Urheberrechtsverletzungen im Web 2.0

Die Suche nach Vergütungsalternativen in Zeiten von Youtube


Diplomarbeit, 2007

87 Seiten, Note: 2,0


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis:

1. Einleitung

2. Die Rolle der Massenmedien bei der Imagebildung eines Politikers in Russland
2.1 Zum Imagebegriff in der Politik
2.2 Imagebildung und -Wahrnehmung eines Politikers in Russland am Beispiel Vladimir Putins

3. Theatralisierte Inszenierung der Politik Vladimir Putins
3.1 Die präsentative Symbolinszenierung
3.2 Vladimir Putins sprachliche Inszenierung

4. Zusammenfassung

5. Quellen- und Literaturverzeichnis

Anhang

1. Einleitung

Seit nunmehr siebzehn Jahren beherrscht Vladimir Putin die Öffentlichkeit in Russland. Laut Engelfried beschränkt sich seine Dauerpräsenz nicht nur auf die staatlich kontrol­lierten Medien, sondern auch auf die russische Kunst- und Kulturszene.1 Putin ist zu einer der wichtigsten Persönlichkeiten Russlands avanciert. „Er gilt [in Russland] als sympathisch, attraktiv, dynamisch, willensstark und entschlossen“.2 Seine Popularität findet Einzug nicht nur in [den] unzähligen Bücher[n], Bilder[n], Porträts, Dokumentationen und Reportagen sowie sonstige[n] Darstellungen und Veröffentlichungen, in denen seine Person ins Zentrum des Geschehens gerückt wird [...]. Seine Vermarktung gleicht der eines berühmten Schauspie­lers oder Sängers.3

Der russische Präsident ist ein Meister der Inszenierung und inszeniert sich in der Öf­fentlichkeit u. a. als Herrscher und Feldherr, Sportler, als guter Zar und Retter seines Volkes, als Vater und Erlöser. Dabei versteht er es die nationalen Traditionen und die­jenigen aus der vorrevolutionären Zeit4 mit denen aus der Sowjetzeit zu verbinden.

Während der russische Präsident in Russland als ein moderner Held, Sexsymbol, Medien- und Popstar gefeiert wird, setzt sich die westliche Öffentlichkeit kritisch mit der Person Vladimir Putins auseinander. Hier wird er u. a. als Despot, Diktator oder Imperialist charakterisiert.5 Kritisiert wird auch die wirtschaftliche Abhängigkeit der Medien und die Einflussnahme seitens des Staates und mächtiger Interessensgruppen auf die Medien während Putins Regierungszeit, aber auch die Zensur, die Einschrän­kung persönlicher Freiheiten der Menschen, Putins autoritärer Führungsstil.6

In dieser Bachelorarbeit wird die mediale Vermarktung des russischen Präsidenten untersucht. Es soll festgestellt werden, welche Faktoren bei der Bildung des Putin Images eine Rolle spielen. Dabei soll berücksichtigt werden, dass das Image des russi­schen Präsidenten den kulturellen Einflüssen des Landes unterliegt und sowohl von den Traditionen der vorrevolutionären Zeit wie auch von den sowjetischen Traditionen be­einflusst wird.

Ein weiteres Forschungsziel sind die Strategien der Inszenierung Vladimir Putins. Dazu zählen die Symbolpolitik und die Sprache des Präsidenten. Die Sprache wird an Putins Image angepasst und dient als ein wichtiger Baustein bei der Inszenierung des Präsidenten.

Die vorliegende Bachelorarbeit weißt interdisziplinäre Merkmale auf. Zu der Arbeit wurden unter anderem Forschungsergebnisse aus den Politik-, Sprach-, Kultur-, Medien- und Sozialwissenschaften sowie der politischen Psychologie herangezogen.

Was den aktuellen Forschungsstand betrifft, so ist festzustellen, dass die russische Forschung sich intensiv mit dem Phänomen Putin auseinandersetzt. Es gibt in Russland zahlreiche Publikationen und Dissertationen, die sowohl das Thema Imagebildung als auch die sprachliche und mediale Inszenierung Vladimir Putins sowie das Thema Theat- ralisierung der Macht behandeln. Die wichtigsten Forscher auf dem Gebiet der Image­bildung und -wahrnehmung der Politiker in Russland sind Elena Sestopal und Tat’jana Pisceva. Sie haben u. a. am Beispiel Vladimir Putins die besonderen Merkmale eines russischen Politikers untersucht und anhand von Umfragen in der russischen Bevölke­rung das Bild eines ideellen Politikers in Russland erstellt. Ekaterina Rozkova, Elena Davyborec, Nelli Nefedenkova, Ol’ga Berezkina und Jana Bondareva behandeln das Thema Image ebenfalls in ihren Dissertationen. Die Sprache des Präsidenten wurde ins­besondere von Julija Alyseva, Arkadij Sedych und Ol’ga Parsina untersucht. Der Pro­zess der Theatralisierung der Politik behandelt in ihrer Dissertation Viktorija Kovalenko aber auch R. Tazetdinova in ihrem Aufsatz Politiceskaja teatral’nost‘ kak sposob insze- nirovanija politiceskich predstavlenij.

In der deutschen Forschung wird das Thema Image und Inszenierung Vladimir Pu­tins, aber auch das Bild des russischen Präsidenten in russischen Medien, ebenfalls be­handelt. Erforscht werden die aktuelle Situation der Medien in Russland bzw. die politi­sche Situation unter Putin. Eine ausführliche Analyse zur Imagebildung des russischen Präsidenten liefert Alexandra Engelfried in ihrer Inauguraldissertation aus dem Jahre 2013 zum Thema Eine Ikonographie der Macht. Vladimir Putin in Kunst und Massen­medien Russlands. Eine weitere Analyse zur positiven Selbstdarstellung Vladimir Pu­tins liefert Weronika Schmidt. Der Sprachwissenschaftler Eberhard Fleischmann aus Leipzig geht in seiner Monographie (Das Phänomen Putin. Der sprachliche Hinter­grund) auf die Sprache des russischen Präsidenten ein. Die russischen Medien hat Anna Amelina in ihrer Dissertation Propaganda oder Autonomie? Das russische Fernsehen von 1970 bis heute analysiert, während Nellja Veremej in einem Aufsatz das Bild Vla­dimir Putins in den russischen Medien untersucht hat. Florian Tiedtke behandelt in sei­nem Buch Medienfreiheit in Russland? Formen staatlicher Einflussnahme und Kontrol­le das Thema Medienfreiheit in Russland unter Putin. Die wichtigsten deutschen For­scher auf dem Gebiet der politischen Inszenierung und der Theatralisierung der Macht sind u. a. Thomas Meyer, Ronald Hitzler, Andreas Dörner und Christian Schicha.

Die Bachelorarbeit besteht aus einer Einleitung, einem Hauptteil (zwei Kapitel) und einer Zusammenfassung. Das zweite Kapitel behandelt das Thema „die Rolle der Mas­senmedien bei der Imagebildung eines Politikers in Russland“. Bevor im Unterkapitel 2.2 die „Imagebildung und -wahrnehmung eines Politikers in Russland am Beispiel Vladimir Putins“ untersucht wird, wird im Unterkapitel 2.1 der Begriff Image erläutert. Neben dem Imagebegriff geht es in diesem Kapitel um die Frage, welche Faktoren bei der Entstehung des Präsidenten-Images in Russlands Massenmedien eine bedeutende Rolle spielen und wie sich diese Faktoren auf das Image von Vladimir Putin auswirken.

Das dritte Kapitel gibt einen kurzen Überblick über die Strategien der medialen In­szenierung Vladimir Putins. Es soll geklärt werden, welcher Mittel und Methoden sich der russische Präsident bedient, um sich in den Medien erfolgreich zu inszenieren. Das Unterkapitel 3.1 beschreibt die symbolische und das Unterkapitel 3.2 die sprachliche Inszenierung des russischen Präsidenten.

In der Zusammenfassung werden die Ergebnisse dieser Arbeit zusammengetragen. Es soll hier resümiert werden, dass durch die geschickt in Szene gesetzte mediale Ver­marktung der Person Putin, dem Präsidenten eine dauerhafte Anerkennung beim russi­schen Volk gesichert wird. Dabei sollen die Kenntnisse über die Geschichte und Kultur Russlands helfen, die Rollenzuordnung des russischen Präsidenten und seine Popularität im Bewusstsein der russischen Bevölkerung zu verstehen. Ebenfalls soll geklärt werden, warum Vladimir Putin in Russland derart populär ist, während die westliche Öffentlich­keit kritisch gegenüber dem russischen Präsidenten eingestellt ist.

2. Die Rolle der Massenmedien bei der Imagebildung eines Politikers in Russland

Eine wichtige Rolle bei der politischen Meinungsbildung spielen die Massenmedien.7 Daniela Wentz stellt fest, dass die Politik ausschließlich über Medien, insbesondere über das Fernsehen erfahren wird.8 Das Fernsehen stellt zur Politik(er)-Darstellung ei­nen theatralen Handlungsspielraum zur Verfügung, „in dem potentiell alle anderen Öf­fentlichkeitsformen, Darstellungskonventionen, Kommunikationsstrategien und Selbst­darstellungen integriert bzw. simuliert werden können.“9 Die Massenmedien können direkt oder indirekt die Staatspolitik und somit die Entwicklung eines Staates, unter­schiedliche Gesellschaftsgruppen und einzelne Bürger, aber auch in Gesamtheit die Transformation der politischen Systeme beeinflussen.10

Die Massenmedien sind die effektivsten Mittel bei der Gestaltung eines Politikeri- mages.11 Die Aufgabe der Massenmedien besteht einerseits aus einer systematischen Verbreitung politischer Informationen an unterschiedlichste Empfängergruppen mit dem Ziel der Bestätigung der geistigen Werte einer Gesellschaft oder ihrer Regierungs­gruppen, andererseits aus einer ideologischen, kulturellen oder politischen Einfluss­nahme auf den Informationsempfänger.12

Wie oben erwähnt, bilden sich die Menschen ihre Meinung über bestimmte Politiker hauptsächlich über das Fernsehen.13 Ein Fernsehauftritt verleiht einem Politiker mehr Gewicht, verstärkt das Vertrauen der Menschen in ihn - oder zwingt den Menschen eine bestimmte, stereotypisierte Wahrnehmung einer politischen Realität oder ein soziales Verhaltens auf.14 Одним из характерных приемов, который используют различные СМИ, является работа с его реальными качествами, в которой делается акцент на положительные стороны характера политика, а также наделяют его дополнительными, привлекательными чертами. С помощью средств массовой информации можно сконструировать образ человека, которым политик никогда не являлся, но, который соответствует желаниям большинства населения.15

Aber welche Rolle spielen heute die Massenmedien bei der Imagebildung der Politiker in Russland?

Die Mediensoziologin Anna Amelina untersucht in ihrer Dissertation die russische Medienlandschaft in der Zeit zwischen 1970 und 2006. Sie stellt fest, dass ab 2000, mit der Wahl Vladimir Putins zum Präsidenten, die Einflussnahme der Politik auf Medien in Russland eine neue Dimension erreicht hat, denn „im September 2000 wurde die ,Dokt- rin der informationellen Sicherheit veröffentlicht“. Diese Doktrin leitete eine neue Richtung staatlicher Medienpolitik ein.16 Es kam zu gravierenden Veränderungen der Medienlandschaft in Russland. Die Rolle des Staates wurde aufgewertet. Der Staat soll­te auf die redaktionellen Entscheidungsprozesse Einfluss nehmen.17 „Hintergrund der veränderten Medienpolitik war die neue staatliche Politik der ,gelenkten Demokra­tie’.“18 Die ,Politik der gelenkten Demokratie’ und somit die Lenkung der Medien sollte eine angeblich objektive Berichterstattung über die ablaufenden Reformen sichern.19 Hervorzuheben sind auch weitere staatliche Praktiken der Medienkontrolle, wie Teil­monopolisierung der Fernsehsender, Einwirkung auf die redaktionelle Linie, Zensur, Sanktionen gegenüber Medienorganisationen und Journalisten und Behinderung des Zugangs zu Informationen.20 Auch während der Sowjetzeit wurden die Medien kontrol­liert21. Allerdings gibt es einen Unterschied zwischen den Kontrollversuchen des Staates unter Putin und den sowjetischen Praktiken der Medienlenkung.22 Während zu Sowjetz­eiten eine enge organisatorische Bindung zwischen der Medienproduktion und den Par­teiinstanzen bestand, zeichnen sich die Praktiken der Medienkontrolle unter Putin durch ihren informellen Charakter aus. „Die meisten Kontrollpraktiken des Fernsehens betref­fen heute eher den Nachrichtenbereich, nicht aber, wie früher üblich, auch die Unterhal- tungssparte“.23

Daraus lässt sich schließen, dass die Imagebildung in den Massenmedien von der russischen Politik beeinflusst wird.24 Über die informellen Kanäle laufen Aufträge, Sanktionen und Zensuren der Journalisten. Die Fernsehredaktionen haben oft einen di­rekten Draht’ zum Kreml - oder werden regelmäßig von Kremlmitarbeitern angeru- fen.25 Die Fernsehleiter werden in den Kreml eingeladen, bekommen dort in regelmäßi­gen Abständen Anweisungen und direkte Instruktionen zur Gestaltung des Fernsehpro­gramms, die sie an ihre Mitarbeiter weiterdelegieren.26 Somit kann man von einer mas­senmedialen Imageproduktion der Regierung und deren Polittechnokraten ausgehen.27

2.1 Zum Imagebegriff in der Politik

Ekaterina Novikova bezieht sich auf das russische Fremdwörterbuch und definiert das englische Wort Image als Bild bzw. Abbildung.28 Des Weiteren führt sie weitere Defini­tionen des Imagebegriffs auf. Hiernach bedeutet das Wort Image:

1) совокупность представлений окружающих о данном человеке, его видимый со стороны психологический портрет, сопряженный с внешностью и манерами; 2) целеноправленно формируемый образ лица, явления или предмета, призванный оказать эмоционально-психологическое воздействие на кого-либо в целях 29 популяризации, рекламы и т.д.

Das Image eines Politikers hängt mit der Notwendigkeit der Positionierung des Images auf der politischen Bühne zusammen. Das Politikerimage ist ein öffentliches Bild, wel­ches in der öffentlichen Meinung entsteht und zur Mobilisierung unterschiedlicher sozi­aler Gruppen und der Unterstützung der Initiativen eines Politikers dient.24 Политический имидж представляет собой упрощенное, стереотипизированное, эмоционально окрашенное представление о политике в общественном мнении.25

Das Image eines Politikers soll der sozial-politischen, ökonomischen und kulturellen Situation des Landes entsprechen. Dies schließt die Konformität der Sichtweisen, die Handlungen eines Politikers, die Mentalität und die kulturellen Traditionen eines Vol­kes ein und dient als Voraussetzung zur Wahrnehmung des sozial-politischen und öko­nomischen Programms eines Politikers.26 Die Wählerinnen und Wähler unterschiedli­cher sozialer Gruppen sollen die Merkmale des Politikerimages wahrnehmen, die ihrem Charakter, sowie ihrer Kultur und Lebensweise entsprechen.27

Für ein Politikerimage sind folgende Soft Skills und Eigenschaften sehr wichtig:28

1. Individuelle Eigenschaften wie Eigenständigkeit, Selbstsicherheit und Sicherheit in eigener Sache, Stärke;
2. Soziales Denken wie gesellschaftliches Engagement, Einfühlvermögen, Gespür für Problemlagen der Menschen und die Motivation zur Verbesserung des Le­bens der Menschen;
3. Persönliche Eigenschaften wie Einsatzbereitschaft, Optimismus, Temperament;
4. Weitere soziale Eigenschaften wie die Fähigkeit Einfluss auf Menschen zu neh­men, Entschlossenheit, Energie, Wille und Durchsetzungsvermögen;
5. Hohe moralische Werte und das Entsprechen gegenüber dem gesellschaftlichen Ideal29

Diese Eigenschaften variieren in unterschiedlichen Ländern und auf unterschiedli­chen Etappen der Geschichte. In Russland sind folgende Politikereigenschaften eben­falls wichtig:

1. Persönliche Eigenschaften wie Charisma, Zielstrebigkeit, Intellekt, Moral und Leistungsvermögen;
2. Beziehung zum Land, zum Volk, zu den politischen Mitstreitern und zu sich selbst;
3. Verhalten in Privat- und Konfliktsituationen.30

Eine wichtige Funktion bei der Imagebildung und Positionierung der Politiker neh­men Massenmedien wie Presse, Fernsehen und Internet aber auch weitere Formen der verbalen und visuellen Kommunikation ein. Sie übermitteln die Informationen zum Image eines Politikers an die Rezipienten31 und bilden somit eine Grundlage der mo­dernen Medienkultur sowohl auf dem Unterhaltungssektor als auch in der Politik.32 So­wohl die politische PR als auch die Unterhaltungskultur versuchen einer Person positive Eigenschaften und Assoziationen zuzuordnen und somit ein positives Image auf- oder negatives abzubauen.33 Folglich hängt das Image eines Politikers in Russland von der Positionierung seines öffentlichen Bildes in den Massenmedien ab.34

2.2 Imagebildung und -Wahrnehmung eines Politikers in Russland am Beispiel Vladimir Putins

Die Bildung eines Politikerimages ist von der Übereinstimmung mit bestimmten Arche­typen, welche im Massenbewusstsein der Menschen verankert sind, abhängig.35 Arche­typen sind universelle Modelle, die das unbewusste und bewusste Denken und Verhal- ten der Menschen spontan bestimmen.36 37 Demgemäß nimmt das Image den Spielraum zwischen einem konkreten Individuum und einem abstrakten Bild (einem Archetyp)

Абстрактный архетип существует в виде определенного набора культурных типов, вариантов. Эти типы фиксируются через сказочные и литературные персонажи, исторические личности, т.е. через некий набор имиджей конкретных в прошлом личностей, уже прошедших тот самый путь восхождения над ситуацией. Актуализация архетипа может осуществляться не только на личностном уровне, но и через типовые поступки в сходных ситуациях, аналогичный способ решения проблем, параллели на уровне эпох и т.п.38

Eine wichtige Methode zur Bildung des Politikerimages ist Performance!39 Das Image eines Politikers kann schnell gebildet werden, wenn er regelmäßig an Performances teilnimmt oder diese für sich und seine Unterstützer organisiert. Novikova bezeichnet Performance als Theater, Rituale bzw. Symbole. Wie im Theater, kann auch auf der politischen Bühne sowohl ein Drama als auch eine Komödie, Show oder Tragödie ge­spielt werden.40

Die Verzauberung des Zuschauers findet oft mittels der Performances der Theatrali- sierung der Politik statt.41 Politische Ereignisse werden zur Show. Es werden rituelle, symbolische Handlungen organisiert und Zeremonien durchgeführt. Dies soll Aufmerk­samkeit erzeugen, starke Emotionen bei den Menschen hervorrufen und effektiv auf das Publikum wirken.42 In der modernen Welt gehören Performances zu bestehenden Machtsystemen und sind auf die Steigerung des Ansehens des Staates, seiner Oberhäup­ter und der politischen Institutionen ausgerichtet. Mit dem Ziel der Steigerung des An­sehens der politischen Führung werden theatralisierte und ritualisierte Zeremonien aus­gerichtet. Ein Beispiel ist die Inauguration der Präsidenten. Eine positive Wirkung auf das Image der politischen Führung haben militärische Paraden, Auszeichnungen der Wissenschaftler und Künstler seitens der politischen Führung und die Teilnahme an religiösen Festen.43

In der Anfangsphase der Imagebildung der Politiker in Russland wurde die Methode Imagelegende angewandt.44 Die Biografie einer Führungspersönlichkeit wird als eine Imagelegende dargestellt. Sie bestimmt den symbolischen Rahmen und die Wählerin­nen und Wähler können somit das Politikerimage selbst weiterentwickeln. Mit Hilfe der Imagelegende werden eine Reihe von wichtigen Eigenschaften wie Nähe zum Volk, Kenntnis der Probleme der einfachen Menschen, Pflichtgefühl, Verantwortung, Mut, Entschlossenheit, höhere politische Motive, Fleiß und Intellekt ausgefüllt. Eine Autobi­ographie, die im Genre einer Legende dargestellt wird, gibt dem Image eine Struktur und bietet somit eine Grundlage zu dessen Weiterentwicklung.45 Имиджевая легенда представляет собой яркую, эмоционально насыщенную историю, сравнимую по жанру с народным фольклором. Она наполнена эпизодами, апеллирующими к бессознательным реакциям и инстинктам, рассчитанными вызвать эмоции людей, что сближает политического лидера с аудиторией, делает ,своим‘, понятным и ,доступным‘.46

Bei der Gestaltung eines Politikerimages werden unterschiedliche Aspekte berücksich­tigt. Dazu zählen Persönlichkeit, physische Erscheinung, Lebensstil, Ansichten, Verhal­tensweisen und Kleidung.47 Aufgrund der Informationen, die die Wählerinnen und Wähler über den Politiker erhalten, bilden sie sich selbst ein psychologisches Bild über ihn.48 Die Übermittlung der Informationen über die Politikerperson wird über Image­konstruktionen vermittelt. Diese verbinden sowohl den Charakter seiner Persönlichkeit als auch bewusste und oft künstlich geformte und kontrollierte Eigenschaften miteinan­der. Einen großen Einfluss auf das Politikerimage haben die im Massenbewusstsein bestehenden Mythen und Stereotype. Das Image wird sowohl aufgrund realer Ereignisse und Begabungen eines Politikers als auch unter Einfluss der Beurteilungen und Mei­nungen anderer Menschen gebildet. Aus diesem Grund spielen bei der Imagebildung nicht nur die komplizierten Konstruktionen des visuellen Politikerbildes, sondern auch seine persönlichen und fachlichen Kompetenzen eine wichtige Rolle.49

Важную роль в формировании образа политика служит [также] комплекс национальной идентификации, выполняющий роль фонового фактора для восприятия политиков. Этот комплекс может поддерживаться как ,внутренними‘ (общность жизни, хозяйства, отсылки к ,своей‘ истории и традиционным символам), так и ,внешними‘ (отмежевание, противостояние по отношению к ,чужим‘) факторами.50

Das Politikerimage unterliegt einem kulturellen Code. Jede Kultur bestimmt für sich einige bevorzugte bzw. nützliche Images und schafft somit einen Mechanismus zu sei­ner Auswahl und Verbreitung. Demnach wird einem Individuum die Zugehörigkeit zu einer bestimmten Kulturgemeinschaft garantiert.51

Darüber hinaus wird das Politikerimage durch symbolische Eigenschaften, die nach­haltig und unveränderbar sind und mit den soziokulturellen Archetypen und Prototypen politischer Führungspersonen zusammenhängen, beladen.52 Tat„jana Pisceva bezieht sich auf die Ausführungen der Psychologin R. Romaskina und führt auf, dass die per­sönlichen Stärken eines Politikers eng mit den Archetypen des russischen Volkes ver­bunden sind und somit die Attraktivität eines Politikers bestimmen. Politiker stehen für eine bestimmte Ideologie, für Zukunft bzw. für bestimmte politische Handlungen. Ins­besondere am Wendepunkt der Geschichte, wenn die Menschen ein Bedürfnis nach Einheitssymbolen haben, werden die symbolischen Eigenschaften verstärkt.53 Deswe­gen soll ein Politiker in Russland einen starken, sicheren Eindruck erzeugen. Er soll glaubwürdig und sympathisch sein, die Menschen überzeugen und mitreißen können. Er muss schnell handeln und nicht viel reden.54

Eine weitere Eigenschaft, die ein Politiker in Russland besitzen muss, ist die Ge- sundheit.55 Diese Eigenschaft wird als ein direktes Zeichen zur Staatsregierung und zur Situationskontrolle verstanden. Damit verbunden ist die gesunde Lebensweise bzw. eine gute körperliche Verfassung eines Politikers. Sportlichkeit, Disziplin, Alter und eine gute körperliche Verfassung deuten darauf hin, dass der Politiker aktiv handeln kann und dass er entschlossen und leistungsfähig ist.56 Ebenfalls wichtig sind persönliche Eigenschaften wie Fairness, Pflichtbewusstsein sowie das Halten seiner Versprechen.57

Ein weiterer Punkt bei der Politikerimagebildung in Russland ist Patriotismus. Die patriotische Stimmung ist in Russland sehr ausgeprägt und dominiert den Wunsch zum Aufstieg Russlands als Großmacht. Abhängig von unterschiedlichen Meinungen der Menschen in Russland umfasst dieser Begriff das wirtschaftliche Wachstum, politische und soziale Stabilität, Innen- und Außensicherheit sowie territoriale Integrität.58

Laut Pisceva, die sich in ihrer Dissertation auf russische Umfragen bezieht, ist ein ideeller Präsident im Massenbewusstsein der Menschen in Russland eine starke autori­täre Persönlichkeit bzw. ein Diktator. Das strengste Politikerbild im Bewusstsein der Menschen zeichnet sich insbesondere in den zentralen Regionen Russlands ab. Je weiter man von Moskau entfernt ist, desto weniger treten bei Menschen die autoritären Ten­denzen auf. Wichtiger werden hier Eigenschaften wie Intelligenz, Ehrenhaftigkeit und Führungskompetenz.59 Darüber hinaus soll ein ideeller Politiker Machtbewusstsein, Willensstärke und Zielstrebigkeit besitzen. Ebenfalls soll er streng und hartnäckig sein und die Fähigkeit zur Durchsetzung der eigenen Positionen haben. Zu den Aufgaben des Spitzenpolitikers in Russland gehört u. a. der Kampf gegen die Korruption und Krimi­nalität, sowie die Durchführung von Wirtschaftsreformen.60

Roland Haug spricht in seinem Buch Putins Welt. Russland auf dem Weg nach Wes­ten über die Sehnsucht der Russen nach einer ,starken Hand’. Seiner Meinung nach stellt der einfache Mann in Russland „die Regierung als Super-Patriarchen vor, die wie ein starker, gütiger und weiser Vater für ihn sorgt.“61 Die Russen vertrauen auf .Väter­chen Zar’ bzw. ,Väterchen Stalin’. Die Mehrheit der russischen Bevölkerung hat nichts gegen eine Einzelherrschaft.

Dieses Bedürfnis nach einem starken Herrscher ist Ausdruck einer gewissen Initiativlosig- keit und der Unfähigkeit, das eigene Leben selbst zu organisieren. Dazu gehört, dass die Gleichheit Vorrang hat vor der persönlichen Tüchtigkeit. Die über Jahrhunderte gewachse­ne Mentalität einer patriarchalischen Bauerngesellschaft lässt sich so schnell nicht verän- dern.62

Die Enttäuschung der Menschen über die demokratischen Reformen der 80 und 90er Jahre haben das Verlangen nach einer ,starken Hand’ in Russland weiter bestärkt.69 Die Spezifik des russischen historischen Bewusstseins neigt zum Personenkult und schafft somit die Möglichkeit zur Veränderung der Demokratie in ein persönliches Machtre­gime. Dies hängt damit zusammen, dass in der russischen Gesellschaft die Hoffnung auf

[...]


1 Vgl. Engelfried, Alexandra 2013, S. 1.

2 Schmidt, Weronika 2013, S. 7.

3 Ebd.

4 Vgl. Engelfried, Alexandra 2012, S. 47.

5 Vgl. Seinsch, Walther 2015, S. 71.

6 Vgl. Tiedtke, Florian 2008, S. 84-86.

7 Vgl. Siller, Peter 2000, S. 14.

8 Vgl. Wentz, Daniela 2005, S. 55.

9 Ebd., S. 71.

10 Vgl. Nefedenkova, Nelli 2012, S. 37.

11 Vgl. Kuz’mina, Svetlana 2012, S. 70.

12 Vgl. ebd.

13 Vgl. ebd.

14 Vgl. ebd.

15 Krasnoruckaja, A. 2015: Vlijanie SMInaformirovanie imidzapolitika. [online] Homepage: Cyber­leninka. URL: https://cyberleninka.ru/article/n/vliyanie-smi-na-formirovanie-imidzha-politika [10.09.2017].

16 Vgl. Amelina, Anna 2008, S. 25.

17 Vgl. ebd.

18 Engelfried, Alexandra 2013, S. 24.

19 Vgl. Amelina, Anna 2008, S. 32.

20 Vgl. ebd., S. 33.

21 Vgl. Engelfried, Alexandra 2013, S. 27.

22 Vgl. Amelina, Anna 2008, S. 45.

23 Ebd.

24 Vgl. Rozkova, Ekaterina 2006, S. 3.

25 Ebd.

26 Vgl. Bondareva, Jana 2005, S. 41.

27 Vgl. Berezkina, Ol’ga 2005, S. 90.

28 Vgl. Novikova, Ekaterina 2011, S. 364.

29 Vgl. ebd.

30 Vgl. ebd.

31 Vgl. Nefedenkova, Nelli 2012, S. 11; Engelfried, Alexandra 2013, S. 15.

32 Vgl. Engelfried, Alexandra 2013, S. 14.

33 Vgl. ebd.

34 Vgl. Bondareva, Jana 2005, S. 105.

35 Vgl. Novikova, Ekaterina 2011, S. 364.

36 Vgl. ebd.

37 Vgl. Novikova, Ekaterina 2009, S. 21.

38 Ebd.

39 Vgl. ebd., S. 22.

40 Vgl. ebd.

41 Vgl. Davyborec, Elena 2008, S. 51.

42 Vgl. ebd.

43 Vgl. ebd.

44 Vgl. ebd., S. 52.

45 Vgl. ebd.

46

47 Vgl. Engelfried, Alexandra 2013, S. 15.

48 Vgl. Pisceva, Tat’jana 2006, S. 26.

49 Vgl. ebd.

50 Ebd., S. 27.

51 Vgl. Cerëmusnikova, Irina 2011, S. 109.

52 Vgl. Pisceva, Tat‘jana 2006, S. 44.

53 Vgl. ebd.

54 Vgl. ebd., S. 45.

55 Vgl. Sestopal, Elena 2008, S. 246.

56 Vgl. ebd.

57 Vgl. ebd., S. 247.

58 Vgl. ebd., S. 254.

59 Vgl. Pisceva, Tat’jana 2006, S. 83.

60 Vgl. ebd., S. 84.

61 Haug, Roland 2003, S. 21.

62 Ebd.

Ende der Leseprobe aus 87 Seiten

Details

Titel
Urheberrechtsverletzungen im Web 2.0
Untertitel
Die Suche nach Vergütungsalternativen in Zeiten von Youtube
Hochschule
Carl von Ossietzky Universität Oldenburg
Note
2,0
Autor
Jahr
2007
Seiten
87
Katalognummer
V90680
ISBN (eBook)
9783638050913
ISBN (Buch)
9783638943482
Dateigröße
1406 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Urheberrechtsverletzungen
Arbeit zitieren
Janina Lohrmann (Autor:in), 2007, Urheberrechtsverletzungen im Web 2.0, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/90680

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