Lehren aus der Asienkrise für das internationale Finanzsystem


Seminararbeit, 2007

19 Seiten, Note: 1,3


Leseprobe

INHALTSVERZEICHNIS

1. Einleitung

2. Was ist eine Finanzmarktkrise?

3. Einordnung der Asienkrise 1997/98

4. Erklärungsansätze der Asienkrise
4.1. Modell der ersten und zweiten Generation
4.2. Moral Hazard-Problem
4.3. Finanzmarktpanik und Herding
4.4 Zwischenfazit

5. Lehren aus der Asienkrise
5.1. Internationale Kapitalverkehrskontrollen
5.2. Lender of Last Resort
5.3. Bekämpfung der Korruption
5.4. Neue globale Finanzarchitektur

6. Fazit

ANHANG 1 Chronologie der Finanzmarktkrise in Ostasien

LITERATURVERZEICHNIS

1. Einleitung

Aus ökonomischer Sicht galt die Instabilität der Finanzmärkte als eines der zentralen Probleme des letzten Jahrzehnts.[1] Nachdem es in den siebziger und achtziger Jahren zahlreiche Banken und Finanzkrisen in Lateinamerika gab, kam es in den neunziger Jahren erneut zu Turbulenzen an den internationalen Finanzmärkten.[2] Der Ausbruch der Asienkrise Mitte 1997 mit der Freigabe des thailändischen Baht, sorgte für eine der schwersten Krisen in den Schwellenländern überhaupt. Man sprach von der asiatischen Grippe. Die zuvor hochgelobten Tigerstaaten[3], die sich sowohl durch ein hohes Wirtschafts­wachstum, geringe Inflationsraten und Budgetdefizite, als auch eine niedrige Staatsverschuldung und ein hohes Leistungsbilanzdefizit auszeichneten[4], steckten sich an und es entfachte ein ökonomischer Flächenbrand. Die thailändische Währungskrise, weitete sich zu einer Finanzkrise aus, die die anderen ostasiatischen Staaten erfasste.[5] Die Krise wurde von sehr wenigen Ökonomen vorhergesagt.[6] Selbst der IWF befand im Mai 1997, die Abnahme der Wirtschaftstätigkeit der ostasiatischen Länder als eine gesunde Korrektur zur Vermeidung von Überhitzungserscheinungen.[7]

Die Krise vertiefte sich, als private Investoren 1998 ca. 55 Mrd. US-Dollar abzogen. Am stärksten betroffen waren Thailand, Indonesien, Malaysia, und Südkorea.[8] Innerhalb desselben Jahres ging das Bruttosozialprodukt der Länder um 7,5% gegenüber 1997 zurück.[9] Dabei wendeten sich die Staaten außer Malaysia an den IWF, der seine Hilfe, mit wirtschaftlichen Auflagen gewährte.

In den betroffenen Ländern haben sich die Währungen inzwischen stabilisiert, die Währungsreserven sind gestiegen und die Zinsen gefallen.

Die Globalisierung der Gütermärkte und die Deregulierung der Finanzmärkte haben seit dem Zusammenbruch des Bretton-Woods-Systems die inter­nationale Mobilität des Kapitals erhöht. Somit ist ein häufigeres Auftreten von Finanzsystemkrisen sowohl in Industrieländern als auch in den Emerging­markets zu beobachten. Das Auftreten von Finanzkrisen ist nichts Neues, sondern ein dauerhaftes Phänomen, das hohe Kosten mit sich trägt. (Tab. 1)

Tabelle 1: Gesamtwirtschaftliche Kosten von Bankenkrisen in % des BIP

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Vgl. Golstein/Turner (1996), S.5.; Wyplosz (1999), S.156

Merkmale der Krisen, wie die in Asien, lassen sich nur schwer auf den Finanzsektor beschränken. Sie ziehen schnell die reale Ökonomie und die Volkswirtschaften in Mitleidenschaft. Obwohl die Asienkrise überwunden ist, ist die Wiederholung einer solchen nicht ausgeschlossen, deshalb muss geklärt werden, welche Vorkehrungen getroffen werden müssen, um derartige Krisen zu vermeiden bzw. ihnen besser zu begegnen.

Ziel der Arbeit ist es zwei Fragen zu beantworten:

- Welche Erklärungsansätze sind für das Entstehen und die Ausbreitung der Asienkrise verantwortlich?
- Welche Lehren (Konsequenzen) zieht man für das internationale Finanzsystem?

Die folgende Arbeit ist wie folgt gegliedert: Kapitel zwei erläutert kurz die Thematik einer Finanzmarktkrise. In Kapitel drei wird diskutiert um welche Art von Krise es sich in Asien handelt. Kapitel vier zeigt einige Erklärungsansätze der Asienkrise, auf, wobei nicht auf die Historie jener eingegangen[10] wird, da dies den Rahmen dieser Arbeit sprengen würde. Im vorletzten Kapitel werden einige Lehren aus der Asienkrise diskutiert und im letzten ein Fazit gezogen.

2. Was ist eine Finanzmarktkrise?

Der Begriff der Finanzmarktkrise beschreibt das gleichzeitige Auftreten von Krisen in monetären Sektoren einer Volkswirtschaft.[11] Dabei spricht man von „twin Crisis“. Der englische Begriff deutet das zeitliche Zusammentreffen von Währungs- und Bankenkrisen an. Desweiteren folgt in den meisten Fällen eine inländische Finanzkrise und in Emergingmarkets-Länder auch eine Verschuldungskrise des privaten sowie staatlichen Sektors.[12] Wie in der Einleitung kurz erläutert beschränken sich Krisen dieser Art nicht nur auf den monetären Sektor, sondern gehen zur Realwirtschaft über, d.h. dass eine Rezession und eine Wirtschaftskrise, die Konsequenzen einer Finanzmarktkrise sind.[13]

3. Einordnung der Asienkrise 1997/98

In der Krisenanalyse stellt sich die Frage, ob es sich bei der Asienkrise um eine Banken- oder eine Währungskrise handelt. Für die Währungskrise spricht, dass Anfang 1997 der Abfluss des ausländischen Kapitals zur Abwertung des thailändischen Baht führte. Der Abfluss des ausländischen Kapitals brachte die in Fremdwährung verschuldeten Banken und Unternehmen in Liquiditäts­probleme, was die Investoren dazu veranlasste die kurzfristigen Gelder abzuziehen.

Diese Abwertungen führten zu Problemen bei der Kreditbedienung, so dass es in Folge einer Währungskrise zu einer Bankenkrise kam. Andererseits lässt sich argumentieren, dass Probleme im Bankensektor erst eine Währungskrise ausgelöst haben.[14]

Nach Meinung des Verfassers war die Asienkrise keine typische Währungskrise, sondern eine simultane Währungs- und Bankenkrise (twin crisis).[15] Die betroffenen ostasiatischen Länder und ihre Banken hatten starke außenwirtschaftliche Bezüge und die Banken spielten eine erhebliche Rolle in der Finanzierung der Unternehmen. Dies impliziert für Schwellenländer, mit einem wichtigen Bankensektor und liberaler außenwirtschaftlicher Öffnung, dass sowohl die Banken- als auch die Währungskrise eng miteinander verflochten sein müssen.[16]

4. Erklärungsansätze der Asienkrise

4.1. Modell der ersten und zweiten Generation

Um die Lehren aus der Asienkrise zu ziehen, müssen Ursachen analysiert werden, doch dies ist auch für Ökonomen ein schwieriges Terrain.[17] Es gibt unzählige Erklärungsversuche, die teilweise als unseriös bezeichnet werden könnten.[18] In der Literatur werden die Modelle der ersten[19] und zweiten Generation[20] zur Erklärung der Asienkrise herangezogen. Das Modell der ersten Generation kann nicht zur Erklärung der Asienkrise verwendet werden, da vor dem Ausbruch der Asienkrise keine makroökonomischen Ungleichgewichte festgestellt worden waren. Auch die Staatsverschuldung blieb moderat. Einzig die Leistungsbilanz wies ein Defizit auf.[21] Die zweite Generation erklärt die Asienkrise auch nur unzureichend.[22] Aschinger schreibt, dass die Politik der ostasiatischen Länder erfolgreich war, wodurch ausländische Investoren keine Bedenken zeigten, in diesen Ländern zu investieren. Die makroökonomischen Daten wurden als gut deklariert, womit die Regierung keinen Anreiz hätte, die Wirtschaftspolitik zu ändern.[23] Nachfolgend ist als Fazit festzuhalten, dass beide Erklärungsansätze nicht geeignet sind die Asienkrise zu durchleuchten, da diese Modelle Probleme im Finanzsektor nicht direkt aufgreifen. In den nächsten Punkten sollen daher neuere Ansätze in Betracht gezogen werden. Dabei wird auf Herding und das Moral-Hazard-Problem eingegangen.

[...]


[1] Vgl. Resinek (2001), S. 1.

[2] Vgl. Resinek (2001), S.2.

[3] unter anderem Korea Taiwan, Hongkong, Singapur, Malaysia,Thailand

[4] Vgl. Aschinger (2000), S. 219

[5] Vgl. Spillmann (2002), S. 1.

[6] Vgl. Krugman bezeichte das asiatische Wirtschaftswunder als Mythos, er konnte aber die Krise 1997 auch nicht vorhersagen.

[7] Intenational Monetary Fund, 1997, S. 12.

[8] Vgl. Spillmann (2002), S,1.

[9] Vgl. Spillmann (2002), S.1.

[10] Im Anhang 1 wird eine Chronologie der Finanzmarktkrise gezeigt.

[11] Vgl. Resinek (2001), S. 32.

[12] Vgl. Resinek (2001), S.32.

[13] Vgl. Resinek (2001), S.32.

[14] Vgl. Menkhoff (1999), S. 87.

[15] Siehe auch unter anderem Resinek (2001), S.31, Aschinger (2001), S. 273, Schlotthauer (2000).

[16] Vgl. Menkhoff (1999), S. 88.

[17] Vgl. Schlotthauer (2000), S. 1.

[18] Vgl. Schlotthauer (2000), S,. 1.

[19] Zur näheren Betrachtung siehe unter anderem Aschinger (2000), S.145ff., Angermüller (2002), S. 69ff.

„In den Modellen der ersten Generation wird die Enstehung einer Währungskrise für eine kleine Volkswirtschaft untersucht, die ihre Währung an eine ausländische Hartwährung anbindet. Der feste Wechselkurs kann nur durch direkte Interventionen der Zentralbank auf dem Devisenmarkt aufrechterhalten werden.“ „Vgl.“Aschinger (2000), S. 145.Dabei wird angenommen, dass sich die Fundamentalvariablen eines Landes, durch laufende Staatsbudgetdefizite verschlechtern. Die wichtigsten Modelle dieser Generation, ist das Modell von Krugman und das Modell von Flood und Garber.

[20] [20] Vgl. „Im Gegensatz zur ersten Generation wird die Währung nicht festgeschrieben, sondern es wird eine Politik unter Berücksichtigung verschiedener ökonomischer Zielsetzungen gewählt.“ „Vgl.“ Aschinger (2000), S.271. In diesen Modellen kann eine Währungskrise durch selbsterfüllende Erwartungen ausgelöst werden. Selbsterfüllende Attacken werden meist einer schlechten Wirtschaftspolitik angelastet. Vgl. Aschinger (2000), S.271.

[21] Vgl. Aschinger (2000), S. 271.

[22] Vgl. Aschinger (2000), S. 272.

[23] Vgl. Aschinger (2000), S.272.

Ende der Leseprobe aus 19 Seiten

Details

Titel
Lehren aus der Asienkrise für das internationale Finanzsystem
Hochschule
Hochschule Mainz
Note
1,3
Autor
Jahr
2007
Seiten
19
Katalognummer
V91073
ISBN (eBook)
9783638048705
ISBN (Buch)
9783638942645
Dateigröße
481 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Lehren, Asienkrise, Finanzsystem
Arbeit zitieren
Diplom-Betriebswirt Bekkay Rafoud (Autor), 2007, Lehren aus der Asienkrise für das internationale Finanzsystem, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/91073

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