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Die Theorie der Monogenese von Pidgin- und Kreolsprachen

Titel: Die Theorie der Monogenese von Pidgin- und  Kreolsprachen

Hausarbeit (Hauptseminar) , 2007 , 36 Seiten , Note: 1,3

Autor:in: Heiko Schnickmann (Autor:in)

Germanistik - Linguistik
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Zusammenfassung Leseprobe Details

Zu Beginn der Neuzeit und am Ende des Mittelalters machten sich die Europäer auf, um die Welt außerhalb ihres Kontinents zu erkunden und zu erobern. Ausgehend davon, dass man eine christliche Mission hatte, die größten Feinde in der Reconquista aus Spanien und somit aus Europa verband hatte und schließlich mit dem Wissen um die eigene Vergangenheit, das der Humanismus und die Renaissance wieder hervorgeholt hatten, machte man sich auf den Weg. Die Technik war weit fortgeschritten und so war die Erkundung der Welt nicht mehr aufzuhalten.
Allerdings gab es ein Problem, mit dem man nicht rechnete. Die Menschen auf die man traf, sprachen keine der bekannten Sprachen. Das war eine denkbar schlechte Grundlage, um diesen unterentwickelten Völkern das Licht der Zivilisation zu bringen. Die Verständigung aber klappte doch und das Ergebnis war, dass sich die europäischen Sprachen auf der ganzen Welt ausbreiteten. Manche von ihnen in einer seltsamen Mischform, in der eine eigenartige Grammatik vorherrscht. Das beschäftigte Linguisten und interessierte Laien schon von Beginn an.
Zunächst wurde beschrieben, was man hörte und dann wurde darüber nachgedacht, was der Grund dafür sein könnte. Mitte des vergangenen Jahrhunderts schließlich gab es eine Theorie, die bis heute in den Einführungsbüchern zur Sprachkontaktforschung präsent ist: Die Theorie der Monogenese. So unwahrscheinlich es auch klingen mag, wurde davon ausgegangen, dass alle diese Mischsprachen eine Wurzel haben, aus der sie entsprungen sind. Diese Pidgin- und Kreolsprachen entstammen alle dem Portugiesischen. Leicht kann man sich vorstellen, dass eine solche Theorie angegriffen werden musste und durch vermeidlich bessere ersetzt wurde.
Der Verfasser dieser Arbeit ging ganz unbefangen an diese Theorie heran. Zunächst bloß fasziniert von der Idee, einmal nachvollziehen zu wollen, wie diese Theorie entstand, entwickelte sich schließlich der Wunsch zu überprüfen, ob diese Theorie wirklich haltbar ist. Der Verfasser stellte sich die simple Frage, die er hier nachgehen wollte und die zur Fragestellung dieser Arbeit wurde: Ist die Theorie der Monogenese von Pidgin- und Kreolsprachen uneingeschränkt stimmig oder muss sie revidiert oder gar falsifiziert werden?

Das Fazit hieraus kann nicht das Nonplusultra für die Kreolistik sein, doch liefert es vielleicht einen kleinen Ansatz im Umgang mit dieser Theorie.

Leseprobe


Inhaltsverzeichnis

I. Einleitung

II. Was sind Pidgin- und Kreolsprachen?

III. Der Ursprung der Pidginsprachen

a. Unter welchen Umständen entwickeln sich Pidginsprachen?

b. Welche Auslöser führen zur Entwicklung eines Pidgin?

c. Wie bzw. woraus haben sich die Pidginsprachen entwickelt?

IV. Die Theorie der Monogenese

V. Die „Lingua Franca“ des Mittelmeers

VI. Kurzer Abriss der Geschichte des Portugiesischen Kolonialreichs

VII. Historische Analyse der These der Monogenese

VIII. Linguistische Analyse der These der Monogenese

IX. Fazit

X. Literatur

Zielsetzung & Themen

Diese Arbeit untersucht die wissenschaftliche Haltbarkeit der Monogenese-Theorie für Pidgin- und Kreolsprachen, welche besagt, dass alle diese Sprachen auf einem gemeinsamen, portugiesisch basierten Ursprung beruhen. Die zentrale Forschungsfrage lautet, ob diese Theorie uneingeschränkt stimmig ist oder revidiert beziehungsweise falsifiziert werden muss.

  • Grundlagen und Definitionen von Pidgin- und Kreolsprachen
  • Historische Entstehungsbedingungen von Kontaktsprachen
  • Analyse der Portugiesischen Expansionspolitik
  • Kritische historische Prüfung der Monogenese-These
  • Linguistische Untersuchung von Strukturbelegen (z.B. nach Thompson und Taylor)

Auszug aus dem Buch

IV. Die Theorie der Monogenese

Wie oben bereits erwähnt, handelt es sich bei der Theorie der Monogenese um eine Theorie, die davon ausgeht, dass alle Pidginsprachen auf dem Portugiesischen beruhen. Allerdings ist anzumerken, dass diese These nur eine Variante der Monogenese ist. Eine weitere geht nicht von einem portugiesischen Urstamm für Pidginsprachen aus, sondern nennt Eigenschaften der westafrikanischen Sprachen, um besonders im westafrikanischen-atlantischem Raum und in Westindien anzutreffende Pidgins zu erklären (Bechert & Wildgen 1991: 132). Hier soll allerdings nur auf die These eingegangen werden, dass die Pidgins sich aus dem Portugiesischem entwickelt haben.

Wie bereits erwähnt, ist ein Anlass, dass sich eine Pidginsprache entwickelt, dass zwei verschiedene Kulturen und Sprachen aufeinander treffen und miteinander kommunizieren müssen. Der Grund für dieses Aufeinandertreffen der Kulturen ist meistens darin zu finden, dass Handelsrouten ersonnen werden müssen. Ein seit der Antike bedeutender Raum für Handel jeglicher Art war immer das Mittelmeer. Bedingt durch den Umstand, dass drei Kontinente in diesem Gebiet angrenzen, war dieser Raum auch immer ein Gebiet, in dem sich die unterschiedlichsten Kulturen trafen. Im Mittelalter waren diese Handelsbeziehungen fest verankert. Alle Anrainerstaaten des Mittelmeers hatten Kontakt und mussten sich verständigen. Da es sich keineswegs immer um Menschen aus dem romanischen Sprachbereich handelte, die der einzelne antreffen konnte, sondern auch auf Araber, Berber und Griechen sowie auf Türken und auch Russen oder Perser, war es nur verständlich, dass sich aus all diesen Sprachen eine Kontaktsprache entwickelte, die als Sabir oder Lingua Franca bezeichnet wird (Schuchardt 1979: 26).

Neben Italiener und Spaniern waren auch Portugiesen an diesem Handel beteiligt. Die Monogenese-Theorie geht davon aus, dass portugiesische Händler und Entdecker aufbauend auf das im Mittelmeer benutzte Sabir für ihre über die Säulen des Herakles hinaus reichenden Entdeckungsfahrten ein eignes vereinfachtes Entdeckungsportugiesisch entwickelten, das sie dann auf ihren Fahrten entlang der westafrikanischen Küste nutzten, um mit den Einheimischen in Kontakt zu treten (Bechert & Wildgen 1991: 130).

Zusammenfassung der Kapitel

I. Einleitung: Diese Einleitung führt in die historische Entdeckung der Welt durch Europäer und das daraus resultierende linguistische Phänomen der Pidgin- und Kreolsprachen ein, gefolgt von der Präsentation der zentralen Forschungsfrage zur Monogenese-Theorie.

II. Was sind Pidgin- und Kreolsprachen?: Dieses Kapitel definiert Pidgin- und Kreolsprachen anhand ihrer Entstehungsbedingungen in Sprachkontaktsituationen und grenzt sie von anderen Phänomenen wie Code-Switching ab.

III. Der Ursprung der Pidginsprachen: Hier werden die historischen und soziologischen Umstände der Entstehung sowie die linguistischen Auslöser und Theorien zur Genese von Pidginsprachen detailliert betrachtet.

IV. Die Theorie der Monogenese: Dieses Kapitel stellt die These vor, dass alle Pidginsprachen auf dem Portugiesischen basieren, und verortet deren historische Wurzeln im Kontext des Mittelmeerhandels.

V. Die „Lingua Franca“ des Mittelmeers: Die historische Rolle der „Lingua Franca“ als unverzichtbare Handels- und Kontaktsprache im Mittelmeerraum wird hier analysiert.

VI. Kurzer Abriss der Geschichte des Portugiesischen Kolonialreichs: Dieses Kapitel liefert den historischen Kontext der portugiesischen Expansion als notwendige Grundlage für die Prüfung der Monogenese-Theorie.

VII. Historische Analyse der These der Monogenese: Eine kritische historische Untersuchung prüft, ob die portugiesische Expansion tatsächlich die Voraussetzungen für eine flächendeckende Monogenese bot.

VIII. Linguistische Analyse der These der Monogenese: Anhand von Strukturvergleichen (wie Durativ-Markern) wird untersucht, ob linguistische Belege die Monogenese-Theorie stützen können.

IX. Fazit: Die Arbeit schließt mit der Erkenntnis, dass die Monogenese-Theorie in ihrer strengen Form nicht haltbar ist und als linguistisches Erklärungsmodell weitgehend ausgedient hat.

X. Literatur: Das Verzeichnis listet sämtliche in der Arbeit verwendeten wissenschaftlichen Quellen und Literaturhinweise auf.

Schlüsselwörter

Monogenese, Pidgin, Kreolsprachen, Portugiesisch, Sprachkontakt, Lingua Franca, Sabir, Kolonialgeschichte, Relexikalisierung, Sprachplanung, Sprachwissenschaft, Ethnologie, Sprachgenese, Kontaktlinguistik, Superstrat.

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?

Die Arbeit befasst sich mit einer zentralen, wenn auch historisch umstrittenen Theorie der Sprachwissenschaft: der Monogenese von Pidgin- und Kreolsprachen, welche die Herkunft dieser Sprachen auf einen gemeinsamen portugiesischen Ursprung zurückführt.

Was sind die zentralen Themenfelder der Arbeit?

Die zentralen Themen sind Sprachkontaktphänomene, historische Kolonial- und Handelsgeschichte, portugiesische Expansionspolitik sowie die linguistische Analyse grammatikalischer und lexikalischer Gemeinsamkeiten in verschiedenen Pidgin- und Kreolsprachen.

Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage dieser Arbeit?

Das primäre Ziel ist es, die wissenschaftliche Haltbarkeit der Monogenese-These zu prüfen und zu bewerten, ob sie als Erklärungsmodell für die weltweite Entstehung von Pidgin- und Kreolsprachen noch Bestand hat oder falsifiziert werden muss.

Welche wissenschaftliche Methode verwendet der Verfasser?

Der Autor wendet eine zweigeteilte Analyse an: Zunächst eine historische Analyse der portugiesischen Kolonialgeschichte auf ihre Plausibilität hin und anschließend eine linguistische Analyse durch den Vergleich von Sprachdaten aus verschiedenen Weltregionen.

Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?

Der Hauptteil gliedert sich in eine historische Einbettung der portugiesischen Expansion, eine Untersuchung der Rolle der mittelalterlichen „Lingua Franca“ (Sabir) sowie eine linguistische Auswertung von Struktur- und Vokabelvergleichen durch bekannte Forscher.

Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit am besten?

Wichtige Begriffe sind Monogenese, Pidgin, Kreolsprachen, Portugiesisch, Sprachkontakt, Lingua Franca und Relexikalisierung.

Inwiefern spielt der „Sabir“ eine Rolle für die Argumentation des Autors?

Der Autor diskutiert den Sabir als eine im Mittelmeerraum weit verbreitete Handelssprache, die als Vorläufer oder Basis für spätere Kontaktsprachen gedient haben könnte, und schlägt vor, diese eher als Ursprung in Betracht zu ziehen als ein rein portugiesisches Konstrukt.

Was ist das Hauptergebnis der Untersuchung zur Sprachplanung?

Der Autor kommt zu dem Schluss, dass eine gezielte „Sprachplanung“ seitens der portugiesischen Krone oder privater Reeder zur Schaffung vereinfachter Sprachen (als Basis für ein Monogenese-Szenario) historisch äußerst unwahrscheinlich ist.

Wie bewertet der Autor die linguistischen Belege von Thompson und Taylor?

Der Autor erkennt die linguistischen Analysen von Thompson und Taylor zwar als fachlich korrekt an, argumentiert jedoch, dass diese Belege nicht ausreichen, um die Monogenese-Theorie auf alle Pidginsprachen auszudehnen, da sie sich fast ausschließlich auf westeuropäisch basierte Sprachen beziehen.

Ende der Leseprobe aus 36 Seiten  - nach oben

Details

Titel
Die Theorie der Monogenese von Pidgin- und Kreolsprachen
Hochschule
Bergische Universität Wuppertal
Note
1,3
Autor
Heiko Schnickmann (Autor:in)
Erscheinungsjahr
2007
Seiten
36
Katalognummer
V85733
ISBN (eBook)
9783638006897
ISBN (Buch)
9783638913775
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Theorie Monogenese Pidgin- Kreolsprachen
Produktsicherheit
GRIN Publishing GmbH
Arbeit zitieren
Heiko Schnickmann (Autor:in), 2007, Die Theorie der Monogenese von Pidgin- und Kreolsprachen, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/85733
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Leseprobe aus  36  Seiten
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