Im Rahmen dieser Arbeit wurde eine Untersuchung durchgeführt, die den Einfluss einer Exergame-Bewegungsintervention auf die Gelenkwinkelvariabilität während des Gangzyklus bei Personen im Alter über 60 Jahren evaluieren sollte.
Zahlreiche Krankheiten sind mit einer Erhöhung der Gangvariabilität assoziiert. Gangvariabilität ist ein Marker für die Regelmäßigkeit, Balance und Kontinuität des Gangs. Mobilität, also die Funktion eigenständig, zumindest kleine Strecken, gehen zu können ist die Grundlage eines autonomen Lebens mit sozialer Teilhabe. Kann dieses nicht mehr gewährleistet werden, können Komorbiditäten wie psychische Leiden sowie Herz-Kreislauf-Erkrankungen und körperliche Beschwerden in Folge der Inaktivität daraus resultieren. Schlussfolgernd sollten bei Anzeichen einer erhöhten Gangvariabilität Maßnahmen ergriffen werden, die dazu beitragen das Gangbild zu stabilisieren und rhythmisieren. Methoden, die diese Ziele erreichen wollen, sind zahlreich erforscht worden. Zumeist handelt es sich um bewegungstherapeutische Inhalte. Eine moderne Form davon sind Exergames. Dies sind Videospiele, in denen kognitive und körperliche Attribute gleichermaßen trainiert werden.
Zunächst werden theoretische Grundlagen zur Entstehung von Variabilität in motorischen Systemen erörtert. Anschließend soll das Konstrukt Gangvariabilität erschlossen werden. Dabei werden eine Begriffsabgrenzung, Entstehungsursachen und Formen von Schrittfluktuationen dargelegt. Danach wird der aktuelle Forschungsstand beleuchtet, insbesondere die Korrelation von Gangvariabilität mit steigendem Alter und einer erhöhten Sturzgefahr sowie der Zusammenhang zu spezifischen Erkrankungen. Auch Interventionsmöglichkeiten, um die individuelle Gangvariabilität zu verbessern, werden thematisiert. Abgeschlossen wird die theoretische Themenerschließung mit den statistischen Grundlagen, wie Schrittfluktuationen messbar und auswertbar gemacht werden können. Nachfolgend wird die Untersuchungsmethodik erörtert. Dabei werden zunächst der Ablauf und die Struktur der Probandengruppen skizziert, ehe sich die detaillierte Beschreibung von Datenverarbeitung, statistischer Analyse und Datenauswertung sowie die Darlegung der Ergebnisse anschließen. Anschließend sollen die Ergebnisse kritisch betrachtet und eingeordnet werden. Abschließend soll die Arbeit zusammengefasst und ein Ausblick auf zukünftige Forschungen der Thematik geliefert werden.
Inhaltsverzeichnis
1 EINLEITUNG
2 VARIABILITÄT MOTORISCHER BEWEGUNG
3 GANGVARIABILITÄT – THEORETISCHER HINTERGRUND
3.1 AKTUELLER FORSCHUNGSSTAND
3.1.1 Altersabhängigkeit der Gangvariabilität
3.1.2 Zusammenhang von Gangvariabilität mit ausgewählten Krankheitsbildern
3.1.3 Zusammenhang von Gangvariabilität und Sturzrisiko
3.2 INTERVENTIONEN BEI ERHÖHTER DER GANGVARIABILITÄT
3.3 MAßE ZUR OPERATIONALISIERUNG VON GANGVARIABILITÄT
4 UNTERSUCHUNG
4.1 UNTERSUCHUNGSABLAUF
4.2 PROBANDEN
4.3 DATENERFASSUNG
4.3.1 Apparative Voraussetzungen
4.3.2 Vorgehen am Untersuchungstag
4.4 DATENVERARBEITUNG
4.5 STATISTIK
4.6 UNTERSUCHUNGSERGEBNISSE
5 DISKUSSION
6 ZUSAMMENFASSUNG
Zielsetzung & Themen
Die Arbeit untersucht den Einfluss einer sechswöchigen videospielbasierten Bewegungsintervention (Exergaming) auf die Gelenkwinkelvariabilität beim Gehen bei Personen über 60 Jahren, um festzustellen, ob dieses Training zu einer Stabilisierung und Rhythmisierung des Gangbildes beitragen kann.
- Gangvariabilität als Indikator für Gangstabilität und Sturzrisiko
- Kinematische Analyse von Gelenkwinkelverläufen der unteren Extremität
- Evaluierung von Exergaming als moderne Trainingsmethode zur Sturzprävention
- Statistischer Vergleich zwischen Kontroll- und Trainingsgruppe mittels markerbasierter Ganganalyse
- Diskussion über methodische Herausforderungen und Effekte auf die sensomotorische Kontrolle
Auszug aus dem Buch
3 Gangvariabilität – theoretischer Hintergrund
Unter wissenschaftlicher Perspektive gleicht bei der aufrechten Fortbewegung des Menschen kein Schritt dem vorherigen. Dies ist ein immanentes Charakteristikum der Lokomotion und wird im Falle des Gehens als Gangvariabilität beschrieben (vgl. Socie et al., 2013a). Variabilität kann in diesem Zusammenhang als die dauerhafte Veränderung eines sich ständig wiederholenden Bewegungsmusters definiert werden (vgl. Antonellis, Galle, De Clercq & Malcolm, 2018). Folglich bezeichnet die Gangvariabilität also die Veränderungen beim zyklischen Bewegungsmusters des Gehens von Schritt zu Schritt. Die messbaren Parameter, die dabei fluktuieren können, sind sehr vielfältig. Zumeist werden räumlich-zeitliche, kinematische, kinetische und elektromyografische Daten herangezogen.
Das Studium der Gangvariabilität zielt, wie alle ganganalytischen Verfahren, grundsätzlich darauf ab, „das menschliche Gangbild und eventuell pathologische Abweichungen zu untersuchen und zu quantifizieren“ (Klöpfer-Krämer & Augat, 2015, S. 10). Schrittfluktuationen im Speziellen sind allen voran ein Marker von Stabilität und Regelmäßigkeit der Lokomotion. Ist die Gangvariabilität einer Person im Vergleich zu Referenzgruppen besonders hoch, können sich daraus einerseits Informationen über mögliche sensomotorische Defizite bzw. neurologische oder muskuloskelettale Erkrankungen des menschlichen Organismus ergeben. Andererseits kann sie aber auch darüber Aufschluss darüber geben, inwiefern und wie gut der Mensch dazu in der Lage ist, sein Gangverhalten an externe Umwelteinflüsse anzupassen. Somit dient die Analyse der Gangvariabilität der Evaluation einer intakten Gangfunktion, kann aber gleichzeitig auch genutzt werden, um die sensomotorische Adaptationsfähigkeit eines Menschen beim Gehen zu bewerten. Entscheidend ist die Klärung der Kausalität, wie eine erhöhte Variabilität im Einzelfall zustande kommt (vgl. Socie et al., 2013a).
Zusammenfassung der Kapitel
1 EINLEITUNG: Einführung in die Bedeutung des menschlichen Gangs, die Relevanz der Gangvariabilität für die Gesundheit und die Zielsetzung der Arbeit.
2 VARIABILITÄT MOTORISCHER BEWEGUNG: Erläuterung der theoretischen Grundlagen von Bewegungsvariabilität und des Konzepts der Freiheitsgrade nach Bernstein.
3 GANGVARIABILITÄT – THEORETISCHER HINTERGRUND: Detaillierte Betrachtung der Entstehungsursachen und Arten von Gangvariabilität sowie ein Überblick über den aktuellen Forschungsstand und Messverfahren.
4 UNTERSUCHUNG: Beschreibung des methodischen Aufbaus, der Datenerhebung, der statistischen Auswertung und der Ergebnisse der Interventionsstudie.
5 DISKUSSION: Kritische Auseinandersetzung mit den erzielten Ergebnissen, methodischen Limitationen und Interpretationsansätzen.
6 ZUSAMMENFASSUNG: Zusammenfassende Betrachtung der Studienergebnisse und Ausblick auf zukünftigen Forschungsbedarf.
Schlüsselwörter
Gangvariabilität, Gelenkwinkel, Exergaming, Sturzprävention, Biomechanik, Ganganalyse, Lokomotion, Bewegungsintervention, motorische Kontrolle, Alter, Schrittfluktuation, Kinematik, Trainingswissenschaft, Stabilität.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit untersucht den Einfluss einer sechswöchigen Exergame-Bewegungsintervention auf die Variabilität der Gelenkwinkel beim Gehen bei gesunden älteren Personen.
Was sind die zentralen Themenfelder der Untersuchung?
Zentrale Themen sind die Gangvariabilität als Marker für Stabilität, der Einfluss von Exergames auf die sensomotorische Funktion und die biomechanische Analyse des Gangzyklus bei Senioren.
Was ist das primäre Ziel der Forschungsarbeit?
Das Ziel war es zu prüfen, ob ein spezifisches Exergame-Training die Gelenkwinkelvariabilität beim Gehen positiv im Sinne einer Reduzierung der Fluktuationen beeinflussen kann.
Welche wissenschaftliche Methode wird in der Arbeit verwendet?
Es handelt sich um eine empirische Vergleichsstudie mit Kontroll- und Trainingsgruppe, bei der markerbasierte instrumentelle Ganganalysen mittels 3D-Bewegungserfassung und statistische Auswertungen (u.a. t-Tests, F-Tests) zum Einsatz kamen.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil umfasst die theoretischen Grundlagen der motorischen Variabilität und Gangvariabilität, den Forschungsstand sowie die detaillierte Darstellung des Untersuchungsdesigns, der Datenerfassung und der statistischen Ergebnisse.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die wichtigsten Begriffe sind Gangvariabilität, Exergaming, Gelenkwinkel, Sturzprävention und Biomechanik.
Warum konnte kein positiver Effekt durch Exergaming nachgewiesen werden?
Die statistische Analyse zeigte keine Reduzierung, sondern teilweise eine signifikante Erhöhung der Gelenkwinkelvariabilität nach dem Training, was laut Autor auf eine zu kurze Interventionsdauer oder eine initial sehr geringe Variabilität bei den gesunden Probanden zurückzuführen sein könnte.
Wie wurde die Gangvariabilität operationalisiert?
Die Gangvariabilität wurde durch die Standardabweichung der Gelenkwinkel über den gesamten Gangzyklus (0% - 100%) in Gradmaß gemessen.
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- Marius Gerbig (Author), 2020, Videospielbasierte Bewegungsintervention und ihre Möglichkeiten. Zum Einfluss auf die Variabilität der Gelenkwinkel bei älteren Personen, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/889037