[...] In meiner Arbeit möchte ich mich mit dem Menschenbild der Reformpädagogik auseinandersetzen. Reformpädagogik wird zwar als eine Epoche der Pädagogik beschrieben, umfasst selbst aber mehrere verschiedene Teilströmungen mit verschiedenen Ansichten und Ansätzen von Erziehung, sodass wohl besser vom Plural, nämlich von Menschenbildern der Reformpädagogik zu sprechen ist.
Zu Beginn meiner Arbeit möchte ich einige Anmerkungen zum Begriff und Umfang der „Reformpädagogik“ machen. Anschließend werde ich die Bildungskritik als auslösenden Faktor der reformpädagogischen Bewegung darstellen. Darauf soll ein Überblick über einige Teilbewegungen bzw. Vertreter der Reformpädagogik folgen. Die Betrachtungen beschränken sich auf die „Bewegung vom Kinde aus“, Berthold Otto, die Landerziehungsheimbewegung und Georg Kerschensteiner und die Arbeitsschule. Die übrigen Strömungen müssen aufgrund des beschränkten Rahmens meiner Hausarbeit unberücksichtigt bleiben, sind aber nicht weniger von Bedeutung für die Pädagogik. Zum Abschluss dieser Arbeit möchte ich noch eine kritische Würdigung der Reformpädagogik anbringen.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Begriff und Umfang der „Reformpädagogik“
3. Bildungskritik als auslösender Faktor für die reformpädagogische Bewegung
3.1. Langbehn: Kritik am Rationalismus und an der Verwissenschaftlichung der Bildung
3.2. Nietzsche: Kritik am Historismus der Bildung
3.3. Lagarde: Kritik am fehlenden Idealismus der Jugend
4. Einzelne Teilbewegungen der Reformpädagogik
4.1. „Bewegung vom Kinde aus“
4.1.1. Vertreter
4.1.2. Die neue Anthropologie des Kindes
4.1.3. Möglichkeiten und Aufgaben der Erziehung
4.2. Berthold Otto
4.2.1. Zur Person
4.2.2. Ottos Bild vom Kind und von Erziehung
4.2.3. Ottos Auffassung von Bildung
4.3. Die Landerziehungsheimbewegung
4.3.1. Gründer
4.3.2. Prinzipien der Landerziehungsheimbewegung
4.4. Georg Kerschensteiner und die Arbeitsschule
4.4.1. Zur Person
4.4.2. Kerschensteiners Reformansatz
4.4.3. Kerschensteiners Bild vom Kind und von Erziehung
5. Kritische Würdigung
6. Schluss
Zielsetzung & Themen
Diese Hausarbeit analysiert die vielfältigen Menschenbilder innerhalb der Reformpädagogik und untersucht, wie diese als Gegenentwürfe zur traditionellen Schule und zum gesellschaftlichen Zeitgeist entstanden sind.
- Bildungskritik als Impulsgeber der Reformpädagogik
- Die "Bewegung vom Kinde aus" und ihre anthropologischen Grundlagen
- Berthold Ottos Ansatz der Hauslehrer-Schule
- Prinzipien und Ziele der Landerziehungsheimbewegung
- Georg Kerschensteiners Konzept der Arbeitsschule
- Kritische Reflexion über Pathos und Ideologie der Reformpädagogen
Auszug aus dem Buch
3.1. Langbehn: Kritik am Rationalismus und an der Verwissenschaftlichung der Bildung
Julius Langbehn (1851 – 1907) gelangte durch sein Buch „Rembrandt als Erzieher, von einem Deutschen“ (1890) zu Berühmtheit. Das Buch erregte zur damaligen Zeit die Gemüter, rüttelte auf und sorgte für Diskussionen. Hauptthema Langbehns war der Verfall der Bildung und des geistigen Lebens. Langbehn betrachtete die damalige Bildung als „eine historische, alexandrinische, rückwärtsgewandte“ (zit. n. Scheibe 1969, 7) Bildung. Der Verfall der Bildung zeigt sich nach Langbehn in dem Mangel an Größen und Persönlichkeiten in allen Bereichen von Bildung und Kultur. Große kulturelle Epochen gehörten seiner Meinung nach der Vergangenheit an. Die Ursachen dafür sah er in der ständigen Zunahme der Rationalität und in der Verflechtung von Bildung und Wissenschaft. Verstand und Vernunft seien die Auslöser für den Niedergang: „Es scheint in der menschlichen Natur tief begründet, daß sich die Völker zeitweilig von einer rein verstandesmäßigen Bildung beherrschen lassen und daß sie, solange sie unter dem Einfluß dieser Bildung stehen, nicht bemerken, wie hohl und unwahr dieselbe ist“ (ebd.). Der Wissenschaft stellte Langbehn die Kunst gegenüber und beide müssten sich auseinandersetzen, „welcher von ihnen die Herrschaft im deutschen Geistesleben zukommt“ (zit. n. Scheibe 1969, 8). Für Langbehn war es die Kunst, die Vorrang hatte und in Rembrandt sah er das Vorbild für eine Erneuerung der deutschen Kultur.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Die Einleitung skizziert die historische Heterogenität von Menschenbildern und begründet das Anliegen der Arbeit, die reformpädagogischen Strömungen zu untersuchen.
2. Begriff und Umfang der „Reformpädagogik“: Dieses Kapitel definiert den zeitlichen Rahmen und die inhaltliche Vielfalt der Bewegung, die weit über rein schulische Aspekte hinausging.
3. Bildungskritik als auslösender Faktor für die reformpädagogische Bewegung: Hier wird analysiert, wie die Kulturkritik von Denkern wie Langbehn, Nietzsche und Lagarde den Nährboden für reformpädagogische Ansätze bereitete.
4. Einzelne Teilbewegungen der Reformpädagogik: Dieses Kapitel stellt detailliert vier zentrale Strömungen vor: die "Bewegung vom Kinde aus", Berthold Otto, die Landerziehungsheimbewegung sowie Kerschensteiners Arbeitsschule.
5. Kritische Würdigung: Der Autor reflektiert Stärken und Schwächen, wie das teils problematische Pathos oder eugenische Ansätze, und bewertet den Einfluss auf die heutige Pädagogik.
6. Schluss: Der Schluss fasst die Komplexität der Thematik zusammen und gibt ein Fazit zur begrenzten Darstellung der verschiedenen Ansätze.
Schlüsselwörter
Reformpädagogik, Menschenbild, Kindheit, Bildungskritik, Landerziehungsheime, Arbeitsschule, Anthropologie, Individualität, Erziehung, Erzieherbild, Kulturkritik, Natur, Selbstentfaltung, Bildung, Pädagogische Bewegung
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit befasst sich mit der Analyse der verschiedenen Menschenbilder, die innerhalb der reformpädagogischen Strömungen am Ende des 19. und Anfang des 20. Jahrhunderts vertreten wurden.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Zentral sind die Bildungskritik an der damaligen Zeit, das neue Verständnis vom Kind als Individuum, die verschiedenen Organisationsformen von Erziehung (z.B. Internate) sowie die Bedeutung von Arbeit im Bildungsprozess.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Ziel ist es, die Heterogenität der reformpädagogischen Ansätze aufzuzeigen und zu untersuchen, wie diese die traditionelle Erziehungswissenschaft herausforderten.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es handelt sich um eine literaturgestützte Analyse der historischen Quellen und pädagogischen Diskurse der Reformpädagogik.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die bildungskritischen Wurzeln der Bewegung und die detaillierte Darstellung spezifischer Strömungen, insbesondere der "Bewegung vom Kinde aus", Berthold Ottos Konzept, die Landerziehungsheime und Kerschensteiners Arbeitsschule.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Wichtige Begriffe sind Reformpädagogik, Kindheit, Bildungskritik, Landerziehungsheime, Arbeitsschule und das Menschenbild.
Warum stand die Wissenschaft in der Kritik der Reformpädagogen?
Kritiker wie Langbehn sahen in der verwissenschaftlichten Bildung eine "kühle" Verstandesherrschaft, die zur Entfremdung von der Natur, zur Zerstückelung des Wissens und zum Verlust menschlicher Wärme führte.
Was unterscheidet Kerschensteiners Arbeitsschule von der "alten Schule"?
Kerschensteiner lehnte die rein intellektuelle, abstrakte "Buchschule" ab und forderte eine aktive Schule, in der Handarbeit und geistige Arbeit miteinander verbunden werden, um die Persönlichkeit und den Charakter der Schüler zu bilden.
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- Simone Merkl (Author), 2006, Das Menschenbild in der Reformpädagogik, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/90731