Wie finanziert sich der Profifußball? Besonderheiten im Finanzmanagement von Fußballklubs


Hausarbeit, 2019

21 Seiten, Note: 1,3

Anonym


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Summary

2. Einleitung
2.1 Fußballgeschichte
2.2 Entwicklung vom Fußballverein zum Fußballunternehmen
2.3 Erfolgreiches Finanzmanagement als Wettbewerbsvorteil

3. Finanzdimension von Fußballunternehmen
3.1 Erträge
3.2 Aufwendungen
3.3 Besonderheiten und Risiken

4. Corporate Finance in Fußballunternehmen
4.1 Innenfinanzierung
4.1.1 Einnahmenmaximierung
4.1.2 Ausgabenminimierung
4.1.3 Beispiele für Vor- und Nachteile der Innenfinanzierung
4.1.4 Außenfinanzierung
4.1.5 Fremdfinanzierung
4.1.6 Beteiligungsfinanzierung
4.1.7 Beispiele für Vor- und Nachteile der Außenfinanzierung

5. Fazit

6. Literaturverzeichnis

7. Abbildungsverzeichnis

1. Summary

In dieser Studienarbeit werden die Besonderheiten im Finanzmanagement von Fußballklubs hinsichtlich der Finanzdimensionen und des Corporate Finance beleuchtet.

Eingangs dient die Einleitung dazu, einen ersten Einblick in die Geschichte und die Entwicklung des Fußballs zu erhalten. Hier wird verdeutlicht, wie sich Fußballvereine im Sinne der Kommerzialisierung im Eiltempo entwickelt haben. Fußballvereine sind mittlerweile zu kommerzialisierten Dienstleistungsunternehmen geworden. Die Einleitung wird mit dem hohen Stellenwert des erfolgreichen Finanzmanagement abgerundet.

Im Anschluss erfolgt eine Betrachtung der Finanzdimensionen von Fußballunternehmen. Die Erträge und Aufwendungen werden gemäß DFL­Wirtschaftsreport 2019 dargestellt und punktuell beschrieben. Zudem wird mit dem Financial Fairplay eine Besonderheit im Finanzmanagement von Fußballklubs dargestellt. Dieses Kapitel wird abschließend mit einer Risikodarstellung beendet. Im nächsten Kapitel Corporate Finance in Fußballunternehmen erfolgt eine Beschreibung sowie eine separate Betrachtung der Finanzierungsmöglichkeiten von Fußballklubs. Bei der Innenfinanzierung werden die Einnahmenmaximierung und Ausgabenminimierung definiert. Bei der Ausgabenmaximierung wird der Salary Cap am Beispiel von RB Leipzig diskutiert. Bei der Außenfinanzierung wird der Trend zu kapitalmarktorientierten Finanzierungen festgestellt. In der Beteiligungsfinanzierung werden zuerst die Rechtsformen der Bundesligaklubs geklärt sowie mit der 50+1 -Regel eine weitere Besonderheit im Finanzmanagement von Fußballklubs erläutert. Hier werden Finanzierungen mit mehreren Anteilseignern am Beispiel Going Public (Borussia Dortmund) sowie mit einem Anteilseigner am Beispiel Einzelinvestment (TSV 1860 München) erklärt. Das Kapitel wird mit den Vor- und Nachteilen der jeweiligen Finanzierungsform genauer beschrieben.

Abschließend wird die Studienarbeit mit einem persönlichen Fazit abgerundet. Hier wird u.a. die Eingangsfrage „Welche Herausforderungen und Besonderheiten im Finanzmanagement von Fußballklubs sind zu bewältigen?“ aufgegriffen. Nach einer kurzen Einschätzung und Bewertung dieser Frage wird diese Studienarbeit mit dem Literatur- und Abbildungsverzeichnis beendet.

2. Einleitung

2.1 Fußballgeschichte

Der Beginn des modernen Fußballs, der wohl beliebtesten Sportart der Welt, so wie wir sie heute kennen, liegt bereits über 100 Jahre zurück. In England, die Heimat des Fußballs und das Mutterland des Spiels, wurde 1863 die Football Association (FA) und damit die erste Interessenvertretung des Fußballs gegründet. Die FA sorgte für Regeln und den organisatorischen Rahmen des neuen Massensports.1 Mit der Industrialisierung und dem erfolgreichen Kampf der Arbeiterklasse um höhere Löhne und kürzere Arbeitszeiten gewann der Fußball an immer größer werdende Beliebtheit. 1871 wurde der FA Cup, der englische Pokal eingeführt. Ein Jahr später trafen Schottland und England in Glasgow im ersten offiziellen Länderspiel aufeinander. Durch britische Geschäftsleute und Studenten wurde der Fußball auch in Europa und Südamerika schnell sehr beliebt bei der breiten Bevölkerung. Neben der Schweiz waren Dänemark und die Niederlande Vorreiter des Fußballs, die im Jahr 1889 ihre nationalen Verbände gründeten. Mit der Gründung der Fédération Internationale de Football Association (FIFA) erhielt der Sport einen Weltverband, der die Entwicklungen der verschiedenen Länder koordinierte und für ein allgemeingültiges Regelwerk sorgte. 1930 fand die erste Weltmeisterschaft in Südamerika statt.2

In Deutschland hatte der Fußball zu Beginn einen schwierigen Stand. Die neue Sportart wurde als „Fußlümmelei“ und sogar als „englische Krankheit“ beschrieben. Pioniere wie Prof. Konrad Koch, der die ersten Fußballregeln niedergeschrieben hat, ließen sich davon aber nicht abhalten und waren von der neuen Sportart überzeugt. Ihm und anderen Unterstützern ist es zu verdanken, dass die Fußballbegeisterung nicht mehr aufzuhalten war. Mit der Gründung des Deutschen Fußball-Bundes (DFB) am 28. Januar 1900 nahm die Sportart erstmals professionelle Strukturen an.3

2.2 Entwicklung vom Fußballverein zum Fußballunternehmen

Etwa 60 Jahre nach der Gründung des Deutschen Fußball-Bundes hat die Professionalisierung mit der Einführung der Bundesliga am 28. Juli 1962 ihren vorzeitigen Höhepunkt erreicht.4

Die Begeisterung für den Volkssport in der Bevölkerung war groß und mit der Bundesliga hatte man von nun an ein Aushängeschild. Viele Fußballvereine haben früh realisiert, dass sich durch die große Aufmerksamkeit alternative Einnahmequellen generieren lassen. Neben den Fußballvereinen haben auch Unternehmen durch das große Interesse in der Bevölkerung enorme Potentiale zur Steigerung des Bekanntheitsgrades erkannt. Die Kommerzialisierung des Profifußballs stand in den Startlöchern.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Fußballvereine haben sich gewandelt. Die Einnahmen beschränken sich nicht mehr nur auf die Eintrittspreise oder Gastronomie, sondern haben sich vervielfältigt. Die Fußballvereine sind mittlerweile zu kommerzialisierten Dienstleistungsunternehmen geworden. Der Fußball hat sich vom Volkssport zum Millionenbusiness gewandelt.5

2.3 Erfolgreiches Finanzmanagement als Wettbewerbsvorteil

Der Trend der letzten Jahre zu immer höheren Ablösesummen ist klar zu erkennen. Nachfolgende Darstellung untermauert diese Feststellung:

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 2: Rekordtransfers

Fußballklubs in den Top Ligen müssen Jahr für Jahr hohe Summen erwirtschaften oder sind auf externe Kapitalgeber angewiesen, um sich einen der aktuellen Topstars zu sichern. Selbst für junge Talente, die bisher noch keine große Vita aufzuweisen haben, sind Millionensummen aufzuwenden.6 Um sich mit der Elite des Spitzensports zu messen, müssen viele Fußballklubs allerdings Transfers dieser Größenordnung vollziehen. Denn wie eine Studie aus der Schweiz von „Football Observatory“ am Internationalen Zentrum für Sportstudien (CIES) belegt, schießt „Geld Tore“. Natürlich sind Toptransfers keine Garantie für Erfolg, aber die Wahrscheinlichkeit wird dadurch enorm erhöht.7 Damit sich Fußball­vereine diesen finanziellen Herausforderungen gewachsen sind, ist ein erfolgreiches Finanzmanagement unabdingbar. Selbst wenn der Erfolg nicht immer garantiert ist, kann strategisches Finanzmanagement ein Wettbewerbsvorteil sein.

In dieser Studienarbeit werden die Besonderheiten im Finanzmanagement von Fußballklubs beleuchtet, wobei folgende Fragestellung beantwortet wird:

Welche Herausforderungen und Besonderheiten im Finanzmanagement von Fußballklubs sind zu bewältigen?

3. Finanzdimensionen von FUßBALLUNTERNEHMEN

Im nachfolgenden Kapitel wird die Fußball-Bundesliga, die höchste Spielklasse in Deutschland mit ihren 18 Bundesliga-Klubs hinsichtlich ihrer Dimension betrachtet. Es werden Erträge, Aufwendungen, Vermögen und Schulden der Fußballklubs behandelt.

Hierfür wird der aktuelle DFL-Wirtschaftsreport 2019 sowie die DFL­Finanzkennzahlen der Profiklubs 2019 analysiert.

Exkurs DFL: Die Deutsche Fußball Liga (DFL) als Dachverband der 36 Lizenzklubs der 1. und 2. Fußball-Bundesliga übernimmt die Organisation und Vermarktung des Profifußballs. Neben der Terminierung der Spielansetzungen und der Ausrichtung der Relegationsspiele sowie des Supercups, ist die DFL bei der organisatorischen Abwicklung von Spielertransfers involviert. Sie hat von den 36 Profiklubs zudem die Aufgabe erhalten, die Medienrechte national sowie international optimiert zu vermarkten.8

3.1 Erträge

Die Ertragspositionen der Bundesligisten lassen sich in sechs Hauptbereiche einteilen. Nachfolgende Grafik zeigt die Hauptertragspositionen und deren Dimension:

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 3: Ertragspositionen

Die DFL meldet 2019 in ihrem Wirtschaftsreport einen erneuten Umsatzrekord in Höhe von 3,81 Milliarden Euro für die Bundesliga. Durchschnittlich erwirtschaftet somit ein Bundesligaklub 211,8 Millionen Euro. Wichtigster Ertragsposten ist hierbei die Vermarktung der Medienrechte, die mit knapp 1,25 Milliarden Euro ein Drittel der Gesamtertragspositionen ausmachen.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 4: Entwicklung der Ertragspositionen

Die oben aufgeführte Entwicklung zeigt, dass die mediale Verwertung immer mehr an Bedeutung gewinnt. Die Bundesliga wird zunehmend attraktiver und lässt sich in Folge lukrativer vermarkten. Eine weitere wichtige Ertragsposition ist die Werbung.9 Die Bundesligisten sind bestrebt, ihren Bekanntheitsgrad konstant zu steigern. Zum Einem steigt ihr Markenwert dadurch an, zum Anderem erhöhen sie ihre Reichweite. Durch hohe Reichweiten können sie enorme Summen durch Werbung generieren.

Beispiel Marketingmaßnahme:

Die Zeitung Welt titelt: „Sportlich suboptimales Trainingslager des FC Bayern“10 Der FC Bayern München hat sich im Jahr 2015 für ein Trainingslager in China entschieden, wobei Marketingaspekte der ausschlaggebende Punkt waren.

3.2 Aufwendungen

Den hohen Erträgen der Bundesligisten stehen auch enorme Aufwendungen gegenüber. Die Aufwendungen lassen sich wie auch die Erträge in sechs Hauptbereiche einteilen. Nachfolgend werden die Aufwendungen in einer Grafik dargestellt:

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 5: Aufwandspositionen

Die Fußballklubs der ersten Liga haben im Durchschnitt 206,2 Millionen Euro an Aufwendungen verbucht. Die höchsten Belastungen werden dabei im Personal Spielbetrieb (Gehälter Profis und Trainerstab) verzeichnet. Hier ist eine Steigerung in den letzten Jahren zu beobachten. Im Vergleich zur Vorsaison ist diese Aufwandsposition um 133 Millionen Euro (11,2 %) gestiegen. Eine weitere Steigerung ist in der zweitgrößten Aufwandsposition zu erkennen. Die Aufwendungen für Transfers haben im Vergleich zur Vorsaison um 166 Millionen Euro (24,7 %) zugelegt. Das lässt sich zum Einem darin begründen, dass sich die Ablösesummen auf dem Markt mit Trend nach oben entwickeln und zum Anderem die Bundesligisten mehr bereit sind, in herausragende Fußballspieler zu investieren, um die sportlichen Herausforderungen im nationalen und internationalen Bereich zu bewältigen.11

3.3 Besonderheiten und Risiken

Eine Besonderheit, wenn man die Finanzdimensionen der Fußballunternehmen, insbesondere die Erträge und Aufwendungen betrachtet, stellt das Financial Fairplay dar. Es wurde 2009 als vielversprechendes Governance-Projekt der UEFA eingeführt mit dem Ziel die finanzielle und somit auch wirtschaftliche Leistungsfähigkeit der Fußballklubs zu verbessern. Es soll für mehr Transparenz und Glaubwürdigkeit sorgen und zudem einen Gläubigerschutz gewährleisten. Fußballunternehmen sollen mit Disziplin und Rationalität im Rahmen der eigenen Einnahmen wirtschaften. Dieses Ziel erschwert es zudem Investoren, ihre Gelder über den Klub in hohen Summen (Bsp.: Transfers) auszugeben. Hintergrund ist eine Untersuchung der UEFA, in der sich ernstzunehmende finanzielle Probleme der Klubs im europäischen Fußball erwiesen haben.12 Das UEFA-Reglement zur Klublizenzierung und zum finanziellen Fairplay besagt in Artikel 57 „Geltungsbereich und Annahmen“, dass alle Lizenznehmer, die an einem UEFA-Klubwettbewerb teilnehmen, Monitoring- und Break-even- Vorschriften einhalten müssen. Die Einhaltung der Break-even-Vorschrift (Einnahmen - Ausgaben) in Artikel 64 bedeutet, dass der Lizenznehmer in aktueller und ggf. geplanter Monitoring-Periode einen Break-even-Überschuss oder ein Break-even-Defizit innerhalb der akzeptierten Abweichung von 5 Millionen Euro aufweist.13 Die Parallelen zur deutschen Bundesliga stellt man fest, in dem man die Fußballklubs betrachtet, welche das Financial Fairplay zu berücksichtigen haben. In Deutschland sind das in der aktuellen Saison 2018/2019 sieben Klubs. Aufgrund der jährlichen Qualifikation über die Bundesliga und den DFB-Pokal kann theoretisch jeder Klub an einem UEFA- Wettbewerb teilnehmen und muss somit das Financial Fairplay einhalten.14

Gemäß DFL-Report haben von 18 Bundesligaklubs lediglich 13 Klubs schwarze Zahlen geschrieben. Die große Aufwandsposition Personal Spielbetrieb birgt ein gewisses Risiko. Die Klubs sind enorm von der Performance ihrer Spieler abhängig, da Erfolge zu höheren Einnahmen führen. Bsp.: Die TV-Gelder werden von der DFL u.a. erfolgsabhängig vergeben.15

4. CORPORATE FINANCE IN FUßBALLUNTERNEHMEN

Das Finanz- und Investitionsmanagement eines Unternehmens wird als Corporate Finance definiert. Betriebliche Fragestellungen werden hierbei aus einer finanzwirtschaftlichen Sicht betrachtet. Es wird untersucht, welche Auswirkungen unternehmerische Entscheidungen auf derzeitige und spätere Einnahmen und Ausgaben haben werden. Grundsätzlich stellt man sich die zwei folgenden Fragen: Wie kann sich ein Unternehmen finanzieren? Wie sollten die beschafften Mittel eingesetzt werden? Technische, Produkt- und Marktbezogene Sachverhalte spielen hierbei so gut wie keine Rolle. Es betrachtet lediglich die Auswirkungen von Finanzierungen und Investitionen in finanzieller Hinsicht.16

Bei der funktionalen Betrachtung der Corporate Finance - dem Finanzmanagement im engen Sinn - steht die Finanzmittelbeschaffung im Vordergrund. Dass die termingerechte Verfügbarkeit von Finanzmitteln in der erforderlichen Menge und Qualität besonders wichtig ist17, zeigen Beispiele wie die Rekordtransfersumme von 222 Millionen für die Ablöse des Fußballers Neymar an den FC Barcelona im Jahr 2017.18

Diese und andere Transfersummen in Millionenhöhe sind mittlerweile keine Seltenheit mehr und verdeutlichen das exorbitante Ausmaß der Ausgaben im professionellen Fußballsport. Diese Entwicklungen zeigen, dass der spielerische Erfolg eines Fußballklubs maßgeblich von dessen finanzieller Stellung abhängig ist. Aus diesem Grund sind die beiden Finanzierungssegmente Außen- und Innenfinanzierung stets strategisch und zielorientiert auszurichten. Entscheidungen werden unter Einbezug von verschiedenen Beratern und Experten getroffen.

Im Folgenden werden die zwei zentralen Finanzierungsmittel Innen- und Außenfinanzierung mit ihren Besonderheiten in Fußballunternehmen betrachtet. Bei der Innenfinanzierung werden die Potentiale der Einnahmenmaximierung sowie Ausgabenminimierung untersucht. Bei der Außenfinanzierung erfolgt eine separate Betrachtung der Beteiligungs- und Fremdfinanzierung. In beiden Kapiteln werden jeweils die Vor- und Nachteile der Finanzierungsart diskutiert.

4.1 Innenfinanzierung

Innenfinanzierung bedeutet, dass Finanzmittel aus operativer Tätigkeit generiert werden. Zusätzliche externe Kapitalquellen werden hier nicht in Anspruch genommen. Die Innenfinanzierung ist aus finanzieller Sicht dabei die automatische Konsequenz der laufenden Geschäftstätigkeit und resultiert als Saldo der Geldzuflüsse und Geldabflüsse.19 In dieser Ausführung werden die Einnahmenmaximierung und Ausgabenminimierung hinsichtlich ihrer Potentiale betrachtet. Bei der Ausgabenminimierung wird zudem ein Modell des Bundesligisten RB Leipzig erläutert und diskutiert.

4.1.1 Einnahmenmaximierung

Wie unter Punkt 3.1 Erträge dargestellt, lassen sich die Einnahmequellen in sechs Hauptbereiche unterteilen. Die Positionen Mediale Verwertung, Werbung und Transfer sind in dieser Reihenfolge die Haupteinnahmequellen der Bundesligisten und machen knapp 70 % der Gesamterlöse aus. Nachfolgend werden die Bestrebungen anhand einiger Beispiele der Bundesligaklubs und der DFL in diesen Bereichen dargestellt.

Mediale Verwertung

Die mediale Verwertung spielt seit ihrer Einführung im Jahr 1965 eine bedeutende Rolle. Im Jahr 2019 haben sich die Einnahmen hieraus um mehr als das Sechshundertfache erhöht. Beispiele für die Erhöhung sind die zunehmende Internationalisierung, also die Auslandsvermarktung sowie veränderte Anstoßzeiten. Die deutsche Spitzenliga soll mit den vielen verschiedenen Anstoßzeiten möglichst viele Fans vor dem TV erreichen. Mit der Digitalisierung und den diversen Streamingdiensten könnten in Zukunft noch höhere Einnahmen realisiert werden.20

Werbung

Zunehmende Internationalisierung verfolgt häufig absatzorientierte Ziele. Vergleicht man den nationalen und internationalen Markt, so stellt man fest, dass der Weltmarkt eine viel größere Dimension hat. Es besteht aus absatzpolitischer Sicht ein großer Anreiz sich mit den ausländischen Märkten zu befassen. Die Bundesligaklubs sind hier sehr aktiv und bemüht, eine Weltmarke zu generieren.21 Als Beispiel kann hier der FC Bayern mit seinem Trainingslager sowie der Promo-Tour (Punkt 3.1 Erträge) angeführt werden.

Transfer

Die Transferpolitik mancher Bundesligisten sorgt zusätzlich für eine Einnahmenmaximierung. Borussia Dortmund zeigt in den letzten Jahren, dass es enorm rentabel ist, Talente zu Top-Stars zu entwickeln. Eines von vielen Beispielen ist der Spieler Ousmane Dembélé, der im Jahr 2016 für 15 Millionen Euro verpflichtet und nur ein Jahr später für 125 Millionen Euro an den FC Barcelona weitertransferiert wurde.22

4.1.2 Ausgabenminimierung

Die mit Abstand größte Position der Aufwendungen stellen die Personalkosten für den Spielbetrieb (Nachweis: Punkt 3.2 Aufwendungen) dar. Hier sind die Gehälter für Spieler, Trainerstab, etc. inkludiert. Am Beispiel RB Leipzig wird nachfolgend das Modell „Salary Cap“, welches die Ausgaben im Personalbereich begrenzen soll, dargestellt.

Exkursion: RB Leipzig wurde im Jahr 2009 gegründet und ist in der Oberliga (5. Liga) gestartet. Nach Aufstiegen im Jahr 2010, 2013, 2014 sowie 2016 sind die Leipziger in der Saison 2016/2017 in die 1. Bundesliga aufgestiegen.23

RB Leipzig hat bis 2017 einem Ansatz befolgt, die Gehaltsobergrenze zu regulieren. Der sogenannte Salary Cap besagt, dass die Gehaltsobergrenze von drei Millionen Euro pro Jahr nicht überschritten werden darf. Die Gehaltsobergrenze soll dem organischen Wachsen dienen und das Gehaltsgefüge nicht sprengen. Um sich den Marktumständen sowie der Erfolgsstory des Klubs anzupassen, hat sich RB Leipzig im Jahr 2017 entschieden, diesen Salary Cap etwas aufzuweichen. Gründe hierfür waren, dass RB Leipzig mittlerweile in der Bundesliga angekommen ist und um die internationalen Plätze mitspielt. In Folge dessen wurde die Gehaltsobergrenze angepasst, um eine Weiterentwicklung des Klubs nicht zu gefährden.24

4.1.3 Beispiele für Vor- und Nachteile der Innenfinanzierung

Vorteile: Unabhängigkeit, keine Kosten (indirekt oder direkt) der Kapitalbeschaffung25

Nachteile: Begrenzte Steuerbarkeit

4.2 Außenfinanzierung

Außenfinanzierung bedeutet, dass externes Kapital in Form von Fremd- und Eigenkapital beschafft wird. Es wird hier zwischen Fremdfinanzierung (Fremdkapital) und Beteiligungsfinanzierung (Eigenkapital) unterschieden.26 Im Kapitel Fremdfinanzierung werden die Kreditfinanzierung, Crowdlending am Beispiel von Hertha BSC Berlin sowie die Anleihefinanzierung am Beispiel Hamburger SV betrachtet. Im Kapitel Beteiligungsfinanzierung wird zudem auf die Besonderheit der 50+1-Regel eingegangen.

4.2.1 Fremdfinanzierung

Kreditfinanzierung

Die Kreditfinanzierung als (Bank-)Kredit kann für Fußballunternehmen bei ausreichender Eigenkapitalunterlegung von erheblicher Bedeutung sein. Stabile operative Cash-Flows erlauben eine problemlose Kreditfinanzierung, die gewisse Vorteile mit sich bringt. Bei gegebenen Eigenkapital kann die Finanzierungsbasis ausgeweitet sowie Steuervorteile ausgenutzt werden.27

Crowdlending

Als weitere Form der Fremdfinanzierung hat sich der Bundesligaklub Hertha BSC Berlin im Jahr 2016 für das Crowdlending entschieden und hat das Ziel von einer Millionen Euro (Laufzeit bis 2019, Verzinsung 4,5 %) für den Ausbau digitaler Kommunikationskanäle in Rekordzeit erreicht (9 Minuten, 23 Sekunden). Mit dem Partner „kapilendo“ haben die Berliner nach Privatanlegern gesucht, die Beträge zwischen 100 und 100.000 Euro investieren wollten.28

Anleihefinanzierung

Der Zweitligaklub Hamburger SV hat im Februar 2019 eine Schuldverschreibung als „Fan-Anleihe“ (Laufzeit bis 2026, Verzinsung 6 %) ausgegeben, welche ausschließlich der Refinanzierung einer alten Anleihe dienen soll. Diese Anleihe birgt allerdings Risiken, da der Klub bereits Schulden in Höhe von 85,5 Millionen Euro aufzuweisen hat und die Refinanzierung nicht vollständig über die neue Anleihe abgewickelt werden kann.29

[...]


1 Vgl. FIFA.com, Über die FIFA https://de.fifa.com/about-fifa/who-we-are/the-game/index.html

2 Vgl. Planet Wissen, Fußballgeschichte https://www.planet-wissen.de/gesellschaft/sport/fussballgeschichte/index.html

3 Vgl. Deutscher Fußball-Bund, Die DFB-Geschichte https://www.dfb.de/index.php?id=1000477

4 Vgl. Deutscher Fußball-Bund, Bundesliga-Gründung: Geboren im Goldsaal https://www.dfb.de/news/detail/bundesliga-gruendung-geboren-im-goldsaal-35229/full/1

5 Vgl. t-online.de, Meilensteine auf dem Weg zur Kommerzialisierung https://www.t-online.de/sport/fussball/id 74590940/fussball-timeline-meilensteine-der- kommerzialisierung.html

6 Vgl. transfermarkt, Transferrekorde https://www.transfermarkt.de/statistik/transferrekorde

7 Vgl. sport1, Studie belegt: Geld schießt Tore https://www.sport1.de/fussball/2017/05/studie-belegt-geld-schiesst-tore

8 Vgl. DFL Deutsche Fußball Liga, Struktur https://www.dfl.de/de/ueber-uns/deutsche-fussball-liga-gmbh/struktur-der-dfl-deutsche- fussball-liga-gmbh

9 Vgl. DFL Deutsche Fußball Liga, DFL Wirtschaftsreport: Archiv DFL Wirtschaftsreport 2017, 2018, 2019 https://www.dfl.de/de/publikationen/dfl-report-archiv

10 Welt, Sportlich suboptimales Trainingslager des FC Bayern https://www.welt.de/sport/fussball/bundesliga/fc-bayern-muenchen/article144056055/ Sportlich-suboptimales-Trainingslager-des-FC-Bayern.html

11 Vgl. DFL Deutsche Fußball Liga, DFL Wirtschaftsreport: Archiv DFL Wirtschaftsreport 2019 https://www.dfl.de/de/publikationen/dfl-report-archiv

12 Vgl. UEFA.com, Finanzielles Fairplay https://de.uefa.com/insideuefa/protecting-the-game/club-licensing-and-financial-fair- play/index.html

13 Vgl. UEFA.com, UEFA-Reglement [...] zum finanziellen Fairplay https://de.uefa.com/MultimediaFiles/Download/Tech/uefaorg/General/02/56/20/17/ 2562017 DOWNLOAD.pdf

14 Vgl. sport1, Alle für Europa qualifizierten Klubs https://www.sport1.de/fussball/champions-league/2019/05/champions-league-und- europa-league-diese-teams-sind-qualifiziert

15 Vgl. DFL Deutsche Fußball Liga, DFL Wirtschaftsreport: Archiv (DFL Wirtschaftsreport 2019) https://www.dfl.de/de/publikationen/dfl-report-archiv

16 Vgl. Volkart, Wagner, Corporate Finance, 7. Auflage, 2018, S. 44

17 Vgl. Volkart, Wagner, Corporate Finance, 7. Auflage, 2018, S. 97

18 Vgl. manager magazin, Ein Fußballer für 222 Millionen Euro https://www.manager-magazin.de/unternehmen/personalien/neymar-teuerster-transfer-in- der-fussball-geschichte-a-1161335.html

19 Vgl. Volkart, Wagner, Corporate Finance, 7. Auflage, 2018, S. 577 f

20 Vgl. BASIC thinking, Die Kosten & Inhaber der Bundesliga-Rechte seit 1965 https://www.basicthinking.de/blog/2017/05/19/bundesliga-rechte

21 Vgl. Bösch, Internationales Finanzmanagement, 1. Auflage, 2014, S. 5 f

22 Vgl. transfermarkt.com, Spielerprofil https://www.transfermarkt.de/ousmane-dembele/profil/spieler/288230

23 Vgl. RB Leipzig, Wir sind Leipzig https://www.dierotenbullen.com/de/klub/informationen/ueber-uns.html

24 Vgl. kicker, Rangnick: „Werden Gehaltsobergrenze anpassen“ https://www.kicker.de/664787/artikel

25 Vgl. Volkart, Wagner, Corporate Finance, 7. Auflage, 2018, S. 584

26 Vgl. Volkart, Wagner, Corporate Finance, 7. Auflage, 2018, S. 573

27 Vgl. Volkart, Wagner, Corporate Finance, 7. Auflage, 2018, S. 575

28 Vgl. Vereinsmanagement, Gutes Beispiel Crowdlending https://www.vibss.de/vereinsmanagement/marketing/crowdfunding/gutes-beispiel- crowdlending/

29 Vgl. Focus Online Money, Verein braucht Geld https://www.focus.de/finanzen/boerse/anleihen/verein-braucht-geld-hsv-legt-fan-anleihe- auf-und-spricht-selbst-von-schlechtem-angebot id 10281481.html

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Details

Titel
Wie finanziert sich der Profifußball? Besonderheiten im Finanzmanagement von Fußballklubs
Hochschule
Hochschule Deggendorf
Note
1,3
Jahr
2019
Seiten
21
Katalognummer
V922401
ISBN (eBook)
9783346244710
ISBN (Buch)
9783346244727
Sprache
Deutsch
Schlagworte
profifußball, besonderheiten, finanzmanagement, fußballklubs
Arbeit zitieren
Anonym, 2019, Wie finanziert sich der Profifußball? Besonderheiten im Finanzmanagement von Fußballklubs, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/922401

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