Psychopathologisches Profil und Zahnbehandlungsangst von Patienten und Mitarbeitern einer Zahnarztpraxis


Wissenschaftliche Studie, 2004

41 Seiten


Leseprobe

Gliederung

1. Stand der Literatur und Zweck der Untersuchung

2. Aufbau der Untersuchung

3. Durchführung der Untersuchung
3.1. Fragestellung
3.2. Material und Methode
3.3. Ergebnisse
3.3.1. Betrachtung der Gesamtstichprobe
3.3.2. Profil der Praxis-Mitarbeiter
3.3.3. Profil der Patienten
3.3.4. Vergleich beider Gruppen
3.3.5. Gruppenvergleiche der Angstgruppen

4. Interpretation und Diskussion der Ergebnisse

Anhang
Anhang A - Tabellen der Korrelationen und Gruppenvergleiche
Anhang B - Literaturverzeichnis

1. Stand der Literatur

Da es sich bei der vorliegenden Arbeit um eine Pilotstudie zu der Hauptstudie „zur Überprüfung der Wirksamkeit von Hypnose bei zahnärztlichen Behandlungen“ (wird zur Zeit in der Zahnarztpraxis Dr. XX in Stuttgart durchgeführt) handelt, soll hier nur auf die Aussagen der in dieser Studie aufgeführten Literatur Bezug genommen werden. Die Fragestellung dieser Pilotstudie lehnt sich an die in dieser Literatur gefundenen Ergebnisse an. So soll unter anderem untersucht werden, ob und in welchen Punkten sich Personen mit hoher vs. niedriger Zahnbehandlungsangst unterscheiden.

Zweck dieser explorativen Datenanalyse ist es, herauszufinden, in welchen Punkten sich Mitarbeiter und Patienten einer Zahnarztpraxis unterscheiden. Hierfür sollen das Niveau von Zahnbehandlungsangst, die gesundheitsbezogene Lebensqualität sowie psychopathologische Werte untersucht werden. Außerdem werden verschiedene demografische Daten erfasst bzw. ausgewertet, die unter anderem auch die Vorerfahrung mit Hypnose oder Entspannungstechniken erfassen.

2. Aufbau der Untersuchung

Diese Pilotstudie hatte ursprünglich den Zweck, die Patienten und Mitarbeiter einer Zahnarztpraxis um ihre Meinung bezüglich der in der Hauptstudie verwendeten Materialien zu befragen. Aufgrund der Fülle der daraus gewonnenen Daten erschien es sinnvoll, diese Daten nach explorativen Gesichtspunkten unter der oben genannten Fragestellung auszuwerten.

Für diese Studie wurde zunächst den Mitarbeitern der gesamte Fragenkatalog vorgelegt, bestehend aus HAF, SCL-90 und SF-36 sowie demografischen Angaben. Das Anliegen war es, herauszufinden, ob und ggf. wie gut oder schlecht nach Meinung der Mitarbeiter diese Fragebögen bei den Neupatienten ankommen würden.

Danach wurde derselbe Fragenkatalog einigen Patienten vorgelegt, die schon länger in Behandlung waren. Es wurden Patienten ausgewählt, von denen vermutet wurde, dass sie ein hohes Angstniveau zum Zeitpunkt ihres ersten Besuches in der Zahnarztpraxis hatten. Auch diese Patienten wurden nach ihrer Meinung bezüglich der verwendeten Fragebögen befragt.

Allen Teilnehmenden wurde Anonymität bei der Auswertung der Daten zugesichert.

3. Durchführung der Untersuchung

3.1. Fragestellung

Das Ziel dieser explorativen Datenanalyse ist es, herauszufinden, in welchen Gesichtspunkten sich Mitarbeiter und Patienten einer Zahnarztpraxis unterscheiden. Hierfür werden die gesundheitsbezogene Lebensqualität, Psychopathologie und subjektives Angstniveau betrachtet.

Des weiteren sollen Ergebnisse der Literaturrecherche der Hauptstudie mit einbezogen und vermutete Zusammenhänge zwischen den drei oben genannten Bereichen betrachtet werden.

Es ergab sich im Besonderen die Frage nach der Bedeutung der Angst hinsichtlich der anderen Parameter wie Skalen-Ausprägungen des SCL-90 oder des SF-36, da dies auch einige der Hypothesen der Hauptstudie beinhalten.

3.2. Material und Methode

Für diese Pilotstudie wurden folgende Fragebögen verwendet (diese sind auch im Anhang zu finden):

- SCL-90 zur Erfassung psychopathologischer Werte
- SF-36 zur Erfassung der gesundheitsbezogenen Lebensqualität
- Hierarchischer Angstfragebogen (HAF) zur Erfassung des subjektiven Angstniveaus

Ausserdem wurden folgende demografische Angaben erfasst:

- Alter
- Geschlecht
- Familienstand
- Kinder
- Schulbildung
- derzeitige Berufstätigkeit
- letzter Zahnarztbesuch
- Vorstellung von Hypnose
- Hypnose-Vorerfahrung
- Erfahrung mit anderen Entspannungsverfahren

Dieser Fragebogenkatalog wurde sowohl Mitarbeitern als auch Patienten dieser Zahnarztpraxis vorgelegt.

Anschließend wurden die Daten unter der oben genannten Fragestellung mit Hilfe des Statistikprogamms SPSS ausgewertet.

3.3. Ergebnisse

3.3.1. Betrachtung der Gesamtstichprobe

Zunächst einmal sollen deskriptive Statistiken betrachtet werden, gefolgt von Betrachtungen der Korrelationen zwischen verschiedenen Variablen und Gruppenvergleiche. Es werden Korrelationen zwischen demografischen Variablen und den einzelnen Skalen des SCL-90 und des SF-36 betrachtet. Die Gruppenvergleiche beziehen sich hierbei auf Vergleiche hinsichtlich Alter, Geschlecht, Familienstand, Schulbildung und Beruf. Gruppenvergleiche und Korrelationen, die sich auf die verschiedenen Angstgruppen und Kategorien des HAF beziehen, werden im Punkt 3.3.5. betrachtet.

Alle Daten wurden mit Hilfe des Statistikprogamms SPSS Version 10.0 ausgewertet.

Auf die Interpretation der Ergebnisse soll am Ende – in Punkt 3.4. – genauer eingegangen werden.

a) Deskriptives

Die Stichprobe bestand aus insgesamt 23 Personen im Alter von 18 bis 72 Jahren (MW=39.17; SD=15.96), wobei etwa gleich viele Mitarbeiter (N=11) wie Patienten (N=12) befragt wurden. 60.9% der Teilnehmenden waren weiblich (siehe Abbildung 1).

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abb.1

Geschlechterverteilung insgesamt

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Die meisten Teilnehmenden hatten bereits Erfahrungen mit Hypnose (69.6%) oder anderen Entspannungsverfahren (ca. 40%) (siehe Abbildung 2).

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abb. 2

Erfahrungen mit Entspannungsverfahren der Gesamtstichprobe

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Die Probanden gaben an, ihre Hypnoseerfahrung meist in Kursen (überwiegende Zahl der Mitarbeiter-Antworten) oder während der Zahnbehandlung (überwiegende Zahl der Patienten-Antworten) gemacht zu haben.

Die Teilnehmenden wurden ebenfalls nach dem Zeitpunkt des letzten Zahnarztbesuches befragt. Hierbei ergab sich eine Spanne von bis zu einem Jahr (87%) bis hin zu über 20 Jahren (4.3%) (siehe Abbildung 3).

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abb. 3

Jahr des letzten Zahnarztbesuches der Gesamtstichprobe

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Bei genauer Betrachtung der Verteilung der Zeitpunkte des letzten Zahnarztbesuchs lässt sich feststellen, dass sowohl in der Patienten- als auch in der Mitarbeiter-Gruppe die meisten Personen in der Kategorie des „bis zu einem Jahr“ zu finden sind. Die Personen, die angaben, „1 bis 5 Jahre“ oder „über 20 Jahre“ nicht mehr beim Zahnarzt gewesen zu sein, fanden sich in der Patientengruppe (insgesamt 8.6%). Die Personen, die angaben, „10 bis 20 Jahre“ nicht mehr beim Zahnarzt gewesen zu sein, fanden sich in der Mitarbeiter-Gruppe (4.3%).

Abbildung 4 zeigt die Verteilung der verschiedenen Angst-Gruppen innerhalb der Gesamtstichprobe. Die meisten Personen fielen in die Gruppe der niedrig ängstlichen (65.2%). Die meisten mittel und hoch ängstlichen Personen fanden sich in der Patientengruppe. Der Mittelwert der Punktzahlen des HAF beträgt 25.43, die Standardabweichung 11.59.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abb. 4:

Anzahl der verschiedenen Kategorien des HAF

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Die meisten Personen hatten zum Zeitpunkt der Studie einen festen Partner (60.9%). 26.1% der Teilnehmenden gaben an, eigene Kinder zu haben, während die überwiegende Mehrheit keine Kinder hatte (73.9%). Die Anzahl der Kinder lag zwischen 0 und 3 (MW=0.43; SD=0.9).

Die Probanden wurden ebenfalls zu ihrer Vorstellung zu Hypnose befragt. Es waren freie Antworten möglich. Die häufigsten Antworten waren „Entspannung“ und „Trance“. Andere Angaben waren:

- nach innen gehen, loslassen
- abwesend sein
- nichts konkret mitbekommen, Angst weg
- Beruhigung
- keine Schmerzen
- wie im Halbschlaf

Eine Frage bezog sich darauf, wie die Teilnehmer – die Frage wurde Mitarbeitern und Patienten gleichermaßen gestellt – auf die Praxis aufmerksam gemacht worden seien. Die meisten Personen gaben „Empfehlung durch andere Personen“ an. Seltener wurden „Internet“, „Anzeige“ oder „TV-Bericht“ genannt.

Bezüglich der Skalen des SCL-90 ergab sich folgendes Bild (siehe Abbildung 5):

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abb. 5:

Profil der Gesamtstichprobe der Skalen des SCL-90 bezüglich der Normstichprobe

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Es lässt sich hier gut erkennen, dass sich die Gesamtstichprobe relativ im Normbereich bewegt. Lediglich bei der Gruppe der Patienten lassen sich größere Abweichungen von Werten der Normstichprobe feststellen (siehe Tab. A1 und A2 im Anhang).

Wesentlich höhere Unterschiede lassen sich feststellen, wenn man die Kategorien des HAF und somit die verschiedenen Angst-Gruppen betrachtet. Doch darauf soll im Punkt 3.3.5. genauer eingegangen werden.

Bezüglich der Skalen des SF-36 ergab sich ein ähnliches Bild wie zu dem obigen (siehe Abbildung 6):

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abb. 6:

Profil der Gesamtstichprobe der Skalen des SF-36 bezüglich der Normstichprobe

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Auch hier lassen sich kaum Abweichungen zu den Werten der Normstichprobe feststellen. Es fällt aber auf, das die Werte der Patientengruppe auch hier ein wenig schlechter ausfallen als die Werte der Mitarbeitergruppe (siehe Tab. B1 und B2 im Anhang).

Wesentlich größere Unterschiede lassen sich hinsichtlich der verschiedenen Angstniveau-Gruppen finden, doch das soll erst im Punkt 3.3.5. näher erläutert werden.

b) Korrelationen

Zur Analyse wurden Pearson-Korrelationen mittels SPSS berechnet. Insgesamt fielen diese innerhalb der gesamten Stichprobe mäßig bis hoch aus. Verhältnismäßig hohe signifikante Korrelationen zeigten sich vor allem hinsichtlich der Variablen der Angstgruppen (r=.431 bis r=-.714) sowie bei der Erhebung des letzten Zahnarztbesuchs als Einzelitem (r=-.510 bis r=.759) mit den Skalen des SCL-90 und des SF-36. Bei der Variable „letzter Zahnarztbesuch“ wurde sowohl das Einzelitem „wann waren Sie das letzte Mal beim Zahnarzt? Vor ... Monaten“ als auch die zusammengefassten Einzelwerte dieses Items in Gruppen betrachtet. Es zeigte sich, dass die Korrelationen des Einzelitems nur wenig höher ausfielen als die Korrelationen des Gruppenitems. Ausserdem korrelierten das Einzelitem und das Gruppenitem für die Erfassung des letzten Zahnarztbesuchs signifikant hoch mit r=.990, so dass es für die weitere Analyse auch ausreichend wäre, nur das Gruppenitem zu betrachten. Die Variable „Alter“ wurde ebenfalls zu einer Variable „Altersgruppen“ zusammengefasst. Beide Variablen korrelierten hoch signifikant mit r=.956 (p=0.01). Es zeigte sich aber bei der Variable „Altersgruppen“ nur ein signifikanter Zusammenhang mit der Skala „körperlicher Schmerz (SCHM)“ des

SF-36 (r=.532), während die Variable „Alter“ mit den Skalen „körperliche Funktionsfähigkeit (KÖFU)“ (r=-.435) und „körperlicher Schmerz“ (r=.509) des SF-36 sowie dem Summenscore der HAF-Werte (r=-.425) signifikant korrelierte. Die genauen Werte sind den Tabellen C1 bis C3 im Anhang zu entnehmen.

Die Skalen des SF-36 korrelierten mäßig bis hoch negativ signifikant mit einigen Skalen des SCL-90 (r=-.413 bis r=-.802). Dies ist für unsere Fragestellung unwichtig und soll daher bei den weiteren Analysen nicht weiter berücksichtigt werden.

Die Variable „Summenscore der HAF-Werte“ wurde zur Variable „Kategorien des HAF“ zusammengefasst und es ergab sich zwischen beiden Variablen eine hohe signifikante Korrelation von r=.876. Daher erscheint es sinnvoll, bei der weiteren Analyse nur noch die Kategorien des HAF zu betrachten und nicht mehr die einzelnen Summenscores.

c) Gruppenvergleiche

Folgende Gruppen sollen im folgenden hinsichtlich ihrer Unterschiede bei den Skalen des SCL-90 und des SF-36 sowie verschiedener demografischer Variablen und letztem Zahnarztbesuch betrachtet werden:

- Altersgruppen mittels einfaktorieller Varianzanalyse
- Geschlechtergruppen mittels T-Test für unabhängige Stichproben
- Gruppen des Familienstandes mittels einfaktorieller Varianzanalyse
- Gruppen der Schulbildung mittels T-Test für unabhängige Stichproben
- Berufsgruppen mittels T-Test für unabhängige Stichproben

Die genauen Ergebnisse sind den Tab. D1 bis D3 im Anhang zu entnehmen.

Auf die Auswertung des Gruppenvergleichs der Angstgruppen hinsichtlich oben genannter Variablen soll im Punkt 3.3.5. näher eingegangen werden.

[...]

Ende der Leseprobe aus 41 Seiten

Details

Titel
Psychopathologisches Profil und Zahnbehandlungsangst von Patienten und Mitarbeitern einer Zahnarztpraxis
Autor
Jahr
2004
Seiten
41
Katalognummer
V87281
ISBN (eBook)
9783638007535
ISBN (Buch)
9783638914024
Dateigröße
628 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Psychopathologisches, Profil, Zahnbehandlungsangst, Patienten, Mitarbeitern, Zahnarztpraxis
Arbeit zitieren
Diplom-Psychologin (Dipl.-Psych.) Sabine Lechner (Autor), 2004, Psychopathologisches Profil und Zahnbehandlungsangst von Patienten und Mitarbeitern einer Zahnarztpraxis, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/87281

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