Die Zeitstruktur in "Der Tod in Venedig" von Thomas Mann


Seminararbeit, 2004

12 Seiten, Note: 2,3


Leseprobe

Gliederung

1. Einleitung

2. Die Zeitstruktur der Novelle
2.1. Erste Erzählphase
2.2. Zweite Erzählphase
2.3. Dritte Erzählphase
2.4. Vierte Erzählphase
2.5 Fünfte Erzählphase

3. Schlussteil

Literaturliste
Primärliteratur
Sekundärliteratur

1. Einleitung

In dieser Arbeit soll das Zeitgerüst der Novelle „ Der Tod in Venedig“ von Thomas Mann analysiert werden.[1] Die verwendete Methode, die erzählte Zeit mit der Erzählzeit zu vergleichen, orientiert sich an Eberhard Lämmerts Buch, „Bauformen des Erzählens“.[2] Hilfreiche Informationen in Bezug auf die Anwendung der Methode erhielt ich durch Hans W. Nicklas Arbeit, „Analyse des Motivzusammenhangs und der Erzählstruktur“, welches sich mit dem Verhältnis von dargestellter Zeit und Inhalt der Novelle beschäftigt.[3]

Diese Arbeit soll das Zeitgerüst der Novelle chronologisch anhand der einzelnen Kapitel dekonstruieren. In Anlehnung an Nicklas decken sich in diesem Skript die 5 entwickelten ‚Erzählphasen’ mit den 5 Kapiteln der Novelle.[4]

Das Vorhandensein von Geschehensabläufen, Ideen, die Darstellung von Gedanken, und ihre Einbettung in ein zeitliches Modell stellen die Vorraussetzung einer Analyse der Zeitstruktur dar.

Da ein Autor in seiner Erzählweise nicht an eine chronologische Abfolge der Handlung gebunden ist und weiterhin die Möglichkeit hat, Geschehen auf verschiedene Arten, sprich verzerrt, unterbrochen, gerafft oder gedehnt, darzustellen, wird die Analyse der Zeitstruktur zu einer wichtigen Interpretationshilfe. Die Zeitgestaltung eines Textes bietet also eine Möglichkeit zum zentralen Thema eines Textes vorzustoßen und dessen Bedeutung offen zu legen.

2. Die Zeitstruktur der Novelle

Der Beginn der Handlung wird zunächst nur allgemein angegeben: „ An einem Frühlingsnachmittag des Jahres 19..“.[5] Dann nach zwanzig Zeilen und einer ersten Einführung in die Person Aschenbachs wird zumindest der Monat genannt: „Es war Anfang Mai (…)“[6] Am Nachmittag desselben Tages trifft Aschenbach die Entscheidung zu verreisen. Er wird allerdings noch etwa zwei Wochen in München verweilen, um diverse Erledigungen zu machen. Anschließend reist er an einem Tag zwischen Mitte und Ende Mai mit dem Nachtzug nach Triest. Er bleibt einen Tag dort, um am folgenden Morgen über Pola zu der Adria-Insel, seinem ersten Aufenthalt, zu fahren. Aber das schlechte Wetter dort, sowie das Fehlen eines Sandstrandes veranlassen ihn dazu schon nach anderthalb Wochen nach Venedig aufzubrechen. Aschenbach kommt am Nachmittag auf dem Lido an. Den nächsten Tag verbringt er am Strand und streift durch die Gassen von Venedig. Er spürt die Notwendigkeit eines erneuten Ortswechsels, da die Seeluft zusammen mit dem Scirocco ihn in einen schlechten körperlichen Zustand bringt. So beschließt er am darauf folgenden Tag abzureisen. Da aber seine Koffer durch ein Versehen in die falsche Richtung geschickt werden, nimmt er dies zum Anlass in Venedig zu bleiben. Auch die Rückgewinnung dieser nach zwei Tagen stellt für ihn kein Beweggrund für eine erneute Abreise dar. Er beschließt vorerst auf unbestimmt Zeit in Venedig zu verweilen. Die folgenden Tage werden nicht unterschieden und in Form eines ‚iterativen’ Erzählens kurz zusammengefasst.[7]

Im fünften Kapitel erscheint wieder eine präzise Zeitangabe: „In der vierten Woche seines Aufenthalts auf dem Lido […]“.[8] Es folgt wiederum eine Reihe ungegliederter Tage, wobei die Zeitangaben allgemein gehalten sind.[9]

Bei dem letzten erwähnten Tag handelt es sich um den Todestag Aschenbachs. Die Zeitspanne von der letzten Zeitangabe (in der vierten Woche seines Aufenthalts auf dem Lido“) bis zu seinem Tod lässt sich nicht genau ermitteln, weil die notwendigen Informationen dazu fehlen. Festzuhalten ist, dass er bei seiner Ankunft auf dem Lido 12 Tage unterwegs ist. Des Weiteren bleibt er mehr als 4 Wochen in Venedig. Ich möchte diesen Zeitraum mit vier Wochen ‚plus x’ umschreiben. Zudem braucht Aschenbach vor seiner Abreise noch 2 Wochen, um in München Geschäfte zu erledigen. Somit erstreckt sich die in der Novelle geschilderte Handlung über einen Zeitraum von sieben Wochen, fünf Tagen, ‚plus x’.

2.1. Erste Erzählphase

Die erste Erzählphase umfasst das erste Kapitel der Novelle.[10] Hier wird Aschenbachs Warten auf die Straßenbahn, die Begegnung mit dem seltsamen Fremden, sein Wachtraum und Aschenbachs Entschluss München für eine kurze Ferienreise zu verlassen, geschildert. Die Erzählphase endet mit dem Eintreffen der Straßenbahn. Die erzählte Zeit dürfte somit ungefähr 10 Minuten betragen und wird in 211 Zeilen dargestellt. Folglich deckt sich die erzählte Zeit nahezu mit der Erzählzeit.[11]

[...]


[1] Mann, Thomas: Der Tod in Venedig, Frankfurt 1959.

[2] Lämmert, Eberhard: Bauformen des Erzählens, Stuttgart 1955.

[3] Nicklas, Hans W.: Thomas Manns Novelle, Der Tod in Venedig, Analyse des Motivzusammenhangs und der Erzählstruktur, Marburg 1968.

[4] Ebenda

[5] Mann, Thomas: Der Tod in Venedig, Frankfurt 1959. S. 1.

[6] Ebenda, S.1.

[7] Nicklas, S. 131.

[8] Mann, S. 501.

[9] Mann, S.501, S.504, S.505, S.520.

[10] Nicklas, S. 131.

[11] Ebenda. S. 132.

Ende der Leseprobe aus 12 Seiten

Details

Titel
Die Zeitstruktur in "Der Tod in Venedig" von Thomas Mann
Hochschule
Westfälische Wilhelms-Universität Münster
Veranstaltung
Der Liebesdiskurs in Texten Thomas Mann
Note
2,3
Autor
Jahr
2004
Seiten
12
Katalognummer
V88649
ISBN (eBook)
9783638030083
ISBN (Buch)
9783638927895
Dateigröße
396 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Zeitstruktur, Venedig, Thomas, Mann, Liebesdiskurs, Texten, Thomas, Mann
Arbeit zitieren
Simone Bender (Autor), 2004, Die Zeitstruktur in "Der Tod in Venedig" von Thomas Mann, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/88649

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