Unter den nationalen Bedingungen Frankreichs im 19 Jahrhundert, der schwachen Wirtschaft, Industrie und der vorherrschenden Sparneigung der Gesellschaft gingen die Impulse einer Expansion hervor aus einer Verflechtung zwischen Modernisierungbestrebungen der Metropole und den Expansionplänen imperialistisch politisch geprägten Gruppen/Syndikaten. Die Gründung von imperialistisch geprägten Verbänden, die Einfluss auf die Regierung ausübten, waren hier vielmehr ein Grund für eine Expansion und das Aufkommen von Außenhandelsfragen. Einfluss und Strategie auf die französische Kolonialpolitik ausgehend von strategischen Cliquen und Syndikaten, zum Zweck der Kanalisierung der Interessen von Industrie und Handel werden in der vorgelegten Hausarbeit untersucht. Syndikate und strategische Cliquen beeinflussten das Handeln der Regierung in Fragen der finanzimperialistischen Expansion. Die Interessen industrieller Kreise formierten sich in den Syndikaten und suchten mit Unterstützung der Regierung in Ostasien neue Absatzmärkte, um die Probleme an die Peripherie abzuleiten. Die Verlagerung der Metropolitahnen Probleme, "Überproduktionskrise", an die Peripherie schien die Lösung für die wirtschaftlichen Probleme des Landes zwischen 1874 -1889 zu sein. Die Formierung der Interessen der Syndikate führte zu einem Wechsel der Kolonialpolitik. Statt hoher Reparationsforderungen werden Konzzessionen für Eisenbahn und Bergbau gefordert, die einen Markt für die Wirtschaft/Industrie eröffnen sollten. Die Nichtvereinigung von Finanz und Industriekapital zeigt das große Misstrauen gegenüber den Expansivenkräften der Strategischen Cliquen und der Investitionsangst in die Kolonien der Banken. Die Bedingungen unter denen sich der französische Imperialismus entwickelte beruhte auf dem Sicherheitsbedenken vor Krisen und bevorstehenden Gefahren, die durch den Erwerb von Kolonien kompensiert und abgewendet werden sollten. Die relativ späte koloniale Expansion Frankreichs im 19 Jahrhundert in Indochina wirft die Frage nach den ökonomischen und technologischen Gründen für diese späte Expansion auf. Musste sich Frankreich Kolonien sichern um seine Absatzmärkte zu erweitern und sichern? War es nötig und sinnvoll? Ein Absichern und zögern von Investitionen sowie die allgemeine Sparneigung zeichnen diesen Grundcharakter der Expansion auf.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Frankreichs Aufstieg zur Kolonialmacht
3. „Mission Pavie“ und die Angliederung des „Syndicat Francais du Laos“
4. Industrie und Bankkapital
5. Schlussbetrachtung
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht die Einflussnahme strategischer Cliquen und Syndikate auf die französische Kolonialpolitik zwischen 1878 und 1898, mit besonderem Fokus auf den finanzimperialistischen Sektor und die wirtschaftliche Durchdringung Chinas. Ziel ist es, die Verflechtung von Modernisierungsbestrebungen in der Metropole mit kolonialen Expansionsplänen zu analysieren.
- Rolle von Syndikaten und strategischen Cliquen in der französischen Außenpolitik
- Finanzimperialistische Expansion und das Verhältnis von Bank- und Industriekapital
- Die „Mission Pavie“ als Instrument der kommerziellen Vorwärtsstrategie
- Wirtschaftliche Auswirkungen der kolonialen Expansion in Südostasien und China
Auszug aus dem Buch
Industrie und Bankkapital
Der zentrale Kern des französischen Imperialismus in China ist die nicht Verschmelzung von Bank- und Industriekapital. Die Industrie war gezwungen ihre Investitionen selbst zu finanzieren und konnte daher ihre Produktionskapazitäten durch Reinvestition kaum ausweiten. Die Großbanken vergaben, ausgelöst durch die zyklisch unterbrochene Krise (1874 bis 1884) der Schwerindustrie, nur noch kurz- oder mittelfristige Kredite, was der weiteren Expansion der Industrie und des Handels vor allem der Reinvestition im Weg stand. Hier triumphierte der Finanzkapitalismus vor dem Handels und Industriekapitalismus durch den Kapitalexport.
Die Verschmelzung des Bank- und Industriekapitals und die Reinvestition des Kapitals stellt im Gegensatz zum französischen Außenmarkt mit Russland und der Türkei kein Problem dar. Wogegen diese Verschmelzung im chinesischen Markt nicht ausreichend stattfand.
Der Stand der Forschung auf diesem Gebiet zeigt, dass der „Comptoir d´Escompte“ seine verschiedenen Industriebeteiligungen und Verbindungen nicht im gleichen Umfang abbaute wie andere Depositbanken. Und es zeigt, dass er sich auf eine Monopolstellung im Kupfermarkt mit dem Instrument der Syndikatsgründung vorbereitete. Die Anstrengungen der „Comptoir d´Éscompte“, das Industrie und Bankkapital gleichermaßen zu vereinen und zu reinvestieren, verliefen relativ unausgeglichen.
Zusammenfassung der Kapitel
Einleitung: Die Einleitung skizziert die nationalen Bedingungen Frankreichs im 19. Jahrhundert, insbesondere die Rolle von Syndikaten bei der Bewältigung industrieller Überproduktionskrisen durch koloniale Expansion.
Frankreichs Aufstieg zur Kolonialmacht: Dieses Kapitel behandelt die Transformation Frankreichs zur Industriemacht und wie wirtschaftliche Defizite durch koloniales Interesse sowie den Aufbau von Einflussgruppen kompensiert werden sollten.
„Mission Pavie“ und die Angliederung des „Syndicat Francais du Laos“: Es wird die politisch-kommerzielle Strategie der „Mission Pavie“ erläutert, die zur Absicherung französischer Handelsinteressen und zur Eindämmung britischer Einflüsse diente.
Industrie und Bankkapital: Der Fokus liegt hier auf der mangelnden Verschmelzung von Bank- und Industriekapital, die eine effiziente koloniale Expansion und Reinvestition in China maßgeblich behinderte.
Schlussbetrachtung: Das Fazit fasst zusammen, dass die Expansionspläne Frankreichs stark durch unrealistische Hoffnungen auf Absatzmärkte geprägt waren und die koloniale Unternehmung in Asien wirtschaftlich hinter den Erwartungen zurückblieb.
Schlüsselwörter
Französischer Imperialismus, Südostasien, China, Syndikate, Finanzkapitalismus, Industrielle Expansion, Bankkapital, Überproduktionskrise, Mission Pavie, Kolonialpolitik, Außenhandel, Wirtschaftsgeschichte, Investitionsangst, Interessensphären.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit analysiert die Mechanismen des französischen Imperialismus in Südostasien und China am Ende des 19. Jahrhunderts, insbesondere unter dem Einfluss wirtschaftlicher Interessenverbände.
Was sind die zentralen Themenfelder der Untersuchung?
Zentrale Themen sind die Rolle von Syndikaten, das Verhältnis von Bank- zu Industriekapital sowie die Versuche, nationale wirtschaftliche Krisen durch Expansion zu überwinden.
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?
Das Ziel ist die Untersuchung der Einflussnahme strategischer Cliquen auf die französische Regierung, um Handels- und Investitionsinteressen in den Kolonien zu kanalisieren.
Welche wissenschaftliche Methode wurde verwendet?
Die Autorin nutzt eine literaturgestützte Analyse historischer Zusammenhänge, um die Diskrepanz zwischen kolonialen Erwartungen und ökonomischer Realität aufzuzeigen.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil befasst sich mit der Gründung von Syndikaten, der Rolle der „Mission Pavie“, den Finanzierungsschwierigkeiten der Industrie und der chinesischen Reaktion auf den europäischen Eisenbahnimperialismus.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Schlüsselwörter sind Imperialismus, Finanzkapitalismus, Syndikate, Kolonialpolitik, China und industrielle Überproduktionskrise.
Welche Rolle spielte die „Mission Pavie“?
Die Mission diente als Instrument, um französische Handelsinteressen zu sondieren und den Einfluss konkurrierender Mächte, wie Großbritannien und Siam, im Mekong-Tal und in Laos zurückzudrängen.
Warum blieb die wirtschaftliche Expansion Frankreichs in China oft hinter den Erwartungen zurück?
Dies lag primär an der fehlenden Kooperation zwischen Banken und Industrie, der mangelnden Bereitschaft für Risikoinvestitionen sowie der technologischen Ausrichtung Frankreichs, die nicht auf den chinesischen Massenmarkt abgestimmt war.
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- MA Daniel Spindler (Author), 2002, Der Französische Imperialismus in Süd-Ost Asien zwischen 1878 und 1898 mit Schwerpunkt auf den finanzimperialistischen Sektor, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/8852