Aimé Césaire: 'Une Tempête' - ein Vergleich mit William Shakespeares 'The Tempest'


Seminararbeit, 2006
17 Seiten, Note: 2,0

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Aimé Césaire
2.1. Négritude
2.2. Die Zeitschrift „Tropiques“
2.3. Kritik an der Négritude- Bewegung

3. Une Tempête im Vergleich mit Shakespeares The Tempest
3.1. Shakespeares The Tempest
3.1.1. Prospero – Ariel – Caliban in Shakespeares „The Tempest“

4. Une Tempête, von Aimé Césaire
4.1 Primitivität versus Civilisation in Une Tempête

5. Die Traditionelle Weltanschauung in Césaires Theater

6. Zusammenfassung / Ausblick

7. Literaturverzeichnis:
Primärtexte
Sekundärliteratur

1. Einleitung

Aimé Césaire, 1913 in Martinique geboren, ist ein afrokaribischer französischsprachiger Schriftsteller und Politiker, der zu den berühmtesten und einflussreichsten Autoren der französischen Antillen zählt. Aimé Césaire gilt als eloquenter und robuster Kritiker des Kolonialismus. Anfang der dreißiger Jahre kommen Antillianer und Afrikaner in Paris zusammen und entwickeln ein neues Bewusstsein über ihre Situation als Schwarze und als Kolonisierte.

Aimé Césaire aus Martinique, Léon-Gontran Damas aus Guyana und Léopold Sédar Senghor aus Senegal führen das Konzept der “ Négritude“ ein. Darin formulieren sie antikoloniale Positionen, indem sie die Kolonialpolitik Frankreichs angreifen und dem Rassismus Frankreichs ein provokatives Bekenntnis zum eigenen „Schwarz-Sein“ entgegensetzten.[1]

Neben dem uns meist bekannten Prosagedicht Cahier d’un retour au pays natal (1939), das als eines der bedeutenden Dokumente der Négritude gilt, verfasste Césaire zahlreiche Gedichtbände und Theaterstücke, die ihm international Beifall brachten.

Drei seiner Theaterstücke verschriftlichte Césaire in den sechziger Jahren, wo er die Probleme der politischen Freiheit und der kulturellen Dekolonisierung der schwarzen Welt aufgreift (Afrika, Karibik, Nord-Amerika). Une Tempête (1969) von Aimé Césaire, eine “adaptation pour un théâtre nègre”, ist eine französische Bearbeitung nach William Shakespeares The Tempest (1611).

Die Adaptation ist eine Befreiung von der europäischen (allegorischen/ prosperofreundlichen) Interpretation und gilt als „Schlüssel zum literaturhistorischen Verständnis der Karibik“[2]

In der vorliegenden Arbeit wird zuerst Aimé Césaires Grundgedanken zur “ Négritude“ beschrieben und anschließend näher auf Une Tempête im Vergleich mit Shakespeares Meisterstück The Tempest eingegangen.

2. Aimé Césaire

Es gibt kaum einen modernen Autor von Weltrang, der in solchen Grade wie Aimé Césaire von der Landschaft seiner Heimat geprägt ist. Aimé Césaire ist am 25. Juni 1913 in Basse-Pointe auf der Antilleninsel Martinique geboren. Er ist der Nachkomme dorthin verschleppter Sklaven.

Césaires Muttersprache ist Französisch. Er studierte in Paris, war Literaturdozent und von 1951 bis 2001 Bürgermeister von Fort-de-France, Martinique.

1945 wird Aimé Césaire zum Abgeordneten der französischen kommunistischen Partei gewählt. Dort hatte er seine ersten politischen Erfolge, nämlich die Erhebung von Martinique zum Département (1946). Elf Jahre später verlässt er die Kommunisten, um 1958 seine eigene politische Partei die Parti progressiste martiniquais (PPM) zu gründen. Es war André Breton, der Aimé Césaire entdeckte. Er besuchte Césaire 1941 auf dessen Heimatinsel Martinique und erklärte später in New York: „Die Sprache Césaires ist schön wie frei werdender Sauerstoff“[3]

André Breton, der Papst der Surrealisten, nahm den Martiniquesen stolz in seinen Kreisen auf, da er dessen Umwertungen und Umdeutungen französischer Worte für surrealistische Praktiken hielt. Doch als Césaire zwei Jahre später in den Pariser Literaturkreisen zur Sensation wurde, war dieser schon längst zum Initiator, einer neuen Dichtung und zum Sprecher der kolonialen Selbstbestimmung, geworden.

Césaire Gedichte haben unter Antillesen und Afrikaner gleichgesinnte Talente geweckt, die zum größten Teil auf die Rückbesinnung nach Afrika Wert legten. Aimé Césaire selber betont immer wieder, dass er kein Surrealist sei. Ferner geht es ihm darum, die „weiße“ korrupte Wirklichkeit mit einer Zukunft absoluter Liebe und Gerechtigkeit zu konfrontieren, die aus der Vergangenheit afrikanische Hochkulturen entspringt.[4]

Seine Begriffe sind oft multivalent: „Neger“ bedeutet zunächst Arbeit, Proletariat, „Weißer“ zunächst Kapital und Macht. Darüber hinaus aber charakterisiert „Weißer“ noch die kalte, poesielose Welt rationeller, technischer und ideologischer Planung.[5]

2.1. Négritude

Das Wort Négritude erscheint zum ersten Mal in Aimé Césaires erstem großen Gedicht:

Cahier d’un retour au pays natal (1939). Es bezeichnet keinen umgedrehten Rassenwahn, sondern wie Césaire immer wieder betont, einen erweiterten Humanismus, der nicht mehr auf Europa zentriert ist.

Europa sollte nicht mehr das Muster von Schrift und Sprache vorgeben und so widersetzt Aimé Césaire sich als erster diesen Maßstäben und Vorbildern. Denn von nun an sollte sie afrikanische Kultur die Maßstäbe setzen und sie setzte sie.[6]

Über das Gedicht Cahier d’un retour au pays natal, das zu den Basistexten der schwarzen Bewegung gehört, schreibt Wolfgang Bader:

„…der Dichter durchschreitet die ganze Hölle gegenwärtigen wie vergangenen Elends seiner

Rasse und feiert schließlich seine apotheotische Wiedergeburt im Tanz der Freiheit.

Dabei durchbricht er die europäischen Assimilationskräfte, findet über diese Ablehnung zu sich

selbst und verwurzelt sich am Ende im absoluten Bekenntnis zum eigenen Land. Césaire simuliert

hier poetisch die Aneignung schwarzer Identität, die er im mehrfach gebrauchten Begriff der

Négritude auslotet.“[7]

In den 1930er Jahren wird der Begriff Négritude von frankophonen Intellektuellen wie vor allem Aimé Césaire, L.G. Damas und L.S. Senghor entwickelt und weitergeführt:

„ N’en seront étonnés que ceux ne savent pas ce qu’était alors l’Afrique. De vastes empires. Des

monarchies pleines de magnifique. Des cérémonies étranges et belles. Des contacts insolites et

purs. Une dignité, une sincérité insurpassées. Et le nègre était gonfle de vie, de force. Et riche.

Riche de sensualité, de spiritualité … Et il s’arc-bouta, frappa, mordit …

Dompté, il ne le fut jamais. “[8]

Césaires Négritude war keine Zeiterscheinung. Sie war ein Aufbruch, der Afrika ein für allemal den Makel nahm. Aimé Césaire hatte bewiesen, dass Dichtung aus afrikanischem Geiste nicht nur möglich, sondern auch legitim war. Négritude ist also im Grunde kein „Stil“, sondern ein Verhalten, nämlich nur durch die Anknüpfung an die eigenen Traditionen, kann jeder Künstler sein Bestes leisten. Folglich erfolgt der Weg der Négritude über „eine Aufwertung der kulturellen Tradition des Ursprungskontinents“[9] Die Perspektive der Überlegenheit der weißen Rasse bei, der demzufolge die Unschuld weiß und die Sünde schwarz zu sein hat, wird umstrukturiert. Es ist Césaires Stärke und die Überzeugung in seinen Werten, die unsere Betrachtungsweise ständig ins Unrecht setzt. Demnach wird das Schwarze ab jetzt mit Liebe, Licht und Schönheit identifiziert. Die Intellektuellen Afrikas haben sich auf ein Ziel geeinigt:

LIBERTÉ – EGALITÉ – FRATERNITÉ

Dies ist für sie keine konventionelle Phrase, sondern Bekenntnis und Kampfruf: Aimé Césaire fordert nicht nur die Freiheit aller Unterdrückten, er verkündet die wahrhaft humane Botschaft Afrikas an Europa, nämlich vor allem die Botschaft ewiger Menschenwürde.

2.2. Die Zeitschrift „Tropiques“

Die Zeitschrift „Tropiques“ gilt als überzeugende Richtlinie für Césaires später Werke und besonders für seine Theaterstücke. „Tropiques“ wird von Aimé Césaire und Réné Ménil in Fort-de-France, in der Zeit der Unterdrückung des Vichy Regime, ins Leben gerufen. Von April 1941 bis September 1945, bietet „Tropiques“ eine polemische Reaktion gegen die vorherrschende Macht des westlichen Rationalismus und gleichzeitig eine Alternative der blinden Nachahmung des Westens. Die Zeitschrift scheint sich oft genug auf die traditionelle afrikanischen Kultur und Weltanschauung zurückzubesinnen.

Die Autoren von “Tropiques“ glauben, dass die Bewohner auf Martinique in den vierziger Jahren, dem westlichen Glaubensystem nachrennen, wo sie aber weder sichreren Fuß fassen, noch sich selbst finden können. Sie verfolgen eine falsche Identität, rennen in die falsche Richtung, nämlich die der westlichen Ideale:

„Le jugement est pauvre de tout le rationnel de l’existence.

L’image est riche de tout l’irrationnel de la vie.

Le jugement est pauvre de toute l’immanence.

L’image est riche de toute la transcendance. “[10]

Eine komplette Identifikation mit dieser Ego-Fassade, dieses, von anderen aufgezwungene, falsche Selbstbildnis, ist für Césaire „immanence“. In einem Zustand von „immannence“ zu leben bedeutet sich selbst zu entfremden. Zusammenfassend kann man sagen, dass die Zeitschrift „Tropiques“ ein Versuch war die Menschen auf Martinique von ihrem Gefangensein im westlichem Wertesystem zu befreien –also eine Befreiung von westlicher Mentalität, Moral und Technokratie. Césaire Auffassungen zur Négritude kommen in seinen Artikeln in der Zeitschrift Tropiques besonders deutlich zum Ausdruck.

Doch auch die früheren Zeitschriften La Revue du Monde noir (1931), Légitime Défense (1932) und L’Etudiant Noir (1935) verdeutlichen die allgemeinen Ideen der Négritude und dürfen nicht in Vergessenheit geraten.

2.3. Kritik an der Négritude- Bewegung

Die Négritude –Bewegung ist nicht ganz kritiklos geblieben. Das Engagement der Négritude –Konzeption beinhaltet zwar eine Aufwertung der afrikanischen Kulturen, plädiert aber sonst für die Kultivierung und Beibehaltung des Französischen.

[...]


[1] Vgl. Erfurt,Jürgen: „Frankophonie“ , Tübingen (2005), S.111

[2] Vgl. Bader, Wolfgang: “Martinique, Guadeloupe, Guyane, eine periphere Literaturgeschichte”. In: Französisch Heute, S.183

[3] Vgl Aimé Césaire,“Sonnendolche“,ausgewählt u. übertragen von Jahnheinz Jahn, Heidelberg 1956, S.85

[4] Pausch, Marion: „Rückbesinnung - Selbsterfahrung- Inbesitznahme Antillanische Identität im Spannungsfeld von Négritude, Antillanité und Créolité“, Frankfurt (1994), S.40

[5] Bader, Wolfgang: “Martinique, Guadeloupe, Guyane, eine periphere Literaturgeschichte”. In: Französisch Heute, S.195

[6] Vgl. Erfurt, Jürgen: „Frankophonie“, Tübingen (2005), S.112

[7] Zitat: Bader, Wolfgang: “Martinique, Guadeloupe, Guyane, eine periphere Literaturgeschichte”. In: Französisch Heute 17,1, S.195

[8] Aime Cesaire (1944), S.8

[9] Pausch, Marion: „Rückbesinnung - Selbsterfahrung- Inbesitznahme Antillanische Identität im Spannungsfeld von Négritude, Antillanité und Créolité“, Frankfurt (1994), S.40

[10] A. Césaire, “Poésie et connaissance”, Tropiques 12.Ed. A. Césaire et R. Ménil, Fort de France. Disponible en réimpression chez Jean- Michel Place : Paris ; 1978, Seite 166

Ende der Leseprobe aus 17 Seiten

Details

Titel
Aimé Césaire: 'Une Tempête' - ein Vergleich mit William Shakespeares 'The Tempest'
Hochschule
Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf  (Romanisches Seminar)
Veranstaltung
La nouvelle littérature antillaise
Note
2,0
Autor
Jahr
2006
Seiten
17
Katalognummer
V92267
ISBN (eBook)
9783638060882
ISBN (Buch)
9783638950565
Dateigröße
449 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Aimé, Césaire, Tempête, Vergleich, William, Shakespeares, Tempest
Arbeit zitieren
Sekina Mekky (Autor), 2006, Aimé Césaire: 'Une Tempête' - ein Vergleich mit William Shakespeares 'The Tempest', München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/92267

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