Auf ‚Drachenjagd’ im Drogenkonsumraum

Eine empirische Untersuchung zum Nutzungsverhalten der BesucherInnen des Inhalationsraumes im Drogenkonsumraum des Vereins Krisenhilfe Essen e.V.


Diplomarbeit, 2003
144 Seiten, Note: 1,3

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Kapitel I
1. Einleitung

Kapitel II
2. Daten zum Drogenkonsum in der Bundesrepublik
Deutschland – Zahlen und Tendenzen im Überblick
2.1 „Legale“ und „illegale“ Drogen
2.2 Konsum „legaler“ Drogen
2.2.1 Alkohol
2.2.2 Medikamente
2.3 Konsum betäubungsmittelrechtlich unterstellter „illegaler“ Drogen
2.3.1 Cannabisprodukte
2.3.2 Synthetische Drogen
2.3.3 Heroin
2.3.4 Kokain
2.3.5 Crack
2.4 Trendwende im Drogenkonsum
2.5 Rauschgifttote

Kapitel III
3. Das Drogenhilfesystem der BRD
3.1 Ziele und Grundsätze
3.2 Handlungsfelder der Suchtkrankenhilfe
3.2.1 Prävention
3.2.2 Betreuung
3.2.3 Beratung
3.2.4 Rehabilitation
3.2.5 Integration
3.2.6 Selbsthilfe

Kapitel IV
4. Konzept einer akzeptanzorientierten Drogenarbeit
4.1 Entstehung, Geschichte und Gegenwart
4.1.1 Kritik an den Grundsätzen der klassischen Drogenarbeit
4.1.2 Selbstverständnis akzeptanzorientierter Drogenarbeit
4.1.3 Arbeitsschwerpunkte akzeptanzorientierter Drogenarbeit
4.1.4 Drogenkonsumräume
4.1.4.1 Entstehungsgeschichte und rechtliche Grundlagen
4.1.4.2 Zielsetzungen der Drogenkonsumräume
4.1.4.3 Umsetzung

Kapitel V
5. Vorstellung einer akzeptanzorientiert arbeitenden
Einrichtung – Die Krisenhilfe Essen e.V.
5.1 Drogenkonsum- und Inhalationsraum
5.1.1 Zielsetzung und inhaltliche Gestaltung
5.1.2 Zielgruppe
5.1.3 Örtliche Lage, Räumlichkeiten und Ausstattung
5.1.4 Öffnungszeiten
5.1.5 Hausordnung und Benutzerregeln
5.2 Statistische Auswertung

Kapitel VI
6. „Den Drachen jagen“ – Das Inhalieren von Heroin

Kapitel VII
7. Empirischer Teil – Ergebnisse der Untersuchung zum Nutzungsverhalten der BesucherInnen des
Drogenkonsumraumes und Inhalationsraumes des
Vereins Krisenhilfe Essen e.V.
7.1 Einleitung
7.2 Methodische Vorgehensweise
7.2.1 Stichprobe
7.2.2 Fragebogen
7.2.3 Versuchsplan
7.3 Ergebnisse
7.3.1 Struktur der Gesamtstichprobe
7.3.1.1 Soziodemographische Daten
7.3.1.2 Drogenkonsummuster
7.3.2 Inhalativ und intravenös konsumierende
Drogengebrauche
7.3.2.1 Soziodemographische Daten
7.3.2.2 Drogenkonsummuster
7.3.2.3 Nutzung des Drogenkonsumraumes
7.3.2.4 Verlauf der Konsumformwahl und
Gründe dafür
7.3.2.5 Angaben zum gesundheitlichen Zustand
7.3.2.6 Schließende Frage
7.4 Zusammenfassung und Diskussion der
Fragebogenergebnisse

Kapitel VIII
8. Pädagogisches Fazit

Kapitel IX
9. Zusammenfassung

Literatur

Materialanhang

Kapitel I

1. Einleitung

Probleme mit illegalen Drogen gibt es in Deutschland nun seit einigen Jahrzehnten. Die in Großstädten existierenden offenen Drogenszenen und die damit im Zusammenhang stehende Beschaffungskriminalität verunsichern die Bevölkerung und rufen auch die Medien auf den Plan, welche zum Beispiel von immer jünger werdenden Drogenkonsumenten[1] und einer extremen Brutalität der Drogenszene berichten. Dass dies aber nur eine mögliche Seite der Betrachtung darstellt, vergessen dabei viele. Tatsächlich geht es um Drogenkonsumenten, die teilweise unter unvorstellbar menschenunwürdigen Bedingungen auf der Straße leben, verelendet konsumieren müssen und in der Regel von großen Teilen der Bevölkerung kein Verständnis für ihre Situation erhoffen können. So steigen nicht nur die Kosten für die allgemeine Bevölkerung, welche darum bemüht ist Drogensucht zu behandeln oder gar zu verhindern, sondern auch die Kosten auf Seiten der Konsumenten, die aktuell nicht dazu bereit oder befähigt sind ihren Suchtmittelkonsum aufzugeben. Infektionskrankheiten, Überdosierungen, eine verminderte Lebenserwartung sind Konsequenzen, welche die Gruppe dieser Konsumenten dafür selbst tragen muss. Es stellt sich die Frage, ob dies auch notwendigerweise so sein muss? Mit dieser Frage setzt sich unter anderem die vorliegende Diplomarbeit auseinander, deren Aufbau sich dabei wie folgt gliedert:

Der Konsum von Suchtmitteln ist nicht nur auf einen kleinen Teil der deutschen Bevölkerung beschränkt. Substanzen wie Alkohol und Nikotin dienen in breiten Teilen der Gesellschaft als legale Genussmittel, deren ebenfalls riskanter und folgenreicher Konsum lange nicht so negativ behaftet ist wie zum Beispiel der von Heroin. Über die Verbreitung, Wirkung und Folgen des Konsums, wie auch die Festlegung dessen, was überhaupt als legale und illegale psychoaktive Substanzen gehandelt wird, gibt Kapitel II Aufschluss.

Um den Folgen des Drogenkonsums in der Bundesrepublik Deutschland begegnen zu können, ist ein komplexes Drogenhilfesystem geschaffen worden, welches in Kapitel III näher dargestellt werden soll. Am besten charakterisiert durch ein engmaschiges Netz von Angeboten, in dem möglichst alle Betroffenen aufgefangen werden, hält es eine Vielzahl von individuellen Wegen aus der Sucht bereit, mildert die negativen Konsequenzen für das Individuum oder versucht Suchtbildung schon im vorhinein ganz und gar zu vermeiden. Dabei sieht es sich ständig wechselnden Anforderungen gegenüber, auf die es in seiner Angebotsstruktur reagieren muss.

Ein Bestandteil des Drogenhilfesystems ist die akzeptanzorientierte Drogenarbeit, welche als ein möglicher Arbeitsansatz in Kapitel IV vorgestellt wird. Aus der Kritik an der klassischen abstinenzorientierten Drogenarbeit hervorgegangen, ist ihr Ziel nicht vorrangig die völlige Suchtmittelabstinenz, sondern vielmehr die Schaffung niedrigschwelliger und schadensminimierender (harm-reduction) Angebote für Konsumenten, die ihren Suchtmittelkonsum zum gegenwärtigen Zeitpunkt nicht aufgeben wollen oder können. Um möglichst alle Betroffenen zu erreichen ist ihre Haltung notwendigerweise akzeptanzorientiert gegenüber dem Konsumenten und seiner Entscheidung zu einem möglicherweise extremen Konsumverhalten. Aus diesem Blickwinkel ist auch die Einrichtung von so genannten Drogenkonsumräumen zu sehen, dessen vorrangige Aufgabe es ist, durch die Bereitstellung von hygienischen Konsumbedingungen Risiken der Drogenapplikation, die sonst möglicherweise auf der Straße vorgenommen würde, zu minimieren.

Im Mittelpunkt von Kapitel V steht die Einrichtung Krisenhilfe Essen e.V., die stellvertretend für andere akzeptanzorientiert arbeitenden Einrichtungen des Drogenhilfesystems betrachtet werden kann. Als Bestandteil der niedrigschwelligen Abteilung und Teil ihres komplexen Gesamtangebots wird hier ebenfalls der in das Drogenhilfezentrum auf der Hoffungstrasse integrierte Drogenkonsumraum vorgestellt.

Wie der Titel der Arbeit vermuten lässt, steht im Zentrum des Interesses eine bestimmte Art Heroin zu konsumieren. Die Rede in Kapitel VI ist vom „Drachen jagen“, einer wesentlich „risikoärmeren“ Konsumform als beispielsweise die in Deutschland weitaus häufigere intravenöse Applikation. Dargestellt werden Geschichte und Hintergründe einer Konsumart, welche in Deutschland aus verschiedenen Ursachen zum gegenwärtigen Zeitpunkt noch keine größere Verbreitung finden konnte.

Schließlich folgt in Kapitel VII der empirische Anteil der vorliegenden Diplomarbeit, der sich vorrangig auf die zuvor angesprochene Konsumentengruppe der Heroinraucher bezieht. Zu ihrem Konsum- und Nutzungsverhalten, aber auch zu dem der intravenös applizierenden Gruppe im Drogenkonsumraum und Inhalationsraum der Krisenhilfe Essen e.V. wurden Besucher des Cafés und Drogenkonsumraumnutzer befragt. Die daraus gewonnenen Ergebnisse sollen dazu dienen, mögliche Unterschiede zwischen beiden Konsumentengruppen zu erkennen, Ursachen für die Wahl einer mehr oder weniger riskanten Konsumform und damit die nötigen Bedingungen für einen risikominimierten Konsum zu ermitteln.

Mit einem pädagogischen Fazit schließt die vorliegende Arbeit in Kapitel VIII. Hier werden die wesentlichen Erkenntnisse werden hier dargestellt, wie auch neue wichtige Fragestellungen aufgeworfen, die besonders für die weitere Arbeit im tertiären Präventionsbereich Relevanz besitzen.

Kapitel II

2. Daten zum Drogenkonsum in der Bundesrepublik Deutschland – Zahlen und Tendenzen im Überblick

Zunächst sollen einige Zahlen folgen, die den aktuellen Stand des Drogenkonsums in Deutschland widerspiegeln. Nicht nur „illegale“, sondern auch einige „legale“ Substanzen und deren Wirkungsweisen werden dabei Beachtung finden, welche in der Drogenszene teilweise permanent konsumiert werden.

2.1 „Legale“ und „illegale“ Drogen

Unter dem Begriff Drogen werden alle pflanzlichen und chemischen Substanzen zusammengefasst, die durch Einwirkung auf das zentrale Nervensystem das subjektive Empfinden des Konsumenten beeinflussen. Man spricht deshalb auch von psychoaktiven Subtanzen. Dazu zählen viele alltägliche Genussmittel, wie zum Beispiel Kaffee, Tabak oder Alkohol, aber auch Medikamente und andere Substanzen aus dem alltäglichen Gebrauch, die zweckentfremdet auf diese Art und Weise bei dem Konsumenten wirken. Die meisten dieser genannten Substanzen zählen zu den so genannten „legalen“ Drogen. Laut dem neuen Jugendschutzgesetz, welches im April 2003 in Kraft getreten ist, ist dem Alkoholverbot unter 16 Jahren ein generelles Rauchverbot und Abgabeverbot von Tabakwaren in der Öffentlichkeit hinzugefügt worden.[2] Das Betäubungsmittelgesetz (BtMG) bildet die rechtliche Grundlage für den Verkauf, Erwerb und Konsum „illegaler“ Drogen. Diese werden darüber hinaus in „weiche“ Drogen, wie Cannabis, Ecstasy und „harte“ Drogen, wie zum Beispiel Heroin, Kokain und LSD unterteilt.[3] Nur am Rande soll darauf hingewiesen werden, dass diese Differenzierung im BtMG zwischen „harten“ und „weichen“, sowie „legale“ und „illegale“ Drogen nicht unumstritten ist. Sie bietet zwar eine klare – und sicherlich auch notwendige – gesetzliche Regelung für die Zulässigkeit verschiedener Substanzen, jedoch wird bei der genaueren Betrachtung einiger legaler und illegaler Substanzen deutlich, dass ihre Einstufung nicht nur unter dem Gesichtspunkt der tatsächlichen „Gefährlichkeit“ erfolgt sein konnte. Um dies an einem Beispiel zu verdeutlichen: Die körperlichen Folgeschäden von langwierigem und exzessivem Alkoholkonsum (Leberzirrhose, bösartige Neubildungen der Leber- und Gallengänge, Bauchspeicheldrüse) sind allgemein bekannt. Weniger bekannt ist allerdings, dass der Konsum von hochwertigem Heroin dagegen erwiesener Maßen keinerlei dauerhafte körperliche Schäden verursachen würde. Die dennoch unabhängig davon bestehen bleibende Gefahr der Atemdepression oder des Atemstillstandes soll dabei nicht verschwiegen werden. Aber der mit Heroinkonsum häufig in Verbindung gebrachte körperliche Verfall ist weitestgehend auf die chemische Zusammensetzung des straßenüblichen Heroins, welches völlig unberechenbar von Zwischenhändlern gestreckt und gepanscht wird, zurückzuführen.[4] Wir sehen, dass andere Gründe für die Illegalisierung gewisser Substanzen ausschlaggebend sein müssen: „Welche Drogen legal, illegal, „hart“ oder „weich“ sind, unterliegt immer dem gesellschaftlichen Wandel.“[5]

Liegt das Augenmerk folgender Ausführungen zwar auf den Drogen selbst und deren Verbreitung, so sollte nicht vergessen werden, dass es sich dabei nur um einen Ausschnitt aus einem sich bedingenden Gefüge von Droge, Person und Umwelt handelt.

2.2 Konsum „legaler“ Drogen

2.2.1 Alkohol

Wirkstoff ist das Äthanol. Alkohol wird durch Vergärung organischer Stoffe gewonnen und gehört gesetzlich als Genussmittel zu den Lebensmitteln. Es wird in alkoholischen Getränken mit unterschiedlich hohen Alkoholanteilen konsumiert. Bier hat einen alkoholischen Anteil zwischen 3% und 8,5%, Wein zwischen 12% und 13,5% und höherprozentige Getränke oder Spirituosen von bis zu 80%. Die Wirkungsweise des Alkohols richtet sich nach der Intensität des Rauschzustandes. Bei leichten bis mittleren Rauschzuständen – der Blutalkoholgehalt beträgt zwischen 0,5 bis 2,5 Promille – kann es zu einer Enthemmung aggressiver und sexueller Impulse, zu erhöhtem Redebedürfnis, Verminderung der Selbstkritikfähigkeit, Euphorie und Heiterkeit, einhergehend mit einer Steigerung des Selbstwertgefühls kommen. Später wird die anfängliche euphorisierende Wirkung zunehmend durch sedierende Effekte ersetzt. Reaktionsgeschwindigkeit, Schmerzempfindlichkeit und die intellektuelle Leistungsfähigkeit werden abhängig von der Stärke des Rausches erheblich vermindert. Liegt der Blutalkoholgehalt über 2,5 Promille, so spricht man von einem schweren Rauschzustand, der nun bereits eine narkotisierende Wirkung auf den Konsumenten entfaltet. Die intellektuelle Leistungsfähigkeit nimmt weiter ab und äußert sich in Gedächtnis- und Gleichgewichtsstörungen, deutliche Verlangsamung des Redeflusses, Verlust der Selbstkontrolle, Angst und Erregung. Ab einem Blutalkoholgehalt von etwa 4 Promille ist die tödliche Dosis erreicht. Todesursache ist eine zentrale Atemlähmung. Lang anhaltender Alkoholkonsum führt zu einer Reihe körperlicher und psychischer Folgeschäden, welche zum Teil bleibend sind. Teilweise können körperliche Schädigungen, wie sie an Leber, Magen-Darm-Trakt, dem Herzen und dem Nervensystem auftreten können, auch psychische Veränderungen (z.B. Störungen der geistigen Leistungsfähigkeit, Persönlichkeitsveränderungen, Depressionen, Psychosen, Eifersuchtswahn) bewirken. Eine körperliche Abhängigkeit tritt nach etwa 6-18 Monaten fortgesetzten Alkoholkonsums ein und führt bei Unterbrechung mitunter zum lebensgefährlichen Entzugssyndrom, dem Alkoholdelir. Langanhaltender Alkoholkonsum kann außerdem die Entwicklung sozialer Kompetenzen, wie die Gestaltung von Beziehungen, Umgang mit Konflikten und Problemen negativ beeinflussen.[6]

Der durchschnittliche Alkoholverbrauch im Jahre 2001 lag in der BRD bei 10,5 Litern je Einwohner und blieb im Vergleich zu den Vorjahren relativ konstant.

Bei den alters- und geschlechtsspezifischen Angaben lassen sich unter den Gesichtspunkten Prävalenz und Konsumfrequenz einige Unterschiede aufweisen. Dabei fällt auf, dass vor allem Männer dazu neigen eher Bier zu trinken, während Frauen dagegen zu weinartigen Getränken tendieren. Männer und Frauen haben diesbezüglich in der Alterskategorie 25-39 Jahre eine durchschnittliche Prävalenz von 85%. Auch greifen eher Männer als Frauen zu höherprozentigen Getränken.[7]

Nach Hochrechnungen geht man davon aus, dass 1997 etwa 9,3 Mio. deutsche Einwohner (16%) einen riskanten Alkoholkonsum aufwiesen. Darunter befanden sich etwa 2,7 Mio. (5%) mit missbräuchlichem und etwa 1,6 Mio. (3%) mit abhängigem Konsum (definiert nach DSM-IV)[8]. Etwa 42.000 Personen sterben jährlich an den direkten (z.B. Alkoholmissbrauch) oder indirekten (z.B. Unfälle unter Alkoholeinwirkung) Folgen des Alkoholkonsums. Durch die Überlappung von Alkohol und Tabak werden 73.714 Todesfälle errechnet. In Prozenten ausgedrückt hat der Anteil der alkoholbedingten Todesfälle an allen Todesfällen im Alter zwischen 35 und 64 Jahren bei den Männern 25% und bei den Frauen 13%.[9]

2.2.2 Medikamente

Etwa 6-8% aller häufig verordneten Medikamente weisen ein eigenes Suchtpotential auf. Alle Arzneimittel, welche psychotrope Wirkungscharakter besitzen, wie zum Beispiel zentral wirkende Schmerzmittel, Schlafmittel und Tranquilizer vom Benzodiazepin- und Barbitursäure-Typ, codeinhaltige Arzneimittel oder auch Psychostimulantien sind rezeptpflichtig. Ca. 35% all dieser Mittel werden nicht aufgrund akuter Beschwerden im Sinne des Anwendungsgebietes des Medikamentes verschrieben, sondern langfristig zur Suchterhaltung und zur Vermeidung von Entzugserscheinungen. Vor allem aber die Gruppe der Schlaf- und Beruhigungsmittel und die Gruppe der Tranquillantien aus der Gruppe der Benzodiazepine haben besondere Bedeutung unter den Medikamenten mit Missbrauchs- und Abhängigkeitspotential. Während bei den Schlaf- und Beruhigungsmittel (35,7 Mio. Packungen im Jahr 2001) vermehrt auf Wirkstoffe mit pflanzlicher Basis gebaut wird, so dominieren bei den als Tranquilizer verordneten Arzneimitteln (16,3 Mio. Packungen im Jahr 2001) immer noch die Benzodiazepine. Insgesamt waren im Jahre 2001 etwa 1,4 Mio. Deutsche Medikamentenabhängig, davon ca. 1,1 Mio. von Benzodiazepinderivaten und rund 300.000 von anderen Arzneimitteln.[10]

Verordnet wird das Medikament, um vor allem Angstzustände zu lindern, epileptischen Anfällen vorzubeugen oder Lebenskrisen medikamentös zu lindern. Die Reichweite der Wirkdauer von Benzodiazepinen ist abhängig vom Typ, kann aber zwischen 6-8 Stunden oder maximal 24 Stunden pro Dosis variieren. Im Allgemeinen erzeugen sie eine größere Gelassenheit und senken die Anspannung. Als unerwünschte Nebenwirkung in den ersten Stunden nach der Einnahme sind starke Müdigkeit und Schläfrigkeit zu nennen.[11] Bei Langzeitkonsumenten tritt oftmals das Gefühl der Abgeschnittenheit von der äußeren Umgebung ein. Ansonsten ist die Wirkungsweise relativ schwierig einzuschätzen, da sie auch mitunter sehr paradoxe Verhaltensweisen, wie etwa Aggressivität, Feindseligkeit, sexuelle Angriffe und Zudringlichkeiten erzeugen kann. Insgesamt ist die Emotionalität erheblich gesteigert und die Reaktionen werden unkontrollierbarer. Eine plötzliche Beendigung des hochdosierten Langzeitgebrauchs kann lebensbedrohlich sein und sollte daher nur langsam abgesetzt werden. Während in den ersten Tagen nach Beendigung des Konsums eher psychische Auswirkungen (z.B. Angst, Schlaflosigkeit, Albträume) spürbar sind, so folgen darauf schnell heftige körperliche Symptome, wie Schwitzen, Magen- und Muskelkrämpfe, Appetit- und Gewichtsverlust, Zittern, Herzklopfen und Übelkeit.[12]

Auch in der Drogenszene hat der Konsum von Medikamenten bzw. Benzodiazepinen einen besonderen Stellenwert. Im Jahre 1995 schätze man, dass ca. 80% der intravenös applizierenden Drogenkonsumenten Erfahrungen mit den auf dem Schwarzmarkt gut verfügbaren Benzodiazepinen hatte. Es wird in der Drogenszene als besonders preisgünstiges Ersatzmittel gehandelt und zum Teil sogar in Kombination mit Heroin intravenös appliziert.[13] Deutlich sichtbar sind hier die fatalen Folgen: „massive Ausfallerscheinungen, Gedächtnisverlust, Schläfrigkeit, unkoordinierte Bewegungsabläufe, Herabsetzen der Hemmschwellen und Neigung zur Aggressivität.“ Und weiter heißt es: „Einige Drogengebrauchende sind sich ihrer Verhaltensauffälligkeiten nicht bewusst, da sie sich nicht erinnern können.“[14]

Der polyvalente und polytoxikomane Medikamentenmissbrauch unter Beteiligung von Benzodiazepinen birgt darüber hinaus ein stark erhöhtes Überdosierungsrisiko, denn häufig werden, bevor die Wirkung von Medikamenten einsetzt, weitere Drogen konsumiert.

2.3 Konsum betäubungsmittelrechtlich unterstellter „illegaler“ Drogen

Im Jahr 2000 waren etwa 3 Mio. Deutsche aktuelle Konsumenten von illegalen Drogen. Davon ca. 145.000, die nach DSM IV missbräuchlich konsumierten und etwa 290.000 mit einer diagnostizierbaren Abhängigkeit.[15]

Einige Daten zum Konsum „illegaler“ Drogen beziehen sich auf polizeiliche Statistiken, welche vor allem mit den Indikatoren Sicherstellungsfälle und Sicherstellungsmengen arbeiten. Es ist zu berücksichtigen, dass beide Indikatoren maßgeblich vom Krontrollverhalten der Strafverfolgungsbehörden abhängig sind. Erhebliche statistische Variationen können durch veränderte Zielrichtung und Intensität der polizeilichen Aktivitäten entstehen.[16]

2.3.1 Cannabisprodukte

Wirkstoff ist Tetrahydrocannabinol (THC). Er ist im abgesonderten Harz der Blüten- und Fruchtstände, sowie den Blättern THC-haltiger Hanfpflanzen enthalten. Hauptsächlich werden Cannabisprodukte in zwei unterschiedlichen Varianten gehandelt. Zum einen als Marihuana, die getrockneten, zerkleinerten, harzhaltigen, oberen Pflanzenteile der Hanfpflanze, und zum anderen als Haschisch, das in Platten gepresste wirkstoffreiche Harz. Marihuana und Haschisch werden in Joints oder Pfeifen geraucht, getrunken (z.B. in Tee) oder als Zutat in Gebäck verzehrt. Wirkung sind sowohl von der Dosis, der Konsumform, der Häufigkeit des Konsums als auch von der „inneren Befindlichkeit des Konsumenten (set) und der jeweiligen Situation (setting) abhängig.“[17] Die berauschende Wirkung von Cannabis regt überwiegend zur Selbstreflektion und Innenschau an. Ist die Dosis geringer, so werden die Sinneswahrnehmungen wie Hören, Riechen und Schmecken intensiviert. Die Kontaktfreudigkeit kann erhöht, Heiterkeit und Entspannung gefördert werden. Höhere Dosierungen können Halluzinationen und Sinnestäuschungen verursachen, Überdosierungen sogar zu Angstgefühlen, starken Stimmungsschwankungen und Desorientiertheit führen. Chronischer Gebrauch führt häufiger zu Beeinträchtigungen der Aufmerksamkeit und der Merkfähigkeit. Lebensbedrohliche Situationen wie auch eine körperliche Abhängigkeit ergeben sich im Zusammenhang mit Cannabisprodukten nicht. Allerdings kann sich eine Art psychische Beeinträchtigung entwickeln, „wenn Cannabiskonsum an die Stelle von eigenen kreativen und aktiven Möglichkeiten tritt, das eigene Leben zu gestalten und Probleme zu lösen.“[18] Damit zusammenhängend wird das „amotivationale Syndrom“ als eine der möglichen Folgen von dauerhaftem Cannabiskonsum diskutiert. Kennzeichen ist ein zunehmendes Desinteresse an fast allen Formen aktiver Entfaltung.[19]

Cannabis zählt zu den so genannten „weichen“ Drogen und hat als illegale Droge in weiten Teilen der Bevölkerung mit Sicherheit die größte Verbreitung. So waren im Jahre 2001 58% aller Rauschgiftsicherstellungen Cannabisprodukte, in Mengen ausgedrückt waren dies insgesamt 8.942 kg (Haschisch und Marihuana zusammengefasst).[20] Im Jahre 2002 betrug die Gesamtmenge an Sicherstellungen 11.133 kg, dies sind etwa 25% mehr als im Vorjahr.[21] Die Polizeiliche Kriminalstatistik (PKS) gibt außerdem Aufschluss über Geschlechts- und Altersstruktur der Täter im Jahre 2002, die in verschiedener Weise gegen das BtMG verstießen. Darunter zählen allgemeine Verstöße nach § 29 BtMG (z.B. Besitz und Erwerb geringer Mengen), illegaler Handel mit und Schmuggel von Rauschgiften nach § 29 BtMG und illegale Einfuhr von Betäubungsmitteln nach § 30 in nicht geringer Menge. Besonders deutlich ist die überproportionale Präsenz von männlichen auffällig gewordenen Personen. Diese Dominanz erstreckt sich über alle in der PKS aufgeführten Substanzen. Für die Kategorie „Cannabis und Zubereitung“ ergibt sich hierbei ein etwa 90%iger Anteil von Männern gegenüber den Frauen, dieser Anteil ist bei all den obig aufgeführten Verstößen gegen das BtMG sehr konstant.

Die Gruppe der über 21jährigen ist bei allen Delikten mit Cannabis am größten. Mit etwa 24% bei den 14 bis 18-jährigen und etwa 27% bei den 18 bis 21-jährigen, gegenüber ca. 47% bei den Erwachsenen, ist das Verhältnis bei den allgemeinen Verstößen gegen das BtMG mit Cannabis dagegen relativ ausgeglichen.[22]

Im Jahre 1997 gaben knapp 8% aller Befragten in den alten Bundesländern und 4,5% in den neuen Bundesländern an, in den letzten 12 Monaten Cannabis konsumiert zu haben. Die Drogenerfahrung mit Cannabis liegt überall bei den Männern doppelt so hoch wie bei den Frauen, dies gilt sowohl für die letzten 12 Monate, als auch für den gesamten Lebenszeitraum.[23]

2.3.2 Synthetische Drogen

Erwähnenswert sind an dieser Stelle sicherlich vor allem Amphetamin bzw. Methamphetamin, auch Speed genannt, und das Amphetamin-Derivat Ecstasy. Diese Formen synthetischer Drogen werden im BtMG als „harte“ Drogen bezeichnet. Amphetamine können oral als Tablette, als Pulver gesnieft[24] oder intravenös gebraucht werden, orale und nasale Einnahme dominieren aber erheblich. Ecstasy wird in Form von Pillen oder Kapseln oral konsumiert. Die Wirkungsdauer beträgt bei Ecstasy zwischen fünf bis acht Stunden, bei Amphetaminen etwa vier bis sechs Stunden. Im Allgemeinen bewirken sie eine Erhöhung des Wohlgefühls, der Aufmerksamkeit und Wachheit, sowie eine größere Zufriedenheit und Heiterkeit. Ecstasy wird zum Beispiel auch als sog. Glücks- und Liebesdroge bezeichnet, da es mitunter angstlösend, enthemmend und euphorisierend wirkt und zu einem stärkeren Empfinden von Harmonie- und Zärtlichkeitsgefühlen beiträgt. Auch wenn sich keine körperliche Abhängigkeit entwickelt, so lassen sich bei beiden Substanzen gewisse Toleranzeffekte beobachten, die sich durch die physiologische Wirkungsweise der Drogen nicht durch Dosissteigerungen ausgleichen lassen (sie bewirken eine Ausschüttung von Serotonin; ist der Serotoninspeicher leer, kann keine Wirkung mehr erzielt werden.) Als negative Begleiterscheinung des Konsums können eine Art depressive Gemütslage beim Abklingen der Wirkung und starke Erschöpfung und psychoseähnliche Zustände bei intensiverem Gebrauch auftreten. Bei Amphetaminen wirken sich diese Effekte stärker aus als beim Ecstasy.[25]

Die Sicherstellungsmengen sind hier bei den genannten Formen im Großen und Ganzen beständig gewachsen, was sicherlich mit ihrer wachsenden Beliebtheit zusammenhängt. Bei den Amphetaminsicherstellungen hat sich die Sicherstellungsmenge seit 1992 (105 kg) bis 2002 (362 kg) insgesamt mehr als verdreifacht. Auch beim Ecstasy verhält es sich ähnlich, hier werden die Mengen allerdings in Konsumeinheiten (KE) angegeben (weil vor allem in Tablettenform verbreitet). Erst seit 1994 (239.051 KE) werden diese in der Polizeilichen Kriminalstatistik geführt. Von diesem Zeitpunkt an sind aber immer wieder sprunghafte Anstiege der Sicherstellungsmengen zu verzeichnen. Zuletzt lag diese im Jahre 2002 bei 3.207.099 KE, dies bedeutet für den Gesamtzeitraum, also von Messungsbeginn 1994 bis 2002, mehr als eine ver-13-fachung. Dabei sollte aber dennoch angemerkt werden, dass Deutschland auch als Transitland genutzt wird und so wieder ein erheblicher Teil der sichergestellten Mengen für ausländische Märkte bestimmt waren.[26]

Betrachtet man sich die Alterstruktur der Tatverdächtigen, so fällt ähnlich wie bei den Cannabisprodukten auf, dass die Gruppe der 18-25jährigen sehr groß ist. Über 60% aller ermittelten Tatverdächtigen gehören dieser Altersgruppe an. Mit wachsendem Alter scheint die Attraktivität von Amphetaminen und deren Derivate zu steigen. Die 14-18jährigen sind mit etwa 15%[27] bei den allgemeinen Verstößen nach § 29 BtMG deutlich weniger präsent als die Gleichaltrigen mit Cannabis (ca. 24%). Bei den Heranwachsenden wird dieses Verhältnis dann plötzlich umgekehrt. Mit ca. 36% ist ihr Anteil im Vergleich zu den Tatverdächtigen mit Cannabis deutlich größer. Geschlechtspezifisch betrachtet lässt sich auch hier erneut die starke Präsenz der männlichen Tatverdächtigen feststellen. Bei den allgemeinen Verstößen nach § 29 BtMG etwa 81% für die Männer und 19% für die Frauen.[28]

Ecstasy und Amphetamine sind eindeutige Männerdrogen, aber das Ungleichgewicht beim Konsum zwischen Männern und Frauen ist hier nicht so deutlich ausgeprägt wie beispielsweise beim Heroin. Es konsumieren etwa doppelt so viele Männer wie Frauen Ecstasy.[29] Bei den Amphetaminen liegt die Drogenerfahrung der letzten 12 Monate bei den Männern 2 bis 3mal höher als bei den Frauen.[30]

2.3.3 Heroin

Das halbsynthetische Heroin ist ein Opiat. Neben Heroin sind auch eine Vielzahl vollsynthetischer Medikamente (z.B. Methadon) mit morphinähnlicher Wirkung entwickelt worden, welche in der Medizin als Substitutionsmittel verwendet werden. Heroin kann geraucht, inhaliert (siehe dazu auch den Teil „Den Drachen jagen – Das Inhalieren von Heroin“ dieser Arbeit), gesnieft oder gespritzt werden. Die intravenöse Applikation ist auch zugleich die häufigste und die riskanteste Konsumform in Deutschland.[31] Heroin hat eine massive analgetische (schmerzstillende) Wirkung, es reduziert die Angst und erzeugt einen euphorischen, glücksähnlichen Zustand, der Zufriedenheit und Wohlgefühl auslöst. Konsumenten berichten von der Empfindung „wie in Watte gepackt zu sein“. Beim intravenösen Gebrauch ist diese Wirkung am heftigsten und die in diesem Fall extrem kurzlebige Euphorie wird von ihnen als „High“, „Flash“ oder „Kick“ beschrieben. Weiterhin wird die Aktivität des zentralen Nervensystems (Verringerung der Atmung und Herztätigkeit) verringert, was bei einer Überdosierung zu einer Atemdepression führen kann. Aus medizinischer Sicht ist Heroin ein wirksames Mittel gegen Husten, Erkältungskrankheiten und Durchfall.[32] Langfristig führt es bei einer gleichzeitigen Toleranzentwicklung sehr schnell zu einer psychischen und körperlichen Abhängigkeit. Bei einem abrupten Abbruch des Konsums kommt es zu einer starken Störung des Gleichgewichts im Nervensystem, was sich in äußerst unangenehmen Entzugssymptomen wie tränenden Augen, Kälte- und Schmerzgefühl, Erbrechen und Schlaflosigkeit äußert.[33] Im Prinzip ist Heroin von der pharmakologischen Wirkung her keine gesundheitsschädliche Substanz, wenn es rein ist: „Trotz der hohen Suchtpotenz von Heroin kann ein Mensch auch mit dem Konsum von Heroin -sofern die Substanz rein ist und gesundheitsbewußt gebraucht wird- alt werden.“[34] Das Straßenheroin hat nur einen geringen Reinheitsgehalt und wird mit verschiedenen Substanzen (Laktose, Glukose, Vitamin C, Koffein, Kalk, Puderzucker, Gips, Strychnin, Paracetamol) „gestreckt“[35], die ihrerseits ihre zusätzliche Wirkung entfalten. Ein Großteil aller Gesundheitsschäden liegt in der wechselnden Stoffkonzentration, den starken Verunreinigungen des Heroins und den kriminalisierten Lebensbedingungen der Konsumenten.[36] Diese Probleme treten vor allem in der harten heroinkonsumierenden Drogenszene in Erscheinung.

Im Gesamten ist die Sicherstellungsmenge von Heroin in den letzten Jahren rückläufig. Während 1994 noch 1.590 kg beschlagnahmt wurden, so waren es im Jahre 2002 nur noch 520 kg (-67%). Von 1998 (686 kg) war bis 2001 (836 kg) zuvor noch ein kontinuierlicher Anstieg um etwa 22% der Sicherstellungsmengen zu beobachten.

Bei Heroin wird besonders deutlich, dass das Einstiegsalter wesentlich weiter nach hinten verschoben ist im Vergleich zu Cannabis oder Ecstasy etwa. Die meisten Tatverdächtigen bei allgemeinen Verstößen nach § 29 BtMG sind über 21 Jahre alt und machen im Vergleich zu den anderen Alterskategorien einen fast 84% Anteil aus. Mit fast 13% folgen die Heranwachsenden, danach mit etwa 4% die Jugendlichen. Diese Anteile sind auch etwa bei den übrigen BtMG-Verstößen im Zusammenhang mit Heroin vorzufinden. Die Gruppe der 18-25jährigen hat hier bei allen Verstößen lediglich einen durchschnittlichen Anteil von etwa 35%. Man kann davon ausgehen, dass die Erwachsenen somit auch die Hauptkonsumentengruppe darstellen. Die männlichen Tatverdächtigen haben mit über 83%, wie bei den anderen Substanzen, gegenüber den Frauen wieder den weitaus größeren Anteil.[37]

Die Konsumerfahrungen mit Heroin, bezogen auf das bisherige Leben, sind bei den Männern dreimal so hoch (0,6%) wie bei den Frauen (0,2%), wenn man sie diesbezüglich befragt.[38]

2.3.4 Kokain

Kokain ist ein weißes, kristallines Pulver, welches aus den Blättern des Kokastrauches isoliert wird. Es gilt wie das Heroin als „harte“ illegale Droge. Die gebräuchlichste Gebrauchsform ist das Sniefen. Es kann aber auch mit Tabak vermischt oder als „freebasing“ (Kokain wird mittels einer chemischen Reagenz in eine rauchbare freie Base umgewandelt) geraucht oder ferner in reiner Form gegessen werden, wobei hierfür größere Mengen für die gleiche Wirkintensität benötigt werden. Die risikoreichste Konsumform ist wie beim Heroin die intravenöse Applikation. Sehr beliebt ist auch der Mischkonsum, bei dem Heroin und Kokain (Cocktail) zusammen gespritzt werden. Die gegensätzlichen Wirkungsweisen sind nicht nur psychisch schwer zu verkraften, sondern erhöhen auch das Überdosierungsrisiko.[39] In der Wirkungsweise ähnelt das Kokain am ehesten den Amphetaminen, wobei die Wirkung nicht so lange (max. 20-30 Min.) andauert. Es wirkt belebend, stimulierend und unterdrückt Ermüdungserscheinungen, Schlafbedürfnis und Hungergefühl. Die Leistungsfähigkeit wird gesteigert, es entsteht ein Gefühl der geistigen Klarheit, verknüpft mit einer Ideenflut und einem Gedankenreichtum. Außerdem wirkt es enthemmend und fördernd auf die Kontaktfreudigkeit. Die sexuelle Potenz kann kurzfristig gesteigert werden.[40] Langfristiger Konsum erzeugt nach heutiger Erkenntnis nur in sehr seltenen Fällen eine körperliche Abhängigkeit, kann jedoch ein sehr starkes psychisches Verlangen nach der Substanz bewirken oder auch ein länger anhaltendes psychotisches Erscheinungsbild hervorrufen. Dies drückt sich in einer veränderten Persönlichkeit aus: Rastlosigkeit, Gereiztheit, Arroganz, Egoismus. Bei einem Dauergebrauch kann es sogar zu Halluzinationen, Sinnestäuschungen, Stimmungsschwankungen, Paranoia, Depressionen und Aggressionsausbrüchen kommen. Beim Absetzen des Kokains tauchen entsprechende psychische Entzugserscheinungen auf, welche auch als eine Art depressives Stadium (Müdigkeit, Erschöpfung, Niedergeschlagenheit, Motivations- und Lustlosigkeit) bezeichnet werden können.[41] Als körperliche Folgen eines hochdosierten langandauernden Gebrauchs können Schlaflosigkeit und Erschöpfung, Appetitlosigkeit, Thrombosen, Abmagerung und sexuelle Impotenz folgen. Aus den verschiedenen Konsumformen erwachsen entsprechende gesundheitliche Risiken: „Verätzungen, Entzündungen und Geschwüre im Nasen-Rachenraum und der Lunge und die Risiken durch die Verwendung von Spritzen wie Hepatitis, Aids und Entzündungen.“[42]

Die Sicherstellungsmengen sind beim Kokain extremen Schwankungen unterworfen. Es kann auf keinen Fall von einer kontinuierlichen Entwicklung gesprochen werden. Im Jahre 2002 betrug die beschlagnahmte Menge 2.136 kg gegenüber 1.288 kg im Vorjahr (+66%) und lediglich 913 kg im Jahre 2000. Im Jahre 1999 (1.979 kg) war die Sicherstellungsmenge fast so groß wie im Jahre 2002.

Die Deliktzahlen zu Kokain sind etwa vergleichbar mit denen zu Heroin. Die Erwachsenen sind mit über 84% die größte Gruppe bei den allgemeinen Verstößen nach § 29 BtMG. Dahinter folgen mit über 12% die Heranwachsenden und mit nur 3,5% die Jugendlichen. Die Gruppe der 18-25jährigen bei Kokain liegt prozentual bei allen Verstößen hinter ihren Altergenossen bei Heroin. Man kann daraus schließen, dass das durchschnittliche Alter der Tatverdächtigen mit Kokain im Vergleich etwas höher ist. Betrachtet man sich die Geschlechteranteile, so kommt man wiederum zu vergleichbaren Zahlen. Bei den allgemeinen Verstößen nach § 29 BtMG haben die Männer einen über 83%igen Anteil gegenüber den Frauen mit knapp 17%. Lediglich beim illegalen Handel/Schmuggel erreichen die Männer über 90%, während die Gruppe der tatverdächtigen Frauen nur noch fast 10% aufweisen.[43]

Erfahrungen mit Kokain (Life-Time-Prävalenz) hatten im Jahre 1997 in Westdeutschland ca. 2%, wobei mehr Männer als Frauen unter den Konsumenten sind. In Ostdeutschland sind sie Fallzahlen sehr niedrig, was dort wahrscheinlich auf die geringere Verfügbarkeit der Droge zurückzuführen ist.[44]

2.3.5 Crack

Die Droge Crack wird aus Kokain gewonnen und ist daher wirkungsverwandt. Crack wird geraucht und erzeugt dabei einen sehr raschen und intensiven Rausch, der dem Kokainrausch entspricht. Allerdings ist die Wirkungsdauer mit wenigen Minuten wesentlich geringer. Es scheint eine sehr starke Drogensehnsucht auszulösen, was bewirken kann, dass der Konsument über Stunden oder Tage unablässig konsumiert, bis Kräfte und Geld verbraucht sind. Beim Crack kann extrem schnell eine echte körperliche Abhängigkeit entstehen, die sich bei einer plötzlichen Abstinenz in Übelkeit, Schwindel, Tremor, Depressionen usw. ausdrückt. Langandauernder Crackkonsum greift massiv den Körper und die Psyche an. Als psychische Langzeitschäden sind innere Unruhe, schwere Depressionen, Halluzinationen und Verfolgungswahn zu nennen. Körperliche Schädigungen können an Lunge, Gefäßen, Nieren und dem Gehirn auftreten, verbunden mit Gewichtsabnahme, Schlaflosigkeit und Herzflattern.[45]

Crackkonsum ist eher in den USA und einigen südamerikanischen Ländern verbreitet, in Deutschland hingegen bisher weitestgehend auf ein paar Brennpunkte beschränkt. So verteilen sich die sichergestellten Mengen hauptsächlich auf die beiden Metropolen Hamburg und Frankfurt/Main. Die Sicherstellungsmengen fallen im Vergleich zu den zuvor angeführten Substanzen eher gering aus. Im Jahre 2001 waren es insgesamt 2,1 kg, ein Jahr später belief sich die Sicherstellungsmenge auf 6,1 kg. Die Mengen sind beinahe vollständig auf die beiden Brennpunkte verteilt gewesen. Dieser erhebliche Anstieg könnte Resultat der punktuellen Bemühungen der Sicherheitsbehörden der jeweiligen erkannten Brennpunkte sein. Das Bundeskriminalamt schließt jedoch keinesfalls aus, dass es sich hier möglicherweise um einen noch ungesättigten Markt handelt, der nach und nach von kriminellen Organisationen besetzt wird.[46]

Der Crackkonsum bleibt bis heute vor allem auf die beiden Metropolen beschränkt, scheint dort aber leicht zuzunehmen. Dies legen zumindest die Fallzahlen der örtlichen Polizei und Beobachtungen der Drogenhilfeeinrichtungen nahe.[47] Erkenntnisse über Alters- und Geschlechterstruktur der Konsumenten sind demnach bisher nur hier gewonnen worden. In einer 1999 durchgeführten Befragung in der „offenen Drogenszene“ von Hamburg mit 64 Crack-Konsumenten ergaben sich daraus folgende Daten: 63% Männer gegenüber 37% Frauen; das durchschnittliche Alter der Männer betrug 31,8 Jahre, bei den Frauen 29 Jahre.[48] Für Frankfurt liegen ebenfalls Daten für das Jahr 1999 vor, die teilweise aus polizeilichen Ermittlungen abzuleiten sind oder sich aus diversen Untersuchungen ergeben: Anteil der Männer bei den Konsumenten betrug etwa 80% gegenüber ca. 20% bei den Frauen; das Durchschnittsalter lag bei den Männern knapp über 30 Jahre und bei den Frauen knapp unter 30 Jahre.[49] Das durchschnittliche Alter scheint in Hamburg und Frankfurt/Main ähnlich zu sein. Die Geschlechterstruktur unterscheidet sich dagegen sehr stark im Städtevergleich, was aber auch auf die jeweiligen Untersuchungsbedingungen zurückgeführt werden könnte.

Es bleibt zu beobachten, wie sich der Crack-Konsum in Deutschland weiterentwickelt. Die Befürchtungen, dass die große „Crack-Welle“ um sich greift, konnte bisher nicht nachgewiesen werden.

2.4 Trendwende im Drogenkonsum

Die Entwicklung der Drogenszene in der BRD kann in Phasen unterteilt werden.

Ihre Entstehung begann Mitte der 60er Jahre, als vor allem die halluzinogenen Substanzen und Cannabis in der hedonistischen und politischen Szene dominierten. Zweck war es, sich von der konservativen Gesellschaft abzulösen und den eigenen Bewusstseinshorizont zu erweitern, sich von Fesseln alter Zwänge zu lösen. Dann erst im nächsten Jahrzehnt wurde eine Trennung vollzogen zwischen der Drogen- und Politszene. Deutlich entwickelte sich eine Nähe des drogenorientierten Milieus zu dem bereits vorhandenen kriminellen Milieu. Kiffer- und Fixerszene differenzierten sich. Mit der wachsenden Gewalt und Beschaffungskriminalität rund um den Heroinkonsum wurde ebenfalls das öffentliche Interesse geweckt, Ausgrenzungsprozesse wurden genährt. In den 80ern war dann der zunehmende Einfluss von Kokain und Aufputschmitteln zu beobachten. Gerade aber die Kokainkonsumenten wurden in der Öffentlichkeit kaum augenscheinlich. Sie verhalten sich angepasst, sind eher leistungsorientiert und in vielen gesellschaftlichen Schichten vorzufinden. Seit den 90ern, und auch noch bis heute, wächst die Beliebtheit der synthetischen Drogen in einer dritten „Drogengeneration“, die sich zwar unauffällig, aber risikoreich (Drogenexperimente) verhält.[50]

Hurrelmann sieht die Gründe für den heutigen Konsum stimmungshebender und leistungsseigernder Drogen bei den Jugendlichen und Heranwachsenden im Kontext einer gezielten Hinwendung zu einer lebensstilbewussten und leistungsorientierten Lebensweise,[51] bei einer gleichzeitigen Abkehr von den „Verliererdrogen“, wie z.B. Heroin. Dieser Substanz haften in der öffentlichen Meinung extrem negative Eigenschaften an. Mit ihr wird Verwahrlosung und soziale Desintegration assoziiert. Durch die negative Erscheinung von Heroinkonsumenten in der Öffentlichkeit wird dieses Bild kontinuierlich bestätigt. Der Trend hin zu den vermeintlich „reinen“ Substanzen aus dem Chemielabor wird heute auch stark von den Frauen getragen, die eher Gebrauch von legalen und gesellschaftlich positiv bewerteten Arzneimitteln machen. Vermutlich besteht hier ein Zusammenhang zwischen dem Arzneimittelkonsum und dem Konsum illegaler synthetischer Substanzen.[52] Bei den harten illegalen Drogen wie Heroin und Kokain dominieren die Männer der Altersgruppe zwischen 20 und 30 Jahren, die eher abweichenden Subkulturen angehören.[53] Hurrelmann zeichnet folgendes Bild: Sie „[…] haben sich von der Leistungsgesellschaft abgewendet, besitzen keine oder nur niedrige Schulabschlüsse, haben auch keine Lehrstelle gefunden und sind von Arbeitslosigkeit bedroht. Krankheitshäufigkeit und Infektionsrisiko sind hoch und stellen große Gesundheitsgefährdungen dar. Die Beschaffungskriminalität erhöht das Ausmaß der gesellschaftlichen Desintegration.“[54]

2.5 Rauschgifttote

Es existiert kein typischer Verlauf einer sog. „Drogenkarriere“. Der Weg von einem experimentellen Konsum illegaler Drogen in der Jugendphase bis zum körperlichen Ruin durch einen von der Abhängigkeit verursachten exzessiven Gebrauch ist weit und nicht durch eine gerade Linie zu zeichnen. Bisherige Theorien zur Sucht, wie z.B. die „Stepping-Stone“-Hypothese[55], können bis heute nicht bestätigt werden. Abhängigkeit ist natürlich auch im Zusammenhang mit der pharmakologischen Wirkung der Substanzen zu sehen, die eine körperliche und psychische Gewöhnung bewirken können. Allerdings ist Abhängigkeit auch ein soziales Konstrukt und sollte vor allem im sozialen, kulturellen und individuellen Kontext gesehen werden.[56]

Als „Rauschgifttote“ werden alle Todesfälle bezeichnet, die im kausalen Zusammenhang mit missbräuchlichem Konsum von Betäubungsmitteln oder Ausweichmitteln stehen. Gerade aber die Herstellung dieses Zusammenhanges ist das eigentliche Problem. Als Drogentote werden nur die Toten gewertet, die offensichtlich mit Drogenkonsum in Verbindung gebracht werden können. Es müssen bei ihnen also entweder Drogen oder Konsumutensilien aufgefunden werden. Völlig unberücksichtigt bleiben aber diejenigen, die an den Folgeerkrankungen ihres Konsums versterben. So ist z.B. ein Toter mit Leberversagen, hervorgerufen durch eine schwere Hepatitis, kein Drogentoter. Dementsprechend kann man davon ausgehen, dass die Dunkelziffer tatsächlicher Rauschgifttoter weitaus höher liegt als angenommen.

Die offiziellen Rauschgifttotenzahlen ergeben sich aus den vom Bundeskriminalamt definierten Todesumstände: Todesfälle infolge von Überdosierung, Todesfälle infolge langzeitigen Missbrauchs, Selbsttötung aus Verzweiflung über die Lebensumstände oder unter Einwirkung von Entzugserscheinungen und tödliche Unfälle von unter Drogeneinfluss stehenden Personen.[57]

In den letzten drei Jahren ist die Zahl der Todesfälle deutlich gesunken, nachdem im Jahre 2000 mit 2.030 Toten ein relativer Höchststand erreicht war. Damit liegen die 1.513 Rauschgifttoten im Jahre 2002 fast auf dem gleichen niedrigen Niveau von 1997 und bedeuteten im Vergleich zum Vorjahr 2001 (1.835 Tote) eine Abnahme von 17,5%. Die neuen Länder waren mit 43 im Jahr 2002 registrierten Drogentodesfällen extrem gering belastet. Betrachtet man sich die Todesfälle nach den oben genannten Ursachen, so fällt auf, dass ca. 90% an Überdosierungen oder an den Folgen langzeitigen Missbrauchs verstorben sind. Mit etwa 70% ist die eigene Wohnung dabei der häufigste Fundort.[58]

Kapitel III

3. Das Drogenhilfesystem der Bundesrepublik Deutschland

Im Laufe der Zeit hat sich in der BRD ein sehr komplexes Netz von Drogenhilfeinstitutionen gebildet, welches die Antwort auf ein ebenso komplexes Drogenproblem darstellen soll. Die Erkenntnis, dass viele unterschiedliche Wege des Drogenkonsums in die Drogensucht führen können, hat diese Entwicklung notwendig werden lassen. Man spricht deshalb auch von einem Verbundsystem der Suchtkrankenhilfe. Dieses soll wiederum eine Vielzahl von individuellen Wegen aus der Sucht bereithalten, bzw. die negativen Konsequenzen für das Individuum mildern oder eine Suchtbildung ganz und gar vermeiden. Das Netz aus den unterschiedlichen Angeboten soll dabei so engmaschig sein, dass jede Person darin aufgefangen wird und es nicht zu Ausstiegprozessen kommt, in denen Gefährdete und Abhängige „verloren“ gehen können. Angebote zur psychosozialen und medizinischen Basisversorgung, wie auch zur Suchtprävention, müssen zu jeder Zeit regional bereitgestellt werden.

3.1 Ziele und Grundsätze

Zentrales Ziel der Suchtkrankenhilfe ist es, den Betroffenen eine möglichst suchtmittelabstinente und suchtverhaltensfreie Lebensweise zu ermöglichen. Dabei spielen soziale, familiäre und berufliche Integration eine entscheidende Rolle. Akzeptierende und suchtbegleitende Ansätze werden dabei nicht ausgeschlossen, denn vor der Abstinenz steht die Sicherung des Überlebens an erster Stelle. Auf der Grundlage langjähriger Praxiserfahrung und den daraus gezogenen Erkenntnissen über die Bedürfnisse von Suchtkranken, wurden verschiedene Interventionsziele definiert, die in eine grobe Rangfolge gebracht werden können. Allerdings sind sie nicht unbedingt voneinander getrennt oder in einer spezifischen zeitlichen Abfolge zu erreichen:

1. Sicherung des Überlebens in Zeiten des akuten Drogenkonsums (z.B. durch aufsuchende Arbeit, niedrigschwellige Angebote, medizinische Notdienste etc.);
2. Verhinderung von körperlichen Folgeschäden durch gesundheitsfördernde Maßnahmen (z.B. Spritzentausch, Drogenkonsumräume etc.);
3. Soziale Sicherung der Betroffenen durch Erhalt der Wohnung, Arbeit und Unterstützungstrukturen aus dem sozialen Umfeld;
4. Verhinderung oder Milderung von sozialer Desintegration, Ausgrenzung und Diskriminierung;
5. Ermöglichung längerer Abstinenzphasen (durch niedrigschwellige oder qualifizierte Entzugsbehandlungen);
6. Einsichten in die Grunderkrankung und Förderung einer Veränderungsbereitschaft (auch ermöglicht durch vorangehende Abstinenzphasen);
7. Erreichen von Behandlungsmotivation und Akzeptanz von professionellen Hilfeangeboten;
8. Akzeptanz des Abstinenzzieles;
9. Konstruktive Bearbeitung von Rückfällen (Unterstützt die Bearbeitung und Akzeptanz des Abstinenzzieles);
10. Autonome Lebensgestaltung;
11. (Re-)Integration in soziale und berufliche Zusammenhänge;
12. Stabilisierung der Interventionserfolge.[59]

Die Ziele haben unterschiedliche Grade der Dringlichkeit. Sie reichen von sehr kurzfristigen, das reine Überleben sichernde Ziele, bis hin zu Zielen, die eher langfristigen Charakter haben, wie zum Beispiel die (Re-)Integration in berufliche Zusammenhänge. Die Zielsystematik soll die Möglichkeit gewähren, klienten- und problembezogene Interventionsziele zu bestimmen und zu vereinbaren.

Verschiedene Grundsätze und Handlungsstandards prägen das System der Suchtkrankenhilfe und die Handlungsweisen seiner Akteure:

- Vernetzung und Kooperation der Hilfesysteme,
- durch multiprofessionelle Teams aus Medizin, Psychologie und soziale Arbeit.
- Wohnortnähe der Angebote.
- Frühe Intervention.
- Ressourcenorientierung.
- Selbsthilfe vor Fremdhilfe.
- Ambulante vor stationärer Hilfe.
- Primat der Basisversorgung.
- Geschlechterspezifische Angebote.
- Mitarbeit von ehemals Abhängigen.[60]

Obgleich das Verbundsystem der Drogenhilfe eine langjährige Entwicklung vollzogen und bis heute sicherlich eine noch nie erreichte Qualität erlangt hat, so darf es auch für die Zukunft kein statisches Gebilde darstellen. Es ist vielmehr ständigen Wandlungen unterworfen, die auf der Grundlage kontinuierlicher Evaluation von Arbeitsergebnissen basieren. Die Weiterentwicklung des Verbundsystems sollte demnach an die jeweiligen aktuellen Erfordernisse angepasst werden. Dies erfordert ein hohes Maß an Flexibilität und eine aktive Auseinandersetzung mit den politischen und rechtlichen Rahmenbedingungen der Arbeit.

3.2 Handlungsfelder der Suchtkrankenhilfe

Das Verbundsystem wird durch die vier Eckpfeiler des Angebotes für drogenabhängige Männer und Frauen repräsentiert: Beratung, Betreuung, medizinische Rehabilitation (Therapie) und Integration. Vorgelagert ist die Prävention und ergänzt wird das Verbundsystem durch die Selbsthilfe. Diese Instanzen der Suchtkrankenhilfe sollen im Folgenden kurz erläutert werden.

3.2.1 Prävention

Suchtprävention ist konzeptioneller Bestandteil der Suchtkrankenhilfe und will Drogenkonsum an erster Stelle verhindern (Primärprävention). Es geht darum, weit im Vorfeld süchtigen Verhaltens anzusetzen und Kinder und Jugendliche in Einstellung, Handlungskompetenz und Erlebnisfähigkeit zu fördern. Dabei sind die jeweiligen Lebenswelten von Kindern und Jugendlichen zu berücksichtigen. Es sollten altersgemäße, sachgerechte und nicht unnötig dramatisierende Informationen über die Wirkungen und Folgen vom Drogenkonsum vermittelt werden. Nach Klaus Hurrelmann basieren moderne Konzepte der Suchtprävention auf der Erkenntnis, dass Drogenprobleme Ausdruck von Schwierigkeiten der Lebensbewältigung sind. Daher werden sie „vielmehr als Bestandteile einer umfassenden Gesundheitsförderung verstanden. Sie gehen von der Leitidee aus, möglichst vorbeugend zu wirken, um Störungen der Persönlichkeitsentwicklung und Beeinträchtigungen der Gesundheit so früh wie möglich zuvorzukommen. Sie sind so konzipiert, daß sie das Gleichgewicht zwischen Belastungen und Bewältigungen stabilisieren helfen, das jeder Mensch benötigt, um nicht in Sucht- und Abhängigkeitsgefahren zu geraten.“[61] Dabei ist Prävention an verschiedene Zielgruppen gerichtet. Die primäre Prävention zielt auf den Personenkreis, bei dem höchstens erste Indizien für einen aufkommenden gesundheitsgefährdenden Drogenkonsum erkennbar sind. Sekundäre Prävention richtet sich gegen erste manifeste Beeinträchtigungen durch Drogenkonsum. Gegen eine Verfestigung und gesundheitliche Langzeitschäden arbeitet die tertiäre Prävention.[62]

Viele Autoren stimmen in ihrer Meinung darin überein, dass zu den heutigen Entwicklungsaufgaben von Jugendlichen auch der Erwerb von Risikokompetenz gehört.[63] Im Umgang mit Risiken testen Kinder und Jugendliche ihre Fähigkeiten und Grenzen. Ähnliches gilt sicherlich auch für den Konsum von legalen oder illegalen Drogen. In unserer Gesellschaft wird beispielsweise Alkoholkonsum von Erwachsenen fast schon erwartet und gerade deshalb ist es notwendig, dass sich Kinder und Jugendliche auf ihre Art und Weise mit diesem Thema auseinandersetzen. Franzkowiak empfiehlt daher von einer ausschließlichen Ausrichtung auf eine abstinenzorientierte Suchtprävention abzukehren und zusätzlich den Erwerb von Risikokompetenz zu fördern. Die Wirksamkeit von Risikokompetenz ist aber ihrerseits abhängig von einer starken Persönlichkeit von Kindern und Jugendlichen. Sie müssen über ausreichend Selbstvertrauen, Selbstwertgefühl verfügen, sie müssen soziale Beziehungen herstellen und aufrechterhalten können, konfliktfähig sein, mit Problemen und Entwicklungsaufgaben gesundheitsbewusst umgehen.[64]

Konzepte zur Prävention existieren zu genüge, ob sie aber auch das halten, was sie versprechen, bleibt dahingestellt. Sicherlich sind viele von ihnen brauchbar und sinnvoll, jedoch kann keinesfalls von einer flächendeckenden Arbeit gesprochen werden, die dabei aber absolut notwendig wäre. Das als bundesweit größte geltende Projekt „Klasse 2000“ zur Förderung der Gesundheit und Suchtvorbeugung im Grundschulalter hat im Jahr 2002/2003 134.731 Kinder aus insgesamt 5.534 Klassen erreicht.[65] Bei einer Gesamtzahl von über 3 Mio. Grundschulkindern in der Bundesrepublik Deutschland ist dies aber bei weitem ein viel zu geringer Anteil.

3.2.2 Betreuung

Die Betreuungsangebote beinhalten vor allem die Akuthilfe und richtet sich damit an obdachlose, psychosozial und körperlich geschädigte, von Verelendung bedrohte Suchtmittelabhängige. Geleistet wird sie weitestgehend von Beratungsstellen und Drogenhilfezentren. Um eine weitere Verschlechterung der Lebenssituation zu verhindern, werden – sofern nicht vorhanden und Bedarf existiert – Angebote zur Basisversorgung geschaffen, welche niedrigschwelligen Charakter besitzen. Abstinenz muss hier nicht Voraussetzung für die Inanspruchnahme von Akuthilfe sein. Solche Angebote können von aufsuchender Natur sein (Streetwork) oder auf die freiwillige Inanspruchnahme der Betroffenen bauen. Hierzu zählen zum Beispiel Angebote wie Spritzentausch, Konsum unter hygienischen Umständen in Drogenkonsumräumen, Notschlafunterkünfte für obdachlose Konsumenten, Waschmöglichkeiten etc.

Aber auch tagesstrukturierende Angebote wie das Betreute Wohnen gehören in den Suchtkrankenhilfebereich der Betreuung. Unterschiedliche Formen der Wohnbetreuung sind hierbei denkbar. Je nach Zielgruppe können sie zeitgleich der Stabilisierung, der Orientierung oder der Krisenintervention dienen. Auch spezielle Angebote für Substituierte[66] oder bereits drogenfrei lebende Menschen, die aber dennoch der Unterstützung bedürfen, können angeboten werden.[67]

3.2.3 Beratung

Im Zentrum der Suchtkrankenhilfe steht die Beratung, die in Sucht- und Drogenberatungsstellen, Psychosoziale Beratungs- und Behandlungsstellen sowie Jugend- und Drogenberatungsstellen geleistet wird. Durch bestimmte Rahmenbedingungen und konzeptionelle Ausrichtung werden die Beratungen von drei Zielgruppen in Anspruch genommen:

1. Von Personen, die suchtgefährdet sind, Suchtmittel gebrauchen, missbrauchen oder von ihnen abhängig sind. Durch die psychischen, körperlichen und sozialen Folgen des Konsums oder der Suchtgefährdung ist bei ihnen der Wunsch nach einer professionellen Beratung entstanden.
2. Von Personen, die in irgendeiner Art und Weise von der Suchtproblematik betroffen sind (z.B. Angehörige, Freunde, etc.).
3. Von Institutionen, Medien, Multiplikatoren usw., für Informationsbeschaffung, Prävention, Aufklärung und vermittelnde Aufgaben.[68]

3.2.4 Rehabilitation

Rehabilitationsangebote dienen der „Rückführung“ der Drogenkonsumenten in gesellschaftliche Zusammenhänge. Voraussetzung zum Beginn einer Entwöhnungstherapie ist eine vorhergehende Entgiftung. Sie selber muss aber nicht notwendigerweise in einer Entwöhnungstherapie münden, denn nicht nur Abstinenz, sondern auch die Erreichung kürzerer drogenfreier Intervalle zu einer generellen körperlichen Erholung kann ein Ziel sein. Aus diesem Grund sollte eine Entgiftung als internistische Akutbehandlung jederzeit zur Verfügung stehen.[69] Entgiftung bedeutet, das Suchtmittel abzusetzen und die körperlichen Entzugssymptome zu behandeln. Dies erfolgte bisher innerhalb einer stationären Behandlung. Jedoch werden auch Möglichkeiten ambulanter qualifizierter Entzugsbehandlung diskutiert.[70]

Nach einer erfolgreichen Entgiftung können weitere rehabilitative therapeutische Maßnahmen aufgenommen werden. Die medizinische Rehabilitation ist ein zeitlich begrenzter Prozess. Die Festlegung der Behandlungsart und die Art der anschließenden Durchführung sind klienten-, problem-, ziel- und ressourcenorientiert, denn wie in den anderen Bereichen des Verbundsystems geht man auch hier von einem ganzheitlichen Menschenbild aus. Auf Diagnoseerhebung und Indikationsstellung folgt entweder eine stationäre Langzeit-, bzw. Kurzzeittherapie, teilstationäre Rehabilitation oder ambulante Therapie. Die unterschiedlichen Rehabilitationsformen unterschieden sich vor allem in Dauer der Therapie und Intensität der Bindung des Patienten an die Therapieeinrichtung. Der Therapieverlauf ist kontinuierlich zu überprüfen und gegebenenfalls im Rahmen einer prozessorientierten Indikationsstellung abzuändern. Am Ende der stationären medizinischen Rehabilitation steht die Adaptionsphase. Sie soll den Patienten bestmöglich auf den bevorstehenden Alltag vorbereiten. An die Entwöhnungstherapie werden in der Regel weiterführende Maßnahmen zur Stabilisierung angeschlossen. Hierzu zählt zum Beispiel die Nachsorge im Sinne der Integration.[71]

3.2.5 Integration

Die Integration umfasst Maßnahmen für die Wiedereingliederung suchtkranker Menschen. Zum einen dient sie der Nachsorge nach einer abgeschlossenen medizinischen Rehabilitation, zum Beispiel in Unterstützung für eine sinnvolle Freizeitgestaltung, Durchführung von Kulturprojekten, Krisenintervention, Rückfallprophylaxe und so weiter, zum anderen aber vor allem zur Motivation, „sich regelmäßigen Anforderungen zu stellen und durch die Bewältigung dieser Anforderungen sich wieder Erfolgserlebnisse verschaffen zu können.“[72]

Der Fachverband Drogen und Rauschmittel e.V. (FDR) definiert für die Integration folgende Ziele:

- „Neuorientierung und Erprobung neuer Verhaltensweisen
- Soziale und berufliche Integration, auch nach einer Suchtbehandlung
- Stützung und Festigung der Ergebnisse therapeutischer Behandlungen“[73]

Die Tatsache, dass regelmäßige Arbeit häufig zu einer größeren Zufriedenheit führt, ist allgemein anerkannt. Deshalb ist unter anderem die berufliche Integration nach einer Suchtbehandlung Bestandteil der Integration. Gerade aber zu Zeiten allgemeiner großer Arbeitslosigkeit in der deutschen Bevölkerung gestaltet sich dies mitunter schwieriger.

So bedeuten Arbeitslosigkeit und materielle Verarmung sicherlich eher eine tendenzielle Begünstigung von Suchterkrankungen, gleichzeitig verringern sich die Chancen einer erfolgreichen Rehabilitation zur Überwindung einer bestehenden Sucht.[74] Die sich abzeichnende Aufgabe ist sicher nicht von den Leistungs- und Kostenträgern allein zu bewältigen. Nötig sind vielmehr politische und ökonomische Entscheidungen auf Bundesebene, die in Zusammenarbeit zwischen Suchtkrankenhilfe und den Rehabilitationsträgern und den Arbeitsämtern verwirklicht werden müssten.[75]

3.2.6 Selbsthilfe

Die Suchtkrankenhilfe wird ergänzt durch die Selbsthilfe. Aktivierung selbstheilender Kräfte, Lösen von Problemen in Eigenverantwortlichkeit – dies sind potentielle Eigenschaften von Selbsthilfe. Menschen mit gleicher oder ähnlicher Problematik tauschen sich miteinander aus und können voneinander lernen, denn jeder für sich verfügt über gesunde Anteile und konstruktive Fähigkeiten, die er in der Gruppe zum Ausdruck bringen kann. Die Zuwendung zu einer Betroffenengruppe bedeutet außerdem eine deutliche Minderung der krankheitsbedingten Isolation. Gemeinsame Probleme schaffen dabei automatisch eine akzeptierende Gesprächsgemeinschaft, in der jeder zu Wort kommen kann und in der jeder als Experte für seine eigene Situation gleichberechtigt behandelt wird.[76]

Kapitel IV

4. Konzept einer akzeptanzorientierten Drogenarbeit

Das komplexe Suchtkrankenhilfesystem wird durch zwei Ansätze der Drogenarbeit gestaltet: der abstinenzorientierte und/oder akzeptanzorientierte Arbeitsansatz. Im Folgenden soll der akzeptanzorientierte Ansatz näher dargestellt werden.

Die „nicht-bevormundende“, „suchtbegleitende“, „klientenorientierte“ oder „niedrigschwellige“ Drogenarbeit, diese Namen sind noch heute im Gebrauch, beschreiben Teilaspekte der „akzeptanzorientierten Drogenarbeit“. Sie ist mittlerweile eine weit verbreitete Arbeitsweise, die, wie der Name es bereits deutlich macht, von „Akzeptanz“ geprägt ist. Aber anders als die so genannte „niedrigschwellige“ Drogenarbeit (Akzeptanz gegenüber dem Drogenkonsumenten), die häufig mit der „akzeptanzorientierten Drogenarbeit“ verwechselt wird, zielt sie darüber hinaus auch auf die uneingeschränkte Akzeptanz gegenüber dem Drogenkonsum ab.[77] „Niedrigschwelligkeit“ bedeutet, „daß möglichst wenig Hemmschwellen Drogengebraucher von der Benutzung von Hilfsangeboten abschrecken bzw. ausschließen sollen. Insofern ist Niedrigschwelligkeit nur ein methodischer Ansatz, der nicht notwendigerweise eine Abkehr vom Abstinenzparadigma beinhaltet.“[78] Aber genau diese Abkehr vom Abstinenzparadigma will die „akzeptanzorientierte Drogenarbeit“: „Drogengebraucher werden so akzeptiert, wie sie sind. Auf feste Terminvereinbarung, Cleanstatus und der demonstrativen Darstellung einer Abstinenzmotivation als Voraussetzung für die Inanspruchnahme von Angeboten und Hilfestellungen wird verzichtet.“[79]

Es lassen sich zwei Bezeichnungen ausmachen, die heute am meisten gebraucht werden und das aktuelle Verständnis der Arbeitsweise verkörpern. Zum einen ist es die „akzeptierende“, zum anderen die schon zuvor genannte akzeptanzorientierte Drogenarbeit. Diese beiden Bezeichnungen werden in der Literatur weitestgehend synonym verwendet, obwohl sich meiner Meinung nach ein feiner Unterschied mutmaßen lässt. Die Akzeptanzorientiertheit räumt die Möglichkeit der eingeschränkten Fähigkeit ein, nämlich absolut bedingungslos zu akzeptieren. Am ehesten wird so der menschlichen Subjektivität Rechnung getragen, daher werde ich mich im weiteren Verlauf der Arbeit auf diesen Begriff festlegen, ohne dabei der „akzeptierenden Drogenarbeit“ die eben erklärte Einsicht absprechen zu wollen.

4.1 Entstehung, Geschichte und Gegenwart

Um eine gewisse Chronologie der Entwicklungsgeschichte der Drogenarbeit willen und ohne dabei zu sehr in die Vergangenheit zu schweifen, sollen zu Beginn dieses Abschnittes noch die „Release“ Vereine in Deutschland ab Anfang der 70er Jahre erwähnt werden. Sie wurden gegründet als Antwort auf die repressiven und erfolglosen Versuche der traditionellen Psychiatrie und der öffentlichen Jugendfürsorge und sollten vor allem bedürfnisorientierte und emanzipatorische Hilfe bereitstellen, zum Beispiel in Beratungs- und Kommunikationszentren für Drogenkonsumenten und „gefährdete Jugendliche“ oder diversen Wohnkollektiven. Bezeichnend für Einrichtungen der „Release“ (Deutsch: Freilassung, Befreiung) war vor allem die Aufhebung des Therapeut-Patient-Verhältnisses und die Bestrebung eine möglichst große Gleichberechtigung aller Beteiligten zu erreichen. Auch wenn die Ansätze der Release-Gruppen angesichts der minimalen öffentlichen Zuwendungen – im Vergleich zu den Behandlungen der Psychiatrischen Anstalten und Fachkliniken – erfolgreich waren, hatte die Realität auch sehr häufig eine ernüchternde Wirkung. Denn die Vorstellung, Drogenkonsumenten in einer solidarischen Gemeinschaft durch neue Lebensperspektiven und politischen Einsichten vom Konsum abzubringen, wurden häufig enttäuscht. Letztendlich waren Desillusionierung und die Einzug haltende Professionalisierung für das Ende der Release-Gruppen verantwortlich. Schon Mitte der 70er Jahre wurde die Drogenhilfe immer stärker durch Anpassungen an Vorgaben von Justiz und Sozialbehörden geprägt. Auch die liberale Einstellung zum Drogenkonsumenten verschwand weitestgehend und wurde allmählich durch Vorstellungen von einem defizitären und gestörten Klienten überdeckt.[80]

[...]


[1] Ich verzichte auf die zusätzliche Nennung der weiblichen Endung ‚-In-’. Selbstverständlich beziehe ich mich gleichermaßen auf männliche UND weibliche Personen.

[2] Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend 2003

[3] Stimmer 2000, S. 113

[4] vgl. Zurhold 1995, S. 5

[5] Wierling 2002, S. 8

[6] vgl. Blum 2002, S. 79f

[7] Kraus/Augustin/Töppich 2003, S. 126ff

[8] Merfert-Diete 2003, S. 9

[9] ebenda

[10] Glaeske 2003, S. 65-71

[11] Zurhold spricht in diesem Zusammenhang von einer „Medizinalisierung sozialer Alltagsprobleme“ und kritisiert zugleich diese Praxis.

[12] vgl. Zurhold 1995, S. 44f

[13] ebenda, S. 42-44

[14] ebenda, S. 45

[15] Merfert-Diete 2003, S. 15

[16] vgl. Dewald 2003, S. 79

[17] Blum 2002, S. 85

[18] vgl. Blum 2002, S. 85; vgl. Zurhold 1995, S. 40f

[19] vgl. Simon/Tauscher/Pfeiffer 1999, S. 123

[20] Dewald 2003, S. 87

[21] vgl. Bundeskriminalamt 2002 b, S. 227

[22] vgl. ebenda, S. 222

[23] vgl. Simon/Tauscher/Pfeiffer 1999, S. 132-134

[24] Szenebegriff für die nasale Applikation von versch. Substanzen.

[25] vgl. Blum 2002, S. 90f; vgl. Zurhold 1995, S. 20-30

[26] vgl. Dewald 2003, S. 79; Bundeskriminalamt 2002 b, S. 227

[27] In der PKS 2002 wird differenziert zwischen „Amphetamin/Methamphetamin und deren Derivate in Pulver- oder flüssiger Form“ und „Amphetamin/Methamphetamin und deren Derivate in Tabletten- bzw. Kapselform (Ecstasy)“. Da Ecstasy wesentlich verbreiteter ist, darüber hinaus die Wirkungsweisen der unterschiedlichen Formen von Amphetamin/Methamphetamin Ähnlichkeit besitzen, beschränke ich mich hier nur auf diese Angaben.

[28] Bundeskriminalamt 2002 b, S. 222

[29] vgl. Simon/Tauscher/Pfeiffer 1999, S. 150

[30] vgl. ebenda, S. 168

[31] vgl. ebenda, S. 212; vgl. Zurhold 1995, S. 6

[32] vgl. Wierling 2002, S. 15; vgl. Zurhold 1995, S. 9f

[33] vgl. Wierling 2002, S. 16

[34] Zurhold 1995, S. 5

[35] Szenesprache für die Verdünnung der Hauptsubstanz mit anderen Substanzen, um die Gesamtmenge zu vergrößern oder eben zu „strecken“.

[36] vgl. ebenda

[37] Simon/Tauscher/Pfeiffer 1999, S. 222, 227

[38] vgl. ebenda, S. 223

[39] vgl. Zurhold 1995, S. 13f

[40] vgl. ebenda, S. 13-17; vgl. Simon/Tauscher/Pfeiffer 1999, S. 192

[41] vgl. ebenda, S. 17

[42] Blum 2002, S. 93

[43] Simon/Tauscher/Pfeiffer 1999, S. 222, 227

[44] vgl. ebenda, S. 200

[45] vgl. ebenda, S. 193f; vgl. Zurhold 1995, S. 14f

[46] vgl. Bundeskriminalamt 2002 a, S. 128-130

[47] vgl. Stöver 2001, S. 1

[48] ebenda, S. 21f

[49] ebenda, S. 31f

[50] vgl. Thamm 1994, S. 75f

[51] vgl. Hurrelmann/Bründel 1997, S. 64; vgl. Blum 2002, S. 93f; vgl. Thamm 1994, S. 74

[52] vgl. Hurrelmann/Bründel 1997, S. 65

[53] vgl. Fend 2000; vgl. Ziehlke 1992, S. 31f

[54] vgl. Hurrelmann/Bründel 1997, S. 86

[55] Die „Stepping-Stone“-Hypothese behauptet, dass eine zwangläufige und logische Drogenkarriere existiert. Dabei wird z.B. Cannabis als Einstiegsdroge gewertet, wobei ein fortgesetzter Cannabiskonsum automatisch den Griff zu härteren Drogen bedingt. Am Ende führt der Opiatkonsum zum Tode.

[56] vgl. Wierling 2002, S. 8-11

[57] Bundeskriminalamt 2002 a, S. 68

[58] vgl. Dewald 2003, S.89; vgl. Bundeskriminalamt 2002 a, S. 68, 73

[59] vgl. Hurrelmann/Bründel 1997, S. 156; Leune 2003, S. 134; Leune 2000, S. 609f

[60] vgl. Leune 2000, S. 609; Leune 2003, S. 135

[61] Hurrelmann 1997, S. 106

[62] vgl. ebenda, S.106f

[63] vgl. Franzkowiak 1998; vgl. Püschel/Schlörner 2002, S. 125, vgl. Raithel 1999, S. 40

[64] vgl. Püschel/Schlörner 2002, S. 127

[65] Verein Programm Klasse2000 e.V.

[66] Um die negativen Folgen des Heroinkonsums zu mindern, ist unter bestimmten Voraussetzungen die regelmäßige Gabe eines ärztlich verordneten Substitutes wie Methadon oder Polamidon möglich. Zunächst soll hierdurch Beschaffungsdruck beseitigt werden. Durch beständige Herabdosierung kann das Substitut selbst nach einer gewissen Zeit abgesetzt werden.

[67] vgl. Leune 2000, S. 611f

[68] vgl. ebenda, S. 612

[69] vgl. FDR 1997, S. 37; vgl. Leune 2000, S. 614

[70] Bundesministerium für Gesundheit und Soziale Sicherung 2003 a, S. 31

[71] vgl. FDR 1997, S. 57-68; vgl. Leune 2000, S. 615f

[72] FDR 1997, S. 49

[73] ebenda, S. 50

[74] vgl. Bossong 1997, S. 30

[75] vgl. Leune 2003, S. 142

[76] vgl. FDR 1997, S. 49

[77] vgl. Richter 2000, S. 11

[78] Schneider 1997 a, S. 16

[79] ebenda

[80] vgl. Schuller 1991, S. 32-41

Ende der Leseprobe aus 144 Seiten

Details

Titel
Auf ‚Drachenjagd’ im Drogenkonsumraum
Untertitel
Eine empirische Untersuchung zum Nutzungsverhalten der BesucherInnen des Inhalationsraumes im Drogenkonsumraum des Vereins Krisenhilfe Essen e.V.
Hochschule
Universität Duisburg-Essen
Note
1,3
Autor
Jahr
2003
Seiten
144
Katalognummer
V90786
ISBN (eBook)
9783638049689
ISBN (Buch)
9783638943796
Dateigröße
3804 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Drogenkonsumraum
Arbeit zitieren
Stefan Berger (Autor), 2003, Auf ‚Drachenjagd’ im Drogenkonsumraum, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/90786

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