Diese Arbeit vergleicht die Themenfelder Theaterspielen und Nacktheit, zeigt Gemeinsamkeiten auf und bietet somit einen möglichen Ausgangspunkt für die gezielte Verbindung von Theaterspielen und Nacktheit als Mittel zur positiven Entwicklung der sozialen Selbstwirksamkeitsüberzeugung Volljähriger im Kontext theaterdidaktischer Arbeit in einer Theatergruppe.
In ihren "Erkundungen über langfristige Wirkungen des Theaterspielens" wertet die Sozial- und Theaterpädagogin Romi Domkowsky eine Studie aus, die sie 2002 mittels dreier Interviews mit Menschen im Alter von 21 bis 23 Jahren durchgeführt hat. Im Rahmen jener, wie auch einer weiteren Studie, "Theaterspielen öffnet die Persönlichkeit", stellt sie fest, dass eine Eingliederung des Theaterspielens in den Alltag der befragten Jugendlichen eine positive Selbstwirksamkeitsüberzeugung im sozialen Bereich und viele weitere persönlichkeitsöffnende Entwicklungen zur Folge haben kann.
Die FKK ab Ende des 19. Jahrhunderts, die Hippie- und Studentenbewegungen der 1960er Jahre sowie die Verwendung von Nacktheit als theatrales Mittel in deutschen Theatern um die Jahrtausendwende theoretisieren über das Auftreten vergleichbarer Folgen in Bezug auf (kollektives) Nacktsein.
Inhaltsverzeichnis
1 Einleitung
2 Wirkungen vom Theaterspielen auf die soziale Selbstwirksamkeitsüberzeugung
3 Historische Ansätze zu Wirkungen von Nacktheit auf Körper, Geist und Gesellschaft
3.1 FKK um die Jahrhundertwende
3.2 Die Hippie- und Studentenbewegung der 1960er Jahre
3.3 Nacktheit in deutschen Theatern um die Jahrtausendwende
4 Nacktheit, Theaterspielen und soziale Selbstwirksamkeitsüberzeugung – Überschneidungen und gegenseitige Ergänzungen
5 Fazit
Zielsetzung & Themen
Die Arbeit untersucht, ob die bewusste Integration von Nacktheit als theatrales Mittel in einem theaterdidaktischen Kontext bei Erwachsenen die positive Wirkung des Theaterspielens auf die soziale Selbstwirksamkeitsüberzeugung verstärken kann. Dabei wird analysiert, inwiefern sich die historischen Wirkansätze von Nacktheit mit den identifizierten Effekten regelmäßigen Theaterspielens überschneiden oder ergänzen.
- Wirkung von regelmäßigem Theaterspielen auf die Persönlichkeitsentwicklung
- Historische Diskurslinien zur Nacktheit (FKK, 68er-Bewegung, zeitgenössisches Theater)
- Verknüpfung von Nacktheit, Selbstwahrnehmung und sozialer Interaktion
- Potenziale des "safe space" in der theaterpädagogischen Arbeit
- Förderung der sozialen Selbstwirksamkeitsüberzeugung durch Selbstdarstellung
Auszug aus dem Buch
3 Historische Ansätze zu Wirkungen von Nacktheit auf Körper, Geist und Gesellschaft
Die Tatsache, dass der nackte Körper im Kontrast zum bekleideten seit dem ersten Jahrtausend zunehmend mit Amoral, Sünde und sexueller Unzucht assoziiert wird, zugleich aber auch in einer grotesken Dichotomie als Symbol der Unschuld, Reinheit und Schönheit ästhetisiert wird, und dass diese gegenläufigen Assoziationsgefüge vom schönen Guten und guten Schönen versus dem schlechten Hässlichen und dem hässlichen Schlechten sich bis heute in idealisierten erstrebenswerten Körperbildern niedergeschlagen haben, die vorschreiben, wen nackt zu sehen angenehm ist, und wen nicht („dass sich im Theater „immer die Falsche ‚auszieht‘“, die Dicke und Hässliche, nicht die Hübsche“), zeugt von einem enormen Spannungsfeld, das Nacktheit in ihrer Rezeption, und daraus folgend auch in ihrer Präsentation umgibt.
Im Folgenden soll nun genauer dargestellt werden, mit welch diversen Intentionen zur Zeit der Lebensreformbewegungen ab Ende des 19. Jahrhunderts, zur Zeit der Hippie- und Studentenbewegungen der 60er Jahre des 20. Jahrhunderts, und schließlich im deutschen Gegenwartstheater der 00er Jahre des 21. Jahrhunderts versucht wurde, öffentlichem und gemeinsamem Nacktsein positive Auswirkungen zuzuschreiben. Im Rahmen dieser Arbeit wird nur eine oberflächliche Betrachtung dieser drei Epochen möglich sein.
Zusammenfassung der Kapitel
1 Einleitung: Die Einleitung führt in die Thematik ein, indem sie die positiven Auswirkungen des Theaterspielens auf die Persönlichkeit und soziale Selbstwirksamkeit anhand von Studien von Romi Domkowsky aufzeigt.
2 Wirkungen vom Theaterspielen auf die soziale Selbstwirksamkeitsüberzeugung: Dieses Kapitel vertieft die Erkenntnisse zu den förderlichen Aspekten des Theaterspielens auf Selbstwahrnehmung, extravertiertes Verhalten und soziale Kompetenzen.
3 Historische Ansätze zu Wirkungen von Nacktheit auf Körper, Geist und Gesellschaft: Es wird die historische Entwicklung des Nacktheitsdiskurses von der FKK über die 60er Jahre bis hin zum zeitgenössischen Theater analysiert und deren Zielsetzungen kritisch beleuchtet.
4 Nacktheit, Theaterspielen und soziale Selbstwirksamkeitsüberzeugung – Überschneidungen und gegenseitige Ergänzungen: Hier werden die Wirkungsweisen von Nacktheit und Theaterspielen synthetisiert, um deren synergetisches Potenzial für das Selbstbild der Teilnehmenden herauszuarbeiten.
5 Fazit: Das Fazit fasst die Ergebnisse zusammen und stellt fest, dass die Verbindung von Theater und Nacktheit das Wirkungsrepertoire zur Stärkung der sozialen Selbstwirksamkeit sinnvoll erweitern kann.
Schlüsselwörter
Theaterspielen, Soziale Selbstwirksamkeitsüberzeugung, Nacktheit, Persönlichkeitsentwicklung, Theaterpädagogik, Körperbild, Lebensreformbewegung, Soziale Kompetenz, Selbstwahrnehmung, Ästhetische Bildung, Körperakzeptanz, Selbstdarstellung, Gruppendynamik, Identität, Safe Space.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit grundlegend?
Die Arbeit untersucht die Wechselwirkungen zwischen dem Theaterspielen und der gezielten Einbindung von Nacktheit als theatrales Mittel, um die soziale Selbstwirksamkeitsüberzeugung bei Erwachsenen zu fördern.
Was sind die zentralen Themenfelder der Analyse?
Zentrale Themen sind die theaterpädagogischen Potenziale zur Persönlichkeitsentwicklung, die historische Entwicklung der Nacktheitskultur und die soziologischen Aspekte von Körperbildern.
Was ist die primäre Forschungsfrage des Autors?
Die Arbeit geht der Frage nach, inwiefern die Verbindung von regelmäßigem Theaterspielen und dem Einsatz von Nacktheit einen positiven Effekt auf die soziale Selbstwirksamkeitsüberzeugung der Spielenden ausüben kann.
Welche wissenschaftliche Methode wird in der Arbeit angewandt?
Die Untersuchung baut primär auf der Auswertung bestehender qualitativer Studien von Romi Domkowsky sowie einer historischen und soziologischen Literaturanalyse auf.
Was wird im inhaltlichen Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in eine Analyse der Wirkung des Theaters auf das Individuum, eine historische Einordnung der Nacktheit und die Zusammenführung beider Bereiche in einem theaterdidaktischen Kontext.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren diese Arbeit am besten?
Die Kernbegriffe umfassen Soziale Selbstwirksamkeit, Theaterspielen, Nacktheit, Identitätsbildung und Körperwahrnehmung.
Warum bezieht sich die Arbeit speziell auf die Altersgruppe der 18- bis 21-Jährigen?
Der Autor wählt diese Gruppe, da bei ihr von einer höheren Stabilität der Persönlichkeit ausgegangen werden kann als bei jüngeren Jugendlichen, was den Fokus auf die didaktische Arbeit mit Nacktheit ermöglicht.
Welche Rolle spielt der Begriff "safe space" in der Argumentation?
Der "safe space" wird als ein geschützter Rahmen innerhalb der Theaterarbeit definiert, der es den Teilnehmenden ermöglicht, ihre eigene Körperlichkeit und soziale Rolle angstfrei zu erproben.
Welches Fazit zieht der Autor in Bezug auf die praktische Anwendung?
Der Autor kommt zu dem Schluss, dass die Verbindung beider Elemente das Wirkungsrepertoire zur Stärkung der Selbstwirksamkeit erweitern kann, merkt jedoch an, dass die praktische Erprobung eigene Erfahrungswerte erfordert, die über den Umfang der Arbeit hinausgehen.
- Arbeit zitieren
- Reik Schröder (Autor:in), 2020, Nacktheit und Theaterspielen. Wie wirkt sich die regelmäßige Teilnahme an einer Theatergruppe auf die soziale Selbstwirksamkeitsüberzeugung von Volljährigen aus?, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/901816