Die Besiedlung der Grenzgebiete der böhmischen Länder 1945-1950

Forschungsstand, ausgewählte Probleme und Arbeitsbibliographie


Diplomarbeit, 2001
371 Seiten, Note: 1.0

Leseprobe

INHALT

A. EINLEITENDE VORBEMERKUNGEN
A.1 Die Kehrseite von Vertreibung und Aussiedlung
A.2 Ziele der Arbeit / Methodologie
A.3 Terminologie
A.4 Territoriale Absteckung

B. LITERATUR UND FORSCHUNGSLAGE
B.1 Historische Literatur
B.2 Ethnographische Literatur
B.3 Internationaler und historischer Vergleich

C. INVOLVIERTE ORGANE
C.1 Zentrale Organe
C.2 Dezentrale Organe
C.3 Parteien und Verbände

D. BESIEDLUNGSRECHT
D.1 Gesetzessammlungen
D.2 Rechtliche Voraussetzungen des Besiedlungsprozesses

E. LANDWIRTSCHAFTLICHE BESIEDLUNG

F. NICHT-LANDWIRTSCHAFTLICHE BESIEDLUNG
F.1 Nationalverwaltung, Konfiskation, Zuteilung
F.2 Arbeitskräftemangel

G. BESIEDLUNGSPROZESS UND SIEDLER
G.1 Staatliche Besiedlungsmaximen
G.2 Etappen
G.3 Siedlergruppen
a) Deutsche
b) Tschechen
c) Slowaken
d) Magyaren
e) Roma
f) Andere ethnische Siedlergruppen
G.4 Repatriation und Reemigration
G.5 Motive und soziale Zusammensetzung der Siedler
G.6 Statistische Bilanz des Besiedlungsprozesses

H. WAHLEN 1946
H.1 Ausgangslage
H.2 Ergebnisse in den Grenzgebieten

I. SCHLUSSÜBERLEGUNGEN

ANHANG
Abkürzungsverzeichnis
Ortsnamenskonkordanz
Tabellen
Karten
Fotographien

Auswahlbibliographie

A. EINLEITENDE VORBEMERKUNGEN

A.1 Die Kehrseite von Vertreibung und Aussiedlung

Viel war bisher die Rede von der Vertreibung und Massenaussiedlung[1] der deutschen Bevölkerung aus den östlich des heutigen Deutschlands gelegenen Gebieten. Obwohl über wichtige Fragen innerhalb der Wissenschaft nach wie vor Uneinigkeit besteht und weitere Forschungsprobleme spärlich oder noch gar nicht behandelt wurden, sind viele Aspekte des Geschehens und dessen Vorgeschichte wie Konsequenzen mittlerweile breit untersucht worden[2]. Auch konnte zumindest im Rahmen der deutsch-tschechisch-slowakischen Historikerkommission ein Basiskonsens über Planung, Verlauf und Wertung des erzwungenen Weggangs der meisten tschechoslowakischen Deutschen in den ersten Jahren nach dem Zweiten Weltkrieg gefunden und kodifiziert werden[3]. Dabei bildete diese Thematik in den vergangenen Jahrzehnten immer wieder auch den Gegenstand des Interesses von Nicht-Historikern. Trotz mittlerweile bilateral unterzeichneter Deklarationen, Verträge und gemeinsamer mündlicher Absichtserklärungen zwischen den Herkunfts- und Aufnahmeländern der Deutschen bleiben die forcierten Migrationen der Jahre 1945 bis 1947 auch politisch brisant. Gerade im Hinblick auf die laufenden Beitrittsverhandlungen zwischen der Europäischen Union und den ostmitteleuropäischen Ländern waren letzterzeit vermehrt Stimmen zu vernehmen, die Vorgänge der unmittelbaren Nachkriegszeit könnten den Beitrittskandidaten - insbesondere der Tschechischen Republik, Slowenien, ferner Polen - in ihrer Absicht, Vollmitglieder der EU zu werden, zum Verhängnis werden. Wenn schon unter Historikern noch längst nicht über alle Fragen Einigkeit erzielt wurde (und wahrscheinlich so bald nicht erzielt werden wird), so offenbart sich jenseits der historischen Zunft, d.h. im weit diversifizierten Spektrum der Opfer und Durchführer sowie deren Nachfahren, erst recht eine breite Standpunktevielfalt. In (vermögens-)rechtlicher, politischer und sozialer Hinsicht sind die Vertreibung und Massenaussiedlung des grössten Teils der deutschen Bevölkerung aus Böhmen, Mähren und dem tschechoslowakischen Teil Schlesiens wie deren Folgen trotz unbestreitbarer Fortschritte bis zum heutigen Tag auf deutscher wie auf tschechischer Seite ungenügend verdaut und aufgearbeitet.

Diese Arbeit beschäftigt sich nicht direkt mit oben erwähnten Vorgängen. Trotzdem ist der Gegenstand der folgenden Untersuchung - die Neubesiedlung der Grenzgebiete der böhmischen Länder - nicht vom Vertreibungs- und Aussiedlungsgeschehen der Jahre 1945 bis 1947 zu trennen. Beide Vorgänge bilden zusammen die zwei Seiten ein und derselben Münze, ein und desselben Phänomens, nämlich eines Vorganges, den man schlicht als die mit Abstand grösste Bevölkerungsverschiebung in der Gesamtgeschichte der böhmischen Länder bezeichnen kann. Viel Gemeinsames verbindet beide Vorgänge zu einer Einheit:

- Zeitliche Überschneidung: Beide Vorgänge haben ihren Anfang in den letzten Kriegstagen bzw. in den ersten Nachkriegstagen und finden ihr Ende als Massenmigration eineinhalb bzw. rund zwei Jahre nach Kriegsende.
- Räumliche Überschneidung: Beide Vorgänge spielten sich auf demselben Territorium ab, nämlich in den ehemals mehrheitlich deutsch besiedelten Gebieten der böhmischen Länder sowie in den übrigen von Deutschen bewohnten Gebieten (Sprachinseln) im böhmisch-mährischen Landesinnern.
- Organisatorische Überschneidung: Beide Vorgänge wurden von mehreren staatlichen Organen zentral und als Gesamtaktion geplant und durchgeführt, wenn man von wenigen Ausnahmen absieht.
- Beide Vorgänge bedingten sich gegenseitig: Eine Ausweisung der Deutschen in dem Ausmasse, wie sie durchgeführt wurde, wäre undenkbar gewesen, wenn nicht gleichzeitig oder unmittelbar darauf eine Neubesiedlung der entsiedelten Gebiete vonstatten gegangen wäre. Analog wäre eine Neubesiedlung in den meisten mehrheitlich von deutschen bewohnten Gebieten nicht realisierbar gewesen ohne ein Verschwinden des grössten Teils der angestammten Bevölkerung[4].
- Weil sich beide Vorgänge gegenseitig bedingen, wurden sie innerhalb des einheimischen und der sich in London und Moskau befindlichen Exilaktion während des Zweiten Weltkrieges auch zeitlich parallel zueinander entwickelt, wobei allerdings gemäss bisherigen Erkenntnissen die Planungen zur Aussiedlung der Deutschen früher einsetzten und ausreiften.
- Während die Ausweisung der deutschen Bevölkerung in der Geschichte der böhmischen Länder mit knapp drei Millionen Teilnehmern wohl die grösste Massenauswanderung darstellt, stellt die Wiederbesiedlung der Grenzgebiete durch mindestens 1,7 Millionen tschechische und andere slawische Neusiedler die grösste Binnenwanderung der böhmischen Geschichte dar. Zusammengefasst umfassten beide Migrationen mindestens 4,7 Millionen Partizipanten, wobei die wirkliche Migrantenzahl deutlich über fünf Millionen liegen dürfte.

In der unmittelbaren Nachkriegszeit nahmen weitere Menschen an erzwungenen oder freiwilligen Migrationen innerhalb der böhmischen Länder teil. Mindestens 500'000[5] Reichsdeutsche aus dem „Altreich“ bzw. aus östlich der böhmischen Länder gelegenen deutsch besiedelten Gebieten hielten sich bei Kriegsende am 9. Mai 1945 zusätzlich zu der angestammten deutschen Bevölkerung auf. Sie waren mitunter die ersten, die in den ersten Nachkriegsmonaten 1945 von den Vertreibungsvorgängen und erzwungenen Aussiedlungen betroffen waren. Daneben befanden sich - v.a. in den seit 1938 ‚abgetrennten Grenzgebieten’ - in den letzten Kriegsjahren mindestens 100’000 ost- und westeuropäische Kriegsgefangene[6], die nach der unmittelbar bei Kriegsende erfolgten Freilassung ein bisher nur schwach untersuchtes Bevölkerungselement innerhalb der Grenzgebiete bildeten. Die meisten von ihnen verliessen die böhmischen Länder in Richtung Heimatländer im Jahre 1945. Von den ab dem Jahre 1942 zu Hunderttausenden im gesamten deutschen Reichsgebiet ‚totaleingesetzten’ meist jungen Tschechen und Tschechinnen befanden sich viele in den reichsangeschlossenen ehemals tschechoslowakischen Grenzgebieten[7]. Ihre Rückkehr ins Landesinnere fiel in die ersten Nachkriegswochen, abgesehen von ehemals Totaleingesetzten, die auf Zeit oder dauernd in den Grenzgebieten verblieben. Zusammenfassend kann demnach davon ausgegangen werden, dass mindestens 5,5 Millionen Menschen innerhalb der zwei ersten Jahre nach Kriegsende an Migrationen innerhalb und aus den böhmischen Ländern beteiligt waren, wobei die tatsächliche Zahl bei fast sechs Millionen liegen könnte.

Besonders die deutschsprachige Historiographie beschäftigte sich bis anhin - aus z.T. verständlichen Gründen - in einseitigem Masse mit der grössten Sub-Migration des Zeitraums 1945-1947, nämlich mit der Vertreibung und Zwangsaussiedlung der Deutschen. Diese Migration umfasst aber zahlenmässig nur knapp über die Hälfte des gesamten, oben erwähnten Migrationvolumens. Die Neubesiedlung der zu einem grossen Masse ausgesiedelten Gebiete war bis heute nicht Gegenstand der deutschsprachigen Geschichtsschreibung, ja der ’westlichen’ Geschichtsschreibung überhaupt[8]. Sogar die mit ihrer früheren Heimat besonders eng verbundenen sudetendeutsche Interessengruppen wie die Sudetendeutschen Landsmannschaften in Deutschland oder Österreich oder das Sudetendeutsche Archiv in München, bzw. die renommierte Münchener Forschungsstelle für die böhmischen Länder Collegium Carolinum, beschäftigten sich in den letzten Jahrzehnten nicht besonders mit den Fragen der Neubesiedlung, in leicht stärkerem Masse dafür aber mit dem generellen Schicksal der böhmisch-mährischen Grenzgebiete von 1945 bis zur Gegenwart. Es ist kaum verständlich, warum sich auch sudetendeutsche Forscher in mehr als einem halben Jahrhundert nicht eingehend mit dem Schicksal ihrer unmittelbaren Heimatgebiete auseinandergesetzt haben[9]. Abgesehen vom historischen Interesse betreffen einige Aspekte des Wiederbesiedlungsprozesses auch Rechtsfragen, welche sudetendeutsche Interessengruppen z.T. bis heute als offen betrachten[10].

Die Thematik der vorliegenden Arbeit war bisher ausserhalb der böhmischen Länder daher in der Tat terra incognita. Dies war denn auch der ausschlaggebende Beweggrund für meine Beschäftigung damit. Seit vielen Jahren verbinden mich menschliche Beziehungen, für die eigene Biographie prägende Erlebnisse, in Böhmen gelebte Jahre und unzählige, meine Beziehung stets vertiefende Reisen mit den Bewohnern und Landstrichen des böhmisch-mährischen Beckens. Während der vergangenen fünf Jahre widmete ich mich im Rahmen meines Studiums der Geschichte an den Universitäten Bern und Wien besonders der Ersten Tschechoslowakischen Republik, der Übergangszeit zwischen ‚München’ und der Ausrufung des Protektorats Böhmen und Mähren Mitte März 1939, der Kriegsperiode, sowie verstärkt der Nachkriegszeit bis Mitte der 1950er Jahre. 1998 setzte meine systematische Beschäftigung mit dem Gegenstand dieser Arbeit ein. Den Anstoss gab ein Artikel der tschechischen Ethnologin Iva Heroldová[11], der ich zudem für wertvolle mündliche Hinweise dankbar bin. Bei der Abklärung, ob für eine Diplomarbeit genügend Literatur vorhanden sei, stiess ich anfangs auf beträchtliche Schwierigkeiten. Es stellte sich als erstes ‚Forschungsergebnis’ schnell heraus, dass in Wien zu meinem Thema praktisch keine einschlägige Literatur zu finden sein würde. Trotzdem entschied ich mich zur eigenständigen Bearbeitung des Stoffes im Rahmen einer Art Bestandesaufnahme und Synthese der vorhandenen Literatur und veröffentlichter Quellen. Ausdrücklich muss darauf hingewiesen werden, dass diese Diplomarbeit im Hinblick auf ein daran thematisch anknüpfendes Dissertationsprojekt geschrieben wurde und sich absichtlich auf die Bearbeitung von veröffentlichtem, aber weit verstreuten und zahlreichen Literatur- und Quellenmaterials beschränkt. Angesichts der Tatsache, dass bisher weder auf Deutsch noch auf Tschechisch ein Synthesewerk zur Neubesiedlung der Grenzgebiete der böhmischen Länder vorliegt, schien es mir und meinem Betreuer angebracht, vor Inangriffnahme eines fundierten Archivstudiums im Rahmen des beabsichtigten Dissertationsunterfangens einen möglichst repräsentativen Überblick über den bisherigen Forschungsstand zu erarbeiten. Mitte 1999 begann ich deshalb mit der ersten Phase für diese Arbeit und stellte innerhalb eines Jahres eine ausführliche Bibliographie zum Hauptforschungsgegenstand und damit thematisch eng verwandter Gebiete zusammen. Diese in akribischer Recherchetätigkeit entstandene Bibliographie findet sich, in gekürzter Version, im Anhang und stellt den bisher umfangreichsten Nachweis an Literatur und editierten Quellen sowie zeitgenössischer Schriften zur gewählten Materie dar. Während der Arbeiten der letzten zwölf Monate sammelte und ordnete ich systematisch die meisten der in der Bibliographie verzeichneten Beiträge, so dass mittlerweile ein bescheidenes Privatarchiv entstand. Längst nicht alle über 2'000 in der Bibliographie verzeichneten Beiträge konnten aber verständlicherweise für das Verfassen dieser Synthesearbeit herangezogen werden. Dies hätte den zur Verfügung stehenden Arbeitszeitraum und die Ressourcen eines Bearbeiters weit überstiegen[12]. Durch das Verfassen der vorliegenden Forschungsübersicht und Erstellen der Bibliographie wurde eine solide Arbeitsgrundlage für das unmittelbar nach Abschluss dieser Diplomarbeit in Angriff zu nehmende Dissertationsprojekt geschaffen.

Während der Verfolgung meines Ziels, die bisherigen multi-disziplinären Forschungen zum Schicksal der böhmisch-mährischen Grenzgebiete seit 1945 zu überblicken, wurde ich mit tschechischen und deutschen Kollegen bekannt, welche sich z.T. bereits eingehend mit der hier interessierenden Thematik beschäftigt haben. Ihnen allen sei gedankt für wohlgemeinten Rat und tatkräftige Unterstützung meines Vorhabens. Besonderer Dank gebührt dem Betreuer dieser Diplomarbeit, Herrn Univ.-Prof. Dr. Arnold Suppan, der die Schritte meiner Arbeit stets wohlwollend begleitete und mein Unterfangen, wo immer es in seinen Möglichkeiten stand, engagiert förderte. Weiteren Dank schulde ich darüber hinaus folgenden Personen: meinen Eltern, ohne deren Hilfe mein bisheriges Studium nicht möglich gewesen wäre; meinem Freund Michael Portmann für das Durchlesen des Manuskripts, Frau Mag. Zdenka Manoušková sowie den übrigen Mitarbeitern der Tschechischen Nationalbibliothek, Prag; Herrn doc. PhDr. Zdeněk Radvanovský, Ústí nad Labem/Aussig an der Elbe; Herrn doc. PhDr. Lubomír Slezák, Aussenstelle des Historsichen Institut der Tschechischen Akademie der Wisscneschaften, Brno/Brünn für wertvolle Konsultationen und wohlwollende Förderung meiner Unterfangen; Herrn PhDr. Quido Kastner, Roudnice nad Labem/Raudnitz an der Elbe und weiteren Mitarbeitern des Soziologischen Instituts der Tschechischen Akademie der Wissenschaften; den Mitarbeitern des Instituts für Ethnologie und Folkloristik der Tschechischen Akademie der Wissenschaften, Prag; Frau Dr. Jana Starek, Austrian Science and Research Liaison Office Brno/Brünn für ihr besonders grosses Engagement; Frau Univ.-Ass. Dr. Emilia Hrabovec, Institut für Osteuropäische Geschichte der Universität Wien für den anregenden Meinungsaustausch und die mir zugekommene Förderung; den Mitarbeitern des Tschechischen Statistischen Amtes, Prag; Herrn doc. PhDr. Ondřej Felcman, Hradec Králové/Königgrätz sowie den Mitarbeitern des Schlesischen Instituts der Tschechischen Akademie der Wissenschaften in Opava/Troppau.

A.2 Ziele der Arbeit / Methodologie

Wie erst im Folgekapitel (Kapitel B) ersichtlich werden wird, stiess der Neubesiedlungsvorgang und das weitere Schicksal der Grenzgebiete innerhalb der tschechischen Geschichtsschreibung sowie in Nachbardisziplinen zwar nicht auf übergrosses, doch auf sich in der gründlichen Beleuchtung gewisser Teilaspekte trotzdem niedergeschlagenes Interesse. Dadurch entstanden zahlreiche Studien mit meistens regional beschränkter Ausrichtung und weniger Arbeiten mit gesamtstaatlicher Orientierung. Insgesamt sind die Wiederbesiedlungsvorgänge in ihren Grundzügen historiographisch aufgearbeitet, obwohl beträchtliche Desiderata bestehen blieben. Als erschwerender Faktor kommt dazu, dass die zur Thematik bereits existierende Literatur oft weit verstreut ist und nicht immer an früher Erschienenes anknüpft. Eine den gesamten Besiedlungsvorgang berücksichtigende Überblickmonographie fehlt bisher auch in der tschechischen Historiographie vollends. Die primären Ziele dieser Arbeit sollen daher sein:

- Synthetisierung und Zusammenfassung des bisherigen Forschungsstandes, unter Gegenüberstellung und kritischer Wertung von unterschiedlichen Interpretationsmustern und Angaben
- Erwähnung und Besprechung ausgewählter Forschungsdesiderata
- Erlangung und Vermittlung der erforderlichen praktischen Kenntnisse zur tiefergehenden Weiterbeschäftigung mit der Thematik (grundlegende Faktographie, Quellenbestand, Forschungsstellen, ausführliche Bibliographie)
- Vorbereitung eines anschliessenden, weiter ausholenden Forschungsprojekts

Abgesehen von der schier unüberschaubaren Ebene der unveröffentlichten Diplomarbeiten und Dissertationen gibt es keine Arbeit, die sich im deutschsprachigen Raum bisher diese Ziele gesetzt hätte. Diese Arbeit betritt insofern Neuland, als dass bisherige ‚weisse Flecken’ in der Erforschung der unmittelbaren Nachkriegsentwicklung der Tschechoslowakei aufgezeigt werden sollen, und versucht werden wird, erste vorläufige Angaben dazu zu liefern. Zur überwiegenden Anzahl der hier behandelten Aspekte (Forschungsstand und Literatur, Organe, Besiedlungsrecht, statistischer Überblick, Besiedlungsetappen, nicht-landwirtschaftliche Besiedlung, soziales Bild der Neusiedler) werden erstmals in deutscher Sprache bisherige tschechische Forschungen reflektiert. Ein grosser Teil der für das Verfassen dieser Arbeit verwendeten Quellen- und Literaturgrundlage ist zeitgenössisch, d.h. stammt aus dem Zeitraum von 1945 bis in die frühen 1950er Jahre. Der Grossteil davon setzt sich aus amtlichen Veröffentlichungen zusammen. Somit stellt die vorliegende Darstellung nicht nur einen Überblick über die Ergebnisse der bisherigen Historiographie und verwandter Fächer dar, sondern stützt sich auch massgeblich auf Originalquellen.

Die Gliederung der Arbeit folgt einer problemorientierten Ausrichtung. Diese für einen Forschungsbericht angebrachtere Vorgehensweise schloss eine chronologisch aufgebaute Darstellung von vorneherein aus, auch wenn versucht wurde, die Darstellung der Einzelkapitel einer gewissen Chronologie anzupassen. Der zeitliche Schwerpunkt der Darstellung liegt zwischen Kriegsende (Mai 1945[13]) und Sommer 1947, wo die Wiederbesiedlung als Massenwanderung als abgeschlossen betrachtet werden kann. Der im Titel erwähnte ausgedehntere Zeitraum von 1945 bis 1950 rechtfertigt sich einerseits dadurch, dass die für die Wiederbesiedlung zuständigen Zentralorgane (Besiedlungsamt und Fonds der Nationalen Erneuerung) erst 1950 bzw. 1951 aufgehoben wurden und bis dahin eine zwar viel spärlichere als früher, doch anhaltende Siedlerbewegung in die ehemals deutschen Gebiete steuerten, wobei allerdings das Ausmass deren Agenda mit dem erst 1948 anlaufenden Zuteilungsverfahren insgesamt nicht gemindert wurde. Zweitens sind statistische Gründe für die Ausweitung des Berichtzeitraums bis 1950 anzuführen, da die erste vollwertige Volkszählung nach Kriegsende in der Tschechoslowakei erst im März 1950 stattfand (einer erste Volkszählung fand in den böhmischen Ländern bereits im Mai 1947 statt). Das daraus resultierende umfangreiche Zahlenmaterial bietet eine wichtige statistische Basis zur Beurteilung der vorangegangenen Besiedlungsvorgänge und lässt diese zahlenmässig fassbar und daher vergleichbar machen. Abgesehen von statistischen Beweggründen war eine Streckung des Berichtszeitraums bis 1950 auch deshalb notwendig, da ein erheblicher Strom tschechischer und slowakischer Reemigranten erst ab 1948 rücksiedelte und somit die letzte bedeutende Siedlergruppe bildete. An dieser Stelle sei angemerkt, dass sich die Wahl des Februar 1948 als Berichtszäsur nicht anbietet, da - wie erwähnt - der Massenbesiedlungsprozess im Sinne der Migration der meisten Neusiedler bereits knapp ein Jahr früher geendet hatte, und wichtige Entwicklungen im Besiedlungsprozess in rechtlicher Hinsicht erst in den ersten Jahren der kommunistischen Gründerzeit ab dem 25. Februar 1948 vonstatten gingen.

Auf eine besondere Darstellung des weiteren Schicksals der wiederbesiedelten Gebiete (d.h. ab 1950) wird verzichtet. In der Bibliographie finden sich aber Unterkapitel auch dazu[14]. Somit werden weder die bald nach der Erringung des kommunistischen Machtmonopols im Februar 1948 einsetzenden Kollektivierungsmassnahmen berücksichtigt, noch eine zweite staatlich propagierte, jedoch im Grossen und Ganzen gescheiterte Siedlungsaktion (‚Zuendebesiedlung’, tschech. dosídlení) von 1954 bis 1959 und danach. Auf die beispiellos gut erforschten ethnographischen Implikationen der Besiedlungsvorgänge und das bis heute besonders gebliebene ethnische Gefüge der Grenzgebiete wird ebenso nur am Rande eingegangen werden können. Die Darstellung beschränkt sich auf die Schilderung der Ansiedlung der ethnischen Minderheitsgruppen in den Grenzgebieten zwischen 1945 und 1950. Die Genese der Besiedlungspläne während des Zweiten Weltkriegs ist vollkommen unerforscht. Daher wird um Verständnis dafür ersucht, dass jene innerhalb dieser kompilatorischen Arbeit nur soweit zur Sprache kommen kann, als dass die bisherige Forschung darüber Auskunft gibt. Eine ausführlichere Behandlung der Besiedlungspläne vor Kriegsende ist jedoch für das Folgeprojekt vorgesehen. Weitere in dieser Arbeit bewusst (noch) nicht eingehend behandelte Themenkreise stellen dar:

- Die Vertreibung und Massenaussiedlung der Deutschen aus der Tschechoslowakei (Vorgeschichte, rechtliche Grundlagen, Organisation, Ablauf, soziale Stellung);
- Programme der vier tschechischen politischen Parteien im Bereich der Besiedlungspolitik[15];
- Die Wiederbesiedlung als Streitpunkt innerhalb des Prager Parlaments von Oktober 1945 bis Februar 1948 sowie der die Parlamentsdebatten begleitende öffentliche politische Diskurs;
- Implikationen der Besiedlungsvorgänge für die Herkunftsgebiete der Siedler im Binnenland (praktisch unerforscht);
- Staatliche Propagierung der und Propaganda zur Wiederbesiedlung (Presse, Rundfunk, Film);
- Systematischer Vergleich der erzielten Ergebnisse im gesamtstaatlichen Rahmen zur Entwicklung auf regionaler und lokaler Ebene.

Keiner der untersuchten Gegenstände kann im Rahmen einer Diplomarbeit bzw. eines Überblickswerkes erschöpfend behandelt werden. Besonders die Ausführungen im Bereich Besiedlungsrecht, Verwaltungseinteilung und Verwaltungsaufbau nach Kriegsende haben eher skizzenhaften Charakter. Die wünschenswerte Auseinandersetzung mit den bisher dürftig erforschten, aber eine grosse Tragweite einnehmenden politischen und sozialen Aspekten des Besiedlungsprozesses und der Formierung einer neuen Gesellschaft in den Grenzgebieten wird erst ein fundiertes Archivstudium ermöglichen.

A.3 Terminologie

Die deutschsprachige und tschechische Historiographie verwenden zur Bezeichnung der in dieser Arbeit im Mittelpunkt stehenden Gebiete bisher voneinander abweichende Begriffe. Gegen alle angestammten Termini sind Einwände angebracht.

Im deutschsprachigen Raum wird zumeist der Begriff ‚Sudetenland’ bzw. die verwandte Bezeichnung ‚sudetendeutsche Gebiete’ verwendet, während für die aus diesen Gebieten stammenden Deutschen analog der Sammelbegriff ‚Sudetendeutsche’ gilt. Aus den böhmischen Ländern stammende Deutsche und deren Nachfahren verwenden diese Begriffe bis heute fast ausnahmslos. Während für die (Eigen-)Bezeichnung der Volksgruppe nichts einzuwenden ist, sprechen mehrere Gründe gegen die Verwendung von den Wortbestandteil ‚sudeten’- enthaltenden Begriffen für das ehemals mehrheitlich deutsch besiedelte Gebiet der böhmischen Länder.

Bisher zweimal war der Begriff ‚Sudetenland’ von offiziellem Charakter. Dies aber jeweils nur für einen Teil der gesamten ehemals mehrheitlich deutsch besiedelten Gebiete. Nie wurde offiziell unter diesem Begriff das ganze deutsche Siedlungsgebiet verstanden.

- Am 30. Oktober 1918, als in Opava/Troppau die kurzlebige ‚österreichische Provinz Sudetenland’ ausgerufen wurde (Eroberung Troppaus durch tschechische Verbände am 18. Dezember 1918): Die neben den drei übrigen deutschen Provinzen ‚Deutsch-Böhmen’ (Nordböhmen), ‚Deutsch-Südmähren’ und ‚Böhmerwaldgau’ errichtete Provinz umfasste lediglich die mehrheitlich deutsch besiedelten Gebiete Schlesiens und Nordmährens[16].
- Die nach dem Münchener Abkommen 1938 an das Deutsche Reich angeschlossenen Teile Böhmens, Mährens und Schlesiens bildeten im Anschluss an die kurzzeitige einheitliche Militärverwaltung nie eine Verwaltungseinheit. Zwar erstreckte sich der ‚Reichsgau Sudetenland’ von Domažlice/Taus in Westböhmen über Nordböhmen mit Unterbrüchen bis nach Böhmisch-Schlesien und umfasste so den grössten Teil der annektierten Gebiete. Die südböhmischen und südmährischen Teile wurden jedoch den anliegenden österreichischen Gauen angegliedert. Dazu wurden gewisse westböhmische Gebiete im Böhmerwald den angrenzenden bayerischen Gauen angeschlossen.

Die Verwendung des Begriffs ‚Sudetenland’ für das gesamte, 1938 vom Deutschen Reich annektierte und mehrheitlich deutsch besiedelte Gebiet ist demzufolge ahistorisch und unpräzise. Ein weiterer Grund, warum sich dessen Verwendung innerhalb dieser Arbeit nicht empfiehlt ist die Tatsache, dass auch heutige (sudetendeutsche) Autoren den Begriff in der Regel nicht auf die deutschen Sprachmehrheitsgebiete im tschechischen Binnenland (Sprachinseln) beziehen. Jedoch auch diese Gegenden wurden ab 1945 mehrheitlich der Deutschen entledigt und gehören daher zu den Wiederbesiedlungsgebieten[17].

Die Bezeichnung ‚sudetendeutsche Gebiete’ ist deshalb nicht empfehlenswert, da sie den Anschein erwecken könnte, die gemeinten Gebiete seien ausschliesslich (sudeten-)deutsch besiedelt gewesen bzw. gar noch immer so besiedelt. In der Tat waren die Gebiete bis Anfang 1946 mehrheitlich deutsch besiedelt - von einigen Ausnahmen abgesehen. Nicht einmal die am stärksten einen deutschen Charakter aufweisenden Gebiete in Westböhmen um Cheb/Eger oder Karlovy Vary/Karlsbad waren jedoch ausschliesslich deutsch[18]. Insgesamt wurden die 1938 annektierten Gebiete durchschnittlich von unter 85 % Deutschen bewohnt - mit zweifellos starken regionalen Unterschieden. Während des grössten Teils des Berichtszeitraums dieser Arbeit bestand bereits keine deutsche Mehrheit mehr in den gemeinten Gebieten. Sie als weiterhin ‚sudetendeutsch’ zu bezeichnen wäre wiederum ahistorisch. Gegebenenfalls käme höchstens ‚ehemals sudetendeutsche Gebiete’ in Betracht. Es ist gemeinhin problematisch, Gebieten an ein Volk angelehnte Namen zu verleihen, wiewohl dies oft geschehen ist. In unserem Falle bietet sich aber glücklicherweise die Lösung an, den interessierenden Gebieten ethnisch indifferenzierte Bezeichnungen zu verwenden, die ihre Gültigkeit behalten, gleichwohl welches Volk sie gerade bewohnt. Die in dieser Arbeit im Mittelpunkt stehenden Gebiete sind seit mehr als 1’000 Jahren integraler Bestandteil der Länder der böhmischen Krone, also Böhmens, Mährens bzw. Schlesiens. Im Gegensatz zu früheren Zeiten hat sich die Mehrheit der in diesen Ländern siedelnden Bewohner im 20. Jahrhundert in erster Linie nicht als Böhmen, Mährer oder Schlesier, sondern national als Tschechen oder Deutsche verstanden. Die Nationalitätenverschiebungen des vergangenen Jahrhunderts sind im Hinblick auf die Benennung der betroffenen Gebiete irrelevant, wenn übergeordnete Gebietsbezeichnungen benutzt werden. Es wäre genauso problematisch und irreleitend, die seit 1946 mehrheitlich tschechisch besiedelten Gebiete als ‚tschechische Grenzgebiete’ zu bezeichnen - siedeln doch dort einige weitere Minderheitengruppen, die örtlich mehr als 10 % der Wohnbevölkerung ausmachen. Es gibt auf Deutsch (im Gegensatz zum Tschechischen, wo sich aber ein anderes Problem im Hinblick auf die Eindeutigkeit ergibt) kein passendes Adjektiv für die gemeinten Gebiete. ‚Böhmisch’ wäre unzutreffend, da damit die mährischen sowie schlesischen Gebiete unberücksichtigt blieben. Somit kommen nur kompliziertere, dafür korrektere Bezeichnungen in Frage. In dieser Arbeit werden daher vorzugsweise verwendet:

- ehemals deutsches Mehrheitsgebiet (EDM);
- wiederbesiedelte bzw. neubesiedelte Gebiete;
- Grenzgebiete.

Letztere Variante lehnt sich an die gebräuchliche tschechische Bezeichnung pohrani čí (Grenzland) bzw. das seltener gebräuchliche po hraniční území (Grenzgebiet) an. Es sei unumwunden zugegeben, dass auch der Terminus ‚Grenzgebiete’ (besonders im Singular) problematisch ist, da er den Anschein erwecken könnte, es handle sich bei den gemeinten Gebieten um einen dünnen Gebietsstreifen entlang der Staatsgrenze. Tatsächlich reicht das ehemals deutsche Mehrheitsgebiet (EDM) an gewissen Stellen bis zu 100 km weit ins Binnenland[19], nördlich von Mělník/Melnik sogar bis zu 35 km an die Stadtgrenzen Prags und im Süden bis zu 20 km an die Stadtgrenzen Brünns. Der tschechische Begriff pohrani čí ist daher kein geographischer, sondern ein historisch geformter und begründeter Begriff, wie auch einige tschechische Autoren urteilen. Der 1945 vom Prager Innenministerium als Ersatz für alle den Wortstamm ‚sudet’- enthaltenden (d.h. an die deutsche Besiedlung erinnernden) Begriffe regelrecht verordnete[20] Begriff pohrani čí bestand zwar schon zu Zeiten der Ersten Republik, setzte sich aber erst nach Kriegsende konkurrenzlos gegenüber dem bis anhin auch im Tschechischen gebräuchlichen Sudety durch. Es darf nicht verkannt werden, dass der simplifizierende Charakter dieser Wortschöpfung auch eines der Propagandainstrumente im Kampf für eine tschechische Homogenisierung der böhmischen Länder darstellte. Die tschechische Geschichtsschreibung hat diesen Terminus nicht immer mit der gebotenen Vorsicht und Klarstellung verwendet. Das EDM war - wie bereits dargestellt - nie in der Geschichte eine administrative Einheit. Noch kann - abgesehen von der Randlage und den Sprachinseln - von einer topographischen, wirtschaftlichen bzw. mentalitätsgeschichtlichen Einheit gesprochen werden. Um diese Uneinheitlichkeit wenigstens andeutungsweise auszudrücken, wird der Begriff ‚Grenzgebiet’ daher in dieser Arbeit ausschliesslich im Plural verwendet.

A.4 Territoriale Absteckung

Die drei oben eingeführten Begriffe bedürfen noch einer genaueren territorialen Erläuterung. Alle drei bezeichnen nämlich territorial verschieden grosse Gebiete, welchem jedem in dieser Arbeit eine eigene Bedeutung zukommt. Zwecks Eindeutigkeit werden weitere zwei Begriffe eingeführt und untenstehend erklärt:

1) Ehemals deutsches Mehrheitsgebiet (EDM)

Gemeint sind deutsche Mehrheitsgebiete nach Gemeinden gemäss der Volkszählung von Dezember 1930, und zwar sowohl Gemeinden mit deutscher Mehrheit innerhalb der im Oktober 1938 ans Reich angeschlossenen Gebiete, als auch Gemeinden mit einer deutschen Mehrheit im Binnenland (Sprachinseln). Sinngemäss nicht dazu gehören Städte im Binnenland, wo Deutsche 1930 eine Minderheit bildeten. Das EDM beinhaltete 1930 3’397 mehrheitlich deutsch bewohnte Gemeinden, davon 59 in den deutschen Sprachinseln (ohne Gemeinde Jihlava/Iglau[21])[22]. Diese sich fast ausschliesslich in Mähren befindlichen 59 Sprachinselgemeinden wiesen zusammen weniger als 24'000 deutsche Einwohner auf. Insgesamt umfassten die 3'397 EDM-Gemeinden[23] im Jahre 1930 26'164 km2 Fläche, was ungefähr der heutigen Fläche Albaniens entspricht. 50 politische Bezirke und 120 Gerichtsbezirke der böhmischen Länder waren 1930 noch mehrheitlich von Deutschen besiedelt[24].

2) Wiederbesiedelte bzw. neubesiedelte Gebiete;

Alle Gebiete des EDM zuzüglich der übrigen Gemeinden, in denen Deutsche in einer höheren Konzentration wohnten (tschechische oder polnisch bewohnte Gemeinden mit einer deutschen Minderheit). Insgesamt umfasste die deutsche Minderheitsbevölkerung in Städten des Binnenlandes (des späteren Protektorats) ca. 150'000 Einwohner (1930), d.h. den weitaus grössten Teil der nach ‚München’ in der Č-SR (im Protektorat) verbliebenen deutschen Restbevölkerung. Absolut am meisten Deutsche wohnten (immer 1930) in Brünn (52'165, d.h. 20.3 % der Stadtbevölkerung), vor Prag (41'701, d.h. 5 %). Relativ am meisten Deutsche waren wohnhaft in Jihlava/Iglau (12'095, 39.7 %). In der Agglomeration Moravská Ostrava/Mährisch-Ostrau waren 21'753 (18.6 %) aller Einwohner Deutsche, in Olomouc/Olmütz 15'017 (22.9 %) und České Budějovice/Budweis 6'681 (15.5 %)[25]. Die restliche deutsche Bevölkerung, v.a. in sprachgrenznahen Gemeinden wohnend, die 1938 nicht ans Reich kamen, ist relativ gering (einige Tausend Personen). Natürlich können deutsche Minderheitsgemeinden im Binnenland nicht als ‚wiederbesiedelte’ Gebiete im engeren Sinne gelten, da in ihnen keine komplette Wiederbesiedlung wie in den grössten Gebieten des EDM stattfand.

Insgesamt betrug die staatsangehörige deutsche Bevölkerung der böhmischen Länder 1930 3'070'938 Personen[26]. Diese Zahl wuchs bis Kriegsende trotz Kriegsgefallener um rund 100'000 Menschen. Die Gesamtbevölkerung der ab Mai 1945 wiederbesiedelten Gebiete lag im Jahre 1930 selbstverständlich wesentlich höher, auch wenn man die deutsche Bevölkerung der Grossstädte im Binnenland abzieht.

3) Abgetrennte Grenzgebiete

Darunter werden alle im Herbst 1938 ans Deutsche Reich bzw. an Polen (Olsa-Gebiet) abgetretenen Gebiete verstanden[27]. Als einzige deutsche Sprachinsel wurde der Schönhengstgau (tschech. Hřebečsko) um Svitavy/Zwittau (unter Einschluss eines mehrheitlich tschechischen Korridors um Zábřeh/Hohenstadt) darin miteingeschlossen. Die übrigen Sprachinseln wurden nicht angeschlossen und gelangten erst Mitte März mit dem übrigen Protektoratsgebiet unter deutsche Herrschaft. Da der Massstab für die Beurteilung der Mehrheitsverhältnisse bei der Grenzziehung von 1938 die österreichische Volkszählung von 1910 war, wurden zahlreiche 1930 tschechische Mehrheitsgebiete mitannektiert (ca. 400 tschechische Mehrheitsgemeinden).

Die Tschechoslowakei verlor durch die Gebietsabtretungen von 1938 an Deutschland ein Gebiet von insgesamt 28'943 km2 Ausmass (rund 38 % der böhmischen Länder), das 1930 von 3'651'746 Millionen Menschen (d.h. rund 34 % der Einwohner der böhmischen Länder) bewohnt gewesen war. Von diesen waren 2'822'820 Deutsche und 737'049 Tschechen gewesen[28]. Zu diesen gesellten sich v.a. Nationaljuden, in Südmähren über 3'000 Kroaten. An Polen wurden zusätzliche 805 km2 abgetreten - ein Gebiet, das 1930 nur noch 17'000 Deutsche beheimatete[29].

4) Grenzgebiete

Dieses Gebiet beinhaltet die ehemals deutschen Mehrheitsgebiete (EDM) ohne Sprachinseln im Landesinnern und setzt sich aus mehreren unzusammenhängenden Untergebieten zusammen (Unterbrechungen in Westböhmen bei Domažlice/Taus, in Ostböhmen bei Náchod/Nachod und in Südböhmen südöstlich von Třeboň/Wittingau. Dieses Gebiet ist also nicht etwa identisch mit den abgetrennten Grenzgebieten, da es keine 1938 annaktierten tschechischen Mehrheitsgemeinden umfasst und deshalb geringfügig kleiner ist.

Es gab von Seiten der tschechoslowakischen Zentralorgane zwischen 1945 und 1953 verschiedene Versuche, die vom Besiedlungsprozess betroffenen Grenzgebiete territorial festzulegen:

1. Das Dekret des Präsidenten der Republik Nr. 121/1945 Sb. vom 27. Oktober 1945 über die territoriale Verwaltungsorganisation der Nationalausschüsse definiert das Gebiet des pohrani ční území, also des Grenzgebiets, als das „Gebiet, das 1938 von einer fremden Macht besetzt wurde“[30]. Gemäss dieser Formulierung fiele also auch das vormals polnisch besetzte Olsa-Gebiet darunter.
2. Dr. Ing. Jiří Koťátko, zuständiger Ressortleiter im Landwirtschaftsministerium und der eigentliche Vater der (landwirtschaftlichen) Wiederbesiedlung, veröffentlichte 1946 in seiner Abhandlung ‚Die Landwirtschaftliche Besiedlungspolitik im Grenzland’ eine Karte des der Wiederbesiedlung unterworfenen Gebiets[31]. Darin werden alle deutschen Sprachinseln (ohne die mehrheitlich tschechischen Städte Prag, Brünn und Olomouc/Olmütz) mitgezählt. Dafür werden die tschechischen Sprachinseln im Braunkohleförderungsgebiet um Most/Brüx und Duchov/Dux sowie Bílina/Bilin und westlich von Plzeň/Pilsen und alle 1938 deutsch besetzten aber mehrheitlich tschechischsprachigen Gebiete ausgenommen (z.B. der Korridor von Zábřeh/Hohenstadt in Nordmähren, das Chodenland (tschech. Chodsko) westlich von Domažlice/Taus und Břeclav/Lundenburg samt Umgebung). Von den 1938 annektierten Gebieten werden auf dieser Karte zusätzlich nicht dazugerechnet die schon vor ‚München’ stark tschechischen Gebiete des Umlands von Opava/Troppau, das Hultschiner Ländchen (tschech. Hlučínská země), das 1938 mehrheitlich an Polen gefallene Teschener Schlesien (Olsa-Gebiet) sowie die drei kroatisch bewohnten Gemeinden in Südmähren. Die Grenze zwischen Wiederbesiedlungsgebieten und Binnenland geht oftmals quer durch einzelne politische Bezirke, was auch schon für die neuen Staatsgrenzen von 1938 galt. Nicht immer sind aber diese zwei Grenzlinien zum Binnenland hin identisch. Koťátkos Karte ist ethnisch genauer und umfasst Gegenden nicht, wo gemäss der Volkszählung von 1930 keine deutsche Mehrheit bestand. De facto wurden aber auch Gebiete wiederbesiedelt, wo bis zum Kriegsende zwar keine deutsche Mehrheit, jedoch eine grössere deutsche Minderheit anwesend war (also auch in den Grossstädten des Binnenlands, im östlichen nordböhmischen Braunkohlerevier, im Umland von Opava/Troppau und an anderen Orten).
3. Ein Erlass des Innenministeriums vom 6. Juni 1946 (Nr. 24.341/46) definierte die Grenzgebiete ähnlich wie J. Koťátko mit dem Hauptunterschied, dass das Ministerium auch den Verwaltungsbezirk Český Těšín/Teschen zum Grenzgebiet rechnete.
4. Das Statistische Staatsamt (Státní úřad statistický, SÚS) in Prag veröffentlichte 1953 eine kommentierte statistische Analyse der Wiederbesiedlungsvorgänge von 1945 bis 1952[32]. Nachdem darin zuerst zu Recht darauf hingewiesen wird, dass es zwischen 1930 und 1950 verschiedene, sich in ihren statistischen Aufnahmemethoden unterscheidende Volkzählungen gab, definieren die Autoren ein ‚Grenzgebiet’ zu statistischen Zwecken, das nicht mit dem EDM oder mit dem Gebiet gemäss oben besprochener Karte von J. Koťátko identisch ist. Der statistischen Einfachheit halber folgt nämlich die Innengrenze (zum Binnenland) des hiesigen ‚Grenzgebiets’ stets Bezirksgrenzen. Da 1938 viele politische Bezirke nur teilweise abgetreten wurden - einige zum überwiegenden Teil, andere wiederum nur in marginalem Masse -, entschied sich das Statistische Staatsamt dazu, die nur spärlich besetzten Bezirke nicht zu seiner Definition des ‚Grenzgebiets’ dazuzuzählen, dafür aber grösstenteils besetzte Bezirke voll dazuzurechnen[33]. Gewisses statistische Erhebungen geschahen nämlich im Zeitraum von 1930 bis 1950 nur auf Bezirksebene, nicht auf Gemeindeebene[34]. Die Autoren argumentieren, ihre Methode der ‚vollen Bezirke’ würde insgesamt ein repräsentatives Gesamtbild ergeben. Zur Veranschaulichung: Gemäss der ersten Nachkriegszählung vom 22. Mai 1947 wohnten 175'223 Einwohner in den 1938 okkupierten Teilen von kleineren, also vom Staatsamt nicht berücksichtiger Bezirke[35]. Dagegen schätzen die Verfasser die Einwohnerzahl der 1938 nicht okkupierten, aber zu überwiegend okkupierten Bezirken gehörenden Gebiete auf 264'761[36]. Es ergäbe sich also eine ‚Ungenauigkeits-Differenz’ von 89'538 Einwohnern. Ungefähr um diese Ziffer ist demzufolge die Gesamteinwohnerzahl der vom Staatsamt als ‚Grenzgebiet’ im statistischen Sinne verstandene Zahl gegenüber den tatsächlich besetzten Grenzgebieten zu hoch. Weit schwerer wiegt jedoch die Tatsache, dass die Zahlen des Staatsamts über den Besiedlungsprozess die nach 1945 ebenso von der Neubesiedlung betroffenen deutschen Sprachenklaven im Binnenland nicht berücksichtigen[37]. In den 1938 nicht ans Reich angeschlossenen Sprachinseln und tschechischen Grosstädten des Binnenlandes lebten gemäss der Volkszählung von 1930 ca. 195’000 Deutsche[38], wovon die meisten schon 1945 ihre Heimat verlassen mussten[39]. Einzige Ausnahme: In diesem Bereich ziemlich genau der Staatsgrenze von 1938 folgend, bezieht das Staatsamt auch die Zittauer Sprachinsel (Schönhengstgau) mit den anliegenden Bezirken Moravská Třebová/Mährisch-Trübau, Lanškroun/Landskron und Zábřeh/Hohenstadt ins ‚Grenzgebiet’ mit ein. Die im Herbst 1938 nicht ins Deutsche Reich integrierte deutsche Restbevölkerung entwickelte sich während des Krieges innerhalb des Protektorats Böhmen und Mähren folgendermassen: Das Protektorat beheimatete am 1. März 1940 189'000 Deutsche, sechs Monate später schon 245'000. Darunter fielen rund 40'000 Sudetendeutsche, die vor dem 15. März 1939 nicht im Protektorat ansässig waren und rund 20'000 Personen, die sich nach der deutschen Besatzung ihrer deutschen Herkunft ‚erinnerten’. Bis Kriegsende fiel die Zahl der bodenständigen Deutschen im Protektorat trotz Kriegsgefallener nicht zwingend.

Da der einwohnermässige Anteil des nicht in den Grenzgebieten liegenden EDM grösser ist als die oben eruierte ‚Ungenauigkeits-Differenz’ von 89'538 Einwohnern (gemäss 1947), darf davon ausgegangen werden, dass sämtliche vom Statistischen Staatsamt gemachten Angaben zum Besiedlungsprozess in den gesamten EDM leicht gegen oben zu korrigieren sind. Es kann grob geschätzt werden, dass das EDM in Tat und Wahrheit bei Kriegsende rund 100'000 mehr deutsche Einwohner beinhaltete als das vom Statistischen Staatsamt zu Vergleichszwecken definierte ‚Grenzland’. Das tatsächlich wiederbesiedelte Gebiet umfasste also mehr deutsche Einwohner als das ‚Grenzland’ des Staatsamts. Trotzdem sind die Angaben des Statistischen Staatsamts aus dem Jahre 1953 von grossem Nutzen. Daher wird innerhalb dieser Arbeit von ihnen Gebrauch gemacht. Wenn immer dies geschieht, wird der Klarheit wegen der vom Staatsamt eingeführte Begriff

5) ‚Grenzgebiet’ (inkl. Anführungsstrichen[40])

verwendet.

Das Statistische Staatsamt unterteilte das ‚Grenzland’ in seiner Übersicht in sechs Sub-Regionen. Deren territoriale Ausdehnung kann ebenfalls aus der Karte im Anhang entnommen werden. Diese Gliederung macht Sinn, weil sie wirtschaftlich und topographisch einheitliche Gebiete zusammenfasst und wird in dieser Arbeit übernommen. Die sechs Regionen sind:

1. Westböhmen
2. Nordwestböhmen
3. Nord- und Nordostböhmen
4. Ostböhmen, Nordmähren und Schlesien
5. Südmähren
6. Südböhmen

B. LITERATUR UND FORSCHUNGSLAGE

B.1 Historische Literatur

Wie schon angedeutet wurde, sind die weitaus meisten Beiträge zur Wiederbesiedlung der Grenzgebiete der böhmischen Länder ab 1945 tschechischer Provenienz (ca. 90 %). Bevor auf diese eingegangen wird, sei jedoch das Augenmerk auf im Ausland erschienene Arbeiten gerichtet.

Es ist schwer nachzuvollziehen, warum die deutschsprachige und insbesondere die sudetendeutsche Forschung die Heimatgebiete der Deutschen in den böhmischen Ländern nach dem erzwungenen Wegzug der meisten Deutschen so stiefmütterlich behandelt hat. Zumindest für sudetendeutschstämmige Forscher handelte es sich doch um deren ehemalige Heimat. Es mutet beinahe so an, dass vor lauter - verständlicher - Aufarbeitung des Vertreibungs- und Aussiedlungsgeschehens kaum mehr Platz und Gelegenheit dazu bestand, andere - mit dem sudetendeutschen Schicksal auch noch so eng verbundene - Themenkreise zu bearbeiten[41]. Als weiterer Hauptgrund ist zweifellos der erschwerte wenn nicht gar verunmöglichte Zugang zu tschechoslowakischen Archiven ins Feld zu führen. Zudem war die ehemalige Heimat der Sudetendeutschen bis in die frühen 1960er Jahre für Deutsche nur schwer zugänglich. Dennoch: Auch verfügbare Forschungsgrundlagen wie Publikationen tschechoslowakischer Provenienz und Augenzeugenberichte damals noch in den Wiederbesiedlungsgebieten befindlicher Deutscher[42] wurden im Hinblick auf die Wiederbesiedlungsprozesse nicht ausgewertet. Wichtige Standardwerke zur allgemeinen böhmischen Geschichte erwähnen die Wiederbesiedlungsvorgänge meist nur nebenbei[43]. Es stellt sich die berechtigte Frage, ob sich die bisherige deutschsprachige Geschichtsschreibung - und mit ihr viele andere - überhaupt der am Anfang dieser Arbeit kurz skizzierten Tragweite der Wiederbesiedlungsvorgänge bewusst war. Immerhin fand auf knapp einem Drittel des Territoriums der böhmischen Länder ein Bevölkerungsaustausch im Millionenausmass statt - mit weitreichenden Folgen für das Gesellschaftsgefüge des ganzen Landes bis in die Gegenwart. In vermindertem Ausmass muss diese Kritik aber auch auf viele tschechische Autoren der Ära bis 1989 gerichtet werden, die in ideologisch übertünchten Werken vor lauter Begeisterung über das ‚Überwachsen der nationalen und demokratischen Revolution in eine sozialistische’[44] des öfteren nichts oder nicht viel Gehaltvolles über die zweite hausgemachte Massenmigration (neben dem ‚Transfer’ der Deutschen) der Nachkriegsjahre zu berichten hatten.

Für die deutschsprachige Forschung von herausragender Bedeutung sind die Beiträge des ab den 1950er Jahren beim Herder-Institut in Marburg an der Lahn wirkenden Sudetendeutschen Rudolf Urban. Urban, dessen wissenschaftliche Tätigkeit bereits zu Zeiten der Ersten Tschechoslowakei begonnen hatte, beschäftigte sich während rund drei Jahrzehnten ausgiebig mit dem Schicksal der ehemals deutschen Mehrheitsgebiete Böhmens, Mährens und Schlesiens nach dem Verschwinden der meisten Deutschen. Dieser Themenkreis stellte sozusagen den Schwerpunkt von Urbans Schaffen dar. Weil es deutscherseits punkto Wiederbesiedlung und Schicksal der Grenzgebiete nach 1945 keinen vergleichbar bedeutenden Autor zu Urban gibt, rechtfertigt sich eine nähere Besprechung seines Werks.

Die im Anhang befindliche Bibliographie umfasst Dutzende Beiträge Urbans, deren erster im Jahre 1951 und letzter im Jahre 1975 erschienen. Nach Angaben des Betreuers der Dokumentensammlung des Herder-Instituts Marburg, Dr. Peter Wörster, hinterliess der 1985 verstorbene Urban einen kleinen, bisher noch ungeordneten Nachlass[45]. Ein generelles Problem - nämlich die praktische Unmöglichkeit, in tschechoslowakischen Archiven zu arbeiten - bestimmte auch Urbans Werk. Die meisten seiner Erkenntnisse stammten aus dem akribisch genauen Studium tschechoslowakischer Zeitungen, Zeitschriften, Fachzeitschriften und Buchveröffentlichungen. Das Pressearchiv des Herder-Instituts bot dafür denkbar günstige Voraussetzungen. Es ist bemerkenswert, wie viele bis heute gültige Erkenntnisse auf diese Weise ohne Archivarbeit erschlossen werden konnten. Abgesehen von geringfügigen Nuancen kam Urban zu ähnlichen Schlüssen wie die tschechische Forschung zum gleichen Thema, interpretierte diese aber verständlicherweise eher aus der (sudeten-)deutschen Perspektive. Urbans Verdienst ist es auch, in den 1950er[46], 1960er[47] und 1970er Jahren[48] einige grundlegende Zeitschriften- und Presseartikel tschechischer Wissenschaftler in deutscher Übersetzung der interessierten Öffentlichkeit zugänglich gemacht zu haben. Urban gesellt sich zu den wenigen sudeten- bzw. westdeutschen Forschern, die auch nach 1948 den Kontakt mit der tschechoslowakischen Forschung nicht abbrachen und - unter der gebotenen Vorsicht - mit deren Ergebnissen zu arbeiten verstand. Nachdem er bereits in den 1950er Jahren einige einschlägige Artikel[49] veröffentlicht hatte, erschien 1964 seine grundlegende Monographie ‚Die sudetendeutschen Gebiete nach 1945’[50]. Diese 440 Seiten starke Darstellung stellt die einzige Monographie der deutschsprachigen Forschung zu unserer Thematik dar. Parallel erschienen beim Herder-Institut in Marburg weitere Monographien über die ehemaligen ‚deutschen Ostgebiete unter fremder Verwaltung’[51]. Sogar der Troppauer Rezensent wusste Urbans Werk 1968 zu loben, auch wenn er ihm vorwarf, dass - obgleich „der Autor in seinen Informationen meist objektiv [ist], über positive Seiten der Entwicklung spricht - er aber nicht versucht, die grundlegenden Ursachen und genaueren Zusammenhänge einiger Erscheinungen zu suchen“[52]. Die „Fakten [seien] im Ganzen sehr genau, leicht einseitig ausgewählt und ohne breitere Zusammenhänge interpretiert [...] Vom wissenschaftlichen Gesichtspunkt aus kann dieser Zugang als Kenntnismangel historischer Methoden bezeichnet werden“. Tatsächlich hat der Rezensent nicht ganz unrecht, wenn er Urban vorhält, dass es in seinem Werk „vor allem um eine Beschreibung geht, eine Darstellung des gegenwärtigen Standes, ohne dass der Autor die tieferen Zusammenhänge und Ursachen sucht“. Urbans Darstellung sticht nicht hervor durch elaborierten Formulierungen, doch der faktographische Reichtum seines Werks beeindruckt. Den eigentlichen Besiedlungsvorgängen widmet sich der Autor auf 52 Seiten, nachdem er auf acht Seiten einen Überblick über die Verwaltungseinteilung in den böhmischen Ländern von 1938 bis 1960 geboten hat. Eigentlich beschränkt sich Urbans Darstellung der Neubesiedlung auf eine Besprechung der verschiedenen Siedlergruppen, die in die zwei Kategorien Altsiedler (Deutsche und Tschechen) sowie Neusiedler (Tschechen, Reemigranten, Slowaken, Magyaren, Bulgaren, Kroaten, Griechen, Zigeuner) unterteilt werden. Unerwähnt bzw. unterbelichtet bleiben Themen wie die zentrale Organisation der Wiederbesiedlung und die Ausrichtung der staatlichen Wiederbesiedlungspolitik, die Diskurse innerhalb der tschechischen Gesellschaft über Erfolg oder Misserfolg der Wiederbesiedlungsvorgänge und rechtliche Grundlagen. Der grösste Nutzen dieses Teils ist demographischer Natur. Diagramme, Tabellen und Karten zum Bevölkerungsstand nach Nationalitäten ergänzen ihn.

Den Löwenanteil des Buches machen Kapitel zur Nachkriegsentwicklung (bis 1964) verschiedener Industrie- und Gewerbezweige, sowie über das Kultur- und Gesellschaftsleben aus. Das Kapitel Land- und Forstwirtschaft (33 Seiten) spart nicht mit vielfach berechtigter Kritik an der kommunistisch dominierten Agrarpolitik, bringt aber relativ wenig über die Jahre bis 1948. Im sehr ausführlichen Kapitel Industrie und gewerbliche Wirtschaft (170 Seiten) finden sich detaillierte Angaben über die Art der Enteignungen (Konfiskationen) und des Besitzübergangs von Immobilien sowie beweglichen Gütern in tschechoslowakische Hände, zu einzelnen Industriezweigen wie der Glas- und Keramikindustrie oder beispielsweise der in den nordwestlichen und nordöstlichen Grenzgebieten so wichtigen Textilindustrie. Die Darstellung schwankt ständig zwischen dem Bericht über die gegenwärtige Lage (1964) und der Rekapitulierung der Vorgänge von 1945 bis in die frühen 1960er Jahre. Um eine zusammenfassende Synthese im historischen Rückblick ist der Autor nicht bemüht. Ein Vergleich mit ähnlichen Prozessen ausserhalb der böhmischen Länder unterbleibt ebenso. Zweifellos dürfte Urbans Buch in den letzten über 35 Jahren eine zahlreiche interessierte Leserschaft gefunden haben - darunter sicher überwiegend aus den böhmischen Ländern stammende Deutsche. Sein Werk kann jedoch sicher nicht als Monographie über den eigentlichen Wiederbesiedlungsprozess bezeichnet. werden, sondern dürfte eher als - äusserst gelungene, stupend fundierte und multithematisch angelegte - Faktensammlung zum Stand der ehemals deutsch besiedelten Gebiete Böhmens, Mährens und Schlesiens von 1945 bis in die frühen 1960er Jahre gelten. Wiewohl sich Urban nach Veröffentlichung seiner Monographie (1964) hauptsächlich auf das Übersetzen und knappe Kommentieren tschechoslowakischer Beiträge beschränkte, verfolgte er auch in eigenen Beiträgen bis zur Mitte der 1970er Jahre sein Leitthema weiter[53].

Was hat die übrige deutschsprachige Literatur neben Rudolf Urbans verdienstvollem Beitrag zur Erforschung unserer Thematik beigetragen? Erwartungsgemäss viel Aufmerksamkeit widmete sie der Problematik der verbliebenen deutschen Restbevölkerung in der Tschechoslowakei von den 1950er Jahren bis in die jüngste Zeit[54]. Durch das langjährige Wirken der tschechischen Emigranten Karel Kaplan und Jiří Sláma entstanden v.a. in den 1980er Jahren solide Studien zu verschiedenen Aspekten der tschechoslowakischen Nachkriegsentwicklung[55]. Das Werk des Demographen Alfred Bohmann, dessen Hauptwirkungszeit in den 1950er bis 1970er Jahren lag, stellt einen reichen Fundort an Zahlenmaterial dar, wenn auch dessen Interpretierung durch den Autor gelegentlich als einseitig betrachtet werden muss[56]. Da sich Bohmanns Zahlendarstellungen i.d.R. auf amtliche Veröffentlichungen des Statistischen Staatsamtes in Prag bzw. auf andere amtliche Quellen stützen, sind die Angaben des sich in der Materie auskennenden Bohmann meisthin trotzdem verlässlich. Der ‚Entvölkerung der Sudetenländer’ widmete Bohmann eine eigene, wenn auch dünne Publikation[57].

Die vertriebenen und ausgesiedelten Sudetendeutschen schufen in den letzten Jahrzehnten ein stark verstreutes, regional unterschiedlich dichtes Forschungswerk über die Geschichte ihrer Heimatgegenden. Selten finden sich darin jedoch Angaben zur Nachkriegszeit, die über die Schilderung der ‚Vertreibungs’-Vorgänge hinausgehen[58]. Regelmässig erschienen in den letzten fünfzig Jahren - meist von Sudetendeutschen verfasste - Darstellungen über den gegenwärtigen Zustand ihrer früheren Heimat[59]. Diese Beiträge enthalten zwar nie eine Schilderung der eigentlichen Besiedlungsvorgänge, stellen aber immerhin den Beweis dafür dar, dass längst nicht allen Sudetendeutschen das weitere Schicksal ihrer Heimat gleichgültig war. Diese Publikationen können eine kritische Grundhaltung zur tschechischen Art und Weise, mit den früher mehrheitlich deutschen Gegenden umzugehen, nicht verheimlichen und wollen dies auch nicht. Meist war diese Kritik auch am Platze, doch blieb sie zu einseitig auf das (viele) Negative beschränkt und liess in einer Art als Propagandafeldzug verstandener Mission zu oft kein einziges gutes Haar mehr an der tschechisch gelenkten Nachkriegsentwicklung. Drei tschechoslowakische Intellektuelle liessen 1985 in Westdeutschland unter dem Kollektiv-Pseudonym Franti šek Jederman n einen ungewöhnlichen Bildband über den gegenwärtigen Zustand der Grenzgebiete veröffentlichen, den sie mit gegenüber dem tschechischen Wirken selbstkritischen Texten ergänzten[60]. Diese Veröffentlichung war ein Ergebnis des bereits Ende der 1970er Jahre einsetzenden Diskurses zwischen (emigrierten und in der Heimat verbliebenen) Tschechen und Slowaken über Sinn und Unsinn sowie Folgen des odsun[61].

Ein bilanzierender Bericht zur Neubesiedlung der Grenzgebiete erschien bereits im Herbst 1947 in Grossbritannien.[62] Zwar nicht als Früchte der deutschsprachigen Forschung, aber als auf Deutsch oder Englisch erschienene Literatur, erschienen vorwiegend in den 1960er bis 1980er Jahren einige tschechoslowakische Sammelbände, die auch für unser Thema von Interesse sind. Es handelt sich dabei um i.d.R. übersetzte Beiträge tschechischer Autoren, die den offiziellen Standpunkt innerhalb der marxistischen Historiographie à la thèse widerspiegeln sollten[63].

In den letzten zehn Jahren erschienen in Österreich und Deutschland vermehrt Sammelbände[64] zum Thema Vertreibung und Aussiedlung - leider nur eine bedeutende Monographie. Hier ist auf die veröffentlichte Dissertationsschrift der Wiener Osteuropa-Historikerin slowakischer Abstammung Emilia Hrabovec hinzuweisen, welche auch ein seitenmässig zwar bescheidenes, doch informatives und solid recherchiertes Unterkapitel zur Wiederbesiedlung der Grenzgebiete enthält[65].

Mag. Andreas Wiedemann (Heinrich Heine-Universität Düsseldorf, Lehrstuhl Prof. Detlef Brandes) begann Ende 2000 die Arbeiten für eine Dissertationsschrift, die sich weniger mit dem eigentlichen Besiedlungsprozess, sondern mehr mit dem sozialen und politischen Gefüge der neuen Gesellschaft in den Grenzgebieten beschäftigen soll[66]. Auf die Ergebnisse seiner Arbeit darf man gespannt sein.

*** ***

Die tschechische Wissenschaft beschäftigte sich mit der Problematik des odsun, sowie mit Fragen der Wiederbesiedlung in den vergangenen Jahrzehnten mehr, als westlich der Grenzen Böhmens wahrgenommen wurde. Insgesamt gehört die Periode von 1945 bis 1948 zu den am besten untersuchten Etappen der tschechischen Geschichte überhaupt, wobei vor allem politische und ökonomische Aspekte im Vordergrund standen. Die Hochphase der Wiederbesiedlungsforschung lag zweifellos in der zweiten Hälfte der 1970er Jahre und in den 1980er Jahren. Seit dem gesellschaftlichen und politischen Umbruch ist die Neubesiedlung als Forschungsfeld stark in den Hintergrund gerückt, zugunsten einer massiv zugenommenen und fruchtbaren Beschäftigung mit Fragen des odsun. Dabei sind die zwischen 1950 und 1989 zur Thematik der Vertreibung und Aussiedlung der Deutschen erschienenen oder diesen Themenkreis partiell behandelnden Werke erstens nicht zu ignorieren und zweitens nicht etwa als quantité negligeable abzutun. Eine bis heute innerhalb der westlichen Forschung zu wenig beachtete Tatsache ist, dass sich die tschechische Geschichtsschreibung - besonders seit den 1960er Jahren - ständig mit dem Thema odsun N ěmců (Abschub der Deutschen) beschäftigt hat und z.T. beachtliche Studien zu Wege gebracht hat. Natürlich waren sämtliche dieser Beiträge der marxistischen Historiographie verpflichtet, doch liessen sich ideologisch verbrämte Äusserungen i.d.R. vom kritischen Leser leicht ins rechte Licht rücken. Sowieso liegt der Hauptwert dieser vor 1989 erschienenen Beiträge nicht in ihren oft tendenziösen Schlüssen, sondern vielmehr im übergrossen faktographischen Reichtum. Ohne Tomáš Staněks 1991 erschienene meilensteinsetzende Monographie Odsun Němců z Československa 1945-1947 (Der Abschub der Deutschen aus der Tschechoslowakei) in ihrer Bedeutung in irgendeiner Weise schmälern zu wollen, sollte der deutschsprachige Leser an dieser Stelle doch darauf hingewiesen werden, dass die Mehrzahl der faktographischen Erkenntnisse Staněks bereits in früheren tschechischen ‚offiziellen’ Beiträgen enthalten war. Staněks grosse Leistung bestand einerseits darin, das vorhandene historiograhische Material in einer erstaunlichen heuristischen Leistung zu synthetisieren und mit westlichen Beiträgen zu vergleichen, sowie zweitens die gewonnenen Erkenntnisse anhand damals z.T. gerade frisch zugänglich gewordener Archivquellen zu überprüfen.

Der Klarheit halber sei gesagt, dass bis 1989 innerhalb der Tschechoslowakei nicht etwa eine Beschäftigung mit der odsun -Frage per se Tabu gewesen wäre, sondern höchstens das Erbringen bestimmter für die - sich schon seit 1945 als Herr im Lande verstehende - kommunistische Führungsgarnitur unbequemer Schlüsse. In den knapp vierzig Jahren der kommunistischen Monopolherrschaft war die Beschäftigung mit diesen Fragen nicht gleich intensiv, und ob ein Schluss mehr oder weniger direkt bzw. pointiert geäussert werden durfte, hing sehr vom gegenwärtigen politischen Klima ab (das für dieses Forschungsgebiet zweifellos in den 1950er Jahren am ungünstigsten war). Eine der grundsätzlich unbequemsten möglichen Schlussfolgerungen (nämlich die Gleichung: odsun = Arbeitskräftemangel = deutlicher Rückgang der wirtschaftlichen Leistungskraft) wurde aber zumindest ab den mittleren 1960er Jahren nicht verschwiegen, weil deren Wahrheitsgehalt schon den Zeitgenossen der ersten Nachkriegsjahre allgemein bekannt war und sich bis heute bemerkbar macht. Geradezu jede dem Verfasser dieser Arbeit in die Hände gekommene tschechoslowakische Darstellung der Vertreibung und Aussiedlung kommt früher oder später auch auf das in der unmittelbaren Nachkriegszeit besonders akute Problem des Arbeitskräftemangels zu sprechen. Der Politik der Nationalen Front-Regierung von 1945 bis 1948 entsprechend, wurde dieser aber gerechtfertigt und in seiner Bedeutung relativiert durch die angeblichen Meriten der Deutschenaussiedlung, die da wären Schaffung eines fiktionalen, ethnisch homogenisierten Nationalstaates, Sicherung der Staatsgrenzen, Erlangung einer freien Republik u.a.m. Um eine grundsätzliche Bejahung der Vertreibungs- und Aussiedlungsvorgänge kam bis 1989 begreiflicherweise kein Beitrag umhin.

Die meisten der bis 1989 erschienenen Darstellungen fristen heute ein eher unbeachtetes Dasein, durchaus auch innerhalb der tschechischen Forschung. Eine Grosszahl dieser Beiträge ist regional ausgerichtet. Es gibt praktisch keine Region innerhalb der böhmischen Länder, für die nicht eigene odsun -Darstellungen bzw. allgemeine Nachkriegsjahre-Geschichten geschrieben worden wären. Die im Anhang abgedruckte Bibliographie verzeichnet sowohl die gesamtstaatlich orientierte tschechische odsun -Literatur wie auch die zahlreichen regional ausgerichteten Werke und Aufsätze[67]. Eine Reihe von Diplomarbeiten erschien ebenfalls bereits vor 1989, obwohl ab 1990 das Thema Vertreibung und Aussiedlung in viel höherem Masse zum Gegenstand von Diplomarbeiten an tschechischen Universitäten wurde[68].

Im Wesentlichen war das Thema Wiederbesiedlung innerhalb der offiziellen Historiographie bis 1989 ein Ersatzthema für den Themenkoloss odsun. Die Tatsache, dass beide Themenkreise eng zusammengehören, führte so dazu, dass einige unter dem Etikett ‚Wiederbesiedlung’ laufende Beiträge in der Tat gleich intensiv auch auf Fragen des odsun eingingen. Sich (früher) mit Wiederbesiedlungsfragen beschäftigende Forscher gehören zu den anerkanntesten Kennern auch der ab 1990 rasch aufkeimenden odsun -Forschung. Ein Paradebeispiel stellt der heutige Dozent an der Pädagogischen Fakultät der Universität Ústí nad Labem/Aussig an der Elbe, Z deněk Radvanovský, dar, dessen Forschungstätigkeit sich in den 1980er Jahren auf Fragen der unmittelbaren Nachkriegsentwicklung im nordwestböhmischen Raum und besonders der Wiederbesiedlung dieses Gebiets konzentrierte[69]. Seine Kandidats-Dissertation aus dem Jahre 1989 erschien 1997 in leicht abgeänderter und erweiterter Fassung als Monographie unter dem Titel ‚Das Ende des tschechisch-deutschen Zusammenlebens im Aussiger Raum 1945-1948’[70]. Viele weitere Studien Radvanovskýs, u.a. zu Fragen der deutschen Antifaschisten, zu Internierungslagern in Nordböhmen, zur Aufnahme der Deutschen in Sachsen, und zu mit der engeren Geschichte des Bezirks Aussig verknüpften Aspekten, erschienen seit 1990[71]. Dabei sind die Beiträge Radvanovskýs nicht ausschliesslich von regionaler Bedeutung, sondern bieten im Grunde - insbesondere was seine Arbeiten direkt zur Wiederbesiedlung anbelangt - das beste Material zur Beurteilung der nicht-landwirtschaftlichen Besiedlung in den Grenzgebieten überhaupt[72].

An der Universtität Ústí/Aussig erschienen unter Radvanovskýs Leitung in den letzten Jahren wohl mehr Diplomarbeiten zum Thema odsun als an jeder anderen tschechischen Universität. Besonders zahlreich wurden teils vielversprechende Diplomarbeiten zu diesem Themenkreis auch an den Universitäten in Opava/Troppau, Olomouc/Olmütz, České Budějovice/Budweis, Plzeň/Pilsen und an der Philosophischen Fakultät der Karlsuniverstät Prag erarbeitet[73].

Als einer der Väter der tschechischen Wiederbesiedlungsforschung kann der in der Brünner Zweigstelle des Historischen Instituts der Tschechischen Akademie der Wissenschaften wirkende gebürtige Mährer Dozent Lubom ír Slezák[74] gelten. Seine 1978 erschienene Monographie ‚Die landwirtschaftliche Besiedlung des Grenzgebiets der böhmischen Länder nach dem Zweiten Weltkrieg’[75] stellt bis heute die einzige regional übergreifende umfassende Darstellung des Wiederbesiedlungsprozesses dar. Auf fast 200 Seiten bietet sich dem Leser ein quellenmässig gut fundierter Überblick des gesamten Besiedlungsgeschehens, obwohl sich die Monographie zumeist gemäss ihrem Titel auf die landwirtschaftliche Besiedlung konzentriert (weniger als die Hälfte aller Siedler waren landwirtschaftliche Siedler). Im Werk des Landwirtschaftshistorikers Slezák[76] finden sich zahlreiche Karten und Tabellen. Der Autor unterteilt die Besiedlungsvorgänge in drei Hauptetappen und endet mit seiner Schilderung bereits vor dem Jahre 1948 (Ausnahme: das Unterkapitel zur Reemigration). Eine verstärkt auf Südmähren ausgerichtete Optik ist dabei nicht zu übersehen[77]. Natürlich ist auch diese Monographie entsprechend ihrem Entstehungsdatum deutlich ideologisch eingefärbt. Slezák würde heute wohl einige Passagen umschreiben. In den letzten Jahren trat er als Referent und Verfasser zahlreicher die Landwirtschaftsgeschichte der böhmischen Länder im 20. Jahrhundert betreffender Beiträge hervor, die nicht mehr als ideologisch deformiert gelten können, sondern zum solidesten gehören, was auf diesem Gebiet bisher erschien[78]. Tatsache bleibt, dass Slezák mit seiner Monographie das bis heute wichtigste Werk zur Wiederbesiedlung geschrieben hat, ergänzt durch Artikelveröffentlichungen seit Mitte der 1970er Jahre, wo auch das weitere Schicksal der Grenzgebiete im Strudel der Kollektivierungsmassnahmen und Zuendebesiedlung (dosídlení) der fünziger Jahre untersucht wird[79]. Darauf hinzuweisen ist für den interessierten Leser besonders, dass eine Kurzfassung von Slezáks Monographie 1983 in Prag auch auf Deutsch erschienen ist[80]. Es handelt sich dabei nicht bloss um eine Übersetzung der wichtigsten Passagen des 1978 erschienen Buches. Zahlreiche Fakten und Aspekte werden vom Autor zum ersten Mal genannt.

Speziell dem vielseitigen Themenkreis ‚Reemigration der ausländischen Tschechen und Slowaken nach dem Zweiten Weltkrieg’ verpflichtet ist der an der Brünner Masaryk-Universität (Pädagogische Fakultät) lehrende Dozent Jaroslav Vaculík[81]. Die Rückkehr ausländischer tschechisch- oder slowakischstämmiger Reemigranten, deren Vorfahren in den vergangenen Jahrhunderten sowohl nach West wie Ost die böhmischen Länder sowie Oberungarn verlassen haben, bildet ein eigenes Kapitel der Wiederbesiedlungsthematik. Fast 10 % aller Neusiedler waren Reemigranten, blieben doch zu deren Ansiedlung im Mutterland meist nur die immer noch stellenweise fast unbesiedelten Grenzgebiete. Vaculík publizierte erste Artikel Mitte der 1970er Jahre und ist inzwischen zum unbestrittenen Primus der Reemigrationsforschung geworden. Er stellt auch einen der wenigen Historiker dar, die besonders in den 1980er Jahren mit tschechoslowakischen Ethnographen zusammenarbeiteten. Obwohl sich Vaculík mit allen Reemigranten-Gruppen beschäftigt hat (d.h. mit Reemigranten aus Rumänien, Ungarn, Jugoslawien, Bulgarien, Deutschland, Frankreich, Polen und anderen Ländern), zieht sich wie ein roter Faden durch seine bisher 25 jährige Forschungstätigkeit die Thematik der nach dem Kriege aus Wolhynien in die böhmischen Länder umsiedelnden Tschechen. Die Wolhynien-Tschechen stellten die grösste tschechische Reemigranten-Gruppe dar, die zahlenmässig nur von den slowakischen Reemigranten aus Ungarn und Rumänien übertroffen wurde. Nebst Monographien über die Geschichte der Wolhynien-Tschechen bis 1945 im ehemaligen russischen Gubernat Wolhynien[82] und über die Ansiedlung der Wolhynien-Tschechen in den Grenzgebieten[83] ist für unsere Zwecke besonders Vaculíks 1993 erschienene Monographie ‚Die Reemigration der ausländischen Tschechen und Slowaken 1945-1950’[84] von Interesse. Sie enthält - nach Herkunftsländern der Reemigranten geordnet - viel Zahlenmaterial und ist Ergebnis jahrzehntelanger Forschungstätigkeit in den relevanten (d.h. auch ausländischen Archiven). Für den österreichischen Leser von besonderem Interesse dürfte das Buchkapitel über die österreichischen (tschechischen) Reemigranten sein.

Als Pionier der Wiederbesiedlungsforschung von der ersten Stunde an muss der heute über 80-jährige in Prag lebende Demograph und Statistiker JUDr. Vla dimír Srb gelten[85]. Als einziger der hier besprochenen Autoren befasste er sich bereits zu einer Zeit mit unserer Thematik, als die Besiedlungsprozesse noch in vollem Gange waren. Zwischen 1945 und 1950 erschienen von ihm und anderen Autoren des Statistischen Staatsamtes (S tátní úřad statistický, SÚS) in Prag einige Beiträge in der Zeitschrift Statistick ý obzor (Statistischer Horizont) über die demographische Entwicklung der böhmischen Länder von 1930 bis Kriegsende, bzw. über den aktuellen Besiedlungsstand der Grenzgebiete. Dabei beschränkte sich Srbs Rolle in den ersten Nachkriegsjahren als namhafter Mitarbeiter des Statistischen Staatsamtes sicher nicht nur aufs statistische Analysieren. Srb ist einer der ganz wenigen noch heute lebenden Planer der Besiedlungsaktion. 1953 schliesslich erarbeitete das Statistische Staatsamt eine an Zahlen reiche Übersicht über die seit 1945 in den Grenzgebieten abgelaufenen Besiedlungsvorgänge[86]. Deren Autor war, obwohl nicht angegeben, der noch junge Vladimír Srb. Am Anfang der 1960er Jahre erschien eine aktualisierte und bis 1959 erweiterte Fassung, die eine Bilanz der von der Regierung geförderten Zuendebesiedlung (do sídlení) zog.[87]. Aus Srbs Feder stammt eine grosse Anzahl von Beiträgen über die allgemeine demographische Entwicklung der Tschechoslowakei ab 1930, sowie über die Entwicklung einzelner Minoritäten, die besonders zahlreich gerade in den Grenzgebieten lebten und leben[88]. Ende 1989 erarbeitete Srb zusammen mit Alois Andrle im Auftrag der tschechischen Republiksregierung eine weitere statistische Übersicht zur demographischen, ethnischen und wirtschaftlichen Entwicklung der Grenzgebiete seit 1930[89]. Die Übersicht enthält sogar eine Projektion der Bevölkerungszahlen bis ins Jahr 2010, die allerdings die wenig danach einsetzenden Veränderungen infolge der ‚Samtenen Revolution’ noch nicht berücksichtigen konnte. Srbs Arbeiten bieten ohne Zweifel die fundierteste Ausgangslage für demographische Analysen der Wiederbesiedlungsvorgänge überhaupt.

Das knapp vor der Wende in der Tschechoslowakei 1989 erschienene, populärwissenschaftlich angelegte Buch ‚Die letzten Toten, die ersten Lebenden’ vom Autorenduo Stanislav Biman und Roman Cílek[90] darf trotz des Fehlens eines wissenschaftlichen Anmerkungsapparats als eine der besten Darstellungen der unmittelbaren Nachkriegszeit in den Grenzgebieten angesehen werden. Die Autoren erhielten die damals noch einzigartige Erlaubnis, bislang unausgewertete Bestände des tschechoslowakischen Verteidigungsministeriums einzusehen. Sie schufen auf dieser Grundlage in der Tat ein Werk, das wie kein anderes das ‚Land in Bewegung‘ (gemeint sind die Grenzgebiete der ersten Nachkriegsmonate) und das allgemeine Durcheinander der Vertriebenen, Neusiedler, regulären und irregulären Bewaffneten und Befreiten schildert. Besonders die Rolle der für die praktische Durchführung der Aussiedlungstransporte und erste Sicherstellung der Grenzgebiete verantwortlichen Armee kommt in Bimans und Cíleks Werk ausgiebig zur Sprache.

Der wohl insgesamt mit der Ära der kurzlebigen Dritten Tschechoslowakischen Republik am besten und am vielseitigsten vertraute dürfte der in Prag als externer Mitarbeiter des dortigen Instituts für Zeitgeschichte wirkende Dozent Karel Kaplan sein. Kaplan, inzwischen fast zu einem lebenden Symbol für die Veränderlichkeit gesellschaftlicher Prozesse und Ideologien im 20. Jahrhundert geworden, wurde in seiner langen Exilzeit in den späten 1970er und 1980er Jahren vorwiegend durch seine erstmals auf deutsch erschienenen Monographien zum ‚Kurzen Marsch’ der Kommunisten zur vollständigen Machtübernahme im Februar 1948[91], zu den politischen Prozessen der frühen 1950er Jahre[92], zur Rolle der Sozialdemokratie in der Dritten Republik[93] und durch andere Publikationen zu eher politischen Aspekten der Nachkriegszeit bekannt. Weniger bekannt ist ausserhalb der böhmischen Länder bis heute, dass Kaplan ursprünglich - damals noch als Kommunist und Vertreter der marxistischen Historiographie - in den 1950er und 1960er Jahren zu Themen wie der kommunistischen Landwirtschafts- bzw. Wirtschaftspolitik seit 1945 arbeitete und publizierte. Die Agrarpolitik der KSČ (Kommunistische Partei der Tschechoslowakei) von 1945 bis 1948 war im Jahre 1961 sogar sein Dissertationsthema[94]. Erste Veröffentlichungen zu dieser - mit der Neubesiedlung der Grenzgebiete direkt im Zusammenhang stehenden - Thematik folgten unmittelbar oder gingen der Dissertationsschrift bereits voraus[95]. Interessant sind Kaplans wirtschafts- und sozialhistorische Veröffentlichungen aus der zweiten Hälfte der 1960er Jahre auch in Bezug auf die Frage des Schicksals der vielen zehntausend konfiszierten mittleren und kleinen Gewerbebetriebe sowie der bereits im Oktober 1945 in den Wiederbesiedlungsgebieten besonders hohen Verstaatlichungsquote von Industriebetrieben. Der zusammen mit dem ebenfalls in München exilierten Jiří Sláma verfasste Analyse der tschechoslowakischen Parlamentswahlen von 1935, 1946 und 1948 wird im letzten Kapitel dieser Arbeit Bedeutung zukommen[96]. Kaplan war zusammen mit Karel Jech der Herausgeber der wichtigsten von 1940 bis 1945 unterschriebenen Präsidentendekrete sowie deren Dokumentation[97]. Es versteht sich von selbst, dass den Präsidentendekreten, besonders jener des Zeitraums von Mai bis Oktober 1945, im Hinblick auf Fragen der Wiederbesiedlung grosse Bedeutung zukommt. Jech ist selbst der Verfasser einer ausführlichen Monographie über Landwirtschaftspolitik und Wiederbesiedlung[98]. Weitere Arbeiten des regelrechten ‚Allrounders’ Kaplan sind für unsere Thematik relevant[99].

Ein ausführlicher Nachweis weiterer direkt den Wiederbesiedlungsprozess betreffender Arbeiten befindet sich in der angehängten Bibliographie in Kapitel 6.11. Viele im Hinblick auf den Ablauf der Besiedlung in einzelnen Gegenden interessante - aber meist besonders stark ideologisierte - Darstellungen entstanden jeweils in den Jahren, wo sich das Kriegsende besonders rund jährte (1965, 1975, 1985). Diese Darstellungen geben meist allgemein Auskunft über die Entwicklung der betreffenden Gegend nach dem Krieg. Betreffen sie aber Gegenden in Wiederbesiedlungsgebieten, so kommt die Schilderung der Ankunft der neuen Siedler darin immer vor[100]. Eine vergleichbar grosse Menge an ebenfalls stark ideologiegeschwängerten Schriften erschien über den ‚Weg zum Februar’ (1948) in verschiedenen Landesteilen. Alle regional ausgerichteten Beiträge sind in Unterkapitel 6.12 der Bibliographie verzeichnet. Ausschliesslich spezielle Aspekte des Wiederbesiedlungsprozesses behandelnde Arbeiten werden erst in den betreffenden Folgekapiteln dieser Arbeit genannt.

Die überwiegende Mehrheit der die Neubesiedlung betreffenden Beiträge erschien in regional ausgerichteten, z.T. heimatkundlich orientierten Zeitschriften. Eine weitere Herkunftsgruppe stellen meist jährlich erscheinende Schriftenbände der tschechischen Universtitäten (Philosophische bzw. Pädagogische Fakultäten) dar. Praktisch keine unmittelbar die Wiederbesiedlung behandelnde Beiträge sind als Einzelpublikationen erschienen. Besonders hervorgehoben werden müssen folgende Fachzeitschriften:

- Slezský sborník, Opava/Troppau: Die Zeitschrift des Schlesischen Instituts der Tschechischen Akademie der Wissenschaften veröffentlichte in den letzten rund 30 Jahren Dutzende die Wiederbesiedlungsvorgänge sowie das wiederbesiedelte Territorium betreffende Beiträge von hochstehendem Niveau. Deren inhaltliche Betonung liegt typischerweise auf ethnischen bzw. wirtschaftlichen Aspekten (Industrieentwicklung und Arbeiterschaft);
- Jihočeský sborník historický, České Budějovice/Budweis
- Minulostí západočeského kraje (seit 1995 unter dem Titel: Západočeský historický sborník), Plzeň/Pilsen;
- Für Mähren: Jižní Morava, Brno/Brünn; Severní Morava, Olomouc/Olmütz ; Věstník Matice moravské, Brno/Brünn.

Allgemein kann konstatiert werden, dass die meisten die Wiederbesiedlung betreffenden Beiträge regional ausgerichtet sind - und deshalb auch in regional ausgerichteten Zeitschriften wie den obenstehenden erscheinen sind. Welche Regionen der böhmischen Länder sind im Hinblick auf den Besiedlungsprozess besonders gut untersucht, welche weniger gut?

Das dicht besiedelte und hoch industrialisierte nordwestböhmische Grenzgebiet wurde hinsichtlich der unmittelbaren Nachkriegsjahre in den letzten 30 Jahren besonders genau untersucht[101]. Obwohl das Gebiet auch Bezirke mit stark landwirtschaftlich ausgerichteter Produktion enthielt (ehemalige Bezirke Žatec/Saaz, Litoměřice/Leitmeritz, Bílina/Bilin), bietet es sich mit seiner sozioökonomischen Struktur wohl wie keine andere Makroregion der böhmischen Länder zur Untersuchung der nicht-landwirtschaftlichen (also gewerblichen und industriellen) Wiederbesiedlung an[102]. Zu jedem früheren politischen Bezirk Nordwestböhmens entstanden zudem an der Universtität in Ústí nad Labem/Aussig an der Elbe in den letzten 25 Jahren Diplomarbeiten zum Wiederbesiedlungsprozess[103]. Eine reich dokumentierte zweibändige Mikrosonde in die Besiedlung einer Kleinstadt des heutigen Bezirks Litoměřice/Leitmeritz mit allgemeinen Schlüssen zum gesamten ‚Grenzland’ erschien vom Soziologen und Historiker Quido Kastner im Jahre 1999[104].

Leicht schwächer, aber recht gut untersucht sind die nordostböhmischen Grenzgebiete (von Varnsdorf/Warnsdorf bis Jablonec n. N./Gablonz). Neben interessanten Diplomarbeiten der Universitäten in Liberec/Reichenberg, Ústí/Aussig und Prag gibt es relativ wenige veröffentlichte Beiträge[105].

Nur ein dünner - und bei Náchod/Nachod durch ein tschechisches Mehrheitsgebiet unterbrochener - Streifen des ostböhmischen Grenzgebietes war vormals mehrheitlich deutsch besiedelt und wurde deshalb nach dem Krieg wiederbesiedelt. Nichtsdestotrotz existiert gerade zu diesem Gebiet eine der besten Darstellungen des Wiederbesiedlungsprozesses überhaupt[106]. Das Ausmass der landwirtschaftlichen und nicht-landwirtschaftlichen Besiedlung hielten sich in dieser hügeligen, aber traditionell der Textilindustrie verpflichteten Region ungefähr die Waage. Besonders hinzuweisen ist auch auf die Frage der - als Neusiedler figurierenden - Glatzer Tschechen und tschechische Aspirationen auf eine Gewinnung des ehemals mit Böhmen verbundenen Glatzer Gebietes in Schlesien[107].

Dank den Forschungsstellen in Opava/Troppau (Schlesisches Institut der Tschechischen Akademie der Wissenschaften), Ostrava/Ostrau (Universtität) und Olomouc/Olmütz (Palacký-Universität) gehören die ehemals mehrheitlich deutsch besiedelten Gebiete Schlesiens und Nordmährens in Bezug auf unsere Problematik (sowie hinsichtlich Vertreibung und Aussiedlung) zu den bestuntersuchtesten Gebieten der böhmischen Länder überhaupt. Sie wurden mehrheitlich landwirtschaftlich neubesiedelt. Besonders in Schlesien entstanden in den letzten Kriegstagen noch grosse Kriegsschäden, die - nebst der wirtschaftlich schwachen Struktur der Gebiete und des landwirtschaftlich nur mittelmässig attraktiven Terrains - dazu beitrugen, dass Schlesien und Nordmähren von vielen Siedlern anfangs gemieden wurden. Erst im Zuge der ab Herbst 1945 einsetzenden zentral organisierten Besiedlung setze eine grössere Wanderungswelle in diese Region ein. Da in diesem Gebiet aber nach Abschluss der eigentlichen Besiedlungswelle (gegen Ende 1946) noch Tausende Güter ungenutzt leer standen, wurden hier bis 1950 mehrere Zehntausend Reemigranten und die meisten der südmährischen Kroaten (Charváti) angesiedelt, die das ethnische Gepräge des Gebiets nachhaltig veränderten.

Über Besonderheiten der Besiedlung dreier schlesischer und eines nordmährischen Bezirkes gibt die Monographie von Otakar Káňa Auskunft[108]. Hier sind auch Angaben zur Vertreibung und Aussiedlung der dortigen Deutschen sowie allgemeine Informationen zur staatlichen Besiedlungspolitik zu finden. Vom Autorenduo Zden ěk Filip und František Spurný stammen zwei grundlegende Beiträge aus dem Jahre 1965 über die Themeneinheit Wiederbesiedlung/ odsun bezüglich der nordmährischen Grenzgebiete[109]. Mit der Neubesiedlung der von einer eigenen (für das historische Schlesien im weiteren Sinne zuständigen) Ostrauer Expositur des mährisch-schlesischen Landesnationalausschusses in Brünn verwalteten Gebietes befasste sich Jana Kutnohorsk á[110]. Je einen Beitrag zum Schicksal der Deutschen und zur Wiederbesiedlung des Troppauer Schlesiens verfasste bereits 1974 Milan Strnadel[111].

Ein eigenes Forschungsproblem stellt das Hultschiner Ländchen (Hlučínská země) mit seiner in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts überwiegend slawischsprachigen aber national schwer einzuordnenden Bevölkerung dar. Wenn auch nur ein kleiner Teil dieses Gebietes ausgesiedelt und deshalb wiederbesiedelt wurde, gehörten die Zustände im Hultschiner Ländchen zu den umstrittensten und bewegtesten in den ganzen Grenzgebieten. Die staatlichen Organe und verschiedene Interessengruppen waren sich nicht einig darüber, wie die während des Zweiten Weltkrieges angeblich dem tschechischen Volk national untreu gewordenen Hultschiner zu behandeln seien. Diese Thematik ist historiographisch inzwischen gut aufgearbeitet[112].

Der relativ dünne ehemals deutsch besiedelte Grenzstreifen Südmährens bildete mit den landwirtschaftlich intensiv bewirtschafteten Bezirken des nordböhmischen Elbegebietes das beliebeste, weil landwirtschaftlich fruchtbarste Neubesiedlungsgebiet. Darum und weil die deutschen Südmährer besonders früh (d.h. vor Herbst 1945) ihre angestammte Heimat verlassen mussten, war die Neubesiedlung der Bezirke Znojmo/Znaim, Mikulov/Nikolsburg und Břeclav/Lundenburg und der übrigen teilweise deutsch besiedelten Gebiete Südmährens zum Jahresende 1945 bereits weit fortgeschritten. Mehrere Beiträge gehen auf die Besiedlungsvorgänge ein[113]. Für das Gebiet des heutigen Bezirks Břeclav/Lundenburg erschien 1983 eine selbständig erschienene und vor allem an Zahlenmaterial reiche Studie von J aroslav Školl[114].

Die südböhmischen Grenzgebiete gehörten mit zu den unwirtschaftlichsten und deshalb unbeliebtesten Siedlungsgebieten. Darum war in dieser Region das Abfallen der Bevölkerungsdichte zwischen 1930 und 1950 besonders markant. Mit der Wiederbesiedlung der südböhmischen Grenzgebiete hat sich in einer Mitte der 1980er Jahre erschienenen Artikeltrilogie eingehend Jan Pešek befasst[115]. Im Sammelband zum österreichisch-tschechischen Forschungsprojekt ‚Kulturen an der Grenze‘ erschienen 1995 zwei Beiträge zur Entwicklung des südböhmischen Grenzgebiets auch auf Deutsch[116]. Zusätzliche Angaben enthalten allgemein über Südböhmen in den Jahren 1945 bis 1948 handelnde Darstellungen[117]. Eine Mikrosonde zur nationalen, sozialen und politischen Zusammensetzung der Bevölkerung von Kaplice/Kaplitz in den ersten Nachkriegsjahren erarbeitete Milan Krýdl[118].

Weite Teile des landwirtschaftlich geprägten Westböhmens wurden nach 1945 neu besiedelt. Besonders interessante Beiträge zur Wiederbesiedlungsthematik erschienen über das westliche Erzgebirge mit den Zentren Kraslice/Graslitz (dazu auch eine deutsche Monographie aus dem Jahre 1983) und Falknov/Falkenau (heute Sokolov)[119], über das vormals einen besonders ausgeprägten deutschen Charakter aufweisende weitere Umland von Karlovy Vary/Karlsbad[120], sowie über das nördliche Böhmerwaldgebiet an der bayerischen Grenze[121]. Die oft stark bewaldeten und unwirtschaftlichen, höher gelegenen Gegenden des Böhmerwaldes stiessen begreiflicherweise auf ein geringeres Interesse der Siedler und wurden deshalb vermehrt zur neuen Heimstätte der erst nach 1946 eintreffenden Reemigranten bzw. Slowaken und mehr oder weniger ‚reslowakisierten‘ Magyaren aus der Slowakei. Zu den westböhmischen Grenzgebieten während und nach der Besiedlung entstanden aufgrund ihrer vergleichweise hohen ethnischen Heterogenität daher besonders viele Studien tschechischer Ethnologen.

Zur Vertreibung und Aussiedlung der deutschen Bevölkerung aus den Sprachenklaven Jihlava/Iglau[122], Svitavy/Zwittau[123] sowie aus Prag[124] und Brünn[125] erschienen besonders in den 1990er Jahren Beiträge. Explizit mit der Wiederbesiedlung der Sprachinsel Vyškov/Wischau befasst sich ein weiterer Beitrag[126].

Wie obenstehend gezeigt werden konnte, beschäftigte sich die tschechischsprachige Geschichtsschreibung bei näherer Betrachtung bisher eingehend mit der Neubesiedlung der vormals überwiegend deutsch bewohnten Gebiete. Auf regionaler Ebene entstanden besonders zahlreiche Beiträge, deren Autoren i.d.R. Archivfonds der entsprechenden Bezirks- oder Ortsnationalausschüsse konsultierten. Die meisten der auf tschechisch erschienenen Beiträge zur Wiederbesielungsthematik enthalten zumindest ein deutsches Resumée. Das von einem Bearbeiter schier unüberschaubare Quellenvolumen auf zentralstaatlicher Ebene stellt sicherlich einen der Hauptgründe dar, warum es bisher zu unserem Thema kaum regional übergreifende Arbeiten gibt. Die Bestände der die Wiederbesiedlung zentral steuernden Organe sind nämlich äusserst umfangreich und könnten nur von einem mehrköpfigen Forschungsteam innerhalb mehrer Jahre ausgewertet werden. Trotzdem ist zu beklagen, dass angesichts einer wahren Flut von regionalen Beiträgen keine einzige Synthese (Monographie) existiert, die den Wiederbesiedlungsprozess aus gesamtstaatlicher und multithematischer Perspektive beschreiben würde. Es ist zu erwarten, dass auch in nächster Zeit nicht mit einer solchen Veröffentlichung tschechischerseits zu rechnen ist, da die Thematik des odsun weiterhin dominieren dürfte. Dies ist verständlich und eigentlich alles andere als unerfreulich. Wenn einmal das für die Geschichte der böhmischen Länder im 20. Jahrhundert zentrale Thema des Verschwindens der einheimischen Deutschen - wenigstens historiographisch - aufgearbeitet sein wird, bestünden die besten Voraussetzungen zur Inangriffnahme eines Synthesewerkes über alle Massenmigrationen des Zeitraums von 1945 bis 1950.

[...]


[1] Das Begriffspaar ‚Vertreibung und (Massen-)Aussiedlung’ wird hier bewusst für die Beschreibung des Gesamtphänomens verwendet, das im deutschen Sprachraum üblicherweise nur ‚Vertreibung’ genannt wird. ‚Vertreibung’ soll vor allem den Abschnitt der sogenannten ‚wilden Vertreibung’ von Mai bis August 1945 bezeichnen, ‚Aussiedlung’ die mehr oder weniger geordnete, aber lange nicht immer humane Überführung der deutschen Bevölkerung in die amerikanische und sowjetische Zone sowie nach Österreich mit zeitlichem Schwerpunkt im Jahre 1946. Das Begriffspaar ‚Vertreibung und Aussiedlung’ stünde ungefähr in der Mitte zwischen dem in der Tschechischen Republik gebrauchten Terminus odsun (Abschub) und der in Deutschland üblichen Bezeichnung ‚Vertreibung’. Das wichtigste Argument für die hier propagierte Doppelbezeichnung ‚Vertreibung und Aussiedlung’ liegt jedoch darin, dass beide Formen charakteristisch für das gemeinte Gesamtphänomen waren, und die Nennung nur einer Durchführungsform (‚Vertreibung’ bzw. ‚Aussiedlung’, oder des im Tschechischen sinnähnlichen Worts ‚Abschub’) unrepräsentativ, missverständlich und des öfteren im internationalen historischen Diskurs unnötig polarisierend wirkt. Es wird im Folgenden deshalb meist das Begriffspaar ‚Vertreibung und Aussiedlung’ verwendet, es sei denn, die Sprache sei explizit von nur einer der beiden erwähnten Ausprägungsvarianten, oder ein Begriff werde als kursiv gedruckter terminus technicus verwendet (z.B. odsun).

[2] Ein knapper Überblick zur aktuellen Forschungslage betreffs der Deutschen in der Tschechoslowakei und deren Schicksals ab Kriegsende wird im Folgekapitel gegeben. Vgl. auch Kapitel 6.5 der im Anhang befindlichen ausführlichen Bibliographie.

[3] Eine deutsche und tschechische Fassung der gemeinsamen Erklärung der Historikerkommission findet sich in: Soudobé dějiny 2-3/1996, 392-437.

[4] Je nach Bevölkerungsdichte, Wirtschaftsstruktur und topographischen Verhältnissen wäre diese Frage im Hinblick auf die einzelnen Untergebiete der Grenzländer unterschiedlich zu beantworten. Generell kann aber davon ausgegangen werden, dass in Gebieten, wo eine tiefe Bevölkerungsdichte zwar eine zusätzliche Besiedlung erlaubt hätte, meist nicht das ökonomische bzw. geographische Potential zu einer erfolgreichen Besiedlung bestand. Wo dieses Potential hingegen vorzufinden war, war die Besiedlungsdichte meist bereits hoch bis sehr hoch.

[5] Nach amtlichen tschechischen Angaben aus dem Jahre 1953 handelte es sich um 600'000 sogenannte ‚Nationale Gäste’. Vgl. Osídlení pohraničí v letech 1945-1952, Zprávy a rozbory, Praha, Státní úřad statistický 1953, IV.

[6] Die Schätzung von über 100'000 Kriegsgefangenen innerhalb aller deutsch besetzten Teile der böhmischen Länder stammt vom von Jindřich Pecka, der sich jahrelang mit der Thematik der Kriegsgefangenen beschäftigt hat. Nach dessen Angaben wurden im April 1944 im ‚Sudetenland‘ (gemeint dürfte damit nur der Reichsgau Sudetenland sein) 64‘154 POWs (Prisoners of war) registriert, wovon 26‘918 aus der Sowjetunion stammten, 20‘091 aus Frankreich, 8‘318 aus Grossbritannien und 8‘827 aus Italien. Mit Näherrücken der Front stieg die Zahl der POWs weiter an. Bemerkenswert am Rande ist die Erkenntnis Peckas, dass rund 40 % aller Mitglieder des einheimischen tschechischen Widerstands von ausländischen Kriegsgefangenen gestellt wurden - was bisher von der tschechischen Geschichtsschreibung kaum angemessen berücksichtigt worden ist. Vgl. Pecka, Jindřich, Váleční zajatci na území Protektorátu Čechy a Morava, Praha 1993, 322ff.

[7] Zur Problematik des Totaleinsatzes von Tschechinnen und Tschechen grundlegend: Mainuš, František, Totální nasazení. Češi na pracích v Německu 1939-1945, Brno, Univerzita J.E. Purkyně v Brně, 1970.

[8] Eine Ausnahme, die im Folgekapitel besprochen wird, bestätigt die Regel.

[9] Dafür beschäftigten sich gerade sudetendeutsche Forscher seit ca. 1950 in hohem Masse mit der sogenannten Vertreibung.

[10] Es sei an dieser Stelle nur an Fragen des Übergangs deutschen Eigentums in tschechoslowakische Hände (Privatpersonen, Firmen, Staat) erinnert, die Bestandteil der Neubesiedlungsforschung sind. Der Übergang von Besitz lief - teils vor, teils kurz nach der Erlangung des kommunistischen Machtmonopols - in einem mehrstufigen, recht komplizierten Prozess ab. Er wird in dieser Arbeit ausführlich zur Sprache kommen.

[11] Heroldová, Iva, Ethnische Prozesse in den böhmischen Ländern nach dem Zweiten Weltkrieg, in: Lemberg, Hans (ed.), Im geteilten Europa. Tschechen, Slowaken und Deutsche und ihre Staaten 1948-1989, Essen 1998, 95-110.

[12] In dieser Arbeit wird in jedem Unterkapitel auf das thematische Pendant (Unterkapitel) der Bibliographie im Anhang verwiesen werden, um dem Interessierten eine Orientierungsgrundlage für die weitergehende Beschäftigung mit Teilaspekten der nachfolgenden Darstellung in die Hand zu geben. Weitere Bemerkungen zur Bibliographie sind im Anhang zu finden

[13] Es darf nicht vergessen werden, dass Mähren und Schlesien teilweise bereits in der dritten April-Dekade befreit wurden. Erste Siedler gelangten in die Grenzgebiete bereits vor dem allgemeinen Kriegsende am 9. Mai 1945.

[14] Vgl. Kapitel 6.11.1 über die Zuendebesiedlung während der 1950er Jahre sowie Kapitel 6.13 bis 6.15.

[15] Das Zeichnen eines schärferen Profils der politischen Parteien in Bezug auf deren Besiedlungspolitik ist eines der grössten Desiderata, das auch die vorliegende Arbeit nicht beheben kann. Erst durch Studium der betreffenden Archivalien und Parteipresse kann ein adäquateres Bild der programmatischen Vorstellungen der vier tschechischen Parteien im Bereich der Besiedlungspolitik gezeichnet werden. Diese Aufgabe ist für eine anschliessende Studie vorgesehen. Ein Ergebnis dieses Studiums dürfte allerdings bereits bekannt sein: Die Konfliktlinien innerhalb der Besiedlungspolitik gingen sehr oft quer durch einzelne Parteien. Der Autor ist sich bewusst, dass der Leser dieser Arbeit leicht den Eindruck gewinnen könnte, das Politikfeld der Siedlungspolitik sei von zwei statischen Lagern geprägt worden: Kommunisten und Nicht-Kommunisten. Auch wenn dem in der Tendenz oft so war, ist vor Verallgemeinerungen zu warnen, was dem aufmerksamen Leser auch während der Lektüre dieser Arbeit nicht entgehen dürfte.

[16] Hoensch, Jörg K., Geschichte der Tschechoslowakischen Republik 1918-1978, Stuttgart 19923, 32.

[17] Die Neubesiedlung der deutschen Sprachenklaven im Landesinnern ist wenig untersucht. Dennoch sind Arbeiten dazu entstanden. Vgl. Kapitel 6.12.8 und 6.13.8 der Bibliographie im Anhang. Wann immer im Folgenden von den wiederbesiedelten Grenzgebieten die Rede sein wird, sind i.d.R. auch die deutschen Sprachinseln im Landesinnern gemeint, obzwar diese nur bedingt von der staatlich organisierten Besiedlung betroffen waren. Der Titel dieser Arbeit spricht nur aus Gründen der Einfachheit von der Wiederbesiedlung der ‚Grenzgebiete’ der böhmischen Länder.

[18] Es ist zu bedauern, dass z.T. bis heute verschiedene Werke die Bezeichnung ‚rein deutsch’ verwenden. Im Jahre 2001 ist diese an einen imaginären Sauberkeitsmassstab erinnernde Praxis, nicht zuletzt im Hinblick auf Geschehen der neuesten Zeit in Europa, nach Ansicht des Autors fehl am Platze. Es ist dem Verfasser in Europa zudem kein Gebiet bekannt, dass in den letzten hundert Jahren ‚rein’ von einer Nationalität besiedelt gewesen wäre.

[19] Als ‚Landesinneres’ bzw. ‚Binnenland’ (tschechische Entsprechung: vnitrozem í) werden im Folgenden alle nicht zum EDM gehörenden Gebiete der böhmischen Länder bezeichnet.

[20] In einer Bekanntmachung machte das tschechoslowakische Innenministerium am 22. Mai 1945 darauf aufmerksam, dass in Zukunft von der Verwendung des Begriffes ‚Sudeten’ (tschech. Sudety) und daraus abgeleiteter Begriffe Abstand zu nehmen und statt dessen pohrani čí (Grenzgebiet) zu verwenden sei. Diese Bekanntmachung wurde in der Tagespresse umgehend abgedruckt. Vgl. Hrabovec, Emilia, Vertreibung und Abschub. Deutsche in Mähren 1945-1947, Frankfurt/Main u.a. 1995 (Wiener Osteuropa-Studien, Bd. 2), 139.

[21] Die Bezeichnung ‚Iglauer Sprachinsel’ ist mit besonderer Vorsicht zu verwenden, da Deutsche nicht auf deren ganzen angestammten Gebiet 1930 noch eine Mehrheit bildeten. Dazu verloren die deutschen Mehrheitsgebiete innerhalb der Sprachinsel nach Volkszählungsergebnissen von 1930 ihren territorialen Zusammenhang. So lebten in der Stadt Jihlava/Iglau im Jahre 1930 nur noch 39.7 % Deutsche, was teilweise auch durch Eingemeindungen bedingt war. Die Stadt Iglau gehört denn auch - strenggenommen - nicht zur Iglauer Sprachinsel. Vgl. Bohmann, Alfred, Menschen und Grenzen, Bd. 4: Bevölkerung und Nationalitäten in der Tschechoslowakei, Köln 1975, 122.

[22] Ebenda, 126. Sowie eigene Berechnungen des Autors.

[23] Rund die Hälfte dieser Gemeinden hatte unter 2’000 Einwohner. Vgl. Bohmann, Alfred, Das Sudetendeutschtum in Zahlen, München 1959, 31.

[24] Ebenda, 26f. Vgl. auch Karten I und II im Anhang.

[25] Zahlen nach: Bohmann, Menschen und Grenzen, Bd. 4, 122.

[26] Dies entspricht 29.19 % der Gesamtbevölkerung der böhmischen Länder. In Böhmen und Schlesien betrug der deutsche Bevölkerungsanteil rund einen Drittel der Gesamtbevölkerung, in Mähren unter einem Fünftel. Um die 70 % aller Deutschen der böhmischen Länder waren in Böhmen beheimatet, das deshalb im Wiederbesiedlungsprozess auch stärker als Mähren eine Rolle spielte. Vgl. Bohmann, Sudetendeutschtum in Zahlen, 16.

[27] Vgl. Karte III im Anhang.

[28] Bohmann, Sudetendeutschtum in Zahlen, 122-125.

[29] Bohmann, Menschen und Grenzen, Bd. 4, 239f.

[30] Sbírka zákonů a nářízení (Sb. z. n.), Nr. 52, 13.11.1945.

[31] Koťátko, Jiří, Zemědělská osidlovací politika v pohraničí, Praha 1946, 60-61. Karte abgedruckt im Anhang (Karte V).

[32] Osídlení pohraničí v letech 1945-1952, 1953.

[33] Vgl. die im Anhang abgedruckte Karte (Karte VII). Das ‚Grenzgebiet’ ist im übrigen um 499 km2 grösser als das 1938 tatsächlich okkupierte Gebiet.

[34] Die letzten auf Gemeindeebene gesamtstaatlich erhobenen Daten stammen aus der Volkszählung vom 22. Mai 1947.

[35] Es darf angenommen werden, dass die Einwohnerzahl dieser Gebiete vor der Vertreibung und Aussiedlung der Deutschen um mehrere Zehntausend Personen höher lag.

[36] Osídlení pohraničí v letech 1945-1952, 22. Da diese Gebiete bereits vor der einsetzenden Vertreibung und Aussiedlung der Deutschen fast ausschliesslich tschechisch besiedelt waren, kann angenommen werden, dass sie auch vor Beginn des Zweiten Weltkriegs eine ähnlich hohe Einwohnerzahl aufwiesen.

[37] Ausnahme: Schönhengstgau (Hřebečsko).

[38] Bohmann, Menschen und Grenzen, Bd. 4, 279 zitiert Angaben des Statistischen Staatsamts, Prag, vom Dezember 1938.

[39] Die Vertreibungen der deutschen Bevölkerung im Binnenland gehörten zu den ersten nach dem Krieg überhaupt und zeichneten sich durch eine besonders hohe ‚Gründlichkeit’ und Härte aus. Das Statistische Staatsamt spricht von ca. 100'000 aus dem Binnenland (d.h. dem ehemaligen Protektoratsgebiet) vertriebenen Deutschen. Diese Zahl umfasst - wie alle Vertreibungs- und Aussiedlungszahlen - keine Reichsdeutschen und dürfte tatsächlich höher liegen. Vgl. Osídlení pohraničí v letech 1945-1952, IV.

[40] Auch das SÚS stellte die Bezeichnung für dieses nur zu statistischen Zwecken definierte Territorium jeweils zwischen Anführungsstriche. Dies war sinnvoll, da auch das SÚS daneben den Terminus pohraničí (ohne Anführungsstriche) verwendete, und zwar zur Kennzeichnung der 1938 tatsächlich besetzten Gebiete.

[41] Nichtsdestotrotz enthalten vor allem ältere Jahrgänge der Sudetendeutschen Zeitung einige Beiträge zur Wiederbesiedlung (und deren, aus sudetendeutscher Sicht, negativen Folgen). Für diesen Hinweis danke ich Herrn Konrad Badenheuer, Sudetendeutsche Landsmannschaft e.V., München.

[42] Eine Auswahl: Dokumentation der Vertreibung der Deutschen aus Ost-Mitteleuropa. Die Vertreibung der deutschen Bevölkerung aus der Tschechoslowakei (Band IV/1 und IV/2), Bundesministerium für Vertriebene, Flüchtlinge und Kriegsgeschädigte (ed.), Bonn 1957; Dokumente der Menschlichkeit aus der Zeit der Massenaustreibungen, Göttinger Arbeitskreis (ed.), Würzburg 1961; Bornemann, Felix (ed.), “Weil Sie Deutscher sind...”. Dokumente und Berichte zur Austreibung aus Südmähren 1945-1946, Stuttgart 1980; Franzel, Emil (ed.), Vertreibung Sudetenland 1945-1946, Bonn/Bad Nauheim 1967; Mühlfenzl, R., (ed.), Geflohen und vertrieben. Augenzeugenberichte, Königstein/Ts. 1981; Pfeifer, Wilhelm (ed.), Weissbuch Niederland. Die Vertreibung in Nordböhmen, Böblingen 1980; Richter, Walli (ed.), Letzte Tage im Sudetenland, München 1989.

[43] Bosl, Karl (ed.), Handbuch der Geschichte der Böhmischen Länder, 4. Bd., Stuttgart 1970, 322; Hoensch, Jörg K., Geschichte der Tschechoslowakischen Republik 1918-1978, Stuttgart 19923, 126f., Otáhal, Milan, Czechoslovakia behind the Iron Curtain (1945-1989), in: Teich, Mikuláš (ed.), Bohemia in History, Cambridge 1998, 309; Teichova, Alice, Wirtschaftsgeschichte der Tschechoslowakei 1918-1980, Wien / Köln / Graz 1988, 83f. (dortige Zahlenangaben teils inkorrekt); Korbel, Joseph, Twentieth century Czechoslovakia: the meaning of its history, New York 1977, 220; Luža, Radomír, Die Tschechoslowakei im Kampf zwischen Demokratie und Kommunismus 1945-1948, in: Mamatey, Victor / Luža, Radomír (ed.) , Geschichte der Tschechoslowakischen Republik 1918-1948, Wien 1980, 422.

[44] Dies war die offiziöse Bezeichnung der Epoche von Mai 1945 bis Februar 1948 innerhalb der tschechoslowakischen marxistischen Geschichtsschreibung.

[45] Zuschrift (e-mail) von Dr. Peter Wörster, Herder-Institut Marburg vom 13. Oktober 2000 an den Verfasser.

[46] Eine Auswahl: Urban, Rudolf, Die Neubesiedlung des Sudetenlandes [Tschechoslowakische Presseausschnitte - von hier an, auch für Exzerpte aus Fachzeitschriften: tschsl. Pr.], in: Wissenschaftlicher Dienst für Ost-Mitteleuropa [von hier an: WD] 5, 1955, 82-87; ders., Die Wiederbesiedlung des Sudetenlandes [tschsl. Pr.], in: WD 5, 1955, 211-214; ders., Zur Wiederbesiedlung des Sudetenlandes [tschsl. Pr.], in: WD 6/1956 52-56; ders., Heutige Zustände in den Sudetengebieten [tschsl. Pr.], in: WD 6, 1956, 214-216; ders., Die Wiederbesiedlung des Sudetenlandes (Das Beispiel des Bez. Theusing) [tschsl. Pr.], in: WD 6, 1956, 76-83; ders., Eine tschechoslowakische Nationalitätenstatistik [tschsl. Pr.], in: WD 6, 1956, 212-214; ders., Zur Wiederbesiedlung der sudetendeutschen Gebiete [tschsl. Pr.], in: WD 7, 1957, 78-80; ders., Die Lage der sudetendeutschen Gebiete [tschsl. Pr.], in: WD 7, 1957, 210-217; ders., Die Landwirtschaft des Sudetenlandes [tschsl. Pr.], in: WD 7, 1957, 154-155; ders., Zur Lage der sudetendeutschen Gebiete [tschsl. Pr.], in: WD 7, 1957, 50-52; ders., Die tschechoslowakische Bodenreform mach 1945 [tschsl. Pr.], in: Wissenschaftlicher Dienst für Ost-Mitteleuropa 8/1958, 19-27; ders., Stadt und Bezirk Znaim in Südmähren nach 1945 [Buchzusammenfassung], in: WD 8, 1958, 462-464; ders., Ein umstrittener tschechischer Agrarwissenschaftler [tschsl. Pr. über Jiří Koťátko, Ressortleiter im Landwirtschaftsministerium], in: WD 8/1958, 456; ders., Industriedemontage und Industrieaufbau im Sudetenland [tschsl. Pr.], in: WD 8, 1958, 63-65; ders., Kulturprobleme der Sudetengebiete [tschsl. Pr.], in: WD 8, 1958, 136-138; ders., Zur Wiederbesiedlung der sudetendeutschen Gebiete [tschsl. Pr.], in: WD 8, 1958, 214-223.

[47] Eine Auswahl: Derselbe, Tschechische Bemühungen um das sudetendeutsche Grenzgebiet [tschsl. Pr.], in: WD 10, 1960, 96-100; ders., Die Wiederbesiedlung des nördlichen Böhmerwaldgebietes [tschsl. Pr.], in: WD 1, 1961, 248-253; ders., Die Bevölkerungsentwicklung im früheren Sudetenland [tschsl. Pr.], in: WD 12, 1962, 95-96; ders., Bevölkerungsentwicklung sudetendeutscher Städte 1921-1961 [tschsl. Pr.], in: WD 12, 1962, 133-136; ders., Änderungen in der Nationalitätenstruktur der Tschechoslowakei [tschsl. Pr.], in: WD 13, 1963, 255-260; ders., Bevölkerungsentwicklung im Egerland [tschsl. Pr.], in: WD 13, 1963, 53-56; ders., Bevölkerungsbewegung im „Grenzgebiet“ der ČSSR [tschsl. Pr.], in: WD 18, 1968, 27-36; ders., Der Böhmerwald nach der Vertreibung der Deutschen [tschsl. Pr.], in: WD 18, 1968, 440-453; ders., Tschechische Presseberichte über das „Grenzgebiet“ [tschsl. Pr.], in: WD 18, 1968, 432-456; ders, Die Bevölkerungsentwicklung im tschechoslowakischen „Grenzgebiet“ [tschsl. Pr.], in: WD 18, 1968, 29-32.

[48] Derselbe, Zur sprachlichen Entwicklung im Grenzgebiet der böhmischen Länder [tschsl. Pr.], in: WD 20, 1970, 295-321; ders, Neubesiedlung der “Grenzgebiete” in der ČSR, in: WD 21/1971, 183-192.

[49] Eine Auswahl: Derselbe, Das Erziehungswesen der Tschechoslowakei seit 1945, in: Zeitschrift für Ostforschung (von hier an: ZfO] 1/1-4 (1952), 432-440; ders., Verwaltungskarte der heutigen Tschechoslowakei, in: ZfO 2/1-4 (1953), 398-400; ders., Die Strukturwandlung der tschechoslowakischen Landwirtschaft seit 1945, in: ZfO 2/1953, 130-137 und 388-398; ders., Die Wiederbesiedlung der sudetendeutschen Gebiete, in: ZfO 4, 1955, 426-437; ders., Verschwundene Gemeinden im Sudetenland, in: WD 6, 1956, 368-371.

[50] Derselbe, Die sudetendeutschen Gebiete nach 1945, Frankfurt/Main / Berlin 1964.

[51] Neumann, Rudolf, Ostpreussen unter polnischer und sowjetischer Verwaltung, Frankfurt/Main / Berlin 1955 (Ostdeutschland unter fremder Verwaltung, 1); Bahr, Ernst, Das nördliche Westpreussen und Danzig nach 1945, Frankfurt/Main 1960 (Ostdeutschland unter fremder Verwaltung, 2); Bahr, Ernst, Ostpommern unter polnischer Verwaltung, Frankfurt/Main / Berlin 1957 (Ostdeutschland unter fremder Verwaltung, 3); Breyer, Richard, Ostbrandenburg unter polnischer Verwaltung, Frankfurt/Main 1959 (Ostdeutschland unter fremder Verwaltung, 4); Bahr, Ernst, Niederschlesien unter polnischer Verwaltung, Frankfurt / Main [u.a.] 1967 (Ostdeutschland unter fremder Verwaltung, 5); Koerber, von, H.J., Die Bevölkerung der deutschen Ostgebiete unter polnischer Verwaltung, Berlin 1958 (Wirtschaftswissenschaftliche Veröffentlichungen des Osteuropa-Instituts an der Freien Universität Berlin, 6.).

[52] Vgl. Slezský sborník 66/1968, 143f. Die deutsche Rezension von Rudolf Hilf in Bohemia 7/1966, 442-445 beschränkt sich im Wesentlichen auf eine Zusammenfassung der Urbanschen Monographie und gibt sich unkritisch.

[53] Urban, Rudolf, Abwanderung aus dem Böhmischen Erzgebirge, in: WD 21/1971, 663-666; ders., Neubesiedlung der “Grenzgebiete” in der ČSR, in: WD 21/1971, 183-192; ders., Die Bevölkerungsentwicklung der Tschechoslowakei nach dem Zweiten Weltkrieg, in: Dokumentation Ostmitteleuropa 1(25), 1975, 28-53.

[54] Vgl. Kapitel 6.3.4 der Bibliographie; dort auch tschechische Beiträge zur Thematik.

[55] Eine Auswahl: Kaplan, Karel, Der kurze Marsch. Kommunistische Machtübernahme in der Tschechoslowakei 1945-1948, München / Wien 1981; Sláma, Jiří, Das Wahlverhalten der Neusiedler in der Parlamentswahl von 1946 in Böhmen, in: Bohemia 28/1987, 377-382; Kaplan, Karel / Sláma, Jiří, Die Parlamentswahlen in der Tschechoslowakei 1935-1946-1948. Eine statistische Analyse, München 1986.

[56] Hinzuweisen ist v.a. auf folgende, sich thematisch überschneidende Publikationen: Bohmann, Alfred, Menschen und Grenzen, Bd. 4: Bevölkerung und Nationalitäten in der Tschechoslowakei, Köln 1975; ders., Bevölkerungsbewegungen in Böhmen 18471947 mit besonderer Berücksichtigung der Entwicklung der nationalen Verhältnisse, München 1958 (Wissenschaftliche Materialien zur Landeskunde der böhmischen Länder, Heft 3); ders., Das Sudetendeutschtum in Zahlen. Handbuch über den Bestand und die Entwicklung der sudetendeutschen Volksgruppe in den Jahren von 1910 bis 1950, München 1959.

[57] Derselbe, Die Entvölkerung der Sudetenländer als Folge der Ausweisung der sudetendeutschen Volksgruppe, Troisdorf 1951.

[58] Eine umfassende Bibliographie zu diesen meist heimatkundlichen Beiträgen ist kürzlich erschienen: Hemmerle, Rudolf, Heimat im Buch. Sudetendeutsche Heimatbücher, Ortsmonographien, Karten, Heimatblätter, Heimatzeitschriften, Jahrbücher und Kalender nach 1945. Eine Bibliographie, München, Sudetendeutsches Archiv 19962.

[59] Eine Übersicht der erschienenen Werke gibt Kapitel 6.15.1 der Bibliographie.

[60] Jedermann, František [Pseudonym], Verlorene Geschichte. Bilder und Texte aus dem heutigen Sudetenland, Köln 1985.

[61] Der Diskurs kann rückblickend verfolgt werden im Sammelband: Černý, Bohumil / Křen, Jan / Kural, Václav / Otáhal, Milan (ed.), Češi, Němcí, odsun. Diskuse nezávislých historiků, Praha 1990 sowie in: Pithart, Petr / Příhoda, Petr (ed.), Čítanka odsunutých dějin, Praha 1998.

[62] George, Pierre, The New Settlement Policy in Czechoslovakia, in: Slavonic and Eastern European Review 26/November 1947, 60-68.

[63] Eine Auswahl: Menclová, J. / Stočes, F., Land Reforms in Czechoslovakia, Praha 1963; Slezák, Lubomír, Die landwirtschaftliche Besiedlung des Grenzgebietes der böhmischen Länder nach dem Zweiten Weltkrieg, in: Historica 23/1983, 165-225; Jech Karel (ed.), The Czechoslovak Economy 1945-1948. Collected Papers, Praha 1968.

[64] Vgl. u.a.: Nationale Frage und Vertreibung der Deutschen in der Tschechoslowakei. Fakten, Forschungen, Perspektiven aus dem Abstand von 50 Jahren, Oberösterreichisches Landesarchiv (ed.), Linz 2000 (Sonderdruck aus: Mitteilungen des Oberösterreichischen Landesarchivs 19); Houžvička, Václav, Die sozialen Folgen der Austausches der Bevölkerung in den tschechischen Grenzgebieten, in: Plaschka, Richard G. / Haselsteiner, Horst / Suppan, Arnold / Drabek, Anna M. (ed.), Nationale Frage und Vertreibung in der Tschechoslowakei und Ungarn 1938-48. Aktuelle Forschungsergebnisse, Wien 1997, 193-197; Auf Deutsch übersetzte Beiträge zur Wiederbesiedlung speziell in Südböhmen und Südmähren sind zu finden in: Komlosy, Andrea / Bůžek, Václav / Svátek, František (ed.) Kulturen an der Grenze. Südböhmen - Südmähren - Waldviertel - Weinviertel, Wien 1995.

[65] Hrabovec, Emilia, Vertreibung und Abschub. Deutsche in Mähren 1945-1947, Frankfurt/Main u.a. 1995 (Wiener Osteuropa-Studien, Bd. 2), zur Wiedberbesiedlung: 131-139.

[66] Informationen von Herrn Mag. Andreas Wiedemann an den Verfasser.

[67] Vgl. Kapitel 6.5 der Bibliographie sowie die regional aufgegliederten Unterkapitel in Kapitel 6.12.

[68] Diplomarbeiten sind fast immer in starkem Masse regional (i.d.R. nach früheren politischen Bezirken) ausgerichtet und finden sich deshalb - soweit sie aufgespürt werden konnten - auch in den Unterkapiteln in Kapitel 6.12 der Bibliographie.

[69] Vgl. den Eintrag ‚Zdeněk Radvanovský‘ in: Pánek, Jaroslav / Vorel, Petr (ed.), Lexikon současných českých historiků, Praha 1999, 253. Dort Verzeichnis der publizierten Beiträge.

[70] Radvanovský, Zdeněk, Konec česko-německého soužití v ústecké oblasti 1945-1948, Ústí nad Labem 1997 (Acta Universitatis Purkynianae, Studia historica 25). Eine deutsche Rezension von Christoph Boyer in: Bohemia 1/41/2000, 228-230. Eine tschechische Rezension schrieb Tomáš Staněk in: Slezský sborník 2/96/1998, 154-156.

[71] Vgl. die Bibliographie-Einträge unter Kapitel 6.12.1 und 6.12.1.2.

[72] Wie in dieser Arbeit noch deutlicher werden wird, ist es sinnvoll, von einer landwirtschaftlichen und nicht-landwirtschaftlichen Besiedlung zu sprechen.

[73] Alle gefundenen Arbeiten sind in Kapitel 6.12.1 der Bibliographie zu finden. Dieses Kapitel macht bewusst keine Trennung zwischen ‚Wiederbesiedlung’ und odsun, da viele (Diplom-)Arbeiten beide Thematiken gleichmässig breit behandeln.

[74] Vgl. den Eintrag ‚Lubomír Slezák‘ in: Pánek / Vorel, Lexikon současných českých historiků, 274f. Dort Auswahlverzeichnis der publizierten Beiträge und biographische Details.

[75] Slezák, Lubomír, Zemědělské osídlování pohraničí českých zemí po druhé světové válce, Brno 1978. Rezension in: Československý časopis historický 27/19979, 742-745.

[76] Für weitere Arbeiten Slezáks siehe Kapitel 6.7 (Landwirtschaft) der Bibliographie.

[77] Ein nur die Grenzgebiete Mährens und Schlesiens betreffender Beitrag Slezáks erschien bereits 1974: Derselbe, Zemědělské osídlování pohraničí Moravy a Slezska v letech 1945-1947, in: Československý časopis historický 22/1974, 1-30.

[78] Eine Auswahl: Derselbe, Sudetští Němci a hospodářství první republiky, in: Moderní dějiny. Sborník k dějinám 19. a 20. století, 1994, 123-141; ders., Představy československé exilové vlády v Londýně o poválečném uspořádání zemědělství, in: České a slovenské zemědělství v letech druhé světové války. Studie Slováckého muzea 1, Uherské Hradiště 1996, 43-50; ders., Předchůdci jednotných zemědělských družstev?, in: Naše družstevníctvo v předvečer kolektivizace, Bratislava 1997, 53-59; ders., Vratká stabilita poválečného zemědělství, in: Zemědělství na rozcestí 1945-1948. Sborník příspěvků z mezinárodní konference konané ve dnech 22.-23.9.1998, Uherské Hradiště 1998 (Studie Slováckého muzea 3), 94-102.

[79] Vgl. z.B.: Derselbe, KSČ v boji za uskutečnění první etapy poválečné pozemkové reformy v českých zemích, in: Československý časopis historický 74/1976, 161-188; ders., Osídlování pohraničí Českých zemí v letech 1945-1959, in: Hospodářské dějiny - Economic History 6/1980, 277-312. Zur 1949 einsetzenden Kollektivierung (genauer: Vergenossenschaftung) und Zuendebesiedlung ab den 1950er Jahren siehe: Ders., Problematika zaostávajících JZD v období socialistické přestavby zemědělství v Československu, in: Naše poľnohospodárstvo v období dobudovania základov socializmu, Bratislava 1986, 79-104; ders., Socialistická přestavba zemědelství v Československu a pracovní síly, in: Československý časopis historický 35/1987, 527-547.

[80] Ders., Die landwirtschaftliche Besiedlung des Grenzgebietes der böhmischen Länder nach dem Zweiten Weltkrieg, in: Historica 23/1983, 165-225

[81] Siehe Eintrag ‚Jaroslav Vaculík‘ in: Pánek / Vorel, Lexikon současných českých historiků, 321f.

[82] Vaculík, Jaroslav, Dějiny volyňských Čechů. I. Léta 1868-1914, Praha 1997 a II. Léta 1914-1945, Praha 1998.

[83] Ders., Reemigrace a usídlování volyňských Čechů v letech 1945-1948, Brno, Ústav marxismu-leninismu Univ. J. E. Purkyně 1984.

[84] Ders., Reemigrace zahraničních Čechů a Slováků v letech 1945-1950, Brno 1993 (Spisy pedagogicke fakulty Masarykovy univerzity v Brne; Sv. 48).

[85] Vgl. für Angaben zur Person: Kučera, Milan, Vladimír Srb - pětasedmdesátiletý, Přípojená bibliografie knížních prací jubilanta, in: Demografie, 34/1992, č. 3, 247-249.

[86] Osídlení pohraničí v letech 1945-1952, Zprávy a rozbory, Praha, Státní úřad statistický 1953.

[87] Osídlení českého pohraničí v letech 1945-1959. Zprávy a rozbory Státního úřadu statistického, Praha 1960.

[88] Zu Assimilierungsprozessen und Nationalitätenwechsel: Srb, Vladimír, Asimilace a preklánění národnosti obyvatelstva v Československu ve světle sčítání lidu 1950-1991, in: Demografie, 38/1996, č. 3, 158-164, ders., Národnost obyvatelstva v Československu 3. 3. 1991 a poválečné trendy národnostní asimilace, in: Slezský sborník 91/1993, č. 1-2, 115-122, ders., Přirozená měna obyvatelstva podle národnosti v Česku 1950-1992, in: Slezský sborník 4/94/1996, 309-314, ders., Změny v národnosti obyvatelstva ČSSR v letech 1950-1980, in: Český lid 70/1983, 66-76.

Zu einzelnen Minoritäten vgl.: Ders., Demografický profil československých Romů, in: Český lid 72/1985, 139-148; ders., Demografický profil maďarské meněiny v Československu, in: Český lid 72/1985, 218-230.

[89] Derselbe / Andrle, Alois, Populační, ekonomický a národnostní vývoj pohraničních okresů ČSR od roku 1930 do roku 2010, Praha, Terplan 1989 (Knižnice min. výstavby a stavebnictví ČSR).

[90] Biman, Stanislav / Cílek, Roman, Poslední mrtví, první živí, Ústí nad Labem 1989.

[91] Kaplan, Karel, Der kurze Marsch. Kommunistische Machtübernahme in der Tschechoslowakei 1945-1948, München / Wien 1981.

[92] Derselbe, Die politischen Prozesse in der Tschechoslowakei 1948 – 1954 (Veröffentlichungen des Collegium Carolinum, 48), München 1986.

[93] Derselbe, Das verhängnisvolle Bündnis. Unterwanderung, Gleichschaltung und Vernichtung der Tschechoslowakischen Sozialdemokratie 1944-1954, Wuppertal 1984.

[94] Derselbe, Komunistická strana - organizátor hnutí rolníků v letech 1945-1948 v Čechách, kand. diss. Praha 1961.

[95] Derselbe, Kdo byl tedy vinen?, Pardubice 1958; ders., O získání středního rolnictva pro politiku KSČ v letech 1945-1948, in: Příspěvky k dějinám KSČ, 1961, 48-62; ders., Rolnické hnutí za prosazení 6 zákonů a popularizaci Hradeckého programu, in: Vznik a vývoj lidově demokratického Československa. Sborník statí, Praha 1962, 140-177; ders., Až k vítězství Hradeckého programu, Havlíčkův Brod 1962.

[96] Derselbe / Sláma, Jiří, Die Parlamentswahlen in der Tschechoslowakei 1935-1946-1948. Eine statistische Analyse, München 1986.

[97] Jech, Karel / Kaplan, Karel (ed.), Dekrety prezidenta republiky 1940-1945. Dokumenty, 2 Bde., Brno 1995.

[98] Jech, Karel, Probuzená vesnice. K dějinám revoluce na našem venkově v letech 1945-1948, Praha 1963.

[99] Kaplan, Karel / Janišová, Milena, Katolická církev a pozemková reforma 1945 - 1948. Dokumentace, Brno 1995; Kaplan, Karel / Pacl, Vladimír, Tajný prostor Jáchymov, České Budějovice 1993; Kaplan, Karel, Die Aussiedlung der Deutschen aus der Tschechoslowakei, in: Grünwald, Leopold (ed.), Sudetendeutsche - Opfer und Täter. Verletzungen des Selbstbestimmungsrechts und ihre Folgen 1918-1982, Wien 1983; ders., Vývoj sociální struktury Československa v letech 1945-1948, in: Kalinová, Lenka et alii (ed.), K proměnám sociální struktury v Československu 1918-1968, Praha 1993, 80-99.

[100] In den 1970er und 1980er Jahren wurden zur Problematik der Nachkriegsentwicklung in einigen Regionen Konferenzen und Seminare abgehalten. So im April 1985 in Ústí nad Labem/Aussig an der Elbe eine Konferenz mit Beiträgen zu den ersten Nachkriegsjahren in Nordwestböhmen, im Mai 1985 in Cheb/Eger über die gleiche Thematik im Grenzgebietsstreifen von Cheb bis Ústí (beide Konferenzen sind rezensiert in: Československý časopis historický 34/1986, 315-317, Rezensent Zdeněk Radvanovský), im April 1975 in Mikulov/Nikolsburg anlässlich des VI. dortigen Symposiums eine Konferenz mit dem Titel ‚Die Befreiung und Neubesiedlung Südmährens 1945’ (Rezension in : Československý časopis historický 23/1975, 798f.). In den 1990er Jahren wurden im Raum Ústí mehrere Konferenzen über die Jahre 1945-1948 abgehalten.

[101] Für die erste Orientierung besonders empfohlen seien: Markvart, J., Rozhodující podíl komunistů na osídlování a budování severočeského pohraničí v letech 1945-1948, in: Sborník PF v Ústí n. L. - řada marxismu-leninismu 1986, Praha 1988, 27-110; Radvanovský, Zdeněk, Konec česko-německého soužití v ústecké oblasti 1945-1948, Ústí nad Labem 1997 (Acta Universitatis Purkynianae, Studia historica).

[102] Da der Verfasser voraussichtlich in einem Nachfolgeprojekt besonderes Augenmerk der Wiederbesiedlung in Nordwestböhmen zu schenken plant, enthält die Bibliographie eine hohe Anzahl von Einträgen über diese Region. Vgl. Kapitel 6.12.1 und 6.13.1 der Bibliographie.

[103] Vgl. die nach heutigen Bezirken gegliederten Unterkapitel in Kapitel 6.12.1 der Bibliographie.

[104] Kastner, Quido, Osidlování českého pohraničí od května 1945 (na příkladu vybraných obcí Litoměřicka), 2 Bde., Ústí nad Labem 19992.

[105] Zur Orientierung: Karpašová, Mária, Příspěvek k osídlování Liberecka po roce 1945, in: Materiály k problematice novoosídleneckého pohraničí, Sv. 9, Praha 1985 (Zpravodaj koordinované sítě vědeckých informací pro etnografii a folkloristiku, 4/1985), 15-20; Padrta, František, Národní výbory na Jablonecku v prvních poválečních letech, in: 6. vědecká archivní konference Revoluční národní výbory, osídlování pohraničí a význam národních výborů při zajišťování národně-demokratického procesu v ČSR v letech 1944-1948, Ústí nad Labem 1990 (Acta Litomericensia), 46-51; Procházka, Jiří, Liberec v nástupu k socialismu, K historii Liberecka v období 1945-1948, Liberec, Okresní národní výbor 1966.

[106] Kmoníček, Josef, Návrat domů. Proměny pohraničí severovýchodních Čech v letech 1945-1948, Hradec Králové 1982. Der Autor - mit der Materie bestens vertraut, da selber ein ehemaliger Neusiedler - konzentriert sich im Wesentlichen auf die ehemaligen Bezirke Broumov/Braunau, Trutnov/Trautenau und Vrchlabí/Hohenelbe und geht auch ausführlich auf das Schicksal der Deutschen in diesem Gebiet ein. Zudem kommen in seiner Monographie allgemeine Aspekte und Zahlen zur Wiederbesiedlung zur Sprache, die für die ganzen böhmischen Länder Gültigkeit haben. Früher erschienene Artikel des Autors in der Bibliographie unter 6.12.3. Eine weitere Monographie: Cihlář, Jiří, Vesnice severovýchodních Čech od osvobození 1945 do Února 1948, Hradec Králové 1975.

[107] Vgl. dazu: Burešová, Zdena, Kladští Češi v pohraničí severovýchodních Čech, in: Etnické procesy v pohraničí českých zemí po roce 1945. Společnost a kultura. Sborník referátů přednesených na konferenci s mezinárodním účastí Ústavu pro etnografii a folkloristiku ČSAV konané ve dnech 5.-8. listopadu 1984 v Sobotíně. okr. Šumperk. Část 1, Praha 1985, 251-265; Jirásek, Zdeněk, Problematika Kladska v československo-polských stycích (květen 1945 - březen 1947), in: Slezsko v československo-polských vzazích 1918-1947, Opava 1991, 55-60; Pałys, Piotr, Sztuacja na pogranicyu polsko/czechosłowackim w Kłodzkiem w maju i cyerwcu 1945 r., Kladský sborník, roč. 2, 1998, 263-269.

[108] Káňa, Otakar, Historické proměny pohraničí. Vývoj pohraničních okresů Jeseník, Rýmařov, Bruntál a Krnov po roce 1945, Ostrava 1976.

[109] Filip, Zdeněk / Spurný, František, Počátky osídlování severní Moravy v roce 1945, in: Severní Morava 12/1965, 21-32; Dieselben, K problematice odsunu Němců a osídlování severní Moravy, in: O nejnovějších dějinách střední a severní Moravy, 1938-1960, Olomouc, KPÚ 1965, 56-71; Weitere Artikel zur Wiederbesiedlung in Nordmähren: Lasovský, Dalibor, Osídlování severní Moravy ve světle materiálů Zemského národního výboru v Brně, in: Etnické procesy v pohraničí českých zemí po roce 1945. Společnost a kultura. Sborník referátů přednesených na konf. s mezin. účastí Ústavu pro etnografii a folkloristiku ČSAV konané ve dnech 5.-8. listopadu 1984 v Sobotíně. okr. Šumperk. Část 2, Praha 1985, 188-194; Maňas, J., Příspěvek k novoosídlení pohraničí na severní Moravě, in: Zprávy Okresního archivu v Bruntále, 1982, 56-60.

[110] Kutnohorská, J., Osídlování okresů expozitury ZNV v Ostravě (1945-1947), in: Slezský sborník 76, 1978, 1-12; Kutnohorská-Kiebelová, Jana, Osídlování zemědělských usedlostí v expozituře ZNV Ostrava, in: Frolec, Ivo (ed.), Demokratické tradice ve vývoji československého zemědělství po roce 1918, Uherské Hradiště 1991, 123-134.

[111] Strnadel, Milan, K odsunu Němců z Opavska, in: Vítězný únor v Severomoravském kraji. Sborník statí, Ostrava 1974, 109-126; ders., K otázce osídlování Opavska po r. 1945, in: Vítězný únor v Severomoravském kraji. Sborník statí, Ostrava 1974, 127-142.

[112] Vgl. u.a.: Pavelčíková, Nina, Postoje obyvatel Hlučínska v letech politických zvratů 1930-1945, in: Slezský sborník 88/1990, 280-295; Plaček, Vilém, Hlučínské specifikum v letech 1945-1948 (koncepce, návrhy, náměty), in: Časopis Slezského muzea - Série B. Vědy společenské 30/1981, 193-214; ders., Národnostní struktura obyvatelstva na Hlučínsku v prvních letech po osvobození, in: Časopis Slezského muzea v Opavě, 1974, č. 2, s. 149-165; Sommer, Karel, K politickému vývoji na Hlučínsku v první polovině 20. let, in: Slezský sborník 87/1989, 121-135. Weitere Beiträge unter Kapitel 6.3.5 der Bibliographie.

[113] Mládek, J., Některé problémy zemědělského osídlování jihomoravského pohraničí, in: Sborník Matice moravské 1965; Petráš, Jiří / Svátek, František, Odsun Němců. Česko-německé soužití a odsun německého obyvatelstva na jižní hranici s Rakouskem v letech 1945 až 1947, in: Komlosy, Andrea / Bůžek, Václav / Svátek, František (ed.) Kultury na hranici. Jižní Čechy - Jižní Morava - Waldviertel - Weinviertel, Wien 1995, 313-324 [auch auf Deutsch erschienen in der deutschen Fassung des Buches „Kulturen an der Grenze“, identische Herausgeber]; Slezák, Lubomír, Mikulovsko po druhé světové válce a zemědělské osídlování, in: Jižní Morava, 1975, 109-126.

[114] Školl, Jaroslav, Nové osídlení okresu Břeclav po roce 1945, Břeclav / Mikulov 1983.

[115] Pešek, Jan, Nástup k osídlování jihočeského pohraničí (jaro 1945-léto 1946), in: Jihočeský sborník historický 60/1986, 23-35; ders., Dokončování poválečného osídlování jihočeského pohraničí (léto 1946-podzim 1947), in: Ebenda, 69-80; ders., Osídlování jihočeského pohraničí v letech 1947-1953, in: Ebenda, 133-143. Daran schloss ein weiterer Artikel über die Zuendebesiedlung in den 1950er Jahren an. Bereits Anfang der 1970er Jahre ist erschienen: Marek, František, Osídlovaní jihočeského pohraničí v letech 1945-1947, in: Ebenda 41/1972, 164-174.

[116] Petráš, Jiří / Svátek, František, Osdun Němců. Česko-německé soužití a odsun německého obyvatelstva na jižní hranici s Rakouskem v letech 1945 až 1947, in: Komlosy / Bůžek / Svátek, Kultury na hranici, 313-324; Secká, Milena, Osídlování jihočeského pohraničí. Jihočeská vesnice v letech 1945-1960, in: Ebenda, 325-330 [dt. Fassung in der parallel erschienenen dt. Version des Sammelbands ‚Kulturen an der Grenze‘].

[117] Cífka, S. / Rýdl, M / Pecka, J., K problematice jižních Čech v letech 1945-1948, České Budějovice 1968, Dvořák, Jiří, Jižní Čechy v období 1945-1946 (Pohraničí, odsun Němců a příchod osídlenců), in: Česko-slovenská historická ročenka 1996, 59-65.

[118] Krýdl, Milan, Příspěvek ke studiu národnostní, sociální a politické skladby obyvatelstva Kaplicka po druhé světové válce, in: Jihočeský sborník historický 54/1985, 117-127.

[119] Burachovič, Stanislav, Když odešli Němci: Několik úvah k osudu západního Krušnohoří po odsunu Němců, in: Historický sborník Karlovarska, 1/1993; Matějček, J., Otázky osídlování a vývoje pohraničí v roce 1945 a Sokolovsko, in: Minulostí Západočeského kraje 1970; Schmidt, Theoderich, Eine sudetendeutsche Stadt. Graslitz und seine Bürgerschaft einst und jetzt. Ergebnisse einer empirischen Untersuchung, Marburg 1983 (Sozialwissenschaftliche Studien zur Zwischenbilanz der Flucht, Vertreibung und Aussiedlung; 1).

[120] Toms, Jaroslav, K problematice odsunu Němců a osídlování Karlovarska (1945-1953), in: Minulostí Západočeského kraje XXI, 1985, 27-54; Toms, J., Karlovarsko na cestě k Únoru 1948, in: K dějinám Karlovarska II, Karlovy Vary 1968, 87-124.

[121] Bělohlávek, Miloslav, Jihozápadní Čechy v letech 1945-1948, in: Minulostí Západočeského kraje XVIII., 1982; Holá, Věra, Osídlení šumavského pohraničí na Sušicku 1945-1948, in: Minulost Západočeského kraje 17/1981, 27-36.

[122] Schallner, Dieter, Divoký odsun Němců z bývalého soudního okresu Jihlava (Materiálová studie), in: Res historica 1, 1992, 33-44.

[123] Kmoníček, J., Příspěvek k odsunu sudetských Němců ze Svitavska a Ústecka v letech 1945-1946, in: Přehled, 6, 1968, 13-29; Skřívánek, Milan, Odsun Němců ze Svitavska 1945-1947, Hradec Králoé, Historický klub 1995.

[124] Lukas, Jiří, Odsun němekého obyvatelstva z Prahy v roce 1946, in: Pražský sborník historický 23, 1990, 88-117; Radvanovský, Zdeněk, Několik poznámek k odsunu německého obyvatelstva z Prahy v roce 1946 (Na okraj články J. Lukase v Pražském sborníku historickém 23), in: Pražský sborník historický 26, 1993, 138-148.

[125] Nováček, Silvestr, Vystěhování Němců z Brna a odsun z jihomoravského pohraničí, Říčany 1996.

[126] Zemanová, Renata, Osídlení obcí bývalého jazykového ostrůvku na Vyškovsku po roce 1945 a začátky socialisace vesnice, in: Zpravodaj Muzea Vyškovska 1984, 9-12.

Ende der Leseprobe aus 371 Seiten

Details

Titel
Die Besiedlung der Grenzgebiete der böhmischen Länder 1945-1950
Untertitel
Forschungsstand, ausgewählte Probleme und Arbeitsbibliographie
Hochschule
Universität Wien  (Institut für Osteuropäische Geschichte)
Note
1.0
Autor
Jahr
2001
Seiten
371
Katalognummer
V86086
ISBN (eBook)
9783638901017
ISBN (Buch)
9783638902564
Dateigröße
11893 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Besiedlung, Grenzgebiete, Länder
Arbeit zitieren
Adrian von Arburg (Autor), 2001, Die Besiedlung der Grenzgebiete der böhmischen Länder 1945-1950 , München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/86086

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