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Über die Darstellung und die Funktion Filip Zesens in Günter Grass’ Erzählung "Das Treffen in Telgte"

Title: Über die Darstellung und die Funktion Filip Zesens in Günter Grass’ Erzählung "Das Treffen in Telgte"

Term Paper (Advanced seminar) , 2007 , 23 Pages , Grade: 2,3

Autor:in: Kristina Reymann (Author)

German Studies - Modern German Literature
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Summary Excerpt Details

In der 1979 erschienen Erzählung Das Treffen in Telgte konstruiert Günter Grass ein fiktives Treffen barocker Dichter.
Im Treffen in Telgte taucht neben weiteren bekannten barocken Dichtern auch Filip Zesen auf, der sich wiederholt im Disput mit seinem Kollegen Rist befindet und wie die übrigen Teilnehmer des Treffens eine Lesung hält.
Es bleibt zu fragen wie eng sich Grass bei ‚seinem’ Zesen an den bekannten Fakten des historischen Zesen orientiert hat. Es scheint, dass Grass diverse Züge von Zesens Persönlichkeit in die Erzählung Das Treffen in Telgte hat einfließen lassen. Zunächst ist festzustellen, dass Zesen nicht im Vordergrund der gesamten Handlung steht und häufig nur in Nebensätzen und kurzen Einschüben erwähnt wird. Darüber hinaus liefert der Erzähler nur eine knappe allgemeine Beschreibung Zesens (S. 96), berichtet von der Episode, die der Dichter am Fluss erlebt, und von seiner Lesung, die mit Nasebluten endet. Trotz der wenigen Beschreibungselemente blickt der eigenwillige Charakter Zesens durch, der ihn wiederum zu einer auffallenden und interessanten Figur macht, die dem historischen Pendant nach heutiger Forschungslage nicht ganz unähnlich zu sein scheint. Dennoch werden nicht die einzelnen Charaktereigenschaften im Vordergrund der Untersuchung stehen, sondern die Innovationen des Schriftstellers und Sprachwissenschaftlers Zesen. Es wird im nächsten Schritt zu erläutern sein, welche Rolle Zesen im Hinblick auf die Deutung der gesamten Erzählung einnimmt.

Die neuere Zesen-Forschung fällt mit Blick auf die ältere Forschung aus der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts, die allerdings aufgrund ihres Alters in dieser Untersuchung nicht berücksichtigt wurde, eher spärlich aus. Diese Arbeit orientiert sich vorwiegend an den Erkenntnissen von Ferdinand van Ingen, Klaus Kaczerowsky und Hans-Georg Kemper. Zu Günter Grass’ Treffen in Telgte wurden zahlreiche Aufsätze ausgewertet, die jedoch in der Regel nur am Rande auf den Dichter Zesen eingehen. Hervorzuheben ist allerdings die Analyse „ein leises ‚dennoch’“. Zum ironischen Wechselbezug von Literatur und Wirklichkeit in Günter Grass’ Erzählung das Treffen in Telgte von Andreas Graf, die wichtige Aspekte zur Funktion Zesens im Treffen in Telgte darlegt.

Excerpt


Inhaltsverzeichnis

1 Einleitung

2 Der historische Zesen und der fiktive Zesen – Ein Vergleich

2.1 Der Sprachpurist

2.2 Der Geachtete

2.3 Der Kritiker

2.4 Fazit

3 Zesens Lesung

4 „da Literatur von Literatur herkommt“ – Zesens Erlebnis am Fluss

4.1 Das Motiv

4.2 Das Flusserlebnis als Spiegelbild grausamer Realität

4.3 „Er wolle niederschreiben, was er gesehen“ – Das Dilemma eines Schriftstellers

5 Schlussbetrachtungen

Zielsetzung & Themen

Die vorliegende Arbeit untersucht die Darstellung und Funktion der Figur Filip Zesen in Günter Grass’ Erzählung „Das Treffen in Telgte“. Dabei liegt der Fokus auf der Analyse des Spannungsfeldes zwischen dem historischen Zesen und seiner literarischen Konstruktion durch Grass sowie der Bedeutung von Zesens zentralem Flusserlebnis als Ausdruck des Dilemmas zwischen künstlerischer Beobachtung und politischer Realität.

  • Vergleich zwischen historischem Zesen und fiktiver literarischer Figur
  • Rolle der Sprachpuristik und literarischer Innovation im Barock
  • Analyse des „innerliterarischen Anspielungsgeflechts“ und der Metaphorik
  • Bedeutung des Flusserlebnisses als Spiegelbild grausamer Realität
  • Das Dilemma des Schriftstellers im Kontext von Literatur und Politik

Auszug aus dem Buch

4.2 Das Flusserlebnis als Spiegelbild grausamer Realität

Vor der Analyse der Flussszene soll an die bereits angesprochene literaturtheoretische These erinnert werden, die besagt, dass Literatur neue Literatur hervorbringen kann. Grass bestätigt diese Auffassung durch seine Erzählung vom fiktiven barocken Dichtertreffen. Er hat sich, wie Verweyen und Witting überzeugend dargelegt haben, an „repräsentative[n] literaturwissenschaftliche[n] Arbeiten und Anthologien“66 orientiert. Reich-Ranicki bezeichnet das Treffen in Telgte gar als „ein Stück Literatur über Literatur, geschrieben von einem Literaten vor allem für Literaten“.67 Hoffmeister verneint diese These nicht. Dennoch erweitert er sie indem er feststellt, dass Grass im Treffen in Telgte vorrangig auf die „Wechselbeziehung zwischen Literatur und Wirklichkeit“68 aufmerksam machen will. Diesen Gedanken nimmt Graf auf und führt Zesens Flusserlebnis als „Schlüsselstelle für das Verständnis des verzwickten Wechselverhältnisses von Literatur und Wirklichkeit“69 an.

Doch kaum sah ich ihn [Zesen] über der äußeren Ems stehen, die sich tief in Sandgrund gebettet hatte, trieben zwei aneinandergebundene Leichen gegen das Ufer: Die waren, obgleich gedunsen, kenntlich als Mann und Frau. Nach kurzem Zögern – für Zesen verging eine Ewigkeit – lösten die beiden ihr Fleisch aus dem Weidengeschling, kreiselten in der Strömung, waren verspielt miteinander, entkamen dem Strudel, glitten flußab zu den Mühlwerken hin, wo der Abend in Nacht überging, und ließen nichts zurück; es sei denn mögliche Wortbilder, die Zesen sogleich mit gesucht neuen Klingwörtern aufzufüllen begann. Weil von Sprache bedrängt blieb ihm nicht die Zeit sich zu entsetzen (S.46).

Diese Episode am Fluss lässt Zesen bis zum Ende des Treffens nicht mehr los. Er denkt immer wieder an das Gesehene und will es literarisch verarbeiten. Zwar finde er „nicht Worte, soviel Tod zu benennen“ (S. 56), aber „er wolle niederschreiben, was er gesehen […]. Und nie gehörten Klang finden“ (S. 57). Zudem erinnert ihn das tote Pärchen an seine literarischen Figuren Markhold und Rosemund, deren Liebe letztlich unerfüllt bleibt, weil sie unterschiedlichen Konfessionen angehören (S. 56).

Zusammenfassung der Kapitel

1 Einleitung: Die Einleitung führt in die Erzählung „Das Treffen in Telgte“ ein und skizziert die Rolle Zesens sowie das Forschungsinteresse an der historischen und fiktiven Ausgestaltung der Figur.

2 Der historische Zesen und der fiktive Zesen – Ein Vergleich: Dieses Kapitel stellt das Leben und Wirken des historischen Philipp von Zesen dem fiktiven Dichter in Grass’ Werk gegenüber und beleuchtet seine Facetten als Sprachpurist, geachtete Persönlichkeit und Kritiker.

3 Zesens Lesung: Der Abschnitt untersucht Zesens literarischen Beitrag während des Treffens, seine körperliche Reaktion in Form von Nasebluten und die Bedeutung seines Vortrags innerhalb des Gesamtwerkes.

4 „da Literatur von Literatur herkommt“ – Zesens Erlebnis am Fluss: Dieses Kapitel analysiert das zentrale Flusserlebnis, das verwendete literarische Motiv und das daraus resultierende Dilemma des Schriftstellers, der die grausame Realität in Literatur verwandeln muss.

5 Schlussbetrachtungen: Die Schlussbetrachtung resümiert die Ergebnisse der Untersuchung und stellt fest, dass Grass durch das literarische Experiment den Diskurs über das Verhältnis von Politik und Literatur sowie die Rolle des Schriftstellers in der Gesellschaft nachhaltig führt.

Schlüsselwörter

Günter Grass, Das Treffen in Telgte, Filip Zesen, Barock, Literatur und Wirklichkeit, Sprachpurismus, Adriatische Rosemund, Dreißigjähriger Krieg, Literaturkritik, Schriftstellerexistenz, Vanitas, Literaturwissenschaft, Epochenvergleich, Poetologie, Sprachgesellschaft.

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in der Arbeit grundlegend?

Die Arbeit untersucht die Figur Filip Zesen in Günter Grass’ Erzählung „Das Treffen in Telgte“ und analysiert das Zusammenspiel zwischen historischer Überlieferung und fiktiver literarischer Gestaltung.

Welche zentralen Themenfelder werden bearbeitet?

Im Mittelpunkt stehen die Literaturtheorie des Barock, das Verhältnis von Literatur und Wirklichkeit sowie die politische Dimension des Schriftstellertums.

Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?

Das Ziel ist es, aufzuzeigen, wie Grass historische Züge Zesens in sein fiktives Werk einfließen lässt und welche Funktion diese Figur für die Deutung der gesamten Erzählung einnimmt.

Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?

Die Autorin stützt sich auf eine detaillierte Literaturanalyse, den Vergleich biographischer Fakten mit narrativen Elementen und die Auswertung zeitgenössischer sowie moderner literaturwissenschaftlicher Sekundärliteratur.

Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?

Der Hauptteil gliedert sich in eine Analyse von Zesens Persönlichkeit, eine Untersuchung seiner Lesung im Rahmen des Treffens und eine tiefgreifende Interpretation des Flusserlebnisses als zentrales Motiv.

Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?

Die Arbeit lässt sich durch Begriffe wie Barockliteratur, Sprachpurismus, Intertextualität, Autorschaft und das Verhältnis von Kunst zu politischer Realität charakterisieren.

Warum spielt das „Flusserlebnis“ in Zesens Figur eine so große Rolle?

Das Flusserlebnis fungiert als Schlüsselszene, in der Zesen mit dem Tod und der grausamen Realität konfrontiert wird, was sein literarisches Schaffen und seine Unfähigkeit, das Erlebte angemessen in Worte zu fassen, verdeutlicht.

Welche Bedeutung hat das „Nasebluten“ von Zesen bei seiner Lesung?

Das Nasebluten wird als physische Reaktion auf die scharfe Kritik der Kollegen und die Überforderung durch die unbewältigten Eindrücke gedeutet, die er in seinem Vortrag nicht angemessen verarbeiten kann.

Inwiefern setzt sich Grass mit der Rolle des Schriftstellers auseinander?

Grass thematisiert das Dilemma des Schriftstellers, der einerseits Zeuge der elenden Wirklichkeit ist und diese andererseits literarisch reflektieren muss, wobei der Erfolg dieser Bemühungen im Treffen in Telgte kritisch hinterfragt wird.

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Details

Title
Über die Darstellung und die Funktion Filip Zesens in Günter Grass’ Erzählung "Das Treffen in Telgte"
College
University of Cologne  (Institut für deutsche Sprache und Literatur )
Course
„Das Treffen in Telgte“ von Günter Grass als Einführung in die Literatur des Barock
Grade
2,3
Author
Kristina Reymann (Author)
Publication Year
2007
Pages
23
Catalog Number
V90241
ISBN (eBook)
9783638044813
ISBN (Book)
9783640247615
Language
German
Tags
Darstellung Funktion Filip Zesens Günter Grass’ Erzählung Treffen Telgte Treffen Telgte“ Günter Grass Einführung Literatur Barock
Product Safety
GRIN Publishing GmbH
Quote paper
Kristina Reymann (Author), 2007, Über die Darstellung und die Funktion Filip Zesens in Günter Grass’ Erzählung "Das Treffen in Telgte", Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/90241
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