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Das größte Glück der größten Anzahl

Eine kritische Auseinandersetzung mit John Stuart Mills ‚Utilitarismus‘ (1863)

Title: Das größte Glück der größten Anzahl

Term Paper , 2007 , 27 Pages , Grade: 2,0

Autor:in: Benedikt Wagner (Author)

Communications - Ethics in the Media
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Summary Excerpt Details

Was unter dem Namen Utilitarismus von John Stuart Mill bekannt wurde und in der vorliegenden Ausarbeitung zum Gegenstand einer kritischen Betrachtung wird, entstammt einer konsequenten Tradition angelsächsischer Philosophie und Ethik. England hatte seine demokratische Revolution schon lange hinter sich, als in Frankreich, Deutschland und weiten Teilen Europas auf das bürgerliche Aufbegehren in der Mitte des 19. Jahrhunderts eine Phase der reaktionären Restauration folgte. Mit einer gewissen Stetigkeit wurde das Denken und Bestreben einer bürgerlichen Freiheit vom 18. im 19. Jahrhundert fortgeführt. Das revolutionäre Potential der Arbeiterklasse, ob der zunehmenden Industrialisierung, mündete in England nicht in eine weitere Revolution, sondern bedingte es eher, dass sich Moralphilosophen zunehmend auch mit der sozialen Verantwortung und dem gesamtgesellschaftlichen Allgemeinwohl auseinandersetzten und in ihre Konzeptionen der individuellen Freiheit miteinbezogen. Die Integration der Erfahrung in die Grundlagen von Erkenntnistheorie und Philosophie ist demnach schon seit Englands Ausgang aus dem Mittelalter über Locke und Humes eine Eigenart des angelsächsischen Denkens. So verwundert es auch nicht, dass die Nüchternheit des Comte‘schen Positivismus besonders hier mehr Beachtung fand, als in dessen Mutterland Frankreich. Die Geisteshaltung, nur das positiv wahrgenommene als Grundlage einer den Menschen definierenden Psychologie anzuerkennen, findet sich insbesondere in der Argumentation des Utilitarismus wieder. Diese ebenso nüchterne und praktische Verteidigung der Nützlichkeit als obersten Maßstab sittlichen Handels, begründete der Angelsachse Jeremy Bentham (1748 – 1832), dessen maßgeblicher Einfluss auf John Stuart Mill im nächsten Kapitel dargelegt wird.
Laut dem Utilitarismus beruht die Maxime menschlichen Handels auf der Lustmaximierung. Somit vollzieht er, vor allem seit Mill, einen Spagat zwischen der englischen liberalen Tradition der persönlichen Freiheit und dem zunehmenden Bewusstsein einer sozialen Verantwortung innerhalb der Gesellschaft, also sozialistischen Tendenzen. Unter dem Bestreben der klassischen Utilitaristen und weiteren demokratischen Aktivisten kam es im England des viktorianischen Zeitalters zu weitreichenden politischen Reformen.
Vor diesem Hintergrund wird auch dem Wirken John Stuart Mills das Propagieren eines „auf dem Boden des Liberalismus“ wurzelnder Sozialismus nachgesagt.

Excerpt


Inhaltsverzeichnis

1. Lustmaximierung – Eine Einleitung zum Utilitarismus

2. reasoning machine – Die Erziehung und das Leben des John Stuart Mill

3. Utilitarianism – Der Utilitarismus

3.1 Erstes Kapitel – Allgemeine Bemerkungen

3.2 Zweites Kapitel - Was heißt Utilitarismus?

3.3 Drittes Kapitel - Von der fundamentalen Sanktion des Nützlichkeitsprinzips

3.4 Viertes Kapitel – Welcherart Beweis sich für das Nützlichkeitsprinzip führen lässt

3.5 Fünftes Kapitel – Über den Zusammenhang zwischen Gerechtigkeit und Nützlichkeit

4. Das größte Glück der größten Anzahl – kritische Schlussbemerkungen

Zielsetzung und thematische Schwerpunkte

Die vorliegende Arbeit setzt sich kritisch mit John Stuart Mills Werk „Utilitarismus“ (1863) auseinander, untersucht dessen theoretische Grundlagen und beleuchtet die Ambivalenz zwischen dem angestrebten allgemeinen Glück und den daraus resultierenden gesellschaftspolitischen Implikationen.

  • Die historische und philosophische Einbettung des Utilitarismus im 19. Jahrhundert.
  • Die pädagogische Prägung und der intellektuelle Werdegang von John Stuart Mill.
  • Die analytische Auseinandersetzung mit der Definition und Begründung des Nützlichkeitsprinzips.
  • Die kritische Reflexion der Verknüpfung von Nützlichkeit und Gerechtigkeit.
  • Die Untersuchung der logischen Konsistenz von Mills Beweisführung und die Folgen der Mehrheitsdefinition.

Auszug aus dem Buch

3.2 Zweites Kapitel - Was heißt Utilitarismus?

In der Einleitung des zweiten Kapitels weist Mill darauf hin, dass die Vorwürfe gegenüber dem Utilitarismus hauptsächlich auf einem falschen Verständnis des Begriffs der Nützlichkeit basierten. Diese sei der Lust nicht entgegengesetzt, sondern diene ihr geradezu in dem Maße, als eine Abwägung von Handlungsfolgen anhand der Nützlichkeit dazu tendiere, die Lust aller zu maximieren. Alle anderen Interpretationen und Auffassungen des Bentham‘schen GREATEST HAPPINESS PRINCIPLE basieren somit entweder auf Fehlschlüssen, oder dogmatischer Ablehnung der utilitaristischen Ethik, welche allerdings, so bemerkt Mill konsterniert, die einzigen Verwendungsweisen seien, in der das Wort allgemein bekannt sei und die einzigen aus denen die junge Generation seine Bedeutung lerne.

Um diesem Umstand entgegen zu wirken, formuliert er die Definition des Nützlichkeitsprinzips als Basis seiner universalistischen Ethik erneut, ganz im Sinne Benthams.

Die Auffassung, für die die Nützlichkeit oder das Prinzip des größten Glücks die Grundlage der Moral ist, besagt, dass Handlungen insoweit und in dem Maße moralisch richtig sind, als sie die Tendenz haben, Glück zu befördern, und insoweit moralisch falsch, als sie die Tendenz haben, das Gegenteil von Glück zu bewirken.

und

Alle anderen wünschenswerten Dinge, die im utilitaristischen Denken ebenso zahlreich wie anderswo auftreten, sind deshalb wünschenswert, weil ihnen entweder selbst das Lustvolle innewohnt oder sie aber als Mittel der Förderung des Angenehmen und der Vermeidung des Leides dienen.

Dieser pragmatische Ansatz einer ethischen Konstitution steht dabei im krassen Gegensatz zum Ausgangspunkt der Kant‘schen Moralphilosophie.

Zusammenfassung der Kapitel

1. Lustmaximierung – Eine Einleitung zum Utilitarismus: Das Kapitel führt in den Utilitarismus als politische und philosophische Bewegung ein und erläutert dessen angelsächsische Tradition sowie das Bestreben, individuelle Freiheit mit sozialer Verantwortung zu verbinden.

2. reasoning machine – Die Erziehung und das Leben des John Stuart Mill: Hier wird der Einfluss von James Mill und Jeremy Bentham auf die Erziehung John Stuart Mills dargestellt und die Entwicklung seines Denksystems nach einer persönlichen Krise beschrieben.

3. Utilitarianism – Der Utilitarismus: Dieses Kapitel dient als umfassende Auseinandersetzung mit Mills Werk, wobei seine teleologische Ethik den deontologischen Ansätzen gegenübergestellt und die methodische Verteidigung des Nützlichkeitsprinzips analysiert wird.

3.1 Erstes Kapitel – Allgemeine Bemerkungen: Mill betont die historische Verankerung seiner Schule und begründet die Abkehr vom Intuitionismus zugunsten einer auf Beobachtung und Erfahrung basierenden induktiven Ethik.

3.2 Zweites Kapitel - Was heißt Utilitarismus?: In diesem Abschnitt wird die Kern-Definition des Nützlichkeitsprinzips wiederholt, um populäre Missverständnisse auszuräumen und das Konzept der qualitativen Unterscheidung von Freuden einzuführen.

3.3 Drittes Kapitel - Von der fundamentalen Sanktion des Nützlichkeitsprinzips: Mill untersucht die inneren und äußeren Sanktionen, die zur Durchsetzung des Utilitarismus als normatives System notwendig sind, und verknüpft diese mit dem menschlichen Sympathievermögen.

3.4 Viertes Kapitel – Welcherart Beweis sich für das Nützlichkeitsprinzip führen lässt: Das Kapitel widmet sich der schwierigen Aufgabe, das Nützlichkeitsprinzip als einzig ethisch relevantes Kriterium zu beweisen und diskutiert die logischen Herausforderungen dieser Argumentation.

3.5 Fünftes Kapitel – Über den Zusammenhang zwischen Gerechtigkeit und Nützlichkeit: Mill versucht hier den Gerechtigkeitsbegriff unter das Nützlichkeitsprinzip zu subsumieren und als gesellschaftsstabilisierendes Instrument zu definieren.

4. Das größte Glück der größten Anzahl – kritische Schlussbemerkungen: Die Arbeit schließt mit einer kritischen Reflexion über die Konsistenz von Mills System, die Problematik der Mehrheitsdefinition und die Vermischung von Deskription und Normsetzung.

Schlüsselwörter

Utilitarismus, John Stuart Mill, Nützlichkeitsprinzip, Glücksmaximierung, Moral, Teleologische Ethik, Gerechtigkeit, Sanktionen, Empirismus, Sozialphilosophie, Pflicht, Gemeinwohl, Erziehung, Liberalismus, Assoziationspsychologie.

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?

Die Arbeit bietet eine kritische wissenschaftliche Auseinandersetzung mit dem 1863 veröffentlichten Werk „Utilitarismus“ von John Stuart Mill und prüft dessen moralphilosophische Argumente.

Was sind die zentralen Themenfelder?

Die zentralen Themen umfassen die Definition des Glücks, die Rolle des Staates und der Erziehung bei der Normdurchsetzung sowie die Vereinbarkeit von individueller Freiheit und allgemeinem Nutzen.

Was ist das primäre Ziel der Arbeit?

Das Ziel ist es, Mills Versuch zu analysieren, den Utilitarismus als einziges, universelles moralisches Prinzip gegen konkurrierende Ansätze, wie den Intuitionismus oder das Naturrecht, zu verteidigen.

Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?

Der Autor verwendet eine textanalytische und ideengeschichtliche Methode, um Mills Argumentationsstruktur systematisch zu dekonstruieren und auf logische Brüche oder philosophische Inkonsistenzen zu prüfen.

Was wird im Hauptteil behandelt?

Der Hauptteil gliedert sich entlang der fünf Kapitel von Mills Originalwerk, wobei jedes Kapitel hinsichtlich seiner spezifischen Argumentation zur Nützlichkeit, den Sanktionen und dem Gerechtigkeitsverständnis untersucht wird.

Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?

Besonders prägend sind Begriffe wie Utilitarismus, Nützlichkeitsprinzip, Glücksmaximierung, teleologische Ethik und die kritische Auseinandersetzung mit der normativen Begründung innerhalb des englischen Liberalismus.

Wie bewertet der Autor Mills „Beweisführung“?

Der Autor kritisiert, dass Mill im vierten Kapitel logische Schwierigkeiten hat und bei der Herleitung des Nützlichkeitsprinzips als einzigem moralischen Kriterium an seine Grenzen stößt.

Welche Rolle spielt die Gerechtigkeit bei Mill laut dieser Analyse?

Mill versucht, den Gerechtigkeitsbegriff vom Vorwurf der naturrechtlichen Unabhängigkeit zu befreien, indem er ihn als abgeleitetes, dem Nützlichkeitsprinzip untergeordnetes Prinzip definiert.

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Details

Title
Das größte Glück der größten Anzahl
Subtitle
Eine kritische Auseinandersetzung mit John Stuart Mills ‚Utilitarismus‘ (1863)
College
University of Siegen
Course
Paradigmen der Medienethik
Grade
2,0
Author
Benedikt Wagner (Author)
Publication Year
2007
Pages
27
Catalog Number
V87501
ISBN (eBook)
9783638030229
ISBN (Book)
9783638928670
Language
German
Tags
Glück Anzahl Paradigmen Medienethik Mill Stuart Utilitarismus Ethik Moral Utilitarism Nützlichkeit Nützlichkeitsprinzip Kant John Stuart Mill Prinzip
Product Safety
GRIN Publishing GmbH
Quote paper
Benedikt Wagner (Author), 2007, Das größte Glück der größten Anzahl , Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/87501
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