Die Implementierung personalisierten Lernens mithilfe digitaler Medien vor dem Hintergrund der Herausforderungen, Chancen und Risiken für die Lehre


Bachelorarbeit, 2018

49 Seiten, Note: 2,0

Anonym


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Inhaltsverzeichnis

Abkürzungsverzeichnis

Abbildungsverzeichnis

Tabellenverzeichnis

1 Problemstellung

2 Theoretische Grundlagen
2.1 Digitalisierung
2.2 Digitale Medien
2.3 Personalisiertes Lernen

3 Ausstattung und Nutzung digitaler Medien in Bildungseinrichtungen

4 Einfluss digitaler Medien auf personalisiertes Lernen
4.1 Flipped Classroom-Ansatz
4.2 Adaptiver Unterricht mit digitalen Medien
4.3 Herausforderungen, Chancen und Risiken

5 Fazit

Anhang

Literaturverzeichnis

Abkürzungsverzeichnis

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildungsverzeichnis

Abbildung 1: Charakteristische Merkmale von Big Data

Abbildung 2: Entwicklung des Schüler-Computer-Verhältnisses

Abbildung 3: Anteile der Lehrpersonen, die angeben, dass an ihrer Schule eine ausreichende Ausstattung digitaler Medien vorhanden ist

Abbildung 4: Nutzung digitaler Medien im Unterricht 2017

Abbildung 5: Nutzungshäufigkeit digitaler Medien im Unterricht

Abbildung 6: Lernen und Computer-/Internetnutzung zu Hause für die Schule 2017

Abbildung 7: Dialog zwischen dem Lerner und dem Lernsystem

Tabellenverzeichnis

Tabelle 1: Gegenüberstellung der Konzepte traditionelle Lehrveranstaltung und Flipped Classroom

Tabelle 2: Tableau der Herausforderungen, Chancen und Risiken

1 Problemstellung

„Es ist normal, verschieden zu sein. Diese Einsicht setzt sich im deutschen Schul­system allerdings nur zögerlich durch.“1 HILBERT MEYER nutzt diese Aussage von ECKERT, um die Bedeutung individueller2 Förderung3 von Schülern4 im Unterricht als eins von zehn Merkmalen guten Unterrichts zu verdeutlichen.5 Individuelles Fördern gelingt demnach durch innere Differenzierung6, sowie durch individuelle Lernstandsanalysen und abgestimmte Förderpläne.7

Unterricht orientiert sich an Lehrplänen, die auf einen hypothetischen Durch­schnittsschüler ausgerichtet sind. Lernaufgaben, Lerntempo und methodische Lern­zugänge werden nicht individuell an die Lernenden angepasst, sondern sind auf den fiktiven Durchschnittsschüler ausgelegt. Dadurch kommt es zu einer Unterforde­rung der leistungsstarken und zu einer Überforderung der leistungsschwachen Schüler.8 In der schulpädagogischen Praxis ist dieser Durchschnittsschüler jedoch eine Illusion, da jedes Individuum anders lernt.9 Demzufolge sind einheitliche Lehr­pläne und eine daraus resultierende „Einheitsbildung10 “ nicht die richtige Reaktion auf die Vielfalt der Lernenden, da der Lernweg jedes einzelnen Schülers individuell zu gestalten wäre, um das jeweilige Lernpotenzial bestmöglich auszuschöpfen.11 Bisher gelingt es dem deutschen Bildungssystem nicht, den zunehmend heteroge- nen12 Lernenden gleiche Bildungschancen13 zu ermöglichen.14 Personalisiertes Lernen 15 mit Hilfe digitaler Medien 16 bietet die Chance, der Vielfalt der individuell Lernenden gerecht zu werden, um jeden Schüler in seinen Stärken und Schwächen optimal zu fördern. In der digitalen Bildung17 wird das Potenzial gesehen, vielfäl­tige aktuelle Herausforderungen (z. B. die Umsetzung der Inklusion18 und Integra­tion von Zuwanderern) zu bewältigen und dem Umgang mit einer wachsenden He­terogenität gerecht zu werden.19 Aufgrund dieser Herausforderungen entwickeln immer mehr Schulen Konzepte zur individuellen Förderung, wobei das Potenzial und die Wirksamkeit digitaler Medien oftmals vernachlässigt werden.20 Die Imple­mentierung digitalen Lernens sei vielmehr eine zusätzliche Belastung als eine wir­kungsvolle Möglichkeit zur individuellen Förderung.21 In Zukunft wird die Digita- lisierung 22, als eine gesellschaftliche Entwicklung, sowohl die heutige Gesellschaft als auch das Lernen23 verändern.24

Nach KÖHLER ist Bildung25 die wichtigste Voraussetzung für Chancengerechtigkeit und sozialen Aufstieg.26 In Deutschland ist der Bildungserfolg27 an die soziale Her­kunft der Schüler gekoppelt.28 Nicht jeder Schüler hat dieselben Zugangschancen zur Bildung; Kinder aus sozial schwachen Schichten sind oftmals benachteiligt.29 Studien belegen, dass Kinder und Jugendliche mit Armutserfahrungen weniger Zu­gang zu Bildung haben und ein geringeres soziales Teilhabeverhalten aufweisen.30 Eine soziale Teilhabe wirke sich positiv auf die Persönlichkeitsentwicklung sowie den damit verbundenen Bildungs- und Arbeitsmarkterfolg aus.31 Auch in dieser Problematik wird in der Digitalisierung der Lehre das Potenzial gesehen, soziale Mobilität32 zu fördern.33 Bislang Benachteiligten können so neue Möglichkeiten im Hinblick auf personalisiertes Lernen und einen damit möglichen sozialen Auf- stieg34 geboten werden, um beispielsweise ein späteres Armutsrisiko zu mindern.35 Das Bundesministerium für Bildung und Forschung sieht die Aufgabe des deut­schen Bildungssystems darin, das Potenzial der Digitalisierung für individuelle För­derung zu erkennen und zu nutzen.36 Jedes Individuum in seiner Persönlichkeits­entwicklung optimal zu unterstützen und zu fördern ist eine der zentralen pädago­gischen Aufgaben. Es geht hierbei neben der Vermittlung fachlicher Kompetenzen vor allem um die Ausprägung personaler und sozialer Kompetenzen, stets unter Berücksichtigung der individuellen Voraussetzungen der Schüler.37 Falls Bildungs­einrichten an einer „Einheitsbildung“ festhalten und somit die wachsende Hetero­genität in Klassenzimmern ignorieren, ergibt sich das Problem einer Vernachlässi­gung individueller Entwicklungsmöglichkeiten/-potenziale der Lernenden und der Einfluss der sozialen Herkunft auf die Bildungschancen nimmt weiter zu. Individu­elle Fähigkeiten, Interessen, Kompetenzen und Talente bleiben unentdeckt und können somit nicht gefördert werden. Die Digitalisierung könnte diese Strukturen aufbrechen und bislang Benachteiligten neue Möglichkeiten in Bezug auf die Lehre und das Lernen ermöglichen.38 Die Förderung der Digitalisierung ist ein Ziel des Bundesministeriums für Bildung und Forschung. Der DigitalPakt39 zwischen Bund und Ländern sieht vor, Schulen flächendenkend im Digitalisierungsprozess zu un- terstützen.40 DRÄGER/MÜLLER-EISELT sind der Meinung, dass die Chancen dazu gut stehen würden. Denn jetzt treffe die Unausweichlichkeit der Digitalisierung auf die scheinbare Unveränderlichkeit der Bildung.41

Inwieweit die Digitalisierung mit Hilfe der Implementierung digitaler Medien per­sonalisiertes Lernen fördern kann und welche Potenziale die Digitalisierung für das personalisierte Lernen bereithält, ist Hauptbestandteil der vorliegenden Arbeit. Ziel ist es, ein Tableau zu entwickeln, in dem die Herausforderungen, Chancen und Ri­siken der Digitalisierung für die Lehre gegenübergestellt werden, um den Mehrwert sowie die negativen Aspekte einer Implementierung digitaler Medien aufzuzeigen. Es wird somit der Forschungsfrage nachgegangen, wie digitale Medien vermehrt in deutschen Bildungseinrichtungen etabliert werden können und wie dadurch perso­nalisiertes Lernen gefördert werden kann.

Das Thema „Digitalisierung der Lehre - Die Implementierung personalisierten Ler­nens mit Hilfe digitaler Medien vor dem Hintergrund der Herausforderungen, Chancen und Risiken für die Lehre“ der vorliegenden Arbeit legitimiert sich durch die aktuelle Relevanz in Politik, Bildung und Gesellschaft.42 Digitale Medien sind fester Bestandteil im Alltag der Schüler und nehmen wachsenden Einfluss auf das Lehren und Lernen.43 In Zeiten von Inklusion und Integration von Flüchtlingen bzw. Zuwanderern gewinnt personalisiertes Lernen, aufgrund der zunehmenden Heterogenität, aktuell an Bedeutung.

Die Vorgehensweise der vorliegenden Arbeit ist theoretisch-deskriptiv und analy- tisch-strukturierend. Um ein grundlegendes Verständnis für die Thematik zu schaf­fen, werden zunächst die theoretischen Grundlagen des Prozesses der Digitalisie­rung, der digitalen Medien und des personalisierten Lernens erläutert. Im An­schluss an die theoretischen Grundlagen wird die Ausstattung und Nutzung digita­ler Medien in Bildungseinrichtungen dargestellt, um auf den Ist-Zustand aufmerk­sam zu machen. Anschließend erfolgt eine Betrachtung des Einflusses der digitalen Medien auf das personalisierte Lernen, um darauffolgend die Herausforderungen, Chancen und Risiken des personalisierten Lernens, deren Gegenüberstellung in ei­nem Tableau mündet, kritisch herauszustellen. Eine Zusammenfassung wesentli­cher Ergebnisse der Arbeit sowie der Potenziale und Grenzen des entwickelten Tab­leaus werden, gefolgt von einem Ausblick auf weitere Forschungsperspektiven, in einem abschließenden Fazit dargestellt.

2 Theoretische Grundlagen

2.1 Digitalisierung

Der grundlegende Begriff der Digitalisierung ist die Übertragung analoger Infor­mationen auf digitale Speichermedien, wodurch sie elektronisch verarbeitet werden können.44 Des Weiteren wird die Digitalisierung als Veränderung der Gesell­schaftsbereiche von Wirtschaft, Politik und Bildung verstanden, die durch die Im­plementierung digitaler Technologien hervorgerufen wird.45 Mit dem Begriff der Digitalisierung wird vor allem das „papierlose Büro“ in Verbindung gebracht - der Begriff der Digitalisierung ist jedoch weitaus vielschichtiger. Die Digitalisierung basiert vielmehr auf dem Einsatz und der Nutzung moderner Informations- und Kommunikationstechnologien. Die Informationstechnik beschränkt sich auf Ver­fahren zur Informations- und Datenverarbeitung, während die Kommunikations­technik Hard- und Software umfasst, die zur Verbindung von Computern über Netzwerke und zur Datenübertragung genutzt werden.46 Zudem stellt die Digitali­sierung eine Form der (Teil-)Automatisierung dar, da bisher vom Menschen über­nommene Aufgaben auf digitale Medien übertragen werden.47 Durch das Sammeln, Sortieren und Verarbeiten von Daten unterschiedlicher Quellen entstehen Möglich­keiten zur Nutzung und Auswertung solcher Daten - auch im schulischen Kon- text.48

Als Auslöser und Treiber der Digitalisierung können folgende Bereiche angesehen werden:

- das Internet der Dinge,
- Cloud-Services,
- Soziale Medien,
- sowie Big Data und Data Analytics.49

Das Internet der Dinge (engl.: Internet of Things) kann als einer der Treiber der Digitalisierung gesehen werden. Mit dem Begriff wird die Entwicklung beschrie­ben, dass neben den klassischen Computern und mobilen Endgeräten zunehmend auch Maschinen und Geräte (z. B. Waschmaschinen und Sportgeräte) mit dem In­ternet verbunden werden. Das Ziel ist es, die Informationslücke zwischen der realen und virtuellen Welt zu minimieren.50 Durch das Internet der Dinge ergeben sich somit neue Möglichkeiten der Interaktion von Produkten und Sensoren.51 Schulen können durch die digitale Vernetzung mehr Informationen über die Stärken, Schwä­chen und den aktuellen Leistungsstand der einzelnen Schüler erfahren.52

Einen weiteren Treiber der Digitalisierung bilden Cloud-Services. Innerhalb einer Cloud53 stellen Kommunikationsservices beispielsweise Anwendungen in compu­terunterstützten Lehr-Lernumgebungen (z. B. Moodle) dar und können zur Förde­rung der Kommunikation innerhalb einer Gruppe genutzt werden.54 Durch die Cloud-Services wird ein flexibler Zugriff (orts-, geräte- und zeitunabhängig) auf Anwendungen und Daten gewährleistet.55 Eine Cloud kann individuell und bedarfs­gerecht zur Verfügung gestellt bzw. angepasst werden.56 Ein besonderes Augen­merk sollte hier auf die Einhaltung von Sicherheitskriterien im Hinblick auf den Umgang mit personenbezogenen Daten (Datenschutz) gelegt werden.57

Einen dritten Treiber der Digitalisierung stellen s oziale Medien dar. Soziale Medien sind internetbasierte Softwaresysteme, die ihren Benutzern nicht nur eine Vernet­zung untereinander ermöglichen, sondern auch zum sozialen Austausch anregen. Sie schaffen die Möglichkeit, multimediale Inhalte bereitzustellen oder auch ge­meinsam zu erstellen.58 Soziale Medien halten Möglichkeiten der Interaktion und Kommunikation unter Lehrpersonen, Eltern und Schülern bereit und beschleunigen den Informationsfluss.59

Big Data und Data Analytics bilden den letzten Treiber der Digitalisierung. „Big Data bezeichnet ein Bündel neu entwickelter Methoden und Technologien, die die Erfassung, Speicherung und Analyse eines großen und beliebig erweiterbaren Vo­lumens unterschiedlich strukturierter Daten ermöglicht.“60 Im Vordergrund stehen die Analyse sowie das Erlangen von Erkenntnissen und Zusammenhängen aus Da- tenbeständen.61 Big Data weist, die in Abbildung 1 dargestellten, fünf charakteris­tische Merkmale auf, die als „Vs des Big Data“ bezeichnet werden.62 Der Begriff „Big Data“ steht für schnell produzierte (velocity), riesige Datenmenge (volume) aus einer Vielzahl von Datenquellen (variety), die einen Mehrwert durch effektive Datennutzung schaffen (value). Veracity betont die Notwendigkeit sicherer und vertrauenswürdiger Quellen, aus der die Daten stammen.63

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 1: Charakteristische Merkmale von Big Data 64

Durch Data Analytics werden die Daten aus verschiedenen Quellen zusammenge­führt und analysiert. Ziel ist es, relevante Informationen und Wechselbeziehungen zu erkennen, um somit mögliche Zusammenhänge herzustellen sowie Schlussfol­gerungen zu ziehen.65 Im schulischen Kontext kann Data Analytics als Learning Analytics verstanden werden. Learning Analytics sind ein Werkzeug zur Analyse digitaler Daten über individuelle Lernaktivitäten, die durch Lern- oder Diagno­sesoftware erfasst werden können. Die Analyse ermöglicht es, den Lernenden in Echtzeit Feedback und Unterstützung zukommen zu lassen. Lehrende haben zudem die Möglichkeit, einen Überblick über aktuelle Leistungsstände und Lernschwie­rigkeiten zu erlangen.66

2.2 Digitale Medien

Der Begriff digitale Medien setzt sich aus dem Wort „digital“ und „Medium“ zu­sammen. In seiner ursprünglichen Übersetzung aus dem Lateinischen bedeutet „Medium“ soviel wie „Mitte“ oder „Mittelpunkt“. Medien dienen im schulischen Kontext, ähnlich ihrer ursprünglichen Bedeutung, als „Mittler“ und sind ein Hilfs­mittel beim Erkennen neuer Zusammenhänge sowie beim Systematisieren von neuen Erkenntnissen. Im Unterricht, zur Erreichung von Unterrichtszielen, unter­stützen sie den Lehrenden beim Vermitteln neuer Sachverhalte und den Lernenden beim Verstehen komplexer Zusammenhänge.67 Im Lehr- und Lernprozess überneh­men Medien verschiedene Funktionen und werden im Allgemeinen zur Informati­onsverbreitung, zur Organisation von Lehr- und Lernprozessen sowie zur Kommu­nikation genutzt.68

Digitale Medien ermöglichen das Speichern, Verarbeiten, Verbreiten und Ordnen von Informationen.69 Mit ihrer Hilfe wird zum einen die Kommunikation zwischen Individuen ermöglicht bzw. erleichtert, zum anderen entstehen mit ihnen neue pro­duktive Arbeitswerkzeuge, beispielsweise die gleichzeitige Bearbeitung eines ge­meinsamen Dokumentes über das Internet.70 In digitalen Medien wird großes Po­tenzial gesehen, neue Lehr- und Lernprozesse zu gestalten, gerade im Hinblick auf die individuelle Förderung von Schülern.71 Die Anpassung an unterschiedliche Leistungsniveaus ermöglicht eine Bereitstellung von Lehrinhalten, die dem persön­lichen Kenntnisstand der Schüler entspricht.72 Digitale Medien können einen von Ort und Zeit unabhängigen Zugang zu Materialien bzw. Lehrinhalten ermöglichen und bieten mehr Freiraum in der Gestaltung und Individualisierung von Lehr- und Lernprozessen. Sie erlauben eine flexible Anpassung der Inhalte an aktuelle The­men und Anforderungen.73

Unterrichtsmedien (z. B. Tafeln, Schreibwerkzeuge und Schulbücher) waren schon immer im schulischen Kontext verankert und werden vermehrt um digitale Medien erweitert, teilweise sogar ersetzt (bspw. werden Tafeln durch Smartboards ausge- tauscht).74 Als digitale Medien zählen neben den Präsentationsmedien, wie z. B. Beamer und Smartboard, auch Computerprogramme.75 Nach TULODZIECKI/HERZIG sind im Kontext von Lehren und Lernen folgende Typen digitaler Medien bedeut­sam:

- Lehrprogramme stellen dem Lernenden neue Inhalte eines bestimmten The­menbereiches zur Verfügung.
- Übungsprogramme dienen dem individuellen Üben und Festigen bereits im Unterricht erarbeiteter Lerninhalte.
- Offene Lehrsysteme beinhalten didaktisch76 und hypermedial, d. h. multi­medial und als vernetzte Inhaltsstruktur, aufbereitete Informationen zu ei­nem bestimmten Themengebiet. Durch die unterschiedlichen Zugänge zu einem Thema können die Lernenden, je nach Vorkenntnissen und Lernstra­tegien, unterschiedliche Lernwege wählen.
- Datenbestände sind online zur Verfügung gestellte Informationssammlun­gen (z. B. Enzyklopädien). Die Datenbestände sind, im Vergleich zu den offenen Lehrsystemen, in der Regel nicht didaktisch aufbereitet. Sie können das problemorientierte77, selbstständige Lernen unterstützen.
- Lernspiele beinhalten meist pädagogische Aufgabenstellungen, in denen Vorwissen und Lösungsstrategien angewendet werden sollen, um eine in der Regel problemorientierte Situation zu gestalten oder zu verbessern. Sie können motivierend für Lernende sein und dabei verschiedene Fähigkeiten und Fertigkeiten, wie Problemlösen, planvolles Handeln, logisches Denken, visuelle Wahrnehmung, Reaktionsvermögen und Konzentration, unterstüt­zen.
- Werkzeuge, sind themenunabhängige Programme, die die Erzeugung und Gestaltung sowie Bearbeitung von Texten, Bildern, Filmen oder Daten er­möglichen. Sie eignen sich für Lernprozesse, in denen das Recherchieren, das Systematisieren, das Bilden von Modellen und das Präsentieren sowie der Austausch von Informationen gefordert sind. Beispiele stellen Textver- arbeitungs- und Tabellenkalkulationsprogramme, Suchmaschinen oder E­Mailprogramme dar.
- Experimentier- und Simulationsumgebungen bieten auf der Grundlage vor­gegebener oder zu entwickelnder Modellvorstellungen die Möglichkeit, re­ale oder fiktive Prozesse zu simulieren. So kann z. B. der Umgang mit real vorhandenen, aber nicht verfügbaren Gegenständen, Materialien oder Situ­ationen ermöglicht werden.
- Durch Kommunikations- und Kooperationsumgebungen werden Infrastruk­turen für den Erfahrungs- und Meinungsaustausch sowie für die gemein­same Erarbeitung von Produkten bereitgestellt. Verschiedene Arbeitsberei­che der Bildungsserver oder webbasierten Plattformen im Bereich des E- Learnings78 können hier beispielsweise genannt werden.79

Diese Übersicht zeigt, welches Potenzial digitale Medien für den Einsatz im schu­lischen Alltag bereithalten.80 Digitale Medien werden daher zunehmend in den Lehrplänen verankert und sind ein wachsender Bestandteil in der Lehreraus- und fortbildung.81

2.3 Personalisiertes Lernen

Der Grundgedanke, dass der Lernprozess individuell verläuft und sich das Lehren verbessern lässt, indem die Unterschiede berücksichtig werden, ist mindestens 2500 Jahre alt.82

[...]


1 Eckert (2017): 86.

2 In der vorliegenden Arbeit werden die Begriffe „personalisiert“ und „individuell“ synonym ver­wendet.

3 „Individuelle Förderung“ bedeutet jeden Schüler durch geeignete Maßnahmen so zu unterstüt­zen, dass er die Chance hat, sein motorisches, intellektuelles, emotionales und soziales Potenzial bestmöglich zu entwickeln. Vgl. Meyer (2017): 97.

4 Mit „Schüler“ ist in der gesamten vorliegenden Arbeit sowohl das männliche als auch das weib­liche Geschlecht gemeint. Dies gilt gleichsam für alle geschlechtsspezifischen Nennungen.

5 Vgl. Meyer (2017): 17 f. Zehn Merkmale guten Unterrichts: Klare Strukturierung des Unter­richts, Hoher Anteil echter Lernzeit, Lernförderliches Klima, Inhaltliche Klarheit, Sinnstiftendes Kommunizieren, Methodenvielfalt, Individuelles Fördern, Intelligentes Üben, Transparente Leistungserwartungen und Vorbereitete Umgebung.

6 Im Rahmen „innerer Differenzierung“ werden einzelne Schüler aus einer bestehenden Lern­gruppe kleineren Gruppen zugeteilt, um ihnen individuelle Zugänge und Bearbeitungsmöglich­keiten zu eröffnen. Vgl. Trautmann/Wischer (2011): 78, Meyer (2017): 102 f.

7 Vgl. Meyer (2017): 18.

8 Vgl. Breidenstein/Rademacher (2016): 17.

9 Vgl. Trautmann/Wischer (2011): 8, Dräger/Müller-Eiselt (2015): 36 f., Heinen/Kerres (2017): 96.

10 Dräger/Müller-Eiselt (2015): 37, Heinen/Kerres (2017): 98.

11 Vgl. Dräger/Müller-Eiselt (2015): 37, Rabenstein/Wischer (2016): 7.

12 Der Begriff „heterogen“ leitet sich aus dem griechischen Wort „heteros“ im Sinne von „anders, abweichend“ und „genos“, zu übersetzen mit „Geschlecht, Art, Gattung“, ab. Im schulpädago­gischen Diskurs wird „Heterogenität“ oftmals zur Beschreibung von Verschiedenheit und Viel­falt vor allem bezüglich der Unterschiedlichkeit (z. B. aufgrund der Muttersprache, Geschlecht, der Leistung, der sozialen Herkunft oder der jeweiligen Interessen) von Lernenden aufgegriffen. Vgl. Tenorth/Tippelt (2007): 317, Sturm (2013): 14 f., Pilz (2018): 29. Die wachsende Hetero­genität lässt sich anhand folgender Quellen belegen: Vgl. Trautmann/Wischer (2011): 32, Bun­desministerium für Bildung und Forschung (2016a): 11, Kultusministerkonferenz (2016): 13, Rudolph/Sparwald (2016): o. S., Pilz (2018): 30, Reusser/Pauli/Stebler (2018): 160.

13 Unabhängig dessen sozialer Herkunft soll einem Individuum, eine seiner Begabung und Neigung entsprechenden, (Schul-)Bildung ermöglicht werden. Vgl. Tenorth/Tippelt (2007): 98.

14 Vgl. Trautmann/Wischer (2011): 7, Holmes et al. (2018): 4.

15 Kursiv gedruckte Wörter im Fließtext stellen eine Hervorhebung bedeutsamer Begriffe im Hin­blick auf die im Laufe der Arbeit zu analysierende Forschungsfrage dar. Des Weiteren wird der Begriff des „personalisierten Lernens“ in Kapitel 2 näher erläutert.

16 Der Begriff „digitale Medien“ wird in Kapitel 2 näher erläutert.

17 Digitale Bildung beinhaltet sowohl die Vermittlung digitaler Kompetenz, d. h. der Fähigkeit zur fachkundigen und verantwortungsvollen Nutzung digitaler Medien (digitale Bildung als Lehr- und Lerninhalt) als auch das Lernen mit digitalen Medien (digitale Bildung als Instrument). Vgl. Bundesministerium für Bildung und Forschung (2016a): 10, Initiative D21 e. V. (2016): 6.

18 Inklusive Bildung hat das Ziel, dass Menschen mit Behinderungen und Menschen ohne Behin­derungen gemeinsam leben und lernen. Vgl. Kultusministerkonferenz (2018): o. S.

19 Vgl. Bundesministerium für Bildung und Forschung (2016a): 11, Schaumburg (2017): 21.

20 Vgl. Rabenstein/Wischer (2016): 7.

21 Vgl. Dräger/Müller-Eiselt (2015): 161.

22 Der Begriff „Digitalisierung“ wird in Kapitel 2 näher erläutert.

23 Der Begriff „Lernen“ bezieht sich auf alle individuellen, relativ dauerhaften bzw. langfristigen Veränderungen des Verhaltens und Erlebens, die auf Erfahrung beruhen. Der Indikator für das Lernen ist somit die Veränderung des Verhaltens. Vgl. Krapp (2007): 456, Kiesel/Koch (2012): 11, Brockhaus (2018).

24 Vgl. Kober/Müller-Eiselt (2014): 6, Bundesministerium für Bildung und Forschung (2016a): 4, Kultusministerkonferenz (2016): 51.

25 Nach dem Humboldtschen Bildungsideal ist Bildung mehr als die reine Aneignung von Wissen - vielmehr liegen Individualität und Persönlichkeit sowie die Entwicklung von Talenten im Fo­kus. Bildung ist also ein Prozess der Individualisierung, durch den der Mensch seine Persönlich­keit ausbilden kann. Vgl. Lahner (2011): 30-32.

26 Vgl. Köhler (2008): 7.

27 Als Indikatoren für „Bildungserfolg“ können sowohl inhaltliche Kompetenzen (z. B. Lesen, Schreiben, Rechnen) als auch formale Bildungsabschlüsse betrachtet werden. Vgl. Diefenbach (2009): 437.

28 Vgl. Dräger/Müller-Eiselt (2015): 28 f., Die Bundesregierung (2016), Holmes et al. (2018): 4.

29 Vgl. Köhler (2008): 7.

30 Vgl. Bundesministerium für Arbeit und Soziales (2013): 12, Autorengruppe Bildungsberichter­stattung (2014): 6, Bundesministerium für Arbeit und Soziales (2017): XXI, Ministerium für Arbeit, Gesundheit und Soziales des Landes Nordrhein-Westfalen (2018): 17, Pilz (2018): 44.

31 Vgl. Bundesministerium für Arbeit und Soziales (2013): 12.

32 Wenn Kinder eine andere soziale Position als ihre Eltern erreichen wird von „sozialer Mobilität“ gesprochen. Die soziale Mobilität zeigt an, wie gut es Kindern gelingt, aus einer für sie wenig vorteilhaften sozialen Lage in eine vorteilhaftere zu wechseln. Sie zeigt aber auch den umge­kehrten Positionswechsel, also den sozialen Abstieg an. Soziale Mobilität wird statistisch ge­messen, um den Grad der Offenheit oder Geschlossenheit und damit auch die Chancengleichheit einer Gesellschaft zu erfassen. Vgl. Bundesministerium für Arbeit und Soziales (2013): 17, Tschirner (2017): 7.

33 Vgl. Dräger/Müller-Eiselt (2015): 29, Holmes et al. (2018): 4.

34 „Sozialer Aufstieg“ meint eine positive Änderung bezüglich des Berufs, der formalen Bildung oder auch der Lebensweise - auch im Vergleich zur Stellung der Eltern bzw. des sozialen Um­felds. Vgl. Tenorth/Tippelt (2007): 511.

35 Vgl. Bundesministerium für Arbeit und Soziales (2013): 12, Dräger/Müller-Eiselt (2015): 29.

36 Vgl. Bundesministerium für Bildung und Forschung (2016a): 5.

37 Vgl. SchulG (2005): §2: Bildungs- und Erziehungsauftrag der Schule, Trautmann/Wischer (2011): 23, Rabenstein/Wischer (2016): 7.

38 Vgl. Dräger/Müller-Eiselt (2015): 29.

39 Ziel des DigitalPakt Schule von Bund und Länder ist es, die Schulen vermehrt mit digitaler Technik auszustatten. Aufgabe des Bundes ist es, bis September 2018 einen Textvorschlag für die Bund-Länder-Vereinbarung für den DigitalPakt vorzulegen. Vgl. Bundesministerium für Bil­dung und Forschung (2018a): o. S.

40 Vgl. Bundesministerium für Bildung und Forschung (2016a): 6.

41 Vgl. Dräger/Müller-Eiselt (2015): 29.

42 Siehe beispielsweise: Bundesministerium für Bildung und Forschung (2016a): Bildungsoffen­sive für die digitale Wissensgesellschaft. Strategie des Bundesministeriums für Bildung und For­schung, Kultusministerkonferenz (2016): Bildung in der digitalen Welt. Strategie der Kultusmi­nisterkonferenz.

43 Vgl. Bundesministerium für Bildung und Forschung (2017): 6.

44 Vgl. Deloitte (2013): 8, Mertens/Barbian/Baier (2017): 35, Ladel/Knopf/Weinberger (2018): VII.

45 Vgl. Wanka (2016): 2, Ladel/Knopf/Weinberger (2018): VII, Ministerium für Wirtschaft, Inno­vation, Digitalisierung und Energie des Landes Nordrhein-Westfalen (2018).

46 Vgl. Deloitte (2013): 8.

47 Vgl. Hess (2016): o. S.

48 Siehe Kapitel 3.2.2.

49 Vgl. Châlons/Dufft (2016): 28 f., Teague (2016): 91 f., Urbach/Ahlemann (2016): 7, 18.

50 Vgl. Petko (2014): 20, Urbach/Ahlemann (2016): 7.

51 Vgl. Châlons/Dufft (2016): 29, Urbach/Ahlemann (2016): 7.

52 Vgl. Gapski (2015): 12, Bundesministerium für Bildung und Forschung (2016b): 10, Kultusmi­nisterkonferenz (2016): 30 f.

53 Auch als „Cloud Computing“ bezeichnet. Speicherplatz, Rechenleistungen und Software-An­wendungen können bedarfsabhängig aus dem Internet bezogen werden und müssen nicht mehr auf dem eigenen Computer gespeichert werden. Daten, wie etwa Fotos und Textdokumente, kön­nen in der „Cloud“ gespeichert und jederzeit abgerufen werden. Des Weiteren finden Programme (z. B. Textverarbeitung, Verwaltungssoftware oder Apps) direkte Anwendung in der Cloud. Vgl. Kroschwald (2016): 1.

54 Vgl. Jansen/Bollen/Hoppe (2018): 111.

55 Vgl. Châlons/Dufft (2016): 28, Jansen/Bollen/Hoppe (2018): 102.

56 Vgl. Jansen/Bollen/Hoppe (2018): 102, Lins/Sunyaev (2018): 8.

57 Vgl. Châlons/Dufft (2016): 32, Banse/Stephanow (2018): 1.

58 Vgl. Bundesministerium für Bildung und Forschung (2016b): 29, Urbach/Ahlemann (2016): 4.

59 Vgl. Châlons/Dufft (2016): 28, Kultusministerkonferenz (2016): 14, Ladel/Knopf/Weinberger (2018): VII f.

60 Horvath (2013): 1.

61 Vgl. Davenport (2014): 2, Gapski (2015): 10.

62 Vgl. Fasel/Meier (2016): 5 f., KPMG (2016): 6.

63 Vgl. Fasel/Meier (2016): 6.

64 KPMG (2016): 6.

65 Vgl. Teague (2016): 92.

66 Vgl. Bundesministerium für Bildung und Forschung (2016a): 10, Herzig (2017): 50, Jansen/Bol- len/Hoppe (2018): 113.

67 Vgl. Tenorth/Tippelt (2007): 494, Dohnicht (2014): 164, Schmidt-Thieme/Weigand (2015): 469, Meyer (2016): 148.

68 Vgl. Tulodziecki/Herzig (2004): 11, Tenorth/Tippelt (2007): 494, Bundesministerium für Bil­dung und Forschung (2018b): o. S.

69 Vgl. Petko (2014): 18, Hartmann/Hundertpfund (2015): 89.

70 Vgl. Petko (2014): 20, Hartmann/Hundertpfund (2015): 89.

71 Vgl. Kober/Müller-Eiselt (2014): 6, Bogedan (2016): 5, Kober/Zorn (2017): 8, Zylka/Schmidt/Helling (2017): 62, 65.

72 Vgl. Zylka/Schmidt/Helling (2017): 62.

73 Vgl. Petko (2014): 18, Bundesministerium für Bildung und Forschung (2018b): o. S.

74 Vgl. Kultusministerkonferenz (2016): 8, Meyer (2016): 148, Heinen/Kerres (2017): 120.

75 Vgl. Schmidt-Thieme/Weigand (2015): 469.

76 „Die „Didaktik“ ist die Theorie und Praxis des Lernens und Lehrens. Die Didaktik kümmert sich um die Frage wer, was, von wem, wann, mit wem, wo, wie, womit und wozu lernen soll.“ Jank/Meyer (2014): 14, 16.

77 Das „problemorientierte Lernen“ basiert auf dem Gedanken, dass ein Problem lernmotivierend wirkt und so die Effektivität des Lehrens und Lernens gesteigert wird. Vgl. Tenorth/Tippelt (2007): 578.

78 „E-Learning“ bedeutet übersetzt „elektronisches Lernen“ und bezeichnet den Einsatz von Kom­munikations- und Informationstechnologien für zeit- und ortsunabhängige Lernzwecke. Es wird zwischen „Web Based Training“ (online) und „Computer Based Training“ (offline) unterschie­den. Vgl. Tenorth/Tippelt (2007): 175.

79 Vgl. Tulodziecki/Herzig (2004): 72-75, Breiter/Welling/Stolpmann (2010): 15 f.

80 Vgl. Zylka/Schmidt/Helling (2017): 65.

81 Kultusministerkonferenz (2016): 11-13.

82 Vgl. Hasebrook/Brünken (2010): 23, Rabenstein/Wischer (2016): 6.

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Details

Titel
Die Implementierung personalisierten Lernens mithilfe digitaler Medien vor dem Hintergrund der Herausforderungen, Chancen und Risiken für die Lehre
Hochschule
Universität Duisburg-Essen
Note
2,0
Jahr
2018
Seiten
49
Katalognummer
V911102
ISBN (eBook)
9783346231871
ISBN (Buch)
9783346231888
Sprache
Deutsch
Schlagworte
implementierung, lernens, medien, hintergrund, herausforderungen, chancen, risiken, lehre
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Anonym, 2018, Die Implementierung personalisierten Lernens mithilfe digitaler Medien vor dem Hintergrund der Herausforderungen, Chancen und Risiken für die Lehre, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/911102

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