Waren die antiken Olympischen Spiele nur ein sportlicher Wettkampf? (Kurzentwurf für die 5. Klasse, Gymnasium)

Anbahnung eines Sachurteils


Unterrichtsentwurf, 2018

9 Seiten, Note: 2,0


Leseprobe

1. Bemerkung zur Lerngruppe

Die Klasse 5 setzt sich aus 27 Schülerinnen und Schülern zusammen, darunter 11 Jungen und 16 Mädchen. Der Unterricht ist von einem freundlichen und respektvollen Verhalten der Schüler untereinander und mir als Lehrperson gegenüber gekennzeichnet. Das Leistungsvermögen im Themenbereich der griechischen Antike ist heterogen, wobei vor allem die Divergenz zwischen den Leistungsspitzen und schwächeren Schülern ins Auge fällt, was sich an der Qualität und Quantität der Unterrichtsbeiträge festmachen lässt. A, B und C gehören zu den leistungsstärkeren Schülern der Lerngruppe, die den Unterricht vorantreiben und auch komplexere Sachzusammenhänge durchdringen können, wenngleich auch hier nicht immer fachliche Sicherheit gegeben ist. Die Klasse zeigt sich methodisch geschult im Umgang mit Quellen und liefert insbesondere in Partnerarbeiten gute Ergebnisse, indem sie in der Lage ist Ergebnisse der Quellenkritik in Beziehung zum erschlossenen Inhalt zu setzen, was ein produktives Weiterarbeiten ermöglicht. Insbesondere die leistungsschwächeren Schüler haben Schwierigkeiten komplexere Sachzusammenhänge im historischen Kontext der griechischen Antike zu durchdringen, zeigen sich aber in Reproduktions- und Partnerarbeitsphasen aktiver und können so in den Unterricht miteinbezogen werden.1 Besonders in den Urteilsphasen zeigt sich, dass die Leistungsspitzen diese Phase gestalten, die Lerngruppe insgesamt aber noch Leitung durch die Lehrkraft benötigt.

2. Sachanalyse

Den Ursprung der heutigen Olympischen Spiele findet man im antiken Griechenland, genauer gesagt im Ort Olympia auf der Halbinsel Peloponnes. Der Mythos besagt, dass der Halbgott Herakles die Spiele zu Ehren seines Vaters Zeus begründete, dem höchsten Gott der griechischen Götterwelt. Die ersten Spiele sollen, so belegen es Aufzeichnungen aus dem 4. Jahrhundert v.Chr., im Jahr 776 v.Chr. stattgefunden haben. Zumindest lassen Siegerlisten, die auf diese Zeit datiert sind, diesen Rückschluss zu. Während man heutzutage eine Vielzahl von Sportarten am heimischen Fernseher verfolgen kann, bestanden die antiken olympischen Spiele bis in das Jahr 724 v.Chr. nur aus einem Stadionlauf. Dabei handelt es sich bei einem Stadion zunächst einmal um eine altgriechische Maßeinheit, die etwa 192,28 Metern entspricht. Erst mit den Jahren kamen weitere Sportarten hinzu. Vor allem Laufwettbewerbe, aber auch Faustkämpfe und Ringen, wurde zunehmend populärer. Circa 100 Jahre später wurden auch Pferdesportarten eingeführt. An den ersten Olympischen Spielen durften zunächst nur junge Athener teilnehmen. Erst im Laufe der Zeit entwickelte sich der uns bekannte, überregionale Wettbewerb. Die Teilnehmer mussten allerdings Vollbürger eines griechischen Stadtstaates sein, durften nicht unehelich geboren sein und kein Verbrechen begangen haben. Die Dauer der Spiele wurde mit der Zunahme an Disziplinen immer länger, sodass die Spiele bis zu sechs Tage lang stattfanden und neben dem sportlichen Wettkampf vor allem auch religiös, kultische Programmpunkte beinhalteten, die durch Opfergaben für die Götter deutlich wurden. Die Olympischen Spiele der Antike waren somit nicht nur ein sportlicher Wettkampf, sondern auch ein Treffpunkt der griechischen Poleis, der politisch, religiöse und sportlichen Austausch beförderte.2

3. Stundenziel:

Die Schüler urteilen, dass die Olympischen Spiele einerseits einen sportlichen Wettkampf zwischen den Poleis darstellten und somit eine bedeutende Unterhaltungsfunktion hatten, andererseits aber auch den Austausch zwischen den Poleis ermöglichten und der Verehrung der Götter, v.a. Zeus, dienten.

Kompetenzen/Inhalte:

Die Schülerinnen und Schüler

1. beschreiben die abgebildeten Sportarten und ordnen sie in den Kontext der Olympischen Spiele ein, indem sie z.B. auf die Darstelllungen auf den Amphoren und deren Alter verweisen. (Methodenkompetenz)
2. erklären, dass die Olympischen Spiele einen sportlichen Wettkampf für die Griechen darstellten. (Methodenkompetenz)
3. arbeiten die Bedeutung der Olympischen Spiele für die Griechen anhand der Rede des Isokrates heraus, indem sie z.B. auf die Aspekte des Zusammenkommens, Betens, Opferns und des sportlichen Wettkampfes verweisen. (Sachkompetenz)
4. beurteilen die Olympischen Spiele als Wettkampf, der sowohl sportliche, als auch politische und religiöse Bedeutung für die Griechen hatte. (Deutungskompetenz)

Geplanter Unterrichtsverlauf:

Hausaufgaben zur Stunde: Bilder von antiken griechischen Amphoren mit der Darstellung von unterschiedlichen Sportarten. (z.B. in: Geschichte & Geschehen 1, S.89 Q2) (àVorentastung des Einstiegs)

Aufgaben:

1. Beschreibe, um welche Quellenart es sich handelt und aus welcher Zeit die Amphoren stammen. (AFB 1)
2. Benenne die in Q2 dargestellten Sportarten. Überlege, welche dieser Sportarten es auch noch heute gibt? (AFB 1)

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Hausaufgaben zur nächsten Stunde:

Auch heutzutage finden Olympische Spiele statt. Arbeite Gemeinsamkeiten und Unterschiede zu den antiken Olympischen Spielen heraus.

Material zum Einstieg: Wettkampfszenen auf griechischen Amphoren (z.B. in: Geschichte und Geschehen 1, S.89 Q2)

Antizipierte Schülerantworten:

Es handelt sich bei den Amphoren um Sachquellen. Zu sehen sind zwei Amphoren aus dem 6. Jahrhundert v.Chr. Bei der mittleren Amphore ist das Datum unbekannt. Sie ähnelt jedoch den anderen beiden. Sie stammen aus der späten Phase der griechischen Kolonisation, die von ca. 750-550 v. Chr. anhielt. (Bezug auf die Hausaufgabe)

Die Amphoren sind schwarz bzw. orange und zeigen sportliche Wettkampfszenen. Bei den dargestellten Sportarten handelt es sich um Laufen (Stadionlauf), Wagenrennen (Vierergespann) und um den Faustkampf (hier könnte ggf. auch Ringen als Antwort kommen, was aber aufgrund der Kampfhaltung ausgeschlossen werden kann). Zudem ist ein Schiedsrichter zu sehen, der den Kampf betreut.3

Die Wettkampfszenen können sich auf die Olympischen Spiele beziehen. Sie zeigen uns, dass die Olympischen Spiele ein Sportfest waren.

Laufen und Boxen sind auch heutzutage noch Sportarten, die bei den modernen Olympischen Spielen stattfinden.

Material Erarbeitungsphase:

Die antiken Olympischen Spiele

Die antiken Olympischen Spiele fanden alle vier Jahre beim Zeus Tempel von Olympia statt und gehen bis ins 8. Jahrhundert v. Chr. zurück. Der Legende nach fanden die ersten Spiele im Jahre 776 v.Chr. statt. Archäologische Befunde lassen den Rückschluss zu, dass die Spiele ab etwa 700 v.Chr. stattfanden. Eingeladen waren alle griechischen Poleis. Die Sportler mussten Griechen und männlich sein. Zuschauen durfte fast alle, auch Nichtgriechen und Sklaven – nur keine verheirateten Frauen. Die Zeit zwischen den Spielen wurde Olympiade genannt.

Q1: Ein Lob auf die Olympischen Spiele

Aus einer Festschrift des Athener Gelehrten Isokrates (416-338 v.Chr.) an die Griechen, um 380 v.Chr. verfasst.

Zu Recht loben wir die Gründer unserer großen Festspiele. Denn sie haben uns die Sitten4 überliefert, an einem Ort zusammenzukommen, nachdem Frieden verkündet worden ist und wir unsere Streitigkeiten beigelegt haben5. Wenn wir an diesem Ort dann gemeinsam beten und opfern6, werden wir daran erinnert, dass wir miteinander verwandt sind. Wir bekommen für die Zukunft freundlichere Gefühle füreinander, machen alte Freundschaften wieder lebendig und knüpfen neue [Freundschaften]. Weder Zuschauer noch Athleten7 verbringen ihre Zeit umsonst und nutzlos. Die Athleten haben die Gelegenheit, im Wettstreit der Hellenen ihre Höchstleistungen zu zeigen; die Zuschauer können miterleben, wie sie miteinander wetteifern8. Jeder findet etwas Interessantes am Festspiel und alle finden etwas, was ihrem Stolz schmeichelt: die Zuschauer, wenn sie sehen, wie sich die Athleten für sie anstrengen, und die Athleten, wenn sie daran denken, dass die ganze Welt gekommen ist, um sie zu bestaunen.

Zitiert nach: Georg Norlin (Hrsg.): Isocrates with an English Translation, Bd.1, London/Cambrigde 1966, S. 145, übers. von Peter Offergeld.

[...]


1 Zur Binnendifferenzierung dienen hier die angehängten Hilfekarten.

2 Vgl. hierzu: Ulrich Sinn: Olympia. In: Der Neue Pauly. Band 2, Metzler, Stuttgart 1997, S. 1175 f.; 1183; Swaddling, Judith: Die Olympischen Spiele der Antike. Stuttgart 2004, S. 7ff., 87ff., 150ff.

3 Abkürzungen: LV=Lehrervortrag; LSG=Lehrer-Schüler-Gespräch; SSG=Schüler-Schüler-Gespräch; SÄ=Schüleräußerung; SP = Schülerpräsentation; SV=Schülervortrag; EA=Einzelarbeit/Stillarbeit; PA=Partnerarbeit; GA=Gruppenarbeit; OHP= Overheadprojektor; AB= Arbeitsblatt.

4 Bestimmte Gewohnheit, die von einer Gemeinschaft (z.B. den Griechen) immer wiederholt wird.

5 Während der Olympischen Spiele mussten die Poleis Frieden untereinander halten, damit Athleten und Besucher gefahrlos nach Olympia reisen konnten.

6 Vor allem für Zeus, den Göttervater, wurde gebetet und geopfert.

7 Athlet ist ein anderes Wort für Sportler.

8 Danach streben, andere zu übertreffen.

Ende der Leseprobe aus 9 Seiten

Details

Titel
Waren die antiken Olympischen Spiele nur ein sportlicher Wettkampf? (Kurzentwurf für die 5. Klasse, Gymnasium)
Untertitel
Anbahnung eines Sachurteils
Note
2,0
Autor
Jahr
2018
Seiten
9
Katalognummer
V914302
ISBN (eBook)
9783346235312
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Geschichte, Olympia, Olympische Spiele, Antike, Griechenland, Zeus, Sportwettkampf, Sachurteil, Unterrichtsentwurf, Problemorientiertes Sachurteil, Klasse 5
Arbeit zitieren
StR Christoph Grave (Autor), 2018, Waren die antiken Olympischen Spiele nur ein sportlicher Wettkampf? (Kurzentwurf für die 5. Klasse, Gymnasium), München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/914302

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