Der Finanzdienstleistungsmarkt befindet sich in einem Strukturwandel. Ein starkes Wachstum in den letzten Jahren sowie hohe Erträge und gute Wachstumschancen deuten auf eine weiterhin steigende Fokussierung der Branche in Bezug auf die Beratung von Privatkunden hin. Das deutsche Privatvermögen wächst, insbesondere durch den Effekt der „Erbengeneration“, stetig. Der demographische Wandel schreitet unaufhaltsam voran. Das hat zu einer verstärkten Notwendigkeit von privaten Lösungen zur Altersvorsorge geführt. Des Weiteren schränkt der Staat seine Leistungen im existenziellen Bereich immer weiter ein und somit ergibt sich die Gefahr einer Unterversorgung im Alter.
Immer mehr Anbieter mit vielen unterschiedlichen Produkten „drängen“ auf den Markt, welcher für den Kunden in der Regel kaum noch zu überschauen ist. Viele Anbieter konzentrieren sich auf die attraktive Zielgruppe der vermögenden Privatkunden, aber auch der klassische Retail-Kunde wurde von der Finanzdienstleistungsbrache „wiederentdeckt“.
Diese Faktoren führten zu einem steigenden Bedarf an professioneller, individueller und kundenorientierter Betreuung. Unter dem Gesichtspunkt eines ganzheitlichen Beratungsansatzes mit Einbeziehung der Ziele und Wünsche des Kunden versuchen immer mehr Finanzdienstleistungsunternehmen, ihren Kunden verstärkt an sich zu binden und somit einer immer stärker werdenden Fluktuation gegenzusteuern.
Eine mögliche Lösung dafür ist die private Finanzplanung, welche ihre Wurzeln in den Ver-einigten Staaten von Amerika hat und unter dem Begriff „Financial Planning“ bekannt wurde. Hierbei wird der Kunde als Ganzes gesehen und es wird nach individuellen Lösungen gesucht. Der klassische Produktverkauf spielt hier eine eher untergeordnete Rolle. Aus diesem Grund ist es erforderlich, zuerst die Kundendaten aufzunehmen und diese anschließend auszuwerten und zu analysieren. Der mögliche Bedarf des Kunden wird ermittelt und so können geeignete Lösungen präsentiert werden. Ziel des Projektberichts ist es, einen Überblick über Private Finanzplanung als Dienstleistung von Banken und Finanzdienstleistern zu geben. Dazu werden zuerst die theoretischen Grundlagen behandelt. Diese sollen als allgemeine Einführung in die Thematik der Privaten Finanzplanung dienen. Im folgenden Kapitel soll der Ablauf einer professionellen Finanzplanung dargestellt werden. Aufbauend auf diese Informationen erfolgt eine Bewertung dieses Ansatzes. Zum Abschluss erfolgt eine Zusammenfassung mit Ausblick.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Theoretische Grundlagen
2.1 Begriffsbestimmungen
2.2 Abgrenzungen
2.3 Der Finanzdienstleistungsmarkt
3. Ablauf der privaten Finanzplanung
3.1 Kontaktaufnahme und Akquisition
3.2 Aufnahme, Auswertung und Analyse
3.2.1 Aufnahme
3.2.2 Auswertung
3.2.2.1 Der Finanzstatus
3.2.2.2 Der Vermögensstatus
3.2.2.3 Der Risikostatus
3.2.2.4 Die Altersvorsorge
3.2.2.5 Steuer-, Erbschafts- und Unternehmensnachfolgeplanung
3.2.3 Analyse
3.3 Optimierungsphase
3.4 Handlungsempfehlungen
3.5 Umsetzung
3.6 Regelmäßige Überprüfung
4. Bewertung
4.1 Chancen und Potenzial
4.2 Vor- und Nachteile
5. Zusammenfassung und Ausblick
Zielsetzung & Themen
Dieser Projektbericht analysiert den strukturierten Ablauf der privaten Finanzplanung als professionelle Dienstleistung von Banken und Finanzdienstleistern, um einen Überblick über den Beratungsprozess und dessen Potenziale unter Berücksichtigung des aktuellen Strukturwandels in der Finanzbranche zu geben.
- Grundlagen und Begriffsdefinitionen der privaten Finanzplanung
- Prozessschritte der Finanzplanung: Von der Akquisition bis zur regelmäßigen Überprüfung
- Methodik der Datenaufnahme, Auswertung und Analyse
- Optimierungsfelder wie Liquidität, Risiko, Rendite und Steuern
- Bewertung von Chancen und Potenzialen für Banken und Kunden
Auszug aus dem Buch
3.2.2.3 Der Risikostatus
Ein weiterer Punkt, der zum Kernprogramm einer jeden Finanzplanung gehört, ist der Risikostatus. Er nimmt eine zentrale Rolle in der privaten Finanzplanung ein, denn ohne eine bedarfsgerechte Absicherung der wichtigsten Risiken kann jede Finanzplanung scheitern.
Ein Privathaushalt wird von verschiedenen Risiken bedroht, die sich in versicherbare und nicht versicherbare Risiken einteilen lassen.
Unter „versicherbaren Risiken“ versteht man Gefahren, welche durch private Versicherungsunternehmen aufgefangen werden können. Nicht versicherbare Risiken sind familienbezogen Risiken, wie z.B. die Ehescheidung und die hieraus entstehenden Unterhaltsverpflichtungen, welche allerdings durch rechtliche Vereinbarungen (z.B. Ehevertrag) abgesichert werden können. Viele nicht versicherbare Risiken sind einigen Kunden gar nicht bewusst. Dies sind z.B. keine Elementarschädenversicherung für Gebäude in gefährdeten Gebieten (z.B. Gefahr durch Hochwasser) und Streitfälle im Zusammenhang mit dem Bau oder Erwerb von Immobilien.
Die versicherbaren Risiken lassen sich in Sachrisiken (z.B. Gebäude, KFZ, Hausrat) und Personenrisiken (z.B. Arbeitslosigkeit, Invalidität, Tod) unterteilen.
Nach der Identifizierung der potenziellen Risiken ist eine individuelle Risikogewichtung vorzunehmen. Allgemein unterteilen sich die Risiken in die Gefahrenklassen „existenzzerstörend“, „existenzbedrohend“ und „existenzneutral“, wobei immer die Situation des Kunden und sein persönliches Umfeld berücksichtigt werden müssen. Der Tod zum Beispiel ist für einen Ledigen in der Regel existenzneutral, für einen verheirateten Familienvater hingegen existenzzerstörend. Grundsätzlich werden allerdings Risiken wie z.B. Krankheit, Berufsunfähigkeit, Invalidität, Haftpflicht und Feuer als existenzzerstörend und Risiken wie z.B. Arbeitslosigkeit, Hausrat, KFZ-Kasko und Sturm als existenzbedrohend angesehen. Existenzneutral hingegen sind der Rechtsschutz, Fahrraddiebstahl, Reisegepäckverlust usw.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Beschreibt den Strukturwandel im Finanzdienstleistungsmarkt und die wachsende Notwendigkeit für ganzheitliche Beratungsansätze.
2. Theoretische Grundlagen: Definiert Financial Planning als systematischen Prozess und grenzt diesen von reiner Anlage- oder Vermögensberatung ab.
3. Ablauf der privaten Finanzplanung: Detailliert den sechsstufigen Prozess der Finanzplanung von der Akquise bis zur laufenden Betreuung.
4. Bewertung: Analysiert den Wettbewerbsdruck und das Wachstumspotenzial der privaten Finanzplanung für Banken und Kunden.
5. Zusammenfassung und Ausblick: Fasst die Kernerkenntnisse zusammen und unterstreicht die Notwendigkeit, das Instrument der privaten Finanzplanung zur Kundenbindung zu nutzen.
Schlüsselwörter
Private Finanzplanung, Financial Planning, Finanzdienstleistungsmarkt, Kundenberatung, Risikostatus, Altersvorsorge, Vermögensstatus, Liquiditätsplanung, Honorarberatung, Provisionsbasis, Steueroptimierung, Kundenbindung, Strukturwandel, Asset Allocation, Familienplanung
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in diesem Projektbericht grundlegend?
Die Arbeit analysiert den strukturierten Ablauf der privaten Finanzplanung als Beratungsdienstleistung im Kontext des deutschen Finanzdienstleistungsmarktes.
Welche zentralen Themenfelder behandelt die Arbeit?
Die Arbeit fokussiert sich auf die theoretischen Grundlagen des Financial Planning, den Prozess der Datenerfassung, die Optimierung der Finanzen und die strategische Bedeutung für Kunden und Finanzinstitute.
Was ist das primäre Ziel der Arbeit?
Das Ziel ist es, einen fundierten Überblick über den Ablauf der privaten Finanzplanung zu geben und das Potenzial dieser Dienstleistung für Banken und Finanzdienstleister zu bewerten.
Welche wissenschaftliche Methode kommt zum Einsatz?
Die Arbeit basiert auf einer fundierten Literaturanalyse und der Untersuchung der bestehenden Prozessstrukturen der privaten Finanzplanung.
Was wird im Hauptteil des Berichts behandelt?
Im Hauptteil werden die einzelnen Phasen der Finanzplanung – von der Akquise und Datenaufnahme über die Auswertung und Analyse bis hin zur Umsetzung und Überprüfung – detailliert dargestellt.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Wichtige Begriffe sind unter anderem Private Finanzplanung, Financial Planning, Vermögensstatus, Altersvorsorge, Risikomanagement und Kundenbindung.
Wie unterscheiden sich vertriebs- und beratungsorientierte Finanzpläne?
Vertriebsorientierte Pläne sind meist kostenlos, wobei der Produktverkauf im Fokus steht, während beratungsorientierte Pläne kostenpflichtig sind und stärker den individuellen Kundennutzen betonen.
Welche Rolle spielt das "Magische Viereck" der Finanzplanung?
Es dient der Veranschaulichung der Zielkonflikte zwischen Liquiditätsoptimierung, Risikomanagement, Rendite-Risiko-Optimierung und Rendite-Steuer-Optimierung.
Warum ist eine Risikotypisierung für den Kunden wichtig?
Sie dient dazu, die Risikobereitschaft und Risikofähigkeit des Kunden zu bestimmen, um eine passende Anlagestrategie im Rahmen eines Portfolios zu entwickeln.
- Quote paper
- Jan Buschmann (Author), 2008, Private Finanzplanung: Analyse des Ablaufs bei der privaten Finanzplanung, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/87806