Musik und Massenmedien erscheinen in der modernen Welt fast wie Synonyme. Radio, Fernsehen und die modernen Tonträger erreichen Millionen von Zuhörern und Zuschauern, wodurch sich, in Zusammenarbeit mit den großen Medienfirmen, der Bekanntheitsgrad zahlreicher Sänger und Bands massiv erhöht hat. Die Produktion von Compact Discs hat sich zu einer Industrie entwickelt, die von der großen Nachfrage der Musikfreunde profitiert. Denn der gesamte Musikbestand aus allen Zeiten, ist praktisch für jedermann und jederzeit verfügbar geworden. Nirgendwo sonst ist die Symbiose zwischen Musik und Kommerz enger als im Mediengeschäft. Unter den zahlreichen Songs, die in diesem riesigen Gefüge der Medienlandschaft entstehen, zeigt sich überdies ein Phänomen, welches Songs in ihrem Erfolg würdigt. Es ist das Phänomen des Hits. Der Hit ist im subjektiven Sinne meist eine Art Ohrwurm, ein persönlicher Favorit in der Musikwelt. Doch darüber hinaus hören wir täglich im Radio eine Vielzahl von Musiktiteln, die als Hits bezeichnet werden, allerdings würden wir diese keinesfalls alle als unsere Favoriten betiteln, und trotzdem wird dieser Begriff so zahlreich verwendet. Es muss also ein anderes Phänomen hinter dem Hit-Begriff stecken, als das des persönlichen Favoriten. Deshalb sollte die Frage gestellt werden, wie ein Song zum Hit wird, wann er also die Bezeichnung „Hit“ verdient. Zu diesem Zweck beschäftigt sich die hier vorgelegte Arbeit mit den Produktions- und Marketingprozessen von Songs.
Inhaltsverzeichnis
1. Musik, Musik, Musik...
2. Zum Begriff des Hits
3. Die Publikumsköder
4. Vom Musikvideo zum Image
5. Der Masse gerecht nach Schema X
6. Mythen in Musikwelten
7. Der Reiz des Neuen
8. Eckdaten eines Stars
9. Der Werdegang eines Hits exemplifiziert
10. Anhang: Der vollständige Text zum Song „Wir kiffen“
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht die Produktions- und Vermarktungsmechanismen der Musikindustrie, die einen Musiktitel zu einem kommerziellen Erfolg, einem sogenannten Hit, machen. Dabei wird analysiert, wie Medien, Imagebildung und psychologische Faktoren das Konsumverhalten der Massen steuern und lenken.
- Die ökonomische Symbiose zwischen Musikindustrie, Rundfunk und Fernsehen
- Die strategische Konstruktion von Künstler-Images zur Absatzförderung
- Die psychologische Wirkung von Musikvideos und Massenmedien als Orientierungshilfe
- Die standardisierte Strukturierung von Popmusik nach kommerziellen Schemata
- Die Fallstudie des Stefan Raab Songs „Wir kiffen“ als exemplarisches Beispiel für Vermarktung
Auszug aus dem Buch
9. Der Werdegang eines Hits exemplifiziert
Die Idee zum Song „Wir kiffen“ ist, wie viele andere Raab-Songs, in einer der TV Total-Sendungen geboren. In jeder dieser Sendungen zeigt Stefan Raab seinen Zuschauern bestimmte markante Fernsehausschnitte in denen etwas passiert oder gesagt wird, was er als Anhaltspunkt zur Belustigung und verwenden kann. Somit gab es auch einen Fernsehausschnitt eines Interviews in dem eine ältere Frau zum Thema „Selbstverteidigung für Senioren“ interviewt wurde. Dabei erzählte sie, wie sie Jugendliche beim Rauchen ertappte. Auf die Frage, was sie dort täten, entgegneten sie ihr in agressivem Ton: „Wir kiffen!“ Diesen Satz der alten Frau griff Stefan sich heraus, und amüsierte damit das Publikum. Da Stefan Raab zudem eine Neigung zu Musik hat, griff er zu seiner Gitarre, die übrigens in keiner seiner Sendungen fehlt, und sang einen Reim, der in seiner Melodie an den Songs von Afromans „I got high“ erinnerte und fügte hinter jede Zeile des Reimes den von dieser Frau gesprochenen Satz „Wir kiffen“ an.
Da dies bei seinem Publikum Erfolg hatte, nahm er es zum Anlass sein Publikum in sein musikalisches Spielchen miteinzubeziehen. Er forderte seine Zuschauer somit dazu auf, selbst tätig zu werden, und witzige Reime zu der so einfachen Melodie zu schreiben und diese an TV – Total zu schicken, worauf hin die besten prämiert werden sollten. Daraufhin flatterten über 7000 emails auf Raabs TV Total-Tisch. Jede Sendung sang er somit ein Ständchen mit den neuesten Reimen, so dass er am Ende daraus einen 16:44 Minuten langen Song bastelte.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Musik, Musik, Musik...: Beschreibt die Allgegenwart von Musik in der modernen Gesellschaft und stellt die Frage, welche Faktoren einen Titel zum Hit machen.
2. Zum Begriff des Hits: Erläutert die etymologische Herkunft und die ökonomische Einordnung des Begriffs „Hit“ im Kontext von Chart-Platzierungen.
3. Die Publikumsköder: Analysiert, wie Medienangebote gezielt auf Unterhaltung ausgerichtet werden, um als Werbeträger für Musikprodukte zu fungieren.
4. Vom Musikvideo zum Image: Erklärt die Bedeutung visueller Identität und authentischer Inszenierung für den Erfolg von Künstlern und Songs.
5. Der Masse gerecht nach Schema X: Untersucht die musikalischen und lyrischen Standards, die Popsongs massenkompatibel machen.
6. Mythen in Musikwelten: Erörtert, wie Musikvideos zeitlose Themen und Mythen nutzen, um Konsumenten Orientierung und emotionale Flucht zu bieten.
7. Der Reiz des Neuen: Diskutiert die Notwendigkeit, trotz Standardisierung individuelle Momente der Einzigartigkeit in Musikstücke zu integrieren.
8. Eckdaten eines Stars: Zeichnet den beruflichen Werdegang von Stefan Raab nach und beleuchtet die Entwicklung seines medialen Images.
9. Der Werdegang eines Hits exemplifiziert: Zeigt anhand der Produktion des Songs „Wir kiffen“ den Entstehungsprozess und die Vermarktungsstrategie eines Hits auf.
10. Anhang: Der vollständige Text zum Song „Wir kiffen“: Enthält die vollständigen Songtexte der verschiedenen Versionen des Liedes.
Schlüsselwörter
Musikindustrie, Hit, Popmusik, Medien, Marketingstrategie, Stefan Raab, Musikvideo, Imagebildung, Massenkompatibilität, Charts, Kultprodukt, Konsum, Unterhaltungsindustrie, Vermarktung, Popkultur
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Hausarbeit untersucht die soziologischen und ökonomischen Mechanismen, die hinter der Entstehung eines musikalischen Hits stehen und wie die Musikindustrie diese gezielt steuert.
Was sind die zentralen Themenfelder der Analyse?
Die Arbeit fokussiert sich auf die Rolle der Massenmedien, die Standardisierung musikalischer Produktionen, die Konstruktion von Künstlerpersönlichkeiten und die psychologische Wirkung auf Konsumenten.
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?
Das Ziel ist es, die Frage zu beantworten, wie und warum ein Song zu einem kommerziellen Hit wird und welche Vermarktungsstrategien dabei zum Einsatz kommen.
Welche wissenschaftliche Methode verwendet die Autorin?
Die Arbeit nutzt eine deskriptive und analytische Vorgehensweise, wobei medienwissenschaftliche Theorien auf aktuelle Popmusik-Phänomene angewendet werden.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in theoretische Aspekte über Musikproduktion, Imagebildung und Mythenbildung sowie eine praktische Fallstudie über den Werdegang des Stefan Raab Songs „Wir kiffen“.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Untersuchung?
Zu den prägenden Begriffen gehören Musikindustrie, Imagebildung, Vermarktungsstrategie, Konsum und Massenkompatibilität.
Welche Rolle spielen Musikvideos laut der Autorin für den Erfolg eines Hits?
Musikvideos fungieren als Hauptwerbefaktor, da sie es ermöglichen, eine Atmosphäre zu schaffen, in der der Konsument in die Welt des Künstlers eintauchen und sich mit dessen Image identifizieren kann.
Warum wird Stefan Raab als zentrales Beispiel gewählt?
Raab dient als Paradebeispiel, da er als Moderator, Musiker und Produzent alle Komponenten eines erfolgreichen Starimages in seiner Person vereint und sein Song „Wir kiffen“ seine Entstehung einer spezifischen Medienstrategie verdankt.
Wie bewertet die Arbeit die Rolle der Medien als „Orientierungshelfer“?
In Anlehnung an Adorno stellt die Arbeit fest, dass Medien den Rezipienten zwar ein Gefühl von Ordnung vermitteln, dies jedoch lediglich dazu dient, das Konsumverhalten zu festigen und das kritische Hinterfragen zu unterbinden.
Was bedeutet die „Denkverweigerung“ im Kontext der Popkultur?
Der Begriff beschreibt den von der Musikindustrie gewollten Zustand, in dem Konsumenten sich von Traumwelten und Rhythmen fesseln lassen, ohne die kommerziellen Strategien hinter den Unterhaltungsprodukten zu hinterfragen.
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- Nadine Müller (Author), 2002, Wie wird ein Song zum Hit?, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/87851