In dieser Hausarbeit aus dem Bereich Politische Ideengeschichte wird aufgezeigt, dass die Deutsche Demokratische Republik zu Beginn ein totalitäres Regime war, das sich mit der Zeit in ein autoritäres umwandelte.
Hierbei wird vor allem Bezug genommen auf die Autoritarismus-Theorie von Juan J. Linz. Zudem werden kurze Definitionen und Beschreibungen der Begriffe Totalitarismus und Autoritarismus von verschiedenen Totalitarismus-Forschern vorgestellt. Es gibt wenige Aussagen, die die hervorstechenden politischen Merkmale des 20. Jahrhunderts so treffend beschreiben wie die Feststellung, dass sich in ihm die größten und stabilsten Demokratien, aber auch die totalitärsten und die Gesellschaft am meisten durchdringenden Diktaturen gebildet haben. Es verwundert nicht, dass sich vor diesem Hintergrund auch alles dazwischen ausbildete. Um einen Aspekt, eine Ausbildungsform dieses "dazwischen" geht es in dieser Hausarbeit. Es stellt sich nämlich die Frage, wie Systeme zu bewerten und als was zu bezeichnen sind, die sich weder in die Kategorie der Demokratie einordnen lassen, sondern eindeutig Diktaturen zu sein scheinen, noch aber vollständig als "totalitär" betrachtet werden können, da ihnen bestimmte, totalitären Diktaturen immanente Strukturen fehlen.
Inhaltsverzeichnis
1 Einleitung
2.Totalitarismus-Theorien
2.1. Der Autoritarismus-Begriff nach Juan J. Linz
2.2. Autoritäre posttotalitäre Regime
3. Totalitäre und autoritäre Diktatur-Merkmale der DDR
4. Schlussbetrachtung
5. Literatur
Zielsetzung & Themen
Diese Arbeit untersucht die politische Klassifizierung der Deutschen Demokratischen Republik (DDR) anhand der Theorien von Totalitarismus und Autoritarismus. Ziel ist es zu analysieren, ob sich das Herrschaftssystem der DDR über ihre gesamte Existenzdauer als einheitliches Modell beschreiben lässt oder ob ein Wandel von totalitären hin zu autoritären, posttotalitären Strukturen stattfand.
- Vergleichende Analyse von Totalitarismus- und Autoritarismus-Konzepten nach Juan J. Linz
- Untersuchung der Repressionsmechanismen und der staatlichen Ideologisierung in der DDR
- Analyse des Wandels der Herrschaftsausübung zwischen den Ulbricht- und Honecker-Ären
- Bewertung der Rolle von Opposition, Kirchen und gesellschaftlicher Apathie
- Einordnung der DDR als hybrides politisches System
Auszug aus dem Buch
2.2. Autoritäre posttotalitäre Regime
Dieser Begriff bezieht sich v.a. auf die ehemals sozialistischen Regime Ost- und Mitteleuropas nach Überwindung des Stalinismus. Im Gegensatz zu den unvollkommenen totalitären und den anderen, niemals totalitär gewesenen sind hierbei bestimmte Elemente in Politik und Gesellschaft, die aus der Zeit der totalitären Phase resultieren, erhalten geblieben. Manche Protagonisten möchten die positiven Aspekte des früheren Regimes fortführen. Auch der Terror der Vergangenheit beeinflusst das Handeln der Akteure.
Nach dem Tode Stalins war eine Konsequenz die Schwächung der Polizei, um eine Wiederholung der „Säuberungen“ zu vermeiden. Der Wunsch nach einer gewissen rationaleren staatlichen Routine und nach Sicherheit führte zu mehr Bürokratie und mehr Vielfalt. Er war von oben diktiert, da man den Anforderungen und Wünschen der Elite mehr als vorher entsprechen wollte. Die Veränderungen konnten aber nur schleichend geschehen, denn sonst hätte das Regime eine Revolution riskiert. Die Führer in den sozialistischen Ländern merkten, dass es effektiver und stabiler für den Bestand des Staates ist, wenn auf eine ständige Mobilisierung verzichtet und die Ideologie den Menschen nicht aufgezwungen wird.
Zusammenfassung der Kapitel
1 Einleitung: Die Einleitung definiert das Forschungsinteresse an der Einordnung der DDR zwischen totalitären und autoritären Herrschaftsformen unter Rückgriff auf die Definitionen von Dirk Berg-Schlosser und Juan J. Linz.
2.Totalitarismus-Theorien: Dieses Kapitel erläutert die wesentlichen theoretischen Grundlagen des Totalitarismus sowie die Abgrenzung zum Autoritarismus-Begriff nach Juan J. Linz.
2.1. Der Autoritarismus-Begriff nach Juan J. Linz: Der Abschnitt präzisiert das Konzept des eingeschränkten Pluralismus, der Mentalität statt Ideologie und des Mangels an Mobilisierung als Kennzeichen autoritärer Systeme.
2.2. Autoritäre posttotalitäre Regime: Hier wird der spezielle Typus des posttotalitären Regimes definiert, der aus einem Transformationsprozess nach dem Stalinismus hervorgeht.
3. Totalitäre und autoritäre Diktatur-Merkmale der DDR: Das Kapitel wendet die erarbeiteten Theorien auf die historische Praxis der DDR an und untersucht den Wandel der Regierungsform im Zeitverlauf.
4. Schlussbetrachtung: Das Fazit fasst zusammen, dass die DDR als hybrides Konstrukt mit einer deutlichen Entwicklung vom totalitären zum posttotalitären autoritären Regime zu bewerten ist.
5. Literatur: Dieses Verzeichnis listet die verwendeten politikwissenschaftlichen Quellen und Standardwerke zur DDR-Geschichte und Diktaturforschung auf.
Schlüsselwörter
DDR, Totalitarismus, Autoritarismus, Juan J. Linz, SED-Diktatur, posttotalitäre Regime, reale Sozialismus, politische Mobilisierung, Herrschaftsstrukturen, Repression, Mauerbau, Ideologie, Systemkritik, Systemwechsel, Diktaturforschung
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit?
Die Arbeit analysiert die politische Beschaffenheit der DDR im Kontext politikwissenschaftlicher Klassifikationen, insbesondere der Unterscheidung zwischen totalitären und autoritären Herrschaftssystemen.
Welche zentralen Themenfelder werden bearbeitet?
Im Zentrum stehen die Totalitarismus-Theorien (nach Friedrich, Brzesinski, Arendt), das Autoritarismus-Konzept von Juan J. Linz sowie deren Anwendung auf die historische Realität der DDR.
Was ist das primäre Forschungsziel?
Das Ziel ist die Beantwortung der Frage, ob das DDR-Regime als einheitliches Modell verstanden werden kann oder ob im Zeitverlauf ein Wandel der Herrschaftsformen stattgefunden hat.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es handelt sich um eine theoretisch fundierte Analyse, die bestehende politikwissenschaftliche Typologien heranzieht, um historische Entwicklungen und Machtstrukturen der DDR zu interpretieren.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die theoretische Begriffsbestimmung des Autoritarismus und Posttotalitarismus sowie deren konkrete Anwendung auf verschiedene Phasen der DDR-Geschichte, von der Ära Ulbricht bis Honecker.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Wichtige Begriffe sind insbesondere der Begriff des posttotalitären Regimes, der eingeschränkte Pluralismus, der gesellschaftliche Rückzug ins Private sowie der Wandel von totalitärer Mobilisierung hin zur administrativen Verwaltung.
Wie unterscheidet Linz zwischen totalitären und autoritären Systemen?
Linz unterscheidet primär durch das Ausmaß des Pluralismus, die Art der Ideologie (bzw. Mentalität) und den Grad der politischen Mobilisierung der Bevölkerung.
Was bedeutet "Posttotalitarismus" im Kontext der DDR?
Der Begriff beschreibt den Zustand nach der Überwindung des Stalinismus, in dem totalitäre Strukturen zwar noch in Teilen fortbestehen (wie die führende Partei), das System aber unflexibler wird, die Ideologie an Bindungskraft verliert und sich die Bevölkerung ins Privatleben zurückzieht.
- Arbeit zitieren
- Kendra Schirrmeister (Autor:in), 2015, Zwischen autoritärer und totalitärer Diktatur. Das Beispiel der Deutschen Demokratischen Republik, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/922384