Erziehung und Werte in der heutigen Zeit

Welche Chancen und Risiken lassen sich anhand der Erwerbstätigkeit von Müttern in Bezug auf den Erziehungsstil und die vermittelten Werte an Kinder diskutieren?


Hausarbeit, 2020

22 Seiten, Note: 14,0


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Einleitung

1. Erwerbstätige Mütter in der Familie von heute

2. Werte
2.1 Wertevermittlung und Werteentwicklung
2.2 Wertewandel

3. Erziehung
3.1 Sozialisation
3.2 Werteerziehung
3.3 Der autoritative Erziehungsstil

4. Erwerbstätigkeit, Werte und Erziehung; was sagt die Forschung?
4.1 Als wichtig empfundene Erziehungsziele von erwerbstätigen Müttern
4.2 Die heutige Zeit und ihre Herausforderungen an die Erziehung
4.3 Die Doppelbelastung von Familie und Beruf
4.4 Auswirkungen der Erwerbstätigkeit der Mutter für die Kinder

5.Fazit

Literaturverzeichnis

Einleitung

Wir leben in einer Zeit des Fortschrittes. Seit Jahren erklimmt die Frau den Berg der Emanzipation und wandelt somit ihre Stellung in Gesellschaft, Familie und Beruf. Währenddessen beeinflusst die Leistungsgesellschaft die Anforderungen und den Rahmen in dem dieser Wandel vonstatten geht. Die Familie erfährt an vorderster Front, was es heißt den Anforderungen der „Schneller-“, „Weiter-“, „Höher-“ Gesellschaft gerecht zu werden. Die gegenseitige Beeinflussung des Wandels von Werten, Familienstruktur, Erziehung und die Rolle der Frau in unserer heutigen Gesellschaft, lässt vielerlei Fragen offen, auf welche es in der Forschung noch wenige Antworten gibt.

Die Zahlen verdeutlichen diesen Wandel von Frauen innerhalb der Familie. Der immer größer werdende Anteil erwerbstätiger Mütter, der inzwischen bei 74% liegt, stellt sie vor neue Herausforderungen (vgl. Statistisches Bundesamt, 2018). Obwohl sich die Frau in ihrer gesellschaftlichen Rolle vom traditionellen Muster abspaltet, pendelt sich genau dieses traditionelle Muster in Form von Aufgabenverteilung in der Familie, ab der Geburt des ersten Kindes, ein. Die traditionelle Rollenverteilung geht so weit, den Frauen beim Wiedereinstieg in den Beruf vier Stunden täglich mehr Zeit als dem Mann abzuverlangen. (vgl. Peuckert, 2019, S. 196). Hinzuzufügen sind die Werte unserer Zeit, bezogen auf die Erziehung und der damit verbundenen Sozialisation der Kinder. Die Wertevorstellungen für Kinder und der benötigte zeitliche Aufwand für ihre Erziehung stellt die Eltern auf die Probe. Denn die „Anforderungen an die familiale Erziehungspraxis und an die Elternrolle sind gestiegen, so das Resümee vieler zeitgenössischer Studien“ (vgl. King & Busch, 2012, S.12). Man sieht den Kontrast der neuen Rolle der Mutter innerhalb der Gesellschaft, den damit verbundenen Aufwand im alltäglichen Leben und der auf neuen Werten und gesellschaftlichen Wandel basierenden Erziehungsansprüchen. Der daraus resultierende Druck auf die Mutter zeigt sich in vielerlei Hinsicht und wird im späteren Verlauf thematisiert.

Als Fundament dieser Arbeit werden in erster Linie die Frauen und ihr familialer Bezug in unserer Gesellschaft, wobei hier die Mütter fokussiert betrachtet werden, thematisiert. Eine Säule bilden die Werte, welche, in jeglichem Kontext zu dem Wandel, der Vermittlung sowie der Entwicklung, erläutert werden. Anschließend bildet die Erziehung die zweite Säule der Arbeit, welche zuerst an sich, dann als Form der Sozialisation, der Werteerziehung und dem Optimum des Erziehungsstils, diskutiert wird. Im weiteren Verlauf bilden die unterschiedlichen Diskussionspunkte von Auswirkungen des gesellschaftlichen Wandels der Frau, in Form der Erwerbstätigkeit der Mütter, das Dach. Hier wird speziell auf die Aspekte der gewünschten Erziehungsziele, des zeitlichen Mangels, der gesundheitlichen Folgen und abschließend der Kinder in diesem Zusammenhang eingegangen und evaluiert. Demnach ergibt sich die Fragestellung: Was für Chancen und Risiken lassen sich anhand der Erwerbstätigkeit von Müttern in Bezug auf den Erziehungsstil und die vermittelten Werte an Kinder diskutieren? Um diese Frage zu beantworten, ist die folgende Arbeit in fünf Kapitel gegliedert. Zunächst erfolgt eine Einführung in die Thematik der „Frau von heute“ im gesellschaftlichen, familiären und erwerbstätigen Kontext. Anschließend werden Werte in Bezug der Vermittlung, Entwicklung und des Wandels dargestellt. Darauf folgt die Auseinandersetzung mit dem Begriff Erziehung, der Sozialisation, der Werteerziehung und dem autoritativen Erziehungsstil. Das vierte Kapitel behandelt die Diskussionspunkte rund um das Thema der Erwerbstätigkeit der Mütter. Fokussiert betrachtet werden hier: die Erwerbstätigkeit von Müttern und dessen Bedeutung für die Erziehungsziele oder Werte, die möglichen gesundheitlichen Risiken durch die Doppelbelastung von Arbeit und Familie, der „Zeit-“ Aspekt im alltäglichen Leben, sowie die Kinder in diesem Zusammenhang. Abschließend folgt ein Fazit der Chancen und Risiken für die erwerbstätige Mutter, Kinder, Werte und Erziehung. Hier werden die wichtigsten Thesen gegenübergestellt, zusammengefasst und eine Schlussfolgerung gezogen.

1. Erwerbstätige Mütter in der Familie von heute

Die Mutter in das „Hier und Jetzt“ innerhalb der Familie einzuordnen, dient als Fundament für den weiteren Verlauf der Bearbeitung des Erkenntnisinteresses. Um ein Bild zu schaffen, welches der modernen Mutter ein Gesicht gibt und sie gleichzeitig in den modernen Familienkontext einordnet, werden Ergebnisse von Forschungen und Zahlen sowie Fakten genannt.

Die durchschnittliche Frau wird im Alter von 30 Jahren Mutter, bekommt 1,57 Kinder und wird um die 84 Jahre alt (Statistischen Bundesamtes, 2018a). Zurzeit gibt es 11 Mio. Mütter in Deutschland, (2,2 Mio. alleinerziehend) (ebd.). Von diesen 11 Mio. sind 73,9% erwerbstätig (Statista, 2018), wovon wiederum ein Drittel in Vollzeit arbeitet (Statistisches Bundesamt, 2018a). Zum Thema Bildung, übertrumpft die „Frau von heute“ inzwischen die Männer, denn 51% der 20- bis 29-Jährigen haben das Abitur oder die Fachhochschulreife, während 29% der 30- bis 34-Jährigen über einen Hochschulabschluss verfügen. Das sind doppelt so viele wie in der vorherigen Generation (vgl. Statistisches Bundesamt, 2018b). Dementsprechend wurde der „gender gap in education“ umgekehrt (Peuckert, 2019, S. 358).

Je älter die Kinder sind, desto höher ist die Erwerbsbeteiligung der Mütter. Da in Deutschland der Anstieg der Erwerbsbeteiligung von Müttern mit Kindern im Kindergarten- und Schulalter im Wesentlichen auf der Zunahme von Teilzeittätigkeiten und geringfügigen Tätigkeiten beruht, kann man in der Familienphase von einem Wandel des traditionalen Ernährer- bzw. Versorger-Modells (Mann Vollzeit/Frau nicht erwerbstätig) zum modifizierten Ernährer- bzw. Versorgermodell (Mann Vollzeit/Frau Teilzeit) sprechen. Denn 70% der Familien von heute leben in dieser Konstellation (vgl. ebd. S.418). Bei traditionellen Modellen der Arbeitsteilung, also bei Vollzeit-Erwerbstätigkeit des Mannes und Nicht-Erwerbstätigkeit oder Teilzeit der Frau ist Kinderlosigkeit mit 5 bzw. 6 % selten. (vgl. ebd. S. 187). Daran anknüpfend sagen Mütter zu 59%, dass der wichtigste Grund, die Erwerbstätigkeit in Teilzeit zu realisieren, die Betreuung der Kinder sei (vgl. ebd. S. 407). Daraus ist abzuleiten, dass im Vergleich zu den Vätern, die Mütter es für wichtiger erachten, eine geringe Arbeitszeit auf sich zu nehmen, um für die Betreuung der Kinder da zu sein. Demnach zeigt sich das dominante Muster der bestehenden Familienordnung und unterstreicht das modifizierte Ernährer- bzw. Versorgermodell. Der hohe Anteil der Teilzeitbeschäftigten sorgt einerseits für bessere Chancen zur Vereinbarkeit von Arbeit und Familie und andererseits zu finanziellen Einbußen und reduziert die Chancen für eine berufliche Karriere (vgl. ebd. S.410). Die Daten dienen dem allgemeinen Verständnis für den Wandel, welchen Frauen und Mütter durchlaufen. Die Mutter als quintessenziellen Faktor der Kindererziehung steht heute in einer ganz neuen Stellung im Familiengefüge. Der seitdem stattgefundene Wandel des weiblichen Lebenszusammenhangs lässt sich auf die Formel „Vom Dasein für andere“ zum „Anspruch auf ein Stück eigenes Leben“ bringen, zitiert nach Elisabeth Beck-Gernsheim (1983) (vgl. ebd. 2019, S.358).

2. Werte

Eine erste Säule dieser Arbeit bilden die Werte unserer Zeit. Ersteinmal müssen die, für diese Arbeit, wichtigen Werte herauskristallisiert werden. In diesem Zusammenhang sind die Orientierungswerte, welche „hierbei Ideale oder Leitbegriffe, an denen wir uns in allen unseren Wertungen orientieren“, gemeint (Standop, 2005, S. 13). Diese drücken sich in Zielen für erwünschte Zustände innerhalb von Individuen-, Gruppen- sowie gesellschaftlichen Werten aus (ebd.). Außerdem bilden solche gesellschaftlich vorherrschenden Wertorientierungen das „Grundgerüst der jeweils aktuellen Kultur“, zitiert Standop nach Schäfers (1992). Darüber hinaus sind Werte emotional behaftet, abstrakt formuliert, hierarchisch individuell angeordnet, relativ stabil über die Lebensspanne hinweg und drücken sich im menschlichen Verhalten aus (vgl. Schmitz 2000, S.350). Weiterhin sind sie ein Teil des Selbstbildes einer Person. Genauer gesagt, geben sie eine Antwort auf die Frage: „Wer bin ich?“ (vgl. Döring & Cieciuch, 2018, S.18). Eine Forschung aus den 1970er Jahren zeigt, dass Werte ein spezifisches Verhalten zu einem bestimmten Zeitpunkt nicht präzise vorhersagen können, jedoch mehrere verschiedene Verhaltensweisen über die Zeit hinweg (vgl. Döring & Cieciuch, 2018, S.31). Ist beispielsweise die Umwelt einer Person wichtig, so wird sich das in vielen verschiedenen Verhaltensweisen, wie etwa der Mülltrennung und der politischen Wahl gegebenenfalls zeigen. Jedoch könnte man dies nicht nur auf ein bestimmtes Verhalten in diesem Kontext beschränken. Man könnte meinen, dass auf Menschen bezogen, sich aus Werten und den daraus resultierenden Handlungen viel für die Zukunft der jeweiligen Person ableiten lässt.

2.1 Wertevermittlung und Werteentwicklung

Um hier einen weiteren Einblick zu liefern, muss dargelegt werden, wie sich Werte entwickeln und wie sie sich vermitteln lassen. Die Werte im jungen Alter sind relativ stabil, ändern sich jedoch über die Entwicklungsspanne des Kindes- und Jugendalters hinweg. Hinzuzufügen von Elena Makarova et al. (2018) ist, dass „explizit- durch die Erziehungsziele ihrer Eltern und implizit durch die deren Werthaltungen, die sich in alltäglichen Handlungen und Verhaltensweisen ausdrücken und vermittelt werden“ zitiert nach Herzog, Böni & Guldimann, 1997; Knafo, 2003; Makarova, Herzog, Weber & Kipfer, 2013. Der Begriff der Wertetransmission wird in diesem Kontext verwendet, da er beschreibt, dass Werte nicht ausschließlich selbst gewählt oder zufällig entstanden sind, sondern innerhalb der Familie durch die Weitergabe der Wertorientierung der Eltern im Prozess der familiären Sozialisation entstehen (vgl. Schönpflug, 2009). Das familiäre Umfeld nimmt also eine Schlüsselrolle in der Vermittlung von Werten an die heranwachsende Generation ein (vgl. Döring et al. 2017). Wie gut dieser Prozess verläuft, liegt natürlich auch in den Händen der Kinder, welche die Werte erstmals akzeptieren oder zurückweisen können. Die Kinder nehmen also auch eine aktive Rolle ein, indem sie die elterlichen Werthaltungen interpretieren und evaluieren. Dies geschieht ebenfalls, indem sie eigene Begehren mit denjenigen ihrer Eltern vereinbaren (vgl. Makarova et al. 2018, S.60). Als weiterer entscheidender Punkt ist zudem die Motivation der Eltern zu nennen, die eigenen Werte weiter zu geben (vgl. Schönpflug & Bilz 2009).

Ein großer Teil der Wertevermittlung sind die bereits erwähnten Erziehungsziele. Definiert betrachtet sind Erziehungsziele, Ziele von Erziehenden im familiären Umfeld von Eltern, die darauf ausgerichtet sind, „das Gefüge der psychischen Dispositionen anderer Menschen in irgendeiner Hinsicht dauerhaft zu verbessern oder als wertvoll beurteilte Bestandteile zu erhalten oder die Entstehung von Dispositionen, die als schlecht bewertet werden, zu verhüten“ (Brezinka, 1995, S. 161). Außerdem spielt hier auch die Erziehungsorientierung der Eltern einen einflussreichen Faktor, wobei die elterliche Werthaltung nicht zwingend mit den wertbezogenen Erziehungszielen übereinstimmen muss. Die Mutter jedoch zeigt eine stärkere Übereinstimmung zwischen den Erziehungswerteinstellungen und den eigenen Werten (vgl. Makarova et al. S.64). Erziehungswerteinstellungen sind hier die gewünschten Werte für ihre Kinder, vermittelt durch die Erziehung. Die Rolle der Erziehung wird in diesem Zusammenhang im weiteren Verlauf behandelt. Interessanterweise offenbaren Ergebnisse einer Schweizer Studie bedeutende Informationen über die Wertetransmission zwischen Eltern und Kindern, aber insbesondere zwischen Mutter und Kind. Der Einfluss der mütterlichen Werteinstellung zeigt sich signifikant bei den Wertetypen Offenheit für Wandel und Selbsttranszendenz. Generell erweist sich, dass die Werteinstellung der Kinder sich an denen der Mutter mehr orientieren, als an denen des Vaters (ebd.). Dieser Effekt wird verstärkt, wenn die Werteinstellungen der Eltern sich unterscheiden (vgl. Makarova et al. S. 71). Demzufolge ist der Sozialisationseinfluss der Mutter stärker. Eine weitere Forschung zum Thema Wertevermittlung, durchgeführt von der Life Studie, welche nicht nur die familiäre Weitergabe von Werthaltungen untersuchte, sondern auch einen Einblick in die aktiven Mechanismen liefert, kam zu dem Ergebnis, dass wenn „die Eltern den Kindern freundschaftlich und warmherzig zugetan sind und in Gesprächen ihre Überzeugungen und Werte begründeten, es ihnen sehr gut gelang, beispielsweise bezogen auf den politischen Bereich, ihre Haltungen weiterzugeben“ (Stein, 2013, S.15).

2.2 Wertewandel

Um den Gesellschaftlichen Aspekt zu beleuchten und somit die Werte in den Kontext von heute einzuordnen, wird der Wertewandel unserer Zeit kurz beschrieben. Oldenmeyer beschreibt ihn als „eine Änderung der Präferenz- und Rangordnung von Orientierungswerten“ (1979, S. 30). Weiterhin werden die „Veränderung der Lebensverhältnisse, die Ausweitung des Wissens, dem Wandel von Weltanschauung, Ideologien und Ähnlichem“ als Grund dieses Wandels gesehen. Davon lässt sich ableiten, dass die Umstände der Gesellschaft einen Wandel der Wertvorstellungen veranlasst. Werte sind nämlich historisch gesehen jeweils auch immer an einen gesellschaftlichen Kontext geknüpft (vgl. Standop, 2005, S.28). Der Wertewandel führt somit „neben der Veränderung von Einstellungen, sozialem Handeln und sozialer Wahrnehmung zugleich zur Veränderung von Institutionen, Normen und den Formen des Zusammenlebens“ ( Standop, S.26).

3. Erziehung

Das Thema Erziehung ist ein sehr umfangreiches und dementsprechend werden nur die für diese Arbeit wichtigen Aspekte beleuchtet. In erster Linie „beschreibt der Begriff Erziehung Prozesse, die Personen (in der Regel, Kinder oder Jugendliche) unter Anleitung anderer durchlaufen, um ihre intellektuellen, emotionalen, geistigen, sozialen und physischen Fähigkeiten zu entwickeln (=Personalisation) und zu vollwertigen Mitgliedern der sozio-kulturellen Gemeinschaft zu werden, der sie angehören (=Sozialisation/Enkulturation)“ (Seel & Hanke, 2015, S.14). Die Erziehung erfährt in der Gesellschaft eine herausragende Rolle und wurde demnach im deutschen Grundgesetz als „obliegende Pflicht“ der Eltern verankert (Art. 6 Abs. 2 GG).

3.1 Sozialisation

Der Definition nach sind die Begriffe Personalisation, Sozialisation, Enkulturation, die Aspekte des „Erzogen - Werdens“ und des Erziehens aufgegriffen worden. Der für den weiteren Verlauf wichtige Begriff der Sozialisation umfasst den Vergesellschaftungsprozess innerhalb der Erziehung. Dieser konstituiert den Menschen als „soziales Wesen, das nur in sozial bedeutsamen Situationen Mensch werden und bleiben kann“ (Seel & Hanke, 2015, S13). Demnach steht der Mensch, laut Seel und Hanke, in einem kontinuierlichen sozialen interaktionellen Austausch mit seiner Umwelt, verfasst nach Hurrelman et al. (2008) Folglich sind die stark prägenden Einflüsse der Familie, Milieu und Schule, welche Gesellschaft, Staat, epochale Strömungen (Zeitgeist), soziale und kulturelle Anpassungsprozesse an soziale und kulturelle Bedingungen beeinflussen, zu erwähnen (vgl. Seel & Hanke S.13). Durch den überwiegend funktionalen und unbewussten Ablauf des Prozesses der Sozialisation, spaltet sich dieser von der Erziehung ab (ebd.).

3.2 Werteerziehung

Auf die Werte bezogen gibt es nach Stein drei Erziehungsarten: zunächst die intentionale Erziehung, in der absichtsvoll von den Erziehenden Werte vermittelt werden, dann die funktionale Erziehung, in der erzieherische Effekte durch andere Tätigkeiten unabhängig der Einbeziehung der Kinder erreicht werden und letztlich die extensionale Erziehung, in der bewusst gesetzte Impulse zum indirekten Lernen von Werten gesetzt werden (vlg. Stein, 2013, S.16). Diese drei Komponenten geben verschiedene Möglichkeiten, bewusst Werte durch verschiedene Handlungsweisen zu vermitteln.

Daran anknüpfend wird als moderierende Variable der Weitergabe elterlicher Werte im Erziehungsgeflecht, der Erziehungsstil der Eltern gesehen. Stein zitiert nach Liebenwein (2008), welcher, „unter den Begriff des Erziehungsstils die Erziehungspraktiken (etwa Lob), die Erziehungseinstellungen (etwa autoritäre Haltung) und die Erziehungsziele (etwa Durchsetzungsstärke)“ fasst. Die unterschiedlichen Erziehungszielestile sind durch das Maß an Kontrolle und der zugestandenen Wärme gekennzeichnet und umfassen den autoritativ-demokratischen Erziehungsstil (hohe Wärme, hohe Kontrolle), den autoritären Erziehungsstil (geringe Wärme, hohe Kontrolle), den permissiv-nachgiebigen Erziehungsstil (hohe Wärme, geringe Kontrolle) und den vernachlässigenden Erziehungsstil (geringe Wärme, geringe Kontrolle) (ebd.). Der Erziehungsstil bildet einen großen Zusammenhang zur Werteentwicklung (Vgl. Stein, 2013, S.19). Diese können sich positiv oder negativ auf das Kind auswirken. Folglich besteht der größte Zusammenhang zwischen gewünschter Werteentwicklung und Erziehungsstil beim autoritativ-demokratischen Erziehungsstil. Die Haltungen werden nämlich dialogisch-argumentativ weitergegeben, ohne Druck und entsprechen so dem größten Einfluss. Der vernachlässigende Erziehungsstil steht dem gegenteilig gegenüber (ebd.).

3.3 Der autoritative Erziehungsstil

Wie bereits erwähnt, ist der autoritative Erziehungsstil gekennzeichnet durch ein hohes Maß an Kontrolle des kindlichen Verhaltens und emotionaler Wärme innerhalb der Erziehung. „Die Eltern setzen Standards für das kindliche Betragen, aber stets gemäß dem Entwicklungsstand des Kindes. Sie legen großen Wert auf die Entwicklung von Eigenständigkeit und Selbstlenkung, übernehmen aber letztendlich die Verantwortung für das kindliche Verhalten“ (Seel & Hanke, 2015, S.608). Außerdem werden die Kinder für anstehende Probleme mit in den Diskussionsprozess eingebunden. Die Erziehungsstilforschung gibt einige Einblicke in die Auswirkungen des autoritativen Erziehungsstils. Verglichen mit den anderen Erziehungsstilen bilden sich höhere Werte im Bereich „zuträglichere Anpassung“, „psychosoziale Entwicklung“, „Schulleistung“ und niedrigere Werte bei „Stress“, und „Verhaltensprobleme“. Den Forschungen zufolge, gibt es einen klaren Zusammenhang zwischen dem autoritativen Erziehungsstil und einer gesunden psychosozialen Entwicklung des Kindes (ebd.). Seel und Hanke (2015, S.607) gehen sogar so weit zu sagen, dass dieser Erziehungsstil das „pädagogische Ideal der modernen demokratischen Gesellschaft“ ist. Im Wesentlichen zeichnet sich der Erziehungsstil durch eine angemessene Balance zwischen Einengung und Autonomie aus und bietet dem Kind so die Möglichkeit Selbstvertrauen im Rahmen von Standards und Anleitungen zu entwickeln. Die Resilienz des Heranwachsenden wird durch die mit dem Altern verbundenen Freiheiten für Handlungsweisen garantiert. Dementsprechend werden auf persönliche Ressourcen zurückgegriffen, um die von außen bewirkten Krisen zu bewältigen (ebd.). Die Eltern nehmen die Kompromissfähigkeit wahr und begünstigen damit die intellektuelle Entwicklung, welche die Grundlage der psychosozialen Entwicklung darstellt. Das Verständnis des Kindes für soziale Beziehungen wird durch die Erklärung über Entscheidungen, Verhaltensregeln und Erwartungen gefördert. Dies spielt eine entscheidende Rolle bei der Entwicklung von Urteilskraft, Einfühlungsvermögen, Rollenübernahme und moralischen Urteilen (ebd.).

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Details

Titel
Erziehung und Werte in der heutigen Zeit
Untertitel
Welche Chancen und Risiken lassen sich anhand der Erwerbstätigkeit von Müttern in Bezug auf den Erziehungsstil und die vermittelten Werte an Kinder diskutieren?
Hochschule
Philipps-Universität Marburg  (Institut für Erziehungswissenschaft)
Veranstaltung
Grundfragen der Erziehungswissenschaften
Note
14,0
Autor
Jahr
2020
Seiten
22
Katalognummer
V903086
ISBN (eBook)
9783346193353
ISBN (Buch)
9783346193360
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Emanzipation, Werte, Erziehung, Werteerziehung, Erziehungsstile
Arbeit zitieren
Samuel Buchanan (Autor), 2020, Erziehung und Werte in der heutigen Zeit, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/903086

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