Diese Arbeit ist wie folgt aufgebaut: Zunächst werden in Kapitel 2 die bisherige Literatur sowie die vorherrschenden Erklärungsansätze zusammengefasst. Die erste und auch ältesten Erklärungsmodelle, die sog. „Dutch-Disease“-Ansätze sind analytisch zwar hilfreich, erklären jedoch nicht den ambivalenten Effekt von Ressourceneinnahmen.
Daher wird eine Reihe weiterer Modelle betrachtet. Ein Schwerpunkt wird in Kapitel 3 in einer Erklärung liegen, die sich eines Rent Seeking-Ansatzes bedient.
Demnach verändert in unserem Kontext das Auftreten von Einnahmen aus einer natürlichen Ressource die Anreizstrukturen von „Unternehmern“, für die produktive Tätigkeiten relativ unprofitabel werden (im Vergleich zur Konkurrenz um die Ressourcen-Renten). Dabei zeigt sich, dass die institutionellen Rahmenbedingungen in dem jeweiligen Land eine große Rolle spielen, da die möglichen Bereicherungsmöglichkeiten von einem schlechten institutionellen Umfeld stark profitieren.
Auf der Basis der grundlegenden Arbeit von Sachs und Warner (1997) sowie weiterer Datenquellen wird in Kapitel 4 der Zusammenhang empirisch untersucht. Ein besonderes Augenmerk gilt hierbei der möglichen Endogenität von institutionellen Variablen. Es zeigt sich, dass die Frage, ob natürliche Ressourcen einen Fluch oder Segen darstellen, in der Tat von den politischen Institutionen abhängen.
Anschließend sollen anhand der gewonnenen Erkenntnisse politische Handlungsanweisungen abgeleitet werden und unterschiedliche Politiken auf ihre Wirksamkeit zur Vermeidung des Resource Curse untersucht werden.
Dabei sollen zunächst die allgemeinen wirtschaftspolitischen Implikationen, die die Debatte bisher auf der Basis von den vorgestellten Dutch-Disease-Modellen dominieren, unter diesem Blickwinkel analysiert und um spezifische Ansätze ergänzt werden. Insbesondere soll das Augenmerk darauf gerichtet sein, wie die beschriebenen Anreizstrukturen transparent gemacht und beeinflusst werden können. Das 6. Kapitel fasst die Ergebnisse zusammen.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Erklärungsansätze
2.1. Ökonomische Erklärungsansätze
2.1.1. Der spending effect
2.1.2. Der resource movement effect
2.1.3. Weitere ökonomische Ansätze
2.2. Politische Erklärungsansätze
2.2.1. Rent Seeking Ansätze
2.2.2. Policy making
2.3. Natürliche Ressourcen und Bürgerkriege
3. Eine politökonomische Analyse
3.1. Die Akteure
3.2. Das Modell
3.3. Folgerungen
3.4. Das institutionelle Umfeld
3.5. Ergebnis
4. Empirische Evidenz
4.1. Auswahl der Variablen
4.2. Überblick bisheriger Studien
4.3. Ökonometrische Spezifikation
4.4. Ergebnisse und Folgerungen
5. Eine wirtschaftspolitische Analyse
5.1. Politikoptionen für ressourcenreiche Länder
5.2. Natural Resource Funds
5.3. Die Bedeutung institutioneller Faktoren
5.4. Transparenz und Informationsaspekte
5.5. Investititionspolitik
6. Fazit
Zielsetzung & Themen
Die Arbeit untersucht den sogenannten „Fluch der natürlichen Ressourcen“ (Natural Resource Curse), bei dem ressourcenreiche Länder im Vergleich zu ressourcenarmen Ländern oft ein geringeres Wirtschaftswachstum aufweisen. Ziel ist es, durch eine politökonomische Analyse der Anreizstrukturen für Unternehmer und staatliche Akteure zu erklären, warum einige Länder erfolgreich aus ihrem Reichtum Kapital schlagen, während andere in wirtschaftlicher Stagnation verharren, und daraus wirtschaftspolitische Handlungsempfehlungen abzuleiten.
- Analyse ökonomischer Erklärungsansätze (Dutch-Disease, spending/resource movement effect)
- Untersuchung politökonomischer Ursachen wie Rent Seeking und institutionelle Rahmenbedingungen
- Empirische Überprüfung des Zusammenhangs zwischen Ressourcenreichtum, Institutionenqualität und Wachstum
- Diskussion politischer Optionen wie Natural Resource Funds und Transparenzmaßnahmen
Auszug aus dem Buch
3.2. Das Modell
Die Ökonomie wird dabei aufbauend auf Murphy et al. (1989) – wie bei dem Big-Push Modell von Sachs und Warner (1999) – in zwei Sektoren aufgeteilt: einen traditionellen Sektor, der mit konstanten Skalenerträgen produziert und einen modernen Sektor, der mit zunehmenden Skalenerträgen (increasing returns to scale, IRS) produziert. Im traditionellen Sektor wird aus einer Einheit Arbeit (L) eine Einheit eines Gutes (y) hergestellt. Im modernen Sektor dagegen bestehen Fixkosten in Höhe von F. Jede Einheit eingesetzte Arbeit führt zu einem Output von β>1 Einheiten. Die Gesamtkosten ergeben sich daher als K = (1/ β ) y + F . Da die Grenzkosten 1/β für jedes Outputniveau unter denen im traditionellen Sektor (=1) liegen, sinken die durchschnittlichen Kosten immer weiter. Anders als in der klassischen Welt konstanter Skalenerträge kann der Unternehmer folglich einen Gewinn in Höhe von π = [P − (1/ β)]y − F erwirtschaften, wobei P den Preis des Produktes angibt. Es gibt insgesamt M Produkte, die alle sowohl von traditionellen als auch von modernen Firmen hergestellt werden können. Normiert man den Lohnsatz (und damit die Grenzkosten der traditionellen Produktion) auf 1, so ergibt sich ein Wettbewerbspreis ebenfalls von eins. Nimmt man an, dass der moderne Sektor über den Preis konkurriert (Bertrand-Wettbewerb), und unterstellt man, dass immer im unelastischen Teil der Nachfragekurve produziert wird (und zudem homothetische Präferenzen angenommen werden, d.h. dass die Konsumstruktur bei unterschiedlichen Einkommen gleich bleibt), so kommt man zu folgendem Ergebnis: Für jedes Produkt aus M kann aufgrund der Konkurrenz durch Firmen des traditionellen Sektors nur eine moderne Firma Gewinne erwirtschaften.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Einführung in das Phänomen des Ressourcenfluchs und die zentrale Fragestellung der Arbeit.
2. Erklärungsansätze: Zusammenfassung ökonomischer, politischer und konfliktbezogener Theorien zur Erklärung des Ressourcenfluchs.
3. Eine politökonomische Analyse: Herleitung eines theoretischen Modells zur Erklärung von Anreizstrukturen bei Ressourcenreichtum in Abhängigkeit vom institutionellen Umfeld.
4. Empirische Evidenz: Überprüfung der theoretischen Hypothesen anhand ökonometrischer Datenanalysen.
5. Eine wirtschaftspolitische Analyse: Diskussion politischer Maßnahmen wie Fonds und Transparenz zur Abwendung negativer Effekte von Ressourcenreichtum.
6. Fazit: Zusammenfassung der Ergebnisse und Schlussfolgerungen zur Bedeutung institutioneller Qualität.
Schlüsselwörter
Ressourcenfluch, Natural Resource Curse, Rent Seeking, Institutionen, Wirtschaftswachstum, Dutch-Disease, Ressourcenrente, politökonomische Analyse, Rohstoffreichtum, institutionelles Umfeld, Wachstumstheorie, Natural Resource Funds, Governance, Investitionspolitik, Korruption.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit analysiert das wirtschaftswissenschaftliche Phänomen, dass Länder mit einem hohen Reichtum an natürlichen Ressourcen oft ein geringeres Wirtschaftswachstum aufweisen als ressourcenarme Länder, ein Zusammenhang, der als „Ressourcenfluch“ bekannt ist.
Was sind die zentralen Themenfelder der Untersuchung?
Zentrale Themen sind die ökonomischen Wirkungsmechanismen bei Ressourcenreichtum, die Rolle des institutionellen Umfelds, das Rent-Seeking-Verhalten politischer und wirtschaftlicher Akteure sowie die empirische Überprüfung dieser Zusammenhänge.
Was ist das primäre Ziel der Arbeit?
Das primäre Ziel ist es, theoretisch und empirisch zu erklären, warum Ressourcenreichtum in manchen Ländern zu Wohlstand und in anderen zu Verarmung führt, um darauf basierend Empfehlungen für eine erfolgreiche Wirtschaftspolitik zu formulieren.
Welche wissenschaftliche Methode verwendet der Autor?
Der Autor kombiniert eine theoretische politökonomische Modellierung (basierend auf bestehenden Modellen wie dem von Mehlum et al.) mit einer umfangreichen ökonometrischen Analyse auf Basis historischer Wachstumsdaten verschiedener Länder.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in eine theoretische Erörterung verschiedener Erklärungsansätze, die Entwicklung eines politökonomischen Modells zur Verteilung von Ressourcenrenten, eine empirische Überprüfung dieser Theorie mittels Wachstumsregressionsanalysen sowie eine wirtschaftspolitische Bewertung geeigneter Gegenmaßnahmen.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit am besten?
Die zentralen Begriffe sind Ressourcenfluch, Rent Seeking, institutionelles Umfeld, Ressourcenrenten, Wirtschaftswachstum und politische Institutionen.
Warum spielt das „institutionelle Umfeld“ in dieser Arbeit eine so entscheidende Rolle?
Das Modell des Autors zeigt, dass das institutionelle Umfeld bestimmt, ob Ressourcenrenten produktiv investiert oder durch unproduktives Rent Seeking abgeschöpft werden. Gute Institutionen verhindern letzteres und ermöglichen somit eine positive Nutzung des Ressourcenreichtums.
Wie bewertet der Autor den Einsatz von Natural Resource Funds?
Der Autor sieht diese Fonds grundsätzlich als hilfreichen Ansatz an, um Einnahmen zu neutralisieren und Zukunftsgenerationen zu beteiligen, betont aber, dass ihr Erfolg maßgeblich von der institutionellen Qualität des Managements abhängt und sie allein den Ressourcenfluch nicht lösen können.
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- Johannes Emmerling (Author), 2005, Der Fluch natürlicher Ressourcen. Eine wirtschaftspolitische und politökonomische Analyse, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/88553