Strom- und Binnenseeinseln in Deutschland


Fachbuch, 2008

58 Seiten


Leseprobe

Inhalt

Einleitung

Binnenseeinseln in Schleswig-Holstein

Binnenseeinseln in Bayern und Baden-Württemberg

Binnenseeinseln in Mecklenburg-Vorpommern

Binnenseeinseln in Brandenburg

Binnenseeinseln in Berlin

Binnenseeinseln in Niedersachsen

Strominseln im Rhein

Strominseln in der Weser

Strominseln in der Elbe

Strominseln in der Ems

Strominseln in der Wakenitz

Quellen

Einleitung

Inseln haben den Geist und die Emotionen der Menschen zu allen Zeiten bewegt. Wohl kaum eine andere Prägung von Mutter Natur gestaltet das Bild der Erde so mannigfaltig und ereignisreich wie die Inseln.

Ausschlaggebend hierfür ist offenbar die gänzliche Abgeschlossenheit der Eilande durch das einrahmende Wasser. Eine Insel ist mit Ausnahme der Kontinente (Australien) jede Landmasse, die vollständig von Wasser umgeben ist. So definieren inhaltlich die meisten Lexika den Terminus Insel. Für die Inseln in den Weltmeeren ist diese Aussage sicherlich zutreffend. Aber wie verhält es sich mit den Inseln in Seen und Flüssen. Hat auch hier die Definition des Lexikons ihre Gültigkeit? Sind solche Eilande nicht häufig durch Dämme, Brücken etc. mit dem Festland verbunden und hierdurch zu Halbinseln rudimentiert? Verliert also eine Insel ihre Charakteristik durch Verbindungen mit dem Festland?

Wenn das so wäre, könnten manche Fluß- und Binnenseeinseln ihr Merkmal nicht mehr aufrechterhalten (Lindau, Reichenau, Mainau, Ratzeburg, u.v..a.). Aber auch viele vor den Meeresküsten liegenden Inseln hätten dann ihr Attribut verloren (Sylt, Nordstrand, viele dänische Inseln, die schwedische Insel Öland, auch viele japanische Inseln, einige der bretonischen Küste vorgelagerte Inseln um hier wirklich nur einige zu nennen).

Aus diesem Grund sollte, solange es sich nicht um eine künstlich angelegte Insel handelt, sondern nur die Verbindungen zur Insel künstlich sind, die oben erwähnte Definition Insel auch auf die Fluß- und Binnenseeinseln zutreffen. Völlig falsch ist es auf jeden Fall, Inseln mit solchen künstlichen Verbindungen »Halbinseln« zu nennen; eine Halbinsel ist ein ins Meer oder in einen See vorspringender Teil des festen Landes.

Auch ist diese Definition unabhängig von Abstand der Insel zum Festland, oder bei Fluß- und Binnenseeinseln zum See- oder Flußufer: Ist die Landmasse vollständig vom Wasser umgeben, ist auch ein sehr geringen Abstand zum Ufer kein Grund, die Inseleigenschaft in Frage zu stellen. Sonst müßten auch hier viele Inseln als solche von der Landkarte verschwinden, beispielsweise Rügen und Usedom.

Halten wir also fest: Landmassen, die in Flüssen oder Seen liegen, auch wenn sie zum Teil nur wenige Meter vom Festland entfernt liegen und mit dem Ufer durch Brücken oder Dämme verbunden sind, müssen als Inseln definiert werden.

Wenn man nun davon ausgeht, daß die deutschen Fluß- und Binnensee- inseln nicht sehr groß sind, weil die deutschen Binnenseen nicht sehr groß - und die deutschen Flüsse nicht sehr breit sind, stellt sich die Frage, was macht diese Inseln untersuchungswürdig? Nun, da die Adjektive klein undgroß bekanntlicherweise relativ sind, können die deutschen Strom- und Binnenseeinseln in vielfacher Hinsicht von Interesse sein. Die Untersuchungen in diesem Buch, das einen Beitrag zur deutschen Landeskunde darstellen soll,galten primär ihren ökologischen Potentialen und sekundär, praktisch sich aus dieser Untersuchung ergebend, ihren teilweise hochinteressanten historischen Hintergründen. Hierbei sind natürlich die großen Binnenseeeinseln wie Lindau, Reichenau, Ratzeburg oder die großen Flußinseln wie Niederwerth von der ökologischen Untersuchung ausgeschlossen, weil deren Ökologie ja feststeht; aber allein die historische Vergangenheit dieser Inseln ist schon lesenswert. Bis auf einige kleine und kleinste Inseln in ebenso kleinen und kleinsten Seen und Flüssen wurden alle deutschen Fluß- und Binnenseeinseln unter-sucht. Praktisch außer Konkurrenz, weil aber von hohem historischen Wert, wurde die künstlich angelegte Insel Wilhelmstein im Steinhuder Meer in die Untersuchung mit einbezogen, ansonsten waren künstlich angelegten Inseln von den Untersuchungen ausgeschlossen.

Insgesamt 34 Inseln in deutschen Binnenseen und 33 Inseln in den deutschen Flüssen Rhein, Elbe, Weser, Ems und Wakenitz wurden untersucht. Alle besitzen die Gesammtfläche von ca. 9755 ha, was etwa der Größe der Insel Sylt entspricht (Untersuchungsergebnisse Seite 9).

Die ökologische Bedeutung bzw. die Schutzwürdigkeit der deutschen Fluß- und Binnenseeinseln steht also hier im Vordergrund. Sie sollte allen anderen Nutzungen vorangestellt werden, ausgenommen bei den oben schon erwähn- ten Inseln.

Immer neue Bebauungen an einem Fluß- oder Binnenseeufer bzw. in Ufer- nähe müssen zwangsläufig wegen der daraus folgenden Eingriffe in die Natur einen Ausgleich für die Natur zu Folge haben. Hierfür sollten die in diesem Bebauungsgebiet vorhandenen Fluß- bzw. Binnenseeinseln ausgewählt werden. Der Ausgleich sollte so aussehen, daß eine Rücknahme oder sogar eine völlige Aufgabe aller eventuellen Aktivitäten auf der Insel, wie beispielsweise land- wirtschaftliche Bewirtschaftung anstrebt werden, um die Verschlechterung des Naturhaushaltes im Baugebiet an dieser Stelle auszugleichen. Die großen bewohnten Inseln wie Ratzeburg, Lindau etc. sind von diesem Vorschlag natürlich ausgenommen.

Aber auch ohne einen »Ausgleichszwang« haben viele Städte, Gemeinden und Länder »ihre« Fluß- bzw. Binnenseeinsel heute sehr weitsichtig als Naturschutzgebiet ausgewiesen. Diese Inseln ausschließlich aus der Sicht des Naturschutzes zu behandeln, sollte dann auch für die noch nicht unter diesem Schutz stehenden Inseln angestrebt werden.

Die hohe Schutzwürdigkeit vieler Fluß- und Binnenseeinseln basiert insgesamt gesehen vor allem auf dem ausgeprägten Natürlichkeitsgrad weiter Bereiche dieser Inseln. Zwar sind etliche Lebensräume in ihrer Genese auf Einwirkungen des Menschen zurückzuführen (Strand, Magerrasen, durch Aufspülung entstandene Dünen etc.), doch da die Inseln in der Nachfolgezeit ihrer Eigenentwicklung überlassen bleiben, werden sich auch diese »sekundä- ren Lebensräume« zum großen Teil zu sehr wertvollen Biotopen entwickeln. Daher sollte es das Hauptziel des geplanten Naturschutzgebietes sein, einen großflächigen Komplex natürlicher, also nutzungsfreier Bereiche zu erhalten bzw. zu schaffen.

Für den Erhalt der verschiedenen Lebensraumtypen kann jedoch auch die Durchführung bestimmter Schutz-, Pflege- und Entwicklungsmaßnahmen sinnvoll werden. Trotz des Anspruchs der weitgehenden Natürlichkeit muß die Durchführung dieser Maßnahmen daher auch nach Ausweisung des Naturschutzgebietes möglich bleiben.

Ebenso sollten Nutzungen weiterhin zugelassen bleiben, die aber keines- .falls die zu schützende Natur auf den Inseln in ihren Strukturen, Prozessen und Funktionen gefährden. Es wäre illusorisch, davon auszugehen, einen größeren Raum im Einzugsgebiet einer Fluß- bzw. Binneninsel mit seinem hohen Nutzungsdruck gänzlich nutzungsfrei halten zu können. Kleinflächige Bereiche müssen daher für bestimmte Nutzungen (z. B. Besucher) freigehalten werden. Diese Erholungsnutzung ist allerdings auf das unabdingbare Maß zu beschränken und darf den eigentlichen Schutzzweck des Naturschutzgebietes keinesfalls beeinträchtigen. So verlockt beispielsweise ein breite Strom mit den reizvollen Inseln und den bekannten Orten an seinem Ufer (z. B. Rhein) zu einem ausgeprägten Motorboot-Tourismus und weiteren Freizeit-Aktivitäten. Dadurch treten teilweise erhebliche Konflikte mit dem Naturschutz auf. Die Befahrung der ruhigen Stillwasserzonen mit nur einem Boot reicht aus, um ganze Schwärme von Wasservögeln zu beunruhigen und an der Nahrungsauf- nahme zu hindern. Ein Pflegeplan wird daher nur in begrenztem Maße einen Beitrag zur Milderung dieser Nutzungskonflikte liefern.

Sehr bedauerlich ist in diesem Zusammenhang die Tatsache, daß einige

Inseln einer Erholungsnutzung aufgrund von Privatbesitz gar nicht zugänglich sind - eine der negativen Folgen, solche Inseln in private Hände zu geben. Dem zunehmenden Anstieg von immer mehr Freizeit steht zwangsläufig ein höherer Nutzungsdruck (»bedingte Erholungsnutzung«) gegenüber. Wenn sol- che Eilande in Privatbesitz gegeben werden, vor allen aus Gründen der finan- ziellen Erhaltung solcher Objekte, muß per Gesetz geregelt sein, das diese Objekte jedermann, jederzeit, zumindest partiell, in ihren wichtigsten Teilen (historische Bauten, Parkanlagen etc.) zugänglich sind. Hierfür gibt es zahl- reiche, vorbildliche Beispiele bei der Vergabe von Pacht- bzw. Kaufverträgen von Burgen und Schlössern. Es kann auf keinen Fall richtig sein, das sich einige wenige, aus welchen Gründen auch immer, eine Insel kaufen und die auf dieser Insel befindlichen, Jahrhunderte alten Kulturgüter einfach »wegschließen«, wie beispielsweise das alte Kloster auf der Rheininsel Nonnenwerth. Darum sollte, wo noch nicht praktiziert, die Erneuerung von Pachtverträgen mit Privatpersonen, wenn sich eine solche aus den oben genannten Finanzierungsgründen nicht vermeiden läßt, unter den nachfol- genden Naturschutzzielen bzw. Schutzzwecken abgeschlossen werden.

Das bezieht sich selbstverständlich auch alle anderen Fluß- und Binnenseeinseln, die zwar nicht in Privatbesitz, aber bisher noch nicht als Naturschutzgebiet ausgewiesen sind. Alle Naturschutzziele lehnen sich in ihrer Relativität selbstverständlich der Größe der Insel an:

Konkurrierende Nutzungen

Ziel der Ausweisung des Naturschutzgebietes der jeweiligen Fluß- und Binnenseeinsel ist es, einen in der Fläche möglichst konsequenten Natur- schutz betreiben zu können. Kompromisse und Zugeständnisse an andere Nutzungsmöglichkeiten sind lediglich auf das unabdingbare Maß zu beschrän- ken und dürfen nicht zu unmittelbaren Beeinträchtigung des Schutzzweckes führen.

- Landwirtschaft

Eine landwirtschaftliche Nutzung sollte auf den Inseln nicht mehr oder allenfalls nur noch in sehr eingeschränktem Maße stattfinden. Hauptgrund ist u. a. die hohe Fluorbelastung der Böden. Eine Beweidung zur Erhaltung der ökologisch wertvollen Feuchtwiesenbereiche hingegen ist sicherlich als Schutz-, Pflege- und Entwicklungsmaßnahme im Naturschutzgebiet zu empfeh- len.

- Jagdliche Nutzung

Eine jagdliche Nutzung steht im krassen Gegensatz zu der hohen Störungs- empfindlichkeit des Inselgebietes als wichtiges Brut-, Rast- und Nahrungs- gebiet für zahlreiche, teilweise stark gefährdete Vogelarten. Aus diesen Grün- den muß die Jagdausübung im geplanten Naturschutzgebiet auf die Ausübung des Jagdschutzes beschränkt bleiben. Soweit eine Reduzierung, beispielsweise der Kaninchenbestände aus Sicht des Naturschutzes notwendig werden sollte, wäre dieses eine Schutz-, Pflege- und Entwicklungsmaßnahme.

- Fischereiliche Nutzung

Im Vergleich zu früher, ist die Ausübung der Fischerei ohnehin stark zurück- gegangen bzw. schon lange aufgegeben, zumal viele Fische aufgrund ihrer hohen Schadstoffgehalte nicht mehr in den Verkehr gebracht werden dürfen. Die mit der Sportfischerei verbundenen Beeinträchtigungen der Uferbereiche hingegen müssen in jedem Falle dauerhaft ausgeschlossen bleiben, um hier eine dem Schutzzweck entsprechende Ausbildung bzw. Erhaltung der natür- lichen Ufer-vegetation und -fauna zu ermöglichen. Außerdem würde häufiges Betreten des Naturschutzgebietes insbesondere der Uferflächen zu einer erheblichen Störung und Vertreibung von im Vorland vorkommenden Brut- und Gastvogelarten führen.

- Forstwirtschaft.

Auf einer Insel vorhandene Waldbestände sollten aus Sicht des Naturschutzes nicht genutzt werden. Wobei Schutz-, Pflege- und Entwicklungsmaßnahmen (beispielsweise die Umwandlung von Nadelholzbeständen in naturnahe Bestände) jedoch weiterhin zulässig sein sollten.

- Betreten und Befahren

Um Störungen insbesondere der Rast- und Brutvögel auszuschließen, ist das Betreten nur auf vorhandenen Wegen gestattet. Lediglich die Grundstücks besitzer oder deren Beauftragte (hierzu zählt auch der Pächter) dürfen nur zur Wahrnehmung berechtigter Interessen das Naturschutzgebiet befahren und außerhalb der Wege betreten. Historisch interessante Gebäude sollten grund- sätzlich, ob in Privatbesitz oder nicht, der Öffentlichkeit (unter Berücksichti- gung des Naturschutzes) zugänglich sein, wobei der Erwerb bzw. die Pacht einer Fluß- und Binnenseeinsel immer auch zu einer Instandsetzung und 8 Instandhaltung dieser Gebäude verpflichten muß.

Bei konsequenter Beachtung der oben aufgeführten Schutzmaßnahmen kann davon ausgegangen werden, das auf den bisher noch nicht dem Naturschutz unterstellten Fluß- und Binnneseeinseln in zehn bis zwanzig Jahren eine typische Stromlandschaft mit vielen der dazugehörigen Tiere und Pflanzen zu finden sein wird.

Noch ein Wort sei erlaubt zu dem Umfang der einzelnen Untersuchungen.

Dieser ist kein Bewertungskriterium für die behandelten Fluß- und Binnensee- inseln, da die zum Teil jahrelangen Recherchen von recht ungleichem Ausmaß waren. Es wird bei dieser Gelegenheit und nach einer solch langen Zeit der Nachforschungen erlaubt sein, auch einmal daraufhinzuweisen, das die Ursa- chen für indiskutable oder völlig ausbleibende Informationen meist bei amtli- chen Quellen (kommunale Verwaltungen, Ministerien, Vermessungsämter etc.) und bei den privaten Besitzern bzw. Pächtern zu suchen waren, von denen sich nicht wenige im Umgang mit ihren überlegenen Beziehungen eine geradezu beschämende Arroganz leisteten.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

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BINNENSEEINSELN IN SCHLESWIG-HOLSTEIN

Ratzeburg - »die Stadt im See«

Südlich der Hansestadt Lübeck liegt im Naturpark Lauenburgische Seen der 11,5 km lange, fast 2 km breite und bis zu 24 m tiefe Ratzeburger See. Die Fläche des Sees beträgt je nach Wasserstand 1.632 ha. Die Mittlere Wasserspiegelhöhe + 3.7 m NN.

Den südlichen Abschluß bilden der kleine Stadtsee und der 186 ha große Küchensee, die durch Dämme vom Ratzeburger See getrennt sind. Inmitten des Ratzeburger Sees und des Küchensees liegt die 900 Jahre alte Inselstadt Ratzeburg.

Inseltelegramm:

Längste Nord-Süd-Ausdehnung: 1.200 m; Größe Breite: 650 m; Fläche: 30,29 ha; Kürzeste Entfernung zum Seeufer: 200 m; Größte Entfernung zum Seeufer: 700 m; Verbindungen zum Seeufer: drei Dämme mit Brücken; Geologische Oberflächenstruktur: Jungmoräne, + 17,4 m NN; Momentaner Status der Insel: Stadtkern der Stadt Ratzeburg mit Verwaltung (Kreis, Stadt), Einzelhandel, Dienstleistungen, Wohnen und Kurpark (Bild unten).

Ortstelegramm von Ratzeburg:

N 13,01 km2 ; O Herzogtum Lauenburg; I Schleswig-Holstein; ;23909, Unter den Linden 1; Gem.-Schlüssel: 01053100;n04541/8000-0;7RZ;æ 10 - 30 m NN; Geo. Länge: 010° 47' 30" Ost, Geo. Breite: 53° 41' 39" Nord; V11.800; zu erreichen über die B 208; +an der Stecke Lauenburg -Lübeck; r Schloßwiese 7, 04541/19433

Erste urkundliche Erwähnung der von dem slawischen Fürsten Ratibor ge- gründeten Burg Ratzeburg im Jahre 1062. 1582 gab Herzog Franz II von Sachsen-Lauenburg der im Schutz der Burg entstandenen Siedlung eine Stadtverfassung. 1693 wurde die Stadt von den Dänen völlig zerstört (Wiederaufbau nach Mannheimer Grundriß).

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Der Luftkurort ist Sitz der Kreisverwaltung des Herzogtums Lauenburg, hat Amtsgericht; Realschule, Lauenburgische Gelehrten- schule (Gymnasium), Volks- hochschule; Ruderakademie des Dt. Ruderverbandes; Barlachmuseum. Bedeutender Wirtschaftsfaktor ist der Fremdenverkehr. Historische Bauten und Sehens- würdigkeiten: Romanischer Dom (1170-1220); Stadtkirche (1791); Barlach-Gedenk- stätte im »Vaterhaus«; Kreismuseum (Sammlungen zur Landes- und Stadtge- schichte).

BINNENSEEINSELN IN BAYERN UND BADEN-WÜRTTEMBERG

Lindau - »die Inselstadt im Bodensee«

Das vor dem nördlichen Alpenrand liegende »Schwäbische Meer« - das Zungenbecken des gewaltigen eiszeitlichen Rheingletschers - ist das größte Binnengewässer Deutschlands und der drittgrößte See in Europa.

Die längste Nord-Süd-Ausdehnung beträgt 19 km, die größte Breite, von NW nach SO, 72 km, zwischen Bregenz und Stein a. Rhein. Von der insgesamt 539 km2 umfassenden Wasserfläche gehören 305 km2 zu Deutschland, wobei der deutsche Anteil der 263 km langen Uferstrecke 168 km beträgt, davon gehören 150 km zum Land Baden-Württemberg und 18 km zum Freistaat Bayern. Die mittlere Wasserspiegelhöhe ist 395, 45 ü. NN, die tiefste Stelle mißt 252 m.

Der schon von den Römern als »Lacus Brigantinus« erwähnte See gliedert

sich in drei Becken: Der Obersee erstreckt sich zwischen Konstanz und Bregenz und ist bis zu 252 m tief, der Überlinger See zwischen Bodanrücken und Linz- gau mit der Insel Mainau besitzt mit 150 m seine tiefste Stelle und der nördli- che Teil des bis zu 46 m tiefen Untersees mit der Insel Reichenau unterteilt sich nochmals in den Gnadensee und den Zeller See. Der Bodensee wird vom Rhein durchflossen; der Einfluß liegt am Südostufer zwischen Bregenz und Rorschach, der Ausfluß befindet sich am Ende des Untersees bei Stein am Rhein. Der Bodensee im Dreiländereck vor den Alpen ist - begünstigt durch das südlich milde Klima - ein Zentrum des internationalen Tourismus.

Inseltelegramm von Lindau

Längste Nord-Süd-Ausdehnung: 750 m; Größe Breite: 1200 m; Fläche: 56.75 ha; Kürzeste Entfernung zum Seeufer: 160 m; Größte Entfernung zum Seeufer: 400 m; Verbindungen zum Seeufer: eine Straßenbrücke, ein Eisenbahndamm, der für Fußgänger begehbar ist; Geologische Oberflächenstruktur: Geschiebelehm und blauer Schlegelletten; Momentaner Status der Insel: historische Altstadt mit Zentrumsfunktion für Lindau.

Ortstelegramm von Lindau:

N 33,01 km2 ; O Lindau;I Bayern; ;88131, Bregenzer Str 6; Gem.-Schlüssel: 09776116;n08382/918-0;7LI; æ 400 m NN; Geo. Länge: 009° 41‘ 14” Ost, Geo. Breite: 47° 32‘ 46” Nord; V25.000, davon 3000 auf der Insel; zu erreichen über die A96, A7, B 12, 18, 31; + EC-Station der internationalen Strecken München - Lindau - Zürich/Genf und Paris - Straßburg - Lindau- Innsbruck; rTourist-Information, 08382/2600-30

Um 800 gründeten Benediktinerinnen ein Kloster auf der Insel (reichsun- mittelbares Damenstift seit 1466. Eine in der Nähe angelegte Fischer siedlung (erste urkundliche Erwähnung 822) erhielt 1079 durch die Verlegung des stiftischen Marktes von Aeschach (Festland) auf die Insel zusätzliche Be- deutung. Linden, die in der feuchten Uferzone (»Aue«) des Bodensees wuchsen, gaben der Stadt Lindau ihren Namen. Im 12. Jahrhundert war die Insel bereits befestigt; im ersten Viertel des 13. Jahrhunderts wurde Lindau Freie Reichs- stadt. Im Mittelalter war die Stadt wichtige Durchgangsstation auf der Reise nach Süden. 1728 vernichete ein großer Brand das Stadtviertel. 1802 ging Lindau in den Besitz des Fürsten von Bretzenheim über. Nach kurzer Zugehö- rigkeit zu Österreich 1804/1805 fiel die Stadt an Bayern. Kurios: nach dem Zweiten Weltkrieg hatte der gesamte Kreis Lindau eine Sonderstellung: er gehörte, im Gegensatz zu seinem unmitelbaren politischen und geographi- schen Umfeld, zur französischen Besazungszone und wurde erst wieder 1955 Bayern angegliedert.

Die Stadt Lindau liegt am Nordufer des Bodensees. Im Süden der Inselstadt befindetsich der Hafen (mit dem Wahrzeichen Leuchtturm und Löwe). Der Luftkurort mit bedeutendem Frerndenverkehr (internationale Spielbank) ist Tagungs- und Kongreßstadt. Lindau hat Kreisverwaltung, Hauptzollamt; Mittelschulen, Gymnasien, Berufs- und Berufsaufbauschule, Haushaltungs- schulen; Maschinen-, Gummi- und Textilindustie, elektronische Fertigung von Kühlanlagen, Kunststoffverarbeitung, Herstellung von Fruchtstften; Obst- und Weinanbau.

Historische Bauten und Sehenswürdigkeiten: Peterskirche (um I000) mit Wandmalereien Hans Holbeins d. Ä. (gegen Ende des 15. Jahrhunderts). Stifskirche (nach dem Stadtbrand um 1750 neu erbaut). Kirche St. Stephan (1180 erbaut, später mehrmals verändert). Haus »Zum Cavazzen« (1729/30) mit stätischen Kunstsammlungen. Altes Rathaus (1422/36) mit Stadtarchiv und Stadtbibliothek (bedeutende Bibelsammlung). Fachwerkhäuser, Laubengänge, Rest der alten Stadtbefestigung (Mangturm, Diebsturm, Heidenmauer).

Reichenau - »die grüne Insel im Bodensee«

Zum Bodensee (Untersee) siehe vorangegangener Text bei Lindau.

Inseltelegramm:

Längste Nord-Süd-Ausdehnung: 4500 m; Größe Breite: 1500 m; Fläche: 430 ha Kürzeste Entfernung zum Seeufer: 1200 m; Größte Entfernung zum Seeufer: 1600 m; Verbindungen zum Seeufer: Damm und Brücke; Geologische Ober- flächenstruktur: Moränenschutt; Momentaner Status der Insel: Besiedelung.

Ortstelegramm von Reichenau

N 12,72 km2 ; O Konstanz;IBaden-Württemberg; ;78479 Reichenau,

Baden, Haitostr. 4A; Gem.-Schlüssel: 08335066;n07534-801-0;7KN; æ 4041 m NN; Geo. Länge: 009° 03‘ 46” Ost, Geo. Breite: 47° 41‘ 38” Nord; V4500; zu erreichen über die B33;rTourist-Information, 07534/9207-0.

Die geschichtliche Blütezeit der Insel liegt zwischen 724 und 1100. Pirmin, der Gründer des Klosters Reichenau, war der erste in der langen Reihe von Äbten, die als wahre Kirchenfürsten starken Einfluß auf Politik, Architektur, Literatur, Musik und Malerei für ganz Europa hatten. Reichenau war ein Zentrum der frühmittelalterlichen Schriftkunst und Buchmalerei. 1535 kam das Kloster an das Bistum Konstanz; 1803 wurde es aufgehoben.

Reichenau ist anerkannter Erholungsort auf der gleichnamigen Insel im westlichen Teil des Bodensees (Untersee), bestehend aus den Ortsteilen Oberzell, Mittelzell, Niederzell auf der Insel und dem Ortsteil Lindenbühl auf dem Festland. Die Gemeinde hat Grundschulen, Hauptschule; Betriebe für Wärmetechnik und zur Zucht von Nützlingen zur Schädlingsbekämpfung. Das die Insel Reichenau heute eine der größten Gärten Deutschlands ist, liegt an ihrer Lage und dem milden Bodenseeklima. Ihrer Fruchtbarkeit verdankt die Insel auch ihren Namen: Reichenau ist abgeleitet von »reiche Aue«. Gemüse- anbau, Weinbau und Fischfang spielen auch heute, wie seit vielen Jahrhunderten, die wichtigsten Rollen im Reichenauer Erwerbsleben. Ein bedeuten- der Wirtschaftsfaktor ist au- ßerdem der Fremdenverkehr.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Historische Bauten und Sehenswürdigkeiten: Drei Kir- chen, die alle zu den ältesten in Deutschland gehören, prä- gen das Bild der Insel: Das Münster (724), St. Georg (888) und St. Peter und Paul (799).

Die Bodenseeinsel Reichenau ist einer der größten Gemüsegärten Deutschlands.

Mainau - »die Blumeinsel im Bodensee«

Zum Bodensee (Untersee) siehe vorangegangener Text bei Lindau. Inseltelegramm:

Längste Nord-Süd-Ausdehnung: 1100 m; Größe Breite: 610 m; Fläche: 44 ha Kürzeste Entfernung zum Seeufer: 130 m; Größte Entfernung zum Seeufer: - Verbindungen zum Seeufer: eine Brücke und Personenschiffe; Geologische Oberflächenstruktur: abgesunkene Molassescholle: Momentaner Status der Insel: Park mit vielen floralen Attraktionen.

Die nördlich von Kon- stanz liegende Insel Mainau (Bild links) mit dem 1739 - 1746 vom Deutschordensbaumeister J. K Bagnato erbauten Schloß und der reich aus- gestatteten Schloßkirche (1734) ist mit ihrer einma- ligen Blumenpracht und dem großen Bestand an exotischen Pflanzen, u. a. Bananen, Orangen, Zitro- nen und Eukalyptus, ei- nes der meistbesuchten Ausflugsziele in Süddeutschland. Vom Frühling bis zum Herbst bilden die Schloßgärten auf der Insel ein einziges Blütenmeer. Im Arboretum sind u. a. 120jährige Bäume und seltene Gehölze aus allen Teilen der Welt zu bewun- dern. Die Insel war früher eine Sommerresidenz ihrer jeweiligen Besitzer und wurde teilweise landwirtschaftlich genutzt. Heute ist sie im Besitz einer Stiftung unter Leitung des schwedischen Grafen Lennart Bernadotte.

Insel Herrenchiemsee

Auch der Chiemsee, das »Bayerische Meer« entstand, wie alle Voralpenseen, durch das Abschmelzen der Eiszeitgletscher. Der mit einer Länge von 10,7 km und einer Breite von 14 km größte See Bayerns und zweitgrößte der Bundesre- publik wurde schon um 800 erstmals als »Chleminseo« erwähnt. Seine Haupt- zuflüsse sind die Tiroler Ache und die Prien, den Abfluß im Norden bildet die Alz, die später in den lnn mündet. Von weiten verlandeten Moosflächen wird das Südufer des Chiemsees begrenzt, der einst bis nach Marquartstein reichte. Die mittlere Wasserspiegelhöhe beträgt 518 m, die Fläche, je nach Wasserstand beträgt 80 km2.

Drei Inseln liegen in dem bis 74 m tiefen See: Herrenchiemsee mit dem Königsschloß, Frauenchiemsee mit dem vor 1200 Jahren gegründeten Nonnenkloster und die kleine unbewohnte Krautinsel.

Am 68 km langen Ufer rund um den See findet man bekannte Kur- und Erholungsorte, die durch die Motorboote der Chiemsee-Schiffahrt verbunden sind. Der Chiemsee ist Bayerns größtes und bekanntestes Wassersportzentrum.

Inseltelegramm von Herrenchiemsee: Längste Nord-Süd-Ausdehnung: 2200 m; Größe Breite: 2500 m: Fläche: 240 ha Kürzeste Entfernung zum Seeufer: 375 m; Größte Entfernung zum Seeufer: 8760 m; Verbindungen zum Seeufer: Schiff; Geologische Oberflächenstruktur: überNagelfluhfels ca. 2 - 3 m Erdreich: Momentaner Status der Insel: Auf der Insel befindet sich das Prunkschloß König Ludwigs II von Bayern; landwirtschaftliche Nutzung.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Der Schloßbau zu Herrenchiemsee nahm Mangels Geld- masse ein

vorzeitiges Ende. Im Spiegelsaal des Schlosses »spiegelt« sich das architektoni- sche Monument königlicher Groß- machtssucht wider.

Nach Kelten und Römer erste christliche Besiedelung im 7. Jahrhundert. Bis 1803 Augustiner Chorherrnstift. König Ludwig II kaufte im Jahre 1873 die Insel »Herrenwörth«, auf der vom 8. Jh. bis zur Säkularisation (1800) ein Kloster stand. Nach dem Vorbild von Versailles ließ er 1878 - 85 das Neue Schloß mit kostbar ausgestatteten Prunkräumen, u. a. der 77 m langen Spiegelgalerie, und den Wasserspielen im Garten errichten. In dem Schloß ist heute das König-Ludwig-II-Museum untergebracht. Das »bayerische Versailles« auf der Insel Herrenchiemsee kann ganzjährig besichtigt werden.

Insel Frauenchiemsee (Fraueninsel)

Zum See siehe oben bei Herrenchiemsee Inseltelegramm:

Längste Nord-Süd-Ausdehnung: 625 m; Größe Breite: 260 m; Fläche: 13,5 ha Kürzeste Entfernung zum Seeufer: 1000 m; Größte Entfernung zum Seeufer: 7850 m; Verbindungen zum Seeufer: Schiff; Geologische Oberflächenstruktur: überNagelfluhfels ca. 2 - 3 m Erdreich; Momentaner Status der Insel: Dörfliche Besiedelung, Fremdenverkehr.

Nach Kelten und Römern Gründung eines Frauenklosters im 8. Jahrhundert, das heute noch als Benediktinerinnen Kloster besteht. Bewohner der Fraueninsel waren Angestellte das Klosters.

Die Klosterkirche St. Maria- im Ursprung eine romanische Basilika - erhielt im 12. Jh. den Chorumgang (wohl der älteste im Voralpenland). Streng byzanti- nischen Stil strahlen die Wandmalereien in den Arkaden dieses Chorumganges aus. Die Fresken der Kirche stellen wahrscheinlich die älteste hochromanische Malerei Deutschlands dar (leider nur noch teilweise zu erkennen). Der Glocken- turm aus dem 13. Jahrhundert, der wie ein italienischer Campanile frei neben der Kirche steht, wird von einer achteckigen Zwiebelhaube gekrönt.

Die Tonhalle mit dem Turm aus der Karolingerzeit mit den sehenswerten Wandmalereien aus dem 11. Und 13. Jahrhundert ist der älteste vollständig erhaltene Hochbau Bayerns. Von den übrigen Klosterbauten ist kaum noch etwas erhalten.

Mit 9 Meter Durchmes-ser ist der freistehende Glockenturm auf der Fraueninsel ungewohn-lich dick. Es wird vermu-tet, daB er als Flucht-turm Schutz vor Angrif-fen bot. Der Unterbau diirfte aus karolingischer Zeit stammen, Die obe-ren Teile 13. bis 14. Jh„ Zwiebelhelm urn 1600, Der Unterbau dieses Kirchturms ist wohl ei-nes der altesten Bauwer-ke Bayerns.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Insel Wörth im Wörthsee

Mit zwei Kilometer Länge und 1750 Meter Breite gehört der Wörthsee zu den kleineren Gewässern des bayerischen »Fünfseenlandes«. Der abseits des großen Touristenstromes liegende See liegt südwestlich von München. Ihn erreicht man - wie den benachbarten größeren Ammersee - von München aus über die A 96 und B 12. Die Fläche des Sees beträgt je nach Wasserspiegel 4,5 km2, seine mittlere Wasserspiegelhöhe 560 m N.N. und die größte Wassertiefe beträgt 33 m. Der überwiegende Teil des 8,5 km langen Seeufers befindet sich leider in Privatbesitz.

Inseltelegramm:

Längste Nord-Süd-Ausdehnung: 70 m; Größe Breite: 25 m; Fläche: 0,17 ha Kürzeste Entfernung zum Seeufer: 100 m; Größte Entfernung zum Seeufer:

1000 m; Verbindungen zum Seeufer: Steg; Geologische Oberflächenstruktur: - Historischer Hintergrund der Insel: Sommerresidenz; Momentaner Status der Insel: geschützter Landschaftsbestandteil, Wohnung.

Nur manche Stellen am Bacherner Ufer geben heute den Blick frei auf das Schlößchen auf der Insel im Wörthsee und das ist auch nur der kärgliche Rest einer einstmals viel größeren Schloßanlage. Urkundlich verbürgt ist die Insel zum ersten Mal in einer Urkunde des Jahres 1369.

Der See wurde damals als »Ausee« bezeichnet. Im Mittelhochdeutschen bezeichnet »ouwe« ursprünglich so viel wie Insel, erst später wurde das Wort für die Benennung von feuchten Landschaftsteilen verwendet. Mainau, Reichenau, Lindau ließen sich als Belege für die Inselbenennung anführen. Auch »werd« bedeutet im hohen Mittelalter soviel wie Insel oder zumindest Uferland. Bis weit ins 19. Jahrhundert wurde immer vom »Asee« oder »Ausee« gesprochen, die Benennung Wörthsee ist neueren Datums.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Schloß Wörth auf der Insel Wörth im Wörthsee auf auf einem Stich um 1700.

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Details

Titel
Strom- und Binnenseeinseln in Deutschland
Autor
Jahr
2008
Seiten
58
Katalognummer
V92500
ISBN (eBook)
9783638061759
ISBN (Buch)
9783638952781
Dateigröße
3633 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Strom-, Binnenseeinseln, Deutschland
Arbeit zitieren
Manfred Schmidt (Autor), 2008, Strom- und Binnenseeinseln in Deutschland, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/92500

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