Prostitution ist ein sehr medienwirksames Thema. Es ist überall und jeder Zeit präsent, nicht nur in Deutschland. Dabei ist es interessant zu sehen, wie das Thema Prostitution auch außerhalb Deutschlands behandelt wird und vor allem wie es rechtlich gehandhabt wird.
In dieser Hausarbeit interessieren vor allem die beiden Länder Schweden und die Niederlande. Schweden, weil hier die Prostitution als ein Straftatbestand behandelt wird und die Niederlande, weil hier Prostitution als Gewerbe angemeldet werden und von jedermann frei ausgeübt werden kann.
Hauptfragestellung dieser Hausarbeit wird sein: Wodurch unterscheidet sich das Wesen der Prostitution in den Niederlanden von dem in Schweden? Und wie kommt es, dass sich das „älteste Gewerbe der Welt“ in diesen beiden Ländern in Hinblick auf den heutigen Umgang damit so unterschiedlich entwickelt hat?
Zu diesem Zweck soll zunächst eine kurze Einführung in die Geschichte der Prostitution gegeben werden. Hierbei werde ich mich auf das antike Rom, das frühe Byzanz, das Hochmittelalter mit einem kurzen Ausflug zu den Ansichten von Thomas von Aquin sowie die viktorianische Gesellschaft in England beschränken.
In einem nächsten Schritt gilt es vor diesem Hintergrund die heutige Lage der Prostitution in den Niederlanden und in Schweden zu betrachten, wobei vor allem herausgearbeitet werden soll, worin genau die Unterschiede in der Handhabung bestehen und warum die beiden Länder solch differenzierte Umgangsweisen mit diesem sozialen Phänomen haben. Vor allem Schweden als eines der liberalsten Länder in sozialen Fragen ist hier von Interesse.
Unter Rückgriff auf die dargestellte Entwicklung der Prostitution in den oben angesprochenen historischen Epochen soll ferner verdeutlicht werden, warum Schweden mit seiner Handhabung einen ziemlichen Extremfall in Europa und der Welt darstellt.
Das abschließende Fazit soll zunächst zusammenfassend reflektieren sowie offene Fragen und Hinweise ansprechen.
Inhaltsverzeichnis
1. Einführung
2. Prostitution in verschiedenen historischen Epochen
2.1 Antikes Rom
2.1.1 Rechtliche und soziale Stellung der Prostituierten
2.2 Frühes Byzanz
2.2.1 Rechtliche und soziale Stellung der Prostituierten
2.3 Prostitution im Hochmittelalter – Thomas von Aquin
2.4 Prostitution in der viktorianischen Gesellschaft
3. Prostitution heute
3.1 Das Beispiel Schweden
3.2 Das Beispiel Niederlande
4. Ursachen der Entwicklung
4.1 Schweden
4.2 Niederlande
5. Fazit
6. Literaturverzeichnis
Microsoft Encarta 99 Enzyklopädie. CD-Rom.
Zielsetzung und Themenfelder
Die vorliegende Arbeit untersucht das unterschiedliche Wesen der Prostitution in Schweden und den Niederlanden, um zu ergründen, warum sich der Umgang mit diesem sozialen Phänomen in zwei vergleichbaren europäischen Ländern derart divergent entwickelt hat. Dabei wird analysiert, inwieweit politische Zielsetzungen und gesellschaftliche Werthaltungen zu diesen extremen Gegensätzen – vom Verbot bis zur Legalisierung – führen.
- Historische Entwicklung der Prostitution (Antike bis 19. Jahrhundert)
- Rechtlicher Status der Prostitution in Schweden (Verbot des Kaufs)
- Rechtlicher Status der Prostitution in den Niederlanden (Legalisierung)
- Ideologische Ursachen des unterschiedlichen Umgangs mit Prostitution
- Zusammenhang zwischen Frauenrechten, Gleichstellung und Prostitutionspolitik
Auszug aus dem Buch
3.1 Das Beispiel Schweden
Seit dem 1. Januar 1999 ist der Kauf von sexuellen Dienstleistungen in Schweden ohne Ausnahme verboten; Freier machen sich strafbar, wenn sie die Dienste einer Prostituierten in Anspruch nehmen. Es muss betont werden: Nur der Kauf von sexuellen Dienstleistungen ist strafbar, nicht das Anbieten: „Sweden outlaws the buying, not the selling of sex“ (Wordiq 2004). Die Prostitution selbst bleibt also legal. Wenn diese Handhabung auch von vielen als widersprüchlich aufgefasst wird, so halten die Schweden vehement an ihrer Auffassung fest.
Interessanterweise gehörte Schweden allerdings schon immer zu jenen europäischen Ländern, in denen das Ausmaß der Prostitution relativ überschaubar war. Zudem gab es intensive soziale Programme, die Betroffenen helfen sollten, einen Weg aus der Prostitution zu finden (Prostitution in Sweden). Warum also gerade dieses Land den vergleichbar radikalen Weg aus der „Misere“ sucht, soll im vierten Kapitel näher erläutert werden.
Das Gesetz wurde auf der anderen Seite jedoch auch nicht einfach über Nacht kreiert. Es dauerte mehr als 20 Jahre bis es in der heute existierenden Form verabschiedet werden konnte. In diesem Prozess kamen viele Vorschläge auf den Tisch, so zum Beispiel auch der Gedanke, dass sich sowohl die Prostituierte als auch der Freier strafbar machen. Diese Auffassung hat sich jedoch, wie wir heute wissen, nicht durchgesetzt.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einführung: Die Einleitung umreißt die mediale Präsenz des Themas Prostitution und stellt die zentrale Forschungsfrage nach den Ursachen für die unterschiedlichen Ansätze in Schweden und den Niederlanden.
2. Prostitution in verschiedenen historischen Epochen: Dieses Kapitel gibt einen historischen Überblick über den Status von Prostituierten im antiken Rom, Byzanz, dem Hochmittelalter und der viktorianischen Zeit mit Fokus auf ihre soziale und rechtliche Stellung.
3. Prostitution heute: Hier wird der aktuelle Umgang mit Prostitution in Schweden und den Niederlanden als zwei extreme Gegenpole innerhalb der europäischen Politik gegenübergestellt.
4. Ursachen der Entwicklung: Die Analyse untersucht die ideologischen Hintergründe, insbesondere den Einfluss der Frauenbewegung auf die Gesetzgebung in Schweden im Vergleich zur liberaleren, ökonomisch orientierten Haltung der Niederlande.
5. Fazit: Das Fazit reflektiert die Ergebnisse der Arbeit und bewertet die unterschiedlichen Interpretationen des Gleichstellungsgedankens in beiden Ländern kritisch.
Schlüsselwörter
Prostitution, Schweden, Niederlande, Gesetzgebung, Frauenbewegung, Menschenhandel, Trafficking, Gleichstellung, soziale Stellung, historischer Rückblick, Sexualität, Prostituierte, Geschlechterrollen, Rechtssystem, Soziologie.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit grundlegend?
Die Arbeit analysiert die extrem unterschiedlichen rechtlichen und gesellschaftlichen Umgangsweisen mit Prostitution in Schweden und den Niederlanden.
Was sind die zentralen Themenfelder der Untersuchung?
Die Schwerpunkte liegen auf dem rechtlichen Status der Prostitution, dem historischen Wandel der Wahrnehmung und den soziopolitischen Beweggründen für die gewählten Regulierungsansätze.
Was ist das primäre Ziel der Forschungsarbeit?
Das Ziel ist es, die Unterschiede zwischen dem schwedischen Verbot des Kaufs sexueller Dienstleistungen und der niederländischen Legalisierung als Gewerbe zu erklären und die zugrunde liegenden Wertesysteme aufzudecken.
Welche wissenschaftliche Methode wird primär angewandt?
Die Arbeit nutzt eine historisch-vergleichende Methode sowie die Analyse soziologischer und politischer Diskurse zur Einordnung der unterschiedlichen Landesmodelle.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in eine historische Aufarbeitung der Prostitution und eine detaillierte Gegenüberstellung der modernen Gesetzgebungsansätze in Schweden und den Niederlanden.
Welche Schlüsselbegriffe charakterisieren die Arbeit?
Wesentliche Begriffe sind "Prostitution", "Gleichstellung", "Trafficking", "Staatliche Regulierung" und "Frauenbewegung".
Warum verfolgt Schweden einen so radikalen Ansatz bei der Prostitution?
Schweden sieht Prostitution als Form männlicher Gewalt gegen Frauen an; das Verbot soll die Ungleichheit der Geschlechter bekämpfen und das Prinzip "Körper als Ware" negieren.
Inwiefern unterscheiden sich die Niederlande in ihrer Zielsetzung von Schweden?
Die Niederlande verfolgen eine ökonomisch orientierte Strategie, indem sie Prostitution als Beruf anerkennen, um Prostituierte in das soziale Sicherungssystem zu integrieren und gegen Ausbeutung zu schützen.
- Quote paper
- Andrea Dauber (Author), 2004, Das Wesen der Prostitution in Schweden und den Niederlanden, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/92049