Persönlichkeitstheorien mit dem Schwerpunkt auf Carl R. Rogers


Hausarbeit, 2008
17 Seiten, Note: 1,7

Leseprobe

Inhalt

1. Einleitung

2. Zur Begrifflichkeit

3. Persönlichkeitstheorien
3.1 Eigenschaftstheorie
3.2 Lerntheorie
3.3 Psychodynamische Theorie
3.4 Humanistische Theorie
3.4.1 Ich und Selbst
3.4.2 Kongruenz und Inkongruenz / positive und negative Selbstbilder
3.4.3 Wachstum und Entwicklung
3.4.4 Rogers klientenzentrierte Therapie
3.4.5 Rogers Persönlichkeitstheorie - Stärken und Schwächen

4. Schlussbetrachtung

Literaturverzeichnis

Internetquellen

1. Einleitung

Die folgenden Ausführungen entstanden im Rahmen einer Hausarbeit und haben sich zur Aufgabe gemacht, verschiedene Persönlichkeitstheorien zu erläutern, um sie anschließend miteinander vergleichen zu können.

Im 2. Abschnitt definiere ich zunächst den Begriff „Persönlichkeit“ und „Persönlichkeitstheorie“, um eine Basis für die weiteren Ausführungen zu schaffen. In diesem Kontext greife ich vor allem auf Lawrence A. Pervins Buch „Persönlichkeitstheorien“ zurück, da er sich systematisch und umfassend mit diesem Themenkomplex auseinander gesetzt hat.

Im 3. Abschnitt gebe ich einen kurzen Überblick über verschiedene Persönlichkeitstheorien. Dabei habe ich mich aufgrund der formalen Richtlinien (begrenzter Seitenumfang) auf vier Theorien beschränkt, an denen man, meiner Meinung nach, die unterschiedlichen Positionen / Schwerpunkte der Vertreter gut verdeutlichen kann.

Zu den vier Persönlichkeitstheorien gehören:

- das Konzept der Eigenschaftstheorie, zu dessen Vertreter unter anderem Hans J. Eysenck gehört,
- der lerntheoretische Ansatz, der vor allem durch Iwan P. Pawlows Theorie des „klassischen Konditionierens“ und Burrhus F. Skinners Theorie des „operanten Konditionierens“ bestimmt wird,
- die psychodynamische Theorie, zu dessen Vertretern unter anderem Sigmund Freud, Alfred Adler und Carl G. Jung gehören,
- die humanistische bzw. klientenzentrierte Theorie von Carl. R. Rogers, auf die ich in dieser Arbeit den Schwerpunkt gelegt habe.

Eine Schlussbetrachtung über die herausgearbeiteten Aspekte und Theorien findet sich im 4. Abschnitt, an den sich das Literaturverzeichnis anschließt.

2. Zur Begrifflichkeit

Der Begriff „Persönlichkeit“ wird unter dem Focus der verschiedenen Persönlichkeitstheorien unterschiedlich definiert. In Meyers Lexikon findet man bezüglich der Begrifflichkeit z.B. folgende Beschreibung: Persönlichkeit ist „ein einzigartiges individuelles Muster von Eigenschaften eines Menschen, die relativ überdauernd dessen Verhalten bestimmen.“[1]

Aber nicht nur die individuellen Einflüsse bestimmen die Persönlichkeit, sondern auch situative Umwelteinflüsse entscheiden über Stabilität und Veränderung (Muster) im Verhalten. Lawrence A. Pervin, Professor der Psychologie in den USA , weist in seinem Buch „Persönlichkeitstheorien“ (1993) darauf hin, dass es keine allgemein anerkannte Definition von Persönlichkeit gibt, dass vor allem aber „die Art und Weise (...), in der Menschen miteinander agieren oder die Rolle, die ein Individuum sich selbst zuschreibt und benützt, um in der Gesellschaft leben zu können“[2] Persönlichkeit charakterisiert.

Die wissenschaftliche Erforschung der Persönlichkeit, versucht im menschlichen Verhalten, trotz der Einmaligkeit jedes Individuums, Regelmäßigkeiten zu entdecken, um Verhaltensphänomene erklären und einordnen zu können. Die darauf aufbauenden Theorien verstehen sich vor allem als Antwort auf folgende Fragen:

- Was für Eigenschaften besitzt eine Person (Ehrlichkeit, Beharrlichkeit ...)
- Wie haben genetische und situative Einflüsse auf die Person gewirkt (Determinanten der Persönlichkeit)
- Warum verhält sich die Person so, wie sie es tut (motivationale Aspekte)[3]

Die verschiedenen Theorien beschäftigen sich meistens schwerpunktmäßig mit einem Verhaltensaspekt oder untersuchen eine Verhaltensweise auf unterschiedliche Art. Persönlichkeitstheorien sind alle durch ihre jeweiligen Vertreter und ihre Epoche geprägt. Der Schwerpunkt, die Vorgehensweise und die Position der Vertreter sind oft sehr verschieden.

3. Persönlichkeitstheorien

Im Folgenden werden drei Persönlichkeitstheorien exemplarisch und in ihren zentralen Merkmalen kurz dargestellt. Ein weiterer Ansatz wird anschließend ausführlicher erläutert und kritisch bewertet (vgl. 1. Einleitung).

3.1 Eigenschaftstheorie

Kennzeichnend für diese Theorie ist die Annahme, dass die Persönlichkeit eines Menschen, wie ein Bündel bzw. eine Struktur ist, die in Bezug auf Situation und Zeit stabil bleibt. Man kann in diesem Zusammenhang auch von Reaktionsveranlagungen sprechen, da sich Wesenszüge durch die individuelle Veranlagung des Einzelnen in bestimmten Situationen ähnlich äußern.

Eigenschaftstheorien gehen auf Faktorenanalyse zurück, d.h. ein Verhalten wird wiederholt beobachtet und anschließend interpretiert. Die Komplexität des Verhaltens wird dabei auf Grundzüge heruntergebrochen.

Hans J. Eysenck (1916 – 1997), der bekannteste Persönlichkeitsforscher der 50er und 60er Jahre entwickelte eine Matrix, die aus folgenden Grundsätzen besteht: Introversion und Extroversion verbunden mit Stabilität und Labilität. Diesen einzelnen Polen hat Eysenck Eigenschaften zugewiesen, z.B. Introversion = passiv, sorgsam, nachdenklich, friedfertig u.v.m. Ein gesunder Mensch liegt laut Eysenck zwischen diesen Polen, d.h. die Eigenschaften aller vier Grundsätze treffen in einem ausgeglichenen Maß auf die Person zu. Störungen der Persönlichkeit liegen dann vor, wenn ein Mensch (fast) nur die Eigenschaften eines einzigen Pols besitzt (z.B. extreme Neigung zu labilen Grundzügen).

Eysenck geht in diesem Kontext davon aus, dass die Persönlichkeitsstruktur relativ stabil und unveränderlich bleibt und Persönlichkeitsveränderungen langwierig und schwierig sind.[4]

3.2 Lerntheorie

Diese behavioristische Theorie erkennt nur die Verhaltenselemente als Teil der Persönlichkeit an, die durch einen Lernprozess erworben wurden. Demnach besteht jede Person aus einer Vielzahl von Gewohnheiten, die sie sich im Laufe ihres Lebens angeeignet hat und die durch Reize aktiviert werden. Vertreter dieses lerntheoretischen Ansatzes gehen von der Grundannahme aus, dass das Verhalten von Faktoren der Umwelt abhängig und veränderbar und als Reaktion auf diese zu verstehen ist.[5] Für relativ stabile Persönlichkeitsmerkmale werden jedoch bestimmte kognitive Fähigkeiten und Intelligenz gehalten.

Zu den wohl bekanntesten Vertretern des lerntheoretischen Ansatzes zählen Iwan P. Pawlow (1849 – 1936) und Burrhus F. Skinner (1904 – 1990). Pawlow, ein russischer Physiologe, führte Forschungen über die Verdauungssekretion bei Hunden durch und entdeckte dabei, dass der Speichelfluss eines Hundes nicht erst mit dem Fressen beginnt, sondern bereits mit dem Anblick des Fressens einsetzt. Pawlow ließ daraufhin vor den Mahlzeiten einen Klingelton erzeugen. Der Hund assoziierte nach einer Weile das Klingeln mit Nahrung und der Speichelfluss setzte bereits mit dem Klingelton ein.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 1 (http://www.leibniz-gymnasium.de/de/fb/gesellschaftswissenschaften/psycho/fachbe reich_psycho.html)

Dies war der Beweis für einen konditionierten Reflex.

Pawlows Forschungsergebnis ist heute unter dem Begriff des „klassischen Konditionierens“ bekannt und zählt zu den einfachsten Formen des Lernens.[6]

Skinner, ein amerikanischer Psychologe, gilt als Vertreter eines extremen behavioristischen Ansatzes. Sein Konzept des „operanten Konditionierens“ geht davon aus, dass durch die Manipulation von Belohnung und Bestrafung in der Umwelt (vor allem in der Laborumwelt) Verhaltenskontrolle ausgeübt werden kann.[7]

3.3 Psychodynamische Theorie

Bei der psychodynamischen Theorie handelt es sich um tiefenpsychologische Betrachtungsweisen. Sigmund Freud (1856 – 1939), Alfred Adler (1870 – 1937) und C. G. Jung (1875 – 1961) gehören zu den bekanntesten Vertretern dieser Theorie, die davon ausgeht, dass „wesentliche Steuermechanismen der Persönlichkeit auf unbewussten Determinationen beruhen.“[8] Die Aktion des Individuums steht dabei im Mittelpunkt. Der Umwelt wird keine große Bedeutung zugemessen.

Freuds Forschungsmethode bestand vor allem aus der intensiven und analytischen Beobachtung von Einzelpersonen. Seine Psychoanalyse wird heute nicht nur als Persönlichkeitstheorie, sondern auch als Therapiemethode und Forschungstechnik charakterisiert.[9] Freud sieht das menschliche Verhalten als Ergebnis des psychodynamischen Zusammenspiels von Bedürfnissen, Konflikten und Motiven. Er interpretiert den Menschen als Energiequelle, der seine Energie aus Aggressionstrieben, Lebens- und Todes- sowie Sexualtrieben bezieht. Die Struktur der Persönlichkeit besteht nach Freuds Auffassung aus dem Es, dem Über-Ich und dem Ich. Diese verschiedenen Bewusstseinsebenen, die im Folgenden kurz erläutert werden, bilden die Basis seiner Theorie.

Es: Das Es ist das Unbewusste, es ist das triebhafte Element unserer Psyche und kennt weder Negation, noch Zeit oder Widerspruch. Es ist die psychische Struktur in der Triebe wie z.B. der Sexualtrieb, Bedürfnisse und Affekte (Hass, Liebe, Vertrauen usw.) enthalten sind. Das Es leitet unser Handeln weitgehend unbewusst.

Über-Ich: Das Über-Ich bezeichnet eine psychische Struktur, die nach Perfektion strebt und aus verinnerlichten Handlungsnormen, Ich-Idealen, Rollen und Weltbildern aus der erzieherischen Umwelt besteht. Das Über-Ich ist als moralische Instanz zu begreifen, die Wertevorstellungen und „unser Gewissen“ wiederspiegelt.

Ich: Das Ich, als dritte psychische Struktur in dieser Theorie, handelt nach dem Realitätsprinzip und basiert auf Kognition und rationaler Wahrnehmung. Das Ich ist die „ausführende Instanz der Persönlichkeit“[10] und in der Regel ein bewusster Vorgang. Freud sieht in dem Ich, einen Diener, der sowohl der Realität, als auch dem Es und dem Über-Ich gerecht werden muss. Aus diesem Grund bezeichnet er das Ich auch als schwache und armselige Struktur.[11]

Aus psychoanalytischer Sicht entwickelt sich die Persönlichkeit eines Menschen in der frühen Kindheit bis zu einem Alter von 5 Jahren. Danach entwickelt sich die Persönlichkeit nur noch gering.

3.4 Humanistische Theorie

Der Persönlichkeitsansatz der humanistischen Psychologie ist für die Soziale Arbeit von großer Bedeutung, da Individualität, personale Würde und Entfaltung im Zentrum dieser Theorie stehen. Darüber hinaus betont der humanistische Ansatz „die Wechselseitigkeit der emotionalen Wärme und der hilfreichen Unterstützung“[12] Aus diesen Gründen wird die Theorie, im Gegensatz zu den vorangegangenen Theorien, ausführlicher dargestellt und an dem klientenzentrierten Ansatz von Carl R. Rogers (1902 – 1987) konkretisiert.

Der Organismus Mensch entwickelt sich nach Ansicht der humanistischen Vertreter, zu denen neben Carl R. Rogers auch Kurt Goldstein (1878 - 1965) und Abraham H. Maslow (1908 – 1970) gehören, „von selbst“[13] und kann nicht von außen bestimmt werden. Das Individuum gilt somit als Schöpfer seiner selbst und ist für die Persönlichkeitswerdung / Entfremdung eigenverantwortlich. In diesem Kontext äußert sich Rogers wie folgt: „die Person ist Subjekt ihres Handelns und strebt nach Selbstverwirklichung.“[14]

3.4.1 Ich und Selbst

Der Kern der Persönlichkeit, das Wesen (Bedürfnisse und Emotionen) eines Menschen bezeichnet Rogers als „Ich“. Es bleibt, seiner Meinung nach, von Zeit und Werden unbeeinflusst. Es ist angeboren und somit unveränderbar.[15]

Die Schlüsselstruktur in Rogers Theorie ist jedoch das „Selbst“, das als „spiegelbildlich organisiertes Regulations- und Bewertungssystem“[16] fungiert. Das Selbst repräsentiert das Ich nach außen hin und greift dabei auf das individuelle Wahrnehmungsmuster zurück. Dieses besteht aus der Gesamtheit aller wahrgenommenen äußeren Objekte und Erfahrungen, sowie deren Bedeutung. Das Selbst kann man deshalb auch als eine prozesshafte, wechselnde, auf Erfahrungen, Normen, Erwartungen und Gefühle basierende „Identität“ bezeichnen.

Allerdings müssen Selbstbilder nicht immer die soziale und individuelle Realität wiederspiegeln. Wenn z.B. ein ehrgeiziger Student eine schlechte Klausur schreibt und die Schuld dafür nicht sich selbst (obwohl es verdient wäre), sondern äußeren Umständen (z.B. Störung durch andere Seminarteilnehmer) zuschreibt, spricht man auch von einer Abwehr- bzw. Schutzfunktion. Dies führt in dem genannten Beispiel dazu, dass der leistungsmotivierte Student sein Selbstbild nicht korrigieren muss; die Wirklichkeit wird jedoch verzerrt dargestellt.

Als „Ideal-Selbst“ beschreibt Rogers das Selbstkonzept, das ein Individium als erstrebenswert ansieht.[17]

[...]


[1] http://lexikon.meyers.de/meyers/Pers%C3%B6nlichkeit

[2] Pervin, A..: Persönlichkeitstheorien. E. Reinhard Verlag, München 1993, S. 17.

[3] vgl. Pervin, A..: Persönlichkeitstheorien. E. Reinhard Verlag, München 1993, S. 20.

[4] vgl. Steden H.: Psychologie - Eine Einführung für soziale Berufe. Lambertus Verlag, Freiburg 1999, S.77.

[5] vgl. Steden H.: Psychologie - Eine Einführung für soziale Berufe. Lambertus Verlag, Freiburg 1999, S.71.

[6] vgl. Pervin, A..: Persönlichkeitstheorien. E. Reinhard Verlag, München 1993, S. 352.

[7] vgl. Pervin, A..: Persönlichkeitstheorien. E. Reinhard Verlag, München 1993, S. 365.

[8] Steden, H.: Psychologie - Eine Einführung für soziale Berufe. Lambertus Verlag, Freiburg 1999, S. 73.

[9] vgl. Pervin, A..: Persönlichkeitstheorien. E. Reinhard Verlag, München 1993, S. 97.

[10] Pervin A..: Persönlichkeitstheorien. Ernst Reinhard Verlag, München 1993, S.104.

[11] vgl.Pervin A..: Persönlichkeitstheorien. Ernst Reinhard Verlag, München 1993, S.104f.

[12] Steden, H-P.: Psychologie - Eine Einführung für soziale Berufe. Lambertus Verlag, Freiburg 1999, S.76.

[13] Steden, H-P.: Psychologie - Eine Einführung für soziale Berufe. Lambertus Verlag, Freiburg 1999, S.72.

[14] Steden, H-P.: Psychologie - Eine Einführung für soziale Berufe. Lambertus Verlag, Freiburg 1999, S.72.

[15] vgl. Steden, H-P.: Psychologie - Eine Einführung für soziale Berufe. Lambertus Verlag, Freiburg 1999, S.74.

[16] Steden, H-P.: Psychologie - Eine Einführung für soziale Berufe. Lambertus Verlag, Freiburg 1999, S.80.

[17] vgl.Pervin A..: Persönlichkeitstheorien. Ernst Reinhard Verlag, München 1993, S.198.

Ende der Leseprobe aus 17 Seiten

Details

Titel
Persönlichkeitstheorien mit dem Schwerpunkt auf Carl R. Rogers
Hochschule
HAWK Hochschule für angewandte Wissenschaft und Kunst - Fachhochschule Hildesheim, Holzminden, Göttingen  (Soziale Arbeit)
Veranstaltung
Psychologische Grundbegriffe
Note
1,7
Autor
Jahr
2008
Seiten
17
Katalognummer
V90814
ISBN (eBook)
9783656958970
Dateigröße
412 KB
Sprache
Deutsch
Anmerkungen
Die Hausarbeit wurde als sehr gut strukturiert bewertet
Schlagworte
Persönlichkeitstheorien, Schwerpunkt, Carl, Rogers, Psychologische, Grundbegriffe
Arbeit zitieren
Björn Nothdurft (Autor), 2008, Persönlichkeitstheorien mit dem Schwerpunkt auf Carl R. Rogers, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/90814

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