Der Wiener Kongress

Vom Ballhaus am Prater zur Heiligen Allianz


Hausarbeit, 2007

16 Seiten, Note: 1,3


Leseprobe

Inhalt

A. Vorbemerkung
1. Ausgangslage
2. Fürstenbacchanal oder völkerechtliches Fundament

B. Der Verlauf des Wiener Kongresses
1. Personen und Interessenskonflikte während der Verhandlungen
2. Politische und territoriale Neuordnungen
3. Napoleons Rückkehr und der entgültige Sieg der Allianz

C. Schlußbetrachtung

Bibliographie:

A. Vorbemerkung

1. Ausgangslage

Im Herbst des Jahres 1814 machte sich Friedrich Wilhelm III. von Preußen auf den Weg nach Wien, in der Absicht, in den nächsten drei Wochen mit den alliierten Siegern über die napoleonische Herrschaft das Schicksal des gestürzten Feldherrn und seines geschlagenen Landes zu besiegeln. Was er nicht ahnte, war, daß diese Unternehmung von der ersten Konferenz bis zur Unterzeichnung der Schlußakte ganze neun Monate, vom 18. September 1814 bis zum 9. Juni 1815, dauern und mit der räumlichen sowie politischen Neuordnung Europas enden sollte.

Keine zwanzig Jahre zuvor hatte sich Napoleon Bonaparte binnen kürzester Zeit vom einfachen Korporal zum großen Feldherrn gewandelt, die Französische Revolution beendet und sich selbst als Kaiser an die Spitze Frankreichs gesetzt. Der gewaltige Elan und ein an Genie grenzender Witz, mit dem der neue Mann durch Europa marschierte, zwangen den europäischen Adel in die Knie. Napoleons Grenadiere rüttelten am lichten Schilde des Gottesgnadentums der Fürstenhäuser.

Aber spätestens seit der Völkerschlacht bei Leipzig, aus welcher der siegesverwöhnte Korse als Verlierer hervorging, sank der Stern des „Sohnes des Glücks“, der einen kometenhaften Aufstieg hinter sich hatte, um nun seinem endgültigen Untergang entgegen zu sehen. Mit den patriotischen Freiwilligenverbänden und der preußischen Landsturm-Ordnung des Jahres 1813 wurde die napoleonische Herrschaft in Deutschland beendet.[1] Der Pariser Frieden ließ Europas Fürsten aufatmen und ihre Völker hoffen.

2. Fürstenbacchanal oder völkerechtliches Fundament

Artikel XXXII. des Friedensvertrages bestimmte die Grundlage des Wiener Kongresses, indem er forderte: „In einer Frist von zwei Monaten werden alle Mächte, die auf der einen oder anderen Seite am gegenwärtigen Krieg beteiligt waren, Bevollmächtigte nach Wien schicken, um auf einem allgemeinen Kongreß die Vereinbarungen zu treffen, die den eben geschlossenen Vertrag vervollständigen sollen.“[2]

Und so trafen sich Vertreter aller Völker Europas in der Residenzstadt des Habsburgerkaisers Franz I. in Wien. Eingedenk der Hunderttausende zählenden Toten, die auf den Schlachtfeldern der vergangenen Jahre ihr Leben ließen, in der Hoffnung, eine dauerhafte Lösung für einen langanhaltenden, heißersehnten Frieden eines staatlichen Miteinanders auf dem festen Fundament eines europäischen Völkerrechts zu finden, gaben sich England, Österreich, Preußen, Rußland und das unter dem „allein durch die Bajonette der Alliierten wieder auf den Thron“ gelangten[3] Bourbonenkönig Ludwig XVIII. restaurierte Frankreich zum Europäischen Konzert der Mächte[4] die Ehre. Neben ihnen drängten mehr als 700 Delegierte aus über 200 Staaten[5], Städten und Gemeinden nach Wien, um an der Versammlung mitzuwirken.

Kaiser Franz I. war sich der Tragweite dieses Ereignisses durchaus bewußt und ließ Wien in voller Pracht erstrahlen. Unzählige rauschende Feste begleiteten den Wiener Kongreß, die das vom Staatsbankrott[6] des Jahres 1812 noch stark angeschlagene Haus Österreich immens belasteten. Insgesamt riß die Unterhaltung der Kongreßteilnehmer ein Loch von ganzen 16 Millionen Gulden in die österreichische Staatskasse, doch bemühte sich der Gastgeber, seinen Staat als stark, finanziell saniert und großzügig erscheinen zu lassen.[7]

Die Feste und Feierlichkeiten prägten das Bild des Wiener Kongresses, dessen politisch-diplomatische Aufgaben nur äußerst schleppend vorangingen. Der österreichische Feldmarschall Fürst von Ligné[8] bemerkte dazu bissig: „Le congrès ne marche pas, il danse.“[9]

Das zügellose Treiben der Gesandten in Wien sorgte bei allem Verantwortungsbewußtsein um die hohe Politik bei Kritikern jedoch häufig für ätzenden Spott.

Heinrich von Treitschke, der klar für die preußische Seite Partei ergreift, tadelte dieses Verhalten der Diplomaten scharf: „Häßlicher als die unvermeidliche Sittenlosigkeit dieses großen Fürstenbacchanals erschien die lächelnde Verlogenheit, die sich jetzt zur Virtuosität ausbildete; wer hier etwas gelten wollte, mußte sich auf die Kunst verstehen, morgens ein geheimes Kriegsbündnis gegen seine täglichen Tischgenossen abzuschließen und nachmittags mit den nämlichen Freunden wieder in ungetrübter Zärtlichkeit zu verkehren.“[10] Auch unterstellt er diesen, in eitler Fürstenherrlichkeit die Zeichen der neuen Zeit bewußt zu mißachten: „Es schien, als wollte der wiederhergestellte alte Fürstenstand den Völkern Europas recht gründlich zeigen, für welches Nichts sie geblutet hatten. Man hat viel von Napoleon gelernt, (…) unter anderem auch die Frechheit.“[11]

Doch bei aller Kritik können diese lebhaften Tage mit dem Abschluß der Kongreßakte und ihres die Unterzeichner bindenden Charakters als die Geburtsstunde des europäischen Völkerrechts gelten.

Nach dem Zusammenbruch des napoleonischen Imperiums drängte sich den Delegierten die Frage einer territorialen Neuordnung Europas auf. Man wollte die Gelegenheit einer bereinigten Ausgangslage für alle Beteiligten nutzen, das alte Prinzip von Kräftegleichheit der Ordnungsmächte wiedereinzuführen. Ebenso wichtig war den Versammelten die Restauration des durch die Französische Revolution arg in Mitleidenschaft gezogenen Legitimitätsgrundsatzes absolutistischer Herrschaft.

Die Souveräne der anwesenden Staaten waren sich in dieser Frage einig, daß Souveränität eine Gnade „von oben“ und durch Geburt abgeleitet sei und keinesfalls das Volk als Nutznießer „von unten“ einer solchen Kür ihnen die Unfehlbarkeit absprechen könne.

Am wichtigsten schien jedoch die Lösung des französischen Problems zu sein. Frankreich hatte durch seine zahlreichen Expansionen ganz Europa in seinen Bann gezogen, war nun zwar militärisch geschlagen und Napoleon, dem laut eigenem Bekunden ein Verhandlungsfrieden zu seinen Ungunsten aufgrund seiner Herkunft unmöglich gewesen ist,[12] nach seiner Abdankung vom 14. April 1814 in Fontainebleau auf die Insel Elba verbannt, doch gärte es im Inneren bedrohlich. Royalistische Sympathisanten standen republikanischen Revolutionären und napoleontreuen Gruppen in bitterer Feindschaft gegenüber. Das gesellschaftliche Gefüge drohte zu kippen. Ohne innenpolitische Stabilität war Europa vor Frankreich nicht sicher. Die Restauration der Bourbonen durch die Alliierten entbehrte also nicht eines großen Teils an Pragmatismus.[13]

Durch den Anschluß Österreichs an die Kriegskoalition am 11. August 1813, die Napoleons weiteres Kriegsglück zunichte machte und so eine Wende in den Befreiungskriegen einläutete, hielt Metternich „jetzt alle Fäden in seiner Hand“[14] und wurde „praktisch Ministerpräsident der Koalition.“[15] Unter seiner Führung reifte die Idee, in Frankreich den Bruder des während der Revolution ermordeten Königs mit einer konstitutionellen Verfassung auf den Thron zu setzen. Unter behutsamer Wahrung der französischen Interessen wurde am 30. Mai 1814 mit Ludwig XVIII. der Frieden von Paris geschlossen.

[...]


[1] Siehe Fehrenbach, Elisabeth: Vom Ancien Régime zum Wiener Kongreß (Oldenbourg Grundriß der

Geschichte, Bd. 12), 4. Aufl., München 2001, S. 119.

[2] Vgl. v. Ilsemann, Alexandra: Die Politik Frankreichs auf dem Wiener Kongreß. Talleyrands außenpolitische

Strategien zwischen Erster und Zweiter Restauration (Beiträge zur deutschen und europäischen Geschichte,

Bd. 16), Hamburg 1996, S. 84.

[3] Siehe v. Ilsemann, Die Politik Frankreichs auf dem Wiener Kongreß, S. 56.

[4] Ebd., S. 13.

[5] Die Zahlen variieren, je nach Quelle, zwischen 450 und 700, vgl. Treitschke (450) und Meyers

Conversationslexikon 1880 (700)

[6] Vgl. Spiel, Hilde (Hrsg): Der Wiener Kongreß in Augenzeugenberichten, München 1978, S. 13.

[7] Siehe Braubach, Max: Von der Französischen Revolution bis zum Wiener Kongreß (Gebhardt. Handbuch der

deutschen Geschichte, Bd. 14), 9. Aufl., München 1987, S. 151.

[8] Kissinger schreibt dieses Zitat dem Fürsten von Lüttich mit folgendem Wortlaut zu: „Le Congés danse, mais il

ne marche pas“ und kommentiert diesen Ausspruch, daß man übersah, „daß der Kongreß in eine Falle tanzte.“,

Vgl. Kissinger, Henry: Das Gleichgewicht der Großmächte. Metternich, Castlereagh und die Neuordnung

Europas 1812-1822, Düsseldorf 1991, S. 187.

[9] Siehe Spiel, Wiener Kongreß, S. 1.

[10] Vgl. Treitschke, Heinrich von: Deutsche Geschichte im Neunzehnten Jahrhundert, Bd. 1, Leipzig 1928,

S. 587.

[11] Vgl. Treitschke, Deutsche Geschichte, Bd.1, S. 589.

[12] Während einer Unterredung am 26. Juli 1813 in Dresden erklärte Napoleon gegenüber Metternich: „Eure

Herrscher, geboren auf dem Throne, können sich zwanzigmal schlagen lassen und doch immer wieder in ihre

Residenz zurückkehren; das kann ich nicht, ich, der Sohn des Glücks! Meine Herrschaft überdauert den Tag

nicht, an dem ich aufgehört habe, stark und folglich gefürchtet zu sein.“, Siehe Fehrenbach, Vom Ancien

Régime zum Wiener Kongreß, S. 124.

[13] Ebenso Ilsemann, Die Politik Frankreichs auf dem Wiener Kongreß, S. 59.

[14] Siehe Kissinger, Das Gleichgewicht der Großmächte, S. 99.

[15] Siehe Fehrenbach, Vom Ancien Régime zum Wiener Kongreß, S. 124.

Ende der Leseprobe aus 16 Seiten

Details

Titel
Der Wiener Kongress
Untertitel
Vom Ballhaus am Prater zur Heiligen Allianz
Hochschule
Friedrich-Schiller-Universität Jena
Note
1,3
Autor
Jahr
2007
Seiten
16
Katalognummer
V89046
ISBN (eBook)
9783638025362
Dateigröße
380 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Wiener, Kongress
Arbeit zitieren
Sven Lachhein (Autor), 2007, Der Wiener Kongress, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/89046

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