Keltische Daseinsdeutung und die Latènekunst

Untersuchungen über die bildliche Umsetzung der inselkeltischen Mythologie und der keltischen Daseinsdeutung in der Latènekunst anhand von österreichischen Funden


Doktorarbeit / Dissertation, 1998
461 Seiten, Note: 2,0

Leseprobe

INHALTSVERZEICHNIS

Danksagung

Einleitung

ERSTER TEIL
I. DIE LATÈNEKUNST
I.1. Einführung
I.2. Allgemeines über das Kunsthandwerk
I.2.1. Die Verzierungsgegenstände
I.2.2. Das Material
I.2.3. Die Verarbeitungs- und Verzierungstechniken
I.3. Keltische Münzen
I.4. Die Einflüsse
I.4.1. Orientalische Einflüsse
I.4.2. Mediterrane Einflüsse
I.4.3. Skythen und Thraker
I.4.4. Die Hallstattkultur
I.4.5. Die Situlenkunst
I.5. Über die Entstehung der Latènekunst
I.6. Die Kunststile während der Latènezeit
I.6.1. Der Frühe Stil
I.6.1.1. Die ersten Werke
I.6.1.2. Enge Beziehungen zu den Mittelmeerkulturen während der Frühlatènezeit
I.6.1.3. Das „Fürstengrab“ von Kleinaspergle
I.6.1.4. Das „Fürstengrab“ von Reinheim
I.6.1.5. Der Goldschmuck aus Erstfeld
I.6.2. Der Waldalgesheimer Stil
I.6.3. Der Plastische Stil
I.6.4. Die Zeit der Oppida
I.6.5. Die Schwerter
II. DIE KELTISCHE DASEINSDEUTUNG
II.1. Das Quellenmaterial
II.1.1. Keltische Aufzeichnungen
II.1.2. Archäologische Funde
II.1.3. Berichte und Erwähnungen bei antiken Autoren
II.1.4. Ethnologie, Mythenvergleiche, Linguistische Auswertungen und Etymologien
II.1.5. Inselkeltische Handschriften
II.1.6. Brauchtum und Volksglaube
II.2. Untersuchungen über die keltische Weltdeutung
II.3. Die Druiden
II.4. Über die „Lehre“ der Druiden
II.4.1. Über schamanistische Elemente in der keltischen Daseinsdeutung
II.4.2. Opferriten und Kopfjagd
II.5. Der Naturkult
II.5.1. Der Fruchtbarkeitskult
II.5.2. Pflanzenkunde
II.5.3. Heilige Tiere
II.5.3.1. Die Schlange
II.5.3.2. Der Hirsch
II.5.3.3. Das Rind
II.5.3.4. Das Pferd
II.5.3.5. Das Schwein
II.5.3.6. Der Vogel
II.5.3.7. Der Hund
II.6. Untersuchungen über die Keltische Götterwelt
II.7. Gottheiten mit römischen Namen
II.7.1. Der keltische Mercurius
II.7.2. Der keltische Apollo
II.7.3. Der keltische Mars
II.7.4. Der keltische Jupiter
II.7.5. Die keltische Minerva
II.7.6. Der keltische Dis Pater
II.8. Männliche Gottheiten mit keltischen Namen
II.8.1. Taranis
II.8.2. Teutates
II.8.3. Esus
II.8.4. Cernunnos
II.8.5. Sucellos
II.8.6. Belenus und Grannus
II.8.7. Smertrius
II.8.8. Ogmios
II.9. Weibliche Gottheiten
II.9.1. Epona
II.9.2. Rosmerta
II.9.3. Weibliche Gottheiten der Natur und der Himmelskörper
II.10. In der inselkeltischen Mythologie genannte Götter
II.10.1 Der irische Dagda
II.10.2. Der irische Aengus mac Oc
II.10.3. Die irische Brigit
II.10.4. Der irische Midyr
II.10.5. Der irische Diancecht
II.10.6. Der irische Balor
II.10.7. Der irische Bress
II.10.8. Die irische Dana/Ana - kymrische Don
II.10.9. Der irische Manannan mac Lir - kymrische Manawyddan
II.10.10. Der irische Lugh - kymrische Gwyddion
II.10.11. Der irische Goibniu - kymrische Govannon
II.10.12. Der irische Nuada - kymrische Nudd / Llud
II.10.13. Der kymrische Mabon mac Modron
II.10.14. Der kymrische Bendigeidvran
II.10.15. Der kymrische Pwyll-Arawn
II.10.16. Die kymrische Rhiannon
II.11. Götterdarstellungen ohne Namensnennungen
II.11.1. Der Radgott
II.11.2. Der Gott in der „Buddhahaltung“
II.11.3. Der dreiköpfige Gott
II.11.4. Der Genius Cucullatus
II.11.5. Der Hammer- oder Schlegelgott
II.11.6. Die Schlange mit dem Widderkopf
III. DIE KELTISCHE MYTHOLOGIE
III.1. Einführung
III.1.1. Über die Bedeutung der Mythen
III.2 Über die Bedeutung des Tieres in den inselkeltischen Mythen
III.3. Über die inselkeltische Gesellschaft
III.3.1. Die Stellung der Frau
III.3.2. Das Königtum
III.3.3. Die Priesterklasse
III.3.4. Die Krieger
III.3.5. Die Handwerker
III.3.6. Die Ackerbauern und Viehzüchter
III.4. Die irischen Mythen
III.4.1. Die Besiedlung Irlands und die Kämpfe zwischen der einheimischen Bevölkerung und den Einwanderern
III.4.2. Die erste Schlacht und ihre Folgen
III.4.3. Die zweite Schlacht und ihre Folgen
III.4.4. Der Kampf gegen die „Söhne des Mile“
III.4.5. Der Rückzug in die „Andere Welt“
III.4.5.1. Erzählungen über die „Andere Welt“
III.4.5.2. Erzählungen über die Bewohner der „Anderen Welt“
III.4.6. Der Sagenkreis von Ulster
III.4.6.1. Tochmarc Etaine, „Das Werben um Etain“
III.4.6.2. Togail bruidne ui Dergae, „Die Zerstörung der Halle von Ua Dergae“
III.4.6.3. Scel mucce Maic Datho, „Die Geschichte vom Schwein des Mac Datho
III.4.6.4. Longas mac n-Uislenn, „Die Verbannung der Söhne Uisliu´s“
III.4.6.5. Tain Bo Fraech, „Das Wegtreiben von Fraechs Rindern“
III.4.6.6. Die CuChulainn-Sage
III.4.6.6.1. CuChulainns Geburt und Jugendtaten
III.4.6.6.2. Tochmarc Emire, „Die Werbung um Emer“
III.4.6.6.3. Die CuRoi-Sage
III.4.6.6.4. Fled Bricrenn, „Bricruis Gastmahl“
III.4.6.6.5. Serglige ConCulainn ocus aemet Emire, „CuChulainns Krankenlager und Emers einzige Eifersucht“
III.4.6.6.6. De cophur in da mucado, „Vomder zwei Schweinehirten“
III.4.6.6.7. Die Sidhe Macha
III.4.6.6.8. Tain Bo Cuailnge
III.4.6.6.9. Brislech mór Maige Muirtheimne, „Das große Fällen von Mag Muirtheimne“
III.4.7. Der Sagenkreis um Finn
II.4.7.1. Die Fienna
III.4.7.2. Finns Jugend und Liebesabenteuer
III.4.7.3. Kämpfe und Jagdabenteuer
III.4.7.4. Die Legende von Grainne und Diarmaid
III.5.Überlieferungen aus Wales
III.5.1. Walisische Erzählungen
III.5.2. Die Mabinogion
III.5.2.1. Pwyll Pendevig Dyved
III.5.2.2. Branwen verch Llýr
III.5.2.3. Manawyddan vab Llýr
III.5.2.4. Math vab Mathonwy
III.5.3. Das Taliesin Epos
III.5.4. Der Sagenkreis um Arthur und die Ritter der Tafelrunde
III.5.4.1. Peredur vab Evrawc
III.5.4.2. Kulhwch ac Olwen, „Kulhwch und Olwen“

ZWEITER TEIL DIE LATÈNEZEIT IN ÖSTERREICH
1. Einführung
2. Szenische Darstellungen auf österreichischen Latènefunden
3 Die Latènezeit in der Steiermark
3.1. Latèneschwerter aus der Steiermark
4. Der Dürrnberg bei Hallein
4.1. Bestattungen und Beigaben aus dem Gebiet des Dürrnberg
4.2. Die Fürstengräber vom Dürrnberg
4.3. Zwei bedeutende Mädchengräber vom Dürrnberg
5. „Kultstäbe“ und Eberdarstellungen
6. Die Dreiermotive
7. Das Speichenrad als Symbol des Mondes und der Zeit
8. Weitere abstrakte Symbole und ihre Bedeutung
9. Vogeldarstellungen
10. Die Schlange in der Latènekunst
11. Das Hirschmotiv und seine Bedeutung
12. Das Rindermotiv und seine Bedeutung
13. Das Pferd und der Wasserkult
14. Anthropomorphe Darstellungen während der Latènezeit
15. Mischwesen und Tierkopffibeln
16. Zirkelornamente
Zusammenfassung
Abkürzungsverzeichnis
Literaturverzeichnis
Bildnachweis
Anmerkungen

Danksagung

Für die wissenschaftliche Betreuung möchte ich mich bei Herrn Prof. Schweigert, der mir als Erstbegutachter seine Erfahrung zur Verfügung stellte, und bei Herrn Prof. Pochat als Zweitbegutachter für das Verständnis, das er meiner Arbeit entgegenbrachte, bedanken. Mein Dank geht besonders an Herrn Prof. Grabner-Haider vom Philosophischen Institut der Karl-Franzens-Universität in Graz, der mir jederzeit mit seinem umfangreichen Wissen behilflich war. Außerdem danke ich Herrn Prof. Woschitz vom Religionswissenschaftlichen Institut derselben Universität, der so liebenswürdig war, mir meine vielen Fragen über die keltische Mythologie zu beantworten.

Mein Dank gilt auch Frau Dr. Holzer und Herrn Dr. Kern vom Naturhistorischen Museum für die Besichtigung und Bestandsaufnahme der Ausstellungsgegenstände, sowie Herrn Dr. Uenze von der Prähistorischen Staatssammlung in München, Frau Pfundner vom Landesmuseum Joanneum Eggenberg in Graz und Herrn Dr. Hebert vom Bundesdenkmalschutzamt Graz, der mir den Bericht über das Bronzeköpfchen von der Riegersburg zukommen ließ. Allen Mitarbeitern der Museen, die mir Material zur Verfügung stellten, sei an dieser Stelle ebenfalls herzlichst gedankt.

Für ihr Verständnis und ihre seelische Unterstützung danke ich meinen Eltern, die mir die Fertigstellung dieser Arbeit überhaupt erst ermöglicht haben, außerdem meiner Schwester Iris und ihrem Ehemann Wolfgang, der mir bei Problemen mit dem Computer immer hilfreich zur Seite stand, meiner zweiten Schwester Annette, die sich für das Korrekturlesen dieser Arbeit zur Verfügung stellte und ihrem Ehemann Raimund, meinem Lebensgefährten Harald, der mir außerdem seinen Computer zur Verfügung stellte, meinen Freunden Christine, Ines und Thomas, sowie meinem Brieffreund Wolfgang, der mir geholfen hat, meine Arbeit ab und zu mit den Augen eines Außenstehenden zu betrachten.

Mein besonderer Dank geht an Anton Steffan, den Kurator des Burgmuseums Deutschlandsberg, der mir sein gesamtes Fundmaterial aus der Latènezeit für Untersuchungen zur Verfügung stellte und Kenntnisse über Zuordnung, Materialbeschreibung und Verarbeitungstechniken von archäologischen Funden vermittelte. In regelmäßigen Diskussionen haben er und seine Freunde Karl, Andreas und Markus mir viele Anregungen für meine Analysen gegeben.

Einleitung

Die folgenden Untersuchungen sollen einen Einblick in die geistigen Vorstellungen der keltischen Bevölkerung im österreichischen Raum von der Mitte bis gegen Ende des ersten vorchristlichen Jahrtausends geben. Im Rahmen dieser Arbeit war es nur möglich auf die keltischen Funde aus der Latènezeit näher einzugehen, obwohl viele der, in der Latènekunst verwendeten Motive bereits auf Werken der Urnenfelder- und Hallstattkultur abgebildet worden waren und es zu untersuchen wäre, ob die Träger dieser vorangegangenen Kulturen nicht bereits ähnliche religiöse Vorstellungen sowie Mythen hatten und somit als „Kelten“ zu bezeichnen sind.

Der erste Teil beginnt mit einer Beschreibung der Wesenszüge und Fremdeinflüsse der Latènekunst und beinhaltet eine chronologische Einteilung ihrer Kunststile. Daran schließt ein Kapitel über die keltische Daseinsdeutung an. Die Beschreibungen keltischer Gottheiten, Jenseitsvorstellungen und Kulthandlungen beziehen sich sowohl auf die Literatur antiker Schriftsteller, die Mythen der Inselkelten als auch auf moderne Forschungsergebnisse. Der erste Teil schließt mit einer Zusammenfassung der keltischen Mythologie ab, wobei Erzählungen, die zur Erklärung keltischer Darstellungen beitragen können, ausführlicher behandelt werden.

Der zweite Teil geht auf die Fundsituation verschiedener Gebiete im heutigen österreichischen Raum während der Latènezeit ein. Die Entwicklung auf dem Dürrnberg, die Fundsituation in der West- und Südsteiermark und die Sonderstellung des Rärtergebietes während der Latènezeit sind in einer kurzen Zusammenfassung wiedergegeben. Es folgt eine Analyse ausgewählter Latènefunde, deren Formen oder Verzierungen Aufschluß über die geistigen Vorstellungen der Bevölkerung geben können.

Es war übersichtlicher, die Funde nicht nach ihren Kunststilen in chronologischer Reihenfolge anzuführen, sondern bestimmte Themen und Bildinhalten aus der keltischen Mythologie und Daseinsdeutung herauszuarbeiten und Beispiele für ihre Verwendung im österreichischen Raum anzuführen. Eine Beschreibung und Analyse aller Latènefunde wäre zu umfangreich gewesen und hätte den Rahmen dieser Arbeit überstiegen.

Durch Vergleiche dieser Themen mit antiken und inselkeltischen Überlieferungen konnte eine Interpretation des gedanklichen Hintergrundes der Darstellungen unternommen werden. Viele dieser Interpretationen werden in den anderen Kapiteln näher erklärt. Wenn beispielsweise die Tierköpfe der Schlangenwesen auf dem Gürtelhaken von Hölzelsau als Pferdeköpfe bezeichnet und in Verbindung mit den Wasservögeln zu Verkörperungen von Wassergottheiten gemacht werden, dann finden sich nähere Erklärungen sowohl in dem Kapitel über die Daseinsdeutung, wo der Naturkult und die Bedeutung heiliger Tiere näher erklärt sind, als auch in dem Kapitel über die Mythologie, in dem es viele Erzählungen über Pferde gibt, die mit einem Fluß oder einem See verbunden sind und einen Bezug zur „Anderen Welt“ haben.

Letztendlich sei darauf hingewiesen, daß die Erforschung einer prähistorischen Kultur nur erfolgreich sein kann, wenn die Ergebnisse der Studien aus allen Bereichen der Geistes- und Naturwissenschaften zu gemeinsamen Thesen führen.

ERSTER TEIL

I. DIE LATÈNEKUNST

„Wenn es überhaupt berechtigt ist,
den freilich kontrovers erörterten Begriff des Kunstwollens
auf die Kunst eines prähistorischen Zeitalters anzuwenden,
dann trifft er auf die neuartige, radikale Stilrichtung
der Frühlatènezeit unbestreitbar zu.“

G.Kossack[i]

I.1. Einführung

Die „La Tene“-Kultur ist nach einem Fundort an dem See Neuchatel in der Schweiz benannt, aber die reichsten Funde der frühen Latènekunst wurden weiter im Norden in der Region des mittleren Rheingebietes und im Hunsrück-Eifel-Gebiet entdeckt. Die keltischen Funde aus dem österreichischen Gebiet werden erst im anschließenden Kapitel beschrieben.

Die Latènekunst bildete mit den geistigen Vorstellungen ihrer Zeit eine Einheit. Sie war gekennzeichnet durch Umgestaltungen und Metamorphosen, Einfallsreichtum bei den Motivkombinationen, ihre Versessenheit auf das Phantastische, kaum Faßbare und auf die bildliche Umsetzung von Illusion und Ironie. Die Wesenszüge der Latènekunst beruhten auf einem hochentwickelten Kunstgewerbe. Die Kelten hinterließen eine Vielzahl an figural und ornamental verzierten Werken, aber nur wenige Steinskulpturen und architektonische Denkmäler.

Die keltischen Künstler der Latènezeit gingen mit den Vorlagen und Traditionen der Vergangenheit sehr frei um. Sie übernahmen von den orientalischen, mediterranen und autochthonen Kulturen verschiedene Motive[ii] und Formen, veränderten sie und paßten sie sowohl den eigenen Vorstellungen, als auch dem eigenen Kunstgeschmack an.

Das kumulative Aufbauprinzip wurde durch das Verbinden von figuralen und vegetabilen Motiven ersetzt. Es sollte die Metamorphose von einem Wesen in ein anderes dargestellt werden, dabei versuchte man die Verwandlung selbst und nicht das Endprodukt bildlich umzusetzen. Pflanzen konnten die Gestalt eines Tieres oder eines Menschen mit Pflanzenauswüchsen annehmen, aus diesen Zwitterbildungen entstanden Phantasiegestalten.

Die Kunst befreite sich im Laufe der Latènezeit immer stärker von ihren Vorbildern und entwickelte eigene Formen und Motive. Ornamente wurden in ihre Einzelteile zerlegt und auf andere Weise zusammengesetzt. Der Sinngehalt des neu entstandenen Ornaments änderte sich und konnte mehrere Lesarten zulassen.

Im keltischen Siedlungsraum traten während der Latènezeit neue Formen und Verzierungsträger[iii] auf. Dazu gehörten Hohlbuckelringe, der Torques mit Pufferenden, Latènefibeln, verzierte Schwertscheiden, Henkelvasen und Münzen. Die Keramikformen erhielten neue Profile und es wurden vermehrt Glaserzeugnisse hergestellt. Emaileinlagen wurden immer beliebter.

Zu den neuen Motiven zählten das Pelta, die an- und abschwellende Ranke, die Blattspirale, die Blattkrone, das in einen Kreis eingeschriebene S-Motiv, das Geflecht als Grundmuster, die ein eigenes Motiv bildenden Leerräume, die Fülldreiecke und viele andere. Mit dem Auftreten des Waldalgesheimer Stils begannen die keltischen Künstler, die vegetabilen Ornamente dreidimensional und die figuralen Verzierungen rundplastisch hervorzuheben.

Nach P.M.Duval[iv] gibt es vier Kennzeichen für die Definition der keltischen Kunstdenkmäler während der Latènezeit. Erstens würde der pflanzliche Dekor dominieren, zweitens käme es zu plastischen Ausführungen, drittens würden fortlaufende Kompositionen überwiegen und viertens praktizierte man die Umgestaltung, die Metamorphose. Trotzdem hätten die Kelten neben dem kurvolinearen Dekor weiterhin symmetrisches oder mit dem Zirkel konstruiertes Ornament verwendet.

I.2. Allgemeines über das Kunsthandwerk

I.2.1. Die Verzierungsgegenstände

Die Kelten waren Meister der Kleinkunst und hatten eine Vorliebe für auffällige Ornamente, die sie der Form des zu verzierenden Objektes anpaßten. Einige der typisch keltischen Motive entstanden in dem Bemühen die Verzierung an die Form des Objektes anzugleichen. Vielleicht ist diesem Bestreben auch die Vorliebe der keltischen Künstler für das kurvolineare Ornament zuzuschreiben.

Die Motive scheinen aber nicht nur nach rein ästhetischen Gesichtspunkten gewählt und willkürlich angebracht worden zu sein, sondern dürften in den meisten Fällen eine magische oder symbolische Bedeutung besessen haben. Unter den Archäologen werden zwei verschiedene Auffassungen vertreten: Die einen sind der Meinung, daß alle Verzierungselemente eine ausschließlich religiöse Bedeutung haben, die anderen halten sie für rein dekorativ[v]. Die Wahrheit liegt wahrscheinlich, wie meistens, irgendwo in der Mitte.

Bei einigen Verzierungselementen ist die Bedeutung klar zu erkennen, bei anderen ist der Sinn im Laufe der Zeit verlorengegangen. Ein typisch keltisches Merkmal war der Brauch Schwertscheiden zu verzieren. Die Bildsymbolik des Dekors sollte den Gegner nicht nur beeindrucken, sondern auch einschüchtern und schwächen, den Träger hingegen mutig und siegreich machen. Fibeln und Schmuck wurden am Körper getragen und waren geeignete Symbolträger. Diese Symbole schützten vor Krankheiten, Unglück und bösen Einflüssen.

Die Art der Ornamente oder ein bestimmtes Motiv signalisierten sicher in vielen Fällen den Rang des Trägers. Vermutlich besaß manchmal sogar der verzierte Gegenstand selbst eine spezielle Bedeutung, die sich heute nicht mehr feststellen läßt. Ohne eindeutige mündliche oder schriftliche Überlieferungen ist es sehr schwer, den religiösen Wert und kultischen Zweck eines Gegenstandes zu bestimmen.

Das häufigste Fundobjekt ist die Fibel[vi]. Sie hielt das Gewand an den Schultern und auf der Brust zusammen wie eine Sicherheitsnadel. Da sie zum persönlichen Eigentum gehörte und am Körper getragen wurde, konnte sie die Funktion eines Amulettes übernehmen und mit symbolischen Darstellungen versehen sein. Dekor und Größe variieren, aber es gibt spezifische Fibeltypen, die oft zur Datierung eines Fundes herangezogen werden.

Zu den Schmuckstücken zählen Ringe, Arm- und Beinreifen, Ohrringe und der bei den Kelten besonders beliebte Torques [vii]. Torques ist die Bezeichnung für einen Halsreif, der offen oder geschlossen, im Vollguß oder in Röhrenform, als elastisches Ganzes oder in Teilstücke gegliedert, mit und ohne Pufferenden vorkommt. Dieselben Formen lassen sich auch bei Armringen nachweisen.

Gürtelketten waren zu Beginn der Latènezeit mit Gold- und Bronzeplättchen besetzt. Gegen Ende der MittelLatènezeit wurden sie immer prunkvoller und erhielten Emaileinlagen. Große Haarnadeln mit einem verzierten Kopf und Halsketten aus Koralle oder Glasperlen gehörten auch zu den am Körper zu tragenden Objekten. In Großbritannien entdeckte man große Bronzespiegel mit verzierter Rückseite aus der SpätLatènezeit.

Zur Grabausstattung höher gestellter Krieger gehörte ein Prunkschwert aus Eisen. Die Schauseite der Scheide ist oft aus Bronze und besitzt eine Verzierung. Außerdem wurde ihm ein Langdolch, der kürzer und breiter als das Schwert ist, eine Lanze, deren Blatt und Lanzenschuh mit Beschlägen und einer Gravierung versehen sein können und wahrscheinlich ein Bogen, der aber nur durch Abbildungen auf Münzen bezeugt ist, beigegeben.

Zu den Verteidigungswaffen zählte ein langer Schild, der oval, rechteckig oder sechseckig sein konnte und einen Schildbuckel sowie Beschläge aus Bronze hatte. Der Schild selbst bestand häufig aus vergänglichen Materialien wie Holz oder Leder. In seltenen Fällen war er aus Metall. Manche Krieger trugen einen Metallhelm, der häufig plastische Applikationen und gravierte oder getriebene Ornamente auf der Helmwölbung und den Schutzplatten von Wange und Nacken besitzt. Unter den Beigaben in einem Kriegergrab fanden sich außerdem durchbrochene und mit getriebenem Dekor versehene Phaleren und Gürtelhaken aus Bronze, Streitwagenteile und Pferdegeschirr. Die Wagenbaukunst war bei den Kelten hoch entwickelt und wurde teilweise von den Römern übernommen[viii]. Von kunsthistorischer Bedeutung sind vor allem die verschiedenen, mit Dekorationen versehenen, Metallteile an Streit- und Prunkwagen.

Feldzeichen sind nur durch Münzen und antike Darstellungen belegt. Sie zeigen Eber- und Stierstatuetten, die stabartigen Gebilden aufgesetzt sind. Ein Keilerkopf und eine durchbrochene Bronzescheibe bilden den Schalltrichter einer carnyx. Carnyx ist die Bezeichnung für eine aufrechtstehende Kriegstrompete, von der sich Abbildungen auf dem Kessel von Gundestrup erhalten haben.

Das Tafelgeschirr bestand aus Trinkhörnern, Siebtrichtern, Schnabelkannen, Trinkschalen, Henkeltassen, Bechern und mit Bronzeblech verzierten Holzeimern in verschiedener Größe. Es gab Kessel, Schalen, Feuerböcke, Becken und Messer mit plastischen Griffen. Nicht zu vergessen sind die zahlreichen Importwaren aus dem mediterranen Kulturkreis.

Die nach der Form des Ausgusses benannte „Schnabelkanne“ hat ihre Vorgänger in Etrurien[ix]. Sie entwickelte sich von der Schnabelkanne über die Tüllenkanne zur Röhrenkanne[x]. Zunehmend wurden die Gefäße dann in Ton nachgeahmt. In der Latènezeitlichen Keramik überwiegen runde Formen und kurvolineares Dekor. Die zerbrechliche Gebrauchsware wurde größtenteils vor Ort hergestellt, daher lassen sich lokale Unterschiede von Formen und Verzierungen anhand der Keramik gut nachvollziehen.

Einen eindeutig religiösen Bezug haben verzierte Menhire und Holz-, Stein- oder Bronzestatuen, die Götter oder Heroen und Tiere darstellen. Wahrscheinlich markierten sie Grabhügel und heilige Orte oder sie waren in Heiligtümern aufgestellt. Münzen wurden in einheimischen Werkstätten hergestellt. Zwar ist das Vorbild in den meisten Fällen zu erkennen, aber die Darstellung war sinngemäß verändert und den eigenen Vorstellungen angepaßt worden. Die Abbildungen mußten sich von einem Gebiet zum nächsten unterscheiden, um den Herrschaftsanspruch eines bestimmten Stammesoberhauptes bekräftigen zu können.

Wertvolle Objekte weihten die Kelten den Göttern oder gaben sie den Verstorbenen mit in das Grab. Votivgaben finden sich in fließenden und stehenden Gewässern, in Mooren oder am Fuß hoher Berge. Viele der Stücke besitzen ein hohes künstlerisches Niveau. Im Gegensatz dazu sind die meisten Amulette von geringem künstlerischen Wert.

I.2.2. Das Material

Über die Verwendung von organischen Materialien ist uns nur sehr wenig bekannt, da sie sich nur in den seltensten Fällen erhalten haben. Diodor[xii] berichtet, daß die Kleidung der Kelten sehr bunt und mit Streifen, Rechtecken und Karos versehen war. Sie hätten gefärbte Chitones und Brakes [xi] [xiii] getragen und an ihren gestreiften Mänteln wären Schnallen befestigt gewesen.

Vermutlich färbten und bedruckten die Kelten das Leder, eventuell wurde es sogar ziseliert, getrieben und reliefiert. Verwendung fand es bei der Herstellung von Schilden, Helmen, Gürteln, Schuhwerk, Sätteln, Zaumzeugen und vielen anderen Dingen. Aus Weidenzweigen und Stroh entstand prächtiges Flechtwerk. Abgesehen von Pflanzenfarben benutzten die Kelten auch den aus der Schnecke gewonnenen Purpur und vielleicht wie die Skythen Filz. Es ist anzunehmen, daß Holz, Stein und Leder bemalt gewesen sind, obwohl sich die Bemalung nicht erhalten hat.

Nicht alle Metalle gehören zu den unvergänglichen Materialien. Zinn[xiv] hatte einen ähnlichen Glanz wie Silber und erfreute sich großer Beliebtheit, da es wesentlich billiger war. Man stellte Gefäße aus Zinn her, verwendete es als Deckmaterial für Kupfergegenstände und verzierte Keramik mit durchbrochenen Zinnmustern. Zinn verträgt jedoch die tiefen Temperaturen in der gefrorenen Erde nicht. Der britannische Zinnhandel verlief über Gallien, einerseits der Küste folgend in Richtung Süden, andererseits an den Hauptflüssen entlang in Richtung Westen. Blei stammt aus Britannien und Gallien. Es haben sich nur wenige Anhänger und Amulette erhalten, da es sich leicht schmelzen läßt und im Laufe der Zeit immer wieder umgeschmolzen wurde.

Gold[xv] war bei den Kelten sehr beliebt und signalisierte hohes Ansehen. Es wurde zu wertvollem Schmuck und zu Münzen verarbeitet. Prunkwaffen und andere Gegenstände versah man mit Blattgoldverzierungen. An Stelle von Gold verwendete man besonders in Belgien und Britannien die Legierung Elektron [xvi]. Sie besteht aus Gold, Kupfer und Silber. Die Kelten im östlichen Gebiet verwendeten Silber wegen ihrer Nähe zu den Silberminen in den Karpaten und in Bosnien wesentlich früher.

In Anatolien wurden seit der Mitte des 2. Jahrtausends v.Chr. Waffen und Geräte aus Eisen hergestellt. Vereinzelte Eisenfunde in Europa gehören der Urnenfelderzeit an, aber allgemein setzte sich hier der Werkstoff Eisen[xvii] erst im späten 8.Jh.v.Chr. durch. Die Grundlagen der Eisengewinnung und der Schmiedetechnik stammen aus dem Vorderen Orient. Die Kelten verwendeten es für Waffen[xviii], Streitwagenteile, Pferdegeschirr, Werkzeuge und landwirtschaftliche Geräte [xix], Haushaltsgeräte[xx] und Fibeln. Das Schwertzubehör, die Fibeln und Streitwagenteile wurden einmal aus Bronze, ein anderes Mal aus Eisen hergestellt. Der Schmuck ist vor der SpätLatènezeit selten aus Eisen.

Reines Kupfer[xxi] diente nur als Untergrund für Versilberungen oder Verzinnungen. Bronze besteht aus Kupfer und Zinn. Seine Farbe und sein Glanz sind dem Aussehen von Gold ähnlich. Man erzeugte Geschirr, Kultobjekte, Schmuck, Streitwagenteile, Waffen, Trompeten und Spiegel aus Bronze, da sie leichter zu bearbeiten ist als Eisen und stärker glänzt. Einzelne Teile wurden zusammengenietet, da sich die Legierung nicht löten läßt.

Neben Bronzeringen waren in der FrühLatènezeit schwarzglänzende Armringe aus fossiler Kohle wie Lignit, Sapropelit oder Gagat beliebt. Sie hat einen geringeren Härtegrad als Metall und ist daher leicht zu bearbeiten. Die Ringe wurden mit Hilfe einfacher Drehbänke herausgeschnitten. Bernstein stammte vom Ostseestrand und wurde zu Perlen und Anhängern verarbeitet. Plinius[xxii] erwähnt seine medizinische und magische Bedeutung. Auch der roten Koralle schrieben die Kelten eine besondere Wirkung zu. Sie kam von der Mittelmeerküste und wurde für Halsketten, Armbänder, Ringe und Inkustrationen in Metallobjekte verwendet. Gelegentlich finden sich mit Ritzdekor versehene Werke aus Horn und Bein. Meistens handelt es sich um Klingen und Griffe.

Email wurde bereits gegen Ende der FrühLatènezeit zur Verzierung von Metallgegenständen verwendet. Im 4.Jh.v.Chr. entstanden die ersten Glasmacherwerkstätten im keltischen Bereich. Glaswaren treten erst seit der MittelLatènezeit häufig auf. Zur Gewinnung einer farblosen Glasschmelze werden die Rohstoffe Quarzsand, Soda und Kalk erst längere Zeit erhitzt und dann rasch abgekühlt. Durch die Zugabe von Mineralien wie Metalloxyden erhält das Glas eine bestimmte Farbe. Perlen, Armreifen, Halsringe, Anhänger und kleine Tierfiguren entstanden aus gegossenem und gezogenem Glas.

Tonerde gibt es fast überall. Es ist ein Mineralgemenge aus verwittertem feldspaltigen Gestein. Im Laufe der Zeit verbesserte man die Qualität durch die Beigabe von Magerungsmitteln wie Quarzsand. Der Formenreichtum der Tonware geht auf die zahlreichen lokalen Töpfereien zurück. Die Ostkelten[xxiii] vermischten den Ton mit einheimischem Graphit, einer Form des Kohlenstoffes, oder überzogen die Oberfläche mit einer Graphitschicht.

I.2.3. Die Verarbeitungs- und Verzierungstechniken

Zur Eisengewinnung verwendeten die Kelten den Rennofen. Die Eisenqualität hing vom Schmelzvorgang und der Erfahrung, aber auch der Geschicklichkeit des Schmiedes ab. Die Kelten stellten reines Eisen von guter Qualität her. Schwertklingen wurden aus übereinandergelegten Blechstreifen zusammengeschweißt. Die Kanten härtete man durch Überschmieden und anschließendes Abschrecken in kaltem Wasser. Die Klingen sollten scharf und hiebfest, aber dennoch biegsam sein.[xxiv]

Die Kelten kannten verschiedene Metallverarbeitungstechniken. Bei dem Guß mit der verlorenen Form wird ein Wachsmodell mit sandigem Lehm umhüllt und dann erhitzt. Wenn das Wachs schmilzt, entsteht ein Hohlraum, der mit flüssigem Metall gefüllt wird. Nach dem Erkalten zerschlägt man die Ummantelung. Jedes dieser Werke ist ein Original. Für einfache Formen und Serienstücke eignete sich das Gießen mit Gußformen aus Ton und Stein. Den Überfangguß wendete man beispielsweise bei Schwertscheiden an, um das Ortband anzufügen. Es wurde zuerst in Wachs modelliert und dann im Ausschmelzverfahren durch Metall ersetzt. Der Verbundguß verband einzelne Werkstücke durch Füllen der Nahtstelle mit flüssigem Metall. Feuerböcke und bestimmte Fibeln bestanden aus Schmiedeeisen.

Auch das Dekor wurde auf verschiedene Arten angebracht. Mit Stichel und Hammer wurde ziseliert, der Matrizenstempel wurde eingedrückt, die Gravur entstand mit dem Stichel, die Chagrinage ahmte die Narbung des Ziegenleders nach und für die Pointillage verwendete man den Meißel. Durch das Bearbeiten der Metallplatten von der Unterseite wurde die Verzierung auf der Schauseite im Relief hervorgehoben. Außerdem waren das Guillochieren, Fräsen und Retuschieren bei der Fertigstellung bekannt. Geprägt wurde mit Stempeln, aber auch indem man Gold- und Silberbleche über getriebene Bronze- und Eisenstücke preßte. Das Metallstück konnte auch mit einem Griffel oder Stichel nach einer Vorlage ausgehöhlt und die Hohlräume mit einer Farbmasse gefüllt werden. Dann bildeten die hervorstehenden Metallstege die Verzierung. Eventuell ist die „Pastillage“, bei der kleine aufeinandergesetzte „Pastillen“ zu einem Muster zusammengefügt werden, eine Erfindung der Kelten.

Die Gallier verstanden sich auf die Kunst des Versilberns und Verzinnens. Fremd waren den Kelten jedoch die Granulationstechnik und das Filigran. Bei der Granulation wird ein dünner Draht über einer Flamme geschmolzen, bis er in kleinen Kügelchen auf ein Schmuckstück tropft, um dort zu erkalten. Beide Verfahren wurden bei den Etruskern häufig angewendet. Die Kelten versahen Fibeln und Armbänder mit Metallfäden ohne sie anzulöten.

Für die Münzherstellung verwendeten die Kelten zweischalige Gußformen aus Ton. Die Münzen bestanden aus reinem Edelmetall, aber auch aus Legierungen. Häufig verarbeiteten sie eine stark zinnhaltige und mit silberhaltigem Blei angereicherte Bronze, die heute allgemein als Potin bezeichnet wird. Die keltischen Münzschneider mußten eine optische Vergrößerung gekannt haben, um ihre minuziöse Arbeit verrichten zu können. Sie dürften auch Waagen oder ähnliche Präzisionsmittel gehabt haben, damit das Gewicht der einzelnen Stücke einer Serie bestimmt werden konnte.

Die schnell rotierende Töpferscheibe ist zwar seit der Späthallstattzeit bekannt, setzte sich aber allgemein erst im 2.Jh.v.Chr. durch. Zu Beginn der Latèneperiode wurde sie auf dem Dürrnberg für hallstattzeitliche Gefäßformen wie Kegelhalsgefäßen und Schalen mit „Kragenrand“ oder Nachahmungen aus dem Mittelmeerraum wie Schnabelkannen und Ringflaschen verwendet. Später entstanden neue Formen wie Schüsseln und Flaschen mit einem verdickten, ausladenden Rand, die durch umlaufende Wülste und Ränder gegliedert wurden. Kennzeichnend für die östliche Frühlatènekultur ist die Linsenflasche. Die schönsten Stücke entstanden um 300 v.Chr., dann verschwand dieser Typus. In der Steiermark wurde die schnell rotierende Töpferscheibe schon in der ersten Hälfte des 4.Jh.v.Chr. verwendet. Mit der freien Hand waren nur Trinkschalen in Hallstattradition hergestellt worden.

Im übrigen keltischen Siedlungsgebiet findet sich größtenteils einfache, ganz oder teilweise handgemachte Töpferware. Sie war mit Ritzdekor verziert, bemalt oder besaß mit Glättwerkzeugen hergestellte Verzierungen. Einfachste Muster waren mit Stempeln aufgebracht worden, meist kleine Kreise, die zu verschiedenen geometrischen Figuren oder in einem bewußten Durcheinander angeordnet waren. Halbkreise als Grundelement für Bogenkombinationen, Sterne oder symmetrische Rosetten sind oft mit dem Zirkel aufgetragen worden.

Die teilweise sehr komplizierten Muster aus Kreissektoren ergaben sich aus der Vorstellungskraft der Künstler, die im Zirkelschlag eine geeignete Technik sahen, dem geistigen Gehalt sichtbare Gestalt zu verleihen[xxv]. Diese Ornamentik, auch wenn sie manchmal disharmonisch oder willkürlich wirkt, kann religiösen oder symbolischen Mustern folgen, die für uns heute nicht mehr nachvollziehbar sind. Erst in der Spätlatènezeit wurden im zentralen Gallien Vasen mit der schnell rotierenden Töpferscheibe hergestellt und mit Tier- und Pflanzenmotiven bemalt.

I.3. Keltische Münzen

Da sich die keltische Numismatik längst zu einem eigenen spezialisierten Zweig der Münzkunde entwickelt hat, können im Rahmen dieser Arbeit trotz der umfangreichen Symbolik vieler Münzen ihre Ergebnisse nur ansatzweise und unvollständig zusammengefaßt werden.[xxvi]

Als Material[xxvii] verwendete man Gold, Silber, Elektron [xxviii] und häufig Potin [xxix], selten Bronze und Kupfer. Das flüssige Edelmetall wurde in gebrannten Tonplatten, sogenannten Tüpfelplatten[xxx], zu gleichgewichtigen Schrötlingen gegeben, zwischen zwei Stempel, Ober- und Unterstempel genannt, gelegt und durch einen Hammerschlag geprägt. Bisweilen wurde die Münze gänzlich gegossen.

Die Entstehung des gallischen Münzwesens im 3.Jh.v.Chr. wird einerseits auf die Übernahme der Philippertetradrachme aus Silber als Entlohnung der keltischen Krieger für Söldnerdienste[xxxi], andererseits auf Handelsbeziehungen zu griechischen Handelsstädten[xxxii] zurückgeführt[xxxiii]. In der Poebene wurden bereits im 4.Jh.v.Chr. von den zur Golaseccakultur gehörigen Lepontier in kleinerem Umfang Münzen, die sogenannte „Populonia-Diadrachme“ geprägt.

Die Prototypen zahlreicher keltischer Statere und seiner Unterteilungen vom Halb- über den Viertel- bis zum Vierundzwanzigstel-Stater waren vor allem der Goldstater des Philippos II. von Makedonien und seines Sohnes Alexander III. Keltisches Silbergeld wurde hauptsächlich nach der griechischen Drachme und ihrem Vierfachen, der Tetradrachme, kopiert. Im Raum der unteren Donau erfreute sich besonders die Tetradrachme des Philippos II. großer Beliebtheit. Im Westen zeigt sich der Einfluß der griechischen Handelsstädte wie Massalia oder Rhoda, deren Bildtypen in der keltischen Münzprägung nachgeahmt wurden. Später führte das Vordringen des römischen Denars als Währung zur Übernahme seiner Bildmotive durch die Kelten[xxxiv].

Aus den fremden Vorlagen bildete sich bereits nach kurzer Zeit ein eigenständiges keltisches Münzbild, hinter dem ein sicheres Formempfinden und ein rein keltischer, symbolischer Hintergrund standen. Es wurden zahlreiche lokale Gepräge mit unterschiedlicher Qualität entdeckt. Teilweise lösen sich die Darstellungen vollkommen von ihren Vorlagen. Eine Besonderheit bildet das vor allem im Nordwesten vorkommende Pferd mit dem Menschenkopf. Auf vielen Münzen sind die Namen keltischer Fürsten wiedergegeben.

Der Gold-Stater Philipps II. zeigt auf dem Avers den Jünglingskopf des Apollo und auf dem Revers König Philipp in der biga, dem zweispännigen Wagen, darunter der Name des Königs, das Alpha-Rho-Monogramm und der Donnerkeil. Die keltischen Münzpräger nahmen den Gold-Stater als Vorlage, ersetzten das Monogramm[xxxv] „AR“ jedoch allmählich durch eine Triskele, einen Dreizack, einen Pokal oder eine auf den Kopf gestellte Lyra. Gleichzeitig stilisierten sie die Beine des Pferdes bei Überbetonung der Gelenke und brachten die ersten keltischen Fürstennamen an.

In der zweiten Phase verschwand das zweite Pferd und der Wagenlenker begann über dem Pferd zu schweben, statt der Inschrift stellte man unter dem Pferd einen Erschlagenen dar. Auf dem Avers führten nun einige Teile des Kopfes ein Eigenleben[xxxvi]. Die dritte Phase setzte Mitte des 2.Jh.v.Chr. mit dem Einkreuzen anderer Vorlagen wie dem Stater von Tarent[xxxvii] oder den syrakusanischen Prägungen des Dionysios[xxxviii] ein. Die vierte Phase begann im letzten Viertel des 2.Jh.v.Chr. und dauerte bis Cäsar an.

Die Boier in Böhmen nahmen die römischen Alkis-Prägungen als Vorlage und prägten Silbermünzen, deren Bild auf der Reversseite völlig aufgelöst worden war, weswegen sie auch „Muschelstatere“ genannt werden.

Goldene „Muschelinge“ waren in Böhmen, Mähren, der Slowakei, Ungarn und im nordöstlichen Niederösterreich bis Mitte des 1.Jh.v.Chr. im Umlauf, dann wurden sie im Preßburger und Wiener Raum vom BIATEC-Großsilber verdrängt. Gleichzeitig prägte man in Mähren eine „Alkis-Variante“, die auf dem Avers einen Krieger mit erhobenem Schwert und auf dem Revers einen Eber mit gesträubten Borsten[xxxix] zeigt. Der Muschelstater[xl] wurde wahrscheinlich bei den Boiern zum „Rolltierstater“, aus dem bei Umgestaltung des Rolltieres in einen Torques letztendlich die „Regenbogenschüsselchen entstanden.

I.4. Die Einflüsse

Viele Themen und Motive in der keltischen Kunst wurden von anderen Kulturen übernommen. Die keltischen Künstler lernten sie durch Handelsbeziehungen und über zurückgekehrte Söldner kennen.

I.4.1. Orientalische Einflüsse

Auf orientalische Einflüsse gehen Tierdarstellungen wie Widder, Pferd, Hirsch, Ziege, Löwe und Steinbock zurück. Verbreitet waren Jagd-, Kriegs-, und Tierkampfszenen. Es finden sich Phantasie- und Mischwesen mit aufgesperrtem Maul, zurückgewendetem Kopf, eingerolltem Unterkiefer und Krallen genauso wie Gottheiten mit Hörnern, das Motiv des Lebensbaumes oder die Herrin der Tiere zwischen zwei aufrecht stehenden Tieren. Sehr verbreitet waren der Dreier- und Viererwirbel.

In der hethitischen Kunst werden gefährliche Tiere mit aufgesperrtem Maul, heraushängender und auf der Unterlippe liegender Zunge, halbkreisförmigen Backenknochen und herzförmigen Ohren dargestellt. Die Sumerer hatten eine hochentwickelte Goldschmiedekunst. Sie verwendeten den Bronzeguß und legten in ihre Werke Intarsien ein. Die Reliefkunst war sehr beliebt. Der Stier wurde kultisch verehrt. Weitere Abbildungsmotive waren der Widder, der Lebensbaum, der löwenköpfige Adler und der gehörnte Gott.

Die Assyrer stellten größtenteils Kriegs- und Jagdszenen im Relief dar. Bei den Persern stand die Goldschmiedekunst in hohem Ansehen. Beliebte Themen in der Kunst waren Königsbilder und Jagdszenen. Die Kelten dürften die Darstellungsweise der Löwenmähne und die Entwicklung des Tierkörpers aus der Form des zu verzierenden Objektes[xli] von den Assyrern übernommen haben. Aus Luristan stammen heraldisch angeordnete Steinbock- und Löwenpaare sowie Königsbilder.

I.4.2. Mediterrane Einflüsse

Der proto-geometrische Stil[xlii] entwickelt sich im 11.Jh.v.Chr. Er gliederte den Gefäßkörper durch Ornamente. Verwendet wurden Punkte, Striche, Rauten, Mäander Zick-Zacklinien und Hakenkreuze. Um 900 v.Chr. wird er vom geometrischen Stil abgelöst. Der geometrische Stil im 9. und 8.Jh.v.Chr. prägte eine ganze Kunstprovinz. Besonders beliebt war bei attischen Töpfern der in horizontalen Bändern angebrachte Umlaufdekor. Er erhielt eine eigene Dynamik und machte sich vom Ornamentträger unabhängig. Seit dem 9.Jh.v.Chr. wurden silhouettenhafte Tier- und Menschenfiguren in die Darstellungen miteinbezogen. Obwohl der horizontale Dekor durch senkrechte Bänder gegliedert sein konnte, blieb die gerichtete Bewegungsenergie erhalten.

Muster aus Vierecken, Kreisen, Schachbrettern, Mäandern, Zick-Zacklinien, Dreiecken und Rhomben finden sich auch im westlichen Hallstattkreis und auf italischen Werken, aber sie unterscheiden sich alle durch ihre Kombination und Komposition sowie ihr Verhältnis zum Dekorträger[xliii].

Ab dem 7.Jh.v.Chr. lockerte sich das schematische Ornamentbild auf, es begann die Archaik. Sie hatte ihre Blütezeit kurz nach 600 v.Chr. Im Laufe des 7.Jh.v.Chr. setzte sich der orientalisierende Stil mit seinen kurvolinearen und vegetabilen Ornamenten durch. Dargestellt wurden Verzierungen aus dem konzentrischen Mäander, der Spiralranke, der Palmette und dem Lotos. Man versuchte den Dekor der Gefäßform anzupassen, womit er zu einem Faktor des tektonischen Gefüges wurde[xliv].

In Rhodos wurden im 7.Jh.v.Chr. Teller mit stilisierten Pflanzen- und Tierdarstellungen hergestellt. Szenische Darstellungen sind bei dieser dekorativen Ornamentik selten. Die korinthische Kunst ist farbenfroh und lebhaft. Sie bediente sich der altorientalischen Schemata von Jagdbildern, Tierkampfszenen und mythologischen Mischwesen. Einige Gefäße stellte man in Tierform her.

Auf mediterrane Vorbilder gehen in der keltischen Kunst stilisierte Tier- und Menschendarstellungen, dekorative geometrische und florale Ornamente und verschiedene Gefäßformen zurück.

Die Kamares-Keramik stammt aus der minoischen Kultur. Sie ist mit einem stilisierten Pflanzenmuster verziert, das sich der Gefäßform anpaßt. Eine Besonderheit der spätminoischen Kunst stellt die sogenannte „Oktopusvase“ dar, bei der sich die Fangarme um den Gefäßkörper schlingen.

In der Mykenischen Kultur finden sich gravierte und getriebene Goldarbeiten mit figuralen und vegetabilen Darstellungen, darunter zurückblickende Löwen, die orientalische Vorgänger haben. Die spätmykenische Kunst ließ das Dekor erstarren und verwendete stilisierte Ornamente.

Die Vorgänger für das Kopfmotiv dürften aus Etrurien kommen, außerdem die Silensmaske, die Schnabelschuhe[xlv], der Greif, die Löwen mit einem Tier- oder Menschenteil im Maul und der Streitwagen mit einer schneckenförmigen Einrollung. Die Etrusker besaßen ein hochentwickeltes Granulationsverfahren. In etruskischen Gräbern entdeckte man zahlreiche griechische Exportwaren. Viele der etruskischen Tiermotive, Menschendarstellungen und Bildszenen haben Vorgänger in der korinthischen Kunst. Wahrscheinlich gaben die Etrusker von den Griechen übernommene, orientalisierende Verzierungselemente an die Kelten weiter.

Nach Herodot kamen die Etrusker aus Kleinasien und beherrschten als obere Gesellschaftsschicht die Kulturentwicklung in Italien. Ihre Grabmonumente, die Goldschmiedetechnik, die Granulation, der Greif, das Ritual der Leberschau und eventuell ihre Sprache haben orientalische Vorgänger. Phönikische und syrische Pflanzen- und Tiermotive auf Silberschalen wurden nach Etrurien gebracht und übernommen.

Von den Römern übernahmen die Kelten viele Motive und Formen, ihre naturalistische Darstellungsweise, die Herstellung von Großplastiken und ihre monumentale Bauweise.

I.4.3. Skythen und Thraker

Um die Mitte des 5.Jh.v.Chr. berichtet Herodot[xlvi] über die Skythen. Er beschreibt sie als gute Krieger und beliebte Söldner, die ausgezeichnete Bogenschützen besessen und Pfeilgift verwendet hätten. Den Kerntrupp ihrer Heere bildete nach Herodot die Panzerreiterei. Die Skythen wären prunksüchtig gewesen, hätten den Wein unverdünnt getrunken und Hanf geraucht. Es hätte Schande bedeutet, wenn jemandem das Haupthaar abgeschnitten wurde. Sie wären Kopfjäger gewesen und hätten einen speziellen Ritus der Blutsbrüderschaft gekannt, bei dem man Blut und Wein trank und darin auch die Waffen eintauchte. Herodot schreibt weiter, daß die Skythen den Toten ihre Waffen, Pferde, Diener, Kleidung und Gebrauchsgegenstände mitgaben, weil sie sich das Jenseits wie das Diesseits vorstellten. Ihre großen Grabanlagen wären heilig gewesen.

Bei den Skythen handelte es sich um eine altiranische Völkergruppe ohne mongolische Rassenbeimengungen. Sie sind seit der zweiten Hälfte des 7.Jh.v.Chr. nachweisbar. In der zweiten Hälfte des 6.Jh.v.Chr. und Anfang des 5.Jh.v.Chr. lassen sich skythische Einfälle bis nach Ostösterreich nachweisen. Ab dem zweiten Viertel des 5.Jh.v.Chr. bildeten sich „gemischte“ Kulturen wie die skythisch-hallstättische und die skythisch-thrakische Kultur heraus. Skythen und Thraker verbanden nicht nur ähnliche Trinksitten, sondern auch ähnliche Kunstäußerungen[xlvii]. Beide hatten zu Griechen und Persern Handelsbeziehungen. Griechische Künstler fertigten für die skythischen und thrakischen Nachbarstämme Waren an. Die Beziehungen[xlviii] zwischen den Kelten und den Skythen und Thrakern waren größtenteils feindlicher Natur, aber es scheint auch immer wieder zum Austausch von Freundschaftsgeschenken gekommen zu sein.

Die Skythen verzierten ihre Gegenstände mit Tierstilornamenten sowie Goldblechauflagen und fertigten Knochenschnitzereien[xlix] an. Häufig finden sich das Motiv des Viererwirbels, dessen Enden in Tierköpfe auslaufen und Perlschnurumrandungen. Aus der russischen Steppe, in der Region um den Altai auf der Halbinsel Taman, stammt eine Knochenschnitzerei [Abb. 1], die ein zurückblickendes hockendes Wesen mit einer Perlschnurverzierung zeigt.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abb. 1

Knochenschnitzerei

Halbinsel Taman

Südrußland

I.4.4. Die Hallstattkultur

Während der Hallstattzeit finden sich in den verschiedenen Kunststilen Elemente des geometrischen Stils. Die Verzierungen weisen eine gliedernde Kompositionsart auf. Obwohl ähnliche Werke aus Griechenland und Italien stammen, war der Anteil dieser mediterranen Kulturen an der Entwicklung der ornamentalen Kunst im Hallstattkreis viel geringer, als es bisher den Anschein hatte[l]. So fanden die Töpfer der einzelnen Regionen zu einer jeweils eigenen Ausdrucksweise, die teilweise stark voneinander abwich, ohne dabei die gemeinsamen Grundtendenzen zu verlieren.

Auf der Keramik und auf den Metallobjekten aus der Hallstattzeit finden sich plastische Zier, Zirkelornamente, geometrischer Dekor, kurvolineare Elemente, Malerei und schematische Figurendarstellungen in isolierten oder szenischen Bildern[li]. Wichtige Latèneobjekte[lii] haben ihre Vorstufen in der Hallstattzeit oder sind weiter in Gebrauch geblieben wie die Feuerböcke, die während der Hallstattzeit zum Inventar des Herdes mit offenem Feuer gehörten, deren Funktion jedoch weitgehend unbekannt ist.

Eine These über die Entstehung der Latènekultur besteht darin, daß der Übergang von den Fürstengräbern der Hallstattzeit zu den Kriegergräbern der frühen Latènezeit durch Aufstände der Bevölkerung gegen die Ausbeutung der „Feudalherren“ herbeigeführt wurde. Die späte Hallstattzeit wird oft verklärt dargestellt als eine insgesamt friedliche Zeit des großen Reichtums, in der sich der Adel größtenteils auf die Jagd und den Sport konzentrierte, anscheinend jedoch auf Kosten der übrigen Bevölkerung. Ein Teil der unterdrückten Untertanen scheint ausgewandert zu sein, während sich die Zurückgebliebenen auflehnten und eine Art „Bürgerkrieg“ begannen.

Nach archäologischen Fundberichten dürfte ein Teil der späten Hallstatt- und frühen Latènezeit tatsächlich von sozialen Unruhen gekennzeichnet gewesen sein[liii]. Die Hallstattkultur entwickelte sich ohne Kontinuitätsbruch zur Latènekultur weiter. Wie schon die Hallstattkultur ist auch die Latènekultur durch Kontakte zu den Griechen und Etruskern nach dem Süden und zu den eurasischen Steppenkulturen[liv] nach dem Osten[lv] geprägt. Dementsprechend wäre die Latènekultur nicht durch die Einwanderung eines fremden Volkes von den ansässigen Bewohnern übernommen worden, sondern aus der einheimischen Bevölkerung selbst hervorgegangen.

I.4.5. Die Situlenkunst

Während der späten Bronze- und frühen Eisenzeit versuchte man in Mittel- und Oberitalien Ruhe und Bewegtheit durch geometrische Zeichen auszudrücken. Zur gleichen Zeit begannen die Kunsthandwerker in der Emilia dieses Ornamentsystem durch gestempelten Streifendekor und erste figurale Friese mit profanen und kultischen Szenen zu ersetzen. Sie schufen in Venezien die Basis für die sogenannte „Situlenkunst“.

In der Region zwischen Arno und Tiber wurden orientalisierende Motive in Tierfriese und symmetrisch angeordnete Figurengruppen umgesetzt[lvi]. Es entstanden zwei größere Werkstattzentren, eine in Oberitalien im Bereich der venetischen Este-Kultur, die andere im Umkreis der ostalpinen Hallstattkultur in Slowenien. Eine dritte, kleinere Produktionsstätte befand sich vermutlich in Südtirol[lvii].

Die Situlenkunst[lviii] besteht darin, zusammengenietete und gefalzte Eimer aus Bronzeblech mit ein bis vier Figurenfriesen zwischen Ornamentstreifen zu versehen. Die Figuren waren von innen herausgetrieben worden Für bestimmte Teile wie Wangen oder Gelenke wurden Punzschläge verwendet. Die Kontur war außen mit einem Meißel nachgezogen und die Binnenzeichnung wie Gewänder und Fell durch Punkte angedeutet worden. Die Vorbilder für dieses der mitteleuropäischen Kunst eigentlich fremde Ausdrucksmittel sind im orientalisierenden Stil Griechenlands zu suchen, der über etruskische Werke den Südrand der Alpen erreichte. Nach O.-H.Frey[lix] war die Situlenkunst stark von der graeco-etruskischen Kunst beeinflußt.

Die Darstellungen geben einen erzählenden Realismus wieder, indem sie den Mythos mit dem Alltag verbinden. Komplizierte Körperstellungen wurden vermieden. Solche Arbeiten befinden sich nicht nur auf Eimern, sondern ebenso auf Waffen, Gürteln, Spiegeln und anderen Gefäßen. Ähnliche Werke finden sich in der Estekunst, doch stellte sie sehr ornamental gehaltene Tierfriese her. Die Kelten kannten Werke aus dem oberitalisch-ostalpinen Raum. Eine Beeinflussung durch die Situlenkunst läßt sich jedoch nur vereinzelt nachweisen. Ein Figurenfries mit Tierdarstellungen befindet sich auf der Linsenflasche aus Matzhausen. Auch die mit einem Figurenfries verzierte Schwertscheide aus Hallstatt und eine Bronzeschale vom Dürrnberg, die ein Jagdfries zeigt, haben ihre Vorgänger in der Situlenkunst.

I.5. Über die Entstehung der Latènekunst

Der „Frühe Latènestil“ übernahm Themen und Motive von den autochthonen Kulturen der Bronzezeit, aus dem Orient und dem Mittelmeerraum. Von dem Bildgut der Hallstattkultur übernahmen die Kelten den symmetrischen Aufbau der geometrischen und figuralen Verzierung und Motive wie den Wasservogel[lx], den Hirsch oder das Rind, besonders den Stierkopf. Außerdem nahmen sie Symbole wie die S-Spirale und das Rad in ihr eigenes Repertoire auf. Orientalische Tier- und Pflanzenmotive und der Tierstil der asiatischen Steppenvölker gelangten mit großer Wahrscheinlichkeit über Kleinasien an die Schwarzmeerküste und zum Donautal. Sie finden sich in Form von gegenständigen, aufrechtstehenden Tierpaaren, zurückblickenden Tieren, deren Körper nach vorne gerichtet ist, verschiedenen Monster- und Drachengestalten und den Motiven von Tierkampf, Jagd und Lebensbaum.

Griechische und etruskische Handelswaren vermittelten zwei Stilrichtungen: Einerseits eine strenge und symmetrische Kompositionsweise und andererseits stilisierte Pflanzenornamente, Tier- und Menschendarstellungen. Die Kelten übernahmen Motive wie die Palmette, den Lotos, die S-Spirale, den Greif, die Sphinx, den Löwen, die Silensmaske und andere. Es ist anzunehmen, daß die Kelten nicht nur die Darstellungsweise sondern auch den Sinngehalt der Abbildung veränderten, um sie sowohl ihrem Kunstgeschmack als auch ihren eigenen Vorstellungen anzupassen.

Im 5.Jh.v.Chr. stellten die Kelten Maskenfibeln und antropomorphe Applikationen an Gürtelhaken, Kannen und Schmuck her. Es wurden einige lebensgroße antropomorphe Statuen aus Holz und Stein gefunden, die so gut wie keinen griechischen Einfluß zeigen. Es wird angenommen, daß es fremde Vorbilder für die antropomorphen Darstellungen in der keltischen Kunst gegeben hat. Die Kelten dürften sich jedoch, wie die inselkeltische Mythologie belegt, ihre Gottheiten oder vergöttlichten Ahnen sehr wohl in menschlicher Gestalt vorgestellt haben. So war es nur ein kleiner Schritt, diese Vorstellung auch bildlich umzusetzen.

Als Beweis dafür, daß sich die Kelten ihre Götter nicht in Menschengestalt vorstellten, wird meistens Diodor von Sizilien[lxi] angeführt, der überliefert, daß Brennus lachte, weil die Griechen den Göttern eine menschliche Gestalt zugemutet und sie in Holz und Stein hergestellt hatten. Andererseits berichtet Pompeius Trogus im 1.Jh.v.Chr. über eine Belagerung Massilias im 5.Jh.v.Chr. durch mehrere keltische Stämme, deren gemeinsames Oberhaupt König Catumarandus gewesen ist. Dieser König träumte von einer Göttin, die ihn bat, die Belagerung aufzuheben und Frieden zu schließen. Er wurde in die Stadt eingelassen und begab sich in das Heiligtum. Dort sah er eine Statue der Göttin Athene, deren Abbild dem Aussehen der Frau in seinen Träumen entsprach. Er beschenkte sie mit einer goldenen Halskette und löste die Belagerung auf. Er hat nicht gelacht, als er die antropomorphe Abbildung einer Gottheit sah.

G.Kossack[lxii] geht davon aus, daß während der FrühLatènezeit die östliche und die westliche Kunstlandschaft unabhängig voneinander entstanden sind. Die östliche habe abstrakte Ornamente aus versetzten Halbbögen, gereihten Stempelfiguren und Spiralranken verwendet, während die westliche ein vegetabiles Dekor aus Palmette, Lotos und Leier bevorzugte. Die zahlreichen Stilgruppen wären durch unterschiedliche Fremdeinflüsse und Intensitäten des heimischen Erbes zustandegekommen.

Bei den Ostkelten hätte bereits das hallstattzeitliche Repertoire nicht nur Spiralranken, Tangentenspiralen, gekoppelte S-Spiralen und versetzte Halbbögen gekannt, sondern auch die Verbindung dieser Motive zu geometrischen Figuren. Aber erst während der Latènezeit wären sie zu vegetabilen Gebilden mit an- und abschwellenden Wellenranken geworden, die eine gerichtete Dynamik hatten, indem sie Gefäßteile voneinander trennten oder einer Achse folgten. Ornament und Träger würden nun eine Einheit[lxiii] bilden.

Bei den Westkelten wären die koloristisch-optischen Effekte des Ornaments hervorgetreten. Besonders häufig hätten die westkeltischen Künstler Blatt- und Blütenmuster aus Palmette, Lotos und Leier wiedergegeben, deren Vorgänger auf den zahlreichen griechischen und graeco-etruskischen Importwaren zu sehen seien. Die Latènekünstler hätten den Pflanzenmustern eine eigene Dynamik verliehen und begonnen, bei der Durchbrucharbeit den Leerflächen mehr Bedeutung beizumessen, wodurch die Leerflächen zu eigenen Motiven werden konnten.

Nach G.Kossack[lxiv] paßten sich symmetrisch angeordnete, kontrastierende Kurven der Form des zu verzierenden Objektes an und brachen sowohl mit der heimischen Geometrie, als auch mit der Herrschaft der rein räumlichen Gliederung[lxv]. Der kurvolineare Grundzug des Latènestils würde es jedoch nicht rechtfertigen, schon am Beginn der Latènezeit eine gemeinsamen Kunstsprache der Kelten anzunehmen. G.Kossack vermutet, daß die im Vergleich zur Hallstattornamentik neuartigen Motive und ihre veränderten taktischen Zusammenhänge auf gemeinsame Auffassungen über den Gebrauchswert magischer Zeichen schließen lassen, Zeichen, die im religiösen Denken ihren Ursprung hatten, und auf die drängende Bereitschaft, diese Vorstellungen auch durch das Ornament und durch das Bild sichtbar in Symbolen auszudrücken.

Für O.H.Frey [lxvi] spricht die schnelle Verbreitung des Latènestils hingegen dafür, daß sich die Kelten schon im 5.Jh.v.Chr. einer Gemeinsamkeit bewußt waren, die über Stammesverbände hinausging. Zwischen der späten Hallstattzeit und der frühen Latènezeit schien es keinen völligen Bruch gegeben zu haben. Dafür würden das Weiterbestehen einiger Hallstattzentren während der frühen Latènezeit und das Nebeneinander von späten Hallstatt- und frühen Latènefunden in denselben Gräbern sprechen.

O.H.Frey kann sich vorstellen, daß weit um sich greifende soziale Veränderungen das Ende der „Fürstengräber“ herbeigeführt haben[lxvii]. Über Etrurien wären während der frühen Latènezeit viele mediterrane Motive zu den Kelten gelangt. Vereinzelte Latènefunde in Norditalien scheinen darauf hinzuweisen, daß sich dort bereits im 5.Jh.v.Chr. keltische Händler befanden[lxviii]. Außerdem dürfte es auch Kontakte zu den östlichen Nachbarn gegeben haben, worauf bestimmte Motive aus der Kunst der Thraker und der Skythen[lxix], die von der persischen Kunst beeinflußt waren, hinweisen. Obwohl ein regelmäßiger Handelsaustausch wie er zwischen den Kelten und den mediterranen Kulturen stattgefunden hätte, mit den östlichen Nachbarn nicht anzunehmen sei[lxx]. Nach O.H.Frey verwendete die frühe Latènekunst im westlichen Siedlungsgebiet andere Motive als im östlichen und scheint unter anderen Voraussetzungen entstanden zu sein. Diese Unterschiede dürften auf verschiedene Fremdeinflüsse zurückzuführen sein.

J.W.Neugebauer[lxxi] sieht in dieser neuen Kunstrichtung eine Verbindung des einheimischen hallstättischen, geometrisch-ornamentalen Stils mit dem orientalisierenden griechischen Stil. Er geht davon aus, daß Motive wie die Palmette und die Ranke durch den Import von griechischem Bronzegeschirr und griechischer, schwarzfigurig bemalter Keramik während der späten Hallstattzeit bereits übernommen, aber noch geometrisch dekorativ und ohne den Zusatz von figuralen Darstellungen verwendet worden waren. Im Laufe der Zeit hätten einheimische Kupferschmiede die Palmette in die Fischblase und die Ranke in S-Spiralen verwandelt und sie in vielen Variationen symmetrisch und heraldisch paarweise zueinander geordnet. Auf diese Art wäre der neuartige Latènestil entstanden.

P.Jacobsthal[lxxii] erkannte drei Komponenten, die zum Entstehen des Frühen Stils beitrugen: Von der Hallstattkultur stammten das geometrische Ornament und Motive wie der Wasservogel. Der klassische Einfluß erreichte die Kelten über altitalische, insbesonders etruskische, Werke und griechische Exportwaren. Letztendlich übernahmen sie Elemente des Tierstils aus dem Orient.

P.M.Duval[lxxiii] sieht ebenfalls drei Kultureinflüsse, die zu dieser originellen neuen Kunstschöpfung führten: Erstens hatten schon die hallstättischen Werkstätten ständige Beziehungen zu den italischen Kunstzentren. Außerdem befruchteten bereits die Künstler der Hallstattzeit ihren größtenteils geometrischen Stil mit den stürmischen Formen des Orients und den Blumenornamenten Italiens. Zweitens verdankten die Kelten den etruskischen und griechischen Vorbildern die Palmette als Grundmotiv der Ornamentik und drittens kamen aus dem Osten die Tierdarstellungen, Maskenfiguren und phantastischen Gestalten. Aus diesen Faktoren wäre die typisch keltische La-Tene-Kunst entstanden.

Lloyd und Jennifer Laing[lxxiv] sehen in der frühen Latènekunst eine eklektische Kunst, da ihrer Meinung nach die Kelten wie die Römer die Kultur der besiegten Völker nicht zerstörten, sondern viele Elemente in ihre eigene Kultur aufnahmen. Sie hätten ein umfassendes Repertoire an Motiven und Symbolen besessen, die sie zu abstrakten Mustern aneinanderfügten. Meist habe es sich um Pflanzenornamente gehandelt, die entweder klassisch oder orientalisch beeinflußt waren. Der Erfolg dieser neuen Kunstrichtung beruhe auf der symmetrischen Anordnung und der ständigen Wiederholung einzelner Motive.

H.Birkhan[lxxv] ist der Meinung, daß die Latènekultur aus der Hallstattkultur hervorgegangen ist und diese Tradition keineswegs verleugnet. Der streng geometrische Stil der Hallstattkultur hätte einem kurvenreichen Stil Platz gemacht, der aus Pflanzen[lxxvi]-, Zirkelschlag[lxxvii]- „Trompeten“- und „Fischblasen“-Mustern bestand, aber auch in ornamental gebrauchten Tier- und Menschenköpfen oder -masken.

Nach Birkhan würden eine Reihe der ornamental gebrauchten Elemente wie Palmette, Ranke und Pelta aus der griechischen Kunst stammen, aber bei den Kelten wurden sie plastischer ausgestaltet und nahmen an „Volumen“ zu. Nichtsdestotrotz hätten die Kelten nur übernommen, was sie wollten und es in ihrem Sinn zu etwas Neuem umgestaltetet. Bei der anthropomorphen Plastik würden die realistischen griechischen Vorbilder nur die Grundlage für den sich im Abstraktionismus und Reduktionismus gefallenden keltischen Formwillen bilden. In der Übergangsphase wäre es zu stärkerem skythischen Einfluß gekommen. Nach H.Birkhan entstanden zu dieser Zeit die Kannen von Basse-Yutz, die dem „grotesken Stil“, also der Übergangsphase, zuzurechnen sind.

I.6. Die Kunststile während der Latènezeit

Die Einteilung der Latènekultur in verschiedene Stufen ist regional unterschiedlich vorgenommen worden, da sie in den einzelnen Gebieten des keltischen Raumes einerseits nicht zur gleichen Zeit entstanden oder übernommen wurden, andererseits eigenständige Sonderformen hinzugetreten sind. Davon abgesehen können die Perioden auch gleichzeitig auftreten, vor allem, wenn Gegenstände lange Zeit in Gebrauch waren.

In Frankreich unterscheidet man drei Stadien (I: 450-300v.Chr., II. 300-150v.Chr., III: 150v.-Chr.Geburt), in Deutschland vier (A: 500-400v.Chr., B: 350-250v.Chr., C: 250-100v.Chr., D: 100v.-Chr.Geburt) und in Britannien bis 1970 zwei (Iron Age A:700-400v.Chr., Iron Age B: 400v.-Chr.Geb. letzte Phase von Iron Age B auch Celtic Iron Age C genannt). Die neuere Forschung unterscheidet in Britannien zwischen „Earliest“ (750/700-450/400v.Chr.) und „Earlier“ (450/400-100/50v.Chr.) als Early Pre-Roman Iron Age und einem Late Pre-Roman Iron Age (100/50v.Chr.-43n.Chr.), aber auf den Britischen Inseln, vor allem in Irland, geht dort, wo die provinzialrömische Kultur keinen direkten Einfluß hatte, die „keltische Eisenzeit“ bis in die Zeit der Christianisierung im 5./6.Jh. weiter[lxxviii]. Lokale Sonderformen finden sich auf dem Festland in der Hunsrück-Eifel-Kultur, der Marne-Kultur (um 350v.Chr.), der Puchov-Kultur der eisenerzeugenden Cotini[lxxix], in der Slowakei und in Südpolen, in Britannien in der Little Woodbury-Kultur und der Arras- sowie Aylesford-Kultur[lxxx]. Auf die Entwicklung und Stile der Kunst bei den Inselkelten kann aus Platzgründen im Rahmen dieser Arbeit nicht näher eingegangen werden.

P.Jacobsthal[lxxxi] gliederte die keltische Kunst in einen „Frühkeltischen Stil“[lxxxii] mit einer deutlichen Beziehung zur griechischen und skythischen Kunst, eine Übergangsphase, dem sogenannten „Grotesken Stil“, mit stärkerem skythischen Einfluß, den „Waldalgesheim-Stil“[lxxxiii], der eine Umdeutung und ornamentale Auflösung der Verzierungen unternimmt, den „Plastische Stil“[lxxxiv] mit dreidimensional hervorgehobenem abstrakten, aber auch naturalistischen Dekor und dem gleichzeitig verwendeten „Ungarischen Schwertstil“[lxxxv], der nach den reich verzierten Schwertscheiden aus dem ungarischen Raum benannt ist, sowie den strengen Stil der „Oppida-Zeit“[lxxxvi], nach den charakteristischen keltischen Stadtbauten, mit starkem römischen Einfluß.

I.6.1. Der Frühe Stil

Der neuartige Latènestil erstreckte sich über ein weites Gebiet und es ist anzunehmen, daß er durch gemeinsame religiöse Auffassungen über den Wert magischer Symbole und die Bereitschaft, diese Symbole ornamental auszudrücken, entstanden war. Demnach schien es sich nicht nur um die Umformung fremder Vorlagen aus ästhetischen Gesichtspunkten gehandelt zu haben.

Mit dem Beginn der Latènezeit im 5.Jh.v.Chr. entstanden plötzlich zahlreiche neue Motive im Kunsthandwerk[lxxxvii]. Zwar handelte es sich um traditionelles Bildgut der vorangegangenen Epochen und um Vorbilder aus dem Mittelmeerraum und dem Orient, aber die Art und Weise wie die Motive miteinander kombiniert und dargestellt wurden, war neu.

Während der frühen Latènezeit waren die mediterranen und östlichen Vorbilder trotz der keltischen Umformung noch deutlich zu erkennen. Die keltischen Künstler verwendeten Lotosblumen, Palmetten und Arkanthusblätter, aber sie verbanden sie zu fließenden Pflanzenornamenten. Die Kompositionen der Verzierungen basierten auf der Wiederholung eines Motivs in immer wiederkehrenden Mustern. Es wurde häufig der Zirkel verwendet[lxxxviii]. Die Ornamente und Verzierungen waren entweder durch die Rotation der Motive oder um eine Achse symmetrisch aufgebaut. Benachbarte Motive wurden zu einem neuen vereint, das aus beiden gemeinsamen Teilen bestand. Die Leerräume gewannen an Bedeutung, obwohl sie noch keine eigene Form besaßen. Mit dieser neuen Dekorationsweise wurden die verschiedensten Gegenstände wie Waffen, Streitwagenteile, Gürtelschließen, Fibeln oder Ringe verziert.

Die Latènekünstler stellten Handlungsabläufe nicht in szenischen Bildern dar, obwohl sie ihnen durch Arbeiten aus den toreutischen Werkstätten der Emilia, Venetiens, des Save-Drau Bereiches und Etruriens bekannt waren. Statt dessen versuchten sie die, Starrheit der Figurengruppen aufzulösen[lxxxix]. Tier- und Menschenformen wurden, oft auch mit Hilfe von vegetabilen Motiven wie der Wellenranke, zu Mischwesen verbunden. Der Hang zur Metamorphose machte sich bemerkbar. Zweifellos waren zu jener Zeit die symbolischen Aussagen der Darstellungen von jedem Mitglied der keltischen Gesellschaft leicht nachzuvollziehen.

Die Westkelten bildeten anfangs das orientalisierende Emblem aus rückwärtsblickenden Greifen oder anderen Fabeltieren ab, die gegeneinander gestellt waren oder ein zur Maske stilisiertes Menschenbild flankierten[xc]. Antropomorphe Darstellungen traten zwar in Form von schematisierten Männchen schon auf Werken des Westhallstattkreises auf und gegen Ende dieser Epoche stellte man anthropomorphe Anhänger und Amulette her, aber erst in der FrühLatènezeit wurden Menschenköpfe[xci], sogenannte „Masken“, und manchmal ganze Menschenfiguren in das Kunsthandwerk miteinbezogen.

Im Waldalgesheimer Stil überwogen Pflanzenornamente. Die Doppeldeutigkeit nahm zu. Zierflächen und Leerräume ergänzten sich, wodurch das Ornament im Positiv und Negativ lesbar war. Die Komposition wurde durch das rhythmische Betonen untergeordneter Stellen undeutlich gemacht. Teilstücke erhielten durch Isolierung eine eigene Lebendigkeit.

I.6.1.1. Die ersten Werke

Nach der anfänglich noch symmetrisch und geometrisch orientierten Kunstrichtung im Anschluß an die Hallstattzeit kam es im Laufe der FrühLatènezeit zur Einführung asymmetrischer Elemente in das sonst noch regelmäßig ausgewogene Gefüge und zu einer thematischen Umgestaltung. Es finden sich neue Motive, Formen und Kombinationen.

Paarweise gegeneinander gestellte S-Symbole in Form von Lyren nehmen die Gestalt von Seepferdchen an und werden auch als „Drachenpaar“ bezeichnet. Sie finden sich auf Schwertscheiden, durchbrochenen Gürtelhaken und Zierplatten. Ihre Vorgänger kommen aus Norditalien. Durchbrochene Gürtelhaken zeigen heraldisch angeordnete Drachen-, Greifen- und Schlangenpaare, aber auch reine Pflanzenornamente. Zwischen den Tieren befinden sich Ranken, die den Lebensbaum symbolisieren könnten und auf dem Gürtelhaken von Hölzelsau ist das Motiv der „Herrin der Tiere“ wiedergegeben. Auf dem Rand und dem Deckel von Gefäßen, insbesonders Schnabelkannen[xcii] wurden Applikationen angebracht, die Tiere und Mischwesen darstellen.

Die Darstellungen wurden auch mit dem Gegenstand verbunden. Es gibt Eberfibeln, Vogelfibeln oder Schuhfibeln. Die Fibel war ein beliebter Verzierungsgegenstand. Es ist anzunehmen, daß sie als Symbolträger verwendet und der Darstellung irgendeine magische Funktion zugeschrieben worden war. In den meisten Fällen hatten diese Symbole wohl eine apotropäische Bedeutung. Bei den Doppelkopffibeln ist ein Kopf aus dem Bügelende und der andere aus dem Fibelfuß gebildet. Dabei kann es sich um die Köpfe von Tieren, Menschen oder Phantasiewesen handeln.

„Masken“ bezeichnen Menschenköpfe oder phantastische Köpfe mit anthropomorphen Zügen. Augen, Nasen, Münder und Wangenknochen sind teilweise verzerrt abgebildet. Die Ohren können ornamental wiedergegeben sein oder sie fehlen ganz. Manchmal befinden sie sich wie Tierohren spitz zulaufend auf dem Kopf. Häufig sind der Bart[xciii], die Haare[xciv] und die Augenbrauen[xcv] stilisiert oder abstrakt dargestellt. Die Stirn kann ein Ornament[xcvi] oder eine Intarsie zieren. Der menschliche Kopf[xcvii], die „Maske“, erscheint für sich alleine stehend oder in ein Pflanzenornament eingebunden. Sie befindet sich auf Henkelattaschen, auf Schmuckstücken, Steinmonumenten, Achsnägeln, Gürtelhaken, und anderen Gegenständen.

Besonders verbreitet waren die sogenannten Maskenfibeln. Sie zeigen verzerrte menschliche Gesichter und Phantasiegestalten. Die Maskenfibeln wurden hauptsächlich zwischen dem Rhein-Mosel-Gebiet bis nach Böhmen und weiter im Osten entdeckt. In Frankreich, wo sich zahlreiche FrühLatènegräber[xcviii] befinden, fehlen sie fast ganz[xcix].

Bei der Maskenfibel von Parsberg[c] [Abb. 2] bildet der Bügelfuß einen runden Kopf mit großen hervorquellenden Augen und einem stilisierten Schnurrbart. Auf seinem Scheitel ist so etwas wie ein Vogelkopf, bestehend aus zwei Augen über einem Dreieck, angedeutet. Das Bügelende stellt einen länglichen Kopf mit spitzen Tierohren und schrägen Augen dar. Eine durchbrochene Platte in Form von zwei heraldisch angeordneten und zurückblickenden Greifen verdeckt die Spirale.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abb. 2

Maskenfibel

Bronze,

Zweite Hälfte 5.Jh.v.Chr.

Parsberg, Oberpfalz

Germanisches Nationalmuseum Nürnberg

Das Motiv der Blattkrone auf Menschenköpfen taucht erstmals im frühen Latènestil auf. Aus Weiskirchen kommt eine Eisenscheibe mit Goldblechauflage [Abb. 3A]. Sie ist mit vier Masken verziert, die symmetrisch in Kreuzform um einen Mittelkreis angeordnet sind. Über den Masken befindet sich eine Art Blattkrone. Drei Blätter erheben sich über dem Scheitel. Zwei der Blätter umrahmen das Gesicht, während das kleinere Dritte senkrecht in die Höhe steht. Vielfach belegt ist die aus zwei Blättern bestehende Blattkrone, wobei sich die Blattanfänge auf beiden Seiten des Kopfes jeweils im Bereich der Ohren befinden [Abb. 3B].

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abb. 3A

Zierscheibe

Eisen mit Goldblechauflage

Weiskirchen

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abb. 3B

Steinsäule

450-350 v.Chr.

Pfalzfeld

Rheinisches Landesmuseum Bonn

Ganze Menschenfiguren sind selten[ci]. Eine der Ausnahmen ist die Fibel aus Manetin[cii], die den oberitalischen Certosafibeln[ciii] ähnlich ist. Den Kopf bildet der Fibelfußknopf, während der Leib und die Beine den Bügelschwung wiederholen. Der Mann trägt italische Kleidung, eine kurze Hose und etruskische Schnabelschuhe. Die Fibel hat Koralleneinlagen.

Eine Fibel aus Berlin-Niederschönhausen zeigt auf dem Bügel ein kleines Männchen in flachem Relief und mit einem großen Kopf. Der Fibelfuß stellt einen zurückgebogenen Widderkopf dar. Über dem Männchen befindet sich eine „Maske“. Die Kombination von Mensch und Widder findet sich auf vielen Gegenständen[civ].

Aus der FrühLatènezeit sind nur wenige Großplastiken bekannt. Die „Säule von Pfalzfeld“ aus dem Rheingebiet ist ein vierkantiger, sich verjüngender Pfeiler, der auf allen vier Seiten dieselbe Verzierung trägt. Es handelt sich um eine von zwei Blättern umrahmte Maske, die sich in einem Ornament aus S-Spiralen befindet.

P.Jacobsthal[cv] geht davon aus, daß der Künstler Bronzearbeiten kopiert haben muß oder die Muster von einem Pattern Book der Metallarbeiter abgezeichnet hat, da es seiner Meinung nach keine Tradition für die Dekoration von Steinskulpturen gab. Für das Seilmuster gäbe es Vorgänger in Etrurien. Ursprünglich dürfte sich auf der Säule ein Aufsatz, wahrscheinlich in Form eines Kopfes, befunden haben. Solche Säulen fänden sich in der Este-Kultur[cvi].

Eine mannshohe Sandsteinfigur wurde in Glauburg bei Büdingen in Hessen ausgegraben. Sie befand sich in einem zehn Meter breiten Ringgraben, der ein reiches Fürstengrab umschließt. Die Figur stellt einen Krieger dar, der eine Blattkrone und einen auffälligen Halsreif trägt. Er hat einen Bart und auf seiner Oberbekleidung befinden sich Ornamente. In seiner linken Hand hält er einen verhältnismäßig kleinen Schild.

Die Stele von Holzgerlingen in Württemberg besitzt einen Januskopf auf einem aus ebenfalls zwei Schauseiten bestehenden Oberkörper. An jeder Seite ist nur ein Arm angedeutet. Der Kopf hat eine Blattkrone, eines der Blätter ist jedoch abgebrochen.

I.6.1.2. Enge Beziehungen zu den Mittelmeerkulturen während der Frühlatènezeit

Prunkvolle Grabausstattungen scheinen ein Charakteristikum für die frühe Latènezeit zu sein. Wir finden sie in einem Gebietsstreifen, der sich vom Marnegebiet im Westen über den Mittelrhein und den Dürrnberg bis nach Böhmen im Osten zieht. Sie deuten auf eine einflußreiche Kriegeraristokratie, die das Entstehen und Ausbreiten dieser neuen Kunstrichtung förderte. Die reichen Grabstätten enthalten neben einheimischen Erzeugnissen griechische und etruskische Waren, die sowohl die Datierung erleichtern als auch auf enge Handelsbeziehungen zum Mittelmeer schließen lassen.

Das Wagengrab von Vix[cvii] beim Mont Lassois ist mit reichen Beigaben ausgestattet. In dem Grab der „Fürstin“ oder „Priesterin“ entdeckte man griechische Keramik[cviii], einen vierrädrigen Wagen, einen riesigen, wahrscheinlich in Griechenland hergestellten Krater, der als Weinmischgefäß diente, ein Golddiadem[cix], einen Bronzespiegel sowie Schminkzeug, Schnabelkanne und andere Gefäße aus Etrurien.

In der Region um die „Fürstengräber[cx]“ westlich des Mittelrheins sind enge Beziehungen zur antiken Welt durch mediterrane Importwaren gut belegt[cxi]. Viele Beispiele zeigen, wie die keltischen Künstler die griechisch-etruskische Pflanzenornamentik umsetzten[cxii].

Aus Eigenbilsen in Belgien stammt der durchbrochene Beschlag eines Trinkhornes[cxiii]. Er stellt ein Fries aus Lotosblütenblättern und Palmetten dar [Abb. 4A]. Vergleicht man ihn mit einem griechischen Fries auf einer Caeretaner Hydria [Abb. 4B], so erkennt man deutlich die Neuartigkeit des frühen Latènestils[cxiv]. Die Palmette ist auf drei Blätter reduziert und die Lotosblüte zerfällt in zwei Teile. Die Ranke ist als geschwollene S-Spirale wiedergegeben. Die nebeneinanderstehenden Pflanzenmotive besitzen beiden gemeinsame Bestandteile, die zu einem neuen Motiv verschmelzen. Auf diese Art erhält das ganze Ornament eine fließende Wellenbewegung.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abb. 4A

Durchbrochener Trinkhornbeschlag

Eigenbilsen

Belgien

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abb. 4B

Pflanzenfries

Caeretaner Hydria

Aus Schwarzenbach stammt der durchbrochene Goldbeschlag einer Schale[cxv]. Er zeigt ein Pflanzenornament. Die kontrastierenden Kurven sind symmetrisch angeordnet und haben achsiale Bezugspunkte. Sie lassen sich auf griechische Blütenmuster von Palmette, Lotos und Leier zurückführen. Die komplementäre Verteilung der Zier- und Leerzonen verhält sich wie der Umriß mancher Leerräume jetzt analog zu den ausgefüllten Partien. Der ornamentale Effekt wurde auf diese Weise verdoppelt. Aus den gegenständigen Lotosblütenblättern entsteht ein Korb mit zwei Blattern, dessen Enden auf beiden Seiten spiralförmig eingerollt sind. Zuvor isolierte Pflanzenmotive sind nun zueinandergefügt. Für dieses abstrakte Linienspiel wurde das natürliche Vorbild erst in seine Einzelteile zerlegt, um sie dann zu einem neuen, rein dekorativen Bild zusammenzusetzen.

Der Helm[cxvi] von Canosa aus Apulien ist mit zwei flachen Reliefstreifen verziert. Zu sehen sind umgekehrte Lyren zwischen großen schräg verlaufenden S-Kurven und auf dem Kopf stehenden Palmetten, die bereits anthropomorphe Züge haben. An die Lyren schließen Spiralen an und bilden einen Halbmond mit aufgebogenen Enden, in dessen Mitte sich eine Zuspitzung befindet. Der Halbmond mit umgebogenen Enden wurde nach dem legendären Amazonenschild „Pelta“-Motiv benannt. Die beiden Ornamentstreifen sind an der zur Mitte gewandten Seite mit Eierstäben eingefaßt.

I.6.1.3. Das „Fürstengrab“ von Kleinaspergle

Ein besonders reich ausgestattetes Fürstengrab stammt aus „Kleinaspergle“[cxvii] neben der Festung Hohenasperg in Baden-Württemberg. Unter anderem wurden darin zwei attische Schalen, eine Elfenbeinsphinx, Goldschmuck, eine etruskische und eine keltische Schnabelkanne und zwei Trinkhornbeschläge gefunden. Die zwei attischen Schalen aus der Werkstatt des Amymone-Malers sind mit einer keltischen Goldfassung versehen. Eine der Schalen ist unbemalt, auf der anderen befindet sich eine Priesterin mit einer Fackel vor einem Altar. Der etruskische Stamnos aus Bronze ist an den Henkelattaschen mit Silensköpfen verziert [Abb. 5A]. Ein ähnliches Motiv findet sich auf der in demselben Grab beigegebenen keltischen Nachahmung einer etruskischen Bronzeschnabelkanne[cxviii] [Abb. 5B].

Die an der Wandung ansitzende untere Attasche läuft in einen bärtigen Kopf mit spitzen Tierohren aus, der große Ähnlichkeit mit dem Silenskopf aufweist. Der Henkelansatz der keltischen Kanne ist in Form eines Kopfes gebildet und die Henkelarme enden in Tierköpfen. Außerdem wurden noch zwei goldene Trinkhornbeschläge gefunden. Sie sind mit Eierstabmotiven verziert und laufen in einen Widderkopf aus. Trinkhörner waren bei Thrakern und Skythen sehr beliebt. Ähnliche Edelmetallarbeiten wurden in den griechischen Kolonien für die benachbarten „Barbaren“ angefertigt.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abb. 5/A

Attasche des etruskischen Stamnos

„Kleinaspergle“

Asperg

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abb. 5/B

Attasche der keltischen Bronzekanne „Kleinaspergle“

Asperg

In den zwei Fürstengräbern von Weiskirchen[cxix] im Saarland befanden sich ein Trinkhornbeschlag und ein Gürtelhaken mit Sphingendarstellungen. Der Trinkhornbeschlag aus Goldblech wurde mit großer Wahrscheinlichkeit von einem griechischen Künstler hergestellt. Vielleicht handelte es sich um eine Auftragsarbeit. Er zeigt ein Figurenfries aus sitzenden, mit einer Model aufgetragenen Sphingen.

Der Gürtelhaken aus Bronze mit Koralleneinlagen ist eine einheimische, keltische Arbeit. Auf der Zierplatte befinden sich zwei Streifen mit rechteckigen Koralleneinlagen in einer Bronzefassung. Darüber sind in einem Feld blatt- und scheibenförmige Korallenstückchen aneinandergefügt. Es wird von einer Maske mit geschwungenen Augenbrauen bekrönt. Die Maske ist von zwei großen S-Kurven bedeckt. Auf beiden Seiten befindet sich ein Sphingenpaar. Die Körper der Sphingen sind einander zugewandt, während die Köpfe in entgegengesetzte Richtungen blicken.

Im Gegensatz zu dem griechischen Vorbild haben die Sphingenköpfe breite Augenbrauen und stilisierte Schnurrbärte. Die äußeren Sphingen tragen an den Vorderfüßen Schnabelschuhe. Die Vorlage wurde nicht direkt übernommen, sondern umgeformt und den eigenen Bedürfnissen angepaßt.

I.6.1.4. Das „Fürstengrab“ von Reinheim

In einem „Fürstengrab“ in Reinheim wurde eine Grabkammer aus Holzbrettern entdeckt. In ihr befand sich das Skelett einer Frau, der man ihren Schmuck, Spiegel, Bronzegefäße und Trinkhörner mitgegeben hatte.[cxx]

Ein Goldarmring und ein Gold torques des Schmuckbestandes verdienen besondere Aufmerksamkeit[cxxi]. Der Armreif hat an den Enden jeweils zwei Schlußknöpfe, die scheinbar weiblichen Brüsten nachempfunden sind. Unter ihnen befindet sich je eine anthropomorphe Maske. Beiderseits schließt an diese Knöpfe eine Menschenfigur an, deren Oberkörper sich in dem Ring fortsetzt. Über dem plastisch ausgebildeten Kopf sitzt ein stilisierter Raubvogel mit gespreizten Flügeln. Der Kopf trägt einen Halsreif mit drei zapfenförmigen Anhängern. Die ganze Darstellung ist mit Perlschnüren verziert. Der Gold torques ist ähnlich verziert, aber der Oberkörper der Figur besitzt keine Arme. Der Reif selbst ist tordiert.

Unter den Beigaben befindet sich eine Kanne mit Röhrenausguß, auf deren Deckel ein menschenköpfiges Pferd mit einem Bart angebracht ist [Abb. 6]. Der angenietete Henkel endet oben in einer bärtigen Maske über einem Widderkopf. Auf der unteren Attasche ist eine Maske mit Tierohren dargestellt. Die Mittel- und Randzonen des Kannenkörpers sind mit fein gravierten, stilisierten Pflanzenornamenten bedeckt. Der Boden zeigt geometrische Motive.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abb. 6

Pferdestatuette

Bronze, Zweite Hälfte 5.Jh.v.Chr.

Reinheim, Saarland

Landesmuseum für Vor- und Frühgeschichte

Saarbrücken

I.6.1.5. Der Goldschmuck aus Erstfeld

Eine reiche mythische Bildsymbolik besitzen die goldenen Hals- und Armringe aus Erstfeld. Ursprünglich befand sich der Goldschmuck unter einem großen Felsen und dürfte ein Opfer für die in den Alpen lebenden göttlichen Kräfte gewesen sein. Vielleicht wollte man damit eine sichere Überquerung gewährleisten oder der Goldschmuck war als Dank nach einer erfolgreichen Überquerung dorthin gelangt.

Erstfeld liegt am Fuß eines Alpenpasses, der damals wegen zu vieler Gefahren keine große Rolle gespielt hat. Es ist unwahrscheinlich, daß diese Schmuckstücke eine einheimische Arbeit sind. Vermutlich stammen sie aus dem Mittelrheingebiet im Norden und gehörten einer Gruppe keltischer Fürsten mit Gefolge, die, aus welchen Gründen auch immer, eine selten frequentierte Route in den Süden benützten.

Der Goldschmuck besteht aus vier Halsringen mit herausnehmbaren Teilen und drei Armringen mit Stöpselverschluß. Zwei der Armringe haben plastische Rankenverzierungen auf der Außenseite. Der Dritte besitzt vier symmetrisch angebrachte Masken mit anschließender Palmette und dazwischen je einem Knoten mit Blattmuster. Die Durchbrucharbeit der Halsringe zeigt ein Geflecht aus Tierkörpern, Menschenleibern und Pflanzenranken. Zwei der Reifen haben mit geringen Abweichungen die gleiche Verzierung [Abb. 7].

In ihrem Zentrum befindet sich ein Vogel in Aufsicht, der zu beiden Seiten symmetrisch von Mischwesen umgeben ist. Ein gekleideter Mann mit einem blattförmigen Kopfaufsatz teilt sich seinen Unterkörper mit einem gehörnten Wesen, das spitze Tierohren hat. Beide tragen Armringe. Der Mann hat seinen Arm angewinkelt nach hinten gestreckt und scheint damit eine Ranke zu stützen, die sich von seinem Hinterkopf zu dem des gehörnten Wesens zieht. Das Wesen hält vor sich eine Ranke in der Hand, die an seinem Kinn entspringt, auf dem Kopf der nachfolgenden, scheinbar geflügelten Kreatur endet und sich unter ihrem Kinn wieder fortsetzt. Vielleicht soll diese Ranke die Bärte, Hörner und Haare der Gestalten darstellen. Den Abschluß bildet ein Tierkopf mit aufgerissenem Maul und einer Art geflügeltem Schlangenkörper.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abb. 7

Torques

Gold, 420-350 v.Chr.

Erstfeld

Schweizerisches Landesmuseum Zürich

Bei dem dritten Torques fehlt der zentrale Vogel. Die beiden Männer mit den blattförmigen Kopfaufsätzen haben stilisierte Widderhörner, die sich über die Stirn bis zu den Schläfen ziehen. Das zweite Wesen trägt anstelle eines Hornes einen Helm, der oben spitze Tierohren besitzt. Vor ihm befindet sich ein Vogel, dessen Schnabel seine Nase berührt. Mit der rechten Hand umschließt er die Beine und mit der linken den Hals des Vogels. Das Ende der Darstellung bilden wieder zwei Tierköpfe, die auf beiden Seiten mit aufgerissenem Maul den Ring umschließen.

Die Verzierungszone des vierten Torques ist schmäler und zeigt einen zentralen Knopf zwischen je einem Rinderkopf. An die Tierköpfe schließt ein ornamental aufgelöster Körper mit stilisierten Flügeln an, deren Spitze im Maul des Rindes endet. Wie bei den Maskenfibeln haben sich die Gestalten der Form des Verzierungsträgers angepaßt. Die Komposition der Darstellungen ist streng symmetrisch.

Auf den Ringen sind Tier- und Menschenformen miteinander zu verschiedenen Mischwesen verbunden. Beschreibungen solcher Metamorphosen finden sich häufig in der inselkeltischen Mythologie[cxxii] [Siehe III.2. Über die Bedeutung des Tieres in den inselkeltischen Mythen]. Die Armreifen könnten eine bildliche Umsetzung dieses mythischen Themas wiedergeben.

J.-J.Hatt[cxxiii] sieht in den Gestalten auf den Ringen die drei Hauptgötter der Kelten. Seiner Meinung nach stellt die Gestalt mit dem Raben Lugh, die Gottheit des Weitblicks, der Wahrsagung, der Medizin und der Handwerke dar. Das Tierohr auf seinem Hut würde ihn mit Cernunnos verbinden. Er teile sich einen Unterkörper mit Teutates, der durch stilisierte Widderhörner auf Stirn und Schläfen gekennzeichnet sei.

I.6.2. Der Waldalgesheimer Stil

Dieser Stil wird auch der „fortlaufende Pflanzenstil[cxxiv]“ genannt. Das charakteristische Merkmal ist die Ranke. Sie besitzt unzählige Seitenarme und verbindet Pflanzen-, Tier- und Menschendarstellungen zu einem Ganzen. Für sich alleine sieht man sie in schlangenförmiger, langgezogener und verdrehter Form mit vielen Auswüchsen. Sie verleiht dem Ornament einen dynamischen Charakter und wird auch dreidimensional im Relief dargestellt. Das Volumen erhält sie durch Verdickungen und Schwellungen. Diese Art der Ornamentierung verbreitete sich schnell und findet sich auch auf Schwertscheiden, Armreifen, Halsringen, Fibeln, Schmuckscheiben und anderen Gegenständen.

Während des Waldalgesheimer Stils kam es zu einer weiteren Zerlegung pflanzlicher Motive. Die neue Zusammensetzung ließ neue Gebilde entstehen. Verwendet wurden S-Spiralen, Peltamotive, Wellenranken, Fischblasen, trompetenartige Formen und die keltische Palmette. Die Verzierungselemente sind plastisch ausgebildet und im Relief wiedergegeben. Den Grundmotiven wurden Elemente aus der Kunst der italischen Kulturen hinzugefügt. Neben der achsialen Symmetrie findet sich die radiale Symmetrie. Die Koralle wurde in die Verzierung miteinbezogen und erstmals erscheint das rote Email. Die keltische Kunst verwendete selten Flechtbandmuster. Diese bestehen aus sich überschneidenden Bogenlinien und sind nur schwer zu entwirren. Ohne das Flechtbandmuster wirken die Ornamente aufgelockerter, verlangen aber eine genauere Berechnung.

Aus den Ornamenten entwickelten sich Menschenköpfe, obwohl nicht immer zu erkennen ist, ob, wie bei der verkehrten Palmette, überhaupt ein Gesicht gemeint ist. P.Jacobsthal[cxxv] nennt diese zwei- oder mehrdeutig lesbaren Ornamente den „Cheshire-Style“ nach der Katze in „Alice im Wunderland“, die oft nur schemenhaft in den Zweigen eines Baumes erscheint. In das Ornament wurden nicht nur anthropomorphe Masken, sondern auch Vögel und Greife eingebunden.

Die zweite Stufe des frühen Latènestils wurde nach einem Grab in Waldalgesheim am Mittelrhein benannt. Die Beigaben bestehen aus verschiedenen Gegenständen und Goldringen, die besonders qualitätvolle Belege für die neue Stilrichtung sind. Es handelt sich um das Grab einer Frau, der außer ihrem Schmuck und Trinkgeschirr auch ein Wagen und das Pferdegeschirr mitgegeben wurden. Obwohl diese Grabausstattung noch der Ausrüstung eines Fürstengrabes entspricht, sind solche Beisetzungen in der Waldalgesheimerperiode nicht mehr üblich. Während die keltische Röhrenkanne mit aneinandergereihten Blatt- und S-Elementen, auf deren Deckel eine kleine Pferdestatuette aus Bronze angebracht ist, noch auf den frühen Stil hinweist, gehören die Goldringe einer neuen unbekannten Stilrichtung an. Sie sind durch einen kampanischen Bronzeeimer, der sich ebenfalls in dem Grab befand, auf das ausgehende 4.Jh.v.Chr. datiert.

Auf den Pufferenden der Halsreifen befinden sich langgezogene und kurze S-Spiralen. Das beidseitig anschließende symmetrische Ornament wird aus einer durchlaufenden Ranke gebildet, die an- und abschwillt, sich teilt und an einigen ihrer Enden sternförmige Abschlüsse hat [Abb. 8]. Solche Rankenornamente waren im frühen Stil nicht verwendet worden. Der Waldalgesheimer Stil konnte nur durch eine neuerliche Anregung durch griechische und etruskische Pflanzenornamente entstanden sein.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abb. 8

Torque

Gold, Zweite Hälfte 4.Jh.v.Chr.

Waldalgesheim

Rheinisches Landesmuseum Bonn

Die keltischen Künstler lösten sich nun wesentlich stärker von ihren mediterranen Vorlagen und schufen eigene Formen. Es entstand eine durchlaufende Wellenranke mit Wirbeln und anderen Verästelungen. Figürlicher Schmuck wurde selten hergestellt, nur die menschliche Maske fand weiterhin, entweder mit dem Ornament verbunden oder sogar aus ihm selbst entstanden, Verwendung. In einen Zügelring aus dem Waldalgesheimer Grab sind zwei einander zugewandte Vögel mit langen S-förmigen Hälsen eingefügt, die sich harmonisch mit einer den Ring umgebenden, durchlaufenden Wellenranke verbinden.

Die zweite Phase der frühen Latènekunst wird nach P.Reinecke auch Stufe B genannt. Vereinzelt findet sich noch die Certosa Fibel aus dem 5.Jh.v.Chr., aber die Hauptform bildete die einfache Gestalt der sogenannte Duxer Fibel[cxxvi] mit einem zu Beginn kleinen, dann immer größer werdenden Schlußknopf und die sogenannte Münsinger Fibel[cxxvii] mit einer Schlußscheibe. Die Arm-, Bein- und Halsringe sind häufig mit pufferartigen Enden versehen. Fibeln und Ringe bestehen meistens aus Bronze. In der Keramik finden sich flaschenförmige Gefäße, Eimer und halbkugelig konische Schalen mit einer Bodendelle.

Bis auf die Linsenflasche aus Matzhausen sind fast alle anderen unverziert oder durch quer verlaufende dünne Tonwülste gegliedert. Abgesehen von den schlanken Flaschenformen treten in dieser Zeit Gefäße mit einer doppelkonischen Grundgestalt auf, die an Urnen aus der Hallstattzeit erinnern. Sie besitzen auf der Schulter Querwülste und können auch ein einfaches Stempelmuster als zusätzliches Verzierungselement haben. Im Zentrum von radial angeordneten Ornamenten wie Ranken oder Fischblasenmustern kann sich, abgesehen von der S-Spirale, auch ein Würfelauge befinden.

Seit dem 4.Jh.v.Chr wurden breite, halbrunde Schalen mit einem tiefen Umbo auf der Standfläche und einem etwas ausladenden Hals hergestellt. Sie stammen aus der Serie der Braubacher Schalen, die ihren Namen von einem Fundort in Rheinland-Pfalz haben. Auf der Innenseite befinden sich kurvolineare Motive und regelmäßiger Stempeldekor, der manchmal auch auf der Außenseite angebracht ist. Der Stempeldekor ist häufig wie bei ihren Vorläufern aus der Hallstattzeit radial um die Bodendelle angeordnet. Auf einigen Schalen sind große Bögen und lange S-Kurven in leichtem Relief angebracht. Das Nebeneinander verschiedener Ornamenttechniken zeigt ein gleichzeitiges Fortsetzen von sowohl mediterraner als auch Hallstatt-Tradition.

Eine Übergangsform vom Waldalgesheimer zum Plastischen Stil bilden die Scheibenhalsringe[cxxviii]. Die Scheiben sind auf dem vorderen Teil des Ringes angebracht und besitzen rote Emaileinlagen, zwischen ihnen befinden sich kleine Perlen und Kugeln, die mit S-Kurven oder reliefierten Spiralen versehen sein können. Auf dem Reif selbst sind abgesetzte plastische Verzierungen im fortlaufenden Pflanzenstil wiedergegeben. Die Ranken- und Blattmotive werden auch als Peltamotive dargestellt oder enden in der Andeutung eines Vogelkopfes.

I.6.3. Der Plastische Stil

Während der Latènezeit kam es zu mehreren Wanderwellen keltischer Völker. Sie drangen bis nach Kleinasien vor, besiedelten die Po-Ebene, plünderten Rom und Delphi und setzten auf die Britischen Inseln über. Die keltischen Stämme waren im 3.Jh.v.Chr. über ein weites Siedlungsgebiet verstreut und ihre Kunst unterschiedlichen Einflüssen, einerseits durch benachbarte Kulturen, andererseits durch die einheimische Bevölkerung, ausgesetzt. Im Osten[cxxix] machten sich skythische, griechische, dakische, illyrische und thrakische Einflüsse insbesonders in der Keramik bemerkbar, doch konnte sich der üppige Kunstgeschmack der Latènezeit durch die Nähe der hellenistischen Welt nicht richtig entfalten. Währenddessen übernahmen die Kelten der Latènekultur in Südgallien griechische Techniken und etruskische Elemente.

Die Metallarbeiten erreichten höchste Qualität durch den perfektionierten Guß mit der verlorenen Form, das falsche Filigran, in einer Anlehnung an etruskische Werke, und die Pastillage, die eine Bronzeimitation der Granulation ist. Man stellte bunte Glasperlen und Armreifen aus gegossenem Glas her und verwendete es nicht nur für rote, sondern auch für blaue und gelbe Emaileinlagen. Die ersten keltischen Münzen erscheinen. Ihre Vorbilder sind makedonische Münzen.

Im 3.Jh.v.Chr. entwickelte sich die Waldalgesheimer Dekoration mit ihrer vielseitig verwendeten Ranke in zwei verschiedene Richtungen. Einerseits wurde sie im „Ungarischen Schwertstil“[cxxx] rein ornamental auf die Fläche bezogen, andererseits hob man sie im „Plastischen Stil“ dreidimensional hervor und kombinierte sie mit plastisch übersteigerten Gestalten.

Der Plastische Stil stellte den Höhepunkt der „plastischen Metamorphose“ dar. Menschen, Tiere, Pflanzen und abstrakte Formen wurden miteinander verbunden und in neue Wesen umgewandelt. Es entstand ein fließender Übergang zwischen pflanzlichen Motiven, antropomorphen Masken und Tierköpfen. Die Verzierungselemente waren nicht mehr als reine Oberflächendekoration gestaltet und von der Form zu trennen, sondern verschmolzen mit ihr. Es läßt sich nicht mehr klar zwischen Form und Verzierung unterscheiden.

Die Wirbelornamente und Wellenranken sind dreidimensional gewölbt und besitzen zahlreiche Fortsätze, die in Vogel- oder Drachenköpfen enden können. Verzierungselemente wie Buckel, Kugeln, Warzen, Kügelchen und Spiralen treten hervor. Zu den neuen Motiven zählen die Kopf bei Fuß liegenden Blätter, die einem in einen Kreis eingeschriebenen S-Symbol gleichen und das Hakenkreuz, die kurvolineare Svastika mit gewinkelten Armen oder aus sich kreuzenden S-Motiven. Letzteres wird als Glückssymbol gedeutet und findet sich in der östlichen Kunst in Form des Vierer- oder Dreierwirbels wieder. Die komplizierten Kompositionen beinhalten verschiedene Symmetriearten.

Bestimmte technische Konstanten, Motive und Verzierungselemente finden sich in allen keltischen Siedlungsgebieten. Dazu zählen die Verwendung von Stempel und Zirkel, die Übernahme der schnell rotierenden Töpferscheibe, Metallverarbeitungstechniken, die Herstellung von Münzen als Empfänger und Träger zahlreicher Kunstmotive und das Einbeziehen fließender, kurvolinearer Rankengebilde in das Ornament. Die Maske wurde plastisch überzeichnet und mit hervorquellenden Augen, dicken Nasen und kugeligen Backen dargestellt. In den Frauengräbern treten lange Gürtelketten auf. Sie sind teilweise mit einer plastischen Verzierung versehen und besitzen Aufsätze oder Gürtelhaken in Form eines Tierkopfes. Einige haben Emaileinlagen. Halsringe wurden auch aus Eisen hergestellt und besitzen hakenartig umgebogene Enden. Im östlichen Latènegebiet führten die Fibeln das Duxer Schema fort, wobei nun wie im gesamten keltischen Raum der zurückgebogene Fibelfuß mit dem Fibelbügel meist durch ein kleines Kügelchen verbunden wurde.

In Mittel- und Osteuropa ist auf Keramikwaren Stempeldekor angebracht. Gruppen kleiner symmetrisch angeordneter Kreise und Halbkreise befinden sich neben S-Kurven, der kurvolinear dargestellten Svastika, Serpentinen und frei gezeichneten Pflanzenelementen. Die Zierzonen beinhalten Rauten, kleine Kreise und S-Motive, während auf dem Boden des Gefäßes eine kurvolineare Svastika abgebildet ist[cxxxi]. Das gleichzeitige Vorkommen von gestempelten Rauten, in denen sich eine symmetrisch eingefügte Schlange befindet, neben Kreisen und Bogen auf ein und demselben Gefäß ist typisch für die Keramik Mittel- und Osteuropas.

Ein Kennzeichen der MittelLatènekunst sind die Hohlbuckelringe. Diese Ringe[cxxxii] bestehen aus einer unterschiedlich großen Anzahl von hohlen Halbkugeln, die entweder glatt und glänzend gestaltet oder mit einer aufwendige und teilweise plastisch hervorgehobenen Verzierung versehen sind. Hohlbuckelringe mit einem dreidimensional ausgebildeten, kurvolinearen Dekor finden sich besonders häufig im Donauraum. Die Halbkugeln können in unendlicher Folge von Spiralen und S-Kurven umlaufen sein, dazwischen befinden sich schräge Ebenen, Halbflächen und Verbindungsdreiecke. Im Zentrum des Buckels tritt ein Rundknopf hervor, der inmitten der Verzierung die Gestalt eines Auges annimmt. Er wird als Pupille oder Augapfel bezeichnet, aber auch als Knospe, Fruchtschale, Schneckenhaus, Froschauge, Dach- oder Sattelprofil und hat in allen Fällen eine apotropäische Funktion. Es finden sich Halbmonde [cxxxiii] und Pelta-Motive. Die Ornamente können in große Dreierwirbel[cxxxiv] eingefügt sein. Die plastischen Armreifen und Beinringe besitzen normalerweise sechs bis acht Hohlbuckel, treten aber auch mit drei und bis zu zwölf Hohlbuckeln auf. Figürlicher Schmuck bildet die Ausnahme wie ein Stück aus Bratei in Rumänien, an dem Stierköpfe angebracht sind. Selten sind naturnähere Darstellungen wie antropomorphe Masken[cxxxv] oder Fische[cxxxvi].

Ein neues Herstellungsverfahren[cxxxvii] führte im Osten zu einer neuen Art von Armringen[cxxxviii]. Der Körper des Ringes ist aus gebogenen und sich kreuzenden Metalldrähten geformt. Teilweise wurden in das Metallgeflecht Ringe eingehängt. Die Ringe sind leichter und wirken zierlicher. Die Verzierung kann aus falschem Filigran, aufgesetzten Pastillen oder gedrehten Bändern bestehen. Die neue Verzierungsweise führt zu einer Verarmung der typischen Latènemotive. Viele der Stücke sind nur durch die Verwendung von kurvolinearen Motiven, besonders S-Kurven, als „keltisch“ zu bezeichnen.

Aus Brno-Malomerice[cxxxix] stammen Bronzefragmente [Abb. 9], die wahrscheinlich auf eine hölzerne Schnabelkanne appliziert gewesen waren. Es handelt sich um ein dünnes durchbrochenes Rankenwerk, in das Masken und Tierfiguren eingebunden sind. Diese Verkleidung bildet ein frühes Beispiel für die Weiterentwicklung des Waldalgesheim Stils. Die Darstellung eines stilisierten Raubvogels dürfte sich auf dem Deckel befunden haben, während der Ausguß von einem gehörnten Tier gestützt wurde. Die Masken werden sowohl in karikierender Weise, als auch in stilisierter, naturalistischer Form wiedergegeben. An den Enden der zahlreichen Fortsätze befinden sich Tier-, eventuell Vogelköpfe mit großen mandelförmigen Augen. Dieses Kunstwerk vereint die Formenfülle der graphischen Werke des Ungarischen Schwertstils mit den dreidimensionalen Verzierungen des Plastischen Stils und stellt den Höhepunkt der Latènekunst dar.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abb. 9

Beschlag vom Ausguß einer Holzkanne

Bronze, Ende 4.Jh.v.Chr.

Brno-Malomerice, Mähren

In Brå[cxl] bei Horsens in Jütland wurde ein Bronzekessel mit einem stark stilisierten, aber eindeutig erkennbaren Eulenkopf gefunden [Abb. 10]. Er ist an der Attasche appliziert, dahinter verläuft eine kurvolinear gestaltete Ranke mit verdickten Enden an den zahlreichen Fortsätzen die Außenwand des Gefäßes hinunter. Auf dem Rand des Gefäßes befinden sich sehr naturalistisch wiedergegebene Jungrinderköpfe. Das Motiv der auf dem Gefäßrand angebrachten und sich über diesen beugenden Tierköpfe findet sich in der orientalischen, hellenistischen und etruskischen Tradition. Die Kelten übernahmen diese Darstellungsweise und übertrugen sie zumindest im Donaugebiet auf Keramikerzeugnisse, aber sie ersetzten die gefährlichen Tiere wie Greife, Sphingen oder Löwen durch ihnen vertraute Tiere wie Wölfe[cxli] oder Rinder[cxlii]. Die Herstellung von Gefäßtypen mit plastisch ausgebildeten Henkeln[cxliii] ist speziell bei den Ostkelten verbreitet.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abb. 10

Kesselgriff

Bronze, Anfang 3.Jh.v.Chr.

Brå, Dänemark

Forhistorik Museum Moesgaard

Zwei Hauptwerke des Plastischen Stils stammen aus Ciumesti in Rumänien. Bei dem einen handelt es sich um den figürlichen Aufsatz eines Helmes. Er stellt einen Raubvogel[cxliv] mit ausgebreiteten Flügeln dar, der aus verschiedenen Bronzeteilen zusammengesetzt ist. Das Gefieder ist schematisch wiedergegeben und die Augen waren ursprünglich mit Email eingelegt. Wahrscheinlich ist der Vogel mit einem Raben zu identifizieren, dessen Bedeutung sowohl in der inselkeltischen Mythologie als auch in den antiken Berichten hervorgehoben wird. Als Verkörperung der Kriegsgöttin sollte er wohl dazu dienen, den Feind in Schrecken zu versetzen. Das zweite Hauptwerk[cxlv] besteht aus einer großen und zwei kleineren Phaleren, die Teile eines Kettenhemdes sind. Die größere Phalere gliedert sich in drei konzentrische und durch schraffierte Linien voneinander getrennte Zonen mit reliefiertem Dekor.

In der Mitte befindet sich ein hervorgehobener kurvolinearer Dreierwirbel. Acht schraffierte Linien führen von seiner Umrandung durch die anderen beiden Zonen nach außen und teilen sie in jeweils acht der Länge nach gewölbte Felder. Die Felder der äußeren Zone sind abwechselnd mit zwei entgegengesetzten flachen Halbmonden und mit eine „Lyra“ bildenden S-Kurven verziert.

Auch während der MittelLatènezeit schließen viele der verwendeten Verzierungsmotive an italische Vorbilder an[cxlvi]. Sie zeigen, daß selbst auf dem Höhepunkt der Latènekunst der Kontakt mit dem Süden nicht abgebrochen war.

Eine Besonderheit bildet das Heiligtum von Roquepertuse[cxlvii]. Es wird in die MittelLatènezeit datiert. Dort wurden ein Türsturz mit tief eingeschnittenen, stilisierten Pferdeköpfen, ein kleiner, einfacher Portikus mit Nischen, die zur Aufnahme von Totenschädeln bestimmt waren, ein großer Vogel aus Stein und zwei lebensgroße Steinplastiken von Männern mit untergeschlagenen Beinen[cxlviii] gefunden.

Eine ähnliche Sitzstatue und einen Türsturz mit Zellen fand man auch im antiken Glanum[cxlix]. Weitere Kalksteinfiguren stammen aus Entremont. Bei diesen Statuen dürfte es sich um Ahnenfiguren handeln. Technik und Sujets der Skulpturen sind einer „frühmediterranen“ Kunst entlehnt, die von Fernand Benoit gesammelt und beschrieben wurde. P.M.Duval[cl] spricht von hellenistisch-kelto-ligurischer, sakraler Kunst, da im südlichen Gallien die iberischen und ligurischen Traditionen vom Hellenismus beeinflußt waren.

Außerdem entdeckte man im Heiligtum von Roquepertuse einen Januskopf [Abb. 11], dessen Gesichtszüge an etruskische Skulpturen erinnern. Bei dem Januskopf scheint es sich um zwei individuelle Köpfe, die sich am Hinterkopf berühren, zu handeln, die jedoch vermutlich das nach zwei Richtungen orientierte Gesicht einer einzigen Person wiedergeben. H.Birkhan[cli] sieht darin ein Zeichen übermenschlicher Macht und Würde, das auf ein Doppelkönigtum zurückgeführt werden könnte.

Vielleicht war das Januskopfmotiv[clii] auch ein Versuch, die Vereinigung von Gegensätzen bildlich darzustellen. Jedes Wesen besaß nach keltischer Auffassung positive und negative Eigenschaften, eine Ambivalenz, die uns immer wieder in den inselkeltischen Mythen begegnet. Ebenso könnte die Verbindung von einem Tag und einer Nacht, die zusammen die Ewigkeit ergeben, gemeint sein [Siehe III 4.5.2. Erzählungen über die Bewohner der „Anderen Welt“] oder der Herrscher der „Anderen Welt“ vereint mit dem Herrscher der Menschenwelt [Siehe III.5.2.1. Pwyll Pendevig Dyved ]. Eine Vereinigung von Gegensätzen ist auch die Vorstellung von zwei verschiedenen Welten, die zusammen das Ganze ergeben. Die Keule des Dagda ist ein Symbol für dieses Motiv, denn er konnte mit einem Ende dieser Keule das Leben nehmen, es aber mit dem anderen wieder zurückgeben [Siehe II.10.1. Der irische Dagda ]. Es wäre also nachvollziehbar, daß die Kelten, nachdem sie Kenntnis von den griechischen Hermen erhalten haben, darin ein geeignetes Mittel sahen, ihre Vorstellungen von der Ambivalenz jedes Wesens bildlich umzusetzen.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abb. 11

Januskopf

Stein, 3.Jh.v.Chr.

Roquepertuse, Bouches-du-Rhône

Musée de la Vieille Charité Marseilles

I.6.4. Die Zeit der Oppida

Zu Beginn dieser Epoche kam es in Mitteleuropa zu einem einschneidenden Kulturwandel. Im gesamten keltischen Gebiet wurden große, stadtartige Siedlungen errichtet, die Cäsar[cliii] „Oppida“ nennt. Nach der Schlacht von Telamon 225 v.Chr. geriet Norditalien unter römische Herrschaft. Der Kontakt mit den Kelten nördlich der Alpen blieb bestehen und führte zu einer neuerlichen Beeinflussung der Kunstentwicklung in Mitteleuropa durch mediterrane Kunstformen. Die römische Vormachtstellung in den eroberten Gebieten wurde bereits nach kurzer Zeit immer stärker und dehnte sich aus. Es kam zu Veränderungen im Bestattungsbrauch. Den Verstorbenen gab man nur noch ausnahmsweise Waffen und Schmuck mit. In der Steiermark erhielt der Tote seit der MittelLatènezeit nur noch „pars-pro-toto“ der Beigaben mit in das Grab. Den Höhepunkt dieses Bestattungsbrauches bildete die SpätLatènezeit, in der dem Verstorbenen dann beispielsweise die Schwertspitze anstelle des Schwerts und die Wagenschiene anstelle des Wagens beigelegt wurde. Um 50.v.Chr. bestattete man sogar nur noch einen Teil des Leichenbrandes und der verbrannten Beigaben.

Die archäologischen Zeugnisse dieser Zeit stammen größtenteils aus Siedlungen, darunter bilden wertlose Gegenstände wie zerbrochene Keramik und kleinere Eisenfragmente den Hauptteil. Sie lassen auf eine Änderung in der Wirtschaft von der Einzel- zur Serienproduktion in größeren Fabrikationszentren schließen. Weiterhin finden sich keltische Verzierungselemente wie kreisförmige Gebilde, die mit Blättern oder Dreiecken gefüllt und untereinander durch an- und abschwellende Ranken mit reichem Beiwerk verbunden sind.

Charakteristisch für die SpätLatènezeit ist die Graphittonware, die mit einer besonderen Verzierung der Oberfläche verbunden ist. Sie wird Kammstrichware genannt, weil man die Furchen mit einem aus mehreren Zinken bestehenden Gerät senkrecht auf der Außenwand anbrachte. Zu Beginn gab es zierlich gestaltete, einfache, konische Töpfe mit einem breiten, wulstigen Mundsaum, doch mit der Zeit wurde die Ausfertigung immer grober. Einige Gefäße haben auf dem Boden ein hahnentrittartiges Zeichen, das eventuell eine Töpfermarke oder Inhaltsangabe darstellt. Zur feineren Keramikware zählen Gefäße, die die Form eines Bechers haben und einen Standfuß besitzen.

Aus Gallien und Ungarn stammen Goldringe mit einer scheinbar ungeordneten, aber regelmäßig wiederholten Anhäufung von Motiven. In den verschiedenen Ebenen sieht man S-Kurven, rhythmisch gestaltetes Knospenwerk[cliv], Knospen, Blumenbänder, S- und spiralförmige Blätter und Pflanzenbüschel. Diese Art der Verzierung wurde wahrscheinlich durch die hellenistische Goldschmiedekunst[clv] angeregt. Außerdem wurden Bronzeringe mit hohlen und massiv gegossenen Buckeln hergestellt. Ein ungarischer Bronzearmring[clvi] besteht aus vier Buckeln und vier ringförmigen Erweiterungen zwischen mit S-Ornamenten verzierten Halbkugeln.

Gleichzeitig entstanden Werke, die starken römischen Einfluß verraten. In Gallien nennt man diesen Stil auch den „Gallo-Römischen Stil“. Der römische Einfluß zeigt sich besonders stark in der Kunst und im Handwerk. Es finden sich aus dieser Zeit neben Schmuck, Waffen, Gebrauchsgegenständen und Geschirr auch bemalte Keramik, Holzschnitzereien, Plastiken aus Bronzeblech und Steinskulpturen aus Südgallien.

Die reiche Zunft der Pariser Schiffer errichtete zu Ehren von Jupiter Optimus Maximus einen Pfeiler[clvii] aus ursprünglich fünf Doppelquadern aus Stein mit einem durchgehenden Bildprogramm. Wahrscheinlich war der Pfeiler damals mit dem Standbild des Gottes bekrönt gewesen. Die Darstellungen zeigen eine Verbindung der autochthonen keltischen Religionsvorstellungen mit der antiken Götterwelt. Von den Quadern sind bis auf einen nur die oberen Hälften erhalten. Sie wurden nach ihren Abbildungen mit verschiedenen Bezeichnungen[clviii] versehen.

Der erste, von dem nur der obere Teil enthalten ist, heißt „Götterpaare“ und zeigt auf jeder Seite zwei Gottheiten, darunter zwei Göttinnen, von denen eine die Inschrift Fortuna trägt, Mars neben einer Göttin, Venus neben einer Göttin und auf der vierten Seite Merkur oder eine behornte Gottheit neben einer Göttin. Der zweite mit dem Namen „Schifferzunft“ besitzt eine Weihinschrift für Jupiter, drei Szenen mit Darstellungen aus dem religiösen und militärischen Leben in Paris und einige sehr verwitterte Inschriften. Auf dem dritten sogenannten „Dioskurenquader“ finden sich Abbildungen von dem inschriftlich genannten Castor, Pollux, Cernunnos mit einem Geweih und Smer mit einer „Keule“. Der vierte und letzte Quader namens „Jupiterquader“ ist vollständig erhalten. Auf ihm sind Iovis, Esus mit einer Sichel, der Tarvus Trigaranos und Volcanus auf je einer Seite des Quaders abgebildet.

Da es sich um den Weihepfeiler einer Schiffergilde handelt, ist es anzunehmen, daß die Dioskuren hier in ihrer Funktion als Nothelfergottheiten auf See wiedergegeben wurden. Wahrscheinlich befindet sich die Seine-Göttin Sequana zusammen mit einer anderen Flußgöttin auf dem ersten Quader, während auch bei Vulcanus seine Beziehung zum Wasser neben der als Schützer vor einer Feuersbrunst hervorgehoben war.

Die Tarasque wurde in Noves, Dép. Bouches-du-Rhône, entdeckt. Es handelt sich um eine Steinskulptur, die eventuell aus dem östlichen Mittelmeerraum stammt und eine Beziehung zum Meer oder Wasser allgemein hat. Die Tarasque besitzt katzenartige Pranken und ein Gebiß, das an ein Reptil erinnert, obwohl die Schnauze für ein Krokodil zu kurz ist. Der Rücken und der Hals scheinen von etwas ähnlichem wie Schuppen bedeckt zu sein. Aus ihrem Maul hängt ein beringter Arm heraus.

Die Darstellungsart des Wesens dürfte aus dem orientalischen Raum kommen und über die etruskische Kunst nach Norden verbreitet worden sein[clix]. Vielleicht hatten die Kelten das orientalische Vorbild ihren eigenen Vorstellungen angepaßt und es handelt sich bei der Tarasque um die dämonische Meereskatze, die in der inselkeltischen Literatur erwähnt wird[clx]. Eine ähnliche Steinskulptur stammt aus Linsdorf im Elsaß. Hier reichen die Schuppen oder das zottige Fell bis zu den Vorderpranken und dem Ungeheuer hängt kein Arm aus dem Maul.

Italisches Bronzegeschirr und andere Luxusartikel waren in Mitteleuropa beliebte Importwaren. Die neuerliche Anlehnung an mediterrane Vorbilder zeigt sich in der Verwendung von anthropomorphen Applikationen auf Schwertgriffen und Achsnägeln, deren Gesichtsschnitt und Frisur eindeutig auf mediterrane Vorlagen zurückgehen. Meist läßt sich der keltische Ursprung des Werkes nur durch die Darstellungsweise von Augenbrauen oder Schnurrbart erkennen. Bereits der steinerne Gott von Euffigneix [Abb. 12] weist gewisse römische Züge auf, aber inhaltlich und der Darstellungsweise nach gehören sowohl der Eber als auch der Torques der keltischen Tradition an.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abb. 12

Statue

Stein, 1.Jh.v.Chr.

Euffigneix, Haute-Marne

Saint-Germain-en-Jaye

Musée des Antiquités Nationales

Die Bronzeplastik von Bouray, Dép. Seine-et-Oise, aus der zweiten Hälfte des 1.Jh.v.Chr. zeigt einen mit untergeschlagenen Beinen sitzenden Mann mit einem überdimensional großen Kopf [Abb. 21]. Die Größe und Ausführung der Beine des Mannes wurden bei der Ausführung vernachlässigt, Anstelle von Menschenfüßen besitzt er Tierhufe, jedoch kein Geweih.

Aus Amiens und Besançon stammen zwei Bronzestatuetten im Stil provinzialrömischer Figuren. Sie zeigen einen mit untergeschlagenen Beinen sitzenden jungen Mann in einer Tunika mit einem Umhängemantel, bei dem vor und leicht unterhalb des Ohres aus dem hinteren Teil der Wange ein Tierohr herauswächst, das nicht ganz bis zum Scheitel reicht. Es könnte sich dabei um ein Hirsch- oder Pferdeohr handeln.

Um die Mitte des 2.Jh.v.Chr. finden sich in Osteuropa Frauengürtel, die entweder aus Fünferreihen von Bernsteinperlenbändern mit plastisch ausgeführten Agraffen und Ösen oder aus langen Bronzeketten mit abwechselnd runden und quadratischen Gliedern, die durch plastisch gearbeitete Zwischenglieder zusammengehalten werden[clxi], bestehen. Den Abschluß kann auch ein Gehänge bilden, das Emaileinlagen[clxii] und auf beiden Seiten eine kurvolineare Verzierung besitzt oder der Abschluß besteht aus einem Anhänger in Rinderkopfform[clxiii], der mit emaillierten S-Kurven oder in Dreiergruppen angeordneten Brüsten[clxiv] versehen war und an dem man weitere Anhänger anbringen konnte.

Zur gleichen Zeit tauchten in Ungarn und Siebenbürgen griechisch beeinflußte Keramikformen mit einem oder zwei Henkeln auf. Sie besitzen plastische Verzierungen[clxv] nach einheimischer und Latène Tradition. Der Henkel kann aus zwei parallel geriefelten, rundstabigen Stücken gedreht sein, wie er sich auch in der griechischen Keramik findet, oder in Gestalt eines Mannes mit zurückgebogener Haltung geformt sein, wobei seine Füße mit dem geknickten Bauchumbruch zusammenwachsen und sich sein Kopf und seine ausgestreckten Arme auf den Gefäßrand stützen[clxvi], aber auch im oberen Teil in zwei miteinander verwachsenen Rinderköpfen enden.

Die Latènekunst der Ostkelten zeigt eine deutliche Beeinflussung durch Vorlagen aus dem Orient. Die Schwertscheide aus Mihovo in Slowenien ist mit einer durchbrochenen Bronzeplatte belegt, auf der ein Tier, bei dem es sich eventuell um einen Hund handelt, mit einem Vogel auf dem Rücken und darunter zwei aufgestellten, gegeneinander gerichteten Tieren mit Ziegenbärten, aber ohne Hörner, die jedoch abgebrochen sein könnten, dargestellt sind. Zwischen ihnen wächst eine Pflanze, die wahrscheinlich das uralte, orientalische Symbol des Lebensbaumes wiederspiegelt. Ähnliche Darstellungen finden sich bereits in der FrühLatènekunst, zum Beispiel auf durchbrochenen Gürtelhaken.

Orientalische Einflüsse lassen sich auch bei dem Silberkessel[clxvii] von Gundestrup aus dem „Fuchsmoor“, Raevemosen in Dänemark, nachweisen. Wahrscheinlich stammt er aus der keltisch-thrakischen Kontaktzone[clxviii] oder ist sogar eine thrakische Arbeit[clxix]. Ursprünglich bestand der Silberkessel aus acht Platten[clxx] mit Brustbildern von männlichen und weiblichen Gottheiten[clxxi], Helden oder Ahnen, die an der Außenseite angebracht waren und aus fünf größeren Platten mit szenischen Darstellungen, die an der Innenseite befestigt waren. Auf der runden Bodenplatte[clxxii] ist ein liegender Stier abgebildet, über ihm eine kleine menschliche Gestalt mit Schwert und Brüsten, vor ihr ein Hund und unter dem Stier ein langgeschwänzter Vierfüßler. Die männlichen Gottheiten tragen entweder einen Schnurrbart oder Vollbart.

Die typischen Verzierungselemente der Latènekunst wie Fischblasen-, Spiral-, Ranken-, Triskelen- und Trompetenmotive fehlen, aber alle Gottheiten bis auf eine, bei der sie eventuell durch den Bart verdeckt ist, tragen einen Torques. Eine der äußeren Platten zeigt einen Gott, der mit erhobenen Händen zwei Hirsche an den Hinterläufen hochhält. Er repräsentiert den „Herrn der Tiere“, der sich auf zahlreichen Werken früher orientalischer Kulturen bis zur persischen und parthischen Kunst wiederfindet.

Die Darstellungen auf den übrigen Platten scheinen keltische Vorstellungen wiederzugeben. Es findet sich der Gott mit dem Hirschgeweih, Cernunnos, der mit untergeschlagenen Beinen zwischen verschiedenen Waldtieren[clxxiii] auf dem Boden sitzt. Seine rechte Hand hält einen Torques, die linke eine gehörnte Schlange.

Man sieht aber auch den Gott mit dem Rad, das er zusammen mit einem Menschen, der einen Helm mit Hörnern trägt, zu drehen scheint[clxxiv]. Neben ihnen befinden sich je zwei hundeartige Raubtiere, darunter drei Greife und die Widderhornschlange. Ein weibliches Brustbild ist von zwei Elefanten, zwei Greifen, einem Raubtier und zwei Rosetten umgeben. Eine weitere Platte zeigt drei Männer mit erhobenen Schwertern, die Stiere bekämpfen. Zwischen ihnen befinden sich Caniden. Die Darstellungen auf dem Kessel von Gundestrup wurden auf verschiedene Arten interpretiert[clxxv].

Vielfache Deutungsmöglichkeiten bietet eine Szene, die eine Prozession von Kriegern zu Fuß auf einen Kessel[clxxvi] zugehend und zu Pferde von ihm wegreitend wiedergibt [Abb.13]. Zwischen ihnen befindet sich ein Baumstamm mit Blattwerk. Neben dem Kessel steht ein wesentlich größer dargestellter Priester, der einen Menschen mit dem Kopf voraus in den Kessel taucht. Man kann darin die Abbildung eines Menschenopfers, ein Initiationsritual, den Kessel des Lebens aus den walisischen Mythen[clxxvii] oder die bildliche Umsetzung einer Szene aus der CuChulainn -Sage[clxxviii] sehen. Einige Krieger tragen Helme mit Aufsätzen in Form von Symboltieren und drei Krieger tragen je eine in einen Tierkopf mit geöffnetem Maul endende carnyx, die keltische Kriegertrompete.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abb. 13

Kessel von Gundestrup

Innenplatte

1.Jh.v.Chr.

Dänisches Nationalmuseum Kopenhagen

Dieses Werk scheint aus dem Donauraum zu stammen, wo sich in der Latènekunst eine starke Beeinflussung durch die thrakisch-dakische Kunst feststellen läßt. Viele Elemente wie die Löwenmähne, die Flügel der Greife, die Kleidung der Männer oder die Haltung der Hunde finden auf thrakisch-dakischen Silberscheiben Entsprechungen[clxxix].

In der Kleinkunst tritt in der Spätlatènezeit die Tierplastik hervor. Die Kelten bildeten größtenteils einheimische Tiere ab. Unter den gefährlichen Tieren befanden sich der Wolf, die Schlange, das Wildschwein und der Bär; außerdem dürfte der wilde Eber[clxxx] dazugerechnet worden sein, sonst handelte es sich um friedliche oder domestizierte Vierbeiner wie das Pferd, den Hirsch, das Rind, das Schaf, den Widder oder das Hausschwein. Eine besondere Rolle spielte der Vogel. Dargestellt wurden Wasser-, Zug- und Raubvögel, darunter der Adler, der Uhu, die Eule, der Rabe, der Reiher, der Kranich, der Schwan, die Ente und die Gans. Von Insekten gibt es keinen bildlichen Nachweis.

Die Tierstatuetten können realistisch[clxxxi] oder stark stilisiert[clxxxii] gestaltet sein. Ganze Tierdarstellungen finden sich fast nur auf Münzen und in Form von Statuetten, sonst steht der Kopf für das Ganze. Tierköpfe bilden häufig den Zierat auf Fibeln, Henkelattaschen, Schwertgriffen, Schmuck, Gürtelhaken oder Vorstecknägeln. Bei diesen Verzierungsträgern wäre eine Wiedergabe des ganzen Tierkörpers nicht zweckmäßig gewesen.

In dem Kultschacht einer Viereckschanze[clxxxiii] von Fellbach-Schmieden in Baden-Württemberg wurden drei Tierstatuen aus Eichenholz entdeckt [Abb 14 und Abb. 15]. Zu sehen sind zwei heraldisch aufgestellte Steinböcke, in deren Mitte sich eine vermutlich sitzende, anthropomorphe Figur befunden haben dürfte. Erhalten sind nur ihre Hände auf dem Leib der Böcke. Die dritte Statue stellt einen Hirsch dar. Wahrscheinlich handelte es sich um ein mehrteiliges Kultbild.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abb. 14 Abb. 15

Steinbockstatue Hirschstatue

Holz, 1.Jh.v.Chr. Holz,123 v.Chr.

Fellbach-Schmiden, Fellbach-Schmiden,

Baden-Württemberg Baden-Württemberg

Württembergisches Württembergisches Landesmuseum Landesmuseum

Stuttgart Stuttgart

Die immer stärker werdende Bindung an die römische Lebenswelt führte auf dem Kontinent im Endeffekt zum Ende der Latènekunst. Mit der Eroberung Galliens durch Cäsar und der Unterwerfung des Alpenraumes durch die Stiefsöhne des Augustus, sowie mit dem Vordringen der Germanen endete die Entwicklung der Latènekunst. Nur auf den Britischen Inseln konnte die Latènetradition in der Umbruchszeit weiterbestehen und sogar eine neue Hochblüte erleben. Sie wirkte bis in das Mittelalter hinein und fand in der irischen Buchmalerei einen neuerlichen Ausdruck.

I.6.5. Die Schwerter

Im 5.Jh.v.Chr. kam es zu einem Wechsel von den kurzen Dolchen mit breiter Klinge der Hallstattkultur zu den eisernen Latèneschwertern mit langer gerader Klinge, die im Laufe der Zeit immer länger wurden.

Der Schalenmund der Schwerter ist glockenförmig gestaltet. Den Abschluß bildet ein schmaler Steg. Auf der Rückseite ist unter diesem Steg der Schwertriemenhalter oder Tragbügel mit unterschiedlich großen Attaschen angebracht. Die Scheidenspitze[clxxxiv] ist verstärkt und häufig verziert. Die Verstärkung kann als offener Typus in Kreis- oder Herzform mit eingesetzten Rundeln, als kleeblattförmiger Typus mit drei Zierscheiben oder als geschlossener Typus mit spitzovalem Grundriß in unterschiedlicher Dicke gestaltet sein. Spätere Ortbänder sind auf die Schwertkontur gearbeitet. Der Griff ist teilweise mit Masken, apotropäischen Gestalten oder anthropomorphen Formen verziert. Bei kostbaren Stücken, sogenannten Prunkschwertern, kann er massiv gegossen sein.

Die Schauseite der Scheide besteht häufig aus Bronze und ist in vielen Fällen verziert[clxxxv]. Sie kann mit einer punzierten, ziselierten, gravierten, geätzten oder getriebenen Verzierung versehen und das Zubehör wie Ortband oder Riemenhalter plastisch ausgeführt sein. Die Verzierung ist in den meisten Fällen der schmalen, häufig durch eine Mittelrippe geteilten Grundfläche unterworfen. Eine Ausnahme bildet die szenische Darstellung auf dem Hallstattschwert. Die meisten Verzierungen dürften zum Schutz und zur Verherrlichung des Trägers, oder um den Gegner einzuschüchtern angebracht worden sein.

Besonders häufig finden sich während der frühen Latènezeit „Leiern“ mit Greifenköpfen oder das sogenannte heraldisch angeordnete „Drachenpaar“ unterhalb des Scheidenmundes. Im frühen Stil überwiegen Stempelmuster, während der Waldalgesheimer Periode Drachen- und Greifenpaare. Die mit Stempeldekor versehene Schwertscheide aus Potypuszta gehört in Ungarn zu den ältesten verzierten Schwertscheiden der Latènezeit. Wiedergegeben sind Quadrate, in die zwei stark stilisierte Wasservögel symmetrisch eingefügt wurden. Die Quadrate sind gleichmäßig in Form eines einfachen, die Klinge der Länge nach bedeckenden, Flechtbandes angeordnet. Dazwischen befinden sich Würfelaugen und Peltamotive. Eine ähnliche Verzierung trägt die Schwertscheide aus der Laubgasse in Graz.

Es gibt auch Beispiele für die typischen Waldalgesheimer Pflanzenornamente mit der geschwellten Wellenranke. Aus einem Grab bei Filottrano[clxxxvi] stammt eine verzierte Bronzescheide. Die aufeinander folgenden verkehrten Palmetten bilden ein Gesicht mit langer Nase und erinnern nur noch entfernt an das zugrunde liegende vegetabile Ornament. Dazwischen befinden sich Ranken mit zwei Blättern und große schräg liegende S-Kurven. Die verschiedenen Motive sind so miteinander verbunden, daß sie sich nicht voneinander trennen lassen. Auf einer südböhmischen Schwertscheide verlaufen an- und abschwellende Wellenranken beidseitig entlang der Mittellinie und lassen ein komplementäres Muster in Herzform entstehen.

In der MittelLatènezeit entstanden als Höhepunkt keltischer Kunstfertigkeit die Werke des „Ungarischen Schwertstils“[clxxxvii] im Osten des keltischen Siedlungsgebietes. Die Schwertscheide gehörte während der Latènezeit zu den wenigen ebenen Metallflächen, auf denen sich der in der Plastik angesammelte Erfahrungsschatz bewußt ins graphische umsetzen ließ. Sonst gab es diese Umsetzung nur auf kleinen, flachen Gebrauchsgegenständen und in der späten Latènezeit auf der Rückseite von Spiegeln. Während sich die Verzierung zu Beginn der Latènezeit noch symmetrisch an die vorgegebene Mittellinie der Scheide anpaßte, zeichnen sich viele der Werke des Ungarischen Schwertstiles durch ein diagonal wiedergegebenes Ornament quer über die Scheide aus. In den meisten Fällen verläuft das Rankenwerk mit seinen Verästelungen und Auswüchsen von rechts oben nach links unten[clxxxviii].

Auf dem Schwert von Jutas in Ungarn ist die überreiche flächige Dekoration symmetrisch angeordnet. Das Rankenwerk schließt an die Waldalgesheimornamente mit ihren verschlungenen Wellenranken an, ist aber im Gegensatz zu der dreidimensionalen Ausführung des plastischen Stils an die Fläche gebunden. Dieses Rankenwerk zieht sich, einem eigenen Rhythmus folgend, ohne Bezug auf seine Fassung über die vorgegebene Fläche. Zahlreiche Scheiden sind während des Ungarischen Schwertstils mit Ornamenten versehen, die sich schräg über die Scheide ziehen, symmetrisch der Mittellinie folgen oder eine Hälfte der Scheide bedecken.

Allgemein wird davon ausgegangen, daß sich die zentralen Produktionsstätten der Schwerter, die im „Ungarischen Schwertstil“ verziert sind, im Osten befunden haben und sie durch Handel, wandernde Krieger oder als Geschenk in den Westen kamen. Die qualitätvollen Funde aus der Weststeiermark lassen aber darauf schließen, daß sich auch in diesem Gebiet eine solche Produktionsstätte befunden hat, denn sie scheinen älteren Datums als die ungarischen Schwertscheiden zu sein.

José Maria de Navarro hat eine Stilentwicklung der Schwertscheidenverzierungen entworfen. Er geht davon aus, daß zu Beginn einfache Exemplare mit einem Dekor auf dem Oberteil oder Mundblech der Scheide hergestellt wurden. Dargestellt hätte man zwei gegenständige imaginäre Tiere in der Form von „Seepferdchen“ oder Vögel mit einem S-förmigen Körper. Die Vorbilder würden aus dem Orient stammen. Später wäre daraus ein „Drachenpaar“ aus hybriden knienden Wesen mit Menschenbeinen, verdrehtem Schwanz oder aufgerichtetem Glied, Tierkopf mit großen runden Augen sowie weit geöffnetem Maul und dünnem Leib entstanden. Der Drachenkörper konnte auch kreisrund wiedergegeben sein und einen Raubvogelkopf besitzen. Nach Duval[clxxxix] entwickelten sich aus dem einfachen gravierten Dekor im Laufe der Zeit immer ausgelassenere und ungezwungenere Verzierungen in Form eines Pflanzendickichts, in dem sich Ansätze zu Vogelköpfen befinden und das sogar als Flechtband gestaltet sein kann.

II. DIE KELTISCHE DASEINSDEUTUNG

II.1. Das Quellenmaterial

Die Rekonstruktion der keltischen Götterwelt, ihrer Kulthandlungen und Jenseitsvorstellungen kann nur der Versuch einer Interpretation des Quellenmaterials sein, da die Kelten selbst keine schriftlichen Aufzeichnungen hinterlassen haben.

Das Quellenmaterial setzt sich aus Berichten antiker Schriftsteller, den seit dem 6.Jh.n.Chr. aufgezeichneten Überlieferungen der Inselkelten und aus archäologischen Denkmälern zusammen. Die Interpretation der verschiedenen Quellen erfolgt unter Einbeziehung der modernen Forschungsergebnisse.

Die Grundlage jeder Erforschung der keltischen Daseinsdeutung bilden die klassischen Überlieferungen. Um sich ein Bild über die keltische Daseinsdeutung machen zu können, muß man sowohl die Überlieferungen als auch die archäologischen Funde mit den modernen Forschungsergebnissen aus den verschiedenen Geistes- und Naturwissenschaften, aber auch mit der Weltdeutung ähnlich strukturierter, besser dokumentierter oder noch existierender Kulturen vergleichen. Die Kenntnis der inselkeltischen Verhältnisse und der vergleichenden Ethnologie und Mythenforschung ist für das volle Verständnis der klassischen Überlieferungen unentbehrlich.

Besondere Schwierigkeiten bereitet es, eine Antwort auf die Frage nach Riten, Kulthandlungen und Sittenlehre der Festlandkelten zu finden. Auch die christliche Religion ließe sich nur sehr schwer aus ihren Baudenkmälern, Inschriften, Kunstwerken und den Notizen heidnischer Schriftsteller rekonstruieren.

II.1.1. Keltische Aufzeichnungen

Zu den keltischen Aufzeichnungen zählen Inschriften[cxc] auf Weihesteinen und anderen Gegenständen wie Keramik, Schmuckstücken oder Fluchtafeln in keltischer, griechischer[cxci] und lateinischer[cxcii] Sprache. Die Bewohner der Gallia cisalpina verwenden das lepontische Alphabet der Etrusker und die keltiberischen Inschriften sind in einer von den Phönikern übernommenen semitischen Silbenschrift[cxciii] geschrieben.

Es sind zahlreiche keltische Götternamen erhalten; davon treten viele nur einmal auf. Durch die Unsicherheit bei der Bestimmung im Einzelfall, ob ein Name keltisch ist oder nicht und durch die hinzutretenden Neufunde sind genaue Zahlenangaben nicht möglich[cxciv]. Meistens finden sich diese Götternamen als sogenannte „Beinamen[cxcv]“ römischer Gottheiten, wobei die römische Gottheit, wie Birkhan[cxcvi] sicher richtig vermutet, häufig die zusätzliche oder vielleicht sogar Hauptfunktion der keltischen Gottheit bezeichnete. Durch die „Interpretatio Romana[cxcvii]“ wurde versucht, gallische Götter mit den römisch-mediterranen deckungsgleich zu machen, auch wenn dann häufig andere, zusätzliche Funktionen der gallischen Gottheit unbeachtet blieben[cxcviii].

Häufig bezeichneten die Beinamen das Toponym der Lokalgottheit mit dem sie in Verbindung gebracht worden war, aber ihre Verehrung konnte, auch wenn sie auf bestimmte Orte konzentriert war, universale Bedeutung haben. Die Beinamen konnten sich auf das Gebiet ihrer Verehrung, den Stamm, der sie verehrte, eine bestimmte Lokalität wie eine Heilquelle, einen Fluß oder einen Berg, beziehen oder ein spezifischer Eigenname sein. Sie konnten aber auch eine Beziehung zur Funktion der Gottheit haben oder ihren Charakter näher beschreiben.

II.1.2. Archäologische Funde

Zahlreiche Darstellungen auf keltischen Kunstwerken lassen eine religiöse Symbolik oder bildliche Umsetzung mythologischer Themen vermuten, aber auf Grund der fehlenden Aufzeichnungen über ihren Sinngehalt ist eine Interpretation schwierig. Informationen über das Siedlungswesen, die Bewaffnung, den Schmuck, das Trachtzubehör, die Keramikformen, die Verarbeitungs- und Verzierungstechniken, die verwendeten Materialien, den Handel, aber auch die medizinischen Kenntnisse und die Nahrungsmittel können durch das Auswerten von Siedlungs-, Hort- und Grabfunden gewonnen werden.

Bei den Hortfunden kann es sich sowohl um ein weltliches Depot, als auch um eine Opfergabe handeln. Bei letzterer wurden die Gegenstände häufig unbrauchbar gemacht. Sie befinden sich unter anderem auf mutmaßlichen Kultplätzen, die sich in vielen Fällen unmittelbar in der Nähe von auffälligen Landschaftsformen befinden. Mit großer Wahrscheinlichkeit kann man auch die sogenannten „Viereckschanzen“, bei denen es sich um eingefaßte Bezirke handelt, dazuzählen, da sich in vielen von ihnen Spuren kleiner Gebäude und tiefer Opferschächte befinden.

II.1.3. Berichte und Erwähnungen bei antiken Autoren

Die meisten Nachrichten von antiken Autoren[cxcix] über die Kelten befassen sich mit ihren Kampftechniken, ihrem Aussehen oder überliefern merkwürdige und barbarische Riten sowie seltsame religiöse Kulte, sofern sie spektakulär genug waren. Über den Alltagskult, die Namen der keltischen Gottheiten, die Art ihrer Verehrung und das Aussehen ihre Heiligtümer besitzen wir fast keine Beschreibungen. Man muß also davon ausgehen, daß die antiken Berichte nicht geeignet sind, ein objektives Bild über die keltische Kultur zu vermitteln.

Eine Zusammenstellung der Quellen findet sich bei K.Tomaschitz[cc]. Hekataios von Milet[cci] berichtet im 6.Jh.v.Chr. von den Kelten in Zusammenhang mit Massalia, Narbon und der nicht lokalisierten Stadt Nyrax. Der griechische Schriftsteller Herodot[ccii] erwähnt, daß die Donau im Keltenland bei Pyrene entspringt und daß die Kelten, abgesehen von den Kynetes, das westlichste Volk Europas seien. Weitere Nachrichten finden sich bei Aristoteles[cciii], dem griechischen Historiker Polybios von Megalopolis[cciv] und dem Stoiker Poseidonios von Apameia[ccv]. Die umfangreichste Beschreibung der keltischen Kultur verdanken wir G.J.Cäsar[ccvi]. Es ist anzunehmen, daß er die Schriften der griechischen Autoren, darunter die Werke von Poseidonios, kannte, aber wahrscheinlich beschränkte er sich auf jene Bereiche, die Poseidonios vernachlässigt oder den zeitgemäßen Verhältnissen nach nicht richtig dargestellt hatte, da er nicht wiederholen wollte, was jeder gebildete Römer ohnehin schon im Original gelesen hat[ccvii].

Diodoros von Sizilien[ccviii] schrieb eine bis 54 v.Chr. reichende Weltgeschichte. Das 5.Buch handelt von den Kelten unter Verwendung von Poseidonioszitaten. Der Geograph Strabon aus Amaseia[ccix] in Kleinasien schrieb in seiner „Geographia“ auch über die Kelten, insbesondere die Galater in Kleinasien, aber auch über die Kelten in Britannien und auf dem Festland im allgemeinen. Berichte über die Kelten enthalten die Überlieferungen von den Historikern Titus Livius[ccx] und Pompeius Trogus[ccxi]. Letzterer war selbst keltischer[ccxii] Abstammung und hatte sicher vieles aus der noch lebendigen Tradition Südgalliens berichtet. Cornelius Tacitus[ccxiii] verfaßte eine Bibliographie seines Schwiegervaters und Britannieneroberers Iulius Agricola. Plinius der Ältere lebte von 23/24 bis 79 n.Chr. und berichtet in seinem Werk „Naturalis historia“ über die Kelten und verschiedene Rituale. Aus Kleinasien stammen die Historiker Cassius Dio[ccxiv] und Ammianus Marcellinus[ccxv]. Letzterer beruft sich bei seiner Beschreibung der Keltenherkunft auf Timagenes aus Alexandrien zur Zeit der Herrschaft des Augustus.

II.1.4. Ethnologie, Mythenvergleiche, Linguistische Auswertungen und Etymologien

Das Problem linguistischer Untersuchungen liegt darin, daß Namen meist den Hinweis auf das Vorhandensein einer bestimmten Funktion geben können, daß man aber deswegen nicht auf das Nichtvorhandensein anderer Funktionen schließen kann. Andererseits bietet die „etymologische“ und sprachwissenschaftliche Quellenauswertung die Möglichkeit durch Vergleiche von ähnlichen Wörtern mit anderen, besser dokumentierten Kulturen in derselben Sprachgemeinschaft Gemeinsamkeiten und Parallelen in Kult, Religion und Mythologie zu finden und auszuwerten.

Die keltische Sprache gehört ohne Zweifel der indogermanischen Sprachgemeinschaft an. Zwischen der Sprache einer Kultur und ihrer Religion, Kunst und Mythologie bestehen enge Zusammenhänge. Deswegen können andere Kulturen, die derselben Sprachgemeinschaft angehören, trotz meist sehr unterschiedlicher Fremdeinflüsse, für eine religionsgeschichtliche Rekonstruktion herangezogen werden[ccxvi]. Eine ganzheitliche Erfassung der indogermanischen Kultur strebte G.Dumezil[ccxvii] mit Hilfe der vergleichenden Mythologie und Etymologie an. Er kam zu dem Schluß, daß es bei den Indogermanen drei Funktionen[ccxviii] gab, die sowohl durch Gottheiten, als auch durch Gesellschaftsklassen vertreten sind. H.Birkhan[ccxix] hält dem entgegen, daß zu untersuchen wäre, ob nicht auch nichtindogermanische Völker auf gleicher oder vergleichbarer Kulturstufe zu derselben Dreiteilung als Ergebnis polyphiletisch auftretender spontaner Kategorienbildung gekommen sind.

Durch Vergleiche mit ähnlich strukturierten, noch existierenden oder besser dokumentierten Ethnien, können Rückschlüsse auf eine zu rekonstruierende Kultur gezogen werden. Bei Parallelen und Ähnlichkeiten ist es möglich, Vorstellungen und Begründungen für ein bestimmtes Verhalten nachzuvollziehen.

II.1.5. Inselkeltische Handschriften

Die in Irland und Wales mündlich überlieferten mythischen Erzählungen wurden erst in christlicher Zeit, als die ihnen zugrundeliegende Religion nicht mehr existierte, gesammelt und aufgeschrieben. In vielen Fällen verkörpern die Druiden das Heidentum, aber einige der heidnischen Sagen- und Göttergestalten lebten später in der Gestalt christlicher Heiliger[ccxxi] weiter.[ccxx]

Die Mythenreste über das Göttergeschlecht der Tuatha De Danann konnten von den christlichen Mönchen wahrscheinlich nur unter der Voraussetzung aufgezeichnet werden, daß man die heidnischen Gottheiten vermenschlichte, also zu Menschen mit magischen Fähigkeiten machte. Wahrscheinlich gibt es aus diesem Grund keine Beschreibungen der Opfer und Gebete für die Tuatha De Danann. Die Grenzen zwischen der Menschenwelt und der „Anderen Welt“, in er sich die magischen Wesen befinden, sind fließend und viele der menschlichen Helden leiten ihre Abstammung direkt oder indirekt von einem Angehörigen der Tuatha De Danann aus der „Anderen Welt“ ab.

In der walisischen Tradition ist der Prozeß der Vermenschlichung heidnischer Gottheiten teilweise noch stärker fortgeschritten. H.Birkhan[ccxxii] vermutet, daß die Vermenschlichung der Götter bereits im Heidentum begonnen hat. Deswegen sollte der Anteil der christlichen Überlieferung, die alten Götter ihrer Macht zu berauben, zu euhemerisieren und zu Zauberern zu degradieren, jedoch nicht unterbewertet werden. Aus Schottland ist eine Sammlung schottisch-gälischer Gedichte erhalten, die vorwiegend dem Sagenkreis um Finn mac Cumaill angehören. Sie wurde von James Mac Gregor und seinem Bruder Duncan zwischen 1512 und 1529 unter dem Titel The Book of the Dean of Lismore, „Das Buch des Dekan von Lismore“, angelegt.

Aus Irland stammen mehrere Sammel- und Einzelwerke. Zu den Sammelwerken gehören Lebor Dromma Snechta, „Das Buch von Druim Snechta“, eine verlorene, einst berühmte und häufig zitierte Handschrift aus der 1.Hälfte des 8.Jh; Lebor na h´Uidre, „Das Buch von der dunkelfarbigen Kuh“[ccxxiii], das neben anderen der Mönch Mael-Muire[ccxxiv] verfaßte, als älteste erhaltene irische Sagenhandschrift, in der sich auch die Tain Bo Cuailnge befindet; Leabhar Laighneach [ccxxv], „Das Buch von Leinster“ enthält die Sage von Finn mac Cumaill und erstmals Lebor Gabála Érenn, „Das Buch von der Besitzergreifung Irlands“ wurde von Aed Mac Crimthann, dem Abt von Teryglas, in den 60er Jahren des 12.Jh. geschrieben; „Das Gelbe Buch von Lecan“ entstand zwischen 1391 und 1399 mit einigen Nachträgen aus dem 16.Jh.; „Das Buch von Ballymore“ wurde zwischen 1384 und 1406 verfaßt.

Die Einzelwerke beinhalten Sanas C(h)ormaic [ccxxvi], „Cormacs geheimes Flüstern“, das in Saltair Chormaic, die Handschrift von Cormacs Psalter, aufgenommen wurde, Dindsenchas [ccxxvii], „Ortsnamentraditionen“, die bis ins 9.Jh. entstanden und gesammelt im 12. und 13.Jh. aufgeschrieben wurden, Acallam na Senórach, „Unterredung der Alten“, entstand um 1200 und ist seit dem 15.Jh. in Handschriften erhalten, Coir Anmann, „Das Richtige von den Namen“, ist ein Wörterbuch der Personen- und Stammesnamen aus Geschichte und Sage und seit dem 14.Jh. belegt, Foras Feasa ar Eirinn, „Die Geschichte Irlands“ wurde 1633/34 von dem Theologen Dr.Geoffrey Keating fertiggestellt.

Zur walisischen Literatur zählen Lleyfr Du Caerfyrddin, „Das schwarze Buch von Carmarthen“, aus der 2.Hälfte des 13.Jh. mit prophetischen Gedichten aus der Merlin -Sage, das Gododdin des Barden Aneirin mit Schilderungen der Ereignisse des 6.Jh. nach mündlicher Tradition im 9.Jh. aufgeschrieben[ccxxviii] sowie Llyfr Taliesin, „Das Buch des Taliesin“, mit einer Sammlung der Werke von Taliesin [ccxxix] aus dem ersten Viertel des 14.Jh., darunter der Taliesin -Mythos, das Gedicht Kat Godeu [ccxxx], „Die Schlacht von Goddeu“ und Preiddeu Annwfn [ccxxxi], „Die Beraubung von Annwfn“.

Ebenfalls aus Wales sind Llyfr Gwyn Rhydderch, „Das weiße Buch des Rhydderch [ccxxxii]“, aus der Mitte des 14.Jh. mit Pedeir Keinc y Mabinogi [ccxxxiii], „Die Vier Zweige des Mabinogi“, und weiteren Erzählungen darunter Mal y Kavas Kulhwch Olwen [ccxxxiv], „Wie Kulhwch Olwen errungen hat“ sowie Llyfr Coch Hergest, „Das Rote Buch des Hergest“, die umfangreichste Handschrift[ccxxxv] mit der gesamten mittelkymrischen Literatur, das um 1400 abgeschrieben worden war.

Trioedd Ynys Prydain, „Die Triaden der Insel Britanniens“ ist ein Einzelwerk und enthält in Dreiergruppen zusammengefaßte wichtige Personen, Tiere, Ereignisse und Dinge mit Anspielungen auf Sagen und wahrscheinliche Mythen. Das Werk Historia Brittonum von Nennius aus dem 9.Jh. enthält die älteste historische Nennung von Kaiser Arthur und eine zusammengefaßte Geschichte über die Einwanderungswellen Irlands. Geoffrey of Monmouth versuchte um 1135 in seiner Historia Regum Britanniae die Geschichte seines Landes zu rekonstruieren und machte mythische Helden zu historischen Königen mit definitiven Lebenszeiten.

II.1.6. Brauchtum und Volksglaube

Über das mittelalterliche Brauchtum bei den Inselkelten berichtet der Kleriker Giraldus Cambrensis, auch Gerald the Welshman genannt. Er bereiste von 1185 bis 1186 Irland und 1188 Wales. Sein Interesse weckten vor allem ungewöhnliche, rückständige oder unsittliche Traditionen und Bräuche. Im Jahre 1186 entstanden Historia oder Topographia Hibernica, im Jahre 1188 das Itinerarium Cambriae und die Descriptio Cambriae. Einige der bis vor kurzer Zeit oder sogar noch heute ausgeübten Volksbräuche[ccxxxvi] lassen auf ein hohes, mit großer Wahrscheinlichkeit vorchristliches Alter schließen[ccxxxvii]. Unter den neuzeitlichen Volkstraditionen enthalten fast nur einige der Balladen aus den schottischen Highlands und die hebridisch-gälischen Òran luadhaidh [ccxxxviii], Waulking Songs, archaisches Gut.

II.2. Untersuchungen über die keltische Weltdeutung

Über die Grundgestalt der keltischen Religion gibt es verschiedene Auffassungen. Camille Jullian geht in seiner „Histoire de la Gaulle“ von einem gemeinkeltischen Pantheon aus, ebenso G.J.Caesar und M.A.Lukanus. Dementsprechend ging die Forschung lange Zeit von der Existenz vieler Stammesgötter mit unterschiedlichen Namen, aber gleicher Wesensart oder zumindest denselben Funktionen aus. Auch die moderne Forschung sieht bei einer bestimmten Anzahl von Gottheiten das Überwiegen der Gemeinsamkeiten.

Duval[ccxxxix] spricht von einem gemeinsamen Pantheon in der Vorstellungswelt der Kelten, dessen Stammesgötter nur räumlich und zeitlich bedingte Varianten darstellen. Diese Abweichungen könnten ebenso auf die autochthone Bevölkerung zurückzuführen sein. Eine ähnliche Auffassung vertritt Francoise Le Roux-Guyonvarc´h[ccxl]. Er schreibt, daß die gallische Vielgötterei allmählich zu einem Vexierbild wird, das umso schneller verschwindet, je tiefer die Studien eindringen und betont, daß das einzige Mittel, über das wir verfügen, um ins Klare zu kommen, der sorgfältige Vergleich mit den inselkeltischen Göttern ist. V.Kruta[ccxli] bemerkt, daß die keltische Religion, im Gegensatz zur Religion der meisten alten Hochkulturen, keinen beständigen, sich niemals verändernden Glauben darstellte, sondern ein zusammengesetztes Pantheon aus Stammesgöttern, lokalen, oft praekeltischen, Gottheiten und speziellen, soziale Klassen betreffenden Kulten, die sich, zusammengebunden in einem flexiblen System, um einige große pankeltische Götter aus einem gemeinsamen mythologischen „Teich“ organisieren.

Die vergleichende Religionsforschung hat bewiesen, daß es eine als Fruchtbarkeits- und Unterweltsgottheit herrschende Frauengestalt im gesamten Mittelmeerraum gegeben hat. Sie wurde bereits im Neolithikum angebetet und zahlreich dargestellt. Das Vorherrschen einer weiblichen Gottheit läßt auf eine erhöhte Stellung der Frau in der Gesellschaft schließen und kann mit einer matriachalen Gesellschaftsform verbunden sein. Zu Beginn der Latènezeit finden sich Reste einer matriachalen Gesellschaftsform in Irland, der Provence und im Rheinland. Weibliche Gottheiten werden im gesamten keltischen Raum verehrt[ccxlii]. Die Unterschiede innerhalb der keltischen Stämme können einerseits auf Einflüsse fremder Kulturen zurückgeführt werden, andererseits durch unterschiedliche Lebensumstände in Bezug auf Vegetation, Klima und Fauna entstanden sein. Allen gemeinsam sind die Vorstellungen von sogenannten „Geisterwelten“, ob sie nun als Jenseits, Unterwelt, die „Andere Welt“ oder die Welt der Götter bezeichnet werden, die man mit Hilfe von Ekstasezuständen, Selbsthypnose, Träumen, oder durch die Einnahme von Narkotika zu erreichen versuchte. Diese Kenntnisse waren Teil der mündlichen Überlieferung.

Die inselkeltischen Überlieferungen berichten sehr oft von der Verwandlung eines Menschen oder Angehörigen der „Anderen Welt“ in ein Tier[ccxliii]. Außerdem tragen viele mythische Gestalten den Namen eines Tieres[ccxliv]. Es könnte sich bei diesen Erzählungen um Reste von älteren Mythen handeln, denn frühere Kulturen fühlten sich häufig mit den Tieren verwandt und bezeichneten sie als ihre Brüder und Schwestern[ccxlv]. Am ausgeprägtesten zeigt sich diese Tierverehrung im Totemismus[ccxlvi]. Wahrscheinlich handelt es sich bei der in der inselkeltischen Literatur beschriebenen, engen Beziehung zu bestimmten Tieren nicht um totemistische Reste, sondern um Kriegermagie, Jagdzauber und Tiermaskierungen. H.Birkhan[ccxlvii] bemerkt, daß, wenn überhaupt, Namen, hinter denen sich keine heroische und kriegerische Symbolik verbirgt, für Totemismusreste in der keltischen Daseinsdeutung am aussagekräftigsten seien.

Bestimmten Gegenständen und Zeichen schrieben die Kelten magische Kräfte zu[ccxlviii]. Teile von Tieren wurden beispielsweise als Amulette verwendet. Sie sollten dem Träger Kraft schenken, aber auch Schutz spenden. In den inselkeltischen Mythen werden Gegenstände[ccxlix] und Waffen[ccl] mit besonderen Eigenschaften beschrieben.

Diese „Dingbeseelung[ccli]“ bezeichnet die „Kraft“ oder das Wesen eines Gegenstandes wie man es heute noch Talismanen und Amuletten zuschreibt. Nach L.Pauli hatten Amulette nicht nur die Funktion, den Träger zu schützen, sondern dienten auch als Grabbeigabe zur Bannung von „gefährlichen Toten[cclii]“, um ihre Wiederkehr als böse Dämonen zu verhindern.

Eine besondere Rolle spielte nach inselkeltischer Tradition der Kessel. Verschiedene Mythen berichten von den Funktionen magischer Kessel. So besaß Dagda den Kessel der Fülle, der niemanden hungrig weggehen ließ, Beadigeidvran den Kessel des Lebens, in dem man gefallene Krieger über Nacht wieder zum Leben erwecken konnte, allerdings ohne die Fähigkeit zu sprechen, und Cerridwen den Kessel der Weisheit, mit dem sie einen Trank braute, durch dessen Genuß Finn seherische Fähigkeiten erhielt. H.Birkhan[ccliii] vermutet, daß der Kessel eine Vermittlerfunktion zwischen den Lebenden und den Toten besaß. Außerdem dürfte er bei den Kelten im Rahmen der Kriegerinitiation eine Rolle gespielt haben, falls es sich bei der sogenannten „Opferszene“ auf dem Kessel von Gundestrup um die Darstellung eines Kessels handelt.

Auch Sprache und Schrift[ccliv] besaßen für die Kelten große Macht. Besondere Kraft hatten schriftlich[cclv] fixierte Beschwörungsformeln oder Verfluchungen. Gefürchtet war der Zorn eines fili Athime áilgesach, ein auf eine besondere Form der „Bitte“ spezialisierter Dichter, denn bei Verweigerung seiner áilges, „Schimpf-Bitte“, konnte man durch einen Spottvers die Ehre verlieren. „Ehre“, „Antlitz“ und „Wange“ hatten dieselbe Bedeutung. Jemanden zum „Erröten zu bringen“ hieß, ihm seine Ehre zu nehmen. Allerdings brachte die Erfüllung einer áilges dem Erfüller in den meisten Fällen großen Schaden. Aer [cclvi] ist ein Verwünschungsspruch oder Spottlied. Seine Wirkung faßte man ganz wörtlich auf; so konnte bei einem Geschmähten ein Ausschlag auftreten, der sein ganzes Gesicht entstellte. Ein Aer konnte auch dem Land die Fruchtbarkeit nehmen. Die filid, Dichter, und banfilid, Dichterinnen verlangten unverschämte Summen für ihre Gedichte und drohten bei Nicht-Bezahlung mit glám dicenn [cclvii], einer magischen Verfluchung, die meist von einem bestimmten Ritus begleitet war[cclviii].

Ähnliche Sprüche kannten der chainte und die ban-chainte, der „Spruchmann“ und das „Spruchweib“. Frauen konnten einen Mann mit einem Bann, Fluch oder Tabu belegen. Die Angst vor diesem Fluch zeigt sich besonders deutlich in der Erzählung von Grainne und Diarmaid [cclix], in der Grainne, damit sie den alten König Finn nicht heiraten muß, Diarmaid mit einer Verfluchung droht, wenn er sie nicht entführt und in der Sage von Derdriu [cclx], nach der sie sich in den jungen Noisiu verliebt und ihm ebenfalls mit einer Verspottung droht, wenn er sie nicht zu seiner Frau macht. In beiden Fällen erfüllen die Männer den Wunsch der Frauen. Dann gab es noch sogenannte „Fluchsteine, die man, wenn jemand verflucht werden sollte, auf einen bullaun, „Steinsockel“ wahrscheinlich eine Art von Altar, legte, den man gegen den Uhrzeigersinn umschritt oder indem man die „Fluchsteine“ gegen den Uhrzeigersinn drehte. Geschah dasselbe jedoch im Uhrzeigersinn, kehrte sich die Wirkung um und aus den „Fluchsteinen“ wurden “Wunschsteine“.

II.3. Die Druiden

Cäsar[cclxi] nennt die Priester in seinem ausführlichen Bericht über ihre Ausbildung, gesellschaftliche Stellung und Tätigkeiten Drui. Der Name stammt von dem urkeltischen Wort dru-uvid, Singular druuids, latinisiert druis, druidis, ab. Es gibt zwei Erklärungsversuche des Namens. Entweder man übersetzt das Element dru - mit „Eiche[cclxii]“ oder mit „stark, wichtig, sehr[cclxiii]“. Das Zweitglied - uid - wird allgemein mit lateinisch videre, „sehen, wissen“ in Verbindung gebracht. Das Druiden- Wort kann also „der Eichenweise“ oder „der Hochweise“ bedeuten.

Der Priesterklasse in der keltischen Gesellschaft gehörten Priester, Seher[cclxiv], Dichter, Magier, Rechtsgelehrte, Philosophen, Astronomen und Ärzte an. Sie beschäftigten sich mit metaphysischen Spekulationen, erfüllten den Kult und führten die Rituale durch, überlieferten die Mythen und die Glaubenslehre und vermittelten zwischen den Menschen und den Göttern. Sie war für jeden zugänglich, der sich berufen fühlte und die lange Ausbildungszeit absolvierte. In ihrem Aussehen unterschieden sich die Druiden[cclxv] durch eine bestimmte Art von „Tonsur[cclxvi]“ von den anderen Stammesmitgliedern. Außerdem trugen sie stets weiße Kleidung. Cäsar[cclxvii] schreibt, daß sie vom Kriegsdienst befreit waren und keine Abgaben zu bezahlen hatten.

Die Mitglieder der Priesterklasse hatten verschiedene Funktionsbereiche. Ihre Namen sind in den inselkeltischen Mythen und in den Berichten antiker Autoren überliefert. Es gab Barden, „Sänger“, Vates [cclxviii], „Seher“, Sacerdos, „Opferpriester“, Magni, „Magier und Astronomen“, Aeditus, „Priester, die dem Tempel einer einzigen Gottheit und ihrem Kult vorstanden“, Eubages oder Euvages, „Seher“, Gutuater [cclxix], „Vater der Stimme“; die irischen fili [cclxx] entsprechen ungefähr den gallischen Vates, Brithem, „Gesetzgeber, Richter und Botschafter“, Scelaige, „Kenner der Epen und Mythen“; der irische Cainte entspricht dem gallischen Gutuater, Senchaid, „Geschichtskundige“, liaig, „Arzt“, léiccerd, der „Arztdichter“ und fáithlíaig, der „Wahrsagearzt“[cclxxi], Cruitire, „Harfenspieler“, Deogbaire, „Mundschenk“, fáith, „Wahrsager“, caragius, „Weissager“ sowie éices, „Seher“. Aus dem alten Irland kennen wir die bandrúid, „Druidin“ und banfáith oder banfilid, „Seherin“. Dryadae, „Druidinnen“ werden erst in Texten aus der späten Kaiserzeit erwähnt.

Das Druidenoberhaupt der Ulter in der CuChulainn -Sage heißt Cathbad. Er besitzt magische Fähigkeiten und tritt auch als Krieger auf. In der Tain Bo Cuailnge fragt König Ailill den aus Ulster vertriebenen Fergus, wer der großartige Mann im feindlichen Heer sei[cclxxii]. Fergus antwortet: „Es ist der liebenswürdige Druide Cathbad inmitten der Druiden von Ulster. Er weiß alles und beherrscht die Elemente. Er blendet die Augen jedes Fremden und bannt dessen Kraft durch sein Wissen.“

Die Griechen und Römer bewunderten das hohe intellektuelle und spirituelle Niveau der Druiden. Sie glaubten, daß ihre Lehre mit der des Pythagoras über die Unsterblichkeit der Seele verwandt wäre[cclxxiii]. Strabo[cclxxiv] überliefert, daß die Druiden sagten, daß die Welt und die Menschenseele unvergänglich wären, aber eines Tages würden nur noch Feuer und Wasser herrschen. Nachdem Cäsar sich mit dem Druiden Diviciacus gegen dessen Bruder, den Häduerfürsten Dumnorix, verbündet hatte, kam Diviciacus nach Rom, um den Senat um Hilfe zu bitten. Dort traf er auch Cicero, der schrieb[cclxxv], daß Diviciacus behaupten würde, die Naturgesetze zu kennen, welches die Griechen Physiologie nennen und daß er die Zukunft durch Beobachtung und Deutung der Zeichen voraussagen könnte.

Über die Druidenlehre gibt es keine schriftlichen Zeugnisse. Die Stammesmythen, ob regional oder überregional, und die Glaubenslehre wurden wahrscheinlich in gebundener und gesungener Rede mündlich weitergegeben. Die Ausbildungszeit betrug nach Cäsar bis zu zwanzig Jahre, während der die Schüler einige Jahre in den Wäldern verbrachten, Verse auswendig lernen mußten und die Natur studierten[cclxxvi].

Die Druiden gaben als Erzieher die Glaubenslehre und Mythen ihres Stammes an die Jugend weiter, aber die magischen Formeln vermittelten sie nur auserwählten Schülern. Pomponius Mela[cclxxvii] berichtet, daß die Druiden Weisheitslehrer waren und die Adeligen zwanzig Jahre lang im Verborgenen, entweder in Höhlen oder in entlegenen Wäldern, unterrichtet wurden. In der Tain Bo Cuailnge wird überliefert, daß der Druide Cathbad hundert tollkühne junge Männer, die die Lehre des Druidentums kennen wollten, unterrichtete, aber nur acht von ihnen waren fähig, sich das Wissen anzueignen.

Der Druide war mit seinem Stamm verbunden und teilte sein Schicksal. Aber es gab auch überregionale Verbindungen. Nach Cäsar[cclxxviii] trafen sich die Druiden der verschiedenen Stämme zu einer bestimmten Jahreszeit im Lande der Karnuten, das als Mitte von ganz Gallien galt. Sie hatten ein gemeinsames Oberhaupt, das alle anderen an Ansehen und Würde übertraf. Starb er, so wurde sein Nachfolger durch Wahl bestimmt. Es konnte aber auch vorkommen, daß sie mit den Waffen um die führende Stellung kämpften. In Britannien soll es besondere Schulen gegeben haben, zu denen sich diejenigen der Druiden begaben, die ihre Lehre genauer kennenlernen wollten.

Als Berater befand sich der Druide an der Seite des Königs. Der König und der Druide waren voneinander abhängig. Der König mußte vom Druiden durch ein Ritual bestätigt werden und während der Herrschaft seinen Rat berücksichtigen. Der Druide hingegen mußte tun, worum ihn der König bat. Dion Chrysostomos[cclxxix] behauptet, daß der König nicht ohne die Zustimmung des Druiden handeln durfte und wie ein Diener seinen Willen vollstrecken mußte. In der irischen Erzählung über den „Rausch der Ulter“ heißt es, daß die Männer von Ulster nicht vor dem König, aber der König nicht vor dem Druiden zu sprechen hatte.

Als Botschafter sprachen sie Kriegserklärungen aus, oder vermittelten als Friedensrichter zwischen feindlichen Stämmen. Sie schlichteten auch innerhalb der eigenen Gruppe Streit. in der Geschichte über den „Rausch der Ulter“ hebt der Druide Sencha seinen Friedensstab, damit die betrunkenen Ulter aufhören, miteinander zu kämpfen und es herrscht augenblicklich Ruhe. Beim „Fest des Bricriu“ verwandelt er einen drohenden Kampf in ein Wortgefecht. Diodor[cclxxx] berichtet, daß die Barden imstande gewesen seien, zwei feindliche Heere, die sich mit gezückten Schwertern gegenüber standen, aus ihrer „tierischen Raserei“ herauszureißen und Frieden zu stiften.

Die Druiden waren Heilkundige. Sie verwendeten Heilkräuter, Zaubertränke und magische Beschwörungsformeln. Nach Ammianus Marcellinus[cclxxxi] kannten sie die Geheimnisse der Natur. Der Wahrsagearzt, fáith liaig, erkundete verborgene Krankheiten und kannte die Zaubersprüche für ihre Heilung. Die Dichter[cclxxxii] konnten mit ihrer Musik die Gefühle der Menschen beherrschen und die Krieger im Kampf mit ihren Gesängen stärken oder schwächen. In den Überlieferungen werden auch Blinde und die aes dana, „fahrenden Leute“, zu den Erzählern und Sängern gerechnet[cclxxxiii]. Den höchsten Stand unter den Musikanten hatten die Harfenspieler.

Bei den Barden handelte es sich um vokale Künstler, die ihre Gedichte in Form von Gesängen vortrugen und dabei von einem Musikanten begleitet wurden. Ein walisisches Gesetz aus der Zeit von König Howel Da, der im 10.Jh.n.Chr. regierte, gibt Aufschluß über die Stellung des Barden in der Gesellschaft. Demnach erhielt der Hausbarde von der Familie ein Tier von jedem Beutezug, an dem er teilgenommen hatte und einen Mann als Diener. Vor dem Kampf hatte der Barde vor der Schlachtreihe über den Ruhm des Königreiches zu singen. Erbat er ein Geschenk von einem Führer, so mußte er es mit Gesang tun, von einem Baron, so mußte er drei Lieder singen, aber wenn er es von einem Unadligen erbat, so mußte er singen bis er einschlief. Der Landbesitz des Barden war von den Steuern befreit. Sein Herr hatte ihm eine Harfe und eines seiner Pferde zu geben. Von seiner Herrin erhielt er einen goldenen Ring. Außerdem war es ihm verboten, sich von seiner Harfe zu trennen.

„Paralogismen“, intuitive Erfahrungen und unbegreifliche Erlebnisse, waren für die Handlungen eines Kelten von großer Bedeutung[cclxxxiv]. Besonders Naturgewalten und -erscheinungen wurden als Ausdruck des Übernatürlichen oder Göttlichen gewertet und dementsprechend verehrt. Der Religion und der Magie ist die Anerkennung eines metaempirischen Bereiches in Form einer „Anderen Welt“ gemeinsam. Diese ist von Geistern, Ahnen und Göttern bewohnt. Aber im Gegensatz zum rein religiösen Menschen, der bereit ist, sich dem Willen der Götter zu unterwerfen, versucht der Magier, ihn zu beeinflussen und sich nutzbar zu machen[cclxxxv], wie man es bei den keltischen Druiden anhand der Überlieferungen beobachten kann.

Der Druidenmagier konnte Illusionen erschaffen und kannte die verschiedenen Zauber- und Beschwörungsformeln. Eine gefährliche Kunst der Druiden bestand darin den Gegner zu verblöden oder wahnsinnig werden zu lassen. Dazu nahm er einen dlui fulla, „flatternden Strohwisch“ und lud ihn mit Verfluchungen auf. Dann warf er ihn dem Gegner ins Gesicht, woraufhin dieser sofort wahn- oder schwachsinnig wurde[cclxxxvi]. Zu den magischen Fähigkeiten gehörte auch die Wiederbelebung Toter, entweder mit einer Gesundheitsquelle oder mit einem Kessel. Mit Hilfe des fith-fath - oder féth-fiada -Zaubers konnten die Druiden sich und andere verwandeln[cclxxxvii]. Außerdem gab es den Trank des Vergessens, den Zauber des langen Lebens, den Todeszauber, den Verwundungszauber, den Zauber, um den Gegner zum Schweigen zu bringen, den Zauber, um den Mund des Gegners zu verschließen, den Zauber um Sturm zu erregen und viele mehr[cclxxxviii]. In den Heiligenlegenden wurde der Druide zu einem Corrguinech, „Zauberer“, und der weibliche Druide, Bandrúid, zu einer ammait, „Hexe“[cclxxxix]. degradiert.

Das „Buch von Ballymore“ berichtet, daß für das Gelingen einer Beschwörung bestimmte Bedingungen erfüllt werden mußten. Man mußte im Reich des Königs, für den der magische Text hergestellt werden sollte, fasten. Je dreißig Laien, Bischöfe (hier handelt es sich offensichtlich um einen Zusatz des Verfassers) und fili [ccxc] mußten bei der Abfassung des Textes anwesend sein. Die Dichter hatten sechs Gefährten der sechs verschiedenen Klassen in der Hierarchie der fili um sich zu versammeln. Besonders wichtig war die Anwesenheit der höchsten Klasse, des ollamh, „Mächtigsten“. Er mußte die Gruppe bei Sonnenuntergang auf einen Hügel, an die symbolische Grenze von sieben Ländern führen.

Der Fili stand über dem Barden und war ursprünglich ein „Seher“. Diodor von Sizilien[ccxci] schreibt, daß die Seher großen Einfluß hatten. Sie sagten die Zukunft durch Beobachten des Vogelfluges und Darbringen von Opfern voraus. Sie sprachen in Rätseln und ließen mit Vorliebe das meiste erraten. Ihre Reden waren einschüchternd und hochmütig und tendierten zu tragischem Pathos. Auch Pomponius Mela[ccxcii] erwähnt die charakteristische Redegewandtheit der Druiden. Der fili berechnete den richtigen Tag für eine bestimmte Handlung und kannte als gelehrter Dichter die Geschichte und Mythologie seines Volkes. Diese Kenntnisse erwarb er bei einem anerkannten Dichter, in dessen Lehre er sieben Stufen durchlief. Die Oberste wurde als ollamh, „Meister“ bezeichnet. Der ollamh hat nach einem Gesetzestext[ccxciii] die gleichen Rechtsansprüche wie der rituaithe, „Gaufürst“. Sein Lohn wird in Rindern und Pferden bemessen. Der fili kann im Dienste eines einzelnen Herren stehen oder von einem zum anderen bis nach Schottland und auf die Insel Man ziehen. Zu Beginn der Neuzeit ist der Fili dann bei den irischen Adligen[ccxciv] ein erblicher Stand.

Sanas Cormaic „Das Glossar von Cormac“ beschreibt ein Ritual namens imbas forosnai, „das umfassende Wissen, das aufhellt“, bei dem der fili das Fleisch von einem roten Schwein, einem roten Hund oder einer roten Katze kaute und es dann auf einen Altar oder eine Steinplatte hinter der Tür legte. Anschließend pries er die Götter, sang eine Beschwörung und brachte ein Opfer dar. Wurden seine Wünsche bis zum nächsten Tag nicht erhört, sprach er Zauberformeln über die Innenflächen seiner Hände und legte sie sich auf die Wangen. So schlief er schließlich ein. Sein Schlaf wurde beschützt, damit er sich nicht umdrehte oder geweckt wurde. Nachdem ihm alles enthüllt worden war, wachte er, manchmal erst nach einigen Tagen, von selbst wieder auf.

Ein anderes Ritual nennt sich teinm laída [ccxcv]. Bei diesem legte der Fili ein Stäbchen auf eine Person oder einen Gegenstand, über den er etwas in Erfahrung bringen wollte. Dann fiel er in eine Art Trance und erging sich in rhetorischen Ausdrücken, aus denen sich letztendlich die gesuchte Antwort befand. So konnte er beispielsweise mit Hilfe des Schädels eines Schoßhundes etwas über das Schicksal seines Besitzers und dessen Gefährten erfahren.

Giraldus Cambrensis[ccxcvi] berichtet von awenydd, einem Ritus bei den Walisern. Es heißt, daß der „Dichter“, nachdem man ihm eine Frage gestellt hatte, in eine Ekstase geriet, an die er sich später nicht mehr erinnerte, und scheinbar sinnloses Zeug von sich gab, das jedoch die gewünschte Antwort enthielt. Danach mußte man ihn durch heftiges Schütteln aus der Trance befreien. R.Thurneysen[ccxcvii] beschreibt das tarbfes, „Stierschlafen“. Es wurde abgehalten, um den künftigen Hochkönig Irlands zu erkunden. Nach dem Tod des vorherigen Königs schlachtete man einen Stier, an dessen Fleisch sich ein Mann satt aß und dessen Fleischbrühe er trank. Dann legte er sich hin und man sang das „Gold der Wahrheit“ über ihn. Der Mann, den er im Schlaf sah, sollte der nächste König sein, log er, so erstarben seine Lippen.

Die Druiden vertraten das Rechts und jeder hatte sich ihrem Urteil zu fügen. Wer ihr Urteil nicht anerkannte, dem versagten sie die Opfer. Daraufhin war er ein Gottloser, der von den anderen wie ein Verbrecher behandelt und gemieden wurde. Der Druide selbst wurde bei einem falschen oder ungerechten Rechtsspruch von den Elementen bestraft. Er durfte sich nicht irren, denn die Folgen wären Krankheit, schlechte Ernten und Unfruchtbarkeit.

II.4. Über die „Lehre“ der Druiden

Nach antiken und inselkeltischen Aufzeichnungen gehörten zu den Wissensinhalten[ccxcviii] der Druidenlehre die Kenntnisse vom Ursprung der Welt, der Götter und der Menschen, von der Geschichte und Mythologie des Stammes, von der Bedeutung der Orts-, Stammes-, Personen- und anderer Namen, von den Gesetzen, der Sittenlehre und den Kulthandlungen, von den Beschwörungsformeln, Zaubersprüchen und Gebeten, von der Naturkunde und der Medizin sowie von der Zukunftsschau und astronomischen Berechnungen.

Leider sind diese Inhalte im Einzelnen so gut wie nicht bekannt, da die Kelten weder ihre Glaubenslehre noch die Mythen ihres Stammes aufzeichneten, obwohl ihnen sowohl die lateinische, als auch die griechische Schrift bekannt waren. Sie wurde aber nur für profane Aufzeichnungen verwendet. Wahrscheinlich fürchteten die Druiden, ihre Lehre könnte sich, wenn sie schriftlich fixiert wird, nicht mehr an neue Gegebenheiten anpassen und würde erstarren. Eine mündlich überlieferte Tradition ist wesentlich flexibler und kann neue Elemente in relativ kurzer Zeit aufnehmen, umformen und mit Vorhandenem verbinden. Die keltische Ogham -Schrift[ccxcix] entstand erst im Laufe des 2.Jh.n.Chr. und scheint nur zur Fixierung dauerhafter Zaubersprüche verwendet worden zu sein. Es ist anzunehmen, daß diese Ogham -Zeichen[ccc] eine für Uneingeweihte nicht erkennbare magische Bedeutung hatten und nicht nur Schriftzeichen waren, sondern mit der Religion oder einem bestimmten Kult verbundene Symbole.

Die Kelten kannten zwei verschiedene Kalender- und Festsysteme; einerseits den Mond-Sonnenkalender, bei dem es sich, wie man dem Kalender von Coligny[ccci] aus dem 2.Jh.n.Chr. entnehmen kann, um einen lunaren Fünfjahreskalender handelte, der durch Einfügen von zwei Schaltmonaten mit je dreißig Tagen an den Sonnenkalender angeglichen worden war; andererseits den bäuerlichen solaren Festkalender mit den vier wichtigsten keltischen Festen Imbolc, Beltaine, Lughnásad und Samhuin sowie mit Vermerken zu den zwei großen Festen von Cruachain und Navan, der aus dem alten Irland überliefert ist.

Am 1.Februar fand das Reinigungsfest Imbolc, imb-folc, „Rundum-Waschung“, statt. Es wurde auch oimelc nach dem Zeitpunkt, an dem die Schafe wieder Milch geben, genannt. Dabei scheint es sich um Reste eines Hirtenfestes aus wärmeren Gegenden zu handeln. H.Birkhan[cccii] vermutet darin ein italokeltisches Kulturerbe. Beltaine, „Bel -Feuer“, feierte man am 1.Mai mit Lustrationsriten, Maibaum und Festgelagen. Das Vieh wurde zum Schutz vor Krankheitsdämonen durch das Feuer getrieben. Die Herdfeuer wurden alle gelöscht und mit einem Feuerstein neu entzündet. J.Markale[ccciii] sieht in den Feuerriten ein Wiedergeburtsritual, durch das die Kräfte des Menschen vervielfacht werden. Wahrscheinlich dienten die Feuerriten zur Reinigung von Seele und Körper. Sie befreiten den Menschen von negativen Kräften, die Krankheiten, Unfruchtbarkeit oder Müdigkeit, heute nennt man es „Winterdepression“, verursachen. Daher fanden solche Riten auch im Februar und Anfang Mai statt.

Lughnásad fand zu Ehren von Lugh und Tailtiu am 1.August mit Jahrmärkten, Pilgerfahrten und Erntedankfesten statt. Nach H.Birkhan[ccciv] wurde dieses Fest auch zu Ehren von Cromm Dubh, „Der schwarze Gebeugte“ oder Cromm Crúach, „Der blutige Gebeugte“, gefeiert. Am 1.November öffneten sich die Feenhügel und die Menschen konnten mit der „Anderen Welt“ Verbindung aufnehmen. Dieses Fest nannten sie Samhuin. Cromm Crúach oder Cenn Crúach, „Das blutige Haupt“ erhielt blutige Opfer. An Samhuin feierten die Ulter das große, mehrtägige feis Temhra, „Fest von Tara“, zu dem jeder kommen mußte. Es wurde ein Feuer auf dem Hügel der Tlachtga, die darin begraben worden war, nachdem sie die Geburt ihres Sohnes nicht überlebt hatte, entzündet, von dem alle Haushalte ihr Feuer übernahmen.

Die keltischen Kultstätten befanden sich wahrscheinlich ursprünglich in Form von rechteckigen teméne außerhalb der Siedlungen unter freiem Himmel und stellten den Mittelpunkt der Welt dar. Diese teméne waren von einem äußeren Graben, einer Palisade mit einem Eingangsportal[cccv] und einem inneren Opfergraben umrahmt. In ihrem Inneren befanden sich Opfergruben und -schächte, sowie ein oder mehrere Holzbauten. Vielleicht handelte es sich um einen kleinen Umgangstempel. In der Nähe eines solchen Heiligtums befand sich oft eine heilige Quelle. In diesen Kultstätten fanden die rituelle Feste mit ihren Opferhandlungen, Trinkgelagen und Kultmahlen statt. Nach archäologischen Funden opferten die Kelten Tiere[cccvi] und Menschen, aber auch Schmuck, Keramik, Münzen, fleischlose Nahrungsmittel und den zehnten Teil der Kriegsbeute oder anderer Gewinne. Später entstanden dann auch innerhalb der großen oppida Kultanlagen mit Tempelbauten. Heilige Kultorte waren auch Moore, Teiche und Tümpel, die man in manchen Gegenden sogar künstlich angelegt hatte, sowie Flüsse und Seen. Außerdem wurden bestimmte Bäume und vorkeltische Menhire kultisch verehrt.

Nach keltischer Vorstellung war die Welt wahrscheinlich in zwei Bereiche gegliedert. Beide befanden sich auf derselben horizontalen Ebene. Der eine Bereich enthielt die für den Menschen empirisch faßbare Welt, der andere war nur „im Geist“ mit Hilfe von Trance, Ekstase, Träumen und anderen mantischen Praktiken oder nach dem Tod erreichbar. In ihm befanden sich die Götter, die Seelen der Verstorbenen und andere übernatürliche Wesen. Es handelt sich um die „Andere Welt“. Die Vorstellung von einer vertikalen Dreiteilung der Welt in eine Götterwelt im Himmel, eine Menschenwelt auf der Erde und ein Totenreich unter der Erde dürfte den Kelten fremd gewesen sein.

Es gibt viele Theorien darüber, wie sich die Kelten das Leben nach dem Tod vorstellten. Möglicherweise glaubten die Kelten, daß sich die materielle Hülle eines Lebewesens unter der Erde, in eine neue Lebensform umwandelte, wie aus den Samen des abgeschnittenen Getreides im Frühjahr neue Pflanzen entstanden, während die unsterbliche Seele in der „Andere Welt“ in einem perfekten Körper „wiedergeboren“ wurde und ein ewiges, glückliches Leben führte. Vielleicht bereitete sich die Seele in der „Anderen Welt“ auch nur auf ihre Wiedergeburt innerhalb der eigenen Sippe in der Menschenwelt vor. Diese „Andere Welt“ bestand nach altirischer Überlieferung aus den vielen verschiedenen Herrschaftsgebieten der Tuatha De Danann und anderer übernatürlicher Wesen[cccvii].

Sie wohnten in Grabhügeln, versteckten Tälern und auf Inseln, die sich nach einigen Erzählungen in westlicher Richtung weit entfernt im Meer, nach anderen in einem großen See befanden. Ihre Reiche konnten aber auch unter dem Wasser oder unter der Erde liegen. Die Bewohner der „Anderen Welt“ besaßen magische Fähigkeiten, mit denen sie jederzeit Zugang zur Menschenwelt hatten. Sterbliche kamen nur unter bestimmten Bedingungen in die „Anderen Welt“. Einige Menschen, wie die Mitglieder der Priesterklasse, konnten mit Hilfe von Selbsthypnose, Trance oder Ekstase in die „Andere Welt“ gelangen, andere gerieten zufällig durch einen Traum, eine Vision oder nach der Einnahme von Narkotika dorthin.

Die Iren hatten für die gesamte „Andere Welt“ keine eigene Bezeichnung. Die entlegenen Inseln hatten eigene Namen wie Tir na n-óg, „Land der Jugend“, Tir na mban, „Land der Frauen“ oder Mag Mell, „Angenehmes Gefilde“ und die Elfenhügel nannten sie Sidh, „(Wohn)-sitz“. Die kymrische Bezeichnung für die „Andere Welt“ scheint Annwfn, Annwyn, Annwn, „das sehr Tiefe“ oder „die Nicht-Welt“ zu sein. Die Inselkelten scheinen ein sehr vertrautes Verhältnis zur „Anderen Welt“ und somit zum Tod gehabt zu haben, denn in ihren Überlieferungen verschwimmt die Grenze zwischen dem Diesseits und der „Anderen Welt“ genauso wie zwischen Mensch, Held, Ahn und Gottheit. Teilweise wurden Herrschaftsgebiete der „Anderen Welt“ sogar mit bestimmten irischen Orten gleichgesetzt[cccviii] oder man gab ihnen charakteristische Merkmale der „Anderen Welt“.

Die inselkeltischen Vorstellungen über die Art des Lebens nach dem Tod in der „Anderen Welt“ hatten scheinbar nichts mit der Lebensweise des Verstobenen im Sinne einer Belohnung oder Bestrafung für sein Verhalten im Diesseits zu tun. Die Seele des Verstorbenen wurde von keinem Richter für ihre Handlungen während des Menschenlebens zur Verantworung gezogen. Für eine düstere Unterwelt wie den griechischen Hades oder die christliche Hölle gibt es in den inselkeltischen Aufzeichnungen keine Belege, aber ebensowenig geht aus ihnen hervor, ob jeder Mensch nach seinem Tod in die glücklichen Gefilde der „Anderen Welt“ gelangt oder nur auserwählte Helden und Könige.

Lucanus[cccix] schreibt, daß die Schatten nach Ansicht der Druiden nicht in die Gefilde des Erebus und die bleichen Reiche von Dis gingen, sondern daß der gleiche Geist den Gliedern in einer anderen Welt[cccx] geböte und wenn das, was sie sängen, richtig sei, wäre der Tod nur die Mitte eines langen Lebens. Cäsar[cccxi] schreibt, daß die Seelen unsterblich wären und nach dem Tod von einem Körper in den anderen übergehen. Er scheint damit eine Wiedergeburt in der Menschenwelt gemeint zu haben[cccxii]. Vielleicht konnte sich Cäsar keine „realen“ Körper im Jenseits vorstellen, während die Kelten davon ausgingen, daß man auch in der „Anderen Welt“ dieselben Bedürfnisse hatte, nur daß es dort weder Alter noch Tod gab und das Leben wesentlich angenehmer und ruhmreicher war. Außerdem vermuteten Cäsar und Pomponius Mela[cccxiii], daß hinter dem Unsterblichkeitsglauben eine List der Druiden steckte, um den Kriegern die Angst vor dem Tod zu nehmen.

II.4.1. Über schamanistische Elemente in der keltischen Daseinsdeutung

Durch den hohen Stellenwert der Tiere und Pflanzen in der keltischen Mythologie und in den Ritualen der Druiden wurde auf schamanistische Elemente in der Lehre der Druiden geschlossen. Die Aufgabe des Schamanen besteht darin, die Gruppe durch Riten und Sprachhandlungen vor Gefahren zu beschützen. Er soll das Leben vermehren, Krankheitsdämonen fernhalten oder vertreiben, den Ahnenwillen bei wichtigen Entscheidungen verkünden und Rat erteilen. Kommt es zu Mißernten oder anderen negativen Erscheinungen, wird ihm unterstellt, daß er sich mit den lebensfeindlichen Dämonen verbündet hatte. Dann kann er getötet werden. Der Schamane muß sich zu Beginn seiner Ausbildungszeit in die Wildnis zurückziehen, um die Sprache der Tiere zu lernen, sich mit den Naturphänomenen vertraut zu machen und sich die Kenntnisse der Pflanzenheilkunde anzueignen. Nach seiner Rückkehr in die Gruppe findet ein Initiationsritual statt, bei dem der Schamane den „heiligen Baum“ auf dem Kultplatz besteigt. Es folgen ekstatische Tänze. Danach begibt sich der Schamane auf die „Seelenreise“. Mit seiner „Traumseele“ erreicht er die Welt der Ahnen und empfängt dort Botschaften, von denen er einen Teil der Gruppe verkündet. Den Ritus beendet ein kultisches Mahl, zu dem die Ahnen geladen sind.

Im Schamanimus herrscht der Glaube, daß die Erde früher durch eine Brücke ohne Hindernisse mit dem Himmel verbunden war, da es den Tod nicht gab. Seit die Verbindung unterbrochen ist, kann die Brücke nur noch „im Geist“, also nach dem Tod oder durch bestimmte Ekstasetechniken, überquert werden. Die Brücke wird jedoch von Dämonen und Untieren bewacht, die versuchen, die Seelen der Unvorsichtigen oder Unvorbereiteten zu verschlingen.

Eventuell gab es bei den Kelten ähnliche Vorstellungen über einen Weg in diese „Andere Welt“, der mit vielen Gefahren verbunden war und von irgendwelchen Ungeheuern bewacht wurde. Das wäre auch eine Erklärung für das Ungeheuer von Noves[cccxiv], die sogenannte Tarasque, das seine Pfoten auf zwei Menschenköpfe gelegt hat und aus dessen Maul ein Arm heraushängt. Dieses Monster würde dann nicht wie angenommen den Vertreter einer furchtbaren „Unterwelt“ verkörpern, sondern eine der Kreaturen, die den Weg in die „Andere Welt“ bewachen. Schließlich finden sich in den Mythen auch Beschreibungen von Riesen und Ungeheuern, die den Weltenbaum der Götter bewachen, der die Früchte der „ewigen Jugend“ trägt. Warum sollte es nicht die Vorstellung gegeben haben, daß auch der Weg in die „Andere Welt“ bewacht wurde? Birkhan[cccxv] sieht in der Tarasque eine Darstellung der dämonischen „Wasserkatze“.

II.4.2. Opferriten und Kopfjagd

Die Menschen opferten, um sich für etwas zu bedanken oder etwas zu erhalten, um sich vor etwas zu schützen oder um eine Gottheit zu besänftigen. Von Schutzriten erwartete man, daß sie Unheil von Geistern und Dämonen, eine schlechte Ernte oder den Fluch eines Feindes abwehrten. Vertreibungsriten hingegen sollten von bereits vorhandener Krankheit oder andauerndem Unheil erlösen. Reinigungsrituale wie das Springen durch ein Feuer[cccxvi] aber auch die christliche Taufe und Beichte fanden zur Befreiung von negativen Kräften aber auch Schuld[cccxvii] statt. Hinter den vielen verschiedenen Fruchtbarkeitsriten standen mit großer Wahrscheinlichkeit existentielle Ängste um das Überleben[cccxviii].

Diodoros[cccxix] erwähnt, daß die Kelten ihre Haare mit Kalkwasser wuschen, um die natürliche Farbe zu verstärken und die Frisur zu versteifen. Plinius[cccxx] berichtet, daß sie zum Waschen der Haare Sãpo verwendeten, das aus Buchenasche und Ziegenfett bestand. Es handelte sich um eine Art Seife, die in der Gegend von Matticum, Wiesbaden, hergestellt und in Form von kleinen Kügelchen als pilae Mattiacae in den Handel gebracht worden war. Um die Haare aufzuhellen und Rot zu färben, vermischten sie Rinder-, Hammel- oder Ziegentalg mit Ätzkalk[cccxxi]. Ein anderes Ritual bestand im Einreiben eines Götterbildes oder Steinpfeilers mir Fett, Blut oder Rötel. H.Birkhan[cccxxii] vermutet, daß man damit die damit verbundene Gottheit kräftigen und stärken wollte. Diodoros[cccxxiii] berichtet, daß die Druiden das Augurium vollzogen, das heißt aus dem Vogelflug und der Vogelschau weissagten.

Plinius[cccxxiv] verrät wie man ein anguinum, „Schlangenei“, gewinnen konnte. Dabei handelte es sich um zusammengeringelte Schlangen, die es durch ihren Speichel und Körperschleim erzeugten. Sie warfen es durch ihr Zischen in die Luft und man mußte es in einem Wollstoff auffangen, bevor es zu Boden fiel. Dann sollte man schnell davonrennen, weil die Schlangen ihr Ei so lange verfolgten, bis ein Fluß den Flüchtenden von seinen Verfolgern trennte. Dies alles hatte während einer bestimmten Mondphase zu geschehen. Das echte anguimum konnte gegen die Flußströmung schwimmen, auch wenn es in Gold gefaßt war. Es war so groß wie ein Apfel und mit knorpeligen Krusten bedeckt. Es verlieh seinem Besitzer den Sieg und ermöglichte ihm den Zutritt zu jedem König.

Zu den Kulthandlungen der Druiden gehörte auch das Vollziehen von Sach-, Tier- und Menschenopfern. Diese Opfergaben sind in vielen Fällen auf eine spezielle Weise an einem besonderen Ort dargebracht worden. Viele der Gegenstände, besonders Waffen, machte man vor der Weihung unbrauchbar, um damit ihr Ausscheiden aus der profanen Welt anzuzeigen. Opfer werden bis in die heutige Zeit dargebracht. Die christliche Kirche versucht sich von solchen Opferhandlungen zu distanzieren und bezeichnet sie als „nutzlosen Aberglauben“. Dennoch sind sie ein Bestandteil der Religion, besonders in den ländlichen Bereichen. Die zahlreichen Weihgeschenke in den Heiligenkapellen bestätigen, daß auch heute viele Menschen Opfer bringen, um Hilfe in der Not zu erhalten oder um sich für den guten Ausgang eines Ereignisses zu bedanken. Davon abgesehen erwartet auch die katholische Kirche, daß ihre Vertreter „Opfer“ in Form von Verzicht auf materiellen Besitz und Sex bringen.

Antike Berichte[cccxxv] bezeugen bei fast allen Keltengruppen die Opferung von Menschen. Diese Aussagen scheinen sich durch die archäologischen Untersuchungen der Opfergruben, -schächte und -gräben zu bestätigen. Cäsar[cccxxvi] schreibt, daß die Gallier sehr religiös waren. Wenn sie an einer schweren Krankheit litten oder sich in Gefahr befanden, brachten sie Menschenopfer dar oder gelobten es zu tun. Diese Opfer wurden von den Druiden vollzogen. Sie waren der Meinung, daß man für ein Leben ein anderes zu geben hätte, um die Götter zu besänftigen. Solche Opfer fanden auch im Namen des Stammes regelmäßig statt. Dazu wurden Menschen, normalerweise Verbrecher, aber wenn es keine gab Unschuldige, in riesigen Götterbildern aus Weidengeflecht verbrannt.

Strabon[cccxxvii] erzählt von Kolossalstatuen aus Holz und Stroh, die mit Vieh, wilden Tieren und Menschen angefüllt und daraufhin verbrannt wurden. Außerdem wurden Menschen mit Pfeilen getötet und aufgepfählt. Diodoros[cccxxviii] berichtet, daß man Menschen mit den im Krieg erbeuteten Tieren verbrannt und Verbrecher aufgepfählt hat.

Menschen- und Tieropfer scheinen auch zu Wahrsagezwecken stattgefunden zu haben. Nach Tacitus[cccxxix] brachten die Britannier auf den Altären das Blut der Gefangenen dar und erkundeten mit Hilfe ihrer Eingeweide den göttlichen Willen. Diodoros[cccxxx] erzählt, daß der Ausgang eines zukünftigen Ereignisses durch die Art des Fallens, den Todeszuckungen und dem Hervorströmen des Blutes eines durch einen Dolchstich über dem Zwerchfell getöteten Menschen festgestellt werden konnte. Strabon[cccxxxi] erwähnt, daß die Keltiberer aus den Eingeweiden der Geopferten die Zukunft vorhersagten.

In den Commentarii Bernensia sind die Menschenopfer zu Ehren von Teutates, Taranis und Esus beschrieben. Für Teutates wurde das Opfer ertränkt, für Esus aufgehängt und zerstückelt, für Taranis in einem ausgehöhlten Baum verbrannt. Vielleicht handelte es sich bei diesen Opfern um falsch verstandene Initiations-, Fruchtbarkeits- und Reinigungsrituale.

Die Initiation hatte in der keltischen Gesellschaft neben einer sozialen auch eine religiöse Bedeutung. Die Mannwerdung eines Jünglings war nach einer vorangegangenen Kriegerausbildung wahrscheinlich mit Mutproben, dem Schneiden der Haare, einem Wissenstest mit Rätsellösungen, einer langen Rede über die eigenen Vorzüge, dem Erlernen einer Geheimsprache und einem Namenswechsel oder dem Erhalten eines zusätzlichen Namens verbunden[cccxxxii].

Die antiken Schriftsteller wollten ein besonders barbarisches Bild von ihren „primitiven“ Nachbarn entwerfen und berichteten deswegen vorzugsweise über besonders spektakuläre Sitten und Bräuche. Sie hoben wie später die Christen bei den heidnischen Kulten den scheinbar offensichtlich blutigen Aspekt bestimmter Rituale hervor ohne sich genauer mit ihren religiösen Hintergründen zu befassen.

Bei den Überlieferungen römischer Autoren könnte es sich auch um eine bewußte negative Propaganda gehandelt haben, damit die Römer eine Rechtfertigung für die Verfolgung der Druiden und das Verbot des Druidentums hatten. Über die Christen wurden damals auch Unwahrheiten verbreitet. Es hieß, sie hätten ein Ritual vollzogen, bei dem sie Neugeborene getötet und gegessen haben. Möglicherweise hatten die Römer den Sinn der Rituale falsch verstanden oder es handelte sich um Augenzeugen, die das Gesehene aus Unkenntnis falsch überlieferten.

Das soll nicht heißen, daß es keine Menschenopfer[cccxxxiii] gegeben hat, aber vielleicht handelte es sich hauptsächlich um die Ausführung der Todesstrafe bei schweren Verbrechen wie Verrat oder Mord. Wir dürfen nicht vergessen, daß die Todesstrafe noch in der heutigen Zeit von vielen Staaten angewendet wird. H.Birkhan[cccxxxiv] bemerkt, daß es für die Archäologen schwierig ist, zwischen Beisetzung, Opferung und Hinrichtung zu unterscheiden, ganz abgesehen davon, daß man in gewissem Sinne vielleicht alle Hinrichtungen als Opferungen oder die Mehrzahl der Menschenopfer als Hinrichtungen zu verstehen hat.

Eine irische Erzählung erwähnt, daß Morrigan König Indech von den Fomore getötet und sein Herzblut sowie Teile seiner Nieren zu Dagda gebracht hat, damit dessen weisen Männer damit Verfluchungen und Beschwörungsformeln gegen die Fomore herstellen. Diese Erzählung deutet darauf, daß es magische Riten gegeben hat, die mit Menschenopfern verbunden gewesen sind.

[...]


[i] Kossack, a.a.O. 1993, S.151

[ii] Wahrscheinlich waren den keltischen Künstlern in Mittel und Westeuropa bestimmte Tiere wie Löwen nicht bekannt, aber sie konnten die klassischen Löwenbilder auf die Fabelwesen aus ihren Mythen und auf ihnen vertraute Tiere beziehen. Dann wurden sie entsprechend verändert, umgedeutet und bildlich umgesetzt.

[iii] Vgl. Duval, a.a.O. 1978, S.165f.

[iv] Vgl. Duval, a.a.O. 1978, S.166

[v] Vgl. Birkhan 1997, a.a.O. S.357

[vi] Die Periodisierung der keltischen Kultur beruht im Allgemeinen auf Fibelformen. In Deutschland geht sie auf Otto Tischler (1843-1870) und Paul Reinecke (1872-1958), in Frankreich auf Joseph Déchelette (1862-1914) und auf den Britischen Inseln auf Christopher Hawkes (1905-1992) von Oxford, die neue Periodisierung auf Roy Hodson (1960) von Cambridge zurück. Vgl. Birkhan, a.a.O. 1997, S.334

[vii] Das lateinische Wort torquere bedeutet winden, drehen

[viii] Vgl. Duval, a.a.O. 1978, S.36

[ix] Unter den Grabbeigaben befinden sich importierte Schnabelkannen aus Etrurien, die ihrerseits wieder eine Nachahmung griechischer Töpferware sind.

[x] Z.Bsp. die Röhrenkannen von Waldalgesheim und Reinheim

[xi] Vgl. Duval, a.a.O. 1978, S.32-41

[xii] Diodor, Weltgeschichte, V.30

[xiii] Brakes sind Hosen

[xiv] Zinnvorkommen gab es in Britannien, der Bretagne, den Carvennen, in Portugal und in Mitteleuropa

[xv] Natürliche Goldreserven gab es in Aquitanien, an den Hängen des Massif Central, in den Wicklow Bergen in Irland, in Wales, in den Flüssen der Alpen und in den Flüssen Galliens, des Rheinlandes und Böhmens.

[xvi] das griechische Wort elektron bedeutet Bernstein. Die Legierung wurde wegen ihrer Farbe so genannt,

[xvii] Eisen findet sich in Gallien, Spanien, Britannien, Österreich, Istrien, Illyrien und Makedonien, Böhmen und in der Dobrudscha

[xviii] Z.Bsp. Hiebwaffen, Schwertketten, Wurfspeer- und Lanzenspitzen...

[xix] Z.Bsp. Äxte, Sägen, Bohrer, Hacken, Sensen, Sicheln, Pflüge...

[xx] Z.Bsp. Fleischmesser, Scheren, Bratspieße, Schüsseln, Beschläge...

[xxi] Kupfer stammt aus Spanien, Aquitanien und Britannien, den Donauländern, den Karpaten, den Alpen, den Pyrenäen und den Carvennen. Es wurde auch aus dem östlichen Mittelmeerraum importiert.

[xxii] Plinius der Ältere, Naturalis historia, IV.94, 97 und 103, XXXVII.35ff.: über den Bernstein

[xxiii] besonders in Böhmen

[xxiv] Vgl. Moosleitner, Handwerk und Handel, in: Die Kelten in Mitteleuropa, Salzburg 1980, S93ff.

[xxv] Vgl. Kossack, a.a.O. 1993, S.147

[xxvi] Vgl. Birkhan, a.a.O. 1997, S.372-378

[xxvii] Westlich der Linie March-Donau-Inn verwendete man häufiger Gold, östlich davon Silber

[xxviii] eine Legierung aus Gold, Kupfer und Silber,

[xxix] Potin ist eine Stark zinnhaltige Bronzelegierung

[xxx] Die Tüpfelplatten enthalten Reihen von meist mit der Fingerkuppe eingedrückten Mulden zur Aufnahme des Metalls

[xxxi] Vgl. K.Pink, Einführung in die keltische Münzkunde, Wien 1974

[xxxii] Prägungen an der spanischen Ostküste in Emporiae (Ampurias) und Rhoda (Rosas) wurden von Aquitanern und Keltiberern nachgeahmt, Drachmen von Massalia in Oberitalien, Teilen Galliens und der Schweiz, aber sogar in Britannien (Bronzemünzen aus dem Hortfund von Snettisham, Norfolk)

[xxxiii] Vgl. Birkhan, a.a.O. 1997, S.372

[xxxiv] Vgl. Bernhard Overbeck, die Münzen, in: Die Kelten in Mitteleuropa, Salzburg 1980, S.101f.

[xxxv] Das Monogramm unter der Biga wird auch als Rad dargestellt und kann sich über oder unter dem Pferd befinden. Im Laufe der Zeit erhält der Pferdekopf einen sogenannten „Entenschnabel“ und es entstehen die Gepräge der „Entenschnäbler“.

[xxxvi] Später überwuchert die Frisur des Apollokopfes alles ornamental.

[xxxvii] Der Stater von Tarent zeigt auf dem Avers eine verschleierte Demeter und auf dem Revers einen jugendlichen Reiter, der zu einer nackten Reiterin wird.

[xxxviii] Die syrakusanischen Prägungen des Dionysios zeigen auf dem Avers zwei Delphine über und unterhalb des Mundes, auf keltischen Münzen finden sich später Schnüre oder Perlschnüre mit kleinen Menschenköpfen.

[xxxix] Das Motiv des Ebers mit gesträubten Borsten könnte ein Symbol für die rituelle Tötung des Ebers bei der Jagd zur Legitimierung der Herrschaft oder ein Zeichen für den Fürsten sein.

[xl] Birkhan, a.a.O. 1997, S.377: ...in Verbindung mit dem skythischen Schlangenmotiv

[xli] Vgl. Frey, a.a.O. 1980, S.80

[xlii] Proto-geometrische Stil: 11. und 10.Jh.v.Chr.

[xliii] Vgl. Kossack, a.a.O. 1993, S.138

[xliv] Vgl. Kossack, a.a.O. 1993, S.138

[xlv] Vgl. Frey, a.a.O. 1980, S.78

[xlvi] Herodot, Weltgeschichte, IV.9ff.

[xlvii] Vgl. Frey, a.a.O. 1980, S.79

[xlviii] Vgl. O.-H.Frey und M.Szabo, The Celts in Balkan Area in: The Celts, Venedig 1991, S.478-S.484; über die östlichen Einflüsse in der keltischen Kunst

[xlix] Vgl. Jacobsthal, a.a.O. 1944; Das Buch enthält umfassende Untersuchungen über persische und skythische Einflüsse in der keltischen Kunst mit zahlreichen Vergleichen.

[l] Vgl. Kossack, a.a.O. 1993, S.138

[li] Vgl. Kossack, a.a.O. 1993, S.140

[lii] wie der Murus Gallicus, Vgl. Birkhan, a.a.O. 1997, S. 334

[liii] Vgl. Birkhan, a.a.O. 1997, S. 336f.

[liv] Skythen, Vgl. V.Kruta, Les Veltes des Gaules d´aprés l´archéologie, in: Geschichte und Kultur der Kelten, Vorbereitungskonferenz 25.-28.Oktober 1982 in Bonn, Vorträge, Herausgeber K.H.Schmidt-R.Ködderitzsch, Heidelberg 1986, S.33ff.

[lv] Z.Bsp. die Motive von Lotosblüte, Lebensbaum oder „Herr der Tiere“

[lvi] Vgl. Kossack, a.a.O. 1993, S.140

[lvii] Vgl. K.W.Zeller, Eine Bronzeschale mit Jagdfries vom Dürrnberg bei Hallein, in: Das Kunstwerk des Monats, 8.Jahrgang / Blatt 83, Februar 1995

[lviii] Unter dem Begriff „situla“ versteht man im allgemeinen eimerartige Gefäße aus zusammengesetzten Bronzeblechen mit einem Bügelhenkel über der Mündung und konischer Form, wobei der obere Teil stark eingezogen ist.

[lix] Vgl. Frey, a.a.O. 1991, S.133; besonders bei den figuralen Darstellungen wie Menschen- und Löwenbildern

[lx] Schwan, Wildgans, Ente

[lxi] Vgl. Diodor von Sizilien, Fragm., XXII

[lxii] Vgl. Kossack, a.a.O. 1993, S.138-152

[lxiii] Vgl. Kossack, a.a.O. 1993, S.149

[lxiv] Vgl. Kossack, a.a.O. 1993, S.147

[lxv] Vgl. Kossack, a.a.O. 1993, S.151

[lxvi] Vgl. Frey, a.a.O. 1993, S.153-168

[lxvii] Vgl. Frey, a.a.O. 1991, S.137

[lxviii] Vgl. Frey, a.a.O. 1991, S.141.

[lxix] eventuell über graeco-skythische Werke aus Südrußland, die unter anderem als Geschenke für Gastfreundschaft verwendet wurden.

[lxx] Vgl. Frey, a.a.O. 1991, S.136

[lxxi] Vgl. Neugebauer, , a.a.O. 1992

[lxxii] Vgl. Jacobsthal, a.a.O. 1944

[lxxiii] Vgl. Duval, a.a.O. 1978

[lxxiv] Vgl. Laing, a.a.O. 1992, S.42

[lxxv] Vgl. Birkhan, a.a.O. 1997, S.334 und 356f.

[lxxvi] Z.Bsp. Palmetten-, Ranken- und Lotosmotiven

[lxxvii] Z.Bsp. S-, Spiral-, Triskelen-, Pelten-, Yin-Yang-, Zopf-, Achter- und Leiermotiven

[lxxviii] Vgl. Birkhan, a.a.O. 1997, S.333

[lxxix] Tacitus, Germania, 43

[lxxx] Vgl. Birkhan, a.a.O. 1997, S.334

[lxxxi] Jacobsthal, a.a.O. 1944, Vgl. Birkhan, a.a.O. 1997, S.358-361

[lxxxii] entspricht in Deutschland LTA

[lxxxiii] entspricht in Deutschland LTB

[lxxxiv] entspricht in Deutschland LTC

[lxxxv] ebenfalls LTC. Der „Ungarische Schwertstil“ wird heute nur „Schwertstil“ genannt

[lxxxvi] entspricht in Deutschland LTD

[lxxxvii] Hunsrück-Eifel-Gebiet, Champagne, Ostfrankreich, Oberpfalz und Böhmen

[lxxxviii] Vgl. Frey, a.a.O. 1980, S.83f.

[lxxxix] Vgl. Kossack, a.a.O. 1993, S.152

[xc] Vgl. Kossack, a.a.O. 1993, S.152

[xci] Vgl. Frey, a.a.O. 1991, S129f. und S.133: über die Maskenfibeln und die Verwendung von antropomorphen Kopfdarstellungen in der Latènekunst

[xcii] Z.Bsp. Ein menschenköpfiges Pferd ziert den Deckel einer Bronzekanne aus dem Reinheimer Fürstengrab, Mischwesen und Menschenkopf auf dem Rand der Kanne vom Dürrnberg

[xciii] Viele Masken sind mit einem Oberlippenbart versehen. Die Enden des Bartes können in ihrer Einrollung ein Gegenstück zu den Augenbrauen bilden. Vgl. Jacobsthal, a.a.O. 1944, S.14

[xciv] Über dem Kopf kann ein Dreieck, meist mit einer vertikalen Schraffierung und einem Kreis am oberen Schlußpunkt, angebracht sein. Es handelt sich um die Wiedergabe einer Mehrfachperspektive, bei der gezeigt werden soll, was normalerweise nicht sichtbar ist. In diesem Fall die Rückenansicht des Kopfes.

[xcv] Die Augenbrauen waren für den Gesichtsaufbau wichtig. Sie können in S-Kurven von der Nasenwurzel ausgehend hochschwingen und in spiralförmigen Schnecken an den Schläfen enden oder sogar wie Hörner aussehen. Vgl. Jacobsthal, a.a.O. 1944, S.13

[xcvi] Z.Bsp. ein Kreis, ein Haken oder Spiralen

[xcvii] Über die Verwendung von Kopfdarstellungen in der frühen Latènekunst: Jacobsthal, a.a.O. 1944, S.12-21, Laing, a.a.O. 1992, S.48, Frey, a.a.O. 1993, S.157,

[xcviii] besonders in der Champagne

[xcix] Auch Tierdarstellungen sind, abgesehen vom Greif, selten.

[c] Vgl. Duval, a.a.O. 1978, S.50f., Frey, a.a.O. 1993, S.158, Laing, a.a.O. 1992, S.55, H.P.Uenze, Bavaria, in: The Celts, Venedig 1991, S.266f.

[ci] Z.Bsp. die Fibel in Menschenform vom Dürrnberg, Zweiter Teil, 14. Anthropomorphe Darstellungen während der Latènezeit

[cii] Pilsen

[ciii] Dieser Fibeltyp wurde in Nordostbayern nachgeahmt.

[civ] Z.Bsp. auf der Kanne von Reinheim

[cv] Jacobsthal, a.a.O. 1944, S.8

[cvi] Vgl. Jacobsthal, a.a.O. 1944, S.8: über Vorgänger in der etruskischen und in der Este-Kultur.

[cvii] Es wird auf 500v.Chr. datiert, Vgl. Birkhan, a.a.O. 1997, S.335

[cviii] attische schwarzfigurige Schale von ca.530-520v.Chr.

[cix] vermutlich eine skythische oder von griechischen Handwerkern für die „Barbaren“ hergestellte Arbeit.

[cx] „Fürstengrab“ ist eine Bezeichnung für die reichen Hügelgräber der Hallstattzeit, die noch während der FrühLatènezeit vereinzelt hergestellt wurden.

[cxi] Der frühkeltische Stil, 480-350v.Chr. mit einer deutlichen Beziehung zum griechischen Ornament (Palmetten- und Lotosblütenmuster sowie geometrische mit Zirkelschlägen hergestellte Ornamente)

[cxii] nach Birkhan, a.a.O. 1997, S.358: Kleinaspergle, Torque von Besseringen, Goldkollier von Bad Dürkheim, Schale von Schwarzenbach, Grab der „Fürstin“ von Vix, Reinheim mit Goldschmuck, Bernstein, Glasobjekten und Bronzespiegel, Torque von Erstfeld.

[cxiii] Vgl. A.Haffner, S.158 und 162, O.-H.Frey, S.134ff. und 139f., beide in: The Celts, Venedig 1991; Duval 1978, S.44f.

[cxiv] Vgl. Frey, a.a.O. 1980, S.82,

[cxv] Vgl. Duval, a.a.O. 1978, S.56ff., Frey, a.a.O. 1980, S.82, derselbe a.a.O. 1991, S.140

[cxvi] Vgl. Laing, a.a.O. 1992, S.47, Duval, a.a.O. 1978, S.80

[cxvii] Vgl. Frey, a.a.O. 1980, S.77f., derselbe , a.a.O. 1993, S.157, F.Fischer, Kleinaspergle near Asperg in: Venedig 1991, S.178f.

[cxviii] Vgl. Frey, a.a.O. 1993, S.157

[cxix] Vgl. Laing, a.a.O. 1992, S.47 und 49, Duval, a.a.O. 1978, S.45f., Frey, a.a.O. 1980, S.78, A.Haffner, Die keltischen Fürstengräber im mittleren Rheingebiet, in: Venedig 1991, S.156f. und 159f.

[cxx] Vgl. Frey, a.a.O. 1993, S.156, Duval, a.a.O. 1978, S.64f., V.Kruta, Celtic Religion, in: Venedig 1991, S.500 und S.502

[cxxi] Vgl. Laing, a.a.O. 1992, S.51ff., Sie sehen in diesem Schmuck Beispiele für die Übernahme des griechischen orientalisierenden Stils in die frühe Latènekunst. Viele persische Motive wurden von etruskischen Künstlern und in der Situlenkunst verwendet, außerdem fanden sich in keltischen Gräbern Werke des griechischen orientalisierenden Stils.

[cxxii] Vgl. Erster Teil, III.4.6.6.6. De Cophur in da muccida, der irische Mythos von den zwei Schweinehütern Friuch und Rucht, erzählt, daß sie sich nach einem Streit in der Gestalt von Raben, Wassermonstern, Kriegern, schrecklichen Dämonen, Hirschen und Drachen bekämpften. Dann verwandelten sie sich in Würmer.

Einer wurde von Medbh `s Kuh verschluckt und als Finndbennach wiedergeboren, der andere von Fiachna `s Kuh als Donn. Eine andere Legende beschreibt , daß die Schweinehüter zu Vögeln, Wölfen, Forellen und Würmern wurden.

[cxxiii] Vgl. Hatt, a.a.O. 1980, S.56ff.

[cxxiv] Vgl. The Celts, Venedig 1991, S.47

[cxxv] Vgl. Jacobsthal, a.a.O. 1944, S.19

[cxxvi] Vgl. Neugebauer, a.a.O. 1992, Duxer Fibel nach einem Quellfund aus der Dux in Böhmen

[cxxvii] Vgl. Neugebauer, a.a.O. 1992

[cxxviii] Z.Bsp. Torques aus Nebringen in Baden-Württemberg, Scheibenhalsring aus der „Marne“

[cxxix] Das östliche Siedlungsgebiet umfaßt Ungarn und die Länder weiter donauabwärts

[cxxx] nach Jacobsthal, a.a.O. 1944

[cxxxi] Z.Bsp. Das große Gefäß aus Hidegseg bei Sopron in Ungarn besitzt zwei Zierzonen auf beiden Schultern mit regelmäßigem Stempeldekor und auf dem Boden eine kurvolineare Svastika. Die Komposition ist ausgewogen symmetrisch und verrät hellenistische Einflüsse.

[cxxxii] Vgl. Neugebauer, a.a.O. 1992: Bei den Armringen tritt der aus kleinen, meist ovalen Buckeln zusammengesetzte sogenannte Nußarmring hervor.

[cxxxiii] Der Ring von Aholming in Bayern hat scharf profilierte, schräge Hohlbuckel. Halbmonde umrahmen teilweise das im Relief dargestellte Dekor und sind ihrerseits durch steil abfallende Flächen hervorgehoben.

[cxxxiv] Ein Ring aus Stankovice in Böhmen zeigt sechs Knospen, die abwechselnd mit vier S-Motiven und einer Art „Träne“ zwischen zwei Kügelchen verziert sind, wobei jedes dieser Ornamente in einen großen Dreierwirbel eingefaßt ist.

[cxxxv] Die Masken auf dem Ring von La Charme in Aube folgen der Achse des Ringes

[cxxxvi] Fische finden sich nur auf einem Ring aus Krinec in Böhmen. Sie sind versetzt in zwei Reihen angeordnet und haben große Schuppen auf ihrem Körper und einen zurückgebogenen Schwanz. Die Fische haben keine Ähnlichkeit mit klassischen Delphinen, sondern erinnern eher an Lachse.

[cxxxvii] Vgl. Duval, a.a.O. 1978, S.102

[cxxxviii] Bei einem Armreif aus Chotin in der Slowakei verwendete man falsches Filigran und die Pastillagetechnik. Dargestellt sind eingerollte Schneckenmotive, Wellenlinien und eine der Mittellinie folgende Reihe paralleler S-Kurven.

[cxxxix] Vgl. Duval, a.a.O. 1978, S131, Frey, a.a.O. 1993, S.164, J.Meduna, The Brno-Malomerice, in: The Celts, Venedig 1991, S.376f.

[cxl] Vgl. Duval, a.a.O. 1978, S.107, Frey 1993, S.164, P.Mortensen, The Brå Cauldron, in: The Celts, Venedig 1991, S.375

[cxli] Bei der Schnabelkanne vom Dürrnberg könnte es sich bei den Gestalten auf dem Kesselrand um eine Mischform zwischen einem durch fremde Vorlagen bekannten Wesen und einem Wolf handeln

[cxlii] Es ist interessant, anzumerken, daß sich dieses Motiv schon in der Hallstattzeit findet.

[cxliii] Z.Bsp. Ein Pseudo-Kantharos aus Novomesto in Slowenien besitzt am Gefäßhals zwischen den Henkeln im Relief dargestellte Masken. Die Henkel laufen oben und unten in Widder- und Rinderköpfen aus.

[cxliv] Vgl. V.Zirra, The Cemetery of Ciumesti and the Chieftain`s Tomb, in: The Celts, Venedig 1991, S.382

[cxlv] Vgl. V.Zirra, The Cemetery of Ciumesti and the Chieftain`s Tomb, in: The Celts, Venedig 1991, S.383

[cxlvi] Vgl. Frey, a.a.O. 1980, S.89

[cxlvii] es wird in das Ende des 3.Jh.v.Chr. datiert, Vgl. Birkhan, a.a.O. 1997, S.495; B.Lescure, The Hillfort and Sanctuary at Roquepertuse, in: The Celts Venedig 1991, S.362, Duval 1978, S.108ff.

[cxlviii] Jacobsthal, a.a.O. 1944, S.6. geht davon aus, daß es sich bei den Sitzstatuen um Gottheiten handelt oder um Priester, die die Gesten einer Gottheit nachahmen.

[cxlix] bei Saint-Remy-de-Provence, Bouches-du-Rhone

[cl] Vgl. Duval, a.a.O. 1978, S.113

[cli] Vgl. Birkhan, a.a.O. 1997, S.494, er erwähnt auch, daß Cäsar über die doppelte Führerschaft gallischer Stämme berichtet. Vielleicht hatte dieses Doppelkönigtum einen dioskuralen Hintergrund.

[clii] nach Jacobsthal, a.a.O. 1944, S.6, ist die Zweiköpfigkeit ein Ausdruck für übermenschliche Kraft und Würde

[cliii] G.J.Cäsar, Comentarii de bello Gallico

[cliv] Z.Bsp. Torque und Armreif aus Lasgraisses in Tarn, Spiralarmband aus Aurillac in Cantal

[clv] Vgl. Duval, a.a.O. 1978, S.146

[clvi] Z.Bsp. Bronzering aus Kosd in Ungarn

[clvii] Die vier Doppelquader aus Stein waren 1711 unter dem Chor von Notre-Dáme in Paris entdeckt worden, ein fünfter Quader ging jedoch kurz nach der Auffindung verloren. Sie stammen aus der Zeit des Tiberius (14-37n.Chr.). Nur der oberste Quader ist vollständig erhalten.

Die Quader waren ursprünglich übereinander gestellt gewesen und hatten einen Pfeiler mit quadratischem Grundriß und einer Höhe von ungefähr fünf Metern gebildet.

[clviii] Beschreibungen und Bezeichnungen der Quader Vgl. Birkhan, a.a.O. 1997, S.446ff.

[clix] Vgl. Birkhan, a.a.O. 1997, S.738

[clx] Vgl. Erster Teil, III.5.4. Der Sagenkreis um Arthur und die Ritter der Tafelrunde: Pa gwr yw y porthawr ?, „Wer ist der Pförtner?“ über Cath Palug, „Palugs Katze“, die von einer Sau geboren worden war und in der Meerenge zwischen dem britannischen Festland und Anglesey aufwuchs. Arthur und seine Gefolgschaft jagten sie, weil sie vor Morgengrauen neun mal zwanzig Helden zu verspeisen pflegte. Vgl. Birkhan, a.a.O. 1997, S.738

[clxi] Z.Bsp. Bronzegürtel aus Telec in Böhmen

[clxii] Z.Bsp. emaillierter Abschluß mit kurvolinearer Verzierung aus Szentes - Songrad in Ungarn

[clxiii] Z.Bsp. Rinderkopfanhänger aus Dalj in Kroatien

[clxiv] Z.Bsp. Rinderkopfanhänger mit Dreiergruppen von Brüsten aus Krivoklat in Böhmen

[clxv] Z.Bsp. Aus Szob bei Pest stammt ein Henkel, der mit einem Lurchkopf verziert ist.

[clxvi] Z.Bsp. Antropomorpher Henkel aus Tolna in Ungarn

[clxvii] Er enthält Reste von Goldauflagen und Glasschmelz

[clxviii] Vgl. Birkhan, a.a.O. 1997, S.381: Eberjagd, hieros gamos, „Lebensbaum“ und Wiederbelebungskessel sind keltische Umsetzungen von thrakischen, sakralen Themen. Entweder handelt es sich um eine ostkeltische Arbeit unter thrakischem Einfluß oder um eine thrakische Arbeit unter ostkeltischen Einfluß. Dem Bildprogramm dürften synkretistische Glaubensvorstellungen und Kultur zugrunde liegen.

[clxix] Vgl. Birkhan, a.a.O. 1997, S.381 im Gegensatz zu R.Pittioni, Wer hat wann und wo den Silberkessel von Gundestrup angefertigt? in: Veröffentlichungen der keltischen Kommission Nr.3, Wien 1984 und R.Hachmann Gundestrup-Studien, in: BRGK 71, 1990, S.565ff., die den Kessel wegen der exotischen Tiere und des Delphinreiters für eine griechische Arbeit halten. Nach Birkhan kannten die Kelten jedoch Elefanten, da sie bei der „Elefantenschlacht“ von Alexander (275/74), der Schlacht bei Lysimacheia, mitgekämpft haben. Löwen waren bereits in der Hallstattzeit bekannt (Z.Bsp. Eberdingen-Hochdorf)

[clxx] es sind sieben erhalten

[clxxi] drei weibliche Gottheiten ohne Bart und mit warzenartigen Brüsten, zwei davon scheinen dieselbe Göttin wiederzugeben

[clxxii] Vgl. Birkhan, a.a.O. 1997, S.380 meint, daß es sich um eine Darstellung der rituellen Stiertötung handeln könnte. Er betont, daß die Bodenplatte nicht ursprünglich zum Kessel gehört habe, sondern erst nachträglich hinzugefügt worden war.

[clxxiii] Hirsch, Stier, Hunde, Eber, gegenständige Löwen und ein Mensch, der einen Delphin reitet.

[clxxiv] vielleicht kämpfen sie um den Besitz des Rades oder es handelt sich um die Darstellung eines Radorakels

[clxxv] Z.Bsp. Flemming Kaul, Ivan Marazov, Jan Best und Nanny de Vries brachten die Bilder auf dem Kessel von Gundestrup beinahe alle mit dem thrakischen Kybelekult in Verbindung

[clxxvi] Man kann statt eines Kessels auch eine Riesenscholle sehen und einen Bezug zu einem nordischen Initiationsbrauch herstellen; die Abdeckung einer Opfergrube mit Bezug auf die archäologischen Opferschachtfunde oder eine stilisierte Darstellung einer Vulva mit Bezug auf die Initiation durch regressus in uterum sowie die Wiedergeburt, Vgl. Birkhan, a.a.O. 1997, S.445

[clxxvii] Vgl. Erster Teil, III.5.2.2. Branwen verch Llýr: Die Gefallenen wurden Abends in den Kessel gelegt und stiegen am nächsten Morgen lebendig, aber ohne die Fähigkeit zu sprechen, wieder heraus.

[clxxviii] Vgl. Erster Teil, III.4.6.6.1. CuChulainns Geburt und Jugend: Als CuChulainn von seiner ersten Jagd zurückkehrte, befand er sich in einer Art Blutrausch und mußte zur Abkühlung in drei Kessel mit kaltem Wasser getaucht werden.

[clxxix] Frey, a.a.O. 1980, S.92

[clxxx] Aus Neuvy-en-Sullias, Dép. Loiret, stammt ein fast lebensgroßer Bronzeeber, wobei der Kopf des Tieres mit einem riesigen Rüssel versehen ist und beinahe ein Drittel des Tieres einnimmt. Der Eber hat lange Beine und einen Borstenkamm, der nur noch auf dem Hinterkopf erhalten ist, sich aber ursprünglich über den gesamten Rücken gezogen haben dürfte. Auch die wahrscheinlich ursprünglich aufgesetzten Hauer sind nicht mehr erhalten. Nach dem Torffund einer Karnyx aus Deskford, Banffshire, zierte den Trichter der Kriegstrompete aus dem 1.Jh.v.Chr. ein Eberkopf. Das offene Maul enthielt noch eine hölzerne, durch eine Feder einst vibrierende Zunge. Der Unterkiefer ist beweglich. Das Instrument erzeugte nach Rekonstruktionsversuchen grunzende, schnarrende und an das Trompeten eines Elefanten erinnernde Töne.

[clxxxi] Z.Bsp. Widder von Sempt, der Stier von Weltenburg

[clxxxii] Z.Bsp. Das Wildschwein aus Bata in Ungarn hat eine länglichen Platte mit einer Spiralverzierung an Stelle der Borsten

[clxxxiii] Bei der Viereckschanze handelt es sich um einen sichtbar gekennzeichneten Platz

[clxxxiv] Zu Beginn war das Klingenende noch spitz, später rundete man es ab.

[clxxxv] besonders die Mundzone

[clxxxvi] Vgl. Duval, a.a.O. 1978, S.80

[clxxxvii] nach Jacobsthal, a.a.O. 1944

[clxxxviii] Vgl. Jacobsthal, a.a.O. 1944, S.95

[clxxxix] Vgl. Duval, a.a.O. 1978, S.120

[cxc] Z.Bsp. nennen einen Besitzer, sind eine Grab- oder Weiheinschrift

[cxci] Vor allem in der Gallia transalpina (Narbonensis bis zu Helvetiern, Sequanern und im Westen den Nitiobrogen)

[cxcii] vor allem südlich der Loire und am Unterlauf der Seine

[cxciii] Dazu Birkhan, a.a.O. 1997, S.55-82 und S.432f.

[cxciv] Diese Angaben finden sich bei M.Dillon-N.K.Chadwick, The Celtic Realm, London 1967, S.13

[cxcv] „Sogenannte Beinamen“, weil der Name in vielen Fällen wahrscheinlich den keltischen Namen der Gottheit wiedergab und der Name der römischen Gottheit die Funktion des Beinamens hatte, das heißt, die keltische Gottheit nach der „Interpretatio Romana“ definierte.

[cxcvi] Vgl. Birkhan, a.a.O. 1997, S.437

[cxcvii] nach Tacitus, Germania, 43

[cxcviii] Demnach kann der keltische „Beiname“ einerseits der Hauptname der Gottheit sein, wobei der römische Name die gerade im Vordergrund stehende Funktion bezeichnet, andererseits kann er eine nähere Definition des römischen Gottes beabsichtigen oder eine zusätzliche Funktion anführen, die die römische Gottheit nicht vertritt.

[cxcix] Zu den wichtigsten antiken Autoren, die über die Kelten berichtet haben, zählen: Cäsar, Diodoros, Strabon, Pomponius Mela, Plinius der Ältere, Athenaios, Ammianus Marcellinus, Lucan, Cassios Dio,

[cc] K.Tomaschitz, Die Wanderungen der Kelten in der antiken literarischen Überlieferung, Diss. Universität Wien, 1994

[cci] erhalten in einer späteren Überlieferung bei Stephanus von Byzanz

[ccii] Herodot, II, 33 und IV, 49 in: griechische und lateinische Quellen zur Frühgeschichte Mitteleuropas bis zur Mitte des 1. Jahrtausends, Herausgeber J.Herrmann, 4 Bände, Berlin 1988-1992

[cciii] Aristoteles lebte von 384-322v.Chr.

[cciv] Polybios lebte von ca. 200-120v.Chr., seine 40teilige Weltgeschichte ist nur teilweise erhalten

[ccv] Poseidonios lebte von 135-51v.Chr. und hielt sich längere Zeit in Massalia, aber auch im freien Gallien auf. Seine Darstellungen der gallischen Geschichte und das wichtige Buch „Über den Ozean“ sind bis auf wenige Fragmente verlorengegangen.

[ccvi] G.J.Cäsar, De Bello Gallico,

[ccvii] Dieselbe Schlußfolgerung bei Birkhan, a.a.O. 1997, S.41

[ccviii] Diodoros aus Sizilien, auch unter dem Namen Diodoros Siculus bekannt

[ccix] Er lebte von 63v.-19n.Chr.

[ccx] Seine Quelle war eventuell das verloren gegangene Geschichtswerk, Origines, des M.Porcius Cato Censorinus, aber vermutet werden auch die Werke von Timagenes und Poseidonios

[ccxi] Seine „Universalgeschichte“, Ende 1.Jh.v.Chr, ist nur in Auszügen erhalten

[ccxii] und zwar vokontischer Abstammung

[ccxiii] Tacitus lebte von ca. 55-116 oder 120n.Chr.

[ccxiv] Cassius Dio lebte von ca. 150-235n.Chr.

[ccxv] Marcellinus schrieb sein Werk in der 2.Hälfte des 4.Jh.n.Chr.

[ccxvi] Vgl. Birkhan, a.a.O. 1997, S.453f.

[ccxvii] G.Dumezil, Les dieux des Indo-Européens, Paris 1952; G.Dumezil, L´idéologie tripartite des Indo-Européens, Bruxelles 1958; G.Dumezil, Mythe et épopée III, Paris 1973

[ccxviii] Die drei berühmten Stände: Lehr-, Wehr- und Nährstand. Dem ersten gehört der Herrscher in seiner rechtlich-priesterlichen und in seiner herrscherlichen Funktion an. Er ist Rechts- und Himmelsgott. In der Gesellschaft wird dieser Stand durch die Priesterklasse und den Sakralkönig vertreten. Der Zweite ist der Kriegerstand, der in der Götterwelt durch den Kriegsgott vertreten ist und in der Gesellschaft der Krieger. Der Dritte repräsentiert die Fruchtbarkeit vertreten durch den Fruchtbarkeitsgott und als Gesellschaftsklasse den Bauernstand. Jenseits und Unterweltsgottheit zählt er zur dritten Funktion.

[ccxix] Vgl. Birkhan, a.a.O. 1997, S.461

[ccxx] näher ausgeführt bei: Birkhan, a.a.O. 1997, S.464-474

[ccxxi] das bekannteste Beispiel ist die Heilige Brigit von Kildare

[ccxxii] Vgl. Birkhan, a.a.O. 1997, S.512

[ccxxiii] nach der Farbe des Einbandes

[ccxxiv] Er wurde 1106 in der „Steinkirche“ des Klosters Clon macnoise von Räubern ermordet.

[ccxxv] Es war ursprünglich die umfangreichste der älteren Sagenhandschriften, ist aber heute nicht mehr vollständig

[ccxxvi] ein Glossar um 900

[ccxxvii] sie finden sich erstmals im Buch von Leinster, aber auch in anderen Handschriften und Manuskripten

[ccxxviii] heute in einer Handschrift aus dem 13.Jh erhalten

[ccxxix] Taliesin war ein berühmter Barde des 6.Jh.

[ccxxx] das Thema ist der Kampf der Bäume und Sträucher, in 74 Versen werden 34 Pflanzennamen erwähnt

[ccxxxi] über Arthurs verlustreiche Reise in die „Andere Welt“

[ccxxxii] Wahrscheinlich war Rhydderch ab Ievan Llwyd (ca. 1324-1398) Auftraggeber

[ccxxxiii] den Mabinogion im engeren Sinn, zu den Mabinogion im weiteren Sinn gehören noch sieben weitere Erzählungen, die zum Teil über König Arthur und seine Gefolgsmänner berichten.

[ccxxxiv] die altertümlichste der Sagen aus dem Sagenkreis um Arthur, meist nur als Kulhwch ac Olwen, „Kulhwch und Olwen“, bezeichnet.

[ccxxxv] Arthur tradition, erweiterte Merlin sage und mit archaischen Zügen Breudwyt Ronabwy, „Der Traum des Ronabwy“, aber ohne religiöse Dichtung, Gesetzestexten und nur Teilen der alten Bardenpoesie

[ccxxxvi] Z.Bsp. H.Hartmann, der Totenkult in Irland, 1952, über den irischen Volksglauben in heutiger Zeit

[ccxxxvii] Z.Bsp. Der Vier-Berge-Lauf in Kärnten, der um Mitternacht auf dem Magdalensberg beginnt und über den Ulrichsberg und Veitsberg bis zum Lorenziberg in insgesamt 15 Stunden führt. Dazwischen sind einige brauchtümliche Verrichtungen zu erfüllen,. die auf einen Fruchtbarkeitskult hinweisen. Außerdem wurden in Schloß Hohenstein bei Pulst, das von diesem Lauf umrundet wird, Reste eines Tempels der Muttergottheit Isis Noreia gefunden. Weitere Beispiele bei Birkhan, a.a.O. 1997, S.483f. über das „Sündenessen“ in Wales, die Verehrung der Fruchtbarkeitsgöttin Aine in Knockainy, Co. Limerick, oder „Puck Fair“ in Killorglin, Co.Kerry, vom 10.-12.August, bei dem ein 12jähriges Mädchen und ein Ziegenbock erst festlich geschmückt und gekrönt, dann in einem Käfig über dem Marktplatz drei Tage lang präsentiert werden.

[ccxxxviii] Es handelt sich um Strophenlieder über den Alltag, die von den Frauen in den Highlands, aber auch auf den Hebriden beim Walken des Wollstoffes gesungen werden.

[ccxxxix] Vgl. Duval, a.a.O. 1978, S.92 ff.

[ccxl] Vgl. J.P.Asmussen und J.Laessoe, Handbuch der Religionsgeschichte, Kopenhagen 1971, S.249-250

[ccxli] Vgl. V.Kruta, Celtic Religion, in: The Celts, Venedig 1991, S.499

[ccxlii] Vgl. P.Lambrechts, L´exaltation de la tete dans la pensee et dans l`art des Celtes, Brügge 1954: Er geht davon aus, daß die bevorzugte Stellung der weiblichen Gottheit im Pantheon bestimmter, von Kelten besiedelter, Gebiete nichts anderes als das Erbe der Mittelmeerkulturen der späten Steinzeit ist.

[ccxliii] Z.Bsp. Erster Teil, III.4.7. Der Sagenkreis um Finn; III.4.6.1. Tochmarc Etaine, „Das Werben um Etain“; III.5.3. Das Taliesin Epos; III.4.6.6.8. Tain Bo Cuailnge; II.5.2.4. Math vab Mathonwy

[ccxliv] Vgl. Erster Teil, III.4.4.6. Die CuChulainn-Sage; III.4.7. Der Sagenkreis um Finn; III.5.2.4. Math vab Mathonwy. Nach Birkhan, a.a.O. 1997, S.878f. finden sich sogenannte „Tiersympathien“ in den Erzählungen von Finn mac Cumaill, dem Hochkönig Conaire Mór und in der Ulster -Sage. Bei Conaire handelt es sich um ein Vogeltabu, in der Finn -Sage um die Hirschsympathie des Haupthelden und seiner Verwandtschaft sowie um die Ebersympathie von Diarmait, aber es herrscht kein Rotwildtabu und in der Ulster- Sage um eine Hunde- oder Wolfssympathie, wobei der Hund sogar das Totemstier von CuChulainn gewesen sein könnte, weil es ihm verboten war Hunde zu töten oder ihr Fleisch zu essen. Der Hund oder Wolf gehörte als kriegerisches Symboltier zum Wolfskriegertum, aber vielleicht zeigen sich hier auch Reflexe alter Hirtenkulte. Außerdem scheint es nach der Erzählung Noinden Macha die Vorstellung von einer hippomorphen Mutter-, Landes- und Herrschaftsgöttin gegeben zu haben, worauf auch Eochaid, der Würdename des Herrschers, und seine rituelle Verbindung mit der Landesgöttin in Gestalt einer weißen Stute hinweisen.

[ccxlv] Vgl. Grabner-Haider, a.a.O. 1989, S.35f. über die Bedeutung des Tieres bei Nomaden, Halbnomaden, seßhaften Ackerbauern und Jägerkulturen

[ccxlvi] Clans, Sippen und Stämme hatten und haben in jenen Kulturen Schutztiere, in denen die Seelen ihrer Vorfahren weiterleben können. Diese Tiere sind heilig und dürfen nur zu ganz bestimmten Zeiten rituell getötet und gegessen werden. Der Clan trägt den Namen seines Schutztieres und hat deswegen Teil an seinen besonderen Kräften. Auch Einzelpersonen können ein Schutztier haben, in dessen „Lebenswelt“ sie mit Hilfe von Ekstasezuständen eintreten. Vgl. Grabner-Haider, a.a.O. 1989, S.36, beschreibt die Beziehung zwischen Mensch und Schutztier,

[ccxlvii] Vgl. Birkhan, a.a.O. 1997, S.881, wie der mittelirische Stamm der Bibraige und der britannische Stamm der Bibroci, „Bibervolk“, aber besonders bei Pflanzennamen als Personenbezeichnung wie mittelirisch mac Daro, „Sohn der Eiche“, mac Cairthin, „ Sohn der Eberesche“, mac Cuill, „Sohn der Hasel“ aber auch dar Chairtinn, „Tochter der Eberesche“, dar Ibair, „Tochter der Eibe“ altkymrisch Guidgen, „Baumsohn“, Guerngen, „Erlensohn“gallisch Abalus und Abalica nach dem Apfelbaum , Betulius, Betullus, Betulo, Betuvius... nach der Birke, Derva und Dervius nach der Eiche

[ccxlviii] Vgl. L.Pauli, Keltischer Volksglaube, München 1975, Lengyel 1994

[ccxlix] Z.Bsp. Erster Teil, III.4.2. Die erste Schlacht und ihre Folgen: Der Kessel des Dagda und seine beseelte Wunderharfe, der Stein von Fal;; III.5.3. Das Taliesin Epos: Der Kessel der Cerridwen; III.4.5.2. Erzählungen über die Bewohner der „Anderen Welt“: Der magische Zweig von Cormac

[ccl] Z.Bsp. Tapferkeit und Keuschheit testende Gegenstände aus der Arthur literatur; Erster Teil, III.4.2. Die erste Schlacht und ihre Folgen: der Speer von Lugh, das Schwert des Nuada; III.5.4. Der Sagenkreis um Arthur und die Ritter der Tafelrunde: Arthurs Schwert Excalibur; III.4.6.6.8. Tain Bo Cuailnge: Der Gai Bolga von CuChulainn;

[ccli] Der Begriff „Dingbeseelung“ aus: Birkhan, a.a.O. 1997, S.809ff., Kesselkult und „Dingbeseelung“

[cclii] Vgl. L.Pauli, Keltischer Volksglaube, München 1975, S.171ff. zu den „gefährlichen Toten“ zählt er Magier, Wahnsinnige, Verbrecher, vorzeitig durch Unfall, Hinrichtung oder Opferung sowie im Kindbett Verstorbene und wahrscheinlich unverheiratete oder kinderlos gestorbene Frauen.

[ccliii] Vgl. Birkhan, a.a.O. 1997, S.812f. Bei einer Initiation würde es sich um einen Kessel der Wiedergeburt als Ort der Initiation handeln

[ccliv] eine Keltische Schrift, die Ogamschrift, entwickelte sich erst im 4./5.jh.n.Chr. in Irland, vorher verwendeten die Kelten die lateinische und griechische Schrift. Birkhan, a.a.O. 1997, S.568 ist der Meinung, daß die Ogamschrift ursprünglich ebensowenig eine Alltagsschrift war wie die germanischen Runen. Beide dienten zu magisch-rituellen Zwecken, sei es um damit Wahrsagerituale auszuführen oder den Besitzers zu bezeichnen.

[cclv] meist auf Bleitäfelchen

[cclvi] nach Thurneysen, a.a.O. 1921, S.69

[cclvii] nach Birkhan, a.a.O. 1997, S.942, dem Aer sehr ähnlich

[cclviii] Z.Bsp. auf einem Fuß stehen, ein Auge zukneifen und nur eine Hand benützen, als Zeichen magischer Verstärkung durch Unpaarigkeit.

[cclix] Vgl. Erster Teil, III.4.7.4. Die Legende von Grainne und Diarmaid

[cclx] Vgl. Erster Teil, III.4.6.4. Longas mac n-Uislenn, „Die Verbannung der Söhne Uisliu´s“ und Thurneysen 1921, S.324-327

[cclxi] Vgl. G.J.Cäsar, De Bello Gallico, VI.13-14, Original und Übersetzung des Textes über die Druiden in: Griechische und Lateinische Quellen zur Frühgeschichte Mitteleuropas bis zur Mitte des 1.Jahrtausends u.Z., Herausgeber J.Herrmann, Berlin 1988, S.140ff.

[cclxii] griechisch Drus, „Eiche“ keltischen Dervo, im gälischen Daur, im walisischen Derw und im Bretonischen Derv

[cclxiii] französisch Dru, „dicht, kräftig“, altirisch derb, „sicher“

[cclxiv] auch den Narren und Schwachsinnigen schrieb man Prophetengabe zu, so bedeutet baile Verrücktheit, aber auch Weissagung.

[cclxv] H.Birkhan, a.a.O. 1997, S.896ff. Druiden, Magier und Seher

[cclxvi] sie hatten eine „hohe Stirn“ bis zu einer Linie ausrasiert, die von einem Ohr zum anderen verlief.

[cclxvii] Cäsar, De bello Gallico, VI.14, das muß aber nicht unbedingt heißen, daß sie an keinem Krieg teilnahmen.

[cclxviii] altirisch fáith und kymrisch gwawd, „Gedicht, prophetische Weisheit“, indogermanisch vat - , „geistig inspiriert“

[cclxix] der Gutuater ruft den Gott mit lauter Stimme an.

[cclxx] Die inselkeltischen Mythen wurden wahrscheinlich von den fili aufgezeichnet, die sich die Schreibkunst angeeignet hatten und mit der Klosterwissenschaft eng verbunden waren.

[cclxxi] Vgl. Thurneysen, a.a.O. 1921, S.70

[cclxxii] Vgl. Thurneysen, a.a.O. 1921, S.275

[cclxxiii] Z.Bsp.: Ammianus Marcellinus, XV, 9; Hippolytos, Philosophumena I, 25; Clemens von Alexandria, Stromata I, XV, 71, geht sogar so weit zu behaupten, daß Pythagoras nicht nur ein Schüler der Brahmanen, sondern auch der Druiden der Galater gewesen ist.

[cclxxiv] Vgl. Strabo, IV, 4

[cclxxv] Vgl. Cicero, De Divinatione, I, 40

[cclxxvi] Nach Mela III.2.19 und Lucan I.453 wurden die Schüler zwanzig Jahre lang in einer Höhle oder in entlegenen Waldgegenden unterrichtet

[cclxxvii] Vgl. Pomponius Mela, 1.Jh.n.Chr., De Choreographia, III, 2, 18

[cclxxviii] Cäsar, De Bello Gallico, VI.13

[cclxxix] Vgl. Dion Chrysostomos, Oratio, XLIX über die Priester der Völker des Altertums

[cclxxx] Diodor, V.31 nach Poseisonios

[cclxxxi] Vgl. Ammmianus Marcellinus nach Timagenes, XV, 9; ebenso Cicero, De Divinatione, I, 40

[cclxxxii] Birkhan, a.a.O. 1997, S.934-938, ausführlich über die Dichter und Dichtkunst

[cclxxxiii] Vgl. Thurneysen, a.a.O. 1921, S.65f.

[cclxxxiv] Vgl. Magische Zeichen und Symbole, in: Das Buch der Zeichen und Symbole, Vlg. für Sammler, Graz 1994, S.129

[cclxxxv] Vgl. Das Buch der Zeichen und Symbole, Verlag für Sammler, Graz 1994, S.114

[cclxxxvi] Vgl. Birkhan, a.a.O. 1997, S.928

[cclxxxvii] In Schottland wurde der Zauber, sich in ein Tier zu verwandeln, von Jägern, Kriegern und Reisenden verwendet, die nicht erkannt werden wollten. Männer wurden zu Pferden, Stieren oder Hirschen, Frauen zu Katzen, Hasen oder Hinden. Vgl. Birkhan, a.a.O. 1997, S.930

[cclxxxviii] Vgl. Birkhan, a.a.O. 1997, S.931 mit weiteren Beispielen.

[cclxxxix] Vgl. Thurneysen, a.a.O. 1921, S.70

[ccxc] Hier zeigt sich die Verschiebung des Oberhauptes der Priesterklasse vom Druiden zum fili. Nach der Christianisierung protegierten die christlichen Mönche, die fili, da sie durch ihre Bevorzugung leichter zu bekehren waren und dennoch das Volk durch ihre Zugehörigkeit zur heidnischen Priesterklasse beeinflussen konnten.

[ccxci] Vgl. Diodor von Sizilien, V, 31

[ccxcii] Vgl. Pomponius Mela, III, 2

[ccxciii] Anc. Laws V, 112

[ccxciv] Vgl. Thurneysen, a.a.O. 1921, S.66

[ccxcv] Vgl. Birkhan, a.a.O. 1997, S.932

[ccxcvi] Giraldus Cambrensis, Descriptio Cambriae I.16

[ccxcvii] Vgl. Erster Teil, III.4.6.2. Togail bruidne Ui Dergae, „Die Zerstörung der Halle von Ua Dergae“ und Thurneysen, a.a.O. 1921, S.630

[ccxcviii] Nach Cäsar, De Bello Gallico, VI.13, wohnten die Druiden den religiösen Handlungen bei, besorgten die öffentlichen und privaten Opfer und entschieden in fast allen öffentlichen und privaten Streitigkeiten VI.14, „ Vor allem suchen sie die Überzeugung zu verbreiten, daß die Seelen nicht untergehen, sondern nach dem Tod von den einen auf die anderen übergehen, und sie meinen, dadurch werde man zur Tapferkeit angespornt, da man ja keine Furcht mehr vor dem Tod habe. Außerdem stellen sie viele Erörterungen an über die Sterne und ihre Bewegung, über die Größe der Welt und der Länder, über das Wesen der Dinge, über die Macht und Gewalt der unsterblichen Götter an, und das geben sie der Jugend weiter.“ Originaltext und Übersetzung in: J.Herrmann, Griechische und Lateinische Quellen zur Frühgeschichte Mitteleuropas, Berlin 1988, S.140-143

[ccxcix] Birkhan, a.a.O. 1997, S.910f. vermutet, daß ein goidelischer Druide ungefähr zwischen dem 2. und 4.Jh.n.Chr. ein älteres mnemotechnisches System, gestützt auf die lateinische Grammatik, zur Ogham-Schrift umfunktionierte.

[ccc] Birkhan, a.a.O. 1997, S.911, Anmerkung 1, Die Namen der Ogham -Zeichen und ihre Übersetzung: Beithe, „Birke“, Luis, „Flamme, Pflanze?“, Fern, „Erle“, Sail, „Weide“, Nin, „Gabel, Speicher?“, hÚath, „Iota, Angst?“, Dair, „Eiche“, Tinne, „Spitzbarren?“, Coll, „Haselstrauch“, qCert, „Busch, Eiche?“, muin, „Hals, List, Liebe?“, Gort, „Feld, Garten“, nGétal, „Tötung?“, zStraif, „Schwefel“, Ruis, „Röte?“, Ailm, „Alpha“ - ein Baumname?, Onn, „Esche“, Ur, „Erde, Lehm“, Edad?, Idad ?

[ccci] Übersetzung und Interpretation der Monatsnamen und Vermerke auf dem Kalender bei Birkhan, a.a.O. 1997, S.786ff. Jeder Monat begann bei den Kelten mit dem 6.Tag des Mondes, zu dieser Zeit fand auch die Mistelernte statt, denn dann besaß die Mistel die stärkste Kraft. Abgesehen von einer Eintragung Lugo fehlen jegliche Götternamen und deutet vielleicht auf ein Naheverhältnis zwischen den Priestern und Lugh, aber es ist nicht sicher, ob überhaupt ein Zusammenhang zwischen Lugo und Lugh oder den Lugoves besteht.

[cccii] Vgl. Birkhan, a.a.O. 1997, S.791

[ccciii] Vgl. Markale, a.a.O. 1996, S.164

[ccciv] Vgl. Birkhan, a.a.O. 1997, S.792

[cccv] an dem Eingangsportal waren wahrscheinlich Stier- und Menschenschädel befestigt

[cccvi] meist Schaf, Schwein, Rind und Hund

[cccvii] Vgl. Erster Teil, III.4.5.1. Erzählungen über die „Andere Welt“, III.4.5.2. Erzählungen über die Bewohner der „Andere Welt“

[cccviii] Z.Bsp. The Isle of Man als Wohnsitz von Manannan, Midyr als Herrscher von Bri Leith, Birkhan, a.a.O. 1997, S.842, vermutet, daß es sich bei diesen Göttern um frühere Lokalgottheiten handelt.

[cccix] Vgl. Marcus Annaeus Lucanus (39-65 n.Chr.), Pharsalia, V, 450f., I.454ff.

[cccx] die Deutung von „orbis alius“ ist unsicher

[cccxi] Vgl. G.J.Caesar, De Bello Gallico, VI, 14

[cccxii] Für eine Wiedergeburt im Sinne von der Lehre des Pythagoras, daß der Mensch auch in einem nicht-menschlichen Körper wiedergeboren werden kann oder im Sinne der indischen Karman Theorie, nach der die Seele in einer der moralischen Beurteilung des vorangegangenen Menschenlebens entsprechenden Gestalt wiederkehrt, werden gelegentlich die Verwandlungen des Túan mac Cairill und der Schweinehüter (Vgl. Erster Teil, III.4.6.6.6. De cophur in dá mucado), aber auch die Verwandlungen des Gwion Bach bis zu seiner Geburt als Taliesin (Vgl. Erster Teil, III.5.3. Das Taliesin Epos) herangezogen.

[cccxiii] Vgl. Pomponius Mela, III, 3, Cäsar, De bello Gallico, VI.14, Nur der Glaube an ein Weiterleben nach dem Tod dürfte aber nicht genügt haben, einem Menschen die Angst vor dem Tod zu nehmen. Schließlich hängt es auch davon ab, welcher Art dieses neue Leben sein wird, denn zu sterben bedeutet, Menschen und Dinge, die man liebt, zurückzulassen. Nur die Aussicht auf ein besseres oder ruhmreicheres Leben kann einem Menschen die Angst vor dem Tod nehmen.

[cccxiv] Dép. Bouches-du-Rhône, 1.Jh.v.Chr., Vgl. Erster Teil, I.4.5. Die Zeit der Oppida

[cccxv] Vgl. Birkhan, a.a.O. 1997, S.738: hält sie wegen der Schuppen auf dem Hals und Rücken in Verbindung mit den katzenartigen Pranken für eine „Meerkatze“. Nach dem letzten Satz des Fragmentes von Pa gwr yw y porthawr ?, „Wer ist der Pförtner“ pflegte sie vor Morgengrauen neun mal zwanzig Helden zu fressen. Eine dämonische Wasserkatze findet sich auch in der Finn -Sage und in der Heiligenvita von Abbán, der sie zähmt und in den See setzt. Noch heute verflucht man in Irland jemanden, indem man ihm neben der Strangulierung die murchatt, „Meereskatze“ wünscht. Von einem Meerkater wird berichtet, daß er mit fauligem Atem und roten Glutaugen an der Küste Donegals auftaucht.

[cccxvi] Vgl. Grabner-Haider, a.a.O. 1989, S.27: Das Feuer spendet einerseits Wärme und Licht, andererseits kann es eine tödliche Bedrohung sein. Es kommt aus der „Anderen Welt“, spendet Lebenskraft, reinigt Geist und Körper und vertreibt böse Kräfte. Opfergaben, darunter auch Menschen und Tiere, werden verbrannt, um Schutzgeister, Ahnenseelen und göttliche Wesen zu stärken oder zu besänftigen. Herdfeuer und Kultfeuer bieten der Familie und dem Stamm Schutz vor negativen Kräften.

[cccxvii] Vgl. Grabner-Haider, a.a.O. 1989, S.76ff.

[cccxviii] Vgl. Grabner-Haider, a.a.O. 1989, S.36

[cccxix] Diodoros, Weltgeschichte, V.28

[cccxx] Plinius, naturalis historia, XXVIII.51

[cccxxi] Galenus, de simpl.med.90, Vgl. Birkhan, a.a.O. 1997, S.1065

[cccxxii] Vgl.Birkhan, a.a.O. 1997, S.803f.: Er verbindet das gallische Namenselement smer - mit altirisch smertha, „geschmiert“, und indogermanisch smeru -, „Schmer, Fett, Mark“, als Zeichen von Reichtum und Macht.

[cccxxiii] Diodoros, Weltgeschichte, V.31, auch Livius, V.34.

[cccxxiv] Plinius, historia naturalis, XXIX.52, Birkhan, a.a.O. 1997, S.905 meint, daß es sich vielleicht um die Eianlage der dem Mittelmeer fremden Buccinum undulatum, „Wellhornschnecke“, handeln könnte.

[cccxxv] Gesammelte Stellen in: Zwicker, a.a.O. 1935, hostiae humanae, S.337f.

[cccxxvi] Cäsar, De bello Gallico, VI.16

[cccxxvii] Strabon, Geographia, IV.4.5.

[cccxxviii] Diodoros, Weltgeschichte, V.32

[cccxxix] Tacitus, Bibliographie von Iulius Agricola, XIV.30.

[cccxxx] Diodoros nach Poseidonios, Weltgeschichte, V.31

[cccxxxi] Strabon III.3.6. nach Poseidonios, Geographia, VII.2.3. über die germanischen Kimbern berichtet er, daß sie grauhaarige Priesterinnen hatten, die barfüßig, mit einem weißen Leinengewand und einer bronzenen Gürtelkette bekleidet, auf einer an einen riesigen Kessel angelehnten Leiter die Kriegsgefangenen nach oben bis über den Kessel führten und dort ihre Kehle durchschnitten. Aus dem Fließen des Blutes und den Eingeweiden der Geopferten sagten sie die Zukunft voraus. H.Birkhan, a.a.O. 1997, S.812f., vermutet, daß die germanischen Kimbern damals bereits teilweise keltisiert waren und das Blutopfer im Kessel keltischen Ursprungs sein könnte, während der Kesselkult selbst Teil der germanischen Religion ist.

[cccxxxii] Beispiele finden sich in den altirischen Heldensagen, Vgl. Erster Teil, III.4.6.6. Die CuChulainn Sage, III.4.7. Der Sagenkreis um Finn

[cccxxxiii] Ein gutes Beispiel für ein Menschenopfer ist der in einem Moor entdeckte „Lindow Man“. Es handelt sich um einen jungen Mann, der ungefähr um 300v.Chr. gelebt hat und durch einen Axtschlag auf den Hinterkopf und ein zusätzliches Erwürgen zu Tode kam. Außerdem hatte man ihm die Kehle durchgeschnitten und ihn nackt in kauernder Haltung in dem flachen Moortümpel beigesetzt. Die mehrfache Tötung durch Erschlagen, Erwürgen, Verbluten oder Zerstückeln und letztendlich Ertrinken läßt auf eine Opferung für eine Gottheit unter Beisein von Druiden schließen. Vgl. Birkhan, a.a.O. 1997, S.866

[cccxxxiv] Vgl. Birkhan, a.a.O. 1997, S.864

Ende der Leseprobe aus 461 Seiten

Details

Titel
Keltische Daseinsdeutung und die Latènekunst
Untertitel
Untersuchungen über die bildliche Umsetzung der inselkeltischen Mythologie und der keltischen Daseinsdeutung in der Latènekunst anhand von österreichischen Funden
Hochschule
Karl-Franzens-Universität Graz
Note
2,0
Autor
Jahr
1998
Seiten
461
Katalognummer
V86291
ISBN (eBook)
9783638020626
ISBN (Buch)
9783638921367
Dateigröße
6492 KB
Sprache
Deutsch
Anmerkungen
„Es handelt sich um eine Untersuchung, die sowohl die kulturgeschichtlich-religiösen als auch die kunstgeschichtlichen Aspekte der keltischen Kunst in der Latènezeit bearbeitet. ...Es ist der Verdienst der Kandidatin, diese Thematik wissenschaftlich aufgearbeitet und damit einen wichtigen Beitrag zur Erforschung der keltischen Kunstschöpfungen in der Latènezeit geleistet zu haben...“
Schlagworte
Keltische, Daseinsdeutung, Latènekunst, Kelten, Mythologie, Religion, Mythen, keltische Religion, keltische Mythologie, keltische Götter, keltische Kunst
Arbeit zitieren
Dr. Susanna Berndt (Autor), 1998, Keltische Daseinsdeutung und die Latènekunst, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/86291

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