Einfluss sozialer Medien auf Jugendliche. Zusammenhang zwischen Identität und medialen Bezugspersonen


Hausarbeit, 2019

76 Seiten, Note: 12 Punkte

Anonym


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Hauptteil
2.1 Soziale Medien im Allgemeinen
2.1.1 Zu den Begriffsbestimmungen
2.1.1.1 Definition von „sozialen Medien“
2.1.1.2 Definition von „Jugendlichen“
2.1.2 Beispiele für soziale Medien
2.1.2.1 Facebook
2.1.2.2 WhatsApp
2.1.2.3 Instagram
2.1.2.4 Snapchat
2.2 Der heutige Wandel der Mediennutzung bei Jugendlichen
2.2.1 Der Besitz von elektronischen Geräten Jugendlicher
2.2.2 Situation der Jugendlichen in der heutigen Gesellschaft
2.2.3 Jugendliche und die Nutzungsdauer sozialer Medien
2.2.4 Die beliebtesten sozialen Netzwerke der Jugendlichen
2.3 Zusammenhang zwischen Identität und medialen Bezugspersonen
2.3.1 Soziale Netzwerke als Instanz zur Identitätsbildung
2.3.2 Auswirkung von Influencern in sozialen Medien auf Jugendliche
2.3.3 Zur Bedeutung von Identität in der Jugendphase
2.4 Möglichkeiten und Folgen durch soziale Medien
2.4.1 Virtuelle Kommunikation und ihre Besonderheit
2.4.2 Der Einfluss auf die psychische Gesundheit
2.4.3 Schlafmangel von Jugendlichen aufgrund der sozialen Netzwerke
2.4.4 Kontakt mit Freunden auch außerhalb der Social Media oder nicht?
2.4.5 Reaktion der Eltern auf die Nutzung sozialer Medien
2.4.6 Social Media-Suchtverhalten der Jugendlichen
2.4.7 Auswirkungen von übermäßigem Medienkonsum auf den Körper
2.4.8 Der Einfluss der sozialen Netzwerke auf Schulnoten
2.4.9 Der politische Einfluss durch soziale Netzwerke
2.4.10 Gewalt in den sozialen Medien

3. Schluss

4. Literaturverzeichnis
4.1 Literatur
4.2 Internetquellen
4.3 Abbildungsverzeichnis

1. Einleitung

In dieser Wissenschaftlichen Hausarbeit wird der Einfluss von ausgewählten sozialen Medien auf Jugendliche untersucht. Hierbei wird zunächst das Konstrukt im Allgemeinen definiert. Dazu werden vorab die Begrifflichkeiten „soziale Medien“ und „Jugendliche“ geklärt. Darauffolgend werden Beispiele zu den sozialen Medien genannt, um zu verdeutlichen, worin sich die beliebtesten Social Media unterscheiden und was diese ausmachen.

In Hinblick dazu wird im Abschnitt „der heutige Wandel der Mediennutzung bei Jugendlichen“ auf die Gerätenutzung der Jugendlichen eingegangen, um eine Einleitung zu schaffen, wie die heutige Situation der Jugendlichen in der modernen Gesellschaft sich vergleichend zur Adoleszenz vor ca. 50 Jahren verhält. Anschließend wird die Nutzungsdauer der Jugendlichen in den sozialen Medien geschildert. In diesem Teil der Wissenschaftlichen Hausarbeit soll dargestellt werden, wie viel Zeit Jugendliche in den sozialen Netzwerken verbringen, in Unterscheidung zwischen dem weiblichen und dem männlichen Geschlecht. Daraufhin folgen die beliebtesten sozialen Netzwerke der Jugendlichen, in denen dargestellt wird, wie viel Zeit die Jugendlichen in ihrem persönlich favorisierten sozialen Netzwerk verbringen sowie wie sich das Nutzungsverhalten zwischen Jungen und Mädchen unterscheidet.

Im nächsten Punkt „Zusammenhang zwischen Identität und medialen Bezugspersonen“ soll gezeigt werden, inwiefern mediale Bezugspersonen, auch „Influencer“ genannt, die Identität der Jugendlichen beeinflussen können. Vorab wird dafür erläutert, weshalb die sozialen Netzwerke als eine Art „Instanz“ für die Jugendlichen gelten, um anknüpfen zu können, wie sich mediale Rollenbilder letztendlich auf die Jugendlichen ausüben, sei es gezielt oder nicht. Dafür wird auf ein Beispiel eines berühmten Influencers, dem so genannten Erik Scholz aus Berlin, eingegangen. Anhand dieses Beispiels soll veranschaulicht werden, welche Einflussgröße Erik mit seinen emotionalen Reaktionen und Werbeaktivitäten (vorwiegend für Kleidung) auf seine jugendlichen Fans und auch ihre Kaufentscheidungen hat. Daraus resultierend wird die „Macht“ von Influenceren auf Jugendliche in sozialen Netzwerken thematisiert. Des Weiteren wird auf die Identitätsbedeutung sowie Identitätsbildung von Jugendlichen eingegangen und inwiefern soziale Netzwerke einen Einfluss darauf haben können im Hinblick auf Influencer.

Im nächsten Abschnitt „Möglichkeiten und Folgen durch soziale Medien“ wird explizit auf die Chancen und Konsequenzen der Nutzung von Social Media Bezug genommen. Im Bereich „virtuelle Kommunikation und ihre Besonderheit“ wird die Besonderheit des digitalen Schreibens und inwiefern Jugendliche diese Art der Kommunikation missbrauchen und durch diese aufgrund von beispielsweise Cybermobbing oder Online-Ghosting missbraucht werden können, erläutert. In Zusammenhang dazu wird der positive und negative Einfluss der sozialen Medien auf die psychische Gesundheit behandelt. Da die Mediennutzung sich zwischen den Geschlechtern unterscheidet, wird sich die Internet-Nutzung von Mädchen genauer fokussiert, da diese sich schwerer von den Social Media beeinflussen lassen.1

In Anbetracht zum Kontakt in den sozialen Netzwerken ist es ebenfalls wichtig zu wissen, ob die Jugendlichen auch außerhalb der sozialen Netzwerke mit ihren Freunden etc. in Kontakt sind oder ob die Kontaktierung hauptsächlich über die sozialen Medien abläuft. Auch das Reaktionsverhalten der Eltern auf das Nutzungsverhalten der Jugendlichen wird unter die Lupe genommen, um herauszufinden, wie hoch die Streithäufigkeit aufgrund von sozialen Medien in den Haushalten ausgeprägt ist. Darauffolgend wird eine gesundheitliche Perspektive auf die Nutzung von sozialen Medien eingenommen. Dabei wird vor allem auf der Schlafmangel und das Suchtverhalten ausgeführt. Im Anschluss folgt der Einfluss der sozialen Medien auf die Schulnoten sowie auf politische Entscheidungen.

Im dritten Teil dieser Wissenschaftlichen Hausarbeit wird der Hauptteil dieser Arbeit zusammengefasst und ein Fazit mithilfe der gesammelten Ergebnisse und einer persönlichen Einschätzung gezogen.

2. Hauptteil

2.1 Soziale Medien im Allgemeinen

2.1.1 Zu den Begriffsbestimmungen

2.1.1.1 Definition von „sozialen Medien“

Eine sehr wichtige Frage, um sich dieser Wissenschaftlichen Hausarbeit nähern zu können, ist „Was sind „soziale Medien“ überhaupt?“ Zu aller Erst ist es hierbei wichtig zu wissen, dass zwischen einem sozialen Netzwerk und auch einem sozialen Online Netzwerk unterschieden werden kann. Unter einem sozialen Netzwerk versteht Fred E. Katz, ein amerikanischer Kulturanthropologe, „eine Menge von Personen, die sich miteinander verbinden können, und Kontakte als die Individuen, die ein Netzwerk beinhalten“2. Dagegen steht das soziale Online Netzwerk, welches ein persönliches Nutzerprofil beinhaltet, bei dem der Nutzer seine persönlichen Daten angibt, Fotos sowie Videos und auch andere Informationen mit seinen verbundenen Kontakten teilt, aber auch mit verschiedenen Individuen global kommunizieren kann.

Mithilfe bestimmter sozialer Online Netzwerke, wie beispielsweise Facebook, können auch Gruppen oder auch öffentliche „Fanseiten“ erstellt werden, zahlreiche Personen können zu veröffentlichten Veranstaltungen eingeladen werden und auch eine private oder öffentliche Liveübertragung kann gestartet werden.3

Das soziale Online Netzwerk mit den meisten Profilen ist eindeutig Facebook mit ca. 2.32 Milliarden Nutzern weltweit.4 Aber auch andere soziale Netzwerke wie Instagram, WhatsApp sowie Twitter und Snapchat werden von sehr vielen aktiven Nutzern verfolgt bzw. verwendet.

Da Facebook von sehr vielen Personen weltweit verwendet wird, ergibt sich auch, dass ein hoher Anteil an Kindern sowie Jugendlichen das Online Portal verwendet. Dennoch ist bemerkenswert, dass Jugendliche für die Erstellung eines Facebook-Accounts die Unternehmens-Vereinbarungen von Facebook Deutschland einhalten und akzeptieren müssen. Dazu gehört auch, dass das Mindestalter für das Erstellen eines Facebook-Accounts bei 13 Jahren liegt. Andernfalls sei man nicht dazu berechtigt, das soziale Online Netzwerk zu verwenden. Erstaunlicherweise verwenden trotzdem mehrere Minderjährige das soziale Netzwerk und auch die tägliche Internetnutzung erhöht sich sehr stark.5 Dennoch ist Facebook nicht das soziale Netzwerk, das von den Jugendlichen heute am stärksten konsumiert wird. Dazu wird aber im Kapitel 2.2.4 mehr folgen.

2.1.1.2 Definition von „Jugendlichen“

Im Folgenden wird definiert, wann ein Jugendlicher eigentlich als „jugendlich“ bezeichnet werden kann. Grundsätzlich kann festgehalten werden, dass sich ein Jugendlicher in einer Phase zwischen der Kindheit und dem Erwachsensein befindet. Die Grenzen dieser Zeitspanne sind nicht immer eindeutig zu bestimmen und hängen wiederum davon ab, welche Fachdisziplin die Jugendphase definiert.

Das Kinder- und Jugendgesetz zum Beispiel besagt im ersten Kapitel, §7, dass ein Jugendlicher ein „Jugendlicher [ist], wer 14, aber noch nicht 18 ist.“6 Demnach beginnt die Jugendlichkeit auch mit der Strafmündigkeit. Biologisch betrachtet, beginnt die Jugend mit dem Eintritt der Pubertät. Im allgemeinen Sprachgebrauch bezeichnet man aber auch gerne das Alter zwischen 13 und 21 Jahren als Jugend. In der Jugend-Information-(Multi-) Media-Studie (JIM-Studie) aus dem Jahre 2005 beispielsweise werden Jugendliche hingegen als Jugendliche im Alter von 12 und 19 Jahren betrachtet.

2.1.2 Beispiele für soziale Medien

Es gibt heute zahlreiche soziale Medien, die von Jugendlichen sowie Erwachsenen genutzt werden, allerdings gibt es bestimmte soziale Netzwerke, die von Jugendlichen favorisiert werden. Dazu gehören – wie in 2.1 schon erwähnt – Facebook, WhatsApp, Instagram und Snapchat. Auf diese Social Media wird in diesem Punkt nähereingegangen, um einen Überblick sowie die Unterschiede und Gemeinsamkeiten dieser bieten zu können.

2.1.2.1 Facebook

Da Facebook das soziale Netzwerk mit der höchsten Nutzerzahl7 ist, wird zuerst auf dieses soziale Netzwerk eingegangen. Auf Facebook können User ihre persönlichen personenbezogenen Daten in ihrem Benutzerprofil veröffentlichen. Das individuelle Nutzerprofil kann man nach Belieben anpassen, indem man Änderungen vornimmt. Beispielsweise kann man auf dem Nutzerprofil ein Profil- und ein Titelbild, das Geburtsdatum, den aktuellen Wohnort, den Arbeitsplatz sowie die Schule, aber auch den Beziehungsstatus sehen, welche man auch ändern kann.

Mark Elliot Zuckerberg, geboren am 14.05.1984 in New York, ist der Gründer und Vorstandsvorsitzender des Unternehmens Facebook Inc.8 Facebook ist womöglich das erste soziale Netzwerk, das den „Gefällt mir“ Button eingeführt hat. Indem man den „Gefällt mir“ Button anklickt bzw. antippt, ist man in der Lage, zu zeigen, dass der ausgewählte Beitrag der Person gefällt. So ein Beitrag kann z.B. in Form eines Fotos, eines Videos oder auch ein selbstverfasster Beitrag sein. Man kann aber auch eine bestimmte Fanseite abonnieren, indem man den „Gefällt mir“ Button anklickt. Heutzutage gibt es neben des „Gefällt mir“ Buttons auch „Reaktionen“, um auf einen bestimmten Beitrag reagieren zu können. „Love“, „Hate“, „Haha“, „Wow“, „Traurig“ sowie auch „Wütend“ sind die Reaktionen, die Facebook seinen Usern zur Verfügung stellt.

Auf der Startseite von Facebook kann man die aktuellsten Aktivitäten seiner Freunde und den Seiten, die man abonniert hat, sehen. Auch die Beiträge, auf die diese reagiert oder sie kommentiert haben, werden auf der Startseite angezeigt. Dennoch muss an dieser Stelle erwähnt werden, dass man das eigene Profil im Hinblick auf Einstellungen, die die eigene Privatsphäre betreffen, anpassen kann. Dazu gehört beispielsweise, dass das Anzeigebild nicht öffentlich für jeden einsehbar ist, Das heißt, jeder Nutzer kann für seine Beiträge Sichtbarkeitseinstellungen vornehmen, bei denen man auswählen kann, ob nur die eigenen Freunde auf Facebook, bestimmte Freunde o.Ä. den Beitrag sehen, kommentieren und auf diesen reagieren oder ein „Like“ hinterlassen können.

Der Nachrichtendienst auf Facebook, auch Messenger genannt, ermöglicht es den Nutzern, mit anderen Nutzern aus aller Welt zu schreiben, diese anzurufen und auch eine Videoübertragung zu starten. Dennoch kann jeder User entscheiden, ob er ein öffentliches Profil hat, so dass ihm Personen aus aller Welt schreiben können. Er kann sich aber auch für ein privates Profil entscheiden, bei dem nur die eigenen Facebook-Freunde schreiben können.

2.1.2.2 WhatsApp

Auch der simple Instant Messenger mit dem bekannten grünen Icon gehört dem Gründer der Plattform Facebook, nämlich Mark Zuckerberg. Die Smartphone-App ist heutzutage so gut wie auf jedem Smartphone installiert und wird tagtäglich dazu verwendet, um mit Freunden, der Familie usw. zu kommunizieren. WhatsApp hat das klassische Versenden von SMS9 -Nachrichten abgelöst und dient dazu, Textnachrichten, Fotos, Videos sowie auch Sprachaufnahmen über eine Internetverbindung an Personen aus dem Adressbuch zu versenden. Es können Nachrichten mit zahlreichen Emoji-Symbolen versehen werden. Auch sehr beliebt ist hierbei die Erstellung einer Gruppe mit mehreren WhatsApp-Nutzern, mit denen man gleichzeitig kommunizieren und Inhalte teilen kann.10 Neuerdings besteht auch die Möglichkeit, einen „Status“ zu teilen. Dieser ist eine Meldung, die für 24 Stunden von anderen WhatsApp Usern angeschaut werden kann, abhängig davon, für welche Personengruppe diese veröffentlicht wurde. Auch eine „Info“ kann geteilt werden, um sein Profil näher zu beschreiben. Diese ist sogar länger als 24 Stunden zu sehen. WhatsApp ist heutzutage das soziale Netzwerk, das bei den meisten Menschen am beliebtesten ist, vor allem aber bei Jugendlichen, darauf wird aber in den späteren Punkten genauer eingegangen.

2.1.2.3 Instagram

Instagram wurde von Kevin Systrom und Mike Krieger im Jahr 2010 entwickelt und vor wenigen Jahren ebenfalls von Mark Zuckerberg gekauft, weshalb Instagram auch zum Unternehmen Facebook gehört. Es handelt sich bei diesem sozialen Netzwerk um einen werbefinanzierten Onlinedienst, welcher Facebook recht ähnelt, denn auch hier kann man Fotos und Videos teilen, welche dann im persönlichen Nutzerprofil sowie auf der Startseite zu sehen sind. Man kann hierbei die Fotos, ähnlich wie in anderen vergleichbaren Social Media veröffentlichen. Der Unterschied hierbei ist jedoch, dass man keine Freunde, sondern Abonnenten hat. Über die „Direct-Message“ Funktion ist es möglich, Nutzer aus aller Welt zu kontaktieren. Ebenfalls eine Funktion, die von vielen Nutzern verwendet wird, ist das Hochladen einer „Story“, also eines Fotos oder Videos, das wiederholt für 24 Stunden angesehen werden kann.

Zudem wird Instagram auch von zahlreichen Unternehmern sowie sogenannten „Influencern“ verwendet und ist daher als soziales Netzwerk bei Jugendlichen sehr beliebt und wird auch von vielen Jugendlichen täglich aktiv genutzt.

2.1.2.4 Snapchat

Die App „Snapchat“ ist heutzutage bei den meisten Jugendlichen sehr beliebt. Mithilfe dieser App kann man über Fotos und Videos kommunizieren, aber auch ein Chatfenster kann geöffnet werden. Vor allem wird aber die Kommunikation über Fotos und Videos bevorzugt. Die Fotos und Videos kann man mit verschiedenen Filtern versehen und die Zeitdauer einstellen, die lange der Empfänger das Foto betrachten kann (zwischen 1-10 Sekunden oder unendlich lang) und eben ein Textfeld hinzufügen. Diese kann man dann an ausgewählte Freunde schicken. Der Empfänger des Fotos/ Videos kann das gesendete Foto oder Video allerdings nur höchstens zweimal ansehen, danach wird es vom Server sowie vom Smartphone permanent gelöscht, es sei denn, der Empfänger macht ein Bildschirmfoto vom gesendeten Foto. Falls dies der Fall sein sollte, bekommt der Sender jedoch eine Benachrichtigung, dass der Empfänger vom gesendeten Foto einen Screenshot 11 erstellt hat.

Für jeden Schnappschuss, den man sendet, bekommt man einen sogenannten Punkt im „Snap-Score“, der zeigt, wie viele Fotos bzw. Videos insgesamt verschickt worden sind. Viele Jugendliche vergleichen ihren Snap-Score auch miteinander.

2.2 Der heutige Wandel der Mediennutzung bei Jugendlichen

2.2.1 Der Besitz von elektronischen Geräten Jugendlicher

Im Jahre 2017 hat die JIM-Studie12 im Zeitraum vom 26. Mai bis 28. Juni 2015 eine Studie durchgeführt, in der ca. 6,24 Mio. Jugendliche im Alter von zwölf bis neunzehn Jahren in ganz Deutschland telefonisch befragt (CATI)13 wurden, wie der Besitz von Geräten bei ihnen zu Hause ausgestattet ist. Die Feldarbeit und Datenprüfung lagen beim Institut GfK (Growth from Knowledge) Enigma in Wiesbaden.

Zunächst wird festgestellt, dass die Jugendlichen heutzutage in Haushalten aufwachsen, die reich an elektronischen Geräten ausgestattet sind. Mit knapp 100% sind alle Haushalte ausreichend mit elektronischen Geräten versorgt. Entsprechend der umfangreichen Haushaltsausstattung an elektronischen Geräten ist auch die individuelle Nutzung der medialen Geräte sehr hoch bei den Jugendlichen. Vor allem werden das Handy bzw. das Smartphone sowie der Computer und das Internet täglich im Alltag benutzt.14

Betrachtet man die Grafik zum Gerätebesitz aus dem Jahr 2017 (siehe Abbildung 1), wird deutlich, dass so gut wie jeder Jugendlicher zwischen zwölf und neunzehn Jahren ein eigenes Smartphone (97%) besitzt. Ca. 69% der Jugendlichen sind Besitzer eines eigenen Laptops oder Computers. Es ergibt sich auch, dass 9 von 10 Jugendlichen dazu fähig sind, von ihrem Zimmer aus im Internet zu surfen, selbst wenn sie über keinen eigenen Computer oder Laptop verfügen, da ihnen ein „Familienlaptop“ oder das Tablet (29%) zur Verfügung steht, mit dem sie ständigen Internetzugriff haben. Weiterhin besitzen knapp 53% einen eigenen Fernseher, davon 17% sogar einen mit Internetzugang. Die Hälfte der befragten Jugendlichen besitzt ein Radio (51%) und eine Spielkonsole (47%) in ihrem Zimmer. Nur der E-Book-Reader ist das technische Gerät, das am wenigsten verbreitet ist, mit nur 12%, gefolgt von der Streaming-Box mit 7% und dem Radiogerät mit Internetzugang mit einem Prozentansatz von 5%.15

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 1 "Gerätebesitz Jugendlicher 2017".16

Vergleicht man diese Daten zur JIM-Studie aus dem Jahr 2016, erkennt man eine Steigerung der Besitzrate des Smartphones, der festen Spielkonsole, des Fernsehgeräts mit Internetzugang, des E-Book-Readers und des Radiogeräts mit Internetzugang. Dagegen ist vor allem die Besitzrate des Computers/Laptops, Fernsehgeräts und des Radiogeräts gesunken, was aber wahrscheinlich an den hoch technologischen Features der Smartphones zurückzuführen ist.

In der Grafik sind nur geringe Unterschiede in der Besitzrate von Jugendlichen zwischen den Geschlechtern zu erkennen, mit Ausnahme der vorhersehbaren Unterschiede hinsichtlich der Besitzrate des Computers (Jungen: 41%, Mädchen: 16%) sowie der festen Spielkonsole (Jungen: 63%, Mädchen: 31%).17 Es gibt auch keine bemerkenswerten Unterschiede zwischen den jüngsten und den ältesten Befragten, außer beim Besitz eines Laptops (12-13 Jährige: 33% und 18-19 Jährige: 66%), Fernseh- (12-13 Jährige: 35% und 18-19 Jährige: 62%) sowie Radiogeräts (12-13 Jährige: 61% und 18-19 Jährige: 49%).18

Im Hinblick auf die Bildungsstufen lassen sich keine nennenswerten Unterschiede in Betracht des Smartphone-Besitzes sowie des Besitzes von tragbaren Spielkonsolen, Tablets, Computern, Radios usw. feststellen. Allerdings lassen sich Differenzen feststellen von gymnasialen Jugendlichen in ihrem Besitz von Laptops (Haupt-/Realschule: 45%, Gymnasium: 56%), ihrem eigenen Radio (Haupt-/Realschule: 46%, Gymnasium 54%), MP3-Player (Haupt-/Realschule: 36%, Gymnasium: 45%) und E-Book-Reader (Haupt-/Realschule: 6%, Gymnasium: 15%), da sie diese elektronischen Geräte häufiger besitzen als Haupt- und Realschüler/innen. Jugendliche mit einem niedrigeren Bildungshintergrund besitzen dafür öfter Geräte wie einen Fernseher (Haupt-/Realschule: 61%, Gymnasium: 49%) und eine feste Spielkonsole (Haupt-/Realschule: 53%, Gymnasium: 44%).19

2.2.2 Situation der Jugendlichen in der heutigen Gesellschaft

Bevor im weiteren Verlauf die Wirkung der Medien auf die Jugendlichen untersucht werden kann, um anschließend die Konsequenzen des Medienkonsums darzustellen, sollte auf die Situation Jugendlicher in der heutigen Gesellschaft näher eingegangen werden.

Man kann beobachten, dass die Jugendlichen den neuen Medien gegenüber sehr offen sind und intuitiv einen – aus rein technischer Perspektive heraus betrachtet – „guten“ Umgang mit ihnen beherrschen. Daraus wird meistens auf eine besondere Medienabhängigkeit geschlossen und damit einhergehend auch die Befürchtung negativer Einflüsse.20 Tatsächlich ist jedoch das Verhältnis der Jugendlichen zu den Medien ambivalent: Es herrscht zwar eine intensive Mediennutzung, aber die Jugendlichen entwickeln spezifische Umgangsweisen mit den Medien, sodass zwar auf Suchtpotenzial, aber nicht zwingend auf Medienabhängigkeit geschlossen werden sollte.

Die Medien erfüllen für die Jugendlichen eine „Zeitfüller-Funktion“, Integrations- und Meinungsbildungs-Funktion sowie Informations-Funktion.21 Weiterhin beschäftigen sie sich mit Medien aus Neugier, um Frustration zu vermeiden oder auch, um aus der Realität zu flüchten.

Die Jugendlichen wachsen in einer Gesellschaft auf, in welcher traditionelle Normen und Werte immer mehr an Überzeugungskraft verlieren und der Aspekt der Individualisierung zunimmt. Auch Mobilität und Bewegung im Sinne einer generellen Beschleunigung bestimmen immer deutlicher den Lebensalltag. Die Jugendlichen befinden sich mehr und mehr in einem Spannungsschema, denn das Lebensgefühl von Action, Thrill und Stimulation, der Drang nach „größer, wilder, neuer, mehr“ prägen den persönlichen Verhaltensstil der Menschen immer mehr.22 Gleichzeitig verändert sich auch der Charakter der Familie, zum einen durch die vielen verschiedenen Arten von Familienkonstellationen, wie Patchwork -, Stief-, Adoptiv-, Pflege- und Familien mit gleichgeschlechtlichem Elternpaar, die in unserer Gesellschaft immer häufiger auftreten und vor allem die Jugendlichen beeinflussen, zum anderen dadurch, dass die Familie „offener“ für die Umwelt wird und den Trend einer „Tätigkeits- und Interessengemeinschaft“ aufnimmt.23 Giesecke stellt einen Funktionsverlust der familiären Erziehung durch „verloren gegangene Macht über die Zukunft der Kinder, die Dominanz der Sozialisation durch Massenmedien und Gleichaltrige auf Kosten persönlich verantworteter Erziehung“24 fest.

Baacke erklärt die Veränderungen von Kindheit und Jugend in seinem Werk „Medienpädagogik“ aus dem Jahr 1997 ebenfalls durch den sozialen Wandel, den die Medien mit sich bringen. War vorher noch ein geschützter Raum des Aufwachsens, voller Spielräume und Abenteuer vorhanden, der Selbstständigkeit und Selbstverantwortung förderte, ist dieser in der Moderne kaum mehr denkbar.25 Selbst Jugendliche leben nach einem strengen Terminkalender, die sogenannte „Freizeit“ ist mit Kursen und Programmen durchgeplant. Seiner Meinung nach ist dies vor allem auf die Beschleunigung der Lebensrhythmen, Geschwindigkeiten auf den Straßen, wachsende Verkehrs- und Kommunikationsdichte zurückzuführen. Der Zwang, alles in Zeitnot zu erledigen, färbt auch auf die Heranwachsenden ab. Durch Reisen in Bussen und Zügen lernen sie, flüchtige Bilder zu erkennen, anstatt die Wahrnehmung detailreich zu gestalten, denn dies bedarf einer besonderen Ruhe, die wiederum Anstrengung bedeutet.26 All diese Veränderungen durch die neuen Medien in der heutigen Gesellschaft bedürfen pädagogischer Maßnahmen, welche die „Grundlage einer fruchtbaren pädagogischen Auseinandersetzung mit Jugend und Medien“27 schaffen soll.

Im Vergleich dazu, sah das Leben der Jugendlichen vor über 50 Jahren noch ganz anders aus. Die Jugendlichen waren dazu gezwungen, für den Schulweg kilometerweite Strecken zu laufen. Das, was die Jugendlichen in der heutigen Gesellschaft als selbstverständlich ansehen, war zu dieser Zeit keineswegs „normal“. Die Jugendlichen vor über 50 Jahren durften nur einmal in der Woche ein Bad in einer Zinkwanne nehmen, und zwar so, dass mehrere Personen hintereinander im selben Wasser gewaschen wurden. Bei unerwünschtem Verhalten – auch in der Schule – drohten den Jugendlichen physische Gewalt in Form von Schlägen, da viel Wert auf „Disziplin, Ordnung, Fleiß und Pünktlichkeit“28 gelegt wurde. Dennoch wurden die Schülerinnen und Schüler nicht einmal ansatzweise so stark gebildet wie die Jugendlichen der Moderne es genießen können. Es wurde ein stärkerer Fokus auf praktische Gegebenheiten gelegt, die den Hausmädchen begegnen. Vieles wurde den weiblichen Jugendlichen untersagt, wie beispielsweise sich zu schminken oder freizügig zu kleiden. Die Jugendlichen lebten so detailreich, dass sie jeden Moment tatsächlich genießen konnten, anders als die Jugendlichen heute. An Medien tasteten sich die Jugendlichen kaum oder nur ängstlich heran. Soziale Medien gab es nicht, aber die Möglichkeit, mit ihren Freunden in Kontakt zu bleiben, hatten sie: nämlich in der Schule oder als Treffen auf dem Feld, um bestimmte geschlechtsspezifische Spiele zu spielen.29

Es wurde sehr viel Zeit mit der Familie verbracht und es war strengstens untersagt, sich den Eltern zu widersetzen, denn dann drohte wieder physische Gewalt. Selbst Eltern mit einem höheren Status verwöhnten ihre Kinder nicht mit teuren Marken oder bestimmten Medien, im Vergleich zu heute. Stattdessen wurden diese in Näh- oder Strickkursen angemeldet, während die Kinder aus bäuerlichem Milieu in der Natur spielten oder mit den Tieren aus dem Bauernhof Zeit verbrachten.30

Es wird klar, dass sich der Blick auf die Welt und auch auf Verhaltensweisen etc. geändert hat. Wahrscheinlich würden sich die Jugendlichen der Moderne nicht wünschen, als Jugendlicher vor 50 Jahren leben zu wollen, aber auch die Jugendlichen vor 50 Jahren – heute als die ältere Generation bekannt – würde wahrscheinlich nicht wollen, als Jugendlicher der Moderne aufzuwachsen.

2.2.3 Jugendliche und die Nutzungsdauer sozialer Medien

Die folgenden Ergebnisse beziehen sich auf die Ergebnisse der DAK-Studie, welche Kinder und Jugendliche zwischen 12 und 17 Jahren nach ihrer Nutzungsdauer in den sozialen Medien im Allgemeinen und ihre Nutzungsdauer in ihrem favorisierten sozialen Netzwerk befragt hat, wobei hierbei auch die Kinder zwischen 12 und 13 Jahren zu den Jugendlichen gezählt werden.

Die durchschnittliche Nutzungsdauer von sozialen Netzwerken pro Tag liegt dabei bei ca. 3. Stunden, 166 Minuten, um genau zu sein (siehe Abbildung 2). Dabei wurde festgestellt, dass Mädchen die sozialen Medien viel häufiger nutzen als Jungen, da 20% der gesamten befragten männlichen Jugendlichen vier oder mehr Stunden in den Social Media verbringen, während der Anteil der Mädchen bei 30% liegt. 18% der Jungen verbringen am Tag unter 60 min in den Social Media, bei den Mädchen sind es dagegen 10%. 22% der Jungen verbringen zwischen einer bis weniger als zwei Stunden in den sozialen Netzwerken, Mädchen dagegen 21%. Zwei bis unter drei Stunden am Tag verbringen 22% der Mädchen und 21% der Jungen und drei bis unter vier Stunden am Tag verbringen 17% der Mädchen und 19% der Jungen. Insgesamt lässt sich feststellen, dass die Jugendlichen mehrere Stunden am Tag in den sozialen Netzwerken verbringen, allerdings steigt die Nutzungsdauer erst rasant mit zunehmendem Alter.31

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 2: Nutzungsdauer soziale Medien.32

Bemerkenswert ist dabei, dass Jugendliche, die eine höhere Bildungsstufe anstreben bzw. das Abitur bereits absolviert haben, eine geringere Nutzungsdauer von sozialen Netzwerken aufweisen (Mittelwert: 149,2 Minuten pro Tag) im Vergleich zu Jugendlichen, welche einen mittleren oder niedrigeren Schulabschluss anstreben (Mittelwert: 206,6 Minuten pro Tag).33

2.2.4 Die beliebtesten sozialen Netzwerke der Jugendlichen

Das meistgenutzte soziale Medium ist die Smartphone-App „WhatsApp“, welche insgesamt von 66% aller Jugendlichen genutzt wird. Das soziale Medium Instagram folgt nach dem Spitzenreiter WhatsApp, allerdings mit nur 14%, Snapchat mit 9%, Facebook mit 2% und Google+ mit nur einem Prozent. Weitere soziale Medien wie Pinterest, Twitter, Blogs oder Weblogs sowie Foren werden zu 0% von den Jugendlichen genutzt.34

In Abhängigkeit vom Geschlecht lassen sich einige Unterschiede erkennen, allerdings keine allzu großen, außer bei dem sozialen Medium Instagram, das von Jungen nur zu 11% genutzt wird, von Mädchen dagegen zu 18%.

Ganz klar wird WhatsApp von mehr als 60% der Mädchen und Jungen genutzt, wodurch kein großer Unterschied zu erkennen ist. Mädchen dagegen nutzen ihr favorisiertes soziales Medium gerne für mehrere Stunden, anders als Jungen. 11% der Mädchen nutzen ihr Lieblingsmedium unter 30 min, 24% davon 30 - <60 min, 31% 1 - <2 Stunden, 19% 2 - <3 Stunden und 15% 3 oder mehr Stunden. Bei den männlichen Jugendlichen sieht es anders aus: 20% nutzen ihr Lieblingsmedium unter 30 min, 30% 30 - <60 min, 28% 1 - <2 Stunden, 14% 2 - <3 Stunden und 8% 3 oder mehr Stunden35 (siehe Abbildung 3). Insgesamt verbringen 16% der Jugendlichen zwischen 1 - 29 min in ihrem favorisierten sozialen Netzwerk, 27% davon 30 - 59 min, 29% 60 - 119 min, 16% 2 bis weniger als 3 Stunden und 12% 3 oder mehr Stunden.36

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 3: Nutzungsdauer des Lieblingsmediums – geschlechterspezifisch.37

Erneut ist feststellbar, dass Jugendliche, die den Realschulabschluss anstreben, mehr Zeit in ihrem favorisierten sozialen Netzwerk verbringen (Mittelwert: 112,4 Minuten pro Tag) als Jugendliche, die die Hochschulreife anstreben (78,4 Minuten pro Tag).38

2.3 Zusammenhang zwischen Identität und medialen Bezugspersonen

2.3.1 Soziale Netzwerke als Instanz zur Identitätsbildung

„Wer bin ich?“ oder auch „Wer will ich sein?“ sind Fragen, mit denen sich Jugendliche ständig auseinandersetzen, da sie nicht einfach zu beantworten sind in einer Gesellschaft, in der ein breites Spektrum an Möglichkeiten existiert, sich zu entfalten. Die Adoleszenz, das Ende des Jugendalters, stellt den entscheidenden Lebensabschnitt dar, in der die Jugendlichen dazu fähig werden, eine eigene Identität herauszubilden. In dieser Phase, nachdem der Körper ausgewachsen, das Geschlecht ausgereift und auch Bezugspersonen ins Leben eingeschlossen werden, bewerten Jugendliche ihre alten Orientierungen neu, d.h. es sind neue Erfahrungen vonnöten, um ein „ neues Ich “ bilden zu können. Während dieser Identitätsbildung sind gesellschaftliche Werte und ihre Vorgaben sowie die Orientierung an der Umwelt von großer Bedeutung für die Jugendlichen.

Nun stellt sich die Frage, welche Werte und Absichten die heutige Gesellschaft den Jugendlichen tatsächlich vermittelt. Hier kommen die sozialen Medien ins Spiel, da in unserem multimedialen Zeitalter die sozialen Medien eine große Rolle spielen und als eine Orientierungsfunktion dienen. Ab dem Jugendalter realisieren Jugendliche meist, dass sie frei von jeglichen äußeren Einflüssen sein, selbstbestimmend leben und manipulationsfreie Entscheidungen treffen möchten. Kann dies aber überhaupt in einer Zeit möglich sein, in der der Alltag durch die sozialen Netzwerke so stark geprägt ist? Orientiert sich das Individuum nicht mehr nur an der Medienwelt oder ist es schon gar die Marionette der sozialen Netzwerke geworden?

Die sozialen Netzwerke und die Medien prägen und verändern die Denkstrukturen und folglich auch unbewusst die Handlungsstrukturen der Menschen, ohne dass der Mensch dies merkt. Auch Identitätsstrukturen werden eingenommen, sei es bewusst oder unbewusst. Besonders bei Kindern und Jugendlichen ist dies der Fall, da sie aufgrund ihrer Verwendung von sozialen Netzwerken wie WhatsApp, Facebook, Instagram und Co. von dieser Welt eingenommen werden. Für sie stellen die sozialen Netzwerke eine Art weitere traditionelle Instanz wie die Schule, die Familie, Freunde etc. dar, um eine eigene Identität ausbilden zu können, da soziale Netzwerke für sie als Sozialisationsinstanz fungieren. Die Heranwachsenden finden neben den Massenmedien auch in den sozialen Netzwerken mithilfe von Influencern Werte, Normen sowie Rollenbilder, die sie aufnehmen und verarbeiten. Dadurch können sie verschiedene Identitäten nacheinander ausprobieren und für sich selbst entscheiden, ob sie diese Identitätsstrukturen aufnehmen oder doch verwerfen wollen.39 Sie nutzen die sozialen Medien als Ort, an dem sie Erfahrungen sammeln können. Nämlich Erfahrungen durch beispielsweise Influencer, die Möglichkeiten aufzeigen, eine Identität auszubilden. In Conclusio lässt sich also verifizieren, dass soziale Medien die Identität (mit-)stiften.

2.3.2 Auswirkung von Influencern in sozialen Medien auf Jugendliche

Vorab wird, bevor genauer auf den Einfluss der Influencer auf die Jugendlichen eingegangen wird, der Begriff „Influencer“ erläutert, um sich ein besseres Bild von der Definition machen zu können, die hier in diesem Punkt gemeint ist. Anschließend wird auf die Auswirkung der Influencer in sozialen Medien eingegangen, um darstellen zu können, was die Influencer bei Jugendlichen auslösen.

Laut Chaffey und Smith ist ein Influencer jemand, der sich „durch soziale Autorität, Vertrauenswürdigkeit, Hingabe und konsistentes Verhalten auszeichnet“40, bei Brows und Hayes dagegen ist er ein „Medium, das Kommunikationsinhalte zu Entscheidungsträgern übermittelt und jene dabei sogar verstärkt“.41 Die Definition eines Influencers laut Brows und Hayes kommt der Definition, die in den nächsten Abschnitten gemeint wird, näher. Vor allem geschieht diese Einflussnahme logischerweise über soziale Netzwerke.

[...]


1 Vgl. https://bmcpublichealth.biomedcentral.com/articles/10.1186/s12889-018-5220-4

2 Wannhoff, Thomas (2011): “Wa(h)re Freunde: Wie sich unsere Beziehungen in sozialen Online-Netzwerken verändern”. Heidelberg: Spektrum Akademischer Verlag, S. 11.

3 Vgl. ebd.

4 Vgl. https://allfacebook.de/toll/state-of-facebook#

5 Vgl. https://www.schau-hin.info/studien/studien-zur-mediennutzung/

6 https://dejure.org/gesetze/SGB_VIII/7.html

7 https://blog.hubspot.de/marketing/social-media-in-deutschland

8 https://de.wikipedia.org/wiki/Mark_Zuckerberg

9 Abkürzung für „Short Messaging Service“ (Kurznachrichtendienst).

10 https://www.sat1.de/ratgeber/sicherheit-im-internet/was-ist-whatsapp

11 Synonym für „Bildschirmfoto“.

12 Vgl. Feierabend, Sabine; Plankenhorn, Theresa; Rathgeb, Thomas (2017): JIM-Studie. Jugend, Information, (Multi-) Media. Basisstudie zum Medienumgang 12- bis 19-Jähriger in Deutschland. Stuttgart: Medienpädagogischer Forschungsverband Südwest (LFK, LMK), S. 7ff.

13 Abkürzung für „Computer Assisted Telephone Interview“.

14 Vgl. ebd. S. 6.

15 Vgl. ebd. S. 8.

16 ebd., S. 9.

17 Vgl. ebd., S. 9.

18 Vgl. ebd., S. 10.

19 Vgl. ebd.

20 Schorb, Bernd (1995): Medienalltag und Handeln. Medienpädagogik im Spiegel von Geschichte, Forschung und Praxis. Opladen: Leske und Budrich, S. 163.

21 ebd., S.166f.

22 Vgl. Moser, Heinz (2019): Einführung in die Medienpädagogik. Aufwachsen im medialen Zeitalter. 6. Auflage. Wiesbaden: VS Verlag für Sozialwissenschaften, S. 105.

23 Vgl. Giesecke (1985), S. 77, zitiert nach Schell/ Schorb (1997), S. 105.

24 Vgl. ebd., S. 105.

25 Vgl. Baacke, Dieter (1997): Medienpädagogik. Grundlagen der Medienkommunikation. Tübingen: Max Niemeyer Verlag, S. 62.

26 Vgl. ebd., S. 62.

27 Schorb, Bernd (1995): Medienalltag und Handeln. Medienpädagogik im Spiegel von Geschichte, Forschung und Praxis. Opladen: Leske und Budrich, S. 169.

28 https://www.waz.de/mediacampus/fuer-schueler/zeus-regional/essen/jugend-frueher-und-heute-id10490511.html

29 ebd.

30 ebd.

31 DAK-Gesundheit (2018): WhatsApp, Instagram und Co. – so süchtig macht Social Media. DAK-Studie: Befragung von Kindern und Jugendlichen zwischen 12 und 17 Jahren. Berlin, S. 8.

32 ebd., S. 8.

33 ebd., S. 9.

34 ebd., S. 10.

35 ebd., S. 12.

36 ebd., S. 12.

37 ebd., S. 12.

38 ebd., S. 13.

39 Karstädter, Markus (2013): Zwischen Facebook und den Topmodels. Jugendliche Identitätssuche und die Medien. In: Newsletter Nr. 21 der Initiative für werteorientierte Jugendforschung, S. 7f.

40 Vgl. Chaffey, Dave; Smith, P.R. (2008): „eMarketing eXchellence: Planning and optimizing your digital marketing“. Oxford (UK): Butterworth-Heinemann, S. 185.

41 Vgl. Brown, Duncan; Hayes, Nick (2011): „Influencer marketing. Who really influences your customers?”. London (UK): Taylow & Francis, S. 141f.

Ende der Leseprobe aus 76 Seiten

Details

Titel
Einfluss sozialer Medien auf Jugendliche. Zusammenhang zwischen Identität und medialen Bezugspersonen
Hochschule
Justus-Liebig-Universität Gießen  (Institut für Soziologie)
Note
12 Punkte
Jahr
2019
Seiten
76
Katalognummer
V920374
ISBN (eBook)
9783346284525
ISBN (Buch)
9783346284532
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Jugendliche Einfluss soziale Medien Social Media Facebook Instagram WhatsApp Snapchat
Arbeit zitieren
Anonym, 2019, Einfluss sozialer Medien auf Jugendliche. Zusammenhang zwischen Identität und medialen Bezugspersonen, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/920374

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