Berufstätige Mütter: Teilzeitarbeit – Chance oder Notlösung


Examensarbeit, 2007

25 Seiten, Note: 1,0

Anonym


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Definition
2.1. Berufstätige Mütter
2.2. Teilzeitarbeit

3. Die Entwicklung der Frauenerwerbsarbeit

4. Teilzeit – Eine Arbeitsform von Müttern?

5. Interessen Beruftätiger Mütter an Teilzeitarbeit
5.1. Gründe für eine Erwerbstätigkeit
5.1.1. Kontinuierlicher Erwerbsverlauf
5.1.2. Finanzielle Erwägungen
5.1.3. Soziale Aspekte
5.2. Gründe gegen eine Vollzeitbeschäftigung
5.2.1. Zeitgewinn durch Arbeitszeitreduzierung
5.2.2. Traditionelle Rollenerwartung
5.2.3. Fehlende Kinderbetreuung

6. Auswirkungen der Teilzeitarbeit
6.1. Arbeitsmarktsituation
6.1.1. Geschlechtsspezifische Arbeitsmarktsegregation
6.1.2. Auswirkung der Teilzeitarbeit auf die Segregation
6.1.3. Fehlende Aufstiegschancen
6.2. Frauenarmut
6.2.1. Niedriges Einkommen
6.2.2. Unzureichende Sozialversicherung
6.2.3. Teilzeitarbeit als Armutsfaktor
6.3. Doppelbelastung Beruf und Familie

7. Fazit

8. Literaturverzeichnis

9. Tabellen und Grafiken

1. Einleitung

Während früher die Rolle der Frau hauptsächlich auf die Arbeit in Familie und Haushalt festgelegt war, befinden sich Frauen heutzutage oft in einem Spannungsfeld zwischen Beruf und Familie. In der heutigen Zeit kann jeder weitgehend selbst über seinen Lebensstiel entschieden. Manche Frauen verzichten zugunsten ihrer Karriere auf Kinder, andere widmen sich ganz ihrer Familie und sind nicht oder nicht mehr erwerbstätig. Eine dritte Gruppe der Frauen in Deutschland versucht, Beruf und Familie miteinander zu vereinbaren. Diese Frauen sind damit konfrontiert, die Doppelbelastung von Erwerbstätigkeit und Familie zu bewältigen. Damit dies gelingt, entwickeln berufstätige Mütter verschiede Strategien.

Diese sind beispielsweise verschiedene Kinderbetreuungskonzepte oder flexible Arbeitszeitmodelle. Unter diese Arbeitszeitmodelle fallen unterschiedliche Arbeitsformen wie Schichtarbeit, Vertrauensarbeit, Telearbeit und Teilzeitarbeit.

In dieser Hausarbeit geht es um die Arbeitsform der Teilzeitarbeit. Es soll erörtert werden, ob diese berufstätigen Müttern tatsächlich die Chance gibt, Beruf und Familie zu vereinbaren oder ob diese Arbeitsform nur als Notlösung zu betrachten ist.

Dabei sollen die Interessen und Motivationen, die dazu führen, dass Frauen sich für Teilzeitarbeit entscheiden, ebenso untersucht werden wie die Folgen und längerfristigen Auswirkungen von Teilzeitarbeit. Bei den Ausführungen soll hauptsächlich die Situation, die Interessen und Auswirkungen der erwerbstätigen Mütter mit (Ehe-)Partner, und nicht die der Alleinerziehenden, thematisiert werden, da Alleinerziehende aufgrund der finanziellen Notwendigkeit oft einer Vollzeitbeschäftigung nachgehen.

Zudem soll anhand von Daten und Statistiken neben der Entwicklung von Teilzeitarbeit auch dargestellt, werden ob Teilzeitarbeit wirklich eine häufige Arbeitsform von Frauen, insbesondere Müttern, ist.

Zum Schluss sollen mögliche Alternativen zur Verbesserung der Situation erwerbstätiger Mütter angedacht und kurz dargestellt werden.

2. Definitionen

Im folgenden werden zuerst wichtige Begrifflichkeiten definiert. Es stellt sich die Frage, was eigentlich „Teilzeitarbeit“ ist, und was unter „berufstätigen Müttern“ verstanden wird.

2.1. Berufstätige Mütter

Berufstätige Mütter sind Frauen mit Kindern, die einer Erwerbstätigkeit nachgehen.

Erwerbstätig sind alle Personen (Arbeitnehmer wie auch Selbständige) die einer Erwerbsarbeit nachgehen. Als Abgrenzung zur Erwerbsarbeit gibt es Formen der unbezahlten Arbeit wie das Ehrenamt oder die unbezahlte Haus- und Familienarbeit. Unter eine Erwerbsarbeit fallen alle Formen der bezahlten Arbeit vom Ein-Euro-Job über die Aushilfstätigkeit und Teilzeitarbeit bis hin zur Vollzeitbeschäftigung.[1]

Alle Personen werden aufgrund biologischer Merkmale einem Geschlecht, männlich oder weiblich, zugeordnet. Durch diese biologische Zuordnung, im angloamerikanischen „sex“ genannt, folgt unhinterfragt auch die Zuordnung zu einem sozialen Geschlecht, „gender“, woraus meist automatisch bestimmte Erwartungen der Gesellschaft an die Person gestellt werden.[2] Frauen sind Angehörige des weiblichen Geschlechts.

Unter einer Mutter wir im allgemeinen eine Frau verstanden, die ein Kind gebärt, bzw. geboren hat. Daraus entsteht der biologische, juristische und soziale Status der Mutterschaft. Dieser erzeugt die Aufgaben der Mutter, sich um ihr Kind zu kümmern und es zu erziehen.[3] Während der biologische und soziale Status normalerweise ein Leben lang erhalten bleibt, ändert sich der juristische Status teilweise mit der Volljährigkeit oder der ökonomischen Unabhängigkeit des Kindes.

In dieser Ausarbeitung werden Mütter hauptsächlich als Frauen verstanden, die ihre Kinder noch betreuen, erziehen oder finanziell versorgen, da Kinder, die älter und unabhängig von ihren Eltern sind, keinen Grund für eine Teilzeitbeschäftigung darstellen.

2.2. Definition Teilzeitarbeit

Mit dem Begriff Teilzeitarbeit wird ein breites Spektrum von Arbeitszeitmustern beschrieben, die sich sowohl im Umfang als auch in der Lage der Arbeitszeit unterscheiden. Die Gemeinsamkeit dieser verschiedenen Arbeitszeitvarianten besteht darin, dass sie vom Normalzustand der Vollzeitbeschäftigung abweichen.[4]

In der Richtlinie 97/81/EG zu der von UNICEF, CEEP und EGB geschlossenen Rahmenvereinbarung über Teilzeitarbeit, wird ein Arbeitnehmer „dessen normale, auf Wochenbasis oder als Durchschnitt eines bis zu einem Jahr reichenden Beschäftigungszeitraumes berechneter Arbeitszeit unter der eine vergleichbaren Vollzeitbeschäftigten liegt“[5] als Teilzeitbeschäftigter definiert.

Somit gelten als Teilzeitbeschäftigte Arbeitnehmer mit einem wöchentlichen Arbeitszeitumfang von nur 1 Stunde bis zu einem Arbeitsvolumen, das minimal unterhalb dem einer Vollzeitbeschäftigung liegt. Während die meisten Studien die Trennungslinie zwischen 34 und 35 Wochenstunden ziehen, liegt diese beim statistischen Bundesamt zwischen 35 und 36 Wochenstunden. Allerdings ist eine Teilzeitbeschäftigung mit einem Stundenumfang, der an der Grenze zur Vollzeitbeschäftigung liegt, eher die Ausnahme. Die Mehrheit der Teilzeitbeschäftigten sind in einem Zeitrahmen von 18 – 29 Wochenstunden tätig, ca. ein Drittel sogar darunter.[6]

Neben dem Umfang gibt es auch große Unterschiede in der Regelmäßigkeit der Arbeitszeit in Teilzeitbeschäftigungen. Unregelmäßige und kapazitätsorientierte variable Arbeitszeiten sind hier weit verbreitet.[7]

Auch Arbeitnehmer die einer geringfügig, sozialversicherungsfreien Beschäftigung nach § 8 Abs. 1 Nr. 1 SGB IV, sogenannten Mini- oder 400-Euro-Jobs, nachgehen, zählen zu den Teilzeitbeschäftigten.[8]

Teilzeitarbeit ist somit ein Sammelbegriff für viele unterschiedliche Beschäftigungsformen und wird in den folgenden Ausführungen auch als ein solcher verwendet.

3. Geschichte und Entwicklung der Teilzeitarbeit

Nachdem es während des zweiten Weltkriegs Vorläufer der Teilzeitarbeit in Form von Halbtagsarbeit zwangsverpflichteter Frauen in der Rüstungsindustrie gab, fand in den sechziger und frühen siebziger Jahren die stärkste Expansion der Teilzeitbeschäftigung in der Bundesrepublik Deutschland statt. Während 1960 erst knapp 800.000 Personen teilzeitbeschäftigt waren, hatte sich die Zahl bis 1970 auf zwei Millionen mehr als verdoppelt. Im selben Zeitraum hatte sich die Zahl der teilzeitbeschäftigten Frauen von 42.600 auf 1,4 Millionen sogar verdreifacht.[9] Seitdem stagnierte die Teilzeitquote mehr oder weniger, oder stieg nur noch langsam an. 1988 lag der Anteil weiblicher Teilzeitbeschäftigter mit ca. 32% nur unwesentlich höher als 1975 mit ca. 29%.[10] Bis zum Jahr 2000 war weiterhin nur ein leichter Anstieg auf 35% zu beobachten.[11] So arbeitet auch heute trotz Anstieg der Teilzeitquote immer noch die Mehrheit der erwerbstätigen Frauen in Vollzeit.[12]

Ein Grund für die starke Zunahme der Teilzeitbeschäftigten in den sechziger Jahren liegt in der Arbeitskräfteknappheit der Nachkriegszeit. Deswegen sollten auch verheiratete Frauen und Mütter als Arbeitskräfte mobilisiert werden. Da für diese auf Grund der „sozio-ökonomischen und gesellschaftlichen Bedingungen“[13] eine Vollzeitbeschäftigung nicht attraktiv war, boten die Unternehmen als Zugeständnis an die Arbeitszeitbedürfnisse der Hausfrauen vermehrt Teilzeitarbeitsplätze an.[14]

Die Charakterisierung der Teilzeitarbeit zu einer familienangepassten Arbeitszeit mobilisierte zwar im Verlauf der sechziger Jahre nichterwerbstätige Frauen zur Erwerbsarbeit, führte aber auch zu einer generellen Verkürzung der Arbeitszeit von Frauen.

Eine weitere Entwicklung war die Konzentration der Teilzeitbeschäftigung auf einige wenige Berufsbereiche und Tätigkeiten, wie Handel und Gastgewerbe, einfache Dienstleistungsberufe und Bürotätigkeiten.[15]

4. Teilzeitarbeit – Eine Arbeitsform von Müttern?

Da Teilzeitarbeit von den Unternehmen als hausfrauenfreundliche Arbeitszeit gedacht war, bleibt zu klären, ob diese Arbeitsform auch heute noch hauptsächlich von Müttern gewählt wird.

Dabei ist zuerst zu betrachten, ob Unterscheide zwischen den Geschlechtern vorhanden sind, oder ob Männer und Frauen gleichermaßen von Teilzeitarbeit betroffen sind. Im gesamten Entwicklungsverlauf von Teilzeitarbeit lässt sich beobachten, dass die Teilzeitquote bei erwerbstätigen Frauen schon immer höher war als bei erwerbstätigen Männern. Während sie bei den Frauen stark anstieg, blieb sie bei den Männern fast unverändert, was zu einer immer größeren Differenz der Teilzeitquoten führte.

Während die Differenz der Teilzeitquoten 1960 noch bei ca. 6% lag (Männer ca. 2%, Frauen ca. 8%), lag sie 1980 schon bei ca. 26% (Männer ca. 2%, Frauen ca. 28%)[16] und 2000 sogar bei 32,9% (Männer 5%, Frauen 37,9%).[17] Somit arbeiten heute fast achtmal so viele Frauen in Teilzeit wie Männer.

Eine Ursache dafür könnte sein, dass Teilzeitarbeitsplätze hauptsächlich in Berufzweigen angeboten werden, in denen überwiegend Frauen tätig sind.
In Berufsbereiche wie Handel und Gastgewerbe, einfachen Dienstleistungsberufen und Bürotätigkeiten ist Teilzeitarbeit inzwischen weit verbreitet, während in der Land und Forstwirtschaft, beim Baugewerbe und dem verarbeitenden Gewerbe kaum Teilzeitarbeit möglich ist. [18]

Eine weiterer Grund der steigenden Differenz der Teilzeitquoten liegt möglicherweise bei den Veränderungen der Frauenerwerbsarbeit im Gegensatz zu der gleichbleibenden Erwerbssituation der Männer. „Die Zunahme der Zahl erwerbstätiger Frauen geht mit einer Umverteilung des Arbeitszeitvolumen unter Frauen einher. Frauen sind in steigendem Maße in Teilzeit beschäftigt, aber relativ wenig in Vollzeit. Teilzeitbeschäftigung von Männern spielt mit unter 5% nach wie vor keine Rolle.“[19]

Somit ist also eine deutliche Differenz zwischen Männern und Frauen im Bereich der Teilzeitarbeit zu sehen.

[...]


[1] vgl. Quack, 1993, S.29ff

[2] vgl. Bublitz, 2003, S.86f

[3] vgl. Lewis, 2003, S.36ff

[4] vgl. Quack, 1993, S.71

[5] Engler, 2004, S.6

[6] vgl. Quack,1993, S.71ff

[7] ebd. S.73

[8] vgl. Engler, 2004, S.7

[9] vgl. Quack,1993, S.74ff

[10] vgl. Grafik 1

[11] vgl. Tabelle 1

[12] vgl. Maier, 1992, S.269ff

[13] Quack, 1993, S.77

[14] vgl. ebd. S.76ff

[15] vgl. Maier, 1992, S.262ff

[16] vgl. Grafik 1

[17] vgl. Tabelle 1

[18] vgl. Meyer, 1992, S.262ff

[19] Mielenz, 2005, S.314

Ende der Leseprobe aus 25 Seiten

Details

Titel
Berufstätige Mütter: Teilzeitarbeit – Chance oder Notlösung
Hochschule
Hochschule Darmstadt
Note
1,0
Jahr
2007
Seiten
25
Katalognummer
V90265
ISBN (eBook)
9783640151141
Dateigröße
887 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Berufstätige, Mütter, Teilzeitarbeit, Chance, Notlösung
Arbeit zitieren
Anonym, 2007, Berufstätige Mütter: Teilzeitarbeit – Chance oder Notlösung, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/90265

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