Afrikaans und seine morphologischen und syntaktischen Besonderheiten im Vergleich zur niederländischen und deutschen Sprache


Hausarbeit, 2018

23 Seiten, Note: 1,7


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Definition Afrikaans

3. Ausgewählte morphologische Besonderheiten von Afrikaans
3.1. Reduplikation von Wörter
3.2. Verben
3.3. Nomen
3.4. Weitere Besonderheiten

4. Syntaktische Besonderheiten von Afrikaans

5. Eine morphologische Gegenüberstellung von Afrikaans mit der deutschen und der niederländischen Sprache
5.1. Reduplikation von Wörtern
5.2. Verben
5.3. Nomen
5.4. Weitere Besonderheiten

6. Eine syntaktische Gegenüberstellung von Afrikaans mit der deutschen und niederländischen Sprache

7. Zusammenfassung und Ausblick

I. Literaturverzeichnis

1. Einleitung

Südafrika und Namibia sind zu Zeiten von Globalität, Multikulturalität und erschwinglicher gewordenen Flügen sicherlich Traumreiseziele vieler Menschen. Doch inwiefern sich die Reisenden Gedanken über die dort verbreiteten verbalen Kommunikationsmittel machen, bleibt fraglich oder zumindest nicht ergründbar.

Da Afrikaans, eine der Nationalsprachen Südafrikas und Namibias, wie es in Kapitel 2 noch weiter konkretisiert wird, seine Basis bei den niederländischen Kolonisten hat, liegt diese, eigentlich für die europäischen Urlauber als fremde Sprache tituliert, kulturell und sprachlich möglicherweise nicht so fern wie es viele vermuten lässt.

Der Frage geht diese wissenschaftliche Arbeit in Kapitel 3 auf den Grund und analysiert die Sprache Afrikaans primär unter morphologischen Gesichtspunkten. Mit deren syntaktischen Besonderheiten setzt sich das darauffolgende Kapitel auseinander. Das daran anschließende Kapitel 5 befasst sich schließlich mit den Unterschieden und Gemeinsamkeiten zwischen Afrikaans und der deutschen und niederländischen Sprache. Es wird u.a. ergründet, welche spezifischen morphologischen Charakteristika die afrikaanse Sprache mit sich bringt und ob diese sogar von der niederländischen Sprache impliziert worden sein könnten. Zu einer der größeren Besonderheiten gehört sicherlich die Reduplikation von Wörtern, welcher in dieser wissenschaftlichen Arbeit sogar das komplette Kapitel 3.1 sowie 5.1 gewidmet wird. Des Weiteren werden auch die Verben, besonders hinsichtlich des Kriteriums Tempus, analysiert. Ebenso wird der Aspekt der Personalformen bei Verben inspiziert. Auch die Nomen weisen Besonderheiten auf. Hier wird der Fokus auf den Plural und das Diminutiv gelegt. Weitere Besonderheiten wie z.B. die doppelte Verneinung werden im Verlaufe des Kapitels 5 inspiziert und ergründet.

Ob Afrikaans letztlich zu der Rubrik der Kreolsprachen zu zählen ist, wie sie in Kapitel 2 vorangehend definiert werden, wird somit über die gesamte wissenschaftliche Arbeit die zentrale Problemstellung der Untersuchung sein. Auf dieser Frage basiert die Auswertung der morphologischen und syntaktischen Besonderheiten der afrikaansen Sprache und deren anschließender Vergleich mit Niederländisch und Deutsch.

2. Definition: Afrikaans

Den Ursprung fand Afrikaans wahrscheinlich aufgrund dessen, dass die Niederländer im 17. Jahrhundert im Süden Afrikas Handelsposten besaßen. Die meisten sich hier ansiedelnden Kolonisten kamen aus dem Süden der Niederlande, aus der Grenznähe zu Deutschland und aus Flandern und brachten so die niederländische Sprache mit auf den Süden des afrikanischen Kontinents. In den Anfängen sprach man dort wahrscheinlich noch von zwei Sprachvarianten: einerseits vom 'Kap-Holländischen', das von den weißen Kolonisten gesprochen wurde und das aufgrund des Mangels an Kontakt mit dem Vaterland und unter Einfluss von anderen Sprachen eine eigene Entwicklung durchlief; andererseits das 'Hottentotten-Holländisch', eine kreolisierte Form des Niederländischen, die von den ursprünglichen Bewohnern des Gebietes (die „Hottentotten“ von Kheokhoen und den „Buschmännern“ von San) und gelieferten Sklaven und in der Kommunikation zwischen Kolonisten und Sklaven benutzt wurde. (John, 2016)

In den folgenden Jahrzehnten modifizierten sich diese beiden Sprachvarianten zum heute bekannten Afrikaans. Doch über die Jahre hinweg kam es immer wieder zu Diskussionen über die afrikaanse Entstehungsgeschichte, vor allem in Südafrika. Denn besonders zu Zeiten der Apartheid in Südafrika war das „weiße Afrikaans“ unbeliebt bei den Farbigen. Nach offizieller Beendigung dieser Rassentrennung ist stark dafür sensibilisiert worden, dass Afrikaans seine Wurzeln auch unter den einheimischen Stämmen hat und somit auch die Sprache der Farbigen ist. Im Jahr 1925 ist die afrikaanse Sprache schließlich neben Englisch als eine weitere offizielle Sprache Südafrikas anerkannt worden. (vgl. John, 2016)

Afrikaans wird heute auch als Sprache der Buren oder der Kapholländer bezeichnet und ist „die jüngste germanische Sprache“ (Stand 1960 laut Louw), die recht analog zum Deutschen und vor allem Niederländischen angelegt ist und nun bereits seit ca. 300 Jahren im Süden Afrikas existent ist. (vgl. S.A. Louw, 1960, S.82.)

Das Vermischen mehrerer Kulturen oder Sprachen, wie es beim Afrikaans der Fall war, wird im Fachjargon auch Kreolisierung genannt. Bei der afrikaansen Sprache ist jedoch umstritten inwieweit sie kreolisiert worden ist und ob diese somit als vollständiges Kreol, Teilkreol, Pseudokreol oder sogar Unkreol zu bezeichnen ist (vgl. Stolz, 1990, S.460).

Nach der aktuellsten statistischen Erhebung aus dem Jahr 2011 ist die afrikaanse Sprache die drittgrößte sogenannte Erstsprache in Südafrika mit 13,5%. Auf den Rängen davor liegen nur IsiZulu und IsiXhosa mit 22,7% sowie 16%. Vor allem in Western Cape, der Gegend inklusive und um Kapstadt herum, ist diese afrikanische Sprache sehr weit verbreitet und liegt sogar fast bei 50%. Am meisten vorherrschend ist Afrikaans bei der Coloured- (75,8%) und der White-Population (60,8%). (vgl. Census Statistics, 2011, S.24-32)

Als weiteres Verbreitungsgebiet von Afrikaans gilt Namibia. Dort sind 10,5% der Einwohner dieser Sprache mächtig (vgl. Namibia Statistics Agency Government oft the Republic of Namibia, 2011, S.26). Insgesamt ist zu resümieren, dass Afrikaans eher in alltäglichen Situationen Verwendung findet, wohingegen Englisch bei den offiziellen Sprachumständen häufiger zugegen ist. Dies ist damit zu begründen, dass Englisch im Süden Afrikas oft im wissenschaftlichen und technischen Bereich besser ausgebaut ist und auch die neuen Einwanderer Südafrikas und Namibias mit der englischen Sprache vertrauter sind als mit Afrikaans. (vgl. Kleinz, 1984, S.113).

3. Ausgewählte morphologische Besonderheiten von Afrikaans

3.1 Reduplikation von Wörtern

Die afrikaanse Sprache wird stark von Reduplikationen geprägt.

Unter dem Wortbildungsverfahren der Reduplikation versteht man in dieser Sprache die simple Verdopplung eines Wortes. Diese werden meistens durch einen Bindestrich zusammengefügt (vgl. Botha, 1988, S.10).

Nachfolgend wird dies mittels einiger Beispiele veranschaulicht:

(1) Die kinders drink bottels-bottels limonade.

The children drink bottles and bottles of lemonade.

(2) Hulle speel weer bal-bal.

They are playing their ball game again.

(3) Sy het amper-amper haar been gebreek.

She very nearly broke her leg.

(4) Die ongeluk het hier-hier gebeur.

The accident happened right here.

(5) Die doctor vat-vat aan die swelsel.

The doctor tentatively feels the swelling a couple of times.

(Botha, 1988, S.1-2)

Der jeweils erste Satz der Beispiele ist in der Sprache Afrikaans verfasst und der zweite ist die dazu passende Übersetzung auf Englisch. An diesen Beispielen lässt sich sehr gut erkennen, dass eine Reduplikation die Semantik des einzelnen Wortes noch einmal verstärkt, so wie man es am Beispiel (3) erkennen kann: Diese Aussage betont per Reduplikation des afrikaansen Wortes „amper“, dass die Person, die hier als „she“ bezeichnet wird, scheinbar sehr kurz davor war, sich das Bein zu brechen.

Des Weiteren ist die Reduplikation in Afrikaans bei diversen Wortarten vorhanden. In den vorangegangenen Beispielen wird dieses Wortbildungsverfahren bei Nomen [(1), (2)], Adverbien [(3), (4)] und bei Verben (5) verwendet. Eine Besonderheit dieses Verfahren ist u.a., dass die individuellen Konstituenten syntaktisch nicht beliebig vertauscht werden dürfen. Im folgenden aufgeführten Beispiel kann der Partikel „so“ zwar vor die gesamte Reduplikation gesetzt werden, jedoch nicht in die Mitte.

(1) Sy het amper-amper haar been gebreek.

She has nearly nearly her leg broken.

(2) Sy het so amper-amper haar been gebreek.

She has so nearly nearly her leg broken.

(3) Sy het *amper-[so amper] haar been gebreek.

She has nearly [so nearly] her leg broken.

(Botha, 1988, S.13)

In Fall (3) übernimmt die Wiederholung des Adverbs an dieser Stelle die Funktion, den semantischen Inhalt zu verstärken. Die Reduplikation in Fall (2) hingegen intensiviert die Äußerung „amper“. (vgl. ebd., S.13)

Eine weitere Regel der afrikaansen Sprache bezieht sich auf die Basis dieses Wortbildungsverfahrens. Denn es sind nur vollständige Wörter zur Reduplikation geeignet, nicht aber nur Segmente von eben diesen (vgl. ebd., S.15). Somit können z.B. keine einzelnen Affixoide hierfür verwendet oder bloß Flexionsendungen im Sinne dieses Verfahrens wiederholt werden.

Ein weiteres Attribut, welches den Reduplikationen in Afrikaans zuzuschreiben ist, ist, dass die Basis dieser nicht nur aus morphologisch simplen Wörtern, sondern auch aus komplexeren bestehen kann. Zum Beispiel können flektierte Wörter [Bsp. (1)] als Grundlage dienen. Im Beispiel (1) instrumentalisiert die Verdopplung den Plural des Wortes. Des Weiteren übernimmt die Reduplikation bei Adjektiven die Funktion des Superlativs [Bsp. (2)]. (vgl. ebd., S.17-18)

(1) Uit die lug sien jy [heuwel + S] – [heuwel + S] net waar jy kyk.

From the air one sees hill upon hill wherever one looks.

(2) Net di [ryk + STE] – [ryk + STE] mense kan gaan.

Only the very richest people can go.

(ebd., S.18)

In der Fachliteratur existieren fünf lexikalische Kategorien von Reduplikationen, eine von den im Folgenden aufgeführten Typen wird im Anschluss daran vorgestellt:

1. Noun-based verb reduplications
2. Noun-based adverb reduplications
3. Verb-based noun reduplications
4. Verb-based adverb reduplications
5. Numeral-based noun and adverb reduplications

(vgl. ebd., S.34-36)

Die “Verb-based adverb reduplications” weisen das afrikaanse Phänomen aus, dass Verben in der reduplikativen Form, wie z.B. „brul-brul“ durch Entfernen der Verdopplung und mit Hinzufügen des Suffixes –end zu einem Adverb werden (vgl. ebd., S.57):

(1) Die leeu loop brul-brul weg.

The lion walks away roaring.

(2) Die leeu loop brullend weg.

The lion walk roaring away.

(ebd., S.18)

3.2 Verben

Die Form der Wortart Verben wird in Afrikaans nicht von Numerus oder Person beeinflusst. Stattdessen besitzen sie immer die gleiche Struktur, da der Wortstamm stets homogen bleibt, unabhängig von Numerus oder Person. Um jedoch die letzteren beiden Aspekte differenzieren zu können, werden die Verben mit Personalpronomen oder den zugehörigen Subjekten verknüpft. Im Folgenden gibt es dazu eine Übersicht direkt im Vergleich zu den deutschen Personalpronomina:

Singular: Plural:

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

(vgl. Groenewald, 1976, S.2)

In der afrikaansen Sprache existieren auch zusätzlich Hilfsverben, die die Vollverben z.B. bei der Tempusbildung unterstützen. Diese werden in der folgenden Übersicht dargestellt:

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Bei den Zeitformen der Verben kennt die afrikaanse Sprache nur drei Formen, vergleichbar mit dem deutschen Präsens, Perfekt und Futur (vgl. ebd., S.7). Das Präsens bedarf keiner näheren Erläuterung, da jedes Verb wie im Deutschen seine eigene Form besitzt und die Person wie oben bereits erläutert, nicht am Verb selbst identifizierbar ist. Zudem ist die Präsensform mit dem zugehörigen Infinitiv einheitlich.

[...]

Ende der Leseprobe aus 23 Seiten

Details

Titel
Afrikaans und seine morphologischen und syntaktischen Besonderheiten im Vergleich zur niederländischen und deutschen Sprache
Hochschule
Universität Paderborn
Note
1,7
Autor
Jahr
2018
Seiten
23
Katalognummer
V915900
ISBN (eBook)
9783346214522
ISBN (Buch)
9783346214539
Sprache
Deutsch
Schlagworte
afrikaans, besonderheiten, sprache, vergleich
Arbeit zitieren
Julia Schweins (Autor:in), 2018, Afrikaans und seine morphologischen und syntaktischen Besonderheiten im Vergleich zur niederländischen und deutschen Sprache, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/915900

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