57] Allerdings führt die digitale Revolution zum widersprüchlichen Zusammenhang zwischen medialer Speichermöglichkeit und der Gefahr des Vergessens. „Denn solange Informationen auf Festplatten ruhen, sind sie totes Wissen.“[58] Zudem ist kritisch anzumerken, dass die Auswahl und Aneignung des Erinnerungswürdigens angesichts der Datenfülle zusehends schwieriger werden. Trotz der kritischen Einwände leisten die digitalen Medien einen großen Beitrag zu Aufarbeitung, Speicherung und Verarbeitung der Vergangenheit.

Das entscheidende Motiv, welches das verstärkt auftretende gesamtgesellschaftliche Bedürfnis sich der verschütteten Familiengeschichten zu erinnern erklärt, ist jedoch wohl mit dem absehbaren Aussterben der Zeitzeugen und dem damit einhergehenden Generationswechsel verbunden. Die Zeit drängt, die Fragen brennen und die, die sie beantworten können entschwinden langsam aber sicher der Gesellschaft. Allmählich sterben die letzten Zeitzeugen der schwersten Verbrechen der Menschheitsgeschichte aus und Generationen, die keine eigenen Erinnerungen mehr an Nationalsozialismus, Weltkrieg und Holocaust haben, bilden die Gesellschaft. Damit bricht die mündliche Überlieferung von Lebenserfahrung im Rahmen des kommunikativen Gedächtnisses ab und es besteht die Gefahr eines nie wieder zu revidierender Verlusts der lebendigen und persönlichen Erinnerung. Der Nationalsozialismus wird von einem zeitgeschichtlichen Phänomen mehr und mehr zu einem Ereignis der Geschichte. Jan Assmann schreibt dazu:

40 Jahre markieren eine Epochenschwelle in der kollektiven Erinnerung: wenn die lebendige Erinnerung vom Untergang bedroht und die Formen kultureller Erinnerung zum Problem werden. Auch wenn die Debatte um Geschichte und Gedächtnis, Memoria und Mnemotechnik teilweise höchst abstrakte und gelehrte Formen annimmt, scheint mir doch dies der existentielle Kern des Diskurses zu sein.[59]

Dem kulturwissenschaftlichen Vokabulars Assmanns folgend besteht die besondere Situation unserer heutigen Zeit darin, wie das kommunikative Gedächtnis der Zeitzeugen Eingang in das kulturelle Gedächtnis der Nachgeborenen findet. Das Aussterben der Zeitzeugengeneration stellt jedoch neben dem nicht zu revidierenden Verlust ebenso eine Chance der Erinnerung dar. Welzer äußert sich zu diesem Blickwinkel in einem Interview des taz – Magazins folgendermaßen:

Ein Grund für diesen Boom ist wohl, dass die Erlebnisgeneration stirbt. Damit wird Erinnerung freier verfügbar. Sie ist nicht mehr an eine Lebenserfahrung gebunden. Der Vater, der bislang die Geschichte repräsentiert hat, ist weg. Nun kann man aus der Perspektive der eigenen Generation eher tun, was Sinn hat.[60]

Aus diesem Generationswechsel ergibt sich die Herausforderung, neue Formen des literarischen Erinnerns zu entwickeln. Und es stellt sich die Frage, wie der Übergang vom kommunikativen zum kulturellen Gedächtnis gestaltet werden kann? Dieser Frage gilt es im weiteren Verlauf der Arbeit nachzuspüren.

Ausgehend von diesen Überlegungen lassen sich Marons Pawels Briefe wie Wackwitz´ Ein unsichtbares Land ohne Probleme in die Schwemme von zurückblickenden, in diesen beiden Fällen sogar (auto)biographischen „Jahrhundertend – Bücher“[61] einordnen, deren Präsenz sich auf dem deutschen Büchermarkt in den letzten Jahren phänomenal gesteigert hat.

Neben der umfangreichen literarischen Hinwendung ist ebenfalls seit Ende des letzten Jahrhunderts eine verstärkte öffentliche Auseinandersetzung festzustellen, die ihren Ausdruck in der Arbeit verschiedener Institutionen wie Gedenkstätten, Museen, Denkmälern, Schulen und Massenmedien findet. Entsprechend beschreibt Gunther Pakendorf, dass es seit 1998 scheinbar zu einem Wandel im Selbstbewusstsein wie im Geschichtsbild der Deutschen gekommen sei. Dies stellt er äußerlich unter anderem an der Walser – Bubis – Debatte oder den Auseinandersetzungen um das Holocaust – Mahnmal fest, und ebenso an der Beschäftigung der Deutschen mit den eigenen Leiden in den letzten Kriegsjahren, im Luftkrieg und den Vertreibungen aus dem Osten.[62] In diesem Zusammenhang ist als Beispiel die Wanderausstellung Flucht, Vertreibung, Integration zu benennen, die ihren Schwerpunkt auf die Vertreibung und die Flucht der deutschen Bevölkerung legt.[63]

Es lässt sich festhalten, dass dem dauerhaften Verlust der Erinnerung an die deutsche Vergangenheit auf unterschiedliche Weise entgegengetreten wird. Die wissenschaftlich – historische Forschung leistet ebenso ihren Beitrag wie öffentliche Institutionen, der Generationenwechsel oder die gegenwärtige Erinnerungsliteratur.

3. Monika Marons Pawels Briefe – Zwischen Erinnerungskampf und Erinnerungsdialog

Da der biographische Hintergrund von Monika Maron im Verlauf der Textanalyse insofern relevant sein wird, als sie sich, wie auch in anderen öffentlichen Stellungnahmen und literarischen Texten, als dezidierte Antikommunistin gibt und zudem ihre Position als Holocaustüberlebende der zweiten Generation hinzu kommt, soll an dieser Stelle ein knapp gehaltener biografischer Abriss angeführt werden.

Monika Maron wurde 1941 als nichteheliche Tochter der Halbjüdin Hella Iglarz und einem deutschen Frontsoldaten in Berlin geboren. 1951 siedelte ihre Familie von West- nach Ostberlin über, da die Mutter als überzeugte Kommunistin der sozialistischen Idee und ihrem Ehemann, Marons Stiefvater Karl Maron, dem späteren Innenminister (1955-1963) in den Ostsektor folgte. Das Verhältnis zu ihrem Stiefvater Karl Maron war von Anfang an schwierig. Literarisch verarbeitete sie ihre außerordentliche Ablehnung ihm gegenüber in ihrem dritten Roman Stille Zeile Sechs, für den sie 1992 mit dem Kleist-Preis ausgezeichnet wurde. Aufgewachsen im realen Sozialismus der jungen DDR engagierte sie sich als Schülerin aktiv in der FDJ, später in der SED. Nach dem Abitur 1959 arbeitete sie als Fräserin in einem Industriebetrieb, als Regieassistentin beim Fernsehen, studierte Theaterwissenschaften und war dann als Reporterin tätig. Seit 1976 ist sie freiberufliche Schriftstellerin. 1988 verließ Monika Maron mit einem Dreijahresvisum die DDR und lebte bis 1992 in Hamburg, seitdem ist sie wieder in Berlin. Bis heute hat sie zahlreiche Romane, Erzählungen und Essays veröffentlicht und sie ist mit verschiedenen Auszeichnungen für ihr literarisches Wirken ausgezeichnet worden.[64]

Die im theoretischen Teil dargestellte Vorstellung eines Familiengedächtnisses, welches sich durch die kommunikative Weitergabe von Erinnerungen auszeichnet, ist durch den Verlauf der deutschen Geschichte des 20. Jahrhunderts, insbesondere durch den Nationalsozialismus und die Shoah, aber ebenso wegen unterschiedlicher ideologischer Vorstellungen der Nachkriegszeit in der deutschen Gesellschaft häufig blockiert, behindert und verformt worden. Diese politischen Brüche finden ihr Äquivalent in der Familiengeschichte Pawels Briefe von Monika Maron. In ihrer Familie ist das auf einer Generationenfolge basierende kommunikative Gedächtnis im Sinne Assmanns nicht vorhanden. Denn die Weitergabe von generationsübergreifenden, identitätsstiftenden, familiären Erinnerungsstücken ist auf vielfacher Weise gestört bzw. zerstört.

In Pawels Briefe begibt sich die Autorin somit auf die Spurensuche in ihrer eigenen Familiengeschichte. Ausgehend von den 1994 zufällig auf dem Dachboden wieder gefundenen Briefen, die der Großvater Pawel aus dem Ghetto seiner Familie geschrieben hatte, von den Erinnerungen ihrer Mutter Hella sowie von alten Fotos und amtlichen Papieren versucht sie diese kommunikative Störung des Familiengedächtnisses zu beheben, um das Leben dreier Generationen in einer assoziativen, sich zeitlich durchdringenden Erzählweise zu ordnen, damit nicht zuletzt die eigene Biografie, das Gefühl der Ich – Integrität, hergestellt werden kann. Es handelt sich dabei um einen Rekonstruktionsversuch, wodurch der weitgehende Erinnerungsverlust der Elterngeneration an die Zeit vor der DDR überwunden werden soll und die Familiengeschichte hergeleitet werden soll. Dabei lässt Maron den Leser durch ihre Reflexionen und Kommentare an ihrem verzwickten, hindernisreichen Erinnerungsprozess teilhaben. Auf diesem steinigen und schweren Weg soll Monika Maron in dieser Arbeit begleitet werden.

Pawels Briefe ist neben einer Familiengeschichte zugleich ein Längsschnitt durch die jüngere deutsche Geschichte. Anhand von den drei großen politischen Zäsuren der deutschen Geschichte des 20. Jahrhunderts – Hitlers Machtergreifung, die Gründung der DDR und die Zeit der Wende –, welche die Familiengeschichte entscheidend mitprägen, vermittelt sie darüber hinaus teilweise mehr als andere geschichtliche Darstellungen. Über die rein persönliche Dimension hinaus kann der Roman als repräsentativ für andere Familiengeschichten des 20. Jahrhundert stehen. Dies spiegelt sich beispielsweise im Untertitel des Romans Eine Familiengeschichte wieder, denn dieser impliziert, dass ihr Schicksal so oder so ähnlich für unzählige Familien in Deutschland gelten könnte.

3.1. Warum jetzt erinnern? – Marons Auslöser des Erinnerungsprozesses

„Seit ich beschlossen habe, dieses Buch zu schreiben, frage ich mich, warum jetzt, warum erst jetzt, warum jetzt noch.“[65] Mit dieser durch Unsicherheit gekennzeichneten Fragestellung beginnt die Geschichte des Großvaters[66] Pawel Iglarz und der Familie Marons[67]. Pawel Iglarz ist keine literarische Erfindung, es hat ihn gegeben, mit diesem Namen und mit seinem tragischen Schicksal. Er war ein zum Baptismus konvertierter Jude polnischer Herkunft, der Anfang des 20. Jahrhunderts mit seiner vom Katholizismus konvertierten Frau Josefa von Polen nach Deutschland emigrierte. In Berlin bauten sich die beiden eine neue Existenz als Schneider auf, was jedoch aufgrund der politischen Umstände nicht von Dauer bleiben sollte. 1938 wurde Pawel nach Polen ausgewiesen, dort im Ghetto Belchatow interniert und aller Wahrscheinlichkeit im Jahre 1942 im Vernichtungslager Kulmhof (Chelmno) von den Nazis ermordet. Josefa folgte ihrem geliebten Ehemann zurück nach Polen, lebte dort in äußerster Armut in der Nähe des Ghettos und starb, ohne ihren Mann noch einmal wieder gesehen zu haben, vor dessen Ermordung an einer unbehandelten Krankheit.

Eine erste Teilantwort auf die eingangs gestellte Frage lautet: „Erinnerungen haben ihre Zeit“.[68] Maron erläutert diese Aussage und ergänzt: „Irgendwann, denken wir, muß ich das genau wissen.“[69] In diesen beiden Aussagen liegt die Feststellung, dass einige Erinnerungen ihre Zeit brauchen, bevor sie sich zu Erzählungen verdichten können oder nach Erzählungen verlangen. Von Bedeutung ist in diesem Zusammenhang die zeitliche Distanz zu den Geschehnissen und eben diese hat Monika Maron nun. In einem Interview äußert sich sie entsprechend:

Es hat mehr zu tun mit meinem eigenen Alter, in dem sich Geschichten langsam neigen, und man die Entwicklung rückblickend mit Distanz beurteilt. Wenn man selbst eine Vergangenheit hat, dann sieht man auch die Gesamtvergangenheit wahrscheinlich anders.[70]

Die persönliche Voraussetzungen, um sich in den Neunzigern mit der Geschichte der Großeltern auseinander zu setzen, um Erinnerungen aus dem Speichergedächtnis freizugeben, lässt sich an zwei Geschehnissen festmachen: der zufällige Fund der Briefe und die veränderten politischen Verhältnisse, welche die alten Feindbilder bereinigten.[71]

Dieser erste Aspekt, der das auffällig späte Interesse am Lebensschicksal ihrer Familie erklärt, kommt in folgender Aussage zum Ausdruck: „Ich musste aufgehört haben, meine Eltern zu bekämpfen, um mich über das Maß der eigenen Legitimation hinaus für meine Großeltern und ihre Geschichte wirklich zu interessieren.“[72] Genau dies war Maron lange Zeit nicht möglich, da sie den Unfehlbarkeitsanspruch der Elternwelt kategorisch ablehnte. Der abwesende Pawel konnte ihr in dieser Situation als moralische Unterstützung beistehen. Denn die Erinnerung und Identifikation mit Pawel fungierte als beruhigender Beweis für die Möglichkeit sich einer anderen Sichtweise, eines anderen Lebens, eines positiven, vielleicht sogar vorbildhaften Erbes zu versichern. Dazu eignet sich der verstorbene Großvater Pawel weit besser als die Großmutter, denn deren Fotografie, die in Marons Kinderzimmer hing, ähnelt der eigenen Mutter zu sehr: Deshalb „fiel meine Wahl als einzigen Ahnen, von dem abzustammen ich bereit war, auf meinen Großvater.“[73] Pawel leistet ihr zwar keinen politischen Beistand – schließlich war er selber Kommunist – aber der Stil seiner fast philosophischen, reflektierten Briefe, die er aus dem Ghetto schreibt, berühren die Enkelin zutiefst, sodass sie einige Textstellen als eine Art geistiges Vermächtnis des Großvater liest. Durch die Spuren, die Pawel auf diese Weise in den Briefen hinterlassen hat, kann Maron seinen Charakter und sein Leben (partiell) rekonstruieren. So kommt sie auch zur folgenden, konsequent weitergedachten Legitimierung Pawels als Beistand gegen Hella:

Alles, was ich inzwischen über ihn weiß, lässt mich vermuten, daß Hellas fragloses Bekenntnis zu ihrer Partei und zu der neuen Macht in Pawel wenigstens Zwiespalt geweckt hätte. […] jemand, der aus dem Ghetto, in Erwartung seines Todes schreibt: „Zeigt niemals dem Kinde, dass es Haß, Neid und Rache gibt“, muß, etwas anderes kann ich nicht glauben, gefeit gewesen sein gegen den Unfehlbarkeitsanspruch einer Partei, der hätte nicht gleichgültig bleiben können gegenüber den Opfern der nächsten Diktatur, dessen Moral folgte einem anderen Gebot als dem seiner Klasse.[74]

[...]


[1] Annemarie Schnitt: Erinnerung. In: http://www.bepepa.de/berni/ecards/ create.php?id=Ge601.

[2] Da sich in beiden Texten sowohl biografische als auch autobiografische Elemente verbinden, wird in Anlehnung an Laura Marcus und Richard Freadmann diese doppeldeutige Schreibweise des Gattungsbegriffs verwendet. Vgl. Freadmann zitiert von Alison Lewis: Erinnerung, Zeugenschaft und die Staatssicherheit. Die Schriftstellerin Monika Maron. In: Der Deutschunterricht 57, H. 6 2005, S. 22 – 67, 26./Marcus von Frederike Eigler: Gedächtnis und Geschichte in Generationenromanen seit der Wende. Berlin 2005, 145. Auf diesen Text wird im Folgenden immer mit dem Kürzel Eigler verwiesen.

[3] Monika Maron: Pawels Briefe. Eine Familiengeschichte, Frankfurt a.M. 20044. Im Folgenden wird der Roman nach dieser Ausgabe unter der Sigle PB und der entsprechenden Seitenzahl zitiert.

[4] Weiter Beispiele für in den letzten Jahren erschienene Familienromane: Wibke Bruhns: Meines Vatersland. Geschichte einer deutschen Familie, Berlin 2004; Tanja Dückers: Himmelskörper. Roman, Berlin 2003; Günter Grass: Im Krebsgang. Eine Novelle, Göttingen 2002; Viola Roggenkamp: Familienleben. Roman, Gütersloh 2004.

[5] Stephan Wackwitz: Ein unsichtbares Land. Familienroman, Frankfurt a.M. 2005. Im Folgenden wird der Roman nach dieser Ausgabe unter der Sigle UL und der entsprechenden Seitenzahl zitiert.

[6] Wenn im Kontext dieser Arbeit von drei Generationen gesprochen wird, so gilt die Einteilung im Sinne einer vorläufigen, veränderlichen sozialgeschichtlichen Verortung. Eine plausible Einteilung hat Michael Kohlstruck vorgenommen, der die Generationen über ihr Verhältnis zur Schuldfrage bestimmt: 1. Generation: Vor 1930 geboren. Überlagerung der allgemeinen Schuldfrage mit der Möglichkeit individueller Schuld. Nur sie können strafrechtlich, moralisch und politisch daran schuld sein./ 2. Generation: Nach 1930 geboren: Können nicht schuldig sein, sind aber von der Schuld weiterhin betroffen./ 3. Generation: Nach 1970 geboren. Befinden sich im Vergleich zur 1. und 2. in einem qualitativ neuen Verhältnis zum Nationalsozialismus. „Aus der Perspektive der Dritten Generation gehört der Nationalsozialismus zur Geschichte, aus der Perspektive, der Ersten und Zweiten Generation gehört er zur eigenen Biographie.“ Michael Kohlstruck: Zwischen Erinnerung und Geschichte. Der Nationalsozialismus und die jungen Deutschen. Berlin 1997, 79.

[7] Exemplarische Beispiele für Väterbücher: Christoph Meckel: Suchbild. Über meinen Vater, Düsseldorf 1980; Ruth Rehmann: Der Mann auf der Kanzel. Fragen an einen Vater, München 1979. Niklas Frank: Der Vater (Eine Abrechnung), München 1987.

[8] Gregor Dotzauer: Vater, sprich, wie fang ich’s an. Deutsch-englischer Geisterdialog: Stephan Wackwitz und Martin Amis stöbern im Familienarchiv. In: http://archiv. tagesspiegel.de/ archiv/ 19.10.2005/ 2120093.asp.

[9] Im Rahmen dieser Arbeit wird die neurologisch – medizinische Bedeutung nicht berücksichtigt, da sie in diesem Zusammenhang irrelevant ist.

[10] Vgl. Aleida Assmann/Ute Frevert (Hg.): Geschichtsvergessenheit – Geschichtsversessenheit: Vom Umgang mit deutschen Vergangenheiten nach 1945, Stuttgart 1999, 35/36.

[11] Grundlegende Werke: Maurice Halbwachs: Das Gedächtnis und seine sozialen Bedingungen. Frankfurt a.M. 1985 (orig.: Les cadres sociaux de la mémoire. Paris 1925)./ Das kollektive Gedächtnis. Frankfurt a.M. 1991 (orig.: La mémoire collective. Paris 1941).

[12] Vgl. Astrid Erll: Kollektives Gedächtnis und Erinnerungskulturen. Eine Einführung, Stuttgart 2005, 28.

[13] Erll, 15.

[14] Aleida Assmann (*1947): Anglistin, Ägyptologin, Literatur- und Kulturwissenschaftlerin. Seit den 1990er Jahren ist ihr Forschungsschwerpunkt die Kulturanthropologie, insbesondere die Themen kulturelle Gedächtnis, Erinnerung und Vergessen. Jan Assmann (*1938): Ägyptologe, Religionswissenschaftler, Kulturwissenschaftler. Er hat wie seine Frau vielfach zu dieser Thematik Studien vorgelegt. Im Literaturverzeichnis sind wichtige Publikationen der beiden angeführt.

[15] Erll, 27.

[16] Die Entwürfe von Aby Warburgs und Pierre Nora zum kollektiven Gedächtnis sollen an dieser Stelle nicht miteinbezogen werde, da die Theorien von Halbwachs und Assmann für den literaturwissenschaftlichen Zugang ausreichend sind.

[17] Vgl. Erll 28f., 118.

[18] Assmann/Frevert, 37.

[19] Katharina Boll: Erinnerung und Reflexion. Retrospektive Lebenskonstruktionen im Prosawerk Monika Marons. Würzburg 2002, 96.

[20] Assmann in Harald Welzer: Kumulative Heroisierung. In: Mittelweg 36 Nr. 10 2001, 9 – 21, 13.

[21] Erll, 28.

[22] Harald Welzer: Das soziale Gedächtnis. Geschichte, Erinnerung und Tradierung. Hamburg 2001, 89.

[23] Vgl. Horst-Alfred Heinrich: Kollektive Erinnerung der Deutschen. Theoretische Konzepte und empirische Befunde zum sozialen Gedächtnis. München 2002, 31.

[24] Jan Assmann/ Tonio Hölscher (Hrsg.): Kultur und Gedächtnis. Frankfurt a.M. 1988, 9.

[25] Vgl. Assmann/Frevert, 49/50

[26] Assmann/ Hölscher, 15f..

[27] Erll, 29.

[28] Vgl. Jan Assmann: Das kulturelle Gedächtnis. Gedächtnis, Schrift, Erinnerung und politische Identität in den frühen Hochkulturen. München 1992, 56.

[29] Erll, 28.

[30] Die von einigen Forschern bemängelte strikte Trennung der Gedächtnisrahmen soll in dieser Arbeit nicht problematisiert werden, da sie für diese literaturwissenschaftliche Untersuchung irrelevant sind. Zur Kritik vgl. die Ausführungen von Eigler, 46ff., Heinrich 32f..

[31] Assmann/Frevert, 35.

[32] Erll, 7.

[33] Assmann/Frevert, 35.

[34] Die von Eigler ausgeführten transnationalen Kategorien bleiben in dieser Arbeit unberücksichtigt, da sie im Kontext der ausgewählten Texte irrelevant sind.

[35] Die Darstellung der öffentlichen Vergangenheitsbewältigung orientiert sich an Fredericke Eiglers Arbeit Gedächtnis und Geschichte in Generationenromane seit der Wende. Berlin 2005, 15-24.

[36] Vgl. Eigler, 19.

[37] Die „Ostalgiewelle“ findet ihren Ausdruck in diversen Fernsehsendungen, welche die „guten, alten Zeiten“ der DDR aufleben lassen, dabei die verbrecherischen, staatlichen Maßnahmen (Stasi, Mauerbau etc.) jedoch außer acht lässt. Wegen des unreflektierten Umgangs kann es dann auch vorkommen, dass eine ehemalige, privilegierte DDR – Bürgerin (Katarina Witt) im blauen FDJ –Hemd die Bühne betritt, um ein Interview zu geben. Gesehen bei RTL: Die DDR – Show. Mit Oliver Geißen und Katarina Witt. Ausstrahlung: 3. und 24. 09.2006.

[38] Vgl. Kapitel 4.2.3 dieser Arbeit.

[39] Vgl. Reichel in Eigler, 19.

[40] Als Beginn dieser Diskussionen können sicherlich der unglückliche Besuch Helmut Kohls und Ronald Reagans auf dem Soldatenfriedhof in Bitburg (1985) und insbesondere der Historikerstreit (1986/87) genannt werden. Weitere Schlaglichter sind die Walser – Bubis – Debatte, in der Walser für die Privatheit des Gewissens plädiert oder die Debatte um das Berliner Holocaustmahnmal.

[41] Vgl. Eigler, 20.

[42] Harald Welzer/ Sabine Moller/ Karoline Tschuggnall: „Opa war kein Nazi.“ Nationalsozialismus und Holocaust im Familiengedächtnis. Frankfurt a.M. 20024.

[43] Welzer/Moller/Tschuggnall, 23.

[44] Harald Welzer: Das kommunikative Gedächtnis. Eine Theorie der Erinnerung. München 2002, 149/150.

[45] Vgl. Welzer: Kumulative Heroisierung. In: Mittelweg 36 10 (2), 2001, 9-21.

[46] Da eine ausführlich argumentierende Darstellung des Verhältnisses von Literatur und Gedächtnistheorie den Rahmen dieser Arbeit übersteigen würde, wird sie aus diesem Grunde lediglich in einer verkürzten Darstellung beschrieben. Eine ausführliche Erläuterung zu der Wirkungsweise von Literatur als Medium des kollektiven Gedächtnisses befindet sich in der Arbeit von Astrid Erll: Kollektives Gedächtnis und Erinnerungskulturen. Eine Einführung, 143ff..

[47] In diesem Zusammenhang wird der Begriff Erinnerungsarbeit dem Begriff der Vergangenheitsbewältigung vorgezogen. Vergangenheitsbewältigung konnotiert fälschlicherweise einen abschließbaren Umgang mit der Vergangenheit. Dies ist jedoch unpassend, da Erinnerung vielmehr prozesshaft ist, die aufgrund von kritischem Erinnern, verschiedenen literarischen Strategien, unterschiedliche Formen der Trauerarbeit nicht zu einem definitiven Schluss kommen kann.

[48] Vgl. Boll, 16.

[49] Vgl. Eigler, 43.

[50] Frederike Eigler: Nostalgisches und kritisches Erinnern am Beispiel von Martin Walsers „Ein springender Brunnen“ und Monika Marons „Pawels Briefe“. In: Elke Gilson (Hg.): Monika Maron in Perspective. `Dialogische´ Einblicke in zeitgeschichtliche, intertextuelle und rezeptionsbezogene Aspekte ihres Werkes. New York 2002, 157 – 179, 158.

[51] Erll, 147.

[52] Erll, 143.

[53] Erll, 13.

[54] Die Sehnsucht, in den historischen Wirren der vergangenen Zeit die eigene Familiengeschichte wieder zu finden, zeigt sich ebenfalls im privaten Bereich, in welchem Hobbyforscher der im Trend liegenden Ahnenkunde nachgehen. Dabei spielt der negative Beigeschmack – einmal mehr durch die abstrusen Fantasien der NS-Ahnenforschung induziert– scheinbar keine Rolle mehr, schließlich geht es nicht mehr um die Legitimierung von Existenzen. Vgl. Susanne Beyer: Gesucht: die eigene Herkunft. In: Der Spiegel. Nr. 29, 12.7.2004.

[55] Die Entstehung dieser Arbeit, die bewusste Entscheidung für die Thematik der Spurensuche in der Familiengeschichte lässt sich ohne Frage in die Konjunktur des erläuterten privaten Zugriffs auf die Familiengeschichten einordnen. Auch ich bzw. meine Generation lässt sich im Strom der familiären Erinnerungskonjunktur mitreißen. Wir sind keine Kriegskinder oder 68er; aber wir gehören zu der letzten Generation, die noch eine kommunikative Beziehung zur Vergangenheit über die Großeltern, die – wie auch immer – in die nationalsozialistische Zeit eingebunden gewesen waren, aufbauen können. Wir können noch Erinnerungen über die Zeit hinaus retten, bevor unsere Kinder lediglich aus dem kulturellen Gedächtnis schöpfen können.

[56] Ulla Hahn: Unscharfe Bilder, München 2003. Uwe Timm: Am Beispiel meines Bruders, Köln 2003. Reinhard Jirgl: Die Unvollendeten. Roman, München 2003. Wibke Bruhns: Meines Vaters Land. Geschichte einer deutschen Familie, Berlin 2004; Thomas Medicus: In den Augen meines Großvaters, München 2004.

[57] Vgl. Jan Assmann: Das kulturelle Gedächtnis, München 2003, 11.

[58] Erll, 3.

[59] Assmann, 11.

[60] Jan Feddersen/Stefan Reinecke: Das ist unser Familienerbe. Ein Gespräch mit Aleida Assmann und Harald Welzer. In: www.taz.de/pt/2005/01/22/a0308.1/textdruck.

[61] Elke Gilson: „Nur wenige kurze Augenblicke, die sicher sind.“ Zur konstruktivistisch inspirierten Darstellung des Erinnerns und Vergessens in Monika Marons Familiengeschichte Pawels Briefe. In: Colloquia Germanica. Internationale Zeitschrift für germanische Sprach- und Literaturwissenschaft. Nr. 33, Heft 3, Tübingen 2000, 276.

[62] Vgl. Gunther Pakendorf: Die Gegenwart des Vergangenen. Stephan Wackwitz´ Ein unsichtbares Land als postkolonialer Roma n. In: http://goethezeitpotal.de/fileadmin/PDF/kk/df/postkoloniale_ studien/pakendorf_wackwitz.pdf

[63] Die Ausstellung Flucht, Vertreibung, Integration war u.a. im Bonner Haus der Geschichte der Bundesrepublik Deutschland, im Deutschen Historischen Museum Berlin und ist vom 1. Dezember 2006 bis zum 15. April 2007 in Leipzig (Zeitgeschichtliches Forum) zu sehen.

* http://www.literaturkritik.de/buch/buchh/neu/Basisbib/Gegenwart/mm.jpg.

[64] Bisher erschienene Werke: Flugasche, Roman, 1981. Das Missverständnis, Vier Erzählungen und ein Theaterstück, 1982. Adam und Evald, Theaterstück, 1983. Die Überläuferin, Roman, 1986. Trotzdem herzliche Grüße, Briefwechsel, 1988. Stille Zeile Sechs, Roman, 1990. Nach Maßgabe meiner Befreiungskraft, Sammlung von Artikeln und Essays, 1993. Animal Triste, Roman, 1996. Pawels Briefe. Eine Familiengeschichte, 1999. quer über die Gleise. Essays, Artikel, Zwischenruf, 2000. Herr Aurich, Erzählung, 2001. Endmoränen, Roman, 2002. Geburtsort Berlin, Essays, 2003. Auszeichnungen: Irmgard – Heilmann – Literaturpreis der Stadt Hamburg (1990), Brüder – Grimm – Preis (1991), Kleist – Preis (1992), Solothurner Literaturpreis (1994), Roswitha – Gedenkmedaille der Stadt Bad Gandersheim (1994), Buchpreis des Deutschen Verbandes evangelischer Büchereien (1995), Friedrich – Hölderlin – Literaturpreis der Stadt Bad Homburg (2003), Carl – Zuckermayer – Medaille des Landes Rheinland – Pfalz (2003).

[65] PB, 7.

[66] Der Großvater Pawel hat bereits vor der Publikation von Pawels Briefe eine wichtige Rolle im Schreiben von Monika Maron eingenommen. Bereits in Flugasche (1981) befasst sie sich damit, wobei im Gegensatz zu Pawels Briefe die Fiktion gegenüber der tatsächlichen Biografie im Vordergrund steht. Im Rahmen dieser Arbeit ist auf die sich verändernden Funktionalisierung des Großvaters Pawels in der Literatur von Monika Maron, jedoch nicht näher einzugehen. Vergleiche dazu Martina Ölke: Die Vergangenheit, eine Baustelle: Autobiografie/ - fiktion in der Literatur der DDR vor und nach der Wende (Stephan Hermlin, Monika Maron, Erich Loest). In: Hermann Heckmann: Autobiografisches Schreiben nach 1989. Analysen von Erinnerungen und Tagebüchern ehemaliger DDR-Schriftsteller. Bonn 2003, S. 129 – 158.

[67] Maron selber bezeichnet Pawels Briefe explizit als Familiengeschichte und nicht als Roman. Da sie Teil dieser Geschichte ist wird im Rahmen dieser Arbeit auf eine Unterscheidung zwischen Autorin und Erzählerin verzichtet.

[68] PB 7/12.

[69] PB, 8.

[70] Monika Maron im Gespräch mit Holly Liu: Erinnern und Vergessen. Ein aktuelles Thema in der deutschen Gegenwartsliteratur. In: http:// www.luise-berlin.de/Lesezei/indexblz.htm.

[71] Maron selbst thematisiert die Erinnerungsarbeit unter anderem auch in ihrem Aufsatz „Rollenwechsel“. Da heißt es zur Entstehung von Erinnerungen: „Und mich interessierte, wie die Erinnerung auf uns kommt, durch welche Temperamente und Überlebenskonstellationen sie gefiltert wird und wie viel für immer dem Vergessen anheim gefallen ist.“ Monika Maron Rollenwechsel. Über einen Text und seine Kritiker. In: Neue Rundschau 111 H. 2 2000, S. 135 – 150, 107.

[72] PB, 13.

[73] PB, 9.

[74] PB, 181.

Ende der Leseprobe aus 117 Seiten

Details

Titel
Auf Spurensuche in der Familiengeschichte. Vergessen und Erinnern in der deutschsprachigen Gegenwartsliteratur
Hochschule
Westfälische Wilhelms-Universität Münster
Note
1,3
Autor
Jahr
2007
Seiten
117
Katalognummer
V85520
ISBN (eBook)
9783640098439
ISBN (Buch)
9783656869986
Dateigröße
1953 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Spurensuche, Familiengeschichte, Vergessen, Erinnern, Gegenwartsliteratur
Arbeit zitieren
Carina Malcherek (Autor), 2007, Auf Spurensuche in der Familiengeschichte. Vergessen und Erinnern in der deutschsprachigen Gegenwartsliteratur, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/85520

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