Trotz steigender Auflagenzahlen und Medienpräsenz von Werken der Fantasy-Literatur ist die wissenschaftliche Beschäftigung mit diesem Genre - insbesondere im deutschsprachigen Raum - ausgesprochen überschaubar. Ausgehend von einer komplexen Definition der Gattung Fantasy zeigt diese Arbeit am Beispiel der Zamonien-Romane von Walter Moers, wie selbstbewusst, selbstreferientell und komplex Vertreter der Populärliteratur sein können und zieht Schlüsse über den eigentlichen Nutzen von Texten, die scheinbar "nur" Unterhaltung sind.
Inhaltsverzeichnis
1. EINLEITUNG
1.1. HINFÜHRUNG
1.2. FRAGESTELLUNG
1.3. BESTANDSAUFNAHME UND VORGEHENSWEISE
2. DIE GATTUNG FANTASY
2.1. INHALTLICHE ELEMENTE DER GATTUNG FANTASY
2.1.1. Das Element der imaginären Welt
2.1.2. Das Element der Magie
2.1.3. Das Element des Heroismus
2.2. FANTASY UND IHR VERHÄLTNIS ZU ANDEREN GATTUNGEN
2.2.1. Märchen, Sage, Kunstmärchen
2.2.2. Phantastische Erzählung, Horror
2.2.3. Science Fiction
2.2.4. Weitere Gattungen
2.3. FORMALE ASPEKTE
2.3.1. Strukturelle Aspekte
2.3.2. Sprache und Stil
3. DIE ZAMONIEN-ROMANE VON WALTER MOERS
3.1. ZUSAMMENFASSUNG DER ROMANHANDLUNGEN
3.1.1. Die 13 ½ Leben des Käpt’n Blaubär
3.1.2. Ensel und Krete. Ein Märchen aus Zamonien
3.1.3. Rumo und die Wunder im Dunkeln
3.1.4. Die Stadt der träumenden Bücher
3.2. DIE INHALTLICHEN GRUNDKONSTANTEN DER FANTASY ALS BESTANDTEIL DER ZAMONIEN-ROMANE
3.2.1. Die Welt Zamonien
3.2.1.1. Der zamonische Kontinent als Handlungsort
3.2.1.2. Konstruktionsweisen der imaginären Welt Zamonien
3.2.1.3. Die Stimmigkeit der fiktiven Welt
3.2.1.4. Moderne Vergangenheit – Die zeitliche Einordnung Zamoniens
3.2.1.5. Realitätsbezüge in Zamonien
3.2.2. Wissenschaft statt Magie
3.2.2.1. Der Status von Magie in Zamonien
3.2.2.2. Wissenschaft als Ersatz für Magie
3.2.2.3. Wissenschaft und Wissenschaftlichkeit als satirische Elemente
3.2.2.4. Aspekte der Literaturwissenschaft im Zerrspiegel Zamoniens
3.2.3. Die Helden der Zamonien-Romane
3.2.3.1. Rumo – ein wahrer Held?
3.2.3.2. Das Heldenformat der anderen Protagonisten in den Zamonien-Romanen
3.2.3.3. Motivation und Wirkung zamonischer Helden
3.2.3.4. Die Verwendung religiöser Aspekte bei Moers’ Helden
3.3. DIE VERWENDUNG DER GATTUNGEN IN DEN ZAMONIEN-ROMANEN
3.3.1. Sage, Märchen, Kunstmärchen
3.3.1.1. Beobachtung zum Umgang mit Motivik und Struktur von Märchen und Sage
3.3.1.2. Der Status von „Gut“ und „Böse“
3.3.1.3. Fehlende Initiationsprozesse
3.3.1.4. Das Märchen als Thema
3.3.1.5. Anmerkungen zum Umgang mit der Sage
3.3.1.6. Inspirationen des romantischen Kunstmärchens
3.3.2. Phantastik/Horror
3.3.2.1. Die ganz normalen Gruselgestalten
3.3.2.2. Die Möglichkeit „echten“ Horrors
3.3.2.3. Thematisierung von phantastischer Literatur und Verwendung ihres Instrumentariums
3.3.2.4. Die „Ernsthaftigkeit“ zamonischen Horrors
3.3.3. Science Fiction
3.3.3.1. Übernahme von Elementen der Science Fiction
3.3.3.2. Die Unvereinbarkeiten der Science Fiction mit den Zamonien-Romanen
3.3.4 Weitere Gattungen
3.3.4.1. Das Motiv der Reise
3.3.4.2. Die Zamonien-Romane als Abenteuerliteratur
3.3.4.3. Der Umgang mit Liebesthematiken
3.3.4.4. Konventionen des Bildungsromans
3.3.4.5. Zamonische Lyrik
3.3.4.6. Moers’ Romane als Parodien
3.3.4.7. Der Einfluss von William Goldmans Die Brautprinzessin
3.4. FORMALE ASPEKTE DER ZAMONIEN-ROMANE
3.4.1. Strukturelle Aspekte
3.4.1.1. Zum Aufbau der Zamonien-Romane
3.4.1.2. Legitimationsmechanismen in den Zamonien-Romanen
3.4.1.3. Moers’ Umgang mit dem Eklektizismus
3.4.2. Sprache und Stil
3.4.2.1. Erzählstil und -perspektive
3.4.2.2. Besonderheiten des Sprachstils
4. RESÜMEE
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht die Zamonien-Romane von Walter Moers als zeitgenössische Vertreter der Fantasy-Gattung. Das primäre Ziel besteht darin, durch eine gattungstheoretische Analyse der Erzählweise und Struktur zu ergründen, inwiefern sich Moers innerhalb der klassischen Fantasy-Konventionen bewegt, wo er diese ironisch bricht und inwieweit seine Werke das Selbstverständnis populärer Erzählliteratur widerspiegeln.
- Analyse der Fantasy-Grundkonstanten (imaginäre Welt, Magie, Heroismus) in Zamonien.
- Untersuchung des Verhältnisses zu verwandten Genres wie Märchen, Sage, Horror und Science Fiction.
- Erforschung der spezifischen Erzählstrukturen und Legitimationsmechanismen bei Moers.
- Beleuchtung der parodistischen und eklektizistischen Ansätze innerhalb der Romanwelt.
- Reflexion über die Möglichkeiten und Grenzen populärer Fantasy im literarischen Kontext.
Auszug aus dem Buch
2.1.1. Das Element der imaginären Welt
Literatur als solche ist immer Fiktion und die Welt, die sie beschreibt, immer eine erfundene. Diese Grundtatsache allen literarischen Schreibens ist natürlich nicht gemeint, wenn das Element einer imaginären Welt als hervorstechendstes inhaltliches Spezifikum der Gattung Fantasy vorgestellt wird. Die Fantasy-Welt besitzt eine zweifache Fiktionsstruktur: Sie stellt nicht nur eine in der Vorstellung des Autors entstandene Welt dar, sondern basiert auch in ihrer Gestaltung auf keinem mit der Realität übereinstimmendem Muster. „In der Fantasy wird immer eine Anderswelt dargestellt“,28 und somit ist eben das Andere, das von der erlebten bzw. nachprüfbaren Realität Abweichende, der eigentliche Kern der Fantasy-Welt. Diese ist eine „supra-empirische Neuschöpfung“29 des Autors, in der „mit der räumlichen und zeitlichen Kontinuität zu unserer eigenen Wirklichkeit radikal gebrochen“30 wird.
Zusammenfassung der Kapitel
1. EINLEITUNG: Hinführung zur Fantasy als blühendes Genre, gefolgt von einer detaillierten Fragestellung und der methodischen Vorgehensweise bei der Analyse der Zamonien-Romane.
2. DIE GATTUNG FANTASY: Theoretische Bestimmung der Fantasy anhand ihrer inhaltlichen Kernmerkmale (Welt, Magie, Heroismus) sowie deren Abgrenzung und Bezugnahme zu anderen literarischen Gattungen.
3. DIE ZAMONIEN-ROMANE VON WALTER MOERS: Detaillierte Analyse der Romane, wobei die Umsetzung der Fantasy-Konstanten, der Einfluss verwandter Gattungen und die formalen Besonderheiten von Moers' Werken untersucht werden.
4. RESÜMEE: Synthese der Ergebnisse, die Moers' Werke als eine „Doppelgesichtigkeit“ zwischen Genre-Konventionen und individueller, selbstbewusster Literaturgestaltung kennzeichnet.
Schlüsselwörter
Walter Moers, Zamonien, Fantasy, Gattungstheorie, Intertextualität, Literaturwissenschaft, Märchen, Phantastik, Science Fiction, Narratologie, Weltenschöpfung, Trivialliteratur, Parodie, Heroismus, Erzählstruktur.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in der Arbeit grundlegend?
Die Arbeit analysiert die Zamonien-Romane von Walter Moers als moderne Fantasy-Literatur und untersucht deren Verhältnis zu den Konventionen dieser Gattung.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Im Fokus stehen die Gattungsmerkmale der Fantasy, die Verknüpfung von Literatur mit wissenschaftlichen Erklärungsmodellen sowie die satirische Auseinandersetzung mit dem Literaturbetrieb.
Welches primäre Ziel verfolgt die Arbeit?
Ziel ist es zu zeigen, wie Moers Fantasy-Konventionen nutzt, ironisiert und durch eine „Doppelgesichtigkeit“ (Genre-Erfüllung bei gleichzeitiger literarischer Reflexion) neu interpretiert.
Welche wissenschaftliche Methode kommt zum Einsatz?
Die Untersuchung erfolgt gattungstheoretisch, indem Kriterien der Fantasy-Literatur nach Helmut W. Pesch und anderen Theoretikern auf die Werke von Moers angewendet werden.
Was wird im Hauptteil schwerpunktmäßig behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die theoretische Definition der Fantasy und die spezifische Anwendung dieser Kriterien auf Moers' Romane, inklusive der Untersuchung von Heldenbildern und Gattungstransfers.
Welche Schlüsselbegriffe charakterisieren die Arbeit?
Begriffe wie Transparenz, Selbstbewusstsein, Eklektizismus, ironische Brechung und die Ersetzung von Magie durch Wissenschaft sind zentral für das Verständnis der Analyse.
Warum ersetzt Moers Magie durch Wissenschaft?
Das Ersetzen von Magie durch Wissenschaft in Zamonien dient der Aufrechterhaltung eines rational-aufgeklärten Weltbildes, das dennoch fantastische Elemente zulässt und Moers zudem Raum für Parodie und gesellschaftliche Bezüge bietet.
Welche Rolle spielt William Goldmans „Die Brautprinzessin“?
Goldmans Werk fungiert als wesentliche Inspirationsquelle für Moers, insbesondere hinsichtlich der narrativen Struktur, der Herausgeber-Fiktion und der ironischen Auseinandersetzung mit literarischen Gattungskonventionen.
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- Mario Fesler (Author), 2007, Die Zamonien-Romane von Walter Moers als zeitgenössische Vertreter der Gattung Fantasy, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/92546