Welche Rolle spielten die Samnitenkriege für die Genese des römischen Bundesgenossensystems?


Hausarbeit, 2019

17 Seiten, Note: 2,0


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Einleitung

1. Historischer Kontext
1.1. Roms politische Situation vor den Samnitenkriegen
1.2. Die Samniten

2. Verlauf des zweiten und dritten Samnitenkrieges
2.1. Der Ausbruch des zweiten Samnitenkrieges
2.2. Verlauf des zweiten Samnitenkrieges
2.3. Der dritte Samnitenkrieg
2.4. Roms Bündnisse nach den Samnitenkriegen

3. Fazit

Literaturverzeichnis

Quellenverzeichnis

Einleitung

In dieser Proseminararbeit wird der Frage nachgegangen, welche Rolle die Samnitenkriege für die Genese des römische Bundesgenossensystems spielen.

Für die Beantwortung dieser Frage wird zu Beginn die römische Innenpolitik vor dem Ausbruch der Samnitenkriege dargestellt, um den Kontext der Kriege verständlich zu machen. Es folgt eine Vorstellung der Samniten, sowie eine Erläuterung des ersten Samnitenkrieges. Daraufhin wird der Beginn des zweiten Samnitenkrieges vorgestellt, um in die Hauptphase der Kriege einzuleiten und im Anschluss wird auf den Verlauf der Kriege eingegangen. In dieser Arbeit wird das Hauptaugenmerk auf die Zeit zwischen 327 v. Chr. und 290 v. Chr. gelegt. Neben dem Verlauf der Kriege wird gleichzeitig die Frage nach der Bildung neuer und der Veränderung bestehender Bündnisse gestellt. Zum Schluss wird die Situation nach den Samnitenkriegen dargestellt, um die möglichen Veränderungen der römischen Politik und der römischen Bündnisse während der Samnitenkriege herauszustellen. In einem Fazit werden die erarbeiteten Ergebnisse zusammengetragen.

Dadurch, dass die Hauptquellen zu den Samnitenkriegen erst im Nachhinein verfasst wurden, ist die Quellenlage zu dieser Zeit ungünstig. Die Hauptquelle für diese Zeit ist das Werk ab urbe conditas von Titus Livius, auch wenn es durch seine pro-römische Sichtweise geprägt und glorifizierend zugunsten der Römer ist. Neben Livius schrieb auch Dionysios von Halikarnassos über die Samnitenkriege, wodurch eine römische und eine griechische Variante der Kriege existieren. Allerdings unterscheiden sich die beiden Werke in Teilen voneinander und somit gibt es teilweise unterschiedliche Kriegsstandorte, Jahreszeiten und Ereignisse. Besonders der Beginn des zweiten Samnitenkriegs unterscheidet sich bei den beiden Autoren. Das führt zu Schwierigkeiten bei der Analyse und Bearbeitung der Samnitenkriege. Die Quellenlage wurde genauer von Lukas Grossmann untersucht und die verschiedenen Quellen der Zeit in seinem Werk miteinander verglichen.

Das Thema der Entstehung des römischen Bündnissystems ist wichtig für die Geschichte der Römer, da diese durch das Bündnissystem die Stärke erlangten, die sie zu der Macht führte, die sie damals besaßen.

1. Historischer Kontext

1.1. Roms politische Situation vor den Samnitenkriegen

Die Bedeutung der Verbündeten der Römer für die Gründung des römischen Reichs und dessen Macht ist groß, da die Römer durch diese manpower eine kriegerische Macht besaßen, mit der sich keiner ihrer Gegner messen konnte. Jedoch stand die Gründung dieses Bündnissystems für die Römer nicht im Vordergrund, denn damals war die Organisation nach den Samniten- und Latinerkriegen wichtiger. 1 Nach dem Ende des Latinerkriegs im Jahr 338 v. Chr. integrierten die Römer die neu eroberten Regionen nicht, sondern erlegten ihnen viel mehr die römischen Systeme in den Bereichen der Kultur und der Politik auf. Die Bündnisse, die die Römer in dieser Zeit eingingen, entstanden lediglich durch den Druck der Samnitenkriege und die dadurch übereinstimmenden Interessen. Auch die Armee erfuhr eine Neuordnung durch die neuen Verbündeten, da zum Ende des Krieges ein großer Teil der römischen Armee von diesen gestellt wurde. Zusätzlich wurden besiegte Feinde in der römischen Armee aufgenommen .2 Die Beschäftigung dieser “Abtrünnigen” war jedoch eine riskante Angelegenheit, da es zu Loyalitätsproblemen kommen konnte.3

Nach dem finalen Sieg der Römer über die Latiner wurde ein Friedensvertrag zwischen den beiden Parteien geschlossen.4 Dadurch, dass seit 358 v. Chr. kein neues Land erobert wurde, war bei den Römern, speziell bei den Plebejern, das Verlangen nach Land gestiegen. Dieses Verlangen nach Land war eines der Hauptthemen der damaligen Politik.5 Die Konsuln Publius Philo und Titus Aemilius versuchten diesem Verlangen nachzukommen, um ihre politischen Karrieren durch die Unterstützung des Volkes voranzutreiben. Durch den politischen Aufstieg der Plebejer und die Formierung einer patrizisch-plebejischen Nobilität entwickelte sich ein neues Wertesystem, welches auf den Leistungen der einzelnen Personen basierte.6 Dies hatte zur Folge, dass Konsuln ein gesteigertes Interesse an militärischen Erfolgen hatten, da sie sich durch diese eine bedeutende Stellung in der Nobilität sichern konnten.7 Dadurch, dass kaum offenkundige Ziele vorlagen, um gegen die Samniten vorzugehen, zeigt sich, dass Roms Außenpolitik stark durch das Interesse einzelner Personen geprägt wurde, die versuchten ihre Positionen innerhalb der Nobilität zu steigern.8 Im Gegensatz zu dieser Prägung der Außenpolitik durch einzelne Personen, war es jedoch Priorität der Römer, Latiner und Kampaner zu integrieren. 9

Allerdings wurden, um der römischen Oberschicht gerecht zu werden, Teile der besiegten Städte unter der Oberschicht aufgeteilt ,und die Ansässigen vertrieben.10 Ab 338 v. Chr. wurde der Term “Latiner” nicht mehr als Bezeichnung für das Volk der Latiner benutzt, sondern für die Bewohner latinischer Kolonien.11 Die anderen besiegten Städte, die nicht unter der Oberschicht aufgeteilt wurden, wurden entweder zu latinischen Kolonien, in Rom eingegliedert oder civitas sine suffragio.12 Dies zeigt, dass der Sieg über die Latiner noch nicht zu einem integrativen oder konstruktiven Bündnissystem führte.13

1.2. Die Samniten

Zu dem Zeitpunkt des Ausbruchs der Samnitenkriege waren die Samniten an der Spitze ihrer Macht. Ihre politische Organisation war auf pagi aufgebaut, eine Gruppe von pagi war ein populus, der Anführer eines solchen populus war der meddix tuticus.14 Die Samniten setzten sich aus vier verschiedenen populi zusammen, den Pentri, den Hirpini, den Caraceni und den Caudini. Sie bewohnten den Teil des Appenin, der zwischen Kampanien und Luceria lag. Außerdem hatten sie sich in Kampanien und Luceria ausgebreitet.15 354 v. Chr. unterschrieben die Samniten und die Römer einen Friedensvertrag.16 Im Jahr 343 v. Chr. griffen die Samniten das Volk der Sidicini an, welche daraufhin Hilfe bei den Kampanern suchten. Doch Samnium besiegt auch die Kampaner, also baten diese Rom um Unterstützung im Tausch gegen die Stadt Capua.17 Die Römer schickten als Reaktion darauf zwei konsularische Heere in den Krieg gegen die Samniten und besiegten diese in der Nähe von Cumae. Rom gewann in Folge dessen zwei weitere Kämpfe gegen die Samniten und 341 v. Chr. schlossen die beiden Völker erneut Frieden.18

2. Verlauf des zweiten und dritten Samnitenkrieges

2.1. Der Ausbruch des zweiten Samnitenkrieges

Zwischen 338 v. Chr. und dem Ausbruch des zweiten Samnitenkrieges versuchten die Römer hauptsächlich die bereits eroberten Gebiete zu stabilisieren und keine neuen Gebiete zu erobern. Sie waren nicht interessiert an neuen Kriegen und Auseinandersetzungen. Dies zeigt sich auch darin, dass Rom, zu Beginn des zweiten Kriegs mit den Samniten, lediglich als dritte Partei involviert war, um ihren kampanischen Verbündeten zu helfen.19 Rom schickte in Folge dieser Angriffe Gesandte nach Neapel, um die Situation zu klären und eine friedliche Lösung zu finden.20 Durch die Übergriffe der Neapolitaner auf die Kampaner, bildeten sich zwei Seiten des Konflikts. Auf der einen Seite die Kampaner und die Römer und auf der anderen Seite die Bewohner Neapels, Nolas, Tarents und Samniums.21 Neapel war für die Samniten, sowie für die Römer, eine wichtige Stadt um ihren Einfluss in Kampanien zu stärken.22 Durch diesen Abschnitt zeigt sich, dass Rom kein stetig auf Krieg bedachter Agressor war, sondern zu dieser Zeit versuchte, Lösungen, ohne kriegerische Auseinandersetzungen zu finden.23 Jedoch scheiterte die friedliche Lösung bei diesem Konflikt, da die Samniten ebenfalls ihren Einfluss in Neapel wahren wollten und deswegen den Neapolitanern von Verhandlungen mit Rom abrieten.24 Durch das Versprechen von Land an das Volk Neapels konnte Samnium eine Volksabstimmung Neapels zu seinen Gunsten entscheiden, woraufhin Neapel die Verhandlungen mit Rom abbrach.25 Nach diesem Scheitern der Verhandlungen entschieden sich die Römer für einen Krieg gegen Neapel und belagerten dieses.26 Die Belagerung endete durch den Verrat zweier führender Männer Neapels. Nymphius und Charilaus nahmen mit dem römischen Konsul Publius Philo Kontakt auf und ermöglichten ihm die kampflose Einnahme Neapels.27 Nach der friedlichen Übernahme Neapels schicken die Römer eine Gesandtschaft nach Samnium, um den Konflikt zu klären.28 Jedoch scheiterten diese Verhandlungen, aufgrund von alten Konflikten und Problemen.29 Bei Dionysius findet man hierzu im Vergleich zu Livius den Vorwurf der Römer, dass die Samniten ihr Bündnis während der Latinerkriege nicht aufrecht erhalten haben und keine Unterstützung gesendet haben.30 Besonders die Gründung der römischen Kolonie Fregellae sorgte für Unmut bei den Samniten, da Fregellae aus ihrer Sicht zu Unrecht von den Römern in Besitz genommen worden war, nachdem es von den Samniten erobert worden war.31 Nach dem Scheitern der Verhandlungen kehrten die Römer nach Rom zurück und beschlossen gegen die Samniten in den Krieg zu ziehen.32 Hierbei zeigt sich die Bedeutung der Verbündeten für Rom, da die Römer, um ihren Verbündeten zu helfen einen Krieg mit den Samniten eingingen.

2.2. Verlauf des zweiten Samnitenkrieges

Zwischen 325 v. Chr. und 322 v. Chr. kam es nur vereinzelt zu römischen Feldzügen, welche jedoch für den weiteren Verlauf des Krieges nicht weiter von Bedeutung waren, sondern viel mehr dem Gewinn von Ruhm und Beute dienten und im samnitischen Randgebiet stattfanden.33 322 v. Chr. begann die Vorgeschichte zu der Schlacht bei Caudium. Nach Livius fühlten sich die Samniten den Göttern gegenüber im Unrecht und versuchten sich mit diesen, durch die Auslieferungen von Kriegsgefangenen und die Rückgabe von Beute an Rom, zu versöhnen.34 Jedoch lehnten die Römer dieses Angebot ab und nahmen nur die Kriegsgefangenen und einen Teil der Beute an.35 321 v. Chr. zogen zum ersten Mal während der Samnitenkriege beide römische Konsuln mit beiden Heeren los und versammelten sich bei Catalia, bevor sie die Caudinischen Pässe überquerten.36 Laut Livius nahmen die Römer nur durch eine List der Samniten den Weg durch die Caudinischen Pässe, da die Samniten, als Hirten verkleidet, den Römern mitteilten, dass die mit Rom verbündete Stadt Luceria belagert werde. Bei der Durchquerung der Pässe sollen sie von den Samniten, durch die Blockierung der Ausgänge, in den Pässen eingesperrt worden sein.37 Die Ausführung von Livius ist jedoch strittig, da Luceria damals auf der Seite der Samniten war und davon ausgegangen wird, dass es der Plan der Römer war, diesen Pass zu durchqueren und Livius versuchte, die römischen Feldherren von ihrer Schuld an der Niederlage zu entlasten.38 Generell ist anzumerken, dass Livius versuchte, die Bedeutung der Niederlage von Caudium zu schmälern, da bei dieser beide Heere der römischen Armee besiegt wurden und dies eine der größten Schanden und Niederlagen war, die die Römer bis dahin hinnehmen mussten.39 Das römische Heer wurde nach der Einschließung von den Samniten unterjocht und es wurde ein foedus aufgesetzt, welcher jedoch nicht direkt wirksam war, sondern erst von Volk und Senat bestätigt werden musste.40 Der Caudinische Frieden setzte im Jahr 320 v. Chr. ein und hielt bis 316 v. Chr. an.41

[...]


1 s. Helm, M., A Troubled Beginning: Rome and its Reluctant Allies in the Fourth Century, Antichthon 51 (2017), S. 202.

2 Ebd., S. 203.

3 Ebd., S. 204.

4 Ebd., S. 205.

5 Ebd., S. 206.

6 s. Grossmann, L., Roms Samnitenkriege. Historische und Historiographische Untersuchungen zu den Jahren 327-290 v. Chr., Düsseldorf 2009 (Reihe Geschichte), S.6.

7 Ebd., S. 7.

8 Ebd., S. 14.

9 s. Helm, A Troubled Beginning, S. 207.

10 Ebd., S. 207

11 s. Cornell, T. J., The Beginnings of Rome. Italy and Rome in the Bronze Age to the Punic Wars (c. 1000-264 BC), London u.a. 1995 (Routledge history of the ancient world), S. 352.

12 s. Helm, A Troubled Beginning, S. 208.

13 Ebd., S. 209.

14 s. Cornell, The Beginnings of Rome, S. 345.

15 s. Lawrence, E. - Smith, W., Sir, A smaller History of Rome, New York 2006, S. 53.

16 s. Salmon, E. T., Samnites, Cambridge 1967, S. 187. s. Lawrence, E., A smaller History of Rome, S. 53. Ebd., S. 54.

17 s. Helm, A Troubled Beginning, S. 211.

18 s. Dion. Hal. ant. 19, 5.

19 s. Grossmann, Roms Samnitenkriege, S. 34.

20 Ebd., S. 35.

21 s. Helm, A Troubled Begining, S. 212.

22 s. Grossmann, Roms Samnitenkriege, S. 35.

23 Ebd., S. 36.

24 Ebd., S. 39.

25 Ebd., S. 39.

26 s. Grossmann, Roms Samnitenkriege., S. 41.

27 Ebd., S. 43.

28 s. Dion. Hal. ant. 19, 7.

29 s. Grossmann, Roms Samnitenkriege, S. 43.

30 Ebd., S. 43.

31 Ebd., S. 55.

32 Ebd., S. 56.

33 Livius, 8, 10.

34 s. Mireille, C., u.a., Histoire romaine, Paris 2001, (Collection U), S. 62.

35 s. Mireille, Histoire romaine, S. 62.

36 s. Grossmann, Roms Samnitenkriege, S. 60.

37 Ebd., S. 59 f.

38 Ebd., S.73 f.

39 s. Salmon, Samnites, S. 230.

40 s. Grossmann, Roms Samnitenkriege, S. 88 f.

41 s. Helm, A Troubled Beginning, S. 212.

Ende der Leseprobe aus 17 Seiten

Details

Titel
Welche Rolle spielten die Samnitenkriege für die Genese des römischen Bundesgenossensystems?
Hochschule
Westfälische Wilhelms-Universität Münster
Note
2,0
Autor
Jahr
2019
Seiten
17
Katalognummer
V906726
ISBN (eBook)
9783346193513
ISBN (Buch)
9783346193520
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Samniten, Rom, Antike, Bundesgenossensystem
Arbeit zitieren
Anton Schulze (Autor), 2019, Welche Rolle spielten die Samnitenkriege für die Genese des römischen Bundesgenossensystems?, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/906726

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