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Platons Ideenlehre im "Euthyphron" unter besonderer Berücksichtigung von 5c,d und 6d,e

Title: Platons Ideenlehre im "Euthyphron" unter besonderer Berücksichtigung von 5c,d und 6d,e

Seminar Paper , 1988 , 19 Pages

Autor:in: Dr. Kenneth Mauerhofer (Author)

Philosophy - Philosophy of the Ancient World
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Summary Excerpt Details

Wie in den übrigen Frühdialogen Platons geht es im "Euthyphron" um eine Qualität aus dem Bereich von Ethik und Ästhetik. Der wegen Asebie angeklagte Sokrates will vom Theologen Euthyphron, der seinen eigenen Vater wegen Totschlages an einem Sklaven anklagt, über die Frömmigkeit, genauer das Fromme unterrichtet werden. Er ist dabei nicht nur über die Selbstsicherheit seines Gesprächspartners erstaunt, sondern zweifelt aufgrund seiner Pietät auch an der Versicherung, dass die Anklage fromm sei, und macht deutlich, dass er zur gegenteiligen Auffassung neigt. Euthyphrons Pochen auf sein angebliches Wissen und auf seine Autorität in religiösen Dingen genügen dem skeptischen Sokrates nicht, der dann mit dem ironischen Wunsch, des Theologen Schüler zu werden, unmissverständlich eine einsehbare Begründung verlangt. Weil nun Begründungen im Gegensatz zu verführerischer Rhetorik davon abhängen, dass man weiss, wovon man spricht, stellt Sokrates sogleich die Frage, was das Fromme – und das Frevelhafte – denn eigentlich sei.

Excerpt


Inhaltsverzeichnis

1. Voraussetzungen

2. Der erste Versuch, das Fromme zu bestimmen

2.1. Übersetzung von 5c8-e5

2.2. Die erste Formulierung der Frage (5c8-d1)

2.3. Die Erklärung der Frage (5d1-5)

2.4. Die Frage nach dem "Was" und Euthyphrons Antwort

3. Weitere Erläuterungen zur gesuchten Definition

3.1. Übersetzung von 6c9-e6

3.2. Die Kritik am ersten Definitionsversuch (6c9-e1)

3.3. Das Fromme und das Frevelhafte als Ursachen (6d10-e1)

3.4. Erneute Aufforderung, die Form des Frommen zu bestimmen – Die Form als Muster und die visuelle Metaphorik (6e3-6)

4. Die "Was-ist-X"-Frage

Zielsetzung & Themen

Die Arbeit untersucht Platons Ideenlehre im Frühdialog Euthyphron, wobei ein besonderer Fokus auf der erkenntnistheoretischen und logischen Struktur der Definitionssuche nach dem Wesen des "Frommen" liegt.

  • Analyse der sokratischen Definitionsfrage ("Was-ist-X")
  • Untersuchung des ontologischen Status von Formen als Ursachen
  • Erörterung der visuellen Metaphorik in Platons Erkenntnistheorie
  • Kritische Würdigung der Interaktion zwischen Sokrates und Euthyphron

Auszug aus dem Buch

3.3. Das Fromme und das Frevelhafte als Ursachen (6d10-e1)

Beim Verweis auf 5d stellt sich nun die Frage, ob Sokrates den Dativ, den er für die Formen verwendet (w|/ ... ejstin / mia'/ ijdeva/), als rein grammatikalische Variante zu 5d einsetzt oder ob er mit ihm etwas weiteres über die Formen aussagen will. Anders gefragt: Handelt es sich bei diesem Dativ, der sicher den alten Instrumentalis vertritt, um einen Dativus respectus oder gar um einen Dativus causae? Sieht man von der späteren Entwicklung der Ideenlehre ab, liegt die Deutung mit dem Dativus respectus oder limitationis am nächsten. Ein Grund dafür ist der Umstand, dass Sokrates im betreffenden Satz auf seine Charakterisierung der Formen in 5d3-5 verweist, wo die perspektivische Betrachtung des Verhältnisses von Form und Formträger bereits zum Ausdruck kam, und zwar durch katav mit Akkusativ. Diese Parallele hat jedoch keine Beweiskraft, hiess es doch oben, dass das Frevelhafte (to; ajnovsion) hinsichtlich der Frevelhaftigkeit (kata; th;n ajnosiovthta) eine bestimmte Gestalt habe, während hier umgekehrt die frevelhaften Dinge (ta; ajnovsia) hinsichtlich des Frevelhaften frevelhaft sind.

Zuerst also wurde die Form auf die Dinge, jetzt aber werden die Dinge auf die Form bezogen. Widerlegt ist die limitative Funktion des Dativs damit freilich nicht, da Bezogensein im Sinne eines blossen Zusammenhängens eine symmetrische Relation darstellt. Zieht man aber den Menon zum Vergleich heran, zeigt sich, dass der Dativ zwar auch, aber nicht nur limitativ zu verstehen ist. So schreibt Platon in Men. 72 neben tw'/ melivtta" ei\nai (b4/5) in gleichem Sinne h|/ mevlittai eijsivn (b8/9) und pro;" to; i[scu" ei\nai (e6), was beweist, dass die limitative Interpretation nicht rundweg falsch ist; ihre Einseitigkeit zeigt sich aber durch die Wendung e{n gev ti ei\do" taujto;n a{pasai e[cousin di∆ o} eijsi;n ajretaiv (c8). Zwar könnte man diav zur Not als "mit Rücksicht auf" interpretieren, müsste aber auf jeden Fall mit einem kausalen Nebensinn rechnen, weil die Präposition, wenn sie den Akkusativ regiert, nur lokale oder kausale Bedeutung hat.

Zusammenfassung der Kapitel

1. Voraussetzungen: Sokrates begegnet Euthyphron, der behauptet, das Fromme exakt definieren zu können, und fordert ihn zu einer rationalen Begründung auf.

2. Der erste Versuch, das Fromme zu bestimmen: Dieser Abschnitt analysiert Euthyphrons ersten Definitionsversuch durch Beispiele und die sokratische Kritik an diesem Vorgehen.

3. Weitere Erläuterungen zur gesuchten Definition: Hier wird die ontologische Bedeutung des "Frommen" als Form oder Ursache vertieft und die visuelle Metaphorik der Erkenntnis diskutiert.

4. Die "Was-ist-X"-Frage: Das Kapitel fasst die methodischen Anforderungen an eine Realdefinition zusammen und grenzt diese von bloßen Namenskonventionen ab.

Schlüsselwörter

Platon, Euthyphron, Ideenlehre, Sokrates, Definition, Frömmigkeit, Ontologie, Formen, Ursache, Anamnesis, Erkenntnistheorie, Ethik, Eidos, Realdefinition, Metaphysik.

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?

Die Seminararbeit behandelt die platonische Ideenlehre anhand des Dialogs Euthyphron, mit besonderem Fokus auf die philosophische Bedeutung der Definitionssuche.

Was sind die zentralen Themenfelder?

Die Themen umfassen die Definition von Qualitäten, den ontologischen Status von Ideen als Ursachen und die erkenntnistheoretische Rolle der visuellen Metaphorik.

Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?

Das Ziel ist es, den methodischen Anspruch Platons an eine "Was-ist-X"-Definition zu klären und zu zeigen, wie Sokrates die Form vom bloßen Handlungsbeispiel unterscheidet.

Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?

Es handelt sich um eine philosophische Textanalyse, die philologische und analytische Methoden kombiniert, um Platons Argumentationsstruktur zu rekonstruieren.

Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?

Der Hauptteil analysiert schrittweise die Dialogpassagen, in denen Sokrates Euthyphrons Definitionsversuche kritisiert und auf die Existenz unveränderlicher Formen hinarbeitet.

Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?

Zentral sind Begriffe wie Ideenlehre, Eidos, Realdefinition, das Fromme, ontologische Ursache und die Anamnesis-Lehre.

Warum hält Sokrates Euthyphrons ersten Definitionsversuch für unzureichend?

Sokrates kritisiert, dass Euthyphron lediglich eine Aufzählung von Beispielen liefert, statt das allgemeine Wesen (die Form) zu bestimmen, das alle frommen Handlungen gemeinsam haben.

Welche Rolle spielt die visuelle Metaphorik bei der Erkenntnis der Formen?

Platon nutzt visuelle Begriffe wie "hinblicken", um den Prozess des geistigen Erfassens der Formen zu veranschaulichen, die als unveränderliche Maßstäbe für das ethische Handeln dienen.

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Details

Title
Platons Ideenlehre im "Euthyphron" unter besonderer Berücksichtigung von 5c,d und 6d,e
College
University of Zurich  (Philosophisches Seminar)
Course
Dr. Rafael Ferbers Seminar "Einführung in Grundgedanken Platons"
Author
Dr. Kenneth Mauerhofer (Author)
Publication Year
1988
Pages
19
Catalog Number
V91051
ISBN (eBook)
9783638036139
ISBN (Book)
9783638933414
Language
German
Tags
Platons Ideenlehre Euthyphron Berücksichtigung Rafael Ferbers Seminar Einführung Grundgedanken Platons
Product Safety
GRIN Publishing GmbH
Quote paper
Dr. Kenneth Mauerhofer (Author), 1988, Platons Ideenlehre im "Euthyphron" unter besonderer Berücksichtigung von 5c,d und 6d,e, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/91051
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