Die Unternehmensbewertung dient der Ermittlung von Unternehmenswerten. Steuern spielen in diesem Wertfindungsprozess eine zentrale Rolle, weil der „Wert“ eines Unternehmens sich erst aus den Bedürfnisbefriedigungsmöglichkeiten auf Ebene der Anteilseigner ergibt. Diese Größe – die Nettoerträge – implizieren eine Betrachtung sämtlicher steuerlicher Belastungen von der Unternehmensebene hin bis zur persönlichen Einkommensteuerpflicht des Anteilseigners, d.h. losgelöst vom Steuerschuldner. Was ist aber, wenn teilweise fundamentale Änderungen der Steuergesetzgebung eines Landes anstehen?
In Deutschland ist dies mit Verabschiedung des Unternehmensteuerreformgesetzes 2008 durch den Bundesrat der Bundesrepublik Deutschland exakt dieser Fall. Am 06. Juli 2007 wurde eine Reform zur deutlichen Absenkung des nominellen Unternehmensteuersatzes, flankiert von Maßnahmen der Gegenfinanzierung und ergänzt um eine definitive Abgeltungsteuer ab dem 01. Januar 2009 beschlossen. Die Untersuchung der Konsequenzen für die Unternehmensbewertung, die aus dieser Unternehmensteuerreform (UStR) im Bezug auf ihren möglichen Einfluss auf den Unternehmenswert resultieren, sollen Gegenstand dieser Arbeit sein.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
1.1. Problemstellung
1.2. Gang der Untersuchung
2. Themenrelevante Grundlagen
2.1. Grundzüge der Unternehmensbewertung
2.2. Grundzüge der Unternehmensteuerreform 2008
3. Unternehmensbewertung unter Beachtung der Unternehmensteuerreform 2008
3.1. Zeitpunkt der Berücksichtigung
3.2. Auswirkungen auf die finanziellen Nettocashflows
3.2.1. Unternehmensebene
3.2.2. Anteilseignerebene
3.3. Kapitalisierungszinssatz
3.3.1. Allgemeine Aspekte
3.3.2. Tax Shield
3.4. Auswirkungen auf den Unternehmenswert
4. Fazit und Ausblick
Zielsetzung & Themen
Die Arbeit untersucht die Auswirkungen der deutschen Unternehmensteuerreform (UStR) 2008 auf die Unternehmensbewertung, insbesondere im Hinblick auf den Unternehmenswert, die Kapitalisierung und die steuerliche Belastung von Cashflows auf Unternehmens- sowie Anteilseignerebene.
- Grundlagen der Unternehmensbewertung nach IDW S 1
- Wesentliche Eckpunkte der Unternehmensteuerreform 2008
- Analyse der steuerlichen Konsequenzen für Nettocashflows
- Anpassung des Kapitalisierungszinssatzes durch das Tax-CAPM
- Einfluss der Reform auf den objektivierten Unternehmenswert
Auszug aus dem Buch
3.1. Zeitpunkt der Berücksichtigung
Grundlegend sind gemäß IDW S 1 Unternehmenswerte zeitpunktbezogen auf den Bewertungsstichtag festzustellen. Dieses Stichtagsprinzip gebietet eine Einbeziehung sämtlicher unter angemessener Sorgfalt zum Bewertungsstichtag verfügbaren Informationen insbesondere auch im Hinblick auf die Ertragssteuerbelastung der finanziellen Überschüsse.
Die Frage bei einer Steuerreform ist, wann derartige bewertungsrelevante Gesetzesänderungen hinreichend konkretisiert sind und eine Berücksichtigung unter dem Grad der Objektivierung im Sinne des Stichtagsprinzips als zweckmäßig anzusehen ist. Diese Zweckmäßigkeit dient der Vermeidung von rein spekulativen Unternehmenswerten. Im deutschen Gesetzgebungsverfahren erreichen einfach angestoßene Gesetzesinitiativen aufgrund der parlamentarischen Hürden nicht diesen geforderten Sicherheitsgrad. Folgerichtig hat der FAUB das UStR-Gesetz 2008 erst mit Bestätigung durch den Bundesrat am 06. Juli 2007 als bewertungsrelevant und damit als hinreichend konkretisiert eingestuft. Somit ist eine Berücksichtigung bei der Ermittlung von objektivierten Unternehmenswerten für Bewertungsstichtage ab dem 07. Juli 2007 geboten.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Die Einleitung definiert das Ziel der Arbeit, die Konsequenzen der Unternehmensteuerreform 2008 auf die Unternehmensbewertung zu untersuchen, und erläutert den methodischen Aufbau der Untersuchung.
2. Themenrelevante Grundlagen: Dieses Kapitel gibt einen Überblick über die bewertungsrelevanten Standards sowie die zentralen steuerlichen Neuregelungen der Reform, wie die Absenkung der Unternehmensteuersätze und die Einführung der Abgeltungsteuer.
3. Unternehmensbewertung unter Beachtung der Unternehmensteuerreform 2008: Der Hauptteil analysiert detailliert die Auswirkungen der Reform auf Cashflows, den Kapitalisierungszinssatz (unter Verwendung des Tax-CAPM) sowie das Tax Shield und bewertet deren Gesamteinfluss auf den Unternehmenswert.
4. Fazit und Ausblick: Das Fazit fasst zusammen, dass die Reform komplexe, gegenläufige Effekte auf den Unternehmenswert hat, weshalb keine pauschale Aussage über deren Neutralität möglich ist, und prognostiziert zukünftigen Anpassungsbedarf bei den IDW-Standards.
Schlüsselwörter
Unternehmensbewertung, Unternehmensteuerreform 2008, IDW S 1, Kapitalisierungszinssatz, Abgeltungsteuer, Cashflows, Tax-CAPM, Beta-Faktor, Steuersatz, Zinsschranke, Anteilseigner, Unternehmenswert, Bewertungsmethodik, Steuerbelastung, Zukunftserfolgswert
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in der Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit analysiert, wie sich die deutsche Unternehmensteuerreform von 2008 auf die etablierten Methoden und Ergebnisse der Unternehmensbewertung auswirkt.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Im Zentrum stehen die Unternehmensbesteuerung, die Anpassung von Kapitalisierungszinssätzen an die neue Rechtslage sowie die Auswirkungen auf den Unternehmenswert nach IDW S 1.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Ziel ist es, zu klären, wie steuerliche Änderungen konkret in den Bewertungskalkül einfließen und ob sie den Unternehmenswert eher steigern oder senken.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit stützt sich auf eine theoretische Auseinandersetzung mit Bewertungsgrundsätzen, insbesondere dem IDW S 1, und analysiert die Auswirkungen mittels kapitalmarkttheoretischer Modelle wie dem Tax-CAPM.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil befasst sich mit dem Stichtagsprinzip, der Berechnung steueradjustierter Cashflows, der Bestimmung des Kapitalisierungszinssatzes unter Berücksichtigung von Steuervorteilen sowie der Sensitivität des Unternehmenswerts.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Wesentliche Begriffe sind Unternehmensbewertung, Steuerreform, Kapitalisierungszinssatz, Abgeltungsteuer, Tax Shield und das Tax-CAPM.
Ab welchem Datum ist die Reform laut Arbeit bewertungsrelevant?
Basierend auf der Einschätzung des FAUB ist die Reform für Bewertungsstichtage ab dem 07. Juli 2007, dem Tag der Bestätigung durch den Bundesrat, als bewertungsrelevant einzustufen.
Wie wirkt sich die Reform auf den Unternehmenswert aus?
Es existiert kein einheitlicher Effekt; während gesunkene Steuersätze tendenziell den Wert steigern, wirken höhere Belastungen auf Anteilseignerebene und strengere Regeln (wie die Zinsschranke) potenziell gegenläufig.
Was ist die Besonderheit bei der Bewertung risikoreicher Unternehmen?
Risikoreiche Unternehmen profitieren aufgrund der paradoxen Wirkung des Kapitalisierungszinssatzes durch die Senkung der Steuern auf die Risikoprämie teilweise von einem höheren Unternehmenswert.
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- Daniel-Philipp Stiehler (Author), 2007, Unternehmensbewertung im Lichte der Unternehmensteuerreform 2008, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/87563