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"Völkisch". Wird man das noch sagen dürfen? Historische und semantische Wortstudie zu einem umstrittenen Begriff

Titel: "Völkisch". Wird man das noch sagen dürfen? Historische und semantische Wortstudie zu einem umstrittenen Begriff

Hausarbeit (Hauptseminar) , 2018 , 35 Seiten , Note: 1,0

Autor:in: Hannah Grünewald (Autor:in)

Germanistik - Linguistik
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Zusammenfassung Leseprobe Details

In einem Interview der damaligen AfD-Vorsitzenden Frauke Petry mit der Zeitung Welt am Sonntag ließ sie verlauten, dass das Wort „völkisch“ aus der negativen Konnotationsecke zu nehmen sei, da es direkt mit dem Substantiv Volk korreliere und nicht per definitionem als „rassistisch“ zu betrachten sei. Petry erläuterte weiter: „Ich benutze diesen Begriff zwar selbst nicht, aber mir missfällt, dass er ständig nur in einem negativen Kontext benutzt wird“. Beklagenswert für sie ist, „dass es bei der Ächtung des Begriffes ‚völkisch’ nicht bleibt, sondern der negative Beigeschmack auf das Wort ‚Volk’ ausgedehnt wird“. Presse, Rundfunk und Fernsehen reagierten auf diese Forderung mit Empörung. Doch warum erhitzen sich die Gemüter bei einem Adjektiv? Ohne martialisch klingen zu wollen, geht es bei diesen Auseinandersetzungen um einen Kampf der Wörter. Die AfD erhofft sich eine Zurückeroberung von bestimmten Wörtern und deren Konnotationen. Es geht um die Macht der Worte und ihre politisch- gesellschaftliche Einflussnahme, die immer auch im Spannungsfeld von Geschichte und Gegenwart zu betrachten ist.

Um die Aussage Petrys differenziert und wissenschaftlich zu untersuchen, werde ich mich in der vorliegenden Arbeit um eine dezidierte und pointierte Wortstudie des Begriffs „völkisch“ bemühen. Dabei wird mit einem dreischrittigen diachronen Analyseverfahren, von der Wortherkunft und der althochdeutschen und mittelhochdeutschen Überlieferungssituation auf die Wortnutzung im Nationalsozialismus und schließlich die Wort- Verwendung in der Nachkriegszeit, der DDR und der Gegenwart ermittelt. Maßgeblich für die Analyse ist eine grundlegende Auseinandersetzung der Wechselbeziehung von Substantiven und deren Adjektiven, die ich der Arbeit voranstellen möchte. Desweiteren wird, neben der sprachwissenschaftlichen und sprachgeschichtlichen Auseinandersetzung, auch auf die semantische Bedeutung von Volk und „völkisch“ hingewiesen, ist diese doch dicht verwoben mit der akuten Fragestellung. Im Fokus steht die sprachwissenschaftliche Untersuchung des Wortes „völkisch“, die verdeutlichen soll, dass sich Frauke Petry eines historisch prekären Begriffs bedient und sich mit dessen Rehabilitierungsversuch in eine eindeutig rechts-populistische-nationalistische Position verortet, die geschützt vom Grundgesetz zwar veräußert, politisch und gesellschaftlich jedoch diskutiert und kritisiert werden muss.

Leseprobe


Inhaltsverzeichnis

1. Einleitende Bemerkung

2. Morphologische Betrachtung

3. Wortstudie: „völkisch“

3.1. Wortherkunft

3.2. Nationalsozialismus

3.2.1. Volk

3.2.2. „völkisch“

3.3. Nachkriegszeit, DDR und heute

4. Kritische Einschätzung: AfD und der Kampf um Wörter

5. Fazit und Appell

Zielsetzung & Themen

Die Arbeit untersucht die historische und semantische Belastung des Begriffs „völkisch“ sowie dessen instrumentalisierte Verwendung im politischen Diskurs, insbesondere durch rechtspopulistische Parteien wie die AfD, um eine fundierte sprachkritische Einordnung zu ermöglichen.

  • Diachrone Analyse des Begriffs „völkisch“ von der Wortherkunft bis heute.
  • Untersuchung der ideologischen Bedeutung des Wortes „Volk“ im Nationalsozialismus.
  • Vergleich der Wortverwendung in unterschiedlichen historischen Epochen (Nationalsozialismus, DDR, Gegenwart).
  • Kritische Auseinandersetzung mit dem Versuch der Rehabilitierung des Begriffs „völkisch“.
  • Reflexion über die Macht der Sprache und politische Wortkämpfe.

Auszug aus dem Buch

1. Einleitende Bemerkung

Wörter scheinen an sich keine Ungeheuerlichkeiten zu enthalten. Ob ein Wort gut oder böse ist, das entscheidet die kontextuelle Umgebung, die Schuldigkeit eines Wortes, ist letztlich eine Schuldigkeit des Sprechers. Die vorangegangene These lädt förmlich zum Stolpern ein; kann ein Wort, hier das Adjektiv „völkisch“ ungeheuerliches in sich tragen, ist es in heutigen Zeiten noch benutzbar?

Anstoß der Frage ist ein Interview der damaligen AfD-Vorsitzenden Frauke Petry mit der deutschen Zeitung Welt am Sonntag. In dem Gespräch ließ sie verlauten, dass das Wort „völkisch“ aus der negativen Konnotationsecke zu nehmen sei, da es direkt mit dem Substantiv Volk korreliere und nicht per definitionem als „rassistisch“ zu betrachten sei. Petry erläuterte weiter: „Ich benutze diesen Begriff zwar selbst nicht, aber mir missfällt, dass er ständig nur in einem negativen Kontext benutzt wird“. Beklagenswert für sie ist, „dass es bei der Ächtung des Begriffes ‚völkisch’ nicht bleibt, sondern der negative Beigeschmack auf das Wort ‚Volk’ ausgedehnt wird“. Presse, Rundfunk und Fernsehen reagierten auf diese Forderung mit Empörung. Doch warum erhitzen sich die Gemüter bei einem Adjektiv? Ohne martialisch klingen zu wollen, geht es bei diesen Auseinandersetzungen um einen Kampf der Wörter. Die AfD erhofft sich eine Zurückeroberung von bestimmten Wörtern und deren Konnotationen. Es geht um die Macht der Worte und ihre politisch- gesellschaftliche Einflussnahme, die immer auch im Spannungsfeld von Geschichte und Gegenwart zu betrachten ist.

Zusammenfassung der Kapitel

1. Einleitende Bemerkung: Einführung in die Problematik der Wortverwendung und Anlass der Arbeit durch die politische Debatte um den Begriff „völkisch“.

2. Morphologische Betrachtung: Analyse der morphologischen Herleitung und des Suffixes -isch im Zusammenhang mit dem Wort „völkisch“.

3. Wortstudie: „völkisch“: Umfassende Untersuchung der Wortherkunft, der Bedeutung im Nationalsozialismus sowie der Verwendung in Nachkriegszeit und DDR.

4. Kritische Einschätzung: AfD und der Kampf um Wörter: Kritische Analyse des Versuchs rechtspopulistischer Akteure, belastete Begriffe wie „völkisch“ ideologisch zu rehabilitieren.

5. Fazit und Appell: Zusammenfassendes Plädoyer für eine bewusste, historisch reflektierte Sprachkritik als notwendiges Instrument in politischen Debatten.

Schlüsselwörter

völkisch, Volk, Nationalsozialismus, AfD, Sprachkritik, Semantik, Rechtsradikalismus, Wortgeschichte, Ideologie, politische Rhetorik, Begriffsgeschichte, Propaganda, Identität, Sprache, Nationalismus

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?

Die Arbeit befasst sich mit der historischen und semantischen Belastung des Adjektivs „völkisch“ und der Frage, inwieweit eine Rehabilitierung dieses Begriffs im heutigen politischen Diskurs vertretbar ist.

Was sind die zentralen Themenfelder?

Zentrale Themen sind die Wortgeschichte, die sprachliche Instrumentalisierung im Nationalsozialismus, die Entwicklung des Volksbegriffs sowie aktuelle politische Auseinandersetzungen um Sprache und Identität.

Was ist das primäre Ziel der Arbeit?

Das Ziel ist eine dezidierte Wortstudie, die verdeutlichen soll, dass „völkisch“ aufgrund seiner NS-Belastung historisch nicht tragbar ist und der Rehabilitierungsversuch durch die AfD kritisch hinterfragt werden muss.

Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?

Es wird ein dreischrittiges, diachrones Analyseverfahren angewendet, das die Etymologie, die Wortverwendung in verschiedenen Epochen und eine kritische Auseinandersetzung mit der aktuellen politischen Rhetorik umfasst.

Was wird im Hauptteil behandelt?

Der Hauptteil gliedert sich in eine morphologische Betrachtung, die detaillierte diachrone Wortstudie des Begriffs „völkisch“ und eine kritische Einschätzung der Rhetorik rechtspopulistischer Parteien.

Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?

Die Arbeit wird durch Begriffe wie völkisch, Volk, Nationalsozialismus, Sprachkritik, Propaganda und ideologische Begriffsverwendung charakterisiert.

Wie bewertet die Autorin die Forderung nach einer Rehabilitierung von Begriffen wie „völkisch“?

Die Autorin bewertet diese Forderung als historisch nicht tragbar, da sie die belastete Worthistorie ignoriert und Teil eines marketingtechnischen Kalküls zur Provokation und Identitätsbildung ist.

Welche Rolle spielt der Vergleich mit anderen Begriffen?

Der Vergleich mit Alternativen wie „volkstümlich“ zeigt, dass die Wahl des Begriffs „völkisch“ eine bewusste, provokative Entscheidung ist, die über eine bloße inhaltliche Beschreibung hinausgeht.

Ende der Leseprobe aus 35 Seiten  - nach oben

Details

Titel
"Völkisch". Wird man das noch sagen dürfen? Historische und semantische Wortstudie zu einem umstrittenen Begriff
Hochschule
Universität Wien
Veranstaltung
Sprachwissenschaft: Sprache und Politik
Note
1,0
Autor
Hannah Grünewald (Autor:in)
Erscheinungsjahr
2018
Seiten
35
Katalognummer
V886260
ISBN (eBook)
9783346178381
ISBN (Buch)
9783346178398
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Nationalsozialismus Wortstudie Semantik Sprache des Nationalsozialismus völkisch
Produktsicherheit
GRIN Publishing GmbH
Arbeit zitieren
Hannah Grünewald (Autor:in), 2018, "Völkisch". Wird man das noch sagen dürfen? Historische und semantische Wortstudie zu einem umstrittenen Begriff, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/886260
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Leseprobe aus  35  Seiten
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