Amüsieren wir uns zu Tode? Neil Postmans These in Anbetracht des aktuellen Programmangebotes und möglicher Veränderungen durch das Internet


Hausarbeit, 2018

34 Seiten, Note: 1,0

Anonym


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1 Einführung und Formulierung der Leitfrage

2 Definition und Begriffsklärungen

3 Der Rundfunk
3.1 Die historische Entwicklung des Rundfunks
3.2 Die heutige Grundstruktur des Rundfunks

4 Das Internet
4.1 Die Historische Entwicklung des Internets
4.2 Das Internet als bahnbrechende Erfindung des 21. Jahrhunderts

5 Neil Postman und sein Buch „Wir amüsieren uns zu Tode“
5.1 Bezug zur These + Internet

6 Persönliches Fazit

Literaturverzeichnis

Kurzzusammenfassung

Der allgemeine Fokus dieser Arbeit liegt auf der Bewertung der These „Wir amüsieren uns zu Tode“ von Neil Postman in Anbetracht des aktuellen Programmangebotes. Speziell wird hierbei Bezug auf die Frage genommen, ob das Internet zu wesentlichen Veränderungen geführt haben könnte. Nach der Klärung und Definition der nötigen Begrifflichkeiten, wird die historische Entwicklung des Programmangebotes beschrieben. Hierbei wird phasenweise die Entwicklung des deutschen Rundfunks, sowohl Hörfunk als auch das Fernsehen, sowie das Internet erläuternd betrachtet. Als „bahnbrechende Erfindung des 21. Jahrhunderts“ geltend, wird anschließend auf die heutige Grundstruktur des Internets noch einmal näher eingegangen. Bezugnehmend auf Neil Postman wird die in seinem Buch veröffentlichte These durchleuchtet und am Beispiel des Internets analysiert. Zum Schluss folgt ein persönliches Fazit, welches sich aus der vorangegangenen Erörterung ergibt.

Die Arbeit soll durch das Lesen sowohl ein grundlegendes Wissen über die historische Entwicklung des deutschen Programmangebotes bis heute, als auch kritische Aspekte einer Medientheorie vermitteln.

1 Einführung

„Wir amüsieren uns zu Tode“ - so lautet der Titel, der dieser Ausarbeitung zu Grunde liegenden Publikation von Neil Postman. Seine Veröffentlichung liegt bereits etwa 33 Jahre zurück, in der Aktualität hat das Thema dagegen nichts eingebüßt, ganz im Gegenteil.

Die vorliegende Arbeit soll die Thesen und Beobachtungen Postmans, auf welche er sich über das Medium Fernsehen in den Vereinigten Staaten gestützt hat, wiedergeben und sie anhand des aktuellen Programmangebotes bewerten. Hierbei soll der Frage nachgegangen werden, ob Postmans Beobachtungen und Modelle in Bezug auf die heutige Zeit ihre Gültigkeit beibehielten.

Der erste Teil der Arbeit beinhaltet grundlegende Begriffsklärungen für das bessere Verständnis. Anschließend werden wichtige geschichtliche Hintergründe in Bezug auf die Entwicklung des Rundfunks (Hörfunk und Fernsehen) sowie des Internets erläutert und deren heutiges Programmangebot dargestellt.

Der Schwerpunkt soll jedoch auf der in Postman‘s Buch veröffentlichte These liegen, welche im späteren Verlauf dieser Hausarbeit durchleuchtet und am Beispiel des Internets anschließend analysiert wird.

Die in dieser Arbeit analysierten Themen ergaben mehr als genügend Material, auf welches leider nicht in vollem Umfang eingegangen werden konnte. Mit Blick auf den begrenzten Rahmen dieser Ausarbeitung wurde aus diesem Grund auf den Einbezug tiefgründigerer Themen sowie Aspekte verzichtet. Der Einbezug dieser Themen in die vorliegende Hausarbeit hätte keinen Einfluss auf das Ergebnis gehabt.

2 Definition und Begriffsklärungen

Der allgemeine Fokus dieser Arbeit liegt auf der Bewertung der These „Wir amüsieren uns zu Tode“ von Neil Postman in Anbetracht des aktuellen Programmangebotes. Speziell wird hierbei Bezug auf die Frage genommen, ob das Internet zu wesentlichen Veränderungen geführt haben könnte. Um dieses Thema jedoch zufriedenstellend bearbeiten zu können, ist zu Beginn eine Definition leitender Begriffe von Nöten.

Der Begriff Rundfunk wurde von Heinrich Jürgen auf Grundlage der juristischen Begriffsklärung aus dem Gebührenstaatsvertrag treffend definiert als „die für die Allgemeinheit bestimmte Veranstaltung und Verbreitung von Darbietungen aller Art in Wort, in Ton und in Bild unter Benutzung elektromagnetischer Schwingungen ohne Verbindungsleitung oder längs oder mittels eines Leiters“ (Jürgen, 1999). Dies schließt, entgegen des mittlerweile in der Gesellschaft gängigen Gedankens, dass Rundfunk gleichzusetzen sei mit Hörfunk und somit nur das Radio mit einbezieht, sowohl den Hörfunk als auch das Fernsehen mit ein. Dieser Irrglauben ist in Teilen auf die Definition des Begriffs von Hans Bredow 1921 zurückzuführen, welcher sich damals nur auf den Hörfunk bezogen hat. Erst in den 50er Jahren wurde schließlich auch das Fernsehen zur allgemeinen Definition hinzugefügt (Jürgen, 1999).

Ebenfalls zu definieren sind die Begriffe Fernsehen und Hörfunk, da diese einen elementaren Teil der vorliegenden Arbeit ausmachen. Fernsehen lässt sich einerseits definieren als „im Allgemeinen eine Technik zur Aufnahme von Bildern an einem Ort, deren Übertragung an einen anderen Ort sowie ihrer dortigen Wiedergabe“ (Konter, 2007, S. 8) oder auch als „ein Massenmedium, dass sich seit den 1950er Jahren in den Industriestaaten als Leitmedium entwickelt hat. Es dient der gesellschaftlichen Kommunikation, da es orientierend und nivellierend wirkt und durch ständige Wiederholungen die Grundlage der allgemeinen Stil- und Geschmacksbildung ist“ (Konter, 2007, S. 8).

Eine treffende Definition des Begriffs Hörfunk ist da weitaus einfacher zu treffen mit beispielweise der Definition als „die Aufnahme, Übertragung und Wiedergabe von Ton mit Hilfe elektromagnetischer Wellen (drahtlos) oder über Kabel“ (Weichler, 2003, S. 95). In Abgrenzung zum neuen Medium Fernsehen wurde der Hörfunk später auch als Radio bzw. Tonrundfunk bezeichnet.

Zum Schluss sei ebenso relevant zu erwähnen, dass in die Vergangenheit von Deutschland geblickt werden muss, um die Entstehung des Rundfunks zu erläutern. Das bedeutet, dass nicht nur die heutige Bundes Republik Deutschland, sondern auch etwaige Abweichungen der heutigen Betitelung wie beispielsweise die DDR betrachtet werden.

3 Der Rundfunk

Die Medien sind immer im gesellschaftlichen und historischen Kontext zu verstehen: Mit der Erfindung des Buchdrucks veränderte sich die Gesellschaft. Mit der Einführung von Radio, Fernsehen und Internet entwickelte sich die moderne Informations- und Kommunikationsgesellschaft. Für eine historische Einordnung in die massenmediale Entwicklung ist es daher notwendig, jeweils kurz auf die Entstehungsgeschichte des bundesdeutschen Programmangebotes einzugehen.

3.1 Historische Entwicklung des Rundfunks

Die Entstehung und Entwicklung des Rundfunks lässt sich in sieben Phasen einteilen, wovon sechs im Folgenden beschrieben werden sollen. Diese sechs Phasen sollen den Rahmen zur Erleichterung der Beschreibung der Entwicklung des Rundfunks bilden. Die siebte und letzte Etappe stellt den gegenwärtigen Stand des Rundfunks dar und wird anschließend gesondert skizziert.

Die erste Phase beschreibt die Errichtung und Entstehung des Rundfunks bis zur Zeit des Nationalsozialismus (1923 bis 1932). Zwar existierte der Rundfunk in anderer Form bereits vor den 1920er Jahren, wurde dort allerdings nur für militärische, staatliche und wirtschaftliche Zwecke genutzt, und nicht für die Öffentlichkeit. Aus diesem Grund verzichten wir auf einen genaueren Blick auf die Nutzung vor 1923. Als Anfang des öffentlich zugänglichen Rundfunks gilt der 29. Oktober 1923, als die erste deutsche, für die Allgemeinheit produzierte Hörfunksendung ihren Ursprung im Berliner Vox-Haus erlebte. Der Rundfunk, welcher zu dieser Zeit nur aus dem Hörfunk bestand und erst später auch das Fernsehen beinhaltete, wurde zu diesem Zeitpunkt von zwei Gesellschaften verwaltet: Zum Einen von der Deutschen Stunde - Gesellschaft für drahtlose Belehrung und Unterhaltung, welche für die kulturelle Darbietung verantwortlich war, und zum anderen vom Drahtlosen Dienst - AG für Buch und Presse, verantwortlich für Nachrichten und politische Inhalte. Aus diesen beiden Gesellschaften entwickelte sich eine vieler regionaler Rundfunkgesellschaften, die Radiostunde AG. In manch anderen Städten (wie z.B. Hamburg, Leipzig, Breslau, Köln und einigen weiteren) wurden weitere Rundfunkgesellschaften gegründet. Sowohl mit privaten als auch staatlichen Anteilen schlossen sich diese 1925 zu der Reichsrundfunkgesellschaft mbH. (RRG) zusammen und unterlagen zu 51 Prozent dem Reich als Ganzes. Der Staat suchte zeitgleich nach einem Weg, auch überregional an die Öffentlichkeit zu gelangen, was die Einführung des Deutschlandsenders und der Stunde der Reichsregierung nach sich zog. Dadurch wurde eine direkte, einseitige Kommunikation mit dem gesamten Volk ermöglicht, ohne an die einzelnen regionalen Sendergesellschaften treten zu müssen. Um die deutschsprachige Bevölkerung im Ausland zu erreichen, eröffnete 1929 dann der speziell für das Ausland gedachte Kurzwellensender Deutscher Kurzwellensender (Pürer, 2015).

Die zweite Phase umfasst die Zeit des Nationalsozialismus in Deutschland (1933 bis 1945). Mit der Machtergreifung Adolf Hitlers 1933 wurde die Kontrolle des Rundfunks vollständig vom nationalsozialistischen Regime übernommen. Die bis dahin existierenden elf regionalen Rundfunkgesellschaften wurden in sogenannte Reichssender umgewandelt und bekamen ein Teil der Reichsrundfunkgesellschaft. Geleitet wurde der Rundfunk von einem Direktor, welcher für die Sendeleitung, Technik und Wirtschaft zuständig war. Über diesem stand jedoch noch das Reichsministerium für Volksaufklärung und Propaganda, welches, mit Joseph Goebbels an der Spitze, die politischen Inhalte und Impulse an die deutsche Bevölkerung formte. Die Reichskulturkammer sorgte unter anderem dafür, dass jeder Bürger auf den Rundfunk aufmerksam wurde und in der Lage war, sich ein Empfangsgerät zu leisten. Da Radiogeräte für jeden erschwinglich sein sollten, wurden sie als Hauptpropagandamittel verwendet. Deshalb wurde die Produktion für Radioempfangsgeräte für die Haushalte immer weiter gesteigert (Pürer, 2015). Auch der zweite Pfeiler des Rundfunks, das Fernsehen, erlebte seine Anfänge während dieser Zeit. „Am 22. März 1935 begann ein Fernsehsender auf dem Berliner Funkturm regelmäßig ein tägliches Programm von zwei Stunden Dauer auszustrahlen. Für die Fernsehtechnik war das Reichspostministerium, für die Programmproduktion das Reichspropagandaministerium und für die Sendefrequenz das Reichsluftfahrtministerium zuständig“ (Bundeszentrale für politische Bildung, 2012). Sowohl im Hörfunk als auch im Fernsehen war alleinig das Reichspropagandaministerium für die Inhalte zuständig. Fernsehgeräte waren jedoch noch in ihrer Anfangsphase, weshalb sie überwiegend in öffentlichen „Fernsehstuben“ zu finden waren und weniger in Privathaushalten. Dies erschwerte es, die breite Masse der Bevölkerung zu erreichen und sollte deswegen ebenfalls zu Propagandazwecken geändert werden. Der Zweite Weltkrieg machte „jedoch die Pläne zunichte, das Medium Fernsehen ähnlich dem Hörfunk zu einem Volksmedium aufzubauen und für propagandistische Zwecke zu nutzen“ (Pürer, 2015, S. 108).

Anschließend folgt die Phase der Nutzung des Rundfunks in Deutschland durch die Besatzungsmächte (1945 bis 1949). Nachdem für die Deutschen 1945 der Zweite Weltkrieg verloren war, leiteten die Besatzungsmächte ein unmittelbares Sendeverbot der Rundfunkanstalten ein, um die Propaganda zu stoppen. In ihren Besatzungsgebieten sorgten die vier Siegermächte für die Errichtung von Rundfunkanstalten. Die Briten, Franzosen und Sowjets verfügten über je eine zentrale Leitrundfunkanstalt in den jeweiligen Besatzungsgebieten und versuchten die Rundfunkstrukturen aus ihrem eigenen Land für die Anstalten in den Besatzungszonen zu adaptieren. Jede Landesrundfunkanstalt in Deutschland verfügte über drei Aufsichtsorgane, welche die Unabhängigkeit und Staatsferne der Anstalt garantierten: Zum einen ein Rundfunkrat, welcher aus Vertretern gesellschaftlich relevanter Gruppen, wozu beispielsweise Kultur, Bildung, Kirche und anderen gehörten, Mitgliedern des Landesparlaments und geboren Mitgliedern von Amts wegen zusammengesetzt war (Schätzelein, 1995), eine Rundfunkanstalt leitete und für das Programm sorgte. Ein weiteres Organ war der Verwaltungsrat. Dieser „wiederum kontrolliert und unterstützt den Intendanten bei der Geschäftsführung“ (Reinle, 2005), was beispielsweise die Finanzierung und Rundfunkwirtschaft betraf. Als drittes Organ stand der Intendant an der Spitze der Rundfunkanstalten. Er war in der Position des monokratischen Individualorgans verantwortlicher Leiter einer Rundfunkanstalt und damit von Rechts wegen für Zusammenstellung, Inhalt und Gestaltung der Programme im Sinne der Programmgrundsätze zuständig (Stuiber, 1998).

Die nächste Etappe betrifft die Einführung des öffentlich-rechtlichen Rundfunks und Entstehung der ARD und des ZDF (ab 1950). Die „deutschen“ Landesrundfunkanstalten, welche sich immer mehr aus den Rundfunkanstalten der Besatzungsmächte entwickelten, erkannten bald die Notwendigkeit einer Zusammenarbeit, da viele Rundfunkanstalten Probleme mit der Finanzierung oder Organisation hatten. Keiner der Intendanten wollte allerdings eine Reduzierung der eigenen Entscheidungsfreiheit, doch als die Befürchtungen wuchsen, dass durch eine Zentralisierung der Anstalten genau dies der Fall war, musste erneut ein Kompromiss gefunden werden. „Die Rundfunkanstalten einigen sich stattdessen im Juni 1950 auf die Gründung der Arbeitsgemeinschaft der öffentlich-rechtlichen Rundfunkanstalten der Bundesrepublik Deutschland [...]. Die ARD war ein lockerer Zusammenschluss ohne eigene Rechtsprechung [...]“ (Reinle, 2005).

Das Zweite Deutsche Fernsehen (ZDF) wurde 11 Jahre später gegründet. Ursächlich hierfür war der Versuch des damaligen Bundeskanzlers, Konrad Adenauer, das Deutschland-Fernsehen, die Deutsche Welle für Auslandshörfunk und den Deutschlandfunk als Sender der DDR zu gründen. Letztere Rundfunkanstalten wurden genehmigt, erstere jedoch nicht, da verhindert werden sollte, dass der Bund bzw. der Staat als solches den Fernsehmarkt dominieren kann. Eine Klage der Bundesländer erreichte das Bundesverfassungsgericht, welche die Gründung des Deutschland-Fernsehens untersagte und als Absicherung am 28. Februar 1961 genauestens festschrieb, wer für den Rundfunk zuständig sei. Demnach wurde also beschlossen, „dass die Organisation des Rundfunks eine Angelegenheit sei, welche ausschließlich die Länder zu regeln hätten“ (Stuiber, 1998, S. 224). Auf dieser Basis wurde eine zweite öffentlich-rechtliche Rundfunkanstalt eingerichtet - das ZDF.

Die darauffolgende Etappe thematisiert die Einführung des dualen Rundfunksystems durch die Errichtung des privaten Rundfunks (ab 1981 bzw. 1984). Bis 1984 gab es nur private Radiosender, bis dann 1984 auch private Fernsehveranstalter erschienen, mit SAT.1 und RTLplus (heute nur RTL) an der Spitze. 1986 wurde die Kombination des öffentlich-rechtlichen und privaten Rundfunks durch das Bundesverfassungsgericht endgültig für konform erklärt, woraus sich die Basis für das später offiziell folgende duale Rundfunksystem und die damit verbundene Aufgabenverteilung der beiden Rundfunkarten in Deutschland bildete. Als Aufgabe der öffentlich-rechtlichen galt, die „Grundversorgung (nicht Mindestversorgung!) mit informierenden, bildenden und unterhaltenden Programmen zu leisten“ (Pürer, 2015, S. 127), hierfür bekamen sie jedoch das alleinige Recht auf Zwangsgebühren, welche die Entwicklung und Erhaltung des öffentlich-rechtlichen Rundfunks garantieren sollten. Die privaten Rundfunkanstalten wiederum waren ausschließlich auf Werbeeinnahmen angewiesen, wodurch mehr Freiheiten bei der Programmgestaltung ermöglicht wurden. Voraussetzung für diese Freiheiten war allerdings das Nachkommen der Grundversorgungspflicht durch die öffentlich-rechtlichen Anstalten in Bezug auf Bildung, Kultur und Information. 1987 wurde dann auf dieser Basis das duale Rundfunksystem verfassungsrechtlich eingeführt (Pürer, 2015).

Die letzte historische Phase beinhaltet die Entwicklung des Rundfunks nach der Wiedervereinigung Deutschlands (ab 1990) (Pürer, 2015). Als größtes Problem für den Rundfunk nach dem Zusammenschluss der DDR und BRD galt die Errichtung einer einheitlichen Rundfunkstruktur, da laut Art. 36 des Einigungsvertrages der „Deutsche Fernsehfunk“ und die Radioprogramme der DDR zusammengeschlossen werden und ebenso wie die ursprünglichen Länder der BRD, die Bevölkerung in den neuen Ländern mit Hörfunk- und Fernsehsendern versorgen sollten. Dieser „Staatsvertrag über den Rundfunk im vereinten Deutschland“ ist seit 1991 existent und legitimiert und regelt die genannten Änderungen. Mit der Zeit schlossen sich verschiedene Länder zu weiteren Landesrundfunkanstalten zusammen und der ARD an (beispielsweise bildeten Thüringen, Sachsen und Sachsen-Anhalt den Mitteldeutschen Rundfunk und wurden Teil der ARD) (Pürer, 2015).

3.2 Heutige Grundstruktur des Rundfunks

Wie bereits erwähnt verfügt Deutschland in seiner dualen Rundfunkordnung über zwei Arten von Rundfunkanbietern, die öffentlich-rechtlichen und die privaten. Im folgenden Abschnitt soll jedoch zuerst die heutige Grundstruktur des öffentlich­rechtlichen Rundfunks beschrieben werden.

Die Aufgaben dieser Rundfunkanbieter bestehen darin, „dass der Rundfunk die Bürger frei, umfassend und ausgewogen informiert, damit diese in die Lage versetzt werden, eigene politische und weltanschauliche Entscheidungen zu treffen“ (Georgi, 2016). Nach wie vor existieren die drei bereits erwähnten Kontroll- bzw. Steuerungsorgane (Rundfunkrat, Verwaltungsrat und Intendant). Relativ unabhängig vom Staatsorgan dienen sie der allgemeinen Meinungsvielfalt im öffentlich-rechtlichen Rundfunk. Der Rundfunkrat soll, wie bereits beschrieben, die Interessenvielfalt sichern und setzt sich deshalb aus den gesellschaftlich relevanten Gruppen der Bevölkerung zusammen. Er ist für die Kontrolle des Inhalts des Programms zuständig. Er wählt und berät den Intendanten, welcher für die Programmgestaltung und allgemeine Geschäftsführung verantwortlich ist, und den Verwaltungsrat, welcher die Arbeit des Intendanten und die wirtschaftlichen Aspekte der Rundfunkanstalten kontrolliert (Reinle, 2005).

Alle öffentlich-rechtlichen Rundfunkanstalten (beispielsweise der RBB, BR, HR oder Radio Bremen) vereinen sich unter der ARD. In der Theorie wird der Vorsitz der ARD theoretisch jährlich gewählt, (in der Praxis wechselt er jedoch meist erst alle zwei Jahre, da er wiedergewählt werden kann und selten nach einem Jahr abgesetzt wird) nach einem Rotationsprinzip, welches entscheidet, welche Rundfunkanstalt als geschäftsführende Anstalt dient. Der Intendant der gewählten Anstalt wird somit zum Vorsitz. „Für die Koordination und Produktion der Fernsehprogramme der ARD [gibt es zudem] eine ständige Programmkonferenz, der der Direktor der Programmdirektion vorsteht“ (Pürer, 2015, S. 112). Zudem gibt es noch die Gremienvorsitzendenkonferenz (GVK), zusammengesetzt aus den Vorsitzenden der Rundfunkräten und Verwaltungsräten der Landesrundfunkanstalten und zusätzlich aus denen der Deutschen Welle. Als letztes nennenswertes Organ gibt es noch das ARD-Generalsekretariat, welches allerdings nur beratend auf den ARD-Vorsitzt wirken kann (Pürer, 2015). Abschließend soll auf die Finanzierung der öffentlich-rechtlichen Rundfunkanstalten eingegangen werden: Sie setzt sich zum einen aus staatlichen Beiträgen zusammen, welche jedoch nicht die alleinige Geldquelle sein können, da sonst die Distanz zum Staat nicht mehr bestünde und die Berichterstattung durch die finanzielle Abhängigkeit verzerrt werden könnte. Aus diesem Grund werden noch Rundfunkbeiträge der Bevölkerung hinzugezogen. Einen kleinen Teil trägt auch die Rundfunkwerbung und das Merchandise bei. Deutlich wird also, dass es sich um eine Mischfinanzierung handelt (Georgi, 2016).

Wie auch beim öffentlich-rechtlichen Rundfunk gilt beim privaten Rundfunk der Rundfunkstaatsvertrag als Rechtsgrundlage. Mit dem Unterschied jedoch, dass auf der Landesebene nicht die Landesrundfunkgesetze, sondern die Landesmediengesetze gelten. Die 14 existierenden Landesmedienanstalten beaufsichtigen die jeweiligen privaten Rundfunkveranstalter in den Ländern beispielsweise in Bezug auf die Programmgestaltung, sorgen für die Einhaltung der Landesmediengesetze und entscheiden über die Vergabe von Zulassungen. Durch die begrenzte Kapazität an Sendefrequenzen und den großen dahinterstehenden finanziellen Aufwand, erhält nicht jeder diese Zulassung. Des Weiteren möchte man so einer Monopolbildung entgegenwirken. Für den privaten Rundfunk gelten gesetzliche Programmvorgaben. Beispielsweise soll darauf geachtete werden, dass die Menschenwürde unverletzt bleibt, die journalistischen Sorgfaltspflichten eingehalten werden, es eine klare, für den Zuschauer erkennbare Trennung zwischen Programm und Werbung gibt und die allgemeine Meinungsvielfalt gesichert wird. Letzteres hat zur Folge, dass bei einer Überschreitung des Zuschaueranteils von 30% alle weiteren Programmveranstaltungen des Unternehmens eingestellt werden. Die Kommission zur Ermittlung der Konzentration im Medienbereich (KEK) kontrolliert die Zuschaueranteile und greift im Notfall ein. Finanziert wird jeder private Rundfunkveranstalter im Grunde ausschließlich durch Werbung, was ebenfalls einen starken Unterschied zu dem öffentlich-rechtlichen Rundfunk darstellt. Dies verdeutlicht, dass beim privaten Rundfunk hauptsächlich die Gewinnerzielung im Vordergrund steht (lecturio.de, 2016).

4 Das Internet

Im folgenden Kapitel wird sich mit der historischen Entwicklung des Internets sowie seiner heutigen Grundstruktur befasst. Besonderer Fokus wird auf das Internet als bahnbrechende Erfindung des 21. Jahrhunderts gelegt und dahingehend seine Eigenschaften in Bezug auf das heutige Programmangebot beleuchtet.

4.1 Historische Entwicklung des Internets

Nach Hilbert und Lopez lässt sich die Geschichte des Internets in drei Phasen einteilen (2011). Mit der Frühphase ab Mitte der 1960er Jahre wurden die Grundlagen gelegt, die Technik demonstriert und zur Anwendungsfähigkeit entwickelt.

Für die US Air Force entwickelte Paul Baran von der Firma RAND Corporation 1964 das so genannte Dezentrale Netzwerk mit digitaler Informationsübertragung, bei welchem die Daten über verschiedene Wege in kleinen Paketen durchs Netz zum Zielcomputer gesendet und dort wieder zu einer sinnvollen Information zusammengesetzt wurden. Einige Jahre später, ab 1966 konnte amerikanischen Universitäten mithilfe der Finanzierung durch die Advanced Research Projects Agency (ARPA) jeweils ein Zugang zu einem Großrechner gesichert werden. 1968 bat die ARPA um Unterstützung US-amerikanischer Firmen bei der Vernetzung von Rechnern. Dem Auftrag stellte sich das Unternehmen BNN Technologies (BNN) und realisierte dadurch ein Jahr später das ARPAnet. Zu diesem Zeitpunkt kommunizierten die Rechner mit Hilfe des Netzwerk-Protokolls Telnet, mit welchem sich Rechner stets heute noch von anderen Rechnern aus fernsteuern lassen. Wenig später erfand der BNN-Mitarbeiter Raymond Tomlinson 1972 eine Software zum Versenden von elektronischen Briefen, die heutige E-Mail. 1974 erfanden der Mathematiker Robert Kahn und der Computerspezialist Vinton Cerf eine „Übersetzungssprache“ für die Kommunikation zwischen den unterschiedlichen und bisher isolierten Netzwerken: das Transmission Control Protocol (TCP). Wenig später entstand daraus das TCP/IP (Transmission Control Protocol/Internet Protocol), dessen Merkmal aus der Datenübermittlung in kleinen Datenpaketen bestand. 1975 wird die erste elektronische Diskussionsgruppe über das Internet, „MsgGroup“, von Stephen Walker (ARPA) ins Leben gerufen. Sie galt als ein schwarzes Brett im Netz, auf dem alle E-Mails der anderen Schreiber gelesen und beantwortet werden konnten. Wenige Jahre später entstand das „USENET“, ein Diskussionsbrett mit verschiedenen Diskussionsforen („Newsgroups“), unabhängig von „MsgGroup“ der ARPA (Konitzer, 2010).

Mit der anschließenden Phase Ende der 1970er Jahre begann das Wachstum und die internationale Ausbreitung des Internets, denn zu dieser „wilden Phase des Internets“ (Hilbert & Lopez) entwickelte sich das Internet in eine Tauschökonomie für Software und Information (2011). Im Jahr 1981 wurden 188 im Internet vernetzte Rechner mit ca. 500.000 Usern registriert. Zwei Jahre später teilte sich das ARPAnet: „MILnet“ übernahm den militärischen Datenverkehr, während das zweite Teilnetz den Namen ARPAnet beibehielt. Zur genauen Adressierung von Rechnern wurden 1986 Top Level Domains (TLD) durch Vertreter der Regierung und Firmen ins Leben gerufen. Dahinter verbargen sich Kürzel für Länder oder bestimmten Einrichtungen (wie bspw. .de für Deutschland oder .com für Unternehmen).

Timothy Berners-Lee, Mitarbeiter am Kernforschungszentrum in Genf, stand 1989 vor folgendem Problem: 7000 Mitarbeiter der Europäischen Organisation für Kernforschung (CERN) waren nicht unmittelbar auf dem Stand, wer gerade an welchem Projekt arbeitete, da sich Informationen darüber nur sehr umständlich miteinander austauschen ließen. Berners-Lee entwickelte daraufhin ein Programm, mit welchem Daten eindeutig in anderen Rechnern auffindbar und dadurch Verlinkungen zwischen den Dateien möglich waren und nannte dieses Programm World Wide Web (WWW) (Konitzer, 2010). 1990 begann mit der Abschaltung des ARPAnet die kommerzielle und zugleich letzte (Entwicklungs-)Phase des Internets (Hilbert & Lopez, 2011). Nur 2 Jahre nach der Geburt des WWW, 1991, veröffentlichte Berners-Lee die Software im Internet. Die Hypertext Markup Language (HTML) wurde zur Programmierung verlinkbarer Internetseiten entwickelt und von der Internet-Gemeinde sofort übernommen: Bereits 1993 galt sie als Standard der Internet-Kommunikation. Etwa zur selben Zeit wurde das Internet, das bisher aus amerikanischen Steuergeldern finanziert wurde, durch eine Initiative des US-Abgeordneten Rick Boucher frei und öffnete sich dem Kommerz. Nach und nach entstanden die ersten Suchmaschinen und erste Audio- und Videodateien wurden im Netz versendet. Während 1993 noch etwas mehr als zwei Millionen Rechner im Netz registriert waren, stieg die Anzahl 1996 auf 16 Millionen, 1998 sogar auf mehr als 36 Millionen (Konitzer, 2010). Im Laufe dieses exponentiellen Wachstums wurde die heute weltweit erfolgreichste Internet-Suchmaschine Google von Larry Page und Sergey Brin gegründet (Google erhielt 2017 weltweit etwa 79 % aller Suchanfragen des Internets) (NetMarketSharte, n.d.) und kurze Zeit später, im Jahr 2003, verfügten über 50% der deutschen Bevölkerung über einen Zugang zum Internet (Konitzer, 2010).

4.2 Das Internet als bahnbrechende Erfindung des 21. Jahrhunderts

Mit der wachsenden Verfügbarkeit des Internets, stiegen folglich auch die Zahlen der Internetnutzer in den letzten Jahren deutlich. Eine Studie des ARD und ZDF stellte heraus, dass die Zahl der Internetnutzer in Deutschland von 1997 mit 4,1 Millionen bereits auf 62,4 Millionen Menschen im Jahr 2017 anstieg (Statista, n.d.). Dies bedeutet, dass die Nutzung des Internets seit 1997 um ca. 70% zugenommen hat. Worauf diese Entwicklung zurückzuführen ist soll im folgenden Abschnitt erörtert werden.

Als das Internet in den 90er Jahren für die breite Masse zugänglich gemacht wurde, bestand das World Wide Web - aus heutiger Sicht betrachtet - aus recht wenigen Funktionen. Man konnte Internetseiten aufrufen, Verlinkungen zu weiteren Seiten folgen und vereinzelt Bilder und Videos anschauen. Diese Art des Internets nennte man Web 1.0. Webseiten waren statisch konstruiert, sie gaben sozusagen lediglich die Printversion der Visitenkarte eines Unternehmens digitalisiert wieder. Reaktionen auf den Inhalt im Netz waren den Besuchern jedoch vorenthalten. Kommentarfunktionen oder das heutige "liken" eines Beitrags waren folglich nicht möglich. Bei der Form des Web 1.0 war der Fokus auf den Inhalt gerichtet und somit auf die Übertragung von Informationen des Webseiten-Betreibers. Die Rolle des Besuchers war daher eher passiv (Flat Business, n.d.).

[...]

Ende der Leseprobe aus 34 Seiten

Details

Titel
Amüsieren wir uns zu Tode? Neil Postmans These in Anbetracht des aktuellen Programmangebotes und möglicher Veränderungen durch das Internet
Hochschule
Hochschule für Medien, Kommunikation und Wirtschaft
Note
1,0
Jahr
2018
Seiten
34
Katalognummer
V924686
ISBN (eBook)
9783346249326
ISBN (Buch)
9783346249333
Sprache
Deutsch
Schlagworte
amüsieren, tode, neil, postmans, these, anbetracht, programmangebotes, veränderungen, internet
Arbeit zitieren
Anonym, 2018, Amüsieren wir uns zu Tode? Neil Postmans These in Anbetracht des aktuellen Programmangebotes und möglicher Veränderungen durch das Internet, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/924686

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