Unterrichtsstunde: Grammatische Kenntnisse am Beispiel von "das" und "dass" bewusst zur Lösung von Rechtschreibfragen einsetzen


Unterrichtsentwurf, 2003

25 Seiten, Note: 1,0


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis:

1. Sachanalyse
1.1 Rechtschreibunterricht

1.2 Unterscheidung von „das“ und „dass“

2. Didaktische Analyse
2.1 Lehrplanbezug / Bildungsgehalt
2.2 Begründung der Schwerpunktsetzung

3. Methodische Analyse

4. Klassensituation

5. Unterrichtsverlaufsplan

6. Literaturverzeichnis

7. Abbildungsverzeichnis

8. Anhang

1. Sachanalyse

1.1 Rechtschreibunterricht

Seit der zweiten Orthographischen Konferenz von 1901 finden wir die amtliche Regelung der Orthographie so wie sie uns heute vorliegt. Die Öffentlichkeit und die Schulen fordern ein fehlerloses Schreiben (Kulturgut), d.h. eine Einheitlichkeit der Rechtschreibung ist wichtig, da sie so verstehbar und somit auch lernbar (kognitiver Ansatz) ist. Als „Normierungsinstanz im Bereich Orthographie“ dient seit 1955 der Rechtschreib - Duden gemäß dem Beschluss der deutschen Kultusministerkonferenz.

Im Jahr 1998 erfolgte jedoch ein neuer Rechtschreiberlass, der auf heftige Kritik in einigen Bundesländern stieß. Die Orthographieregeln dieses Reformkonzeptes seien für Schüler /-innen weniger geeignet, da sie sich eher an Schriftkundige (die mit dem Phonemsystem der Hochsprache bereits vertraut sind) richten würden. Dennoch treten die neuen Regeln der Rechtschreibung ab dem Schuljahr 2004 / 05 verbindlich in Kraft, d.h. die bisherige Übergangslösung, dass in der alten Rechtschreibung geschriebene Wörter nicht als Fehler gewertet werden dürfen, wird somit aufgehoben. Die Rechtschreibreform gibt also Anstoß, dem Rechtschreibunterricht und dem Erwerb der Rechtschreibfähigkeit erneut Aufmerksamkeit zu widmen.

Rechtschreiben sollte nicht als eigenes Fach betrachtet werden, sondern es hat eine dienende Funktion im Deutschunterricht, d.h. es soll die schriftsprachliche Verständigung erleichtern, ist also in andere Bereiche, z.B. in die Grammatik, integriert.

Lange Zeit wurde die Orthographie als ein kognitiv gesteuerter, wissensgeleiteter Bereich verstanden (produktorientiert), hingegen liegt heute (ab Ende der 70er Jahre im Zuge der Reformpädagogik, die eher schülerbezogene und handlungsorientierte Konzeptionen schuf) der Akzent auf einer prozessorientierten Rechtschreibentwicklung (Lernverlauf). Nicht mehr nur auf ein stures Vermitteln von Regeln, Diktate schreiben, ein mechanisches Anwenden einer Laut - Buchstaben - Zuordnung etc., sondern auf ein sogenanntes „Vielkanallernen“, z.B. die visuelle Seite durch Arbeit mit dem Schriftbild oder eine auditive Ausrichtung durch genaues Hinhören, sollte der Lehrer abzielen. Das Rechtschreiben als kognitive Fertigkeit setzt Einsicht in den Aufbau und die Funktion von Schrift voraus, d.h. die Kinder lernen Rechtschreiben durch Prozesse des Problemlösens und nicht nur durch bloßes Training.

Deshalb ist es didaktisch ratsam für den Lehrer, den Rechtschreiberwerb als Prozess der Differenzierung (vom Globalen zum Differenzierten, z.B. vom Laut bis zum Satz) zu erkennen. Weiterhin sollten Deutschlehrer Fehler nicht als Defizite bewerten, sondern als Lernschritte (Annäherung an die Normschreibung) anerkennen. Ebenfalls ist das Zusammenspiel von Emotion und Kognition zu beachten, d.h. der schöpferische Umgang mit Sprache (z.B. Spiele mit Sprache, freies Schreiben). Die Tendenz des Rechtschreibunterrichts geht aktuell vom inhaltsbezogenen, geschlossenen Unterricht zu einem offenen Unterricht mit Orientierung an den individuellen Lernwegen der Schüler /-innen über. Selbstverständlich können nicht alle Sachverhalte des Rechtschreibens in einem offenen bzw. handlungsorientierten Unterricht stattfinden wie zum Beispiel Rechtschreibprobleme.

Zusammenfassend ist heute unter Rechtschreibunterricht nicht mehr nur Einprägen und Üben durch Diktat, Zensur und Korrigieren gefordert (Instruktivität), sondern selbstbestimmtes, -verantwortetes und -kontrolliertes Lernen, sog. „Lernen zu Lernen“ (z.B. Freiarbeit, handlungsorientierte Verfahren), worauf folgendes Zitat hinweist:„Die Rechtschreibung ist nicht einfach, aber sie ist auch kein Chaos, denn ein Chaos kann man nicht (beherrschen) lernen.“[1]Der Lehrer braucht hierbei didaktische Handlungskompetenz, d.h. er muss den Schülern /-innen diagnostische Rückmeldungen und ermutigende Hilfestellungen geben können.

1.2 Unterscheidung von „das“ und „dass“

Dieses Thema der neuen Rechtschreibung gehört eigentlich in den Bereich Grammatik, denn um „das“ und „dass“ zu differenzieren, müssen die Schüler /-innen die Wortarten kennen. Obwohl die Schreibweisen der beiden Wörter „das“ und „dass“ ein sehr wichtiges Unterscheidungsmerkmal aufweisen, bereiten sie vielen Schwierigkeiten. Die mangelhafte Kenntnis dieses Charakteristikums ist auch die Hauptfehlerquelle.

„Das“ kann ein Artikel (vor einem Nomen), Relativpronomen (bezieht sich auf etwas Vorhergehendes) oder Demonstrativpronomen (weist auf etwas hin) sein. Hingegen handelt es sich bei „dass“ um eine Konjunktion, die einen Nebensatz einleitet und oft nach den Verben des Denkens, Sagens usw. steht. (Beispiel: „Dasglaube ich,dassdirdasAuto,dasdort steht, gefällt.“)

Folgende Übersicht fasst die Regeln zur Anwendung nochmals zusammen[2]:

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Als Hilfe zur Abgrenzung sollte man sich merken: Der Artikel und das Demonstrativpronomen „das“ können immer durch „dieses“ oder „ein“, das Relativpronomen immer durch „welches“ ersetzt werden. Die Konjunktion „dass“ kann dagegen durch kein anderes Wort ersetzt werden und wird kurz gesprochen.

Die größte Schwierigkeit besteht darin, dass das Relativpronomen „das“ mit der Konjunktion „dass“ verwechselt wird, da beide Wortarten einen Nebensatz einleiten. Es geht also, um „das“ und „dass“ richtig zu schreiben, im Wesentlichen darum, einen Relativsatz von einem Konjunktionalsatz unterscheiden zu können. Den Relativsatz erkennt man leicht daran, dass das Relativpronomen nicht nur durch „welches“ ausgetauscht werden kann, sondern sich auch immer auf ein Substantiv (Hauptwort) im übergeordneten Satz bezieht (Ersatzprobe für das Beispiel oben: „Diesesglaube ich,dassdireinAuto,welchesdort steht, gefällt.“) Ein weiterer Hinweis, wenn man sich unsicher ist, ob man ein einfaches „s“ oder ein Doppel - „ss“ schreiben muss, ist das genaue Hinhören, z.B. beim Diktat. Steht vor dem „s“ ein kurz betonter Vokal, so folgt das stimmlose „s“ in der Regel als „ss“ ® „dass“. Diese Konsonantenverdopplung kann man mit fast allen Konsonanten, die auf Vokale folgen, durchführen wie beispielsweise Suppe, Hütte, schwimmt, stellt. Liest der Lehrer allerdings im Diktat ein stimmhaftes „s“, das beim Sprechen ein wenig an der Zunge kitzelt schreibt man „das“ immer mit einfachem „s“. (Nach der neuen Rechtschreibung wird aus dem „ß“ bei der Konjunktion ein „ss“; „daß“ ® „dass“.)

2. Didaktische Analyse

2.1 Lehrplanbezug / Bildungsgehalt

In der 7. Jahrgangsstufe sollen die bisherigen Grundkenntnisse und Grundfertigkeiten im Bereich Rechtschreiben und Grammatik erweitert werden, d.h. der Lehrer hat die Aufgabe, die Grundregeln der Rechtschreibung zu vervollständigen.

Der Lehrplan stellt die Verbesserung der individuellen Rechtschreibleistung in den Mittelpunkt des Rechtschreibunterrichts. Diese Forderung berücksichtigt die Erfahrung, dass die Schüler /-innen der Realschule über ein verschiedenartiges Rechtschreibspektrum verfügen und sich auch in der Fähigkeit, dieses Wissen richtig einzusetzen, unterscheiden. Rechtschreiben bildet einen integralen Bestandteil der Grammatik des Deutschen, der den Erwerb umfassender sprachlicher Fertigkeiten voraussetzt. Bezüglich des Themas dieser Unterrichtsstunde sind folgende Ziele des Lehrplans aus dem BereichD 7.3„Sprache untersuchen und grammatische Strukturen beherrschen“zu berücksichtigen:

- den sicheren Umgang mit den Wortarten wiederholen: Verwendung und Flexion
- grammatische Kenntnisse bewusst zur Lösung von Rechtschreibfragen einsetzen, z.B.

„das“ und „dass“

Die Konjunktion „dass“ soll hier nicht nur nach der Regel „Konsonantenverdoppelung nach kurzem betonten Vokal“, sondern insbesondere in ihrer Funktion zur Einleitung eines Nebensatzes erarbeitet werden.

2.2 Begründung der Schwerpunktsetzung

Das Thema „Rechtschreiben“ begleitet die Schüler /-innen in allen Fächern und in vielen Lebensbereichen. Besonders im Hinblick auf die spätere berufliche Orientierung, wo „richtiges Schreiben“ als Schlüsselqualifikation gefordert wird, müssen Lehrer /-innen und Eltern darum bemüht sein, dass ihre Kinder die Orthographie beherrschen. In unserem modernen Medienzeitalter, wo vieles nur noch per Computer oder Handy („SMS“) schriftlich fixiert wird, werden die Schreibanlässe der Schüler /-innen immer geringer und es treten zunehmend Fehler beim Abfassen von Aufsätzen, Diktaten usw. auf. Auch im Hinblick auf die Rechtschreibreform müssen die neuen Regeln verstärkt eingeübt werden, um eine gewisse Sicherheit zu erzielen.

Wie bereits erwähnt, steht der Rechtschreibunterricht in Interaktion mit dem Grammatikunterricht. Die Klasse 7d wird als erste Schulaufgabe „Grammatik und Diktat“ schreiben. Da in vorausgehenden Unterrichtsstunden die Wortarten, u.a. Artikel, Pronomen und Konjunktion, wiederholt wurden, bietet es sich an, dieses grammatische Wissen bewusst zur Klärung von Rechtschreibthemen anzuwenden - konkret hier bei der Unterscheidung von „das“ und „dass“. In den aktuellen Schulbüchern, z.B. „Sprache gestalten“ (Oldenbourg - Verlag), „Das Hirschgraben Sprachbuch“ (Cornelsen - Verlag) und „Mit eigenen Worten“ (Westermann - Verlag), steht das Thema „das - dass“ zwar in der Abteilung „Rechtschreiben“, unter der Rubrik „s-Laute“; jedoch sieht man gerade bei diesem Unterrichtsstoff, dass eine Trennung von Kenntnissen der Grammatik und dem Rechtschreiben kaum möglich ist. In dieser speziellen Unterrichtsstunde nutzen die Schüler /-innen also ihr bereits erworbenes Vorwissen zur korrekten Differenzierung von „das“ und „dass“.

[...]


[1]Augst, G. / Dehn, M.,Rechtschreibung und Rechtschreibunterricht, S.9.

[2]Augst, G. / Dehn, M.,Rechtschreibung und Rechtschreibunterricht, S.9.

Ende der Leseprobe aus 25 Seiten

Details

Titel
Unterrichtsstunde: Grammatische Kenntnisse am Beispiel von "das" und "dass" bewusst zur Lösung von Rechtschreibfragen einsetzen
Veranstaltung
Lehrprobe
Note
1,0
Autor
Jahr
2003
Seiten
25
Katalognummer
V90725
ISBN (eBook)
9783638051217
Dateigröße
1957 KB
Sprache
Deutsch
Anmerkungen
Eien Analyse einer Grammatikstunde zum Thema "das" und "dass" in der 7. Jahrgangsstufe. Lehrprobe! Zwei Folien zum Unterrichtseinstieg und zur Schlusswiederholung können hier nicht mitgeliefert werden, diese sind aber über die Quellenangaben einfach selbst herzustellen.
Schlagworte
Unterrichtsstunde, Grammatische, Kenntnisse, Beispiel, Lösung, Rechtschreibfragen, Lehrprobe
Arbeit zitieren
Kerstin Heyne (Autor:in), 2003, Unterrichtsstunde: Grammatische Kenntnisse am Beispiel von "das" und "dass" bewusst zur Lösung von Rechtschreibfragen einsetzen, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/90725

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