Psalmen im gymnasialen Religionsunterricht


Seminararbeit, 2005

25 Seiten, Note: 2,0


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung
1.1 Reflexion über das Interesse an den Psalmen
1.2 Zielsetzung

2. Auswahl geeigneter Psalmen
2.1 Auswahl und Reihenfolge geeigneter Psalmengattungen
2.2 Auswahl einzelner Psalmen

3. Exegese der ausgewählten Psalmen
3.1 Psalm 22
3.2 Psalm 23
3.3 Psalm 104

4. Didaktische Entscheidungen
4.1 Ziele
4.2 Inhalte
4.3 Methoden

5. Schritte

6. Literaturverzeichnis

1. Einleitung

1.1 Reflexion über das Interesse an den Psalmen

Die Psalmen, Lieder und Gebete aus dem alten Israel, werden seit über zwei Jahrtausenden von Gläubigen gesprochen, gebetet, gesungen, voller Inbrunst herausgeschrieen oder ergriffen geflüstert. Denn so unterschiedlich die in den Psalmen aufgegriffenen Themen auch sein mögen, eines haben sie doch gemeinsam: Sie greifen elementare Erfahrungen des Menschen auf, schreckliche Angst und Verzweiflung, aber auch überströmende Dankbarkeit: Bedrückung ebenso wie tief empfundenes Glück über die Schöpfung, und sie sind daher in jeder geschichtlichen Epoche aktuell.

Besonders in unserer westlichen Gesellschaft ist es befreiend, wenn anfangs vielleicht auch etwas fremd, dass in den Psalmen nicht nur die positiven, sondern auch die negativen Emotionen ausgedrückt und nicht unterdrückt werden. Das Leid wird ernst genommen und als Zustand akzeptiert, der berechtigt ist und nicht vor den Mitmenschen versteckt werden muss. Es gibt keine oberflächlichen Trostworte wie „das wird schon wieder“ oder „ist doch alles nur halb so schlimm“. Freude und Leid, beide haben ihre Zeiten im Leben und dürfen offen gezeigt werden.

Trotzdem bleibt der Psalmenbeter auch in den Klagepsalmen nie bei der Anklage Gottes stehen. Nach der Klage folgt ein Bekenntnis der Zuversicht oder der Rückblick auf früheres Heilshandeln Gottes und darauf die Bitte um Zuwendung. Die Klagepsalmen enden hoffnungsvoll mit einer Bitte oder auch mit einem Lobversprechen, das der Beter im festen Vertrauen darauf gibt, dass Gott helfen wird.[1]

Wichtig ist, dass es sich bei den Psalmen um Gebrauchstexte handelt. Die Psalmen sind direkt aus der Erfahrung von Not oder Errettung heraus entstanden, was man auch noch an den Überschriften sieht. Sie gehörten im alten Israel zwar in den Gottesdienst, aber dabei muss man bedenken, dass Leben und Gottesdienst zusammen gehörten und nicht wie heute klar getrennt verliefen. Darum sollten die Psalmen auch heute nicht ausschließlich auf den Gottesdienst beschränkt sein, sondern in das tägliche Leben geholt werden. Der Religionsunterricht kann dazu viel beitragen.

Die Tatsache, dass es sich bei den Psalmen um relativ kurze, aber kraftvolle Texte handelt, machen sie besonders geeignet für den Religionsunterricht in der Schule. Jeder Psalm kann für sich gelesen und bearbeitet werden, ohne in einen größeren Kontext gestellt werden zu müssen. Sie sind überschaubar und „erschlagen“ die SchülerInnen nicht beim Lesen.

In den Bildern und Symbolen, die von den Psalmendichtern verwendet wurden, lassen sich auch heute noch eigene Lebenserfahrungen ausdrücken, da sie, so Horst Klaus Berg, von „beinahe archetypischer Allgemeinheit und Kraft“ sind.[2] Diese anschauliche Sprache macht es also nicht nur möglich, die Inhalte auch noch nach so vielen Jahren gut nachvollziehen zu können. Sie gibt dem Leser und Beter auch Werkzeuge in die Hand, selbst aktiv zu werden und den eigenen Emotionen Ausdruck zu verleihen.

1.2 Zielsetzung

Ziel dieser Arbeit ist es, einen groben Überblick zu geben über die verschiedenen Möglichkeiten, die es gibt, wenn man im gymnasialen Religionsunterricht das Thema „Psalmen“ behandelt. Es handelt sich hierbei nicht um einen Unterrichtsentwurf, sondern um eine theoretische Betrachtung. Am Anfang steht eine Auswahl geeigneter Psalmen. Ich habe mich für drei Psalmen entschieden, diese Auswahl soll aber nur als Beispiel dienen und nicht als beste Lösung präsentiert werden. Im nächsten Schritt werden diese drei Psalmen in einer kurzen Exegese in religionspädagogischer Absicht näher untersucht. Anschließend sollen verschiedene didaktische Entscheidungen, die von der Lehrkraft getroffen werden müssen, dargestellt werden. Zum Schluss werden in fünf Phasen verschiedene mögliche Schritte des Unterrichts gezeigt.

2. Auswahl geeigneter Psalmen

„Die Psalmen sind Gebrauchstexte, erst im täglichen Gebrauch zeigen sie ihre Stärke. Der Psalter ist kein Museum, das uns seltsame Schätze zeigt, sorgfältig unter Glas verwahrt, sondern ein Haus, das zum Wohnen einlädt, in dem wir finden, was wir brauchen: Luft und Licht, zu essen und zu trinken, Werkzeug und Geschirr – und vor allem das Gefühl, zu Hause zu sein. Es ist ein Haus für gute und böse Tage, für die Zeiten engagierter Arbeit und die Tage des Alterns, geeignet für Erfahrungen der Gemeinschaft und Erfahrungen mit uns selbst.“[3]

2.1 Auswahl und Reihenfolge geeigneter Psalmengattungen

Dieses Zitat von Ingo Baldermann fasst noch einmal die Aussagen der Einleitung zusammen und weist vor allem auf das breite Spektrum des Psalters hin („ ... ein Haus für gute und böse Tage...“). Ich halte es für sehr wichtig, dieses Spektrum auch im Unterricht den SchülerInnen zu vermitteln. Die Auswahl der dort zu behandelnden Psalmen sollte also von „himmelhoch jauchzend“ bis „zu Tode betrübt“ reichen. Daher bietet es sich an, von der Klage über das Vertrauenslied zum Hymnus fortzuschreiten.

Ich beginne die Reihe mit einem Klagelied nicht nur, weil es sich dabei um die größte Gruppe des Psalters handelt, sondern auch, weil dadurch die Struktur der Klagepsalmen aufgegriffen wird: Klage – Vertrauen – Lobversprechen. Außerdem halte ich es psychologisch gesehen für angenehmer, die Unterrichtsreihe mit einem Hymnus zu beenden anstatt mit einem Klagepsalm.

Die Vertrauenspsalmen bilden zwar nur einen sehr kleinen Teil des Psalters, da man aber annimmt, dass sie sich aus den Vertrauensbekenntnissen der Klagelieder heraus entwickelt und verselbständigt haben[4], sollten sie auch im Anschluss an die Klagepsalmen behandelt werden.

Als dritte und letzte Gattung habe ich die Hymnen ausgewählt, eine schwer abzugrenzende Gruppe von Psalmen, die aber einen festen Kern aufweist. Diese Psalmen zeichnen sich u.a. dadurch aus, dass sie ein festes, von den SchülerInnen gut nachvollziehbares Aufbauschema aufweisen: 1. Aufgesang / Einleitung, 2. Begründung und Hauptstück: Entfaltung des Gotteslobes, 3. Schluss[5]. Sehr anschaulich lässt sich dieser Aufbau am wohl ältesten Hymnus der Bibel zeigen, dem Mirjamlied (Ex 15,21).

Die weiteren Formen, Schöpfungspsalmen, Königspsalmen, Weisheitspsalmen und die nach Rösel[6] zu den Hymnen zählenden Zionslieder, Thronbesteigungslieder und Wallfahrtslieder, sollten zunächst in den Hintergrund treten und nur näher besprochen werden, wenn es sich direkt aus der Unterrichtssituation ergibt.

2.2 Auswahl einzelner Psalmen

Ich habe für die weiteren Betrachtungen folgende Psalmen ausgewählt:

Psalm 22 als ein Klagepsalm des einzelnen. Er zählt zu den wichtigsten Psalmen dieser Gattung[7]. An diesem Psalm ist der Stimmungsumschwung des Beters deutlich sichtbar, dessen (umstrittene) Ursache wahrscheinlich im Heilsorakel und der Erhörungszusage zu finden ist.

Psalm 23 als Vertrauenslied des einzelnen. Dieser Psalm ist mit nur 6 Versen sehr kurz und übersichtlich. Darüber hinaus kann man davon ausgehen, dass er den meisten SchülerInnen aus dem Konfirmandenunterricht bekannt ist. Die hier verwendeten Bilder des Hirten und Gastgebers sind den SchülerInnen aus anderen Zusammenhängen bereits vertraut.

Psalm 104 als wichtigen Psalm aus der Gattung der Hymnen[8]. Dieser Hymnus wird häufig mit dem Sonnenhymnus des Echnaton aus dem 14. Jh. gleichgesetzt und heißt auch „biblischer Sonnenhymnus“ oder „Echnatonpsalm“[9]. Es besteht also ein guter Anknüpfungspunkt, wenn man über den Psalter hinaus auf spätere Bearbeitungen eingehen möchte. Ein weiterer Grund, diesen Psalm auszuwählen, ist die große Bedeutung des Wassers. Diese Thematik macht den Text auch für fächerübergreifende Schritte sehr geeignet, z.B. für Erdkunde oder Sozialkunde.

3. Exegese der ausgewählten Psalmen

3.1 Psalm 22

1 Ein Psalm Davids, vorzusingen, nach der Weise »die Hirschkuh, die früh gejagt wird«.[10]

2 Mein Gott, mein Gott, warum hast du mich verlassen?

Ich schreie, aber meine Hilfe ist ferne.

3 Mein Gott, des Tages rufe ich, doch antwortest du nicht,

und des Nachts, doch finde ich keine Ruhe.

4 Du aber bist heilig,

der du thronst über den Lobgesängen Israels.

5 Unsere Väter hofften auf dich;

und da sie hofften, halfst du ihnen heraus.

6 Zu dir schrieen sie und wurden errettet,

sie hofften auf dich und wurden nicht zuschanden.

7 Ich aber bin ein Wurm und kein Mensch,

ein Spott der Leute und verachtet vom Volke.

8 Alle, die mich sehen, verspotten mich,

sperren das Maul auf und schütteln den Kopf:

9 »Er klage es dem HERRN, der helfe ihm heraus

und rette ihn, hat er Gefallen an ihm.«

10 Du hast mich aus meiner Mutter Leibe gezogen;

du ließest mich geborgen sein an der Brust meiner Mutter.

11 Auf dich bin ich geworfen von Mutterleib an,

du bist mein Gott von meiner Mutter Schoß an.

12 Sei nicht ferne von mir, denn Angst ist nahe;

denn es ist hier kein Helfer.

13 Gewaltige Stiere haben mich umgeben,

mächtige Büffel haben mich umringt.

14 Ihren Rachen sperren sie gegen mich auf

wie ein brüllender und reißender Löwe.

15 Ich bin ausgeschüttet wie Wasser, /

alle meine Knochen haben sich voneinander gelöst;

mein Herz ist in meinem Leibe wie zerschmolzenes Wachs.

16 Meine Kräfte sind vertrocknet wie eine Scherbe, /

und meine Zunge klebt mir am Gaumen,

und du legst mich in des Todes Staub.

17 Denn Hunde haben mich umgeben, /

und der Bösen Rotte hat mich umringt;

sie haben meine Hände und Füße durchgraben.

18 Ich kann alle meine Knochen zählen;

sie aber schauen zu und sehen auf mich herab.

19 Sie teilen meine Kleider unter sich

und werfen das Los um mein Gewand.

20 Aber du, HERR, sei nicht ferne;

meine Stärke, eile, mir zu helfen!

21 Errette meine Seele vom Schwert,

mein Leben von den Hunden!

22 Hilf mir aus dem Rachen des Löwen /

und vor den Hörnern wilder Stiere –

du hast mich erhört!

23 Ich will deinen Namen kundtun meinen Brüdern,

ich will dich in der Gemeinde rühmen:

24 Rühmet den HERRN, die ihr ihn fürchtet;

ehret ihn, ihr alle vom Hause Jakob,

und vor ihm scheuet euch,

ihr alle vom Hause Israel!

25 Denn er hat nicht verachtet noch verschmäht

das Elend des Armen

und sein Antlitz vor ihm nicht verborgen;

und als er zu ihm schrie, hörte er's.

26 Dich will ich preisen in der großen Gemeinde,

ich will mein Gelübde erfüllen vor denen, die ihn fürchten.

27 Die Elenden sollen essen, dass sie satt werden; /

und die nach dem HERRN fragen, werden ihn preisen;

euer Herz soll ewiglich leben.

28 Es werden gedenken und sich zum HERRN bekehren aller Welt Enden

und vor ihm anbeten alle Geschlechter der Heiden.

29 Denn des HERRN ist das Reich,

und er herrscht unter den Heiden.

30 Ihn allein werden anbeten alle,

die in der Erde schlafen;

vor ihm werden die Knie beugen alle, /

die zum Staube hinabfuhren

und ihr Leben nicht konnten erhalten.

31 Er wird Nachkommen haben, die ihm dienen;

vom Herrn wird man verkündigen Kind und Kindeskind.

32 Sie werden kommen und seine Gerechtigkeit predigen

dem Volk, das geboren wird. Denn er hat's getan.

[...]


[1] Vergl. Seybold S. 98f.

[2] Berg S. 286

[3] Baldermann: Ich werde nicht sterben... S. 7

[4] Vergl. Rösel S. 149

[5] Vergl. Rösel S. 148; Seybold S. 97

[6] Vergl. Rösel S. 149

[7] Vergl. Baldermann: Wer hört mein Weinen S. 18

Vergl. Rösel S. 149

[8] Verlg. Rösel S. 149

[9] Vergl. Seybold S. 62

[10] Vergl. Hossfeld Ps22 S. 148-151

Ende der Leseprobe aus 25 Seiten

Details

Titel
Psalmen im gymnasialen Religionsunterricht
Hochschule
Universität Osnabrück  (Evangelische Theologie)
Veranstaltung
Bibeldidaktik des Alten Testaments
Note
2,0
Autor
Jahr
2005
Seiten
25
Katalognummer
V90475
ISBN (eBook)
9783638047647
ISBN (Buch)
9783638943710
Dateigröße
454 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Psalmen, Religionsunterricht, Bibeldidaktik, Alten, Testaments
Arbeit zitieren
Sabine Schmid (Autor), 2005, Psalmen im gymnasialen Religionsunterricht, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/90475

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