Interaktion und Anerkennung im Unterricht - Analyse anhand eines Textausschnittes


Hausarbeit, 2006
18 Seiten, Note: 1,0

Leseprobe

Inhalt

1. Vorwort
Warum sind Interaktion und Anerkennung im täglichen Leben so wichtig?
Weshalb sind diese Begriffe auch für den schulischen Kontext von Bedeutung?

2. Interpretation des vorgegebenen Textausschnittes

3. Zusammenfassung der Interpretationsergebnisse mit Bezugnahme auf die Literatur

4. Reflexion zum Orientierungspraktikum

5. Bibliographie

1. Vorwort

Interaktion ist die Bezeichnung für jede Art von Wechselbeziehung, sowohl zwischen Menschen als auch zwischen Menschen und Objekten. Bei der sozialen Interaktion werden Individuen oder Gruppen durch Kommunikation wechselseitig beeinflusst. Anerkennung meint die Akzeptanz einer Person als Mitglied der Gesellschaft mit deren positiven und negativen Eigenschaften.

Warum sind Interaktion und Anerkennung im täglichen Leben so wichtig?

Durch das Interagieren und Kommunizieren untereinander entsteht das Gefühl für die eigene Identität in Abgrenzung von anderen. Erst durch das Wissen über die eigene Identität ist es möglich andere mit ihren spezifischen Eigenschaften anzuerkennen. Gegenseitiger Respekt und Achtung voreinander sind sehr wichtig für jede Art von Zusammenleben. Das Wesen des anderen zu missachten oder ihn aufgrund von Vorurteilen auszuschließen bedeutet ihm die Anerkennung zu verweigern, ihn also zurückzuweisen, in der Gefahr ihn somit zum Außenseiter zu machen.

Weshalb sind diese Begriffe auch für den schulischen Kontext von Bedeutung?

Kinder und Jugendliche sind noch in der Phase der Entwicklung zum Erwachsenen, sowohl physisch als auch psychisch. Die Entwicklung ist ein einzigartiger Vorgang, der bei verschiedenen Menschen unterschiedlich verlaufen kann. Deshalb ist es wichtig, dass die Heranwachsenden lernen sich mit Unterschieden jeglicher Art kritisch auseinander zu setzen.

Anerkennung ist auch für die Bildung des Selbstbewusstseins notwendig, denn genau wie die Identität kann sich das eigene Bewusstsein erst durch das Vorhandensein und die Abgrenzung von fremden entwickeln. Nicht-Anerkennung in Form von Misstrauen führt bei Kindern/ Jugendlichen zu Verunsicherung.

Die Erwachsenen (in der Schule vor allem die Lehrer) müssen sich bewusst sein, dass Interaktion und Anerkennung wichtig sind für den Reifeprozess und für die Ausbildung des Selbstbewusstseins. Die Schüler müssen lernen angemessen mit anderen umzugehen (sowohl mit Schülern, als auch Lehrern, als auch anderen Personen), denn gerade emotionale Anerkennung ist die Basis für das Selbstvertrauen und Vertrauen in andere.

Besonders wichtig ist in der Schule die kognitive Anerkennung, denn diese zielt auf die prinzipielle Gleichberechtigung, wodurch die Selbstachtung und die Achtung für andere entsteht.

2. Interpretation des vorgegebenen Textausschnittes

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

In der Gruppenarbeit vom 10/06/06 bis 21/06/06 wurden die Prinzipien der objektiv-hermeneutischen Textinterpretation, bestehend aus Kontextfreiheit, Wörtlichkeit, Sequentialität, Extensivität und Sparsamkeit, angewendet. Es treten in dem zu interpretierenden Textabschnitt vier verschiedene Sprecher auf. Das gegenseitige Verhältnis derer sollte nun zunächst kontextfrei analysiert werden, das heißt die Bedeutung der Äußerungen wird nur als solche erklärt, indem gedankenexperimentelle Kontexte konstruiert werden.[1] Durch das Prinzip der Wörtlichkeit werden die Worte des Textes einzeln und sehr genau untersucht und somit wird ihnen eine mehr oder minder wichtige Rolle bezüglich der Textinterpretation zugeordnet. Ohne die wörtliche Interpretation würde nur die Textintention berücksichtigt werden, die im Text manifest auftritt, wohingegen latente Sinninhalte erst durch das Prinzip der Wörtlichkeit sichtbar gemacht werden können.2

Sequentialität bedeutet, dass der Text strikt dem vorgegebenen Ablauf folgt, also von Sequenz zu Sequenz; ohne „Wandern“ zwischen den Textstellen. Innerhalb der Gruppe wurde entschieden den Text in 15 Sequenzen zu unterteilen. Diese müssen, gemäß dem Prinzip der Extensivität ausinterpretiert werden. Unter Extensivität versteht man zum einen die Vollständigkeit der Elemente des Textes und zum anderen die der Lesarten des Textes.

Sparsamkeit ist insofern wichtig, da nur Hypothesen zugelassen werden können, die anhand des Textes überprüfbar sind.

Um den oben stehenden Textausschnitt nun sachgerecht interpretieren zu können, sind drei Schritte nötig: man muss Geschichten erzählen, Lesarten bilden und diese Lesarten mit dem tatsächlichen Kontext konfrontieren.3 In der Gruppe haben wir uns folgende vier Geschichten überlegt, in denen jene Sequenzen auftreten können:

Zu Sequenz 1:

a) S1 ist ein Lehrer und Markus einer seiner Schüler. Es wird gerade ein Test oder eine Klausur zurückgegeben. Die Stunde hat gerade erst begonnen und der Lehrer verkündet, dass nun die Rückgabe der Tests erfolgt. Markus ist der erste, dessen Test ausgewertet wird. Der Lehrer verweist auf die Fehler, die Markus gemacht hat. Er wertet die Tests der Schüler also öffentlich in der Klasse aus.
Wird der Lehrer auch die Zensuren ansagen?
b) S1 ist ein Vater und Markus sein Sohn. Der Vater hat gerade die Hausaufgaben von Markus kontrolliert und stellt fest, dass sein Sohn nicht alles korrekt gelöst hat und konfrontiert ihn damit.
c) Um den Kontext noch freier zu gestalten, ist es möglich bestimmte Wörter auszutauschen. In dem Fall haben wir „Schusselfehler“ durch „Tore“ ersetzt. Demnach könnte der Trainer einer Fußballmannschaft den Torwart zur Rede stellen, dass er zwei „blöde“ Tore durchgelassen hat.
d) S1 ist ein Freund von Markus. Dieser erzählt ihm, dass er (selbst) in einem Test zwei Schusselfehler gemacht hat. Der Freund erzählt also Markus wie seine Leistung im Test war.

Zu diesen vier Varianten der ersten Sequenz gibt es zwei verschiedene Lesarten. Zum einen wird eine Person von einer anderen Person, in dem Fall einer Autoritätsperson, bewertet. Zum anderen erfolgt die Bewertung durch sich selbst. Die Varianten mit dem Lehrer und dem Torwart geschehen in einem öffentlichen Rahmen, während die anderen im Privaten ablaufen.

Das Wort „blöde“ schließt eine negative Wertung einer anderen Person oder auch sich selbst ein. Somit kann die Frage gestellt werden, ob Markus nun generell ein guter oder schlechter Schüler (Torwart) ist und auch wie die Geschichte weiterhin verlaufen wird.

Zu Sequenz 2:

a) Obwohl diese Sequenz nur aus einem Wort besteht, gibt es durchaus mehrere Interpretationsmöglichkeiten. „Zwei“ bedeutet entweder die Note, die der Schüler, also Markus, für seinen Test bekommen hat oder die Anzahl der Fehler, nämlich zwei, wird noch einmal betont. Wenn letzteres der Fall ist, so kann der Lehrer die Fehlerzahl freundlich betonen, denn es waren nur zwei Fehler, die nicht weiter schlimm waren. Oder es kann traurig betont werden, wenn der Lehrer selbst über die zwei Fehler sehr enttäuscht von Markus ist. Eine Betonung auf gemeine oder hämische Weise wäre auch denkbar, wenn der Lehrer Markus nicht mag oder genervt ist von den ständigen Schusselfehlern. Also von Fehlern, die nicht aus dem Unwissen resultieren, sondern aus der vorübergehenden Gedankenlosigkeit.

b) In diesem Fall ist es unwahrscheinlich, das der Vater dem Sohn bei der Hausaufgabenkontrolle eine Note gibt, die Betonung der Anzahl der Fehler ist passender.

Der Vater kann erfreut sein, dass sein Sohn dieses Mal nur zwei Fehler gemacht hat und diese auch nur aus Schusseligkeit. Die traurige Weise der Betonung kann beim Vater in Richtung Verzweiflung gehen, da sein Sohn selbst die einfachsten Aufgaben nicht einwandfrei lösen kann. Möglich ist auch, dass der Vater sogar wütend wird über diese zwei Schusselfehler, weil sein Sohn sich bei der Erledigung der Hausaufgaben nicht richtig konzentriert.

c) Der Trainer wiederholt die Anzahl der Tore, die hätten vermieden werden müssen. Er wird dies nicht erfreut sagen, sondern sehr verärgert bzw. wütend. Denkbar ist, dass nun für den Torwart entsprechende Konsequenzen folgen werden.

[...]


[1] Wernt, Andreas: „Die Prinzipien der objektiv-hermeneutischen Textinterpretation“, in: Einführung in die Interpretationstechnik der objektiven Hermeneutik (2000), S. 21-38.

2 Ebd., S. 25-26.

3 Ebd., S. 39.

Ende der Leseprobe aus 18 Seiten

Details

Titel
Interaktion und Anerkennung im Unterricht - Analyse anhand eines Textausschnittes
Hochschule
Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg
Veranstaltung
Fallseminar
Note
1,0
Autor
Jahr
2006
Seiten
18
Katalognummer
V89345
ISBN (eBook)
9783638026635
Dateigröße
375 KB
Sprache
Deutsch
Anmerkungen
Kommentar des Dozenten: es gibt nichts auszusetzen
Schlagworte
Interaktion, Anerkennung, Unterricht, Analyse, Textausschnittes, Fallseminar
Arbeit zitieren
Alida Koch (Autor), 2006, Interaktion und Anerkennung im Unterricht - Analyse anhand eines Textausschnittes, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/89345

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