Bisexualität. Begriffsklärung und Theorien zur Entstehung


Hausarbeit, 2007

20 Seiten, Note: 1,0


Leseprobe

Inhalt

1. Das Problem

2. Literaturwahl

3. Begriffsklärung

4. Theorien und Ansätze zur Entstehung der Bisexualität
4.1 Möglichkeit der Vererbung sexueller Neigungen
4.1.1 Biologisches Geschlecht und Bisexualität
4.1.2 Sexualforschung und Genetik
4.2 Die Zeit vor der Geburt
4.2.1 Bedeutung des Hormonellen Umfelds
4.2.2 Pränatale Psychologie
4.3 Geschlechtsidentität und Geschlechtsrollenidentifikation in der Kindheit
4.4 Pubertät und Adoleszenz
4.5 Entdeckung und Umgang mit der Bisexualität im Erwachsenenalter

5. Diskussion

6. Erkenntnis

Anmerkungen

Literatur

1. Das Problem

Heutzutage wird überall sehr offen über Sexualität gesprochen, sei es in den Medien, in der Schule oder auch im Elternhaus.

Dennoch scheint ein gewisses Schwarz-Weiß-Denken nicht aus unseren Köpfen zu bekommen sein: Während Homosexualität inzwischen mehr oder weniger an der Tagesordnung ist und offen ausgelebt werden darf, wird das Thema Bisexualität nach wie vor mit einem Fragezeichen versehen.

Ich persönlich sehe Bisexualität in jedem Fall als eine mögliche sexuelle Orientierung an, weshalb es mir nicht darum geht, zu belegen, ob es Bisexualität gibt. Vielmehr möchte ich versuchen darzustellen, wie Bisexualität entstehen kann.

Dabei bewegen sich meine Ausführungen im Rahmen unserer gegenwärtigen, westlichen Gesellschaft .

Den Umgang mit dem Thema Bisexualität in der Geschichte sowie in fremden Kulturen oder Naturvölkern kann ich an dieser Stelle leider nicht erörtern, denn das würde den Rahmen meiner Arbeit sprengen.

2. Literaturwahl

Die Suche nach geeigneter Literatur hat sich als relativ schwierig erwiesen. Zwar gibt es zahlreiche sexualwissenschaftliche Fachbücher, jedoch wird das scheinbar noch recht junge Problem der Bisexualität oft nur am Rande, quasi als möglicherweise bestehende Option neben Hetero- und Homosexualität erwähnt.

Natürlich gibt es inzwischen auch Bücher, die sich ganz konkret mit dem Thema Bisexualität auseinandersetzen. Jedoch sind diese zum großen Teil sozialwissenschaftlich und nur in sehr geringem Maße (entwicklungs-)psychologisch orientiert und stellen teilweise auch nicht die erwünschte Fachliteratur sondern eher eine Mischung aus Selbsthilfebüchern und Erfahrensberichten dar.

Deshalb war es notwendig und wichtig, auch auf weiterführende Literatur zum Thema Entwicklungspsychologie und Sexualforschung sowie auf Arbeiten zum Thema Homosexualität zurückzugreifen.

Interessant und hilfreich waren außerdem diverse Zeitschriftenartikel, die sich z.T. auf den neuesten Stand der Wissenschaft beziehen.

Auch das Internet habe ich als Quelle mit einbezogen, diesbezügliche Informationen (abgesehen von den digitalisierten Fachartikeln) sind allerdings mit Vorsicht zu genießen und sollen deshalb nur zum besseren Verständnis dienen.

3. Begriffsklärung

Bevor ich nun damit beginne, die mögliche Entwicklung einer bisexuellen Identität zu skizzieren, ist es notwendig, einige für meine Ausführungen wichtige Begriffe zu klären.

Sexualität, sexuell

Sexualität ist die „Gesamtheit der im Sexus1 begründeten Lebensäußerungen“ (Duden).

Als sexuell bezeichnet man dementsprechend alle auf das Geschlechtsleben bezogenen Vorgänge und Eigenschaften.

Sexuelle Neigung, sexuelle Orientierung

Unter sexueller Neigung verstehe ich das Interesse an sexueller Intimität mit dem einen oder anderen Geschlecht (Homo-, Heterosexualität) oder beidem (Bisexualität).

Die sexuelle Neigung sollte die sexuelle Orientierung (sexuelle Ausrichtung), also die Wahl der Sexualpartner, bestimmen, was in der Realität aber nicht unbedingt zutrifft.

Biologisches Geschlecht, Geschlechtsidentität

Mit biologischem Geschlecht ist das körperliche Geschlecht eines Menschen, im Hinblick auf innere und äußere physiologische Geschlechtsmerkmale, gemeint.

Darauf bezogen meint die Geschlechtsidentität die Erkenntnis über das eigene biologische Geschlecht, die Selbstwahrnehmung als männlich oder weiblich also.

Sexuelle Identität

Abgeleitet von einer möglichen Definition des Begriffes Identität als „die als Selbst erlebte innere Einheit der Person“ (Duden) bezeichne ich mit sexueller Identität die innere Erkenntnis, Eingeständnis und Akzeptanz der eigenen sexuellen Neigung. Die sexuelle Identität kann sich im Laufe eines Lebens durchaus ändern, sie ist kein fester innerer Kern, sondern „jeweils momentanes Ergebnis eines fortlaufenden Prozesses […], bei dem eine Person ihr Wissen und ihre Erfahrungen über sich selbst verarbeitet“ (Hüsers und König, 1995, p.18).

Bisexuell, Bisexualität

Bisexuelle sind „Amphigen invertiert (psychosexuell-hermaphroditisch2), daß heißt, ihr Sexualobjekt kann ebensowohl dem gleichen wie dem anderen Geschlecht angehören; der Inversion3 fehlt der Charakter der Ausschließlichkeit“ (Freud, 1904 - 1905, p.14).

Dabei soll der Begriff Bisexualität hier nicht nur den tatsächlichen Verkehr mit beiden Geschlechtern einbeziehen, sondern auch entsprechende Wünsche und Träume derjenigen Personen, die sich selbst als bisexuell bezeichnen.

Bisexualität setzt also in diesem Fall keine tatsächliche Umsetzung der sexuellen Neigungen voraus, sondern lediglich das von beiden Geschlechtern Angezogensein.

Bezogen auf die von Kinsey entwickelte und von Klein erweiterte Skala zur Einstufung der sexuellen Orientierung von homo- bis heterosexuell 4 möchte ich jeden bisexuell nennen, der sich selbst nicht als „ausschließlich homosexuell“ oder „ausschließlich heterosexuell“ bezeichnet (Hüsers und König, 1995, p.43 – 54).

4. Theorien und Ansätze zur Entstehung der Bisexualität

4.1 Möglichkeit der Vererbung sexueller Neigungen

4.1.1 Biologisches Geschlecht und Bisexualität

Die Geschlechtsorgane eines Menschen entwickeln sich erst im dritten Schwangerschaftsmonat (Kuntz-Brunner, 1994, p.44), der Fötus besitzt zunächst Anlagen für beide Geschlechter (Gooß, 2002, p.6).

Diese ursprüngliche – physiologische – Bisexualität bezog schon Freud 1904 - 1905 in seine „Abhandlungen zur Sexualtheorie“ mit ein. Er erkannte aber auch, dass das biologische Geschlecht allein nicht ausschlaggebend für die sexuellen Neigungen einer Person sein kann (p.19) .

„Dass die Richtung des geschlechtlichen Liebestriebes […] vollkommen unabhängig ist von der […] Struktur der Geschlechtsorgane“ (zit. nach Gooß, 2002, p.10f.), stellte auch Ulrichs schon 1899 fest. Er ging davon aus, dass sich die geistigen und körperlichen „Keime“ (ebd.) im Menschen unabhängig von einander entwickeln.

[...]

Ende der Leseprobe aus 20 Seiten

Details

Titel
Bisexualität. Begriffsklärung und Theorien zur Entstehung
Hochschule
Fachhochschule für Kunsttherapie Nürtingen
Note
1,0
Autor
Jahr
2007
Seiten
20
Katalognummer
V86484
ISBN (eBook)
9783638021173
ISBN (Buch)
9783638923224
Dateigröße
409 KB
Sprache
Deutsch
Anmerkungen
Kommentar des Dozenten: "gut recherchierte, differenzierte und klug diskutierte Arbeit [...] Stärke der Arbeit ist sicher das umsichtige Abwägen und in Beziehung setzen der verschiedenen Zugänge sowie das Verdeutlichen von gegensätzlichen Positionen, weil so deutlich wird, dass Erkenntnisfortschritt aus Kontroversen entsteht und dass Wissenschaft keine Gewissheiten generiert"
Schlagworte
Bisexualität, Begriffsklärung, Theorien, Ansätze, Entstehung
Arbeit zitieren
Jenny Moder (Autor), 2007, Bisexualität. Begriffsklärung und Theorien zur Entstehung, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/86484

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