Sach- und fachdidaktische Analyse. Das politische System der Bundesrepublik Deutschland und demokratische Wahlen


Unterrichtsentwurf, 2018

11 Seiten, Note: 2,1


Leseprobe

Sachanalyse:

Die Grundzüge des politischen Systems der Bundesrepublik Deutschland

1 Einleitung

Oberste Prämisse des Sozialkundeunterrichts ist es, mündige Bürger zu formen. Unter Berücksichtigung des Beutelsbacher Konsens müssen ihnen demnach die Grundzüge und Merkmale des politischen Systems ihres Heimatlandes vermittelt werden. Doch die bloße Vermittlung von faktischem Wissen genügt dabei nicht – die Schülerinnen und Schüler sollen in der Lage sein, sich selbst in der politischen Vielfalt zu positionieren, indem sie ihr gesammeltes Wissen zu Rate ziehen. Auf Grundlage des Rahmenplans Mecklenburg-Vorpommern, Sek. I, 2002 liegen die thematischen Schwerpunkte dabei unter anderem auf der freiheitlich demokratischen Grundordnung, dem Grundgesetz und seiner Bedeutung für den Einzelnen sowie in Erweiterung dazu auf der Gewaltenteilung und gegenseitigen Absicherung und Kontrolle der einzelnen Instanzen des Landes.

2 Sachanalyse

Die Unterrichtseinheiten stellen den Einstieg der Thematik dar, weshalb die Thematik entsprechend eingegrenzt wurde, jedoch aber erweitert werden kann und darf. Jede der drei Unterrichtsstunden wird durch eine konkrete Leitfrage gelenkt, um im Zuge ihrer Beantwortung auf bestimmte Aspekte des politischen Systems Deutschlands einzugehen. Die Leitfrage zum Einstieg in diesen Themenbereich lautet: Wie sichert der Rechtsstaat die Rechte des Einzelnen ab? und zielt auf die Verankerung der Rechte eines Jeden im Grundgesetz ab. Die darauffolgende Unterrichtsstunde wird auf Basis der Frage Wie wird die pluralistische Demokratie im Grundgesetz abgesichert? gestaltet und geht auf die freiheitlich demokratische Grundordnung ein. Die dritte und letzte Doppelstunde befasst sich mit der Gewaltenteilung und gegenseitigen Absicherung sowie die Funktion der drei Organe: Wie schützt der Rechtsstaat vor einer Willkürherrschaft?

2.1 Erste Doppelstunde: das Grundgesetz

Wie sichert der Rechtsstaat die Rechte des Einzelnen ab? Die im Grundgesetz vom 23. Mai 1949 verankerten Grundsätze und Rechtsnormen bilden die Grundzüge der Verfassung der Bundesrepublik Deutschlands und stehen über allen anderen geltenden Rechtsnormen. Das Grundgesetz sichert die pluralistische Demokratie des Landes ab und gibt Maßstäbe vor, wie und auf welcher Grundlage ein politischer Diskurs stattfinden kann (Verfahrens- und Wertekonsens).

Die Rechte des Einzelnen sind dabei vorwiegend in den Grundrechten, Artikel 1 -19, verankert. Obersten Wert der Grundrechte hat dabei die Menschenwürde. Sie stellt das Recht des Einzelnen sicher und beinhaltet folgende Aspekte: das Verbot unmenschlicher Behandlung wie zum Beispiel die Anwendung von Folter, das Recht auf Anerkennung als Rechtssubjekt und rechtehabender Mensch, das Recht auf gleiche soziale Achtung, ungeachtet der Tatsache welcher sozialen Schicht man angehört sowie das Verbot der Entziehung notwendiger materieller Lebensgrundlagen wie beispielsweise der Entzug von Nahrungsmitteln oder Kleidung.

Untergliedern lassen sich die Grundrechte zum einen in Freiheits- und Gleichheitsrechte (vgl. Handwerger, 2015, S.24 ff.). Diese schaffen einen Raum für die individuelle Lebensgestaltung eines Jeden. Dominierender Grundsatz ist hierbei die Annahme, dass jeder Mensch frei ist und sich frei entfalten kann, solange er nicht die Freiheit eines anderen verletzt. Zum anderen sichert der Gleichheitsgrundsatz die Gleichheit vor dem Gericht ab. Niemand darf aufgrund seines Geschlechts, seiner Herkunft, seines Glaubens, Religion oder politischen Anschauung benachteiligt oder aber bevorzugt werden (vgl. Art. 3, Abs.1 & 3, GG). Darüber hinaus sind unter anderem auch die Gleichberechtigung von Mann und Frau, die Glaubens-, Meinungs- und Berufsfreiheit, die Ehe, die Unverletzlichkeit der Wohnung sowie des Eigentums in den Grundrechten enthalten. Jeder Bürger des Landes kann sich jederzeit auf die Grundrechte berufen und deren Wahrung (auch gerichtlich) einfordern.

2.2 Zweite Doppelstunde: pluralistische Demokratie und die freiheitlich demokratische Grundordnung

Wie wird die pluralistische Demokratie im Grundgesetz abgesichert? Die pluralistische Demokratie setzt zunächst voraus, dass „unterschiedliche Interessen, Meinungen und Werte … artikuliert und vertreten und bei politischen Entscheidungen berücksichtigt werden (können)“ (Handwerger, 2015, S.24). Es herrscht eine gewollte Konkurrenz zwischen einer Vielzahl von Interessengruppen und -verbänden mit dem Ziel möglichst vielseitiger politischer Einflussnahme. Dadurch wird der politische Diskurs offen und lebendig gehalten. Diese Einflussnahme verkörpert vor allem die Opposition sowie die regierenden bzw. koalierenden Parteien. Abgesichert wird unsere Regierungsform durch die sogenannte Ewigkeitsklausel in Artikel 79, Absatz 3. Sie besagt, dass eine Änderung des Grundgesetzes nicht zulässig ist, sofern sie die Untergliederung in Bundesländer, deren Mitwirkung an der Gesetzgebung oder die Grundsätze der Artikel 1 und 20 verändern will. Der Artikel 20 des Grundgesetzes besagt, dass die Bundesrepublik ein demokratischer und sozialer Staat ist, deren Gewalt (durch Wahlen) vom Volk ausgeht. Ebenso enthält er das Widerstandsrecht, welches besagt, dass gegen jeden, der die Staatsordnung Deutschlands zu beseitigen versucht, Widerstand geleistet werden kann und darf.

Darüber hinaus hat das Bundesverfassungsgericht die demokratischen Grundsätze der Bundesrepublik in der freiheitlichen demokratischen Grundordnung nochmals festgelegt und konkretisiert: (1) Achtung der Menschenrechte, insbesondere des Rechts auf Leben und freie Entfaltung, (2) Volkssouveränität, die Gewalt geht durch Wahlen und Abstimmungen vom Volk aus und ist somit durch die Mehrheit des Volkes legitimiert, (3) Gewaltenteilung, Verteilung der Staatsgewalt auf mehrere Organe zum Zweck der Machtbegrenzung und der Sicherung von Freiheit und Gleichheit, (4) Verantwortlichkeit der Regierung und Bindung der Verwaltung an das Gesetz, (5) Unabhängigkeit der Gerichte/ Gleichheit vor dem Gesetz, (6) Mehrparteiensystem, mehrere Parteien können an der Regierung beteiligt sein, was den Willen des Volkes (im Gegensatz zum Einparteiensystem) in höherem Maße repräsentiert, (7) Chancengleichheit für alle politischen Parteien, solange sie den Verfassungsrichtlinien entsprechen.

2.3 Dritte Doppelstunde: die Gewaltenteilung Wie schützt der Staat vor einer Willkürherrschaft?

Durch die zuvor bereits genannten Gesetze (Artikel 20 und 79) sowie der freiheitlich demokratischen Grundordnung ist zunächst schon einmal eine Diktatur, also die absolute Alleinherrschaft, ausgeschlossen. Eine Willkürherrschaft wird darüber hinaus vor allem durch die vorherrschende Gewaltenteilung unmöglich gemacht. Die Gewaltenteilung unterteilt die Staatsgewalt auf drei verschiedene Organe zum Zweck der gegenseitigen Kontrolle und der Machtbegrenzung. Die drei Organe sind erstens die Legislative, das gesetzgebende Organ, unter anderem repräsentiert durch den Bundestag und den Bundesrat, zweitens die Exekutive, das ausführende Organ, also die Bundesregierung vertreten durch Behörden, Ämter oder auch die Polizei und drittens die Judikative, das rechtsprechende Organ, mit den Gerichten und als oberster Instanz dem Bundesverfassungsgericht.

Aufgabe der Legislative ist unter anderem die Wahl des Kanzlers sowie die Kontrolle der Bundesregierung (Exekutive). Die Exekutive ist dafür zuständig die geltenden Gesetze umzusetzen. Die Judikative oder auch richterliche Gewalt hält die Rechtssprechung und die verfassungsrechtliche Kontrolle des Bundestags inne. Sozialkundeunterricht unter Berücksichtigung des Beutelsbacher Konsens Der Beutelsbacher Konsens von 1976 legt allgemeingültige Richtlinien für einen kontroversen und facettenreichen Politik- bzw. Sozialkundeunterricht fest. Er basiert auf drei Grundannahmen: Erstens dem Überwältigungsverbot, welches besagt, dass es dem Lehrenden nicht gestattet ist, den Schülern seine eigene politische Meinung aufzudrängen und sie somit an einer selbstständigen Urteilsbildung zu hindern. Dennoch muss die Lehrperson nicht wie so oft gefordert als politisches Neutrum fungieren. Es geht einzig darum, den Schülern die eigenen Ansichten nicht in irgendeiner Weise aufzuzwingen, das würde in meisten Fällen wohl unweigerlich zu (begründetem) Widerstand führen. Dennoch ist es als förderlich zu betrachten, wenn sich die Lehrperson beispielsweise im Zuge der Vorstellung politischer Parteien in geeignetem Maße begründet politisch positioniert, denn es regt die Schüler zur Selbstpositionierung an. Entweder um sowohl den eigenen als auch den Standpunkt des Lehrers zu legitimieren oder um davon abzuweichen, ihn zu kritisieren und sich begründet anderweitig zu positionieren. In jedem Fall ebnet es den Weg aus der vorherrschenden Meinungslosigkeit (vgl. Nonnenmacher, 2011, S.91).

Zweitens dem Kontroversitätsgebot, bei dem der Leitsatz gilt: „Was in Wissenschaft und Politik kontrovers ist, muß [sic] auch im Unterricht kontrovers erscheinen“ (Wehling, 2016, S.24). Der Lehrende sollte die politischen Inhalte des Unterrichts so vielfältig darstellen wie möglich und dabei keine Option unterschlagen, soll sogar geraden den Alternativen, die den Schülern nicht ins Gedächtnis kommen, besondere Aufmerksamkeit widmen. Schon an dieser Stelle stößt der Konsens deutlich an seine Grenzen: Im politischen Unterricht ist es aufgrund vieler, vor allem auch zeitlicher Faktoren gar nicht möglich so zu agieren, dass keine Standpunkte unbeachtet bleiben. Die Zahl unterschiedlicher politischer Anschauungen ist riesig, umso schwieriger ist es also, diese in ausreichendem Maße abzubilden. Bei der Thematik der Demokratie und somit der Regierungsformen genügt es folglich nicht, sich auf die des eigenen Staates zu beschränken; vielmehr müssten auch sämtliche (Misch-) Formen der Demokratie, der Monarchie und der Diktatur benannt und besprochen werden.

In Erweiterung dazu steht der letzte Punkt des Beutelsbacher Konsens, die Interessenorientierung. Mittels des Politik-/ Sozialkundeunterrichts sollten die Schüler die nötigen Werkzeuge an die Hand bekommen, um sich in der politischen Vielfalt zu positioniere und ihre politische Meinung zu vertreten. Das oberste Ziel der politischen Bildung ist es, die Schüler zu Mündigkeit zu erziehen, also die Förderung der selbstständigen Urteilsbildung mittels aller zur Verfügung stehenden Informationen. Wenn der Lehrende also wie zuvor bereits erwähnt nicht alle Informationen zur Verfügung stellen kann, müssen die Schüler in logischer Konsequenz dazu angeleitet werden, sich die fehlenden Informationen aus anderen legitimierten Quellen selbst zu beschaffen. Erst wenn alle nötigen und relevanten Informationen zusammengetragen sind, kann der Lernende sich dazu positionieren und nach Wegen suchen, die politische Wirklichkeit mittels eigener Interessen zu beeinflussen (vgl. Wehling, 2016, S.24).

[...]

Ende der Leseprobe aus 11 Seiten

Details

Titel
Sach- und fachdidaktische Analyse. Das politische System der Bundesrepublik Deutschland und demokratische Wahlen
Hochschule
Universität Rostock
Note
2,1
Autor
Jahr
2018
Seiten
11
Katalognummer
V902791
ISBN (eBook)
9783346199225
ISBN (Buch)
9783346199232
Sprache
Deutsch
Schlagworte
analyse, bundesrepublik, deutschland, sach-, system, wahlen
Arbeit zitieren
Carolin Hennings (Autor), 2018, Sach- und fachdidaktische Analyse. Das politische System der Bundesrepublik Deutschland und demokratische Wahlen, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/902791

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