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Macht und Gewalt durch Pflegende in Pflegestationen deutscher Krankenhäuser? Eine Analyse des stationären pflegerischen Alltags

Titel: Macht und Gewalt durch Pflegende in Pflegestationen deutscher Krankenhäuser? Eine Analyse des stationären pflegerischen Alltags

Masterarbeit , 2020 , 79 Seiten , Note: 1,6

Autor:in: Klaus Schrage (Autor:in)

Pflegewissenschaft - Gewalt in der Pflege
Leseprobe & Details   Blick ins Buch
Zusammenfassung Leseprobe Details

Gewalt in der Pflege ist ein relevantes Problem, auch wenn nicht genau bekannt ist, wie häufig es tatsächlich vorkommt. Mediale Aufmerksamkeit erlangte das Thema spätestens durch den Fall des Krankenpflegers Niels Högel, der im Juni 2019 wegen 85-fachen Mordes zu lebenslanger Haft verurteilt wurde.

Welche institutionellen Rahmenbedingungen gingen Patiententötungen in bekannten Fällen voraus und haben diese begünstigt? Warum sind diese trotz vorhandener Verdachtsmomente nicht unterbunden worden? Lassen sich die institutionellen Ursachen der Gewalt theoretisch erklären? Welche anderen Ursachen und Auslöser für Gewalt gibt es und welche Präventionsmaßnahmen leiten sich aus den Ergebnissen ab?

Klaus Schrage verdeutlicht, inwieweit und in welchem Ausmaß Pflegende Macht und Gewalt in deutschen Krankenhäusern ausüben. Am Beispiel des Falls Niels Högel erklärt er die Komplexität der Entstehung von Gewalt und warnt davor, einzelne Faktoren isoliert zu betrachten. Sein Fokus liegt dabei auf den institutionellen Ursachen der Gewalt, für die er konkrete Präventionsmaßnahmen vorstellt. Sein Buch richtet sich vornehmlich an Personalmanager und Mitarbeiter/innen in Pflege- und Betreuungseinrichtungen.

Leseprobe


Inhaltsverzeichnis

1 Einleitung

2 Ziel, Fragestellung und Aufbau

3 Methodik

4 Theoretisches Verständnis von Macht und Gewalt

4.1 Die personale (direkte) Gewalt

4.2 Die strukturelle Gewalt

4.3 Kulturelle Gewalt

5 dip-Studie

5.1 Methodik der Stichprobe

5.2 Gewalterfahrungen im Pflegealltag

6 Fazit und mögliche Präventivmaßnahmen

Zielsetzung & Themen

Die Arbeit untersucht inwieweit und in welchem Umfang Macht und Gewalt durch Pflegende in Pflegestationen deutscher Krankenhäuser ausgeübt wird, wobei insbesondere institutionelle Rahmenbedingungen und organisatorisches Schweigen analysiert werden, um Präventionsmaßnahmen abzuleiten.

  • Analyse des Falls Niels Högel als Beispiel für institutionelles Versagen
  • Theoretische Fundierung von Macht und Gewalt (Goffman, Galtung, Foucault)
  • Untersuchung von Organisationsverschulden und Qualitätssicherung
  • Darstellung empirischer Ergebnisse zur Gewalterfahrung in der Pflege
  • Diskussion über Präventionsansätze wie "Speaking Up" und Fehlerkultur

Auszug aus dem Buch

4.1.2 Organisationsverschulden

Organisationsverschulden ist im Deliktsrecht die Haftung wegen der Verletzung von Organisationspflichten oder wegen Nichterfüllung rechtlicher Anforderungen an betriebliche organisatorische Maßnahmen. Damit wird das Verschulden in Organisationen nicht unbedingt der handelnden Person zugeordnet. In den typischen Anwendungsfällen wird damit ein organisationsbedingter Fehler eines Arbeitnehmers dem Arbeitgeber angelastet (vgl. WIKIPEDIA 2020: Organisationsverschulden).

Zur Beantwortung dieser Fragen ist ein detaillierter Blick auf die Leitungs- und Organisationspflichten des Unternehmens „Krankenhaus“ notwendig. Es lassen sich abgeleitet aus § 130 OWiG, einige grundlegende Unternehmerpflichten beschreiben, die in jedem Unternehmen Anwendung finden sollten (vgl. FLEISCHER 2008: 1, 2). Der Umfang der Organisationspflichten variiert und ist von Art, Größe, Organisation und der vom Unternehmen zu beachtenden Vorschriften abhängig (vgl. FLEISCHER 2003: 291, 292). Auch der Geschäftsgegenstand oder das Operationsgebiet des Unternehmens sind von Bedeutung. Ein Unternehmen, das etwa in hohem Maße mit Insiderinformationen umgeht, hat von vornherein gesteigerte Organisationspflichten, um diese Informationen systemisch besonders zu schützen (vgl. HAUSCHKA/GREEVE 2007: 165-173). Sowohl beim Klinikum Oldenburg als auch beim Klinikum Delmenhorst kann man von einem „größeren Unternehmen“ sprechen.

Die Unternehmensleitung muss geeignete und zumutbare organisatorische Maßnahmen treffen, um Regelverstöße von Mitarbeitern zu verhüten oder zumindest zu erschweren. Dazu gehören eine trennscharfe Festlegung der Verantwortlichkeiten einzelner Mitarbeiter und Aufsichtspersonen sowie deren Dokumentierung. Außerdem kann sich bei größeren Unternehmen die Notwendigkeit ergeben, eine Revisionsabteilung einzurichten und personell angemessen auszustatten. In jedem Unternehmen muss es Mechanismen geben, die alle Mitarbeiter von den an sie übertragenen Pflichten auf dem Laufenden halten, beispielsweise durch Mitarbeiterschulungen (vgl. BOCK 2009: 68, 78). Für die Gewaltanwendung des Personals gegenüber Patienten im Krankenhaus sind häufig mangelnde Aufsicht und eine kalte, enthumanisierende und eine entpersonalisierende Atmosphäre mitursächlich (vgl. HEITMEYER/SCHRÖTTLE 2006: 113). Es herrscht ein rauer Umgangston und das Personal leistet sich degradierende Übergriffe in der Wortwahl. Es mangelt an emotionaler Zuwendung gegenüber alten Menschen. Durch permanenten Kontakt mit dem Sterben ist das Personal oft stark psychisch belastet.

Zusammenfassung der Kapitel

1 Einleitung: Die Einleitung beleuchtet die Relevanz von Macht und Gewalt in der Pflege und thematisiert den Fall des Krankenpflegers Niels Högel als Beispiel für systemisches Versagen.

2 Ziel, Fragestellung und Aufbau: Dieses Kapitel definiert das Ziel der Arbeit, Gewalt in deutschen Pflegestationen zu untersuchen, und stellt die zentralen Forschungsfragen sowie den strukturellen Aufbau vor.

3 Methodik: Es wird das methodische Vorgehen erläutert, das eine Literaturrecherche und die Analyse verschiedener theoretischer Ansätze und Messinstrumente umfasst.

4 Theoretisches Verständnis von Macht und Gewalt: Das Kapitel bietet eine theoretische Fundierung der Begriffe Macht und Gewalt und untersucht institutionelle Faktoren sowie Organisationsverschulden.

5 dip-Studie: Hier werden die Ergebnisse einer Befragung zu Gewalterfahrungen in der Pflege vorgestellt und analysiert.

6 Fazit und mögliche Präventivmaßnahmen: Das Fazit fasst die Ergebnisse zusammen und diskutiert notwendige organisatorische und kulturelle Veränderungen zur Prävention von Gewalt.

Schlüsselwörter

Macht, Gewalt, Krankenhaus, Pflege, Niels Högel, Patientenmorde, Organisationsverschulden, institutionelle Rahmenbedingungen, Speaking Up, Gewaltprävention, Pflegemanagement, Totale Institution, professionelle Pflege, Fehlerkultur, Qualitätssicherung.

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?

Die Arbeit untersucht das Phänomen von Macht und Gewalt durch Pflegende in deutschen Krankenhäusern und analysiert, welche institutionellen Strukturen solche Übergriffe begünstigen.

Was sind die zentralen Themenfelder?

Zu den Schwerpunkten gehören das theoretische Verständnis von Macht, das Konzept der Totalen Institution, Organisationsverschulden, das Phänomen des "toten Schweigens" und empirische Studien zu Gewalterfahrungen.

Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?

Ziel ist es zu klären, inwieweit und in welchem Umfang Macht und Gewalt durch Pflegende ausgeübt werden und welche institutionellen Ursachen und Präventionsmaßnahmen dabei eine Rolle spielen.

Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?

Die Arbeit basiert auf einer fundierten Literaturrecherche und der Analyse bestehender Studien, Theorien und Falldokumentationen.

Was wird im Hauptteil behandelt?

Im Hauptteil werden theoretische Modelle zur Entstehung von Gewalt, die rechtliche Haftung, das Organisationsverschulden sowie spezifische Ergebnisse zur Gewalterfahrung in der Pflege diskutiert.

Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?

Zentrale Begriffe sind Macht, Gewalt, Pflegestation, Niels Högel, Organisationsverschulden, Prävention und institutionelle Rahmenbedingungen.

Welche Rolle spielt der Fall Niels Högel in der Untersuchung?

Der Fall dient als zentrales, exemplarisches Beispiel für die Komplexität der Entstehung von Gewalt und das Zusammenwirken eines Systems, das solche Taten über Jahre hinweg ermöglicht hat.

Was bedeutet das Konzept der „Totalen Institution“ in diesem Zusammenhang?

Das Konzept beschreibt Krankenhausstrukturen, in denen die Lebensbereiche der Patienten stark reglementiert sind und institutionelle Zwänge die Entstehung von Machtmissbrauch begünstigen können.

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Details

Titel
Macht und Gewalt durch Pflegende in Pflegestationen deutscher Krankenhäuser? Eine Analyse des stationären pflegerischen Alltags
Hochschule
Hamburger Fern-Hochschule  (Gesundheit und Pflege)
Note
1,6
Autor
Klaus Schrage (Autor:in)
Erscheinungsjahr
2020
Seiten
79
Katalognummer
V888833
ISBN (eBook)
9783346204844
ISBN (Buch)
9783346204851
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Gewalt in der Pflege Gewaltprävention Personalführung Haftung in der Pflege institutionelle Gewalt strukturelle Gewalt Organisationsverschulden Patiententötung Niels Högel
Produktsicherheit
GRIN Publishing GmbH
Arbeit zitieren
Klaus Schrage (Autor:in), 2020, Macht und Gewalt durch Pflegende in Pflegestationen deutscher Krankenhäuser? Eine Analyse des stationären pflegerischen Alltags, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/888833
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Leseprobe aus  79  Seiten
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