Der Zusammenhang zwischen Offenheit für Erfahrungen bzw. Extraversion und der Absicht zur Arbeit im Ausland


Masterarbeit, 2019

74 Seiten, Note: 1,0


Leseprobe

Inhalt

Danksagung

Geleitwort

Zusammenfassung

Abstract

I. Tabellenverzeichnis

II. Abbildungsverzeichnis

1. Einleitung

2. Theorie und Forschungsstand
2.1 Theoretischer und empirischer Hintergrund
2.2 Forschungsfragestellung und Hypothesen
2.2.1 Theory of Planned Behavior, Self-Determination Theory, kausale Autonomie und Self-Efficacy als theoretischer Rahmen
2.2.2 Mediationseffekte

3. Methode
3.1 Stichprobengewinnung und -beschreibung
3.2 Untersuchungsdesign
3.3 Durchführung
3.4 Datenanalyse

4. Ergebnisse
4.1 Ergebnisse der deskriptiven Statistik und Korrelationen
4.2 Ergebnisse zur Fragestellung und Hypothesen
4.3 Ergebnisse der explorativen Statistik

5. Diskussion
5.1 Inhaltliche Diskussion und theoretische Implikationen
5.2 Limitationen
5.3 Ausblick

Literatur

Anhang

Danksagung

Bedanken möchte ich mich bei all denjenigen, die mich während der Anfertigung dieser Masterarbeit unterstützt und motiviert haben.

Sehr herzlich danke ich meinen beiden Masterthesis-Betreuern, Herrn Dr. Janosch A. Priebe und Frau Prof. Dr. Antje Kapust, die meine Masterthesis betreut und begutachtet haben und mich bei der Erstellung dieser Arbeit, jederzeit wertschätzend und wohlwollend, mit wertvollen Anregungen und konstruktiver Kritik unterstützten. Ich habe von Ihnen nicht nur sehr viel gelernt, sondern durch die Zusammenarbeit mit Ihnen meine Liebe für die Wissenschaft und Forschung entdeckt.

Ein besonderer Dank gilt meinem Ehemann, Jan Willem Rodatz, der mich zu diesem Schritt ermutigt und jederzeit hinter mir gestanden hat. Danke für Deine Unterstützung, für das Korrekturlesen, stets ein offenes Ohr für mich und Deinen uneingeschränkten Glauben an mich, der mich wachsen lässt.

Danke an meine Tochter, Nastassja, mit der ich in der Überzeugung vereint bin, dass jede(r), zu jedem Zeitpunkt, das Leben gestalten und eine neue Richtung einschlagen kann.

Abschließend bedanke ich mich bei allen Teilnehmern und Teilnehmerinnen meiner Befragung, ohne die diese Arbeit nicht hätte entstehen können. Danke für Eure Informationsbereitschaft und Eure Zeit.

Den Haag, 16.06.2020 Sylvia F. Rodatz

Geleitwort

Frau Rodatz hat mit ihrer Masterarbeit eine sehr beeindruckende und glänzende Studie vorgelegt, die höchstes Lob verdient. Alle Qualifikationsparameter wurden ausgezeichnet erfüllt. In allen Aspekten hebt sich die Arbeit sehr deutlich von vergleichbaren Studien ab. Bereits die Zusammenfassung zu Anfang setzt ein sehr konzises Zeichen und navigiert den Leser mit zielsicherer und bewusster Hand durch die weiteren Untersuchungen.

Dabei präsentiert Frau Rodatz ausgesprochen viel stoffliche Fülle auf begrenztem Raum, legt folglich ein Meisterwerk der Kompression vor, in der eine hohe Dichte mit minimaler Redundanz einhergeht und die Erkenntnisse mit beeindruckender Präzision auf den Punkt gebracht werden. Sie untersucht die Mediationseffekte kognitiver und motivationaler Variablen auf den Einfluss der Persönlichkeitsmerkmale Offenheit für Erfahrungen bzw. Extraversion auf die Absicht zur Arbeit im Ausland. Sie stellt schon vorab klar, dass die von ihr applizierten Bezugs- theorien erweitert werden müssen, um einen höheren Aussagekoeffizienten zu erzielen. Diese Modifikation verrät die Handschrift einer Autorin, die genau weiß, was die Fragestellung ist, wo das Ziel zu finden sei, auf welchem Weg es erreichbar wäre und wie in diesem Prozess die Verfahren selbst noch verbessert werden könnten. Als Bezugselemente werden die Theory of Planned Behavior (TPB), die Self Determination Theory (SDT) , die sozial-kognitive Theorie der Self-Efficacy und der Ansatz zur kausalen Autonomie eingesetzt. Pointiert und stringent wird der Forschungsstand dargelegt. Die konsultierte Forschungsliteratur von ca. 115 Titeln übersteigt bereits quantitativ das normalerweise übliche Limit und wird sehr geschickt auf die verschiedenen Hypothesen appliziert. Die Online-Befragung rekrutiert "zwar nur" 159 Teilnehmer (Soll erfüllt), was im Kontrast zu einigen anderen Arbeiten zwar nicht überdurchschnittlich ins Auge fällt, aber in der Komplexität der Auswertung von 91 Fragen und der Zuordnung zu einer Fülle von Hypothesen und Unterhypothesen meisterhaft bewältigt wird. Die Explikation der Untersuchung und die Darlegung der Ergebnisse wird bei Bedarf auch auf eine sehr anschauliche Weise graphisch aufbereitet. Mit größter Kompetenz und wirklichem Engagement marschiert die Autorin durch die Datenerhebung und statistische Auswertung. Es ist nichts zu beanstanden. Alles wird plausibel und stichhaltig vorgestellt. Dabei verliert Frau Rodatz keineswegs die Frage nach der für die Differenzierung zwischen den beiden Modellen wesentlichen Aspekte aus dem Auge (Modell 1: Offenheit für Erfahrungen und Absicht zur Arbeit im Ausland; Modell 2: Extraversion und Absicht zur Arbeit im Ausland). Rolle und Status der kognitiven und motivationalen Variablen der drei konsultierten Theorien TPB, SDT und kausale Autonomie, nämlich Leistungsmotivation, Sensation-Seeking, Ungewißheitstoleranz, Subjektive Norm, motivationale kulturelle Intelligenz, Selbstwirksamkeit, Selbstbestimmung und Soziale Zugehörigkeit werden glänzend aufbereitet.

Nachfolgend wird die inhaltliche Diskussion der komplexen Studie ebenfalls sehr gekonnt bis in die kleinsten Features hinein verfolgt. In der kritischen Beurteilung der Limitation betont Frau Rodatz ganz richtig die mangelnde Varianz der Stichprobe, zeigt damit aber auch umgekehrt, dass bei breiterer Streuung noch aussagekräftigere Ergebnisse zu gewinnen wären. Im Ausblick beweist die Autorin einmal mehr, dass sie den Stellenwert der eigenen Arbeit sehr genau einzuschätzen weiß und sinnvolle Ansatzpunkte für einen weiteren Ausbau im Visier hat. Ihre Beurteilung, dass die Big Five bei der Analyse des Einflusses der Persönlichkeitsmerkmale auf die Absicht zur Arbeit im Ausland unbedingt erweitert und korrigiert werden sollten, und zwar durch den Motivationsansatz von Steven Reiss und die Untersuchungen von Heckhausen & Heckhausen zu Motivation und Handlung ist sehr zu unterstreichen. Dies verspräche noch präzisere Profilergebnisse. An einer Stelle ist die wissenschaftliche Sprache in diesem Kontext etwas unscharf, denn beim Menschen ist weniger die Rede von "Bedürfnissen und Instinkten" (S. 41), sondern von Bedürfnissen und Triebverfasstheiten. Zudem wäre aufschlussreich zu hinterfragen, wie sich die Ergebnisse herausgestalten würden, wenn nicht nur "Individuen" als operable Größe angesetzt werden. Individuen sind immer konkrete, leiblich verankerte Wesen in realen Lebenswelten und faktischen Sachzwängen. "Offenheit" und "Extraversion" könnten aussagekräftig sein, aber eben in realen Kontexten nur bedingt einsatzfähig (klassisches Muster: der Ehemann nimmt bei ähnlichen Werten den Direktorenposten an der Met in NY an, nicht die Ehefrau). Weiterhin bilden nicht nur die besagten Parameter Möglichkeiten für die Identifizierung der bestmöglich geeigneten Mitarbeiter für eine Auslandsmission. Es kann sein, dass eher "responsive Kontexte" eine Rolle spielen und dann für einen "geeigneten Kandidaten/ Kandidatin" andere Größen angesetzt werden müssten, so, wenn "die Chinesen" einen Wunschkandidaten benennen, und zwar genau den, der eher durch "Verträglichkeit" besticht und ganz andere Perfomanzen (nämlich die vom Gegenüber erwünschten) vorzulegen vermag. Obendrein zerfällt diese eine Welt auch in mindestens fünf verschiedene "Sprachspiele", was ebenfalls nicht ohne Rückwirkungen bleiben kann. Westeuropäisches Autonomiedenken unterscheidet sich grundlegend von "nicht-autonomen" indischem Kastendenken, um nur ein Beispiel anzudeuten. Die Anpassung an die jeweiligen Sprachspiele mag andere Qualifikationen und Merkmale erfordern als "nur" oder "zentral" Offenheit und Extraversion. Manche realen Kontexte sind gar relativ verschlossen (arabischer Raum für weibliche Bewerberinnen). Das sehr komplexe Gefüge dieser Studie würde an Komplexität weitaus gesteigert, wenn es in diese diversen Tableaus eingepasst und abgefragt werden würde. Dies würde aber natürlich den Rahmen einer Master-Thesis sprengen.

Frau Rodatz hat eine äußerst beeindruckende und hoch-erfreuliche Arbeit vorgelegt, die höchstes Lob verdient. Das Thema scheint ihr ein persönliches "Herzensanliegen" zu sein, das sie mit viel Leidenschaft, Expertise, Kompetenz, Sorgfalt und wissenschaftlicher Gewissenhaftigkeit bearbeitet hat. Aber selbst im Falle der möglichen Argumentation, dass sich Teile dieser Arbeit eben der besonderen Motivation für ein "persönliches Steckenpferd" verdanken würden, macht die prinzipielle Aufbereitung dieser Studie unmissverständlich deutlich, dass Frau Rodatz genau diese Leistungen auch in anderen Kontexten und Themen vorlegen könnte und dazu einfach über das entsprechende Kompetenzprofil verfügt.

Bochum, 21.01.2019 Prof. Dr. Anje Kapust

Zusammenfassung

Internationale Karrieren sind die Konsequenz und somit ein fester Bestandteil der Globalisierung und weisen nach wie vor steigende Tendenzen auf. Für international agierende Unternehmen wird die Identifizierung der für die Auslandsmission geeigneten Mitarbeiter zu einem immer stärker gewichtigen Erfolgsfaktor und liegt dieser Studie zugrunde. Untersucht werden Mediationseffekte kognitiver und motivationaler Variablen auf den Einfluss der Persönlichkeitsmerkmale Offenheit für Erfahrungen bzw. Extraversion auf die Absicht zur Arbeit im Ausland. Als theoretischer Rahmen dient hierbei die Theory of Planned Behavior (TPB), Self Determination Theory (SDT), sozial-kognitive Theorie der Self Efficacy und der Ansatz zur kausalen Autonomie. Die Mediationsuntersuchung basiert auf einer Online-Umfrage mit einer Stichprobe aus 159 Teilnehmern. Für die Forschungshypothesen konnten signifikante vollständige Mediationseffekte nur für motivationale Kulturelle Intelligenz im Modell für Offenheit und Absicht und für motivationale Kulturelle Intelligenz und Leistungsmotivation im Modell für Extraversion und Absicht nachgewiesen werden. Da bisherige Studien zu Mediationseffekten innerhalb der TPB und SDT inkonsistente Ergebnisse zeigten, suggeriert die Autorin die Erweiterung der Persönlichkeitsmerkmale der Big Five um weitere zeitlich überdauernde Motive im Sinne von Reiss und Heckhausen & Heckhausen.

Schlagwörter: Persönlichkeitsmerkmale, Absicht zur Arbeit im Ausland, Expatriierung, TPB, SDT, Self-Efficacy, kausale Autonomie

Abstract

International careers become an important part of the globalization process and show steadily increasing tendencies. Assessing and identifying employee’s intention to work abroad represent some substantial criteria for employee selection for internationally operating companies. Utilizing a sample of N = 159 persons, this research based on the Theory of Planned Behavior (TPB), Self Determination Theory (SDT), the Theory of Self-Efficacy and the Causal Autonomy examines the mediation effects on the relationship between openness for experience respectively extraversion and the intention to work abroad. The results only revealed significant full mediation effects by achievement motivation on the relationship between extraversion and intention to work abroad and significant full mediation effects by motivational cultural intelligence on the relationships between both personality traits – openness resp. extraversion – and the intention to work abroad. Since studies on the mediation effects within the TPB and SDT yielded mixed results the author suggests to widen the Big Five personality traits and to consider stable attributes in context of Reiss and Heckhausen & Heckhausen.

Keywords: personality traits, intention to work abroad, TPB, SDT, Self-Efficacy, causal autonomy, expatriation

I. Tabellenverzeichnis

Tabelle 1. Masse der zentralen Tendenz und interne Konsistenz

Tabelle 2. Korrelationen nach Pearson

Tabelle 3. Pfad-Koeffizienten – Prädiktor auf Mediator (Pfad a)

Tabelle 4. Indirekte (Pfad b) und direkte Effekte (Pfad c‘) Modell 1

Tabelle 5. Indirekte (Pfad b) und direkte Effekte (Pfad c‘) Modell 2

Tabelle 6. Unstandardisierte indirekte Effekte von X auf Y

Tabelle 7. Mittelwertsunterschiede bei Absicht zur Arbeit im Ausland in soziodemographischer Betrachtung

II. Abbildungsverzeichnis

Abbildung 1. Theoretischer Ansatz der zu untersuchenden Mediationseffekte

Abbildung 2. Hypothesenübersicht

Abbildung 3. Verteilung der Nationalitäten in der Stichprobe

Abbildung 4. Anteile der Bildungsabschlüsse in der Stichprobe

Abbildung 5. Darstellung eines Mediationseffekts

Abbildung 6. Mediationsmodelle der Zusammenhänge zwischen Offenheit und Absicht (Modell 1) sowie zwischen Extraversion und Absicht (Modell 2)

1. Einleitung

Internationale Karrieren, für welche die Mitarbeiter ins Ausland ziehen, sind die Konsequenz und somit ein fester Bestandteil der Globalisierung und weisen nach wie vor steigende Tendenzen auf (Brookfield, 2015; KPMG, 2013; Yurtkoru, Dauda & Sekarawisut, 2017). Die rasante Entwicklung der Anzahl an Mitarbeitern, die für multinationale Firmen tätig sind (ca. 30 Millionen weltweit), resultiert in zunehmender Forschung der Expatriierung und internationaler Kontrakte (Van Vianen, De Pater & Caligiuri, 2017). Die Expatriaten und ihre Aufgabengebiete, ihre psychologische und soziokulturelle Assimilation (Ward, Leong & Low, 2004), ihre Leistung, Erfolg sowie die Anpassung der mitreisenden Partner und Familienmitglieder sind unter den häufig untersuchten Themen zu finden (Caligiuri, Tarique & Jacobs, 2009).

Zu den Expatriaten gehören mittlerweile nicht nur traditionellerweise die berufserfahrenen Senior Manager, doch auch junge Akademiker, die besonderes Interesse bei international agierenden Firmen wecken, welche wiederum nach talentierten und vor allem geeigneten Mitarbeitern für die Auslandsmissionen suchen (Foster & Johnsen, 1996; Yurtkoru, Dauda & Sekarawisut, 2017). Nichts bereitet einen Manager besser auf das Führen eines globalagierenden Unternehmens vor als der persönliche Auslandseinsatz, mit all den in einer anderen Kultur anzutreffenden Schwierigkeiten (Wichert, 2011). Die Mitarbeiterauswahl ist in ihrer Komplexität herausfordernd, insbesondere da die Identifizierung der Intentionen der potenziellen Kandidaten schwierig ist (Mol, Born, Willemsen, Van der Molen & Derous, 2009). Wie Caligiuri, Tarique und Jacobs (2009) es formulierten, ist die Mitarbeiterauswahl für internationale Engagements einzigartig, weil der Hauptfokus auf den Tätigkeitskontext, nämlich das Arbeiten im Ausland, und nicht auf die Arbeitsinhalte gelegt wird (Salgado & Bastida, 2017). Daher erfordert der Mitarbeiterauswahlprozess ein besonderes Verständnis für Mitarbeiteraspirationen, im Ausland zu arbeiten (Mol, Born, Willemsen, Van der Molen & Derous, 2009; Presbitero & Quita, 2017; Yurtkoru, Dauda & Sekarawisut, 2017).

Eine Vielzahl von Studien untersuchte verschiedene Prädiktoren, die für die Intention eines Individuums, eine internationale Karriere anzustreben, entscheidend sind (Yurtkoru, Dauda & Sekarawisut, 2017). Hierzu gehören neben der arbeitsbezogenen Wahrnehmung des Arbeitsmarktes, mit der Attraktivität der Arbeitsbedingungen sowie möglicher Karriereentwicklung im Ausland (Yurtkoru, Dauda & Sekarawisut, 2017), auch die kulturelle Intelligenz (Presbitero & Quita, 2017; Remhof, Gunkel & Schlaegel, 2013; Remhof, 2015; Yurtkoru, Dauda & Sekarawisut, 2017) inklusive der internationalen Erfahrung (Remhof, Gunkel & Schlaegel, 2013; Remhof, 2015; Wichert, 2011). Als Untersuchungsgegenstand dienten des weiteren die Persönlichkeitsmerkmale der Big Five, insbesondere Offenheit für Erfahrungen und Extraversion (Canache, Hayes, Mondak & Wals, 2013; Paulauskait, Êeibokait, Endriulaitien, 2010), welche durch weitere Drittvariablen innerhalb der Persönlichkeit, beispielsweise Leistungsmotivation, Sensation Seeking, Selbstwirksamkeit oder kulturelle Intelligenz, mediiert bzw. moderiert werden (Remhof, Gunkel und Schlägel, 2014; Remhof, 2015; Yurtkoru, Dauda & Sekarawisut, 2017). Bereits 1979 definierte Robinson soziale Kompetenzen, Verständnis und Offenheit für die Kultur des Gastlandes sowie Adaptionsfähigkeit als die wichtigsten Faktoren des Expatriierungserfolgs (Stone, 1986) – Faktoren also, die in den Persönlichkeitseigenschaften des Individuums liegen. Die Persönlichkeitsmerkmale Extraversion und Offenheit für Erfahrungen spielen eine bedeutende Rolle in der Motivation und der Wahrnehmung von Individuen (Inkson & Khapova, 2008, S. 160). Anknüpfend an die Selbstbestimmungstheorie, die Theorie der kausalen Autonomie, die Theorie des geplanten Verhaltens sowie die Theorie der Self-Efficacy und unter Berücksichtigung der Variablen innerhalb dieser Theorien als beeinflussende Größen (s. Abbildung 1), wirken sich die beiden Persönlichkeitsmerkmale, Offenheit und Extraversion, auch deutlich (Kaiser, Müller-Stark & Jamet, 2011; Remhof, 2015, S. 15) bei den willentlichen Verhaltensmotivationen und zielgerichteten Handlungsintentionen (Brandstätter & Otto, 2008) aus. Somit auch bei der Herausbildung der Absicht zur Arbeit im Ausland. Dabei ist der mediierende bzw. moderierende Einfluss der Drittvariablen dahingehend wichtig, da es eher selten einen direkten Zusammenhang zwischen den beiden Persönlichkeitsmerkmalen und den Verhaltensabsichten gibt (Ajzen & Fishbein, 2005). Vielmehr wirkt der Einfluss der Persönlichkeitseigenschaften auf die Verhaltensmotivation und -intentionen über die Faktoren innerhalb der oben genannten Theorien (Ajzen & Fishbein, 2005; Deci & Ryan, 1985a, 1985b; Ramezanzade & Arabnarmi, 2018).

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 1. Theoretischer Ansatz der zu untersuchenden Mediationseffekte

Untersucht werden in dieser Studie Wirkungen von Mediatoren auf die Variablen innerhalb der angenommenen zwei Modellkontexte, und zwar für Modell 1 - auf Offenheit für Erfahrungen und die Absicht zur Arbeit im Ausland - bzw. für Modell 2 – auf Extraversion und die Absicht zur Arbeit im Ausland. Dabei stützt sich die Studie auf der Theory of Planned Behaviour nach Ajzen (1985), sowie 3 weiteren Ansätzen, deren Ausgangspunkt das Bedürfnis nach Kompetenz und Wirksamkeit ist, und zwar den Ansatz zur Kausalen Autonomie nach DeCharms (1979), der Self Determination Theory nach Deci & Ryan (1993) und der sozial-kognitiven Theorie der Self Efficacy nach Bandura (1977). Die Studie überprüft, ob die Variablen innerhalb dieser Theorien einen mediierenden Einfluss auf die Variablen der erwähnten Modelle ausüben.

2. Theorie und Forschungsstand

2.1 Theoretischer und empirischer Hintergrund

Im historischen Sinne sind Expatriaten die von ihrem Mutterunternehmen ins Ausland entsandten Mitarbeiter (Ott & Michailova, 2016). In der Forschungsliteratur gelten sie als sog. „traditionelle“ Expatriaten. In der neueren Literatur wurde der Begriff der Expatriierung ausgedehnt und umfasst jeden im Ausland beschäftigten Mitarbeiter (Ott & Michailova, 2016). Neben den traditionellen Expatriaten unterscheidet die Literatur die selbstinitiierten Expatriaten (Al Ariss & Crowley-Henry, 2013), die seit einigen Jahren den größeren Teil der Expatriaten ausmachen (Statista, 2017).

Im Hinblick auf die Abgrenzung der Begriffe der Absicht zur Arbeit im Ausland und der Bereitschaft zur Arbeit im Ausland wurde in der Forschungsliteratur der Fokus hauptsächlich auf die Bereitschaft zur Arbeit im Ausland gelegt (Remhof, Gunkel und Schlaegel, 2014). Der Unterschied zwischen den beiden Konstrukten liegt darin, dass die Bereitschaft die Offenheit eines Individuums betrachtet, bei sich bietender Möglichkeit auf diese zu reagieren und ein bestimmtes Verhalten auszuüben, und die Absicht stärkere vorherige Überlegungen hinsichtlich des Verhaltens sowie seiner möglichen Ergebnisse beinhaltet (Gerrard et al., 2005).

Die Absicht eines Individuums zur Ausführung eines bestimmten Verhaltens wird als zentraler Faktor der Theory of Planned Behaviour (TPB) nach Ajzen (1985) betrachtet. Dabei umfassen die Absichten die Motivationsfaktoren, welche einen Einfluss auf das Ausführen eines Verhaltens ausüben (Ajzen, 1991). Die Theorie basiert auf drei bestimmenden Größen der Verhaltensabsicht: Einstellung zum Verhalten (Leistungsmotivation, Sensation Seeking, Ungewissheitstoleranz), subjektive Norm und die wahrgenommene Verhaltenskontrolle (Kontrollierbarkeit, Selbstwirksamkeit) (Ajzen & Madden, 1986). Dabei bezieht sich die Einstellung zum Verhalten auf positive oder negative Bewertung des individuellen Verhaltens (Yurtkoru, Dauda & Sekarawisut, 2017). Die subjektive Norm entspricht dem wahrgenommenen, sozialen Druck, eine Handlung auszuführen oder auch nicht (Ajzen & Madden, 1986). Unter wahrgenommener Verhaltenskontrolle wird die Einschätzung der eigenen Fähigkeiten, ein Verhalten auszuführen, verstanden und somit auch die möglichen Ausführungsschwierigkeiten (Bandura, 1997, S. 127).

Remhof (2015) untersuchte den Einfluss der Persönlichkeitsmerkmale Offenheit für Erfahrungen und Extraversion auf die Bereitschaft und die Absicht im Ausland zu arbeiten und konnte signifikante positive Zusammenhänge für Extraversion und Absicht sowie für Offenheit für Erfahrungen und Absicht aufzeigen. Keinen direkten Zusammenhang zwischen den Persönlichkeitsmerkmalen und der Bereitschaft zur Arbeit im Ausland konnte Mol et al. (2009) nachweisen. Der Grund für die differenzierten Ergebnisse der Studien könnte laut Ajzen und Fishbein (2005) dadurch begründet sein, dass der Einfluss individueller Eigenschaften wie Persönlichkeitsmerkmale über einstellungsbezogene Variablen (z.B. innerhalb der Theorie des geplanten Verhaltens, Ajzen & Fishbein, 2005) wirkt.

In einer Zusammenarbeit von Remhof, Gunkel und Schlaegel (2014) zu Zusammenhängen zwischen Offenheit für Erfahrung bzw. Extraversion und Absicht zur Arbeit im Ausland, konnte der Effekt der vollständigen Mediation der kognitiven Konstrukte innerhalb der Theory of Planned Behaviour auf die Variablen nachgewiesen werden.

Innerhalb der TPB konnten ebenso Yurtkoru, Dauda & Sekarawisut (2017) einen partiellen positiven Effekt der bestimmenden Größen der Verhaltensintentionen bestätigen, indem sie den Einfluss der subjektiven Norm als auch der wahrgenommenen Verhaltenskontrolle, jedoch nicht der Einstellungen gegenüber dem Verhalten, auf die Absicht zur Arbeit im Ausland nachwiesen.

Die Theorie der kausalen Autonomie nach DeCharms (1979) postuliert, dass die Hauptmotivation des Menschen auf die Effektivität bei der Veränderung seiner Umwelt gerichtet ist. Der Mensch hat das Bedürfnis, der Urheber der Kausalabläufe zu sein, er möchte „Meister seines Verhaltens“ (DeCharms, 1979, S. 15) sein, er strebt in seiner Motivation und seinem Handeln nach kausaler Autonomie (DeCharms, 1979, S. 15).

In einer Reihe von „Origin“-Trainings (aus dem Schachspiel, Meister-Trainings), welche das Erleben kausaler Autonomie trainieren sollten, konnte DeCharms (1979) nachweisen, dass Autonomieförderung u.a. zur deutlichen Verbesserung der Leistungsmotivation führt.

Die Self Determination Theory (SDT) nach Deci & Ryan (1993), als Theorie der menschlichen Motivation, stützt sich auf dem Konzept der Intentionalität, bei welcher Menschen dann als motiviert gelten, wenn sie einen bestimmten Zweck verfolgen und ein Ziel erreichen möchten, unabhängig davon wie zeitlich weit dieses Ziel und seine Erfüllung entfernt sind (Kaiser, Müller-Stark & Jamet, 2011). Nach Deci & Ryan spricht man dabei von intentionaler, motivierter Handlung. Die Selbstbestimmungstheorie unterscheidet im Hinblick auf die motivationalen Prozesse einerseits zwischen psychologischen Bedürfnissen innerhalb der intrinsischen Motivation, d.h. dem Bedürfnis nach Autonomie (= Selbstbestimmung) und Bedürfnis nach Kompetenz (= Selbstwirksamkeit), wenn Menschen also – ähnlich wie bei der Theorie der kausalen Autonomie – aus eigenem, persönlichem Engagement heraus handeln. Andererseits unterscheidet die SDT zwischen der extrinsischen Motivation, d.h. dem Bedürfnis nach sozialer Zugehörigkeit, wenn Personen von außen angeregt werden, etwas zu tun (Ryan & Deci, 2008). Deci & Ryan greifen die Idee der kausalen Autonomie von DeCharms (1979) auf und sehen das Erleben von Selbstbestimmung als ein zentrales Merkmal intrinsisch motivierten Verhaltens (Kaiser, Müller-Stark & Jamet, 2011). Bei dieser Annahme sehen Deci & Ryan die extrinsische Motivation keinesfalls in einer antagonistischen Positionen zur intrinsischen Motivation, vielmehr kann das extrinsisch motivierte Verhalten unter bestimmten Voraussetzungen als selbstbestimmt erlebt werden (Kaiser, Müller-Stark & Jamet, 2011). Hierbei wird das extrinsisch motivierte Handeln durch die Prozesse der Internalisierung und Integration in selbstbestimmte Verhaltensweisen umgewandelt (Deci & Ryan, 1985b). Die Causality Orientations Theory als Teil der SDT (bestehend aus 4 Mini-Theorien: CET– cognitive evaluation theory, OIT– organismic integration theory, COT– causality orientations theory und BPNT– basic psychological need theory; Ryan & Deci, 2008) konzentriert sich auf individuelle Differenzen in motivationaler Orientierung als Prädiktoren des Verhaltens und der Persönlichkeitsmerkmale (Deci & Ryan, 1985a, 1985b).

Innerhalb der Self Determination Theory durchgeführte Studie von Ramezanzade & Arabnarmi (2018) zur Kausalen Orientierung und Selbstwirksamkeit hinsichtlich der Intentionen und Handlungen von Männern und Frauen im Sporttraining-Kontext konnten signifikante positive Effekte zwischen sowohl Autonomie als auch Selbstwirksamkeit und Intentionen nachgewiesen werden. Ebenso signifikante positive Effekte konnten für Autonomie bzw. Selbstwirksamkeit und Verhalten aufgezeigt werden.

Die Motivation menschlichen Handelns ist ähnlich wie bei der Self Determination Theory die Grundlage des Konzepts der Self-Efficacy (Selbstwirksamkeit) nach Albert Bandura (1977). In seiner Theorie nimmt Bandura (1977) an, dass Ereignisse kognitiv repräsentiert, d.h. verarbeitet und bewertet werden. Solche kognitiven Prozesse spiegeln sich z.B. darin wider, dass das Individuum die Fähigkeit besitzt, zukünftige Konsequenzen eigenen Handelns abzusehen oder sich selbst Ziele zu setzen, diese und sich selbst zu bewerten und sich für die erreichten Erfolge zu belohnen (Kaiser, Müller-Stark & Jamet, 2011). Dabei entscheidet die Erwartung der Selbstwirksamkeit darüber, ob eine Handlung aufgenommen, wie viel Anstrengung investiert wird und wie lange diese Bemühungen angesichts möglicher Misserfolge anhalten werden (Bandura, 1977), und spielt somit die zentrale Rolle bei Beginn einer Handlung und bei der Motivation eines Individuums (Kaiser, Müller-Stark & Jamet, 2011) und daher bei der Entwicklung der Intentionen (Achtziger & Gollwitzer, 2018; Eremit & Weber, 2016, S. 44).

Die Selbstwirksamkeitserwartungen basieren auf den bisherigen Erfolgen und Misserfolgen, d.h. – ähnlich wie bei der SDT – auf den gesammelten Erfahrungen (Kaiser, Müller-Stark & Jamet, 2011; Ryan & Deci, 2008). Nach Ryan und Deci (2008) sind die meist zuverlässigen Determinanten des menschlichen Verhaltens in der modernen Psychologie die Erfahrungen eines Individuums. Es ist die Art und Weise, wie die Menschen Ereignisse und die wahrgenommenen Beziehungen der Ereignisse zu den psychologischen Bedürfnissen der Akteure interpretieren, welche die Hauptgrundlage der intentionalen Handlungen liefert (Ryan & Deci, 2004). Bei Banduras Selbstwirksamkeitserwartung geht es ebenso um das Vertrauen in eigene Kraft und Stärke und die Fähigkeit, auch Hindernisse zu überwinden (Selbstwirksamkeits- vs. Ergebniserwartung, Bandura, 1977), was eine Parallele zur kausalen Autonomie nach DeCharms (1979) bildet.

Im Hinblick auf Untersuchungen der Self-Efficacy und kultureller Intelligenz im Kontext der internationalen Einsätze konnte von Harrison, Chadwick & Scales (1996) ein positiver Zusammenhang zwischen Selbstwirksamkeit und der Adaptionsfähigkeit im Ausland nachgewiesen werden.

Das Big-Five-Modell (Goldberg, 1990) der Persönlichkeitsdimensionen postuliert fünf breite Persönlichkeitsdimensionen, die sich jeweils in sechs Subdimensionen unterteilen. Desweiteren lassen sich die Persönlichkeitsdimensionen auf Verhaltensorientierungen im zwischenmenschlichen Umgang sowie interindividuelle Unterschiede im Einstellungs-, Erlebens- und Motivationsbereich zurückführen (Dehne & Schupp, 2007, S. 8). Bei den fünf Dimensionen handelt es sich um: Neurotizismus, Offenheit für Erfahrungen, Extraversion, Verträglichkeit sowie Gewissenhaftigkeit (Angleitner & Ostendorf, 2004, S. 11).

In dieser Studie fällt die Bedeutung der Offenheit für Erfahrungen sowie der Extraversion zu. Personen mit starker Extraversion-Ausprägung sind optimistisch und herzlich, knüpfen schnell soziale Kontakte, charakterisieren sich durch hohe Abenteuerlust und Aktivität, sind dominant und verfügen über Führungsqualität (Barrick, Mount, Judge, 2001; Wirtz, 2013). Individuen mit hoher Offenheit schätzen neue Erfahrungen und mögen Abwechslung, sind wissbegierig (McCrae & Costa, 1985, S. 145), offen für neue Ideen sowie offen für andere Werte- und Normsysteme (Landolt, 2016; Remhof, 2015, S. 45).

In einer Studie zur Auswahl der Expatriaten auf Basis der Persönlichkeitsmerkmale konnte Caligiuri (2000) feststellen, dass eine starke Ausprägung der Offenheit für Erfahrungen sich positiv auf die interkulturelle Anpassung auswirkt.

Ähnliche Resultate erzielten Ramalu, Rose, Jegak & Samy (2010), indem sie nachweisen konnten, dass Individuen mit hoher Extraversion sich in einem internationalen Umfeld generell besser anpassen, als Personen mit niedriger Ausprägung der Extraversion, ebenso wie sie nachweisen konnten, dass Individuen mit hoher Offenheit für Erfahrungen sich besser an das internationale Arbeitsumfeld anpassen als Personen mit niedriger Offenheit.

Canache, Hayes, Mondak und Wals (2013) untersuchten den Zusammenhang zwischen den beiden Persönlichkeitsmerkmalen Offenheit für Erfahrungen und Extraversion und der Intention zu emigrieren. Sowohl für Offenheit für Erfahrungen als auch für Extraversion konnten sie einen positiven Einfluss auf die Emigrationsabsichten nachweisen.

Den Zusammenhang zwischen den Big Five und der Intention zu emigrieren, untersuchten ebenso Paulauskait, Êeibokait und Endriulaitien (2010). Auch hier konnte ein positiver Zusammenhang zwischen der Intention zu emigrieren und der Offenheit für Erfahrungen gezeigt werden.

2.2 Forschungsfragestellung und Hypothesen

2.2.1 Theory of Planned Behavior, Self-Determination Theory, kausale Autonomie und Self-Efficacy als theoretischer Rahmen

Zwischen Absicht und Verhalten lassen sich hohe Korrelationen aufzeigen (Armitage & Conner, 2001), daher ist die Betrachtung der entsprechenden Absicht zielführend, um eine spätere Auslandstätigkeit sowie das Verhalten entsprechend zu prognostizieren (Remhof, 2015, S. 23).

Nach der TPB ist die Einstellung zum Verhalten die erste Determinante zur Identifizierung der Absicht, wobei die Einstellung den Grad beschreibt, bis zu welchem ein Individuum gegenüber einem bestimmten Verhalten positiv oder negativ eingestellt ist (Ajzen, 1991). Dabei wirkt der subjektive Nutzen eines beabsichtigten Verhaltens durch die Ausprägung der positiven oder negativen Ergebniserwartungen auf die Einstellungen zum Verhalten ein (Armitage & Conner, 2001). Je stärker die Ausprägung der Einstellung, desto wahrscheinlicher ist es, dass das beabsichtigte Verhalten ausgeführt wird (Ajzen, Czasch & Flood, 2009). Das heißt somit, dass je mehr positive Einstellungen eine Person gegenüber eines Auslandsengagements hat, desto eher ist sie bereit, im Ausland zu arbeiten (Lu, 1998).

Bei Bandura (1977) entscheidet die Erwartung der Selbstwirksamkeit darüber, ob eine Handlung aufgenommen, wie viel Anstrengung investiert wird und wie lange diese Bemühungen angesichts möglicher Misserfolge anhalten werden. Dabei basieren die Selbstwirksamkeitserwartungen auf den bisherigen Erfolgen und Misserfolgen, d.h. – ähnlich wie bei der SDT – auf den gesammelten Erfahrungen (Kaiser, Müller-Stark & Jamet, 2011; Ryan & Deci, 2008). Bandura (1979) sagt dazu: „The stronger the perceived self-efficacy, the more active the efforts.“ Das heißt, dass je höher die Selbstwirksamkeitserwartung im Hinblick auf den Auslandseinsatz ist, desto eher wird die Handlung und somit eine Tätigkeit im Ausland aufgenommen.

Laut Inkson und Khapova (2008, S. 160) spielen die Persönlichkeitsmerkmale Offenheit für Erfahrungen und Extraversion eine bedeutende Rolle in der Motivation und der Wahrnehmung von Individuen sowie im Sinne der TPB bei der Herausbildung von Verhaltensabsichten (Remhof, 2015, S. 15). So erscheint es schlüssig, den Erklärungsansatz der TPB um die Theorien der Motivationspsychologie zu erweitern, welche sich mit dem zielgerichteten Verhalten befassen und die Motive als latente Bewertungsdispositionen der Zielerreichung bzw. Zielverfehlung verstehen und als innere Ursachen des Verhaltens ansehen (Brandstätter & Otto, 2008, o.S.). Zu den Verhaltensmotiven gehören neben den Einstellungen zum Verhalten, subjektiver Norm und wahrgenommener Verhaltenskontrolle nach der TPB (Ajzen, 1985) auch Autonomie im Sinne von DeCharms (1979) und Deci & Ryan (1993), Kompetenz (Bandura, 1977; Deci & Ryan, 1993) sowie soziale Zugehörigkeit (Deci & Ryan, 1993), die bei der Herausbildung von Verhaltensintentionen mitwirken und darum berücksichtigt werden sollten. Daher gilt es zu prüfen, ob die Beziehung zwischen der Offenheit für Erfahrungen respektive Extraversion und der Absicht zur Arbeit im Ausland durch die Wirkung der genannten Determinanten vermittelt / mediiert wird. Alle Hypothesen hinsichtlich der vermittelnden Wirkung werden zum einen für Offenheit und Absicht im Modell 1 sowie für Extraversion und Absicht im Modell 2 geprüft (s. Abbildung 2).

Nach Brunner & Zeltner (1980, S. 132) wird Leistungsmotivation als relativ überdauerndes Persönlichkeitsmerkmal aufgefasst und als die Bereitschaft eines Menschen verstanden, besondere Leistungen auf bestimmten Gebieten zu erbringen. Nach Bandura (1997) ist es die intrinsische Motivation der Individuen, die Ihr Verhalten – auf den Ergebniserwartungen basierend – implementieren lässt. Eben diese positiven Perspektiven eines Auslandsaufenthalts, wie z. B. bessere Karrieremöglichkeiten, Persönliches Wachstum, attraktive Arbeitsvertragskonditionen (Yurtkoru, Dauda & Sekarawisut, 2017), werden von dem Individuum als Investition in die persönliche Entwicklung gesehen (Remhof, 2015, S. 31; Sjaastad, 1962), was zum Streben nach der Erfüllung deren führt und dementsprechend innerhalb intrinsischer Motivation in einem höheren Leistungsstreben und höherer Zielsetzung (Bandura, 1991), in unserem Fall Arbeit im Ausland, mündet.

Daraus folgt:

Hypothese 1.1: Leistungsmotivation steht in einem positiven Zusammenhang mit der Absicht zur Arbeit im Ausland a) für das Modell 1 und b) für das Modell 2.

Sensation Seeking wird ebenso als eine relativ stabile Verhaltensdisposition aufgefasst, das sich durch die Tendenz auszeichnet, abwechslungsreiche, komplexe, neue und sehr intensive Erlebnisse, Erfahrungen und Eindrücke zu machen und sich möglicherweise in Situationen zu begeben, die Herausforderungen oder Risiken physischer, psychischer oder sozialer Art mit sich bringen (DORSCH Lexikon der Psychologie, 2018; Zuckermann, 1974). Eine Entscheidung ins Ausland zu gehen, ist immer mit Herausforderungen verbunden, und zwar durch die neue Tätigkeit in einem fremden Umfeld, einer fremden Kultur mit fremden Menschen, doch auch mit Risiken durch das Ungewisse (Vandor, 2009, S. 8). Die künftigen Entwicklungen im Ausland sind oft nicht planbar oder vorhersehbar (Fischer, 1999, S. 143), was ein entsprechend hohes Maß an Sensationssuche erfordert. Stoermer, Davies, Bahrisch & Portniagin (2017) zeigten einen positiven Zusammenhang zwischen Sensation Seeking und der Bereitschaft zur internationalen Versetzung auf.

Daraus folgt:

Hypothese 1.2: Sensation Seeking steht in einem positiven Zusammenhang mit der Absicht zur Arbeit im Ausland a) für das Modell 1 und b) für das Modell 2.

Wie erwähnt, bringt die Absicht auf eine Auslandstätigkeit eine Ungewissheit mit sich, in Form von neuen, komplexen und nicht leicht zu lösenden Situationen (DGPS, 2018). Je ungewissheitstoleranter Menschen sind, desto eher suchen sie diese ungewissen Situationen auf und desto erfolgreicher sind sie im Umgang mit diesen Situationen (Dalbert, 1999). Die mit einer Auslandsmission verbundene Bereitschaft zur beruflichen Mobilität, der Umgang mit dem Arbeitsplatzwechsel, die Fähigkeit, sich auf neue berufliche, soziale und kulturelle Anforderungen einzustellen, implizieren einen guten Umgang mit Ungewissheit (Altman & Baruch, 2012). In einer Studie mit Studierenden und Realschülern stellten Dette & Dalbert (2006) eine positive Beziehung zwischen Ungewissheitstoleranz und Mobilitätsbereitschaft fest.

Dem folgend:

Hypothese 1.3: Ungewissheitstoleranz steht in einem positiven Zusammenhang mit der Absicht zur Arbeit im Ausland a) für das Modell 1 und b) für das Modell 2.

Fishbein & Ajzen (1975) nahmen an, dass Einstellungen und subjektive Norm die Verhaltensabsichten bestimmen, welche wiederum Einfluss auf das Verhalten selbst haben (Bierhoff, 2006, S. 340). 2015 konnten Franke, Haushagen, Küstner & Schweizer-Ries in einer Studie zum Energieverhalten einen signifikanten mittleren Zusammenhang zwischen subjektiver Norm und Intentionen nachweisen. Unter subjektiver Norm wird der individuell wahrgenommene soziale, normative Druck durch eine bestimmte Gruppe von Bezugspersonen verstanden, ein Verhalten auszuführen oder es zu unterlassen (Ajzen, 1991; Ajzen & Fishbein, 2005, S. 193). Bei der für eine Auslandsentsendung typischen (Situations-)Unsicherheit spielt der normative Druck der Bezugsgruppe eine wichtige Rolle, da die Expatriierungsaspiranten ihre Absichten und ihr Verhalten an der subjektiven Norm als einer Orientierungsgröße ausrichten (Cialdini & Goldstein, 2004; Remhof, 2015, S. 35).

Dem folgend:

Hypothese 1.4: Subjektive Norm steht in einem positiven Zusammenhang mit der Absicht zur Arbeit im Ausland a) für das Modell 1 und b) für das Modell 2.

Der dritte verhaltensmotivationale Faktor innerhalb der TPB – die wahrgenommenen Verhaltenskontrolle – bezieht sich auf das Ausmaß der von dem Individuum wahrgenommenen Kontrollierbarkeit seines Verhaltens (Ajzen, 1991). Hiernach wird ein beabsichtigtes Verhalten eher ausgeführt, je größer das Zutrauen in die eigenen Fähigkeiten, das Verhalten auszuführen und die zur Verfügung stehenden Ressourcen, die das Ausführen ermöglichen (Bierhoff, 2006, S. 340). Dabei sind Kontrollierbarkeit und Selbstwirksamkeit die zwei Komponenten der wahrgenommenen Verhaltenskontrolle.

Nach Mol et al. (2005), Harrison, Chadwick & Scales (1996), Ramalu, Rose, Jegak & Samy (2010) und anderen Studien ist es die kulturelle Anpassung der Expatriaten, die in einem Setting der internationalen Entsendung die Hauptgröße des Erfolgs einer Auslandsmission darstellt. Kulturelle Intelligenz eines Individuums, die in einem positiven Zusammenhang mit der kulturellen Anpassung steht (Kittler, Rygl & Puce, 2009), sichert das erfolgreiche Sich-Einfinden, Anpassen und Zurechtkommen in einer neuen Kultur (Earley & Ang, 2003). Nach Remhof (2015) erlaubt die Behandlung der kulturellen Intelligenz als Fähigkeit eine Betrachtung im Rahmen der wahrgenommenen Verhaltenskontrolle. Die Selbstwirksamkeit innerhalb der kulturellen Intelligenz hilft den Personen dabei, sich verschiedenen Angelegenheiten und schwierigen Situationen zu stellen, und Herausforderungen ausdauernd und erfolgsgerichtet zu meistern (Ng, Van Dyne & Ang, 2009). Nach Early & Ang (2003) zeigen Individuen, die eine hohe Selbstwirksamkeit aufweisen, ein größeres Interesse, neue Kulturen kennenzulernen, sie zu verstehen und interkulturelle Erfahrungen zu suchen, und somit möglicherweise höhere Absicht zur Arbeit im Ausland.

Dem folgend:

Hypothese 1.5: Motivationale kulturelle Intelligenz steht in einem positiven Zusammenhang mit der Absicht zur Arbeit im Ausland a) für das Modell 1 und b) für das Modell 2.

Die zweite Komponente der wahrgenommenen Verhaltenskontrolle, die Selbstwirksamkeit – self-efficacy beliefs –, ist nach Bandura (1997) die Überzeugung eines Menschen, auch schwierige Situationen und Herausforderungen aus eigener Kraft erfolgreich bewältigen zu können (Stangl, 2018b), d.h. Motivation aufzubringen, um eine Handlung herbei- und auszuführen, welche einen bestimmten Leistungserfolg zur Folge hat (Bandura, 1991, 1997). Somit beeinflusst die Ausprägung der Selbstwirksamkeit direkt die Verhaltensintentionen (Terry & O’Leary, 1995).

Die Selbstwirksamkeit (Self-Efficacy) sowie die Autonomie im Sinne von „Causality Orientation“ nach Deci & Ryan (1985a) wurde im Zusammenhang mit Verhaltensintentionen und Handlungen von Ramezanzade & Arabnarmi (2018) untersucht. Die Wissenschaftler konnten nachweisen, dass es einen signifikanten positiven Zusammenhang zwischen Absicht / Intention und Autonomie sowie Self-Efficacy gibt, ebenso wie es einen signifikanten positiven Zusammenhang zwischen Verhalten und kausaler Autonomie gibt. Somit sind Self-Efficacy und Autonomie signifikante Prädiktoren für Intention und Verhalten, daher auch für Absicht zur Arbeit im Ausland.

Im Rahmen der Self-Determination Theory zeigten Rigby & Ryan (2018) auf, dass die Unterstützung der psychologischen Grundbedürfnisse der Mitarbeiter nach Autonomie, Kompetenz und Zugehörigkeit durch das Management zur „High-Quality“-Motivation führt. Diese kann durch das Management-Klima, Job-Design, gut gestaltete Kompensationsstrategien erreicht werden, doch auch durch die Beeinflussung der wahrgenommenen Unternehmensmission (Rigby & Ryan, 2018). Sind die psychologischen Grundbedürfnisse der Mitarbeiter erfüllt und sehen diese die Unternehmensmission in der Globalisierung bzw. Auslandsmission, so werden sie affektive Bindung an das Unternehmen und dessen Ziele und intrinsische Motivation im Sinne einer stärkeren Verhaltensabsicht entwickeln, um ein Auslandsengagement einzugehen.

Dem folgend:

Hypothese 1.6: Selbstwirksamkeit / Kompetenz steht in einem positiven Zusammenhang mit der Absicht zur Arbeit im Ausland a) für das Modell 1 und b) für das Modell 2.

Hypothese 1.7: Selbstbestimmung / Autonomie steht in einem positiven Zusammenhang mit der Absicht zur Arbeit im Ausland a) für das Modell 1 und b) für das Modell 2.

Hypothese 1.8: Soziale Zugehörigkeit steht in einem positiven Zusammenhang mit der Absicht zur Arbeit im Ausland a) für das Modell 1 und b) für das Modell 2.

2.2.2 Mediationseffekte

Die Persönlichkeitsmerkmale Offenheit für Erfahrung sowie Extraversion haben hohe Relevanz bei der Entwicklung von Bereitschaft bzw. Absicht zur Arbeit im Ausland (Aryee, Chay & Chew, 1996; Douthitt, Eby & Simon, 1999; Mol et al., 2009). Personen mit hoher Ausprägung der beiden Merkmale tendieren dazu, Neues auszuprobieren sowie mit den Vertretern anderer Kulturen in Kontakt zu treten (Caligiuri & Tarique, 2012). Ob eine Person ins Ausland geht oder nicht, hängt daher entscheidend von den beiden Persönlichkeitsmerkmalen Offenheit für Erfahrungen und Extraversion ab (Li, Olson & Frieze, 2013).

Dabei weisen einige Studien auf den direkten Zusammenhang zwischen den beiden Persönlichkeitsmerkmalen Offenheit für Erfahrungen (Aryee, Chay & Chew, 1996) bzw. Extraversion (Remhof, Gunkel & Schlaegel, 2014) und der Absicht hin, andere Untersuchungen wiederum zeigen keine direkten signifikanten Effekte auf (Mol et al., 2009). Bereits Ajzen und Fishbein (2005) stellten die Behauptung auf, dass Persönlichkeitsmerkmale nur in seltenen Fällen direkt die Verhaltensabsichten beeinflussen, sondern dass Persönlichkeitsfaktoren vielmehr durch einstellungsbezogene Variablen mediiert werden (Ajzen, 1985).

Offenheit für Erfahrung korreliert nach McCrae (1990) und Zuckerman (1994) mit Sensation Seeking. Individuen mit starker Offenheit-Ausprägung präferieren nicht nur Abwechslung und neue Erfahrungen, sondern zeichnen sich durch höhere Toleranz für diese Abwechslung und hohe intellektuelle Neugierde aus (Remhof, 2015, S. 46), sowie weisen eine höhere Leistungsmotivation auf (Boneva & Friese, 2001).

Personen mit hoher Extraversion knüpfen mit Leichtigkeit neue soziale Kontakte, haben ein großes soziales Netzwerk, sind abenteuerlustig und gesellig (Wirtz, 2013). Sie suchen nach neuen Erlebnissen (Barrick, Mount & Judge, 2001) und tendieren dazu, Herausforderungen anzunehmen und nicht zuletzt durch ihre ausgeprägte Leistungsmotivation (Costa & McCrae, 1992, S. 17) ihre Zufriedenheit aus der beruflichen Tätigkeit zu beziehen (Costa & McCrae, 1992, S. 15). Da die Arbeit im Ausland herausfordernder ist und höhere Anforderungen an die Leistung einer Person stellt, ein erhöhtes Maß an Abenteuerlust sowie Zuversicht hinsichtlich der Ungewissheiten der neuen Situation erfordert (Costa & McCrae, 1992, S. 15) wird angenommen, dass Individuen mit ausgeprägter Extraversion eher eine ausgeprägte Absicht zur Arbeit im Ausland aufweisen, und dass diese Beziehung durch die beschriebenen Persönlichkeitsfaktoren beeinflusst wird.

Dem folgend:

Hypothese 2.1: Leistungsmotivation mediiert zumindest partiell den Zusammenhang zwischen a) Offenheit und der Absicht zur Arbeit im Ausland sowie b) Extraversion und Absicht zur Arbeit im Ausland.

Hypothese 2.2: Sensation Seeking mediiert zumindest partiell den Zusammenhang zwischen a) Offenheit und der Absicht zur Arbeit im Ausland sowie b) Extraversion und Absicht zur Arbeit im Ausland.

Hypothese 2.3: Ungewissheitstoleranz mediiert zumindest partiell den Zusammenhang zwischen a) Offenheit und der Absicht zur Arbeit im Ausland sowie b) Extraversion und Absicht zur Arbeit im Ausland.

Personen mit hoher Offenheit für Erfahrungen charakterisieren sich durch Offenheit für Input und neue Ideen (Costa & McCrae, 1992, S. 15), daher sollten sie auch an dem Meinungsaustausch mit den wichtigen Personen in ihrem Umfeld interessiert sein hinsichtlich der Einschätzungen der Tätigkeit im Ausland. Dieser Meinungsaustausch wirkt als subjektive Norm und wird als Unterstützung in dem Entscheidungsprozess eines Expatriierungsaspiranten angesehen (Ajzen, 1991).

Die Offenheit, Gesprächigkeit und Kontaktfreudigkeit, durch welche sich extravertierte Individuen auszeichnen (Costa & McCrae, 1992, S. 16), sollte es den Personen aus dem Umfeld der Expatriierungsaspiranten ermöglichen, die Fähigkeiten dieser Personen einzuschätzen, z.B. hinsichtlich einer Auslandsbeschäftigung (Remhof, 2015, S. 47). Diese Einschätzung sollte von den Expatriierungsaspiranten in bekräftigender Rolle gesehen, d.h. die subjektive Norm positiv aufgefasst werden (Remhof, 2015, S. 48).

Folgend:

Hypothese 2.4: Subjektive Norm mediiert zumindest partiell den Zusammenhang zwischen a) Offenheit und der Absicht zur Arbeit im Ausland sowie b) Extraversion und Absicht zur Arbeit im Ausland.

Personen mit hoher Offenheit für Erfahrungen zeichnen sich durch hohe intellektuelle Neugierde aus (Costa & McCrae, 1992, S. 15; Landolt, 2016, o.S.). Sie suchen nach Interaktion mit den Vertretern anderer Kulturen sowie empfinden Freude bei dem Erlernen des Umgangs mit neuen Kulturen und ihren Gepflogenheiten, bis hin zur Freude und Bereitschaft zur persönlichen Veränderung (Caligiuri, 2000, S. 65). D.h., dass Personen mit hoher Offenheit für Erfahrungen sich ebenso durch motivationale kulturelle Intelligenz auszeichnen.

Extravertierte Individuen zeigen ein großes Selbstvertrauen in eigene (Leistungs-)Fähigkeiten (Costa & McCrae, 1992, S. 17) und nach Judge & Illies (2002, S. 800) eine höhere Selbstwirksamkeit auf. Dieses Vertrauen in die eigenen Fähigkeiten kann sich möglicherweise ebenso auf Situationen im interkulturellen Setting fortsetzen. 2016 bestätigten Huff, Song & Gresch (2014), dass die motivationale kulturelle Intelligenz, die Varianz der interkulturellen Anpassung über die Persönlichkeitsmerkmale – auch Offenheit und Extraversion – erklärt.

Daraus folgt:

Hypothese 2.5: Motivationale kulturelle Intelligenz mediiert zumindest partiell den Zusammenhang zwischen a) Offenheit und der Absicht zur Arbeit im Ausland sowie b) Extraversion und Absicht zur Arbeit im Ausland.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 2. Hypothesenübersicht

Nach SDT (Ryan & Deci, 2008) gibt es bei Variation der Persönlichkeitsmerkmale eine Systematik. Insbesondere kommen die für ein Individuumsprofil typische Persönlichkeitsmerkmale besonders in solchen Kontexten zur Geltung, d.h. werden verstärkt, wenn die Grundbedürfnisse nach Kompetenz, Autonomie und Zugehörigkeit unterstützt bzw. erfüllt werden (Ryan & Deci, 2008). Aktuelle Forschung zeigte auf, dass Individuen, die sich in einem die Autonomie unterstützenden Setting befanden, deutlich größere Ausprägung an den Persönlichkeitsmerkmalen der Big 5 als im Normal-Setting zeigten, d.h. sie waren mehr extravertiert, mehr offen, mehr verträglich, mehr gewissenhaft oder aber auch weniger neurotisch (Lynch, La Guardia & Ryan, 2009). Diese Ergebnisse bestätigten die Ergebnisse anderer Studien (Sheldon, Ryan, Rawsthorne & Ilardi, 1997), welche ähnliche Verhaltensmuster für verschiedene Lebensbereiche bestätigten (Ryan & Deci, 2008), demzufolge auch für die Herausbildung der Verhaltensintentionen. Das heißt, dass der Zusammenhang zw. den Persönlichkeitsmerkmalen und der Absicht zur Arbeit im Ausland durch die Erfüllung der Grundbedürfnisse mediiert (verstärkt) werden kann.

Folgend:

Hypothese 2.6: Selbstwirksamkeit / Kompetenz mediiert zumindest partiell den Zusammenhang zwischen a) Offenheit und der Absicht zur Arbeit im Ausland sowie b) Extraversion und Absicht zur Arbeit im Ausland.

Hypothese 2.7: Selbstbestimmung / Autonomie mediiert zumindest partiell den Zusammenhang zwischen a) Offenheit und der Absicht zur Arbeit im Ausland sowie b) Extraversion und Absicht zur Arbeit im Ausland.

Hypothese 2.8: Soziale Zugehörigkeit mediiert zumindest partiell den Zusammenhang zwischen a) Offenheit und der Absicht zur Arbeit im Ausland sowie b) Extraversion und Absicht zur Arbeit im Ausland.

Abbildung 2 spiegelt das Gesamtmodell der Mediationshypothesen wider – Hypothesen 1.1a) und b) bis 1.8 a) und b) sowie 2.1a) und b) bis 2.8a) und b).

3. Methode

3.1 Stichprobengewinnung und -beschreibung

Die Studienteilnehmer wurden aus den Mitgliedern der Online Plattform der Euro FH Hamburg sowie den Social-Media-Plattformen Facebook, LinkedIn.com und XING.de gewonnen. Die Teilnahme an der Umfrage war freiwillig und konnte nicht gesteuert werden. Auf diese Weise ist von einer angemessenen Randomisierung der Stichprobe ausgegangen.

Aufgrund der Ergebnisse bisheriger Forschung wurde eine mittlere Effektstärke (Multiple Regression = .13, =.15) angenommen. Die a priori G-Power-Berechnung der Stichprobengrösse (a = .05; 1-b = .80, number of predictors = 9) ergab N = 114.

Die Stichprobe bestand aus 159 Teilnehmern im Alter von 20 bis 83 Jahren (M = 40.12, SD = 11.46). 60 Personen unter den 159 Befragten waren männlich (38%) und dementsprechend 99 weiblich (62%). 129 der Befragten lebten in einer Partnerschaft und 98 hatten Kinder. 139 der Teilnehmer besaßen deutsche Staatsangehörigkeit (87%), 19 eine andere, jedoch europäische Nationalität (s. Abbildung 3). 39 der Befragten waren gebürtig einer anderen (auch nicht europäischen) Nationalität als die deutsche. 93 Personen (59%) verfügten über einen abgeschlossenen Hochschul- oder höheren Abschluss (s. Abbildung 4). 132 der Befragten waren berufstätig. 29 der Studienteilnehmer lebten zurzeit der Befragung im Ausland (18%). Bei 44 der Teilnehmer lebte der Partner oder ein Familienmitglied im Ausland (28%). 73 der Befragten machten bereits aufgrund des Berufs oder Studiums eine Auslandserfahrung (46%) und zwar für eine Dauer von 1 Monat bis zu 480 Monaten (M = 66.38, SD = 103.28).

Abbildung 3. Verteilung der Nationalitäten in der Stichprobe

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 4. Anteile der Bildungsabschlüsse in der Stichprobe

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

3.2 Untersuchungsdesign

Es wurde eine computergestützte Online-Umfrage durchgeführt. Der aus 91 Fragen bestehende Fragebogen wurde mithilfe der Umfrage-Software „SoSciSurvey“ erstellt.

Die Skalen für die Abfrage der einzelnen Variablen wurden dem ZPID-Testarchiv und ZIS.GESIS Items und Skalen entnommen. Alle Skalen sind standardisiert und somit auf Reliabilität und Validität geprüft. Negativ gepolte Items wurden invertiert.

Offenheit wurde mit der BFI-2 nach Danner et al. (2016) mit 12 Items erhoben. Beispiel: „Ich bin nicht besonders einfallsreich.“ (-)

Extraversion wurde ebenso mit BFI-2 nach Danner et al. (2016) mit 12 Items erhoben. Beispiel: „Ich bin voller Energie und Tatendrang.“ (+)

Leistungsmotivation wurde mit der Skala von Daun, Mattlar & Alanen (1989) mit 5 Items erhoben. Beispiel: „Ich möchte in meinem Leben einmal etwas Großes erreichen.“

Sensation Seeking wurde mit der Skala von Van Dalen & Henkens (2007) mit 3 Items erhoben. Beispiel: „Neue und unvorhergesehene Erfahrungen geben mir den Reiz, den ich im Leben brauche.“

Ungewissheitstoleranz wurde mit UGTS nach Dalbert (1999) mit 8 Items erhoben. Beispiel: „Ich warte geradezu darauf, dass etwas Aufregendes passiert.“

Motivationale kulturelle Intelligenz (KI) wurde nach Ang et al. (2007) mit 5 Items erhoben. Beispiel: „Ich genieße den Umgang mit Personen verschiedener Kulturen.“

Selbstwirksamkeit (Self-Efficacy) wurde mit insgesamt 5 Items erhoben, und zwar: ASKU nach Beierlein, Kovaleva, Kemper & Rammstedt (2014) mit 3 Items sowie 2 Items nach Bosscher und Smit (1998). Beispiel: „In schwierigen Situationen kann ich mich auf meine Fähigkeiten verlassen.“

Selbstbestimmung wurde mit der Skala zur Erfassung der erlebten Autonomie nach Janke & Gloeckner-Rist (2014) mit 6 Items erhoben. Beispiel: „Ich habe das Gefühl, die Planung meiner Tätigkeiten und Aufgaben frei gestalten zu können.“ (+)

Soziale Zugehörigkeit wurde mit der Skala nach Dietrich & Latzko (2017) basierend auf Kramer (2002) mit 5 Items erhoben. Beispiel: „Ich freue mich darauf, nach dem Wochenende meine Kollegen in meiner Firma wiederzutreffen.“

Alle oben aufgeführten Variablen wurden auf einer 5-stufigen Likert-Skala, von 1 – „trifft gar nicht zu“ bis 5 – „trifft voll zu“ gemessen.

Absicht zur Arbeit im Ausland wurde mit der Skala von Remhof (2015), basierend auf den Items von Vandor (2009), mit 9 Items gemessen: 8 Items mit 5-stufiger Likert-Skala, von 1 – „trifft überhaupt nicht zu“ bis 5 – „trifft voll zu“ sowie 1 Item als Abfrage der Wahrscheinlichkeit einer internationalen Tätigkeit in Prozent auf einer 5-stufigen Likert-Skala, von 1 = 0% bis 5 = 100%. Beispiel: „Ich habe bereits konkrete Pläne, im Ausland zu leben und zu arbeiten.“.

Subjektive Norm wurde mit 10 Items von Remhof (2015) basierend auf Dette & Dalbert, (2005), Krueger, Reilly & Carsrud (2000) sowie Otto & Dalbert, (2010), gemessen: 5 Items, welche sich auf die Unterstützung durch wichtige Personen bezogen, auf einer 5-stufigen Likert-Skala, von 1 – „wenig Unterstützung“ bis 5 – „viel Unterstützung“, sowie 5 Items, die sich auf die Wichtigkeit der Meinung dieser Personen(-Gruppen) bezogen, ebenso auf einer 5-stufigen Likert-Skala, von 1 – „unwichtig“ bis 5 – „sehr wichtig“. Beispiel: „In welchem Masse würde Ihr Partner Sie unterstützen, im Ausland zu leben und zu arbeiten?“

Sozio-Demographische Daten wurden mit 11 Items erhoben. Das Geschlecht wurde mit drei Ausprägungen (männlich, weiblich, divers), erfasst. Das Alter der Teilnehmer wurde in Jahren gemessen. Desweiteren wurden als Dropdown-Auswahl der Familienstand, aktuelle Nationalität, Nationalität gebürtig, höchster Bildungsabschluss und berufliche Tätigkeit in die Analyse miteinbezogen, ebenso wie dichotome Abfragen hinsichtlich der Kinder, ob der Teilnehmer zur Zeit im Ausland lebt, hinsichtlich des im Ausland lebenden Partners bzw. Familienmitglieds sowie des früheren Auslandsaufenthalts der Befragten, welcher – bei einer bejahenden Antwort – eine Abfrage der Auslandsaufenthaltsdauer folgte (s. auch Fragebogen im Anhang).

3.3 Durchführung

Um den Inhalt des Fragebogens als Erhebungsinstrument auf Vollständigkeit, Verständlichkeit und Qualität – hierbei insbesondere die Einhaltung der Gütekriterien – sowie forschungs-adäquates Ausfüllen zu prüfen, wurde zwecks Vorbeugung möglicher Probleme vor dem Beginn der Hauptbefragung ein Pretest mit 12 Teilnehmern durchgeführt und die gewonnenen Erkenntnisse aus dem Pretest umgesetzt.

Es wurde eine computergestützte Online-Umfrage durchgeführt. Der Fragebogen wurde auf Online-Portale der Interessengruppen der Studierenden der EURO-FH sowie XING.de und Linked-In.com zur Verfügung gestellt.

Der Fragebogen bestand aus 14 Teilen: der Anleitung, den Teil zur Erhebung der Offenheit mit 12 Items, den Extraversion-Teil mit 12 Items, den Absicht-Abschnitt mit 9 Items, dem Leistungsmotivation-Teil mit 5 Items, Sensation Seeking-Abfrage mit 3 Items, der Abfrage der Ungewissheitstoleranz mit 8 Items, der Sozialen Norm mit 10 Items, der Kulturellen Intelligenz mit 5 Items, der Selbstwirksamkeit mit 5 Items, der Selbstbestimmung mit 6 Items, der Sozialen Zugehörigkeit mit 5 Items sowie der Soziodemographie mit 11 Items.

Die Teilnehmer wurden in der Anleitung angewiesen die Fragen intuitiv und wahrheitsgemäß zu beantworten. Die Datenerhebung lief 15 Tage.

3.4 Datenanalyse

Die statistischen Auswertungen wurde mithilfe von SPSS Statistics 24 vorgenommen. Die Rohdaten wurden auf Ausreißer geprüft und bereinigt. Zunächst wurden die Daten der deskriptiven Statistik analysiert. Die Mittelwerte sowie Standardabweichungen pro Person und Variable sowie die Häufigkeiten der demographischen Daten wurden ermittelt. Korrelationen zwischen den einzelnen Variablen und deren Signifikanz sowie interne Item-Konsistenz wurden ermittelt. Eine Kollinearitätsdiagnose wurde durchgeführt.

Zur Messung der Hypothesengruppe 1 für Modell 1 und Modell 2 (Hypothesen 1.1a und 1.1b bis 1.8a und 1.8b) sowie der Hypothesengruppe 2 für Modell 1 (Hypothesen 2.1a bis 2.8a) und der Hypothesengruppe 2 für Modell 2 (Hypothesen 2.1b bis 2.8b) wurde eine multiple Regression nach Hayes mittels PROCESS, Model 4 für Mediationsanalyse mit Bootstrapping durchgeführt. Wird eine Mindest-Stichprobengrösse von N = 50 erreicht, bietet sich eine Regressionsanalyse mit Bootstrapping als Verfahren an, da es sich hierbei um ein nonparametrisches Verfahren handelt, das die Annahme der Homoskedastizität nicht benötigt und als einen weiteren Vorteil auch ohne die Normalverteilungsannahme auskommt (Baltes-Götz, 2018).

Abbildung 5. Darstellung eines Mediationseffekts (nach Baron & Kenny, 1986; Zymbal, Baptista, Letuchy, Janz & Levy, 2018)

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Die Berechnung der indirekten, direkten Zusammenhänge und des totalen Zusammenhangs stützte sich dabei auf 3 Schritte:

1. Schritt: Da Mediationseffekte einen direkten Zusammenhang zwischen Unabhängigen Variablen (Offenheit – OFF, Extraversion – EX) und den Mediatoren (Leistungsmotivation – LM, Sensation Seeking – SSe, Ungewissheitstoleranz – UT, Subjektive Norm – SN, Motivationale Kulturelle Intelligenz – KI, Selbstwirksamkeit – SW, Selbstbestimmung – SB, Soziale Zugehörigkeit – SZ) voraussetzen, wurden die Wirkungen Prädiktor auf Mediator untersucht (Pfad a, s. Abbildung 5).
2. Schritt: Prüfung Prädiktor auf Kriterium - Untersuchung der direkten Effekte der beiden unabhängigen Variablen – UVs (OFF und EX) sowie der indirekten Effekte der Mediatoren als Prädiktoren (LM, SSe, UT, SN, KI, SW, SB, SZ) – diese Analyse prüfte somit die Hypothesen 1.1a und b – 1.8a und b – auf die abhängige Variable – AV (AB). Dadurch erfolgt die Prüfung der Mediation auf partielle bzw. vollständige Mediationseffekte. Ist der Mediator beim Ergebnis signifikant (Pfad b), doch die Wirkung der UV auf AV (Pfad c‘) nicht mehr signifikant, dann handelt es sich um vollständige Mediation. Ist der Effekt der UV auf AV weiterhin (bzw. gemindert) signifikant, handelt es sich um eine partielle Mediation.
3. Schritt: Prüfung aller Mediationseffekte auf Signifikanz mittels bootstrapping für indirekte Effekte mit 5000 Bootstrap-Ziehungen und Konfidenzintervall-Niveau – für untere Grenze und – für obere Grenze.

4. Ergebnisse

4.1 Ergebnisse der deskriptiven Statistik und Korrelationen

Die Datenanalyse auf Ausreißer führte zu 3 Datenkorrekturen aufgrund von Tippfehlern sowie Entfernung 1 Datensatzes aufgrund nicht interpretierbarer Daten. Auf diese Weise ergab sich ein N = 159.

Die Masse der zentralen Tendenz für alle der 5-stufig-skalierten Variablen bewegten sich in dem oberen Bereich der Skalen (s. Tabelle 1).

Die Prüfung der internen Konsistenz der Skalen wies insgesamt gute Werte auf (s. Tabelle 1). Schnell, Hill und Esser (2011) betrachten die Werte des Cronbach’s a > .8 als sehr gut, wogegen Nunnally (1978) bereits den a > .7 als einen sehr guten Wert vorschlägt, was auch bei Kline (2011) akzeptiert wird (Remhof, 2015, S. 66). Dabei ist anzumerken, dass die interne Konsistenz der Skalen i.d.R. mit der Anzahl der Items wächst (Schnell, Hill & Esser, 2011, S. 145). Daher sollte diese bei der Betrachtung des Cronbach’s a berücksichtigt werden (Cortina, 1993, S. 101).

Tabelle 1. Masse der zentralen Tendenz und interne Konsistenz

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Die Kollinearitätsdiagnose wies lineare Unabhängigkeit der erklärenden Variablen auf, dabei waren die Werte für die Varianzanteile zwischen den Variablen < .07.

Die Prüfung der Korrelationen nach Pearson zeigte signifikanten Effekt zwischen der UV Offenheit und der AV Absicht zur Arbeit im Ausland (r (159) = .31, p < .001) jedoch keine signifikante Korrelation zwischen der UV Extraversion und der AV Absicht zur Arbeit im Ausland (r (159) = .12, p > .05). Alle Korrelationen sind der Tabelle 2 zu entnehmen.

Tabelle 2. Korrelationen nach Pearson

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Anmerkung: N = 159; OFF – Offenheit für Erfahrungen; EX – Extraversion; AB – Absicht zur Arbeit im Ausland; LM – Leistungsmotivation; SSe – Sensation Seeking; UT – Ungewissheitstoleranz; SN – Subjektive Norm; KI – motivationale kulturelle Intelligenz; SW – Selbstwirksamkeit; SB – Selbstbestimmung; SZ – Soziale Zugehörigkeit; signifikante Effekte * p < .05, ** p < .01, *** p < .001.

4.2 Ergebnisse zur Fragestellung und Hypothesen

Die Untersuchung der direkten Effekte der Prädiktoren auf Mediatoren (Pfad a, s. Abbildung 5), d.h. zwischen Offenheit (Modell 1) sowie Extraversion (Modell 2) auf Mediator-Variablen, mittels multivariate Regression nach Hayes (PROCESS) zeigte, dass das Persönlichkeitsmerkmal Offenheit für Erfahrungen positive und signifikante Effekte für sechs von den acht untersuchten Mediatorvariablen aufwies und dass für Extraversion positive und signifikante Effekte für sieben von den acht untersuchten Mediatorvariablen nachgewiesen werden konnten (s. unten, s. auch Tabelle 3 und Abbildung 6).

Für Offenheit und Leistungsmotivation zeigte das Modell positive Effekte bei einem Pfad-Koeffizienten b = .33 sowie t (158) = 3.31 und p < .01 und war somit signifikant. Offenheit hatte somit einen positiven Einfluss auf die Leistungsmotivation und konnte bei = .0652 (F (1, 157) = 10.95, p < .01) 6, 52% der Varianz in der Leistungsmotivationsvariable erklären.

Bei Extraversion und Leistungsmotivation belief sich der Pfad-Koeffizient auf b = .37 und war hoch signifikant (t (158) = 4.05, p < .001). Dabei konnten 9,48% der Varianz in der Variable Leistungsmotivation durch die Variable Extraversion erklärt werden ( = .0948, F (1, 157) = 16,44, p < .001).

Für Offenheit und Sensation Seeking betrug der Pfad-Koeffizient b = .29 und war signifikant (t (158) = 2.89, p < .01). Die Varianzaufklärung betrug 5,05% ( = .0505, F (1, 157) = 8.34, p < .01).

Auch Extraversion zeigte einen positiven Einfluss auf Sensation Seeking bei einem hoch signifikanten Effekt (b = .32, t (158) = 3.49, p < .001). Bei = .0718 (F (1, 157) = 12.14, p < .01) konnten 7,18% der Varianz in der Sensation Seeking-Variable von der Variable Extraversion erklärt werden.

Ebenso einen signifikanten kleinen positiven Effekt zeigte Offenheit auf Ungewissheitstoleranz auf, mit einem b = .23 sowie t (158) = 2.94 und p < .01. Die Varianzaufklärung belief sich auf 5,22% ( = .0522, F (1, 157) = 8.64, p < .01).

Für Extraversion konnte ein signifikanter mittlerer positiver Effekt auf Ungewissheitstoleranz mit b = .34 sowie t (158) = 4.77 und p < .001 nachgewiesen werden. Die Varianzaufklärung betrug 12,64% ( = .1264 , F (1, 157) = 22.71, p < .001).

Einen großen positiven und hoch signifikanten Effekt wies der Zusammenhang zwischen Offenheit und motivationaler kulturellen Intelligenz auf bei b = .49 (t (158) = 5.43, p < .001). Dabei konnten 15,82% der Varianz in der Variable kulturelle Intelligenz von der Variable Offenheit erklärt werden ( = .1582, F (1, 157) = 29.50, p < .001).

Extraversion zeigte einen positiven und signifikanten b = .41 (t (158) = 4.75, p < .001) auf motivationale kulturelle Intelligenz. Hier konnten 12,56% der KI-Varianz durch Extraversion erklärt werden konnten ( = .1256, F (1, 157) = 22.55, p < .001).

Offenheit und Selbstwirksamkeit / Kompetenz zeigten einen mittleren positiven und hoch signifikanten Effekt auf, mit einem b = .35 (t (158) = 5.11, p < .001) mit einer Varianzaufklärung von = .1427 (F (1, 157) = 26.13, p < .001).

Extraversion und Selbstwirksamkeit / Kompetenz wiesen einen b = .43 (t (158) = 7.25, p < .001) und einer Varianzaufklärung = .2511 (F (1, 157) = 52.63, p < .001) auf.

Bei Offenheit konnte ein kleiner bis mittlerer positive Effekt auf Selbstbestimmung / Autonomie nachgewiesen werden, der auch hoch signifikant war bei b = .34 (t (158) = 3.73, p < .001). Dabei konnten 8,13% der Varianz erklärt werden ( = .0813, F (1, 157) = 13.90, p < .001).

Für Extraversion und Selbstbestimmung / Autonomie konnte ein b = .34 (t (158) = 3.99, p < .001) nachgewiesen werden. Die Varianzaufklärung der Selbstbestimmung durch Extraversion betrug dabei = .0921 (F (1, 157) = 15.93, p < .001) und somit 9,21%.

Extraversion zeigte einen positiven und signifikanten Effekt auf die Soziale Zugehörigkeit bei b = .39 (t (158) = 4.39, p < .001). Die Varianzaufklärung betrug 10,94% ( = .1094, F (1, 157) = 19.28, p < .001).

Tabelle 3. Pfad-Koeffizienten – Prädiktor auf Mediator (Pfad a)

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Anmerkung: OFF – Offenheit für Erfahrungen; EX – Extraversion; LM – Leistungsmotivation; SSe – Sensation Seeking; UT – Ungewissheitstoleranz; SN – Subjektive Norm; KI – motivationale kulturelle Intelligenz; SW – Selbstwirksamkeit; SB – Selbstbestimmung; SZ – Soziale Zugehörigkeit; signifikante Effekte * p < .05, ** p < .01, *** p < .001.

Keine signifikanten Effekte bei Offenheit konnten für die Mediationsvariablen Subjektive Norm sowie Soziale Zugehörigkeit nachgewiesen werden, wobei Subjektive Norm einen kleinen positiven Effekt zeigte (b = .14, p > .05), der jedoch statistisch nicht signifikant war. Genauso wies Soziale Zugehörigkeit einen positiven Effekt auf (b = .17, p > .05), der ebenso wenig signifikant war.

Für Extraversion zeigte ebenso die Subjektive Norm einen kleinen positiven Effekt auf, der jedoch statistisch nicht signifikant war (b = .16, p > .05).

Da ein signifikanter Zusammenhang zwischen Prädiktor und Mediator eine Voraussetzung für ein Mediationsmodell darstellt, müssen somit für weitere Berechnungen die Hypothesen 2.4a), dass die Subjektive Norm den Zusammenhang zwischen Offenheit für Erfahrungen und Absicht zur Arbeit im Ausland zumindest partiell mediiert, sowie die Hypothese 2.4b), dass die Subjektive Norm den Zusammenhang zwischen Extraversion und Absicht zur Arbeit im Ausland zumindest partiell mediiert, ebenso wie die Hypothese 2.8a), dass die Soziale Zugehörigkeit den Zusammenhang zwischen Offenheit für Erfahrungen und Absicht zur Arbeit im Ausland zumindest partiell mediiert, verworfen werden.

Die multivariate Regression nach Hayes (PROCESS) prüft im nächsten Schritt die indirekten Effekte der Mediationsvariablen als Prädiktor auf das Kriterium = Absicht zur Arbeit im Ausland (Pfad b, s. Abbildung 5) sowie die direkten Effekte der beiden unabhängigen Variablen als Prädiktor – Offenheit bzw. Extraversion – auf das Kriterium (Pfad c‘, s. Abbildung 5).

Die Prüfung des Modells 1 für Offenheit zeigte, dass 40,18 % der Gesamtvarianz durch die Pfade b und c‘ erklärt werden können (= .4018, F (9, 149) = 11.12, p < .001) und dass das Modell bei einem großen Effekt von = .67 (Cohen, 1988, S. 273) hoch signifikant ist.

Die Prüfung des Modells 2 für Extraversion zeigte, dass 39,77 % der Gesamtvarianz durch das Modell, d.h. die Pfade b und c‘ erklärt werden können (= .3977, F (9, 149) = 10.93, p < .001) und dass das Modell bei einem großen Effekt von = .66 (Cohen, 1988, S. 273) ebenso hoch signifikant ist.

Die Ergebnisse der Prüfung der indirekten Effekte von Mediator-Variablen auf die Kriterium-Variable (Pfad b ) und somit der Hypothesen 1.1a) und b) bis 1.8a) und b) zeigten: à Im Modell 1 für Offenheit für Erfahrungen wies nur motivationale kulturelle Intelligenz einen positiven und signifikanten Effekt (b = .88, t (158) = 6.65, p < .001) auf. Alle weiteren Mediatonsvariablen zeigten zwar kleine positive sowie negative Effekte auf Absicht, die jedoch statistisch nicht signifikant waren (s. Tabelle 4, s. auch Abbildung 6).

Das bedeutet, dass bei dem Modell 1 nur motivationale kulturelle Intelligenz (Hypothese 1.5 a) auf einem signifikanten Niveau zur Erklärung des Modells 1 beitragen konnte.

Tabelle 4 Indirekte (Pfad b) und direkte Effekte (Pfad c‘) Modell 1

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Anmerkung: Die Werte der Koeffizienten sind unstandardisiert. OFF – Offenheit für Erfahrungen; LM – Leistungsmotivation; SSe – Sensation Seeking; UT – Ungewissheitstoleranz; SN – Subjektive Norm; KI – motivationale kulturelle Intelligenz; SW – Selbstwirksamkeit; SB – Selbstbestimmung; SZ – Soziale Zugehörigkeit; signifikante Effekte * p < .05, ** p < .01, *** p < .001. à Bei dem Modell 2 für Extraversion zeigten zum einen Leistungsmotivation (b = .25, t (158) = 2.09, p < .05), zum anderen motivationale kulturelle Intelligenz (b = .98, t (158) = 7.59, p < .001) einen positiven und statistisch signifikanten Effekt auf (s. Tabelle 5, s. auch Abbildung 6).

Das bedeutet, dass bei dem Modell 2 Leistungsmotivation (Hypothese 1.1b) sowie motivationale kulturelle Intelligenz (Hypothese 1.5b) auf einem signifikanten Niveau zur Aufklärung des Modells 2 beitragen konnten.

Tabelle 5 Indirekte (Pfad b) und direkte Effekte (Pfad c‘) Modell 2

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Anmerkung: Die Werte der Koeffizienten sind unstandardisiert. EX – Extraversion; LM – Leistungsmotivation; SSe – Sensation Seeking; UT – Ungewissheitstoleranz; SN – Subjektive Norm; KI – motivationale kulturelle Intelligenz; SW – Selbstwirksamkeit; SB – Selbstbestimmung; SZ – Soziale Zugehörigkeit; signifikante Effekte * p < .05, ** p < .01, *** p < .001.

Das bedeutet, dass für die Hypothesengruppe 1.1 bis 1.8 im Modell 1 (Offenheit à Absicht) nur Hypothese 1.5a), es gäbe einen positiven Zusammenhang zwischen motivationaler kulturellen Intelligenz und Absicht zur Arbeit im Ausland, bestätigt werden konnte. Im Modell 2 (Extraversion à Absicht) konnten die Hypothese 1.1b), es gäbe einen positiven Zusammenhang zwischen Leistungsmotivation und Absicht zur Arbeit im Ausland sowie die Hypothese 1.5b), es gäbe einen positiven Zusammenhang zwischen motivationaler kulturellen Intelligenz und Absicht zur Arbeit im Ausland, bestätigt werden.

Die Hypothese 1.1a), es gäbe einen positiven Zusammenhang zwischen Leistungsmotivation und Absicht zur Arbeit im Ausland für das Modell 1, musste verworfen werden.

Die Hypothesen 1.2a) für das Modell 1 und 1.2b) für das Modell 2, es gäbe einen positiven Zusammenhang zwischen Sensation Seeking und Absicht zur Arbeit im Ausland, mussten abgelehnt werden.

Die Hypothesen, 1.3a) für das Modell 1 und 1.3b) für das Modell 2, es gäbe einen positiven Zusammenhang zwischen Ungewissheitstoleranz und Absicht zur Arbeit im Ausland, mussten abgelehnt werden

Die Hypothesen 1.4a) für das Modell 1 und 1.4 b) für das Modell 2, es gäbe einen positiven Zusammenhang zwischen Subjektiver Norm und Absicht zur Arbeit im Ausland, wurden abgelehnt.

Ebenso mussten die Hypothesen 1.6a) für das Modell 1 sowie 1.6b) für das Modell 2, es gäbe einen positiven Zusammenhang zwischen Selbstwirksamkeit und Absicht zur Arbeit im Ausland, verworfen werden.

Die Hypothesen 1.7a) für das Modell 1 und 1.7b) für das Modell 2, es gäbe einen positiven Zusammenhang zwischen Selbstbestimmung und Absicht zur Arbeit im Ausland, wurden abgelehnt.

Die Hypothesen 1.8a) für das Modell 1 und 1.8b) für das Modell 2, es gäbe einen positiven Zusammenhang zwischen Sozialer Zugehörigkeit und Absicht zur Arbeit im Ausland, konnten ebenso nicht bestätigt werden.

[...]

Ende der Leseprobe aus 74 Seiten

Details

Titel
Der Zusammenhang zwischen Offenheit für Erfahrungen bzw. Extraversion und der Absicht zur Arbeit im Ausland
Hochschule
Europäische Fernhochschule Hamburg
Note
1,0
Autor
Jahr
2019
Seiten
74
Katalognummer
V903039
ISBN (eBook)
9783346223135
ISBN (Buch)
9783346223142
Sprache
Deutsch
Anmerkungen
In ihrer exzellenten Masterarbeit untersucht die Autorin Sylvia F. Rodatz die Beziehung motivationaler, kognitiver und persönlichkeitsbezogener Variablen in Zusammenhang mit der Arbeit im Ausland unter Bezugnahme auf die Theory of planned Behavior, die Self-Determination Theory, die sozial-kognitive Theorie der Self-efficacy und den Ansatz zur kausalen Autonomie. Hierzu führt sie eine Online-Befragung durch. Frau Rodatz legt eine Arbeit auf höchstem Niveau mit teilweise brillanten Elementen vor und beweist so exzellente wissenschaftliche Fähigkeiten. (Erstgutachter)
Schlagworte
Persönlichkeitsmerkmale, Absicht zur Arbeit im Ausland, Expatriierung, TPB, SDT, Self-Efficacy, kausale Autonomie, Big Five
Arbeit zitieren
Sylvia F. Rodatz (Autor:in), 2019, Der Zusammenhang zwischen Offenheit für Erfahrungen bzw. Extraversion und der Absicht zur Arbeit im Ausland, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/903039

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