Rückstellungen sind in ihren Ausprägungen sehr einflussreiche Bilanzierungsinstrumente. Durch sie können nachträgliche Ausgaben vollständig erfasst, gebuchte Erträge nachträglich richtig gestellt oder ungewisse Verbindlichkeiten, beispielsweise für drohende Verluste, wirksam passiviert werden.
Diese Arbeit hat das Ziel, insbesondere die Vorschriften der Bilanzierung von Rückstellungen drohender Verluste (nachfolgend auch "Drohverlustrückstellungen" genannt) nach Handelsrecht des HGB und den etablierten internationalen Bilanzierungsstandards IFRS/IAS und US-GAAP zu vergleichen.
Dieser Vergleich gelingt nur bei ähnlicher Struktur der Bilanzierungsregeln. Als ermittelte Schnittmenge der drei Bilanzverfahren, lassen sich die Ansatzkriterien (die sogenannte "Bilanzierung dem Grunde nach"), welche die Passivierung von Verlusten zunächst begründen müssen und die darauf abgestellten Bewertungskriterien (welche die Bilanzierung einer Rückstellung "der Höhe nach" beschränken) gegenüberstellen.
Die wichtigsten Gemeinsamkeiten und Unterschiede werden dadurch transparent dargestellt und zeigen die Ermessensspielräume auf, welche für Unternehmen im Sinne der Bilanzpolitik von Bedeutung sein könnten.
Zur besseren Veranschaulichung werden jeweils auch die rechts- und wirtschaftswissenschaftlichen Aspekte, aus Unternehmersicht, an einem Praxisfall exemplarisch untersucht. Zugunsten der Übersichtlichkeit des anstehenden Vergleiches, erfolgt die Behandlung einer Rückstellung für drohende Verluste nach deutschem Steuerrecht separat.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Prinzipien, Ziele und Adressaten der Bilanzierungsstandards
3. Ansatzkriterien für Drohverluste zur Bilanzierung dem Grunde nach
3.1 Die Ansatzkriterien für Drohverlustrückstellungen nach HGB
3.2 Die Ansatzkriterien für Drohverlustrückstellungen nach IFRS
3.3 Die Ansatzkriterien für Drohverlustrückstellungen nach US-GAAP
3.4 Die Ansatzkriterien für Drohverlustrückstellungen nach EStG
4. Bewertungskriterien für Drohverluste zur Bilanzierung der Höhe nach
4.1 Die Bewertungskriterien für Drohverlustrückstellungen nach HGB
4.2 Die Bewertungskriterien für Drohverlustrückstellungen (Provisions) nach IFRS
Fürden vorangestellten Praxisfall bedeutet das konkret:
4.3 Die Bewertungskriterien für Drohverlustrückstellungen (Accrued Liabilities) nach US-GAAP
5. Schlussbetrachtungen
Zielsetzung und Themen
Die Arbeit untersucht die Bilanzierung von Rückstellungen für drohende Verluste aus schwebenden Geschäften und vergleicht dabei die Vorschriften des deutschen Handelsrechts (HGB) mit den internationalen Standards IFRS/IAS sowie den US-GAAP, um die Auswirkungen auf den Ansatz und die Bewertung solcher Verluste anhand eines Praxisbeispiels zu verdeutlichen.
- Vergleich der Ansatzkriterien (Bilanzierung dem Grunde nach) zwischen HGB, IFRS und US-GAAP.
- Analyse der Bewertungskriterien (Bilanzierung der Höhe nach) in den verschiedenen Rechnungslegungssystemen.
- Untersuchung des Einflusses der Einschätzung von Verlustwahrscheinlichkeiten auf die Rückstellungsbildung.
- Praxisnahe Anwendung der theoretischen Erkenntnisse auf den Fall eines Schiffsbauunternehmens.
- Identifikation von Ermessensspielräumen bei der Bilanzpolitik.
Auszug aus dem Buch
3.1 Die Ansatzkriterien für Drohverlustrückstellungen nach HGB
Handelsrechtlich maßgeblich sind die Vorschriften gem. § 249 Abs. 1 S.1. Demnach sind Rückstellungen, für ungewisse Verbindlichkeiten wie drohende Verluste aus schwebenden Geschäften zu bilden (Ansatzpflicht). Die Passivierung eines drohenden Verlustes ist gem. § 252 Abs. 1 Nr. 4 HGB nach dem Vorsichts- und Imparitätsprinzip3 geboten. Das bedeutet für den möglichen Wertansatz in der Bilanz bei Vermögensteilen stets den niedrigeren Wert (das sog. Niederstwertprinzip) bzw. bei den Schulden, also auch Rückstellungen für drohende Verluste, stets mit dem höheren Wert (sog. Höchstwertprinzip).4 Diese Ungleichbehandlung von Vermögen und Schulden dient in erster Linie der Funktion des Gläubigerschutzes5. Die hinreichenden Bedingungen des (a) schwebenden Geschäftes aus dem (b) ein Verlust wahrscheinlich droht6, müssen gegeben sein, damit eine entsprechende Rückstellung dafür gebildet werden darf bzw. muss.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Diese Einleitung definiert das Ziel der Arbeit, Drohverlustrückstellungen nach HGB, IFRS und US-GAAP zu vergleichen und die Bilanzierung anhand eines Praxisfalls zu veranschaulichen.
2. Prinzipien, Ziele und Adressaten der Bilanzierungsstandards: Dieses Kapitel stellt die grundlegenden Bilanzierungsprinzipien und Zielsetzungen der untersuchten Rechnungslegungssysteme in einer Übersicht gegenüber.
3. Ansatzkriterien für Drohverluste zur Bilanzierung dem Grunde nach: Das Kapitel erläutert die Voraussetzungen, unter denen eine Rückstellung für drohende Verluste in den jeweiligen Systemen dem Grunde nach in der Bilanz zu erfassen ist.
4. Bewertungskriterien für Drohverluste zur Bilanzierung der Höhe nach: Hier werden die Kriterien für die wertmäßige Bemessung der Drohverlustrückstellungen in den untersuchten Standards detailliert dargestellt.
5. Schlussbetrachtungen: Das abschließende Kapitel fasst die Ergebnisse des Vergleichs zusammen und beantwortet die Ausgangsfrage nach der Relevanz eines Wechsels der Rechnungslegungsstandards.
Schlüsselwörter
Drohverlustrückstellungen, HGB, IFRS, US-GAAP, Bilanzierung, schwebende Geschäfte, Vorsichtsprinzip, Imparitätsprinzip, Bewertung, Rückstellungen, Abschluss, Handel, Ansatzkriterien, Bewertungsgrundlage, Finanzberichterstattung.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit?
Die Arbeit behandelt die systematische Untersuchung und den Vergleich von Rückstellungen für drohende Verluste aus schwebenden Geschäften unter Berücksichtigung von HGB, IFRS/IAS und US-GAAP.
Welche zentralen Themenfelder werden bearbeitet?
Die zentralen Themen sind der Ansatz und die Bewertung von Drohverlustrückstellungen sowie die Unterschiede in den jeweiligen Rechnungslegungsphilosophien und -grundsätzen.
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?
Das Ziel ist zu klären, ob ein Wechsel der Rechnungslegungsgrundlagen von HGB auf internationale Standards wie IFRS oder US-GAAP einen wesentlichen Einfluss auf die Bilanzierung drohender Verluste hat.
Welche wissenschaftliche Methode wurde angewandt?
Die Arbeit nutzt einen systematischen, vergleichenden Ansatz der Bilanzierungsstandards, ergänzt durch eine praktische Fallstudie, um die theoretischen Unterschiede transparent zu machen.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die Prüfung der Voraussetzungen für die Bilanzierung dem Grunde nach (Ansatz) sowie die Regeln für die wertmäßige Erfassung (Bewertung) in den drei betrachteten Regelwerken.
Welche Schlüsselbegriffe charakterisieren die Arbeit?
Die Arbeit ist geprägt durch Begriffe wie Drohverlustrückstellungen, Vorsichtsprinzip, Imparitätsprinzip, schwebende Geschäfte und Best estimate.
Welche Rolle spielt das Vorsichtsprinzip im HGB im Vergleich zu den internationalen Standards?
Im HGB steht das Vorsichtsprinzip zum Gläubigerschutz klar im Vordergrund, während es in den IFRS und US-GAAP eine untergeordnete Rolle spielt und anderen Informationszwecken weicht.
Wie unterscheidet sich die Bewertung bei schwebenden Beschaffungsgeschäften nach US-GAAP?
Anders als nach HGB oder IFRS werden nach US-GAAP Beschaffungsgeschäfte nicht gegen den Absatzmarkt, sondern durch einen Vergleich der Anschaffungskosten mit den voraussichtlichen Wiederbeschaffungskosten saldiert.
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- Diplom-Kaufmann Manuel Kerstan (Author), 2006, Drohverlustrückstellungen nach Steuerrecht, HGB, IFRS und US-GAAP, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/87258