Die vorliegende Arbeit befasst sich anhand des Romans "Geschenkt" von Daniel Glattauer mit der Annäherung zwischen Vater und Sohn und betrachtet, wie diese im Roman dargestellt wird. Ausgehend von den ersten Kommunikationsversuchen wird anhand von Textstellen aus dem Buch gezeigt, wie sich die Beziehung des Journalisten Gerold Plassek zu seinem Sohn Manuel entwickelt und welche zwiespältigen Gefühle diese Entwicklung auf Seiten des Vaters begleiten. Letztendlich kann man feststellen, dass es sich – obwohl der Junge nicht weiß, dass Gerold sein leiblicher Vater ist – um den Beginn einer guten Vater-Sohn-Beziehung handelt, die im Laufe der Geschichte noch vertieft wird.
Inhaltsverzeichnis
Einleitung
1. Autor und Werk
1.1 Daniel Glattauer
1.2 Das Werk
1.3 Inhalt des Romans
2. Annäherung zwischen Vater und Sohn
2.1 Erster Eindruck
2.2 Annäherung
2.3 Vatergefühle und Verantwortung
2.4 Die Vaterfrage
2.5 Zweifel an der Vaterrolle
Fazit
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht die Annäherung zwischen Vater und Sohn im Roman „Geschenkt“ von Daniel Glattauer. Ziel ist es, anhand zentraler Textstellen aufzuzeigen, wie sich die Beziehung zwischen dem Journalisten Gerold Plassek und seinem Sohn Manuel entwickelt, welche psychologischen Dynamiken dabei eine Rolle spielen und wie die Vaterrolle trotz anfänglicher Zweifel und fehlender offizieller Offenbarung des Verwandtschaftsverhältnisses an Bedeutung gewinnt.
- Die Darstellung von Vater-Sohn-Beziehungen in der zeitgenössischen Literatur
- Entwicklung von Vatergefühlen und Übernahme von Verantwortung
- Die Bedeutung eines anwesenden Vaters für Jugendliche
- Kommunikationsprozesse und Annäherungsversuche zwischen Vater und Sohn
- Die Transformation des Protagonisten vom Einzelgänger zum Alltagshelden
Auszug aus dem Buch
2.5 Zweifel an der Vaterrolle
Obwohl der generelle Tenor des Romans doch eine stetig enger werdende Bindung zwischen Vater und Sohn signalisiert, kommen Gerold immer wieder Zweifel, ob er der neuen Rolle gewachsen ist.
Einerseits erlebt er, wie ihn Emotionen von Wut und Ärger überkommen, als Manuel heimlich seine Emails beantwortet, sodass er seinen Sohn am Telefon plötzlich anschreit und maßregelt. Anschließend ist er selbst „überrascht, wie wütend [er] sein konnte, [und meint,] das musste mit der Vaterrolle zu tun haben, in die [er] gerade hineinwuchs“48. Auch diese Mischung aus positiven und negativen Gefühlen dem Sohn gegenüber charakterisiert oftmals die Beziehungen zwischen Vätern und Söhnen49, was auch im Roman sehr gut nachvollziehbar ist.
Andererseits verspürt Plassek wie viele andere Väter Angst, der Sohn würde seine Schwächen entlarven und ihn bloßstellen beziehungsweise ihn sowieso eines Tages überflügeln50. Dieses Gefühl baut sich in vielen Situationen langsam auf, worauf es im Laufe der Geschichte immer wieder Hinweise gibt:
Manchmal hatte ich den Eindruck, dass er deutlich mehr auf der Platte hatte als sein Vater.51
Unterwegs erklärten wir uns gegenseitig, was Autismus im Grunde war, wobei ich zugeben muss, dass sich Manuel wesentlich besser auskannte, weil er schon Dokumentationen darüber gesehen und sogar Bücher dazu gelesen hatte52
Zusammenfassung der Kapitel
Einleitung: Es wird die Ausgangslage alleinerziehender Mütter und der wachsende Bedarf nach Vaterfiguren thematisiert sowie die Forschungsfrage zur späten Annäherung im Roman „Geschenkt“ formuliert.
1. Autor und Werk: Das Kapitel bietet eine Biografie des Autors Daniel Glattauer und ordnet den Roman „Geschenkt“ in den literarischen Kontext der Postmoderne und Gegenwartsliteratur ein.
2. Annäherung zwischen Vater und Sohn: Dieser Hauptteil analysiert die Stadien der Beziehungsentwicklung zwischen Gerold Plassek und seinem Sohn Manuel, von anfänglicher Ablehnung bis hin zur vertrauensvollen Bindung.
Fazit: Die Arbeit fasst die Wandlung des Protagonisten zusammen und kommt zu dem Schluss, dass trotz offen gebliebener Fragen eine stabile und prägende Vater-Sohn-Beziehung entstanden ist.
Schlüsselwörter
Daniel Glattauer, Geschenkt, Vater-Sohn-Beziehung, Gerold Plassek, Manuel, Adoleszenz, Vaterrolle, Literaturanalyse, Gegenwartsliteratur, Familienstrukturen, Erziehung, Psychodynamik, Pubertät, Verantwortung, Sozialgeschichte.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit analysiert die Annäherung und Beziehungsentwicklung zwischen dem Protagonisten Gerold Plassek und seinem Sohn Manuel im Roman „Geschenkt“ von Daniel Glattauer.
Was sind die zentralen Themenfelder der Arbeit?
Zu den zentralen Themen gehören Vater-Sohn-Beziehungen, die Bedeutung der Vaterrolle, soziale Verantwortung sowie die psychologischen Herausforderungen während der Pubertät.
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?
Die Forschungsfrage beschäftigt sich damit, wie sich eine späte Annäherung zwischen einem Vater und seinem Sohn vollziehen kann und wie dieser Prozess literarisch im Roman dargestellt wird.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit basiert auf einer Analyse von literarischen Schlüsselstellen des Romans, die im Kontext von literaturwissenschaftlichen und psychologischen Sekundärquellen zur Vater-Sohn-Beziehung gedeutet werden.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Im Hauptteil werden die einzelnen Stadien der Annäherung beleuchtet – vom ersten Eindruck über die Entwicklung von Vatergefühlen bis hin zur Auseinandersetzung mit der Vaterfrage und den Zweifeln an der eigenen Eignung für die Rolle als Vater.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die Arbeit lässt sich am besten mit Begriffen wie Vater-Sohn-Beziehung, Literaturanalyse, Identitätsentwicklung, Vaterrolle und der Romananalyse von „Geschenkt“ beschreiben.
Wie verändert sich die Einstellung von Gerold Plassek gegenüber Manuel im Verlauf der Geschichte?
Gerold durchläuft eine Wandlung von einem eher desinteressierten Einzelgänger zu einem verantwortungsbewussten und liebevollen Vater, der durch die Beziehung zu seinem Sohn sein Leben neu ordnet.
Warum wird die „Vaterfrage“ im Roman nicht direkt geklärt?
Der Autor lässt die explizite Offenbarung des Verwandtschaftsverhältnisses bewusst offen, da die emotionale Stabilität und das gegenseitige Vertrauen zwischen den Figuren im Fokus stehen, ungeachtet der offiziellen Anerkennung.
- Arbeit zitieren
- Bianca Lehner (Autor:in), 2020, Vater und Sohn in Daniel Glattauers "Geschenkt", München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/882681