Bevölkerungsentwicklung und ihre Folgen

Hainichen typisch sächsisch?


Seminararbeit, 2007
21 Seiten, Note: 1,7

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung
1.1. Problemstellung
1.2. Aufbau
1.3. Forschungsstand

2. Bevölkerungsgeographie
2.1. Grundlage
2.2. Die natürliche Bevölkerungsbewegung
2.2.1. Bewegte Bevölkerung
2.2.2. Fertilität
2.2.3. Mortalität
2.3. Bevölkerungswanderung
2.3.1. Wandernde Bevölkerung
2.3.2. Wanderungstypen

3. Sachsen - Land und (ohne) Leute
3.1. Bevölkerungsentwicklung in Hainichen und Sachsen
3.1.1. Bevölkerungsrückgang im real existierenden Sozialismus
3.1.2. Die Wendejahre 1989/90
3.1.3. Negativwachstum als Normalzustand
3.2. Aktuelle Situation
3.2.1. Potential für Ostdeutschland?
3.2.2. Wohnraumüberschuss in Hainichen

4. Zahlenspiele und deren Folgen – Schlussbetrachtung

5. Bibliographie
Monographien

6. Anhang

Tabelle 1 Bevölkerungsentwicklung in Sachsen 1982-2006

Tabelle 2 Bevölkerungsentwicklung in Hainichen 1982-2006

Tabelle 3 Geburten- und Sterberaten in Deutschland 1950-2006

1. Einleitung

1.1. Problemstellung

Oft wird das Problem schrumpfender Städte und Gemeinden von Presse und Politik beschrieben. Es gibt Horrorszenarien, die das Aussterben von Kleinstädten und Dörfern voraussagen. Neben dem Wegzug vor allem junger Menschen wird auch die niedrige Geburtenrate als Grund ins Feld geführt. So wird schon von einem Männerüberschuss geschrieben. Dem liegt eine Studie des Berlin-Instituts für Bevölkerung und Entwicklung zu Grunde. Unter dem Titel „Not am Mann“[1] kommen die Autoren zu dem Schluss: „Durch die selektive Abwanderung von jungen Frauen ist in den neuen Bundesländern vielerorts eine sehr ungewöhnliche Geschlechterverteilung entstanden.“[2]

Betrachtet man allein die Entwicklung der Bevölkerungszahl im Gebiet des Freistaates Sachsen zwischen 1982 bis 2006, dann ergibt sich ein Bevölkerungsrückgang von 5.148.521 auf 4.249.774 Personen. Dies entspricht einem Rückgang der Bevölkerung von etwa 17,5% in 24 Jahren.[3] Allein der Bevölkerungsverlust für Sachsen in den Jahren der politischen Wende 1989/90 lag bei weit über 100.000 Personen pro Jahr. Doch nicht nur in den Wendejahren entstand der Bevölkerungsrückgang. Dies war ein kontinuierlicher Prozess, für den heute noch kein Ende absehbar ist.

In dieser Arbeit soll beispielhaft die Bevölkerungsentwicklung in der Stadt Hainichen betrachtet werden. Die Kleinstadt liegt zwischen Chemnitz und Dresden im Zentrum Sachsens. Das Umfeld ist ländlich geprägt. Zwischen 1982 und 2006 hat Hainichen 20,4% der Bevölkerung verloren. Während im Jahr 2006 9.314 Einwohner hier lebten, waren es 1982 noch 11.705.[4]

Eine Bevölkerung bewegt sich. Aber wie? Wie misst man Bevölkerungsbewegungen? Auch in Sachsen hat sich in den letzten Jahren viel verändert. Wie sah diese Entwicklung aus? Und ist Hainichen als sächsische Stadt auf dem gleichen Weg? Was bedeutet es, wenn Städte und Regionen von Einwohnern verlassen werden? Auf diese und weitere Fragen wird in dieser Arbeit eingegangen.

1.2. Aufbau

Im zweiten Kapitel wird zunächst das theoretische Fundament geschaffen. Es wird untersucht, wie sich die Bevölkerung entwickelt. Nachdem Methoden zur Bestimmung der natürlichen Bevölkerungsbewegung vorgestellt werden, wendet sich die Aufmerksamkeit der Bevölkerungswanderung hin.

Daran schließt sich eine Betrachtung von Sachsen im Allgemeinen und der Stadt Hainichen im Speziellen an. In diesem dritten Kapitel werden die Stationen der Bevölkerungsentwicklung beleuchtet, um die aktuelle Situation und die Folgen des negativen Wachstums an einem konkreten Beispiel zu zeigen.

Den Abschluss bildet das vierte Kapitel, in dem zunächst die Ausgangsfrage beantwortet wird, ob Hainichen typisch sächsisch ist. Abgerundet wird die Arbeit mit der Darstellung der Gefahr die erwächst, wenn die Politik nicht ausreichend und richtig auf die aktuelle Entwicklung reagiert.

1.3. Forschungsstand

Es ist ein breites Spektrum an Lehrbüchern zur Bevölkerungsgeographie vorhanden. Sowohl Jürgen Bähr, als auch Wolfgang Kuhls und Franz-Josef Kemper haben Bücher mit dem Titel „Bevölkerungsgeographie“ geschrieben. Diese beiden Werke dienen als Grundlage dieser Arbeit.

Aktuelle wie frühere Daten über Bevölkerungszahlen sind beim Statistischen Landes- und Bundesamt erhältlich. Dabei können Tabellen mit den nötigen Daten selbst erstellt und bearbeitet werden.

Die Auswirkungen und Folgen der Bevölkerungentwicklung sind vielseitig und zum Teil noch nicht absehbar. Aus diesem Grund gibt es eine Vielzahl an Studien und Arbeitsmaterialien, die sich damit beschäftigen und Handlungsansätze für die Politik bieten.

2. Bevölkerungsgeographie

2.1. Grundlage

Die Bevölkerungsgeographie und ihre Untersuchungen beziehen sich auf Bevölkerungszahlen und die Entwicklung dieser. Außerdem werden die Verteilung der Bevölkerung im Raum und eventuelle Veränderungen, sowie verschiedene Merkmale innerhalb der Bevölkerung betrachtet.[5] Diese können sein Geschlecht, Alter, soziale, wirtschaftliche und familiäre Stellung. Eine Definition der Bevölkerungsgeographie könnte durch eine Nennung der wesentlichen Arbeitsgebiete erfolgen:

„1. die Beschreibung räumlicher Bevölkerungsverteilungen und -strukturen (the where?),
2. die Erklärung dieser Verteilungsmuster (the why where?)“[6]

Die dafür notwendigen Daten werden über einen Zensus (Volkszählung) erhoben.[7] Aufgrund des Aufwands, der Kosten und des Datenumfangs werden Volkszählungen nur in großen Abständen durchgeführt, in Deutschland zuletzt 1987 (BRD) bzw. 1981 (DDR).[8] Um dennoch verlässliche Daten zu erhalten, werden die Ergebnisse eines Zensus fortgeschrieben. Diese Fortschreibungen entstehen durch eine Übermittlung von Daten der Ämter. Dabei werden Geburten- und Todesfälle ebenso gezählt, wie Weg- und Zuzüge.[9]

Der Mikrozensus ist eine Erhebung von Daten bei einer geringen Anzahl an Personen. Die daraus ermittelten Daten werden dann auf die Gesamtbevölkerung hochgerechnet. Diese Methode hat aber eine gewisse Fehlerquote.[10]

2.2. Die natürliche Bevölkerungsbewegung

2.2.1. Bewegte Bevölkerung

Eine Bevölkerung stagniert nicht, sie ist ständig in Bewegung. Menschen werden geboren, Menschen sterben. Menschen ziehen weg, Menschen ziehen zu. Eine Stabilität der Bevölkerungszahl ist dann gegeben, wenn sich Geburten- und Sterberate ausgleichen und sich auch die Zu- und Wegzüge in der Summe aufheben.[11]

Als „natürliche Bevölkerungsbewegung“ bezeichnet man die Veränderungen in der Bevölkerung aufgrund von Geburten und Sterbefällen. Demnach müssen Fertilitätsraten (Geburtenraten) und Mortalitätsraten (Sterberaten) betrachtet werden. Dafür gibt es verschiedene Methoden in der Bevölkerungsgeographie.[12] Im folgenden werden einige vorgestellt.

2.2.2. Fertilität

Die Fruchtbarkeitsrate lässt sich nach verschiedenen Methoden darstellen. Die „rohe (allgemeine) Geburtenrate“ (crude birth rate) setzt die Anzahl an lebendgeborenen Kindern innerhalb eines Zeiraums(B) ins Verhältnis zur mittleren Bevölkerungszahl Zeitraums(P). So ergibt sich folgende Gleichung:[13]

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Die damit ermittelte Geburtenziffer bestimmt also die Zahl der Lebendgeborenen pro 1000 Einwohner in einem bestimmten Zeitraum. Durch gewissenhafte Datenerhebung in Meldeämtern ist diese Berechnung auch für frühere Zeiten mit geringer Fehlerquote möglich.

Diese Berechnung sagt aber nichts direkt über die Reproduktionsfähigkeit der Bevölkerung aus, da die Zahl an Frauen im gebährfähigen Alter nicht beachtet wird. Dies ist anders bei der Betrachtung der allgemeinen Fruchtbarkeitsrate (general fertility rate). Dabei wird die Zahl der Lebendgeborenen(B) ins Verhältnis zur der Zahl der Frauen(F) im gebährfähigen Alter (15 bis 49 Jahre) gesetzt. Die Gleichung dafür sieht wie folgt aus:[14]

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Weitere Berechnungen, die andere Faktoren berücksichtigen, wie z.B. die Ehe sind möglich. Darauf soll an dieser Stelle aber nicht weiter eingegangen werden.

Betrachtet man die Geburtenraten in den verschiedenen Gegenden Deutschlands, so lassen sich Unterschiede ausmachen. „So treten als Gebiete relativ hoher Fruchtbarkeitsraten im nördlichen Deutschland der Nordwesten Niedersachsens und der Regierungsbezirk Münster hervor, während es sich in Süddeutschland um Teile Frankens, der Oberpfalz und Niederbayerns handelt.[15] Andererseits lassen sich in den Verdichtungsräumen unterdurchschnittliche Fertilitätsraten ausmachen. Unterschiedliche Fruchtbarkeitsraten innerhalb einzelner Länder lassen sich vor allem da beobachten, wo das Voranschreiten der Verstädterung und die Entwicklung der Industriegesellschaft sehr rasch vonstatten gehen. Doch Veränderungen in den Fertilitätsraten laufen in unterschiedlichen Geschwindigkeiten ab. Tiefgreifende Veränderungen sind innerhalb weniger Jahre sind ebenso möglich,wie Veränderungen über lange Zeiträume hinweg.[16]

In Deutschland wird seit einigen Jahren von einem Geburtenrückgang gesprochen. Dieser Geburtenrückgang, der in allen Industrieländern zu verzeichnen ist, hat seinen Ursprung vielmals bereits im 19. Jahrhundert. Neben der Industrialisierung, der Verstädterung, einer kulturellen und wirtschaftlichen Entwicklung ist auch die Entwicklung der Rolle der Frau ursächlich für diesen Rückgang. Aber auch die beiden Weltkriege des 20. Jahrhunderts hatten ihre Wirkung.[17]

[...]


[1] Berlin-Institut für Bevölkerung und Entwicklung (Hrsg.): Not am Mann. Von Helden der Arbeit zur neuen Unterschicht?, 1. Auflage, Berlin 2007, online unter: http://www.berlin-institut.org/pdfs/not_am_mann.pdf (27.09.2007).

[2] Ebd., S. 6.

[3] Vgl. Tabelle 1 im Anhang.

[4] Vgl. Tabelle 2 im Anhang.

[5] Kuhls, Wolfgang/Kemper, Franz-Josef: Bevölkerungsgeographie, 3. neubearbeitete Auflage, Stuttgart/Leipzig 2000, S. 21.

[6] Bähr, Jürgen: Bevölkerungsgeographie, 3. Auflage, Stuttgart 1997, S. 18.

[7] Kuhls/Kemper: Bevölkerungsgeographie, 2000, S. 21.

[8] Vgl. Deutscher Bundestag, online unter: http://www.bundestag.de/aktuell/archiv/2007/woche_kw38/index.html (27.09.2007).

[9] Vgl. Kuls/Kemper: Bevölkerungsgeographie, 2000, S. 24.

[10] Vgl. ebd., S. 25.

[11] Vgl. Bähr: Bevölkerungsgeographie, 1997, S. 173.

[12] Vgl. ebd., S. 174.

[13] Vgl. ebd., S. 182.

[14] Vgl. Kuls/Kemper: Bevölkerungsgeographie, 2000, S. 126.

[15] Ebd., S. 132.

[16] Vgl. ebd., S. 133.

[17] Vgl. ebd., S. 134-135.

Ende der Leseprobe aus 21 Seiten

Details

Titel
Bevölkerungsentwicklung und ihre Folgen
Untertitel
Hainichen typisch sächsisch?
Hochschule
Technische Universität Chemnitz  (Professur für Sozial- und Wirtschaftsgeographie)
Veranstaltung
Allgemeine Sozial- und Wirtschaftsgeographie
Note
1,7
Autor
Jahr
2007
Seiten
21
Katalognummer
V90054
ISBN (eBook)
9783638044158
ISBN (Buch)
9783638955782
Dateigröße
457 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Bevölkerungsentwicklung, Folgen, Allgemeine, Sozial-, Wirtschaftsgeographie
Arbeit zitieren
Kay Dramert (Autor), 2007, Bevölkerungsentwicklung und ihre Folgen, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/90054

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