Burnout bei Lehrern. Entstehung und Ursachen des Burnout-Syndroms aus gesellschaftlicher Sicht


Hausarbeit, 2017

15 Seiten, Note: 1,0

Anonym


Leseprobe

Inhalt

1.Thematische Einführung

2. Was ist das Burnout-Syndrom?

3. Entstehung von Burnout
3.1 Entstehungsprozess nach Edelwich und Brodsky
3.2 Entstehungsprozess nach Cherniss
3.3 Zwischenergebnis:

4 Ursachen von Burnout im Zusammenhang mit dem Lehrerberuf
4.1 Der Beruf des Lehrers und seine Aufgaben
4.2 Ausgewählte, arbeitsbezogene Ursachen und Risikofaktoren
4.3 Ursachen für die Entstehung des Burnouts aus aus gesellschaftswissenschaftlicher Sicht und die Bezugspunkte zum Lehrerberuf
4.3.1 Ursachen für Burnout aus gesellschaftswissenschaftlicher Sicht
4.3.2 Zwischenergebnis
4.3.3 Zusammenhang zwischen Strukturwandel und Lehrerberuf

5 Abschließende Bemerkung und Ausblick

6 Literaturverzeichnis

1. Thematische Einführung

Seit vielen Jahren führt das Burnout-Syndrom, dass auch als das Ausbrennen oder als das Erschöpfungssyndrom bekannt ist, zu zahlreichen Diskussionen, unter anderem bei Ärzten, Soziologen, Psychologen und Betroffenen.

Die Bundespsychotherapeutenkammer stellt in ihrer zuletzt erschienenen Studie im Jahr 2012, zum Thema Arbeitsunfähigkeit, psychische Erkrankungen und Burnout fest, dass die Zahl der Krankschreibungen aufgrund von Burnout seit dem Jahr 2004 um 700 % gestiegen ist.1

Dieser enorme Anstieg lässt daher bei vielen Menschen immer wieder die Frage aufkommen, warum das Burnout-Syndrom heute vermehrt auftritt und welche Ursachen sich dahinter verbergen.

Daher befasst sich die folgende Hausarbeit mit der Entstehung und den Ursachen von Burnout.

Ein weiteres Augenmerk liegt auf dem Lehrerberuf, da seit jüngster Zeit die Berufsgruppe der Lehrer wiederkehrend in den Fokus wissenschaftlicher Untersuchungen und des öffentlichen Interesses gerückt ist.

Das Erkenntnisinteresse und Ziel der vorliegenden Hausarbeit ist es, der Frage nachzugehen, was das Burnout - Syndrom mit dem spezifischen Beruf des Lehrers im Sinne der Ursachen zu tun hat.

Dazu wird im ersten Schritt der Terminus Burnout geklärt. Sodann wird der Entstehungsprozess des Burnout anhand zweier Entstehungsmodelle dargestellt. Den Schwerpunkt bildet das vierte Kapitel über die Ursachen des Burnout, in welchem näher auf den Lehrerberuf und seine Aufgaben eingegangen wird. Ein darauffolgender zentraler Aspekt ist die Erörterung gesellschaftlicher Ursachen, die zu Burnout führen können. Dabei sollen gesellschaftliche Bedingungsfaktoren und Folgen des gesellschaftlichen Wandels herausgearbeitet werden. Dabei soll verdeutlicht werden, dass Burnout nicht nur als ein individuelles, psychologisches Leiden zu verstehen ist, sondern auch als ein gesellschaftliches Phänomen interpretiert wird.

Anschließend wird der Zusammenhang zwischen den gesellschaftlichen Veränderungen und dem Lehrerberuf hergestellt.

Zusätzlich sei an dieser Stelle angemerkt, dass die dargestellten Faktoren in der vorliegenden Arbeit nur mögliche Ursachen darstellen und ein medizinischer Nachweis über einen tatsächlichen Zusammenhang in dieser Arbeit nicht erfolgt.

2. Was ist das Burnout-Syndrom?

Bevor auf die Entstehung und die Ursachen des Burnouts – Syndroms eingegangen wird, wird im Folgenden zunächst der Begriff des Burnouts anhand von Definitionen erläutert, um ein besseres Verständnis für den weiteren Verlauf der Arbeit zu schaffen.

Der Begriff des Burnouts stammt vom englischen Verb „to burn out“ ab und bedeutet auf Deutsch ausbrennen. 1974 wurde dann der Begriff „Burnout“ durch den Psychoanalytiker Herbert J. Freudenberger in seinem Artikel „Staff Burn-Out“2 präzisiert. Dieser beschrieb Burnout als eine Erscheinung, die bei Therapeuten freier Drogenkliniken auftrat, welche sich zu Beginn ihrer Arbeit sehr engagiert und aufopferungsvoll zeigten, im späteren Verlauf ihrer Tätigkeit, jedoch einen psychischen Zusammenbruch erlitten (Freudenberger 1974: 159 ff.).

Freudenberger beschreibt sein Phänomen folgendermaßen:

„The dictionary defines the verb 'burn-out' as 'to fail, wear out, or become exhausted by making excessive demands on energy, strength, or resources.' And that is exactly what happens when a staff member in an alternative institution burns out for whatever reasons and becomes inoperative to all intents and purposes“(ebd. 1974: 159).

Es wird deutlich, dass Freudenberger das Burnout – Syndrom aufhelfende Berufe bezieht.

Auch die Sozialpsychologin Christina Maslach bringt das Burnout - Phänomen zunächst mit Sozialberufen in Verbindung, genauso wie es Herbert J. Freudenberger tat. Später konkretisierte sie den Begriff des Burnouts anhand dreier Komponenten. Sie beschreibt Burnout als „ein Syndrom emotionaler Erschöpfung, Depersonalisation und persönlicher Leistungseinbußen, das bei Individuen auftreten kann, die in irgendeiner Art mit Menschen arbeiten. Es ist eine Reaktion auf die chronische emotionale Belastung, sich andauernd mit Menschen zu beschäftigen, besonders wenn diese in Not sind oder Probleme haben (Maslach 1982a, zit. n. Burisch 2014: 20).

Schaufeli und Enzmann haben verschiedene Kernaspekte verbunden und gelangten zur folgenden Definition: „Burnout ist ein dauerhafter, negativer, arbeitsbezogener Seelenzustand 'normaler' Individuen. Er ist in erster Linie von Erschöpfung gekennzeichnet, begleitet von Unruhe und Anspannung (distress), einem Gefühl verringerter Effektivität, gesunkener Motivation und Entwicklung disfunktionaler Einstellungen und Verhaltensweisen bei der Arbeit. Diese psychische Verfassung entwickelt sich nach und nach, kann dem betroffenen Menschen aber dann unbemerkt bleiben. (...)“ (Schaufeli 1998, übersetzt nach Burisch 2014: 22) .

Zusammenfassend lässt sich sagen, dass es keine einheitliche wissenschaftliche Definition von Burnout gibt und viele Wissenschaftler ihre eigene Definition begründen. Dennoch weisen alle drei genannten Definitionsversuche gemeinsame Kernelemente auf, die mit dem Burnout – Syndrom in Verbindung gebracht werden: Erschöpfung, das Gefühl den Aufgaben im Beruf nicht mehr gewachsen zu sein, Desillusionierung oder ausgeprägtes Engagement.

3. Entstehung von Burnout

Nachdem im vorausgehenden Abschnitt verschiedene Definitionsversuche des Burnout-Syndroms vorgestellt wurden und damit eine Grundlage für die weitere Arbeit geschaffen wurde, befasst sich das folgende Kapitel mit der Entstehung von Burnout. Dazu wird der Entstehungsprozess anhand des Phasenmodells nach Edelwich und Brodsky (1980) und Cherniss (1980) erklärt.

3.1 Entstehungsprozess nach Edelwich und Brodsky

Nach Edelwich und Brodsky geht die Entwicklung des Burnout-Syndroms mit einer Phase der idealistischen Begeisterung einher, die sich vor allem durch Überengagement, Zielbewusstsein, Erfolgserwartungen, Optimismus und einer Überidentifikation mit dem jeweiligen Beruf auszeichnet. Der Augenblick, indem das Individuum merkt, dass es seine gesetzten Ziele und überhöhten Erwartungen nicht realisieren kann, bildet den Übergang der ersten Phase zur zweiten Phase und ebnet den Weg für die weitere Entstehung von Burnout.

Die zweite Phase, die Stagnation, ist durch einen Stillstand des Individuums geprägt. In dieser Phase können erste Enttäuschungen von nicht realisierten und realisierbaren Zielen auftreten. Weitere charakteristische Merkmale dieser Phase ist beispielsweise die Reduzierung des Lebens auf die Arbeit. Die darauffolgende Phase, die Frustrationsphase, ist durch ein Gefühl der Einfluss- und Erfolgslosigkeit gekennzeichnet, das gleichzeitig mit einer mangelnden Anerkennung einhergeht. In der letzten und vierten Phase, der Apathie, dominieren die Gleichgültigkeit gegenüber den Arbeitskollegen und den sich gesetzten Zielen (Edelwich und Brodsky 1980: 27 ff.).

Anhand des soeben vorgestellten Entstehungsprozesses nach Edelwich und Brodsky wird deutlich, dass die Entstehung des Burnouts ein schleichender Prozess ist, der sich in mehrere Phasen untergliedert, in denen sich das Individuum jeweils befindet.

3.2 Entstehungsprozess nach Cherniss

Für Cherniss ist die Grundlage der Entstehung von Burnout der berufliche Stress, da die arbeitsspezifischen Anforderungen die persönlichen Ressourcen des Individuums oft stark beanspruchen und es daher zu einem Ungleichgewicht zwischen diesen persönlichen Ressourcen und den Anforderungen an sich selbst kommt.

Die darauffolgende Phase bezeichnet Cherniss als einen Stillstand. Diese Phase sieht er als eine Antwort auf das Ungleichgewicht oder die mangelnde Übereinstimmung zwischen den körpereigenen Ressourcen und Anforderungen. Die Betroffenen klagen oft über Symptomen wie Erschöpfung, Müdigkeit und Reizbarkeit oder Angst. Infolgedessen erfolgen oft Abwehrversuche, die unter anderem durch sozialen Rückzug geprägt sind (vgl. Cherniss 1980: 17 f.).

3.3 Zwischenergebnis:

Die beiden vorgestellten Entstehungsmodelle weisen unterschiedliche Phasen auf, die das Individuum während der Entstehung von Burnout durchläuft. Trotz dessen verdeutlichen beide, dass die Entstehung des Burnouts auf mehrere Phasen verteilt ist und es sich somit um einen (länger andauernden) Entstehungsprozess handelt.

4 Ursachen von Burnout im Zusammenhang mit dem Lehrerberuf

Nachdem im dritten Kapitel zwei Phasenmodelle zum Entstehungsprozess des Burnout erläutert wurden, behandelt nun das vierte Kapitel dieser Arbeit, die Ursachen des Burnout - Syndroms im Hinblick auf den Lehrerberuf. Dabei wird im ersten Schritt auf den Beruf des Lehrers eingegangen. Der Fokus liegt dabei auf den Aufgaben des Lehrers.

In einem zweiten Abschnitt werden sodann die Risikofaktoren und Ursachen in den Fokus gerückt, die im Zusammenhang mit dem Berufsfeld des Lehrers, insbesondere den genannten Aufgaben, stehen. Gleichzeitig wird dabei nochmal auf den Entstehungsprozess zurückgegriffen.

Der dritte Abschnitt ist der Interpretation des Burnout-Syndrom als gesellschaftliches Phänomen gewidmet, an dessen Ende der Bezugspunkt zum Lehrerberuf wieder hergestellt werden soll. Ziel des Kapitels ist es, die oben genannte Leitfrage am Ende der Arbeit beantworten zu können.

4.1 Der Beruf des Lehrers und seine Aufgaben

Im Folgenden wird auf die Aufgaben des Lehrers eingegangen.

§57 I und II des Schulgesetzes für Land Nordrhein-Westfalen beschreiben die Aufgaben des Lehrers wie folgt:

§57 Lehrerinnen und Lehrer

I) Lehrerinnen und Lehrer unterrichten, erziehen, beraten, beurteilen, beaufsichtigen und betreuen Schülerinnen und Schüler in eigener Verantwortung im Rahmen der Bildungs- und Erziehungsziele.
II) Die Lehrerinnen und Lehrer wirken an der Gestaltung des Schullebens, an der Organisation der Schule und an der Fortentwicklung der Qualität schulischer Arbeit aktiv mit. Sie stimmen sich in der pädagogischen Arbeit miteinander ab und arbeiten zusammen.

Die allgemeine Dienstordnung für Lehrerinnen und Lehrer, Schulleiterinnen und Schulleiter an öffentlichen Schulen regelt ferner weitere Rechte und Pflichten des Lehrers und statuiert, dass die Lehrer insbesondere durch die Vorgaben in den Lehrplänen gebunden sind (vgl. § 5II ADO für Lehrerinnen und Lehrer).

Die genannten Regelungen beschreiben ein großes Spektrum an Arbeitsaufgaben und regeln , dass den Lehrerinnen und Lehrern ein Handlungsspielraum hinsichtlich ihrer Unterrichtsgestaltung gegeben ist. Bedeutsame Aufgaben sind insbesondere die Wissensvermittlung, die Erziehung und Beaufsichtigung der Schüler und Förderung von Persönlichkeiten (vgl. Anne-Rose Barth 1990: 92).

Darüber hinaus dürfen neben der eigentlichen Hauptaufgabe, dem Unterrichten, die damit verknüpften Pflichten, namentlich „Pausenaufsicht, Korrekturen, Notengebung, Konferenzen, Elterngespräche, Schülerberatung, disziplinarische Maßnahmen, Projektleitung, Streitschlichtung (...)“ (vgl. Besser Scholz 2007: 16) nicht unerwähnt bleiben.

4.2 Ausgewählte, arbeitsbezogene Ursachen und Risikofaktoren

Nachdem die Aufgaben des Lehrers dargestellt wurden, sollen im Folgenden Abschnitt einige, sich aus dem spezifischen Beruf des Lehrers ergebenden, Faktoren erörtert werden, die die Entstehung von Burnout fördern.

Wie soeben dargelegt, gibt es über das Unterrichten hinaus eine Fülle weiterer Aufgaben (beispielsweise Korrektur von Klassenarbeiten), die die Lehrer zuhause erledigen können.

Ein Vorteil ist, dass dadurch den Lehrern gleichzeitig die Möglichkeit gegeben wird, die über das Unterrichten hinausgehende Zeit eigenständig einzuplanen und so zu bestimmen, wann sie welche Aufgaben erledigen. Andererseits betrachten Hillert, Koch und Lehr (2013: 807) den zuhause zu leistenden Anteil als einen negativen Aspekt, da „die Gefahr besteht, dass das Lehrersein gewissermaßen das gesamte Leben überwuchert und eine Trennung von Berufs- und Privatleben nicht gelingt“. Dadurch wird deutlich, dass der Lehrer nicht bloß über einen Arbeitsplatz verfügt, den Arbeitsplatz Schule, sondern auch über einen zweiten, den Arbeitsplatz Zuhause (vgl. Rothland 2013: 23), wo die Voraussetzungen für einen einwandfreien Unterricht am Arbeitsplatz Schule getroffen werden. Konsequenterweise bringt diese Zwiespältigkeit des Arbeitsplatzes und somit der Vermischung von Privat- und Berufsleben Schwierigkeiten mit sich. Auf die Vermischung von Berufs-und Privatleben und die sich daraus ergebenden Konsequenzen wird im darauffolgenden Abschnitt noch genauer eingegangen, sodass dieser Aspekt im Hinblick auf den Lehrerberuf noch einmal aufgegriffen wird, sodass an dieser Stelle auf eine weitere Ausführung dieses Aspekts verzichtet wird. Zudem kritisieren Hillert, Koch und Lehr den oben erwähnten Handlungsspielraum, der den Lehrern unter anderem durch den Lehrplan gegeben wird, da dadurch dem Lehrer nicht deutlich gemacht wird, wann ein „idealistischer“ Lehrer den Aufgaben gerecht geworden ist (Hillert/Koch /Lehr 2013: 806/807).

Auch Rothland sieht darin einen Belastungsfaktor und zugleich eine Gefahr für die Lehrerpersönlichkeiten, die hohe Ansprüche an sich selbst haben und ein großes Engagement beruflich zeigen, da dadurch „kaum ein Ende bei dem Versuch, seine Aufgaben abschließend zu erfüllen, in Sicht“ist (Rothland 2013: 24). Das bedeutet, dass der Lehrerberuf durch die Selbsteinteilung anfallender Aufgaben, wie beispielsweise der Korrektur von Klassenarbeiten, Vor-und Nachbereitung des Unterrichts, dem äußeren Anschein nach positive Züge vermitteln mag, aber vom gesundheitlichen Standpunkt her einen Risikofaktor für all jene Lehrerpersönlichkeiten darstellt, die (zu) hohe Ansprüche an die zu erfüllenden Aufgaben stellen und ihre Arbeit mit einem Überengagement angehen . Dieser Aspekt greift individuelle in der Lehrerpersönlichkeit verankerte Eigenschaften auf, die als ein möglicher Faktor angesehen werden können.

Aber die Tatsache, dass kein Mensch perfekt ist und nie perfekt sein wird, da man immer „noch mehr tun, sich noch besser vorbereiten kann, sich noch eingehender mit schwierigen Schülern befassen, noch mehr Fachbücher lesen“ kann (Giesecke 2001: 10) , verdeutlicht, dass die Individuen, die hohe Erwartungen haben, von der Realität, dass man nicht alle pädagogischen Ziele erreichen kann, eingeholt werden. Der Moment dieser Realitätseinholung und der Erkenntnis könnte mit der zweiten Phase, der Stagnation, nach dem Entstehungsmodell von Edelwich und Brodsky gleichgesetzt werden: Die Lehrer merken, dass sie ihre zu Beginn hochgesteckten Ziele nicht erreichen können und es tritt Enttäuschung ein. Der weitere Weg für die Entstehung des Burnouts wäre somit gegeben.

Aber nicht nur die soeben dargestellten Faktoren können eine mögliche Ursache für die Förderung oder gar Entstehung von Burnout darstellen, sondern auch der allgemeine Berufsstress, der eine mögliche Grundlage für die Entstehung von Burnout nach Cherniss begründen kann (vgl. 3.2 Entstehungsprozess nach Cherniss). Dieser Berufsstress wird unter anderem durch eine zu große Klassengröße, anspruchsvolle Eltern, schlechtes Benehmen der Schüler (vgl. Barth 1990: 20) verursacht und bietet Anlass dazu sich psychologische Erkrankungen zuziehen. Im Hinblick auf das Benehmen der Schüler stellt Besser-Scholz fest, dass die Schüler von heute „charakteristische Besonderheiten“ aufweisen, „welche großen pädagogischen Herausforderungen für die Lehrer bedeuten“ (Besser-Scholz 2007: 11 f). Zu den Herausforderungen zählen insbesondere die Aufgaben Schüler mit Migrationshintergrund in bestehende Klassen zu integrieren, der besondere Umgang mit Schülern aus schwierigen Familienverhältnissen oder der Umgang mit Jugendlichen, die heute vermehrt unter Suchtproblemen leiden (vgl. ebd.: 2007: 12) Dass sich dadurch der Anforderungsbereich an die Lehrer im Vergleich zu früher erhöht hat, und jene Aufgaben über das Planen und Durchführen des Unterrichts hinausgehen, sind logische Konsequenz und erfordern mithin eine gesteigerte Flexibilität , Belastbarkeit und ein gesteigertes pädagogisches Aufgebot von der Lehrerschaft (vgl. ebd.: 2007: 9). Besser-Scholz bezeichnet die diversen Aufgaben als eine „neue Komplexität des Lehrerberufs“ (vgl. ebd.: 2007: 13). Zusammenfassend lässt sich festhalten, dass nicht ein einziger Faktor zur Entstehung von Burnout führen kann oder diesen begünstigt, sondern eher die spezifischen Aufgabenfelder als Ganzes, die häufig mit Mangel an Zeit und Druck einhergehen, die Lehrerschaft unter ungünstige Arbeitsbedingungen und Stresssituationen stellen (vgl. ebd.: 2007: 16) und somit eine Weichenstellung für die Entstehung von Burnout legen.

4.3 Ursachen für die Entstehung des Burnouts aus aus gesellschaftswissenschaftlicher Sicht und die Bezugspunkte zum Lehrerberuf

Nachdem nun ausgewählte, arbeitsspezifische Ursachen im Hinblick auf die Entstehung von Burnout im Zusammenhang mit dem Beruf des Lehrers erörtert wurden, kommt natürlich die Frage auf, warum in unserer heutigen Zeit das Burnout - Syndrom viel stärker vertreten ist als im Vergleich zu früher.

Diese Frage führt zu der Annahme, dass die Entstehung von Burnout nicht nur auf individuelle, psychologische und spezifische Faktoren, die in Verbindung mit dem Lehrerberuf stehen, rückführbar ist, sondern auch auf gesellschaftliche Aspekte, namentlich die grundlegenden Veränderungen in der Wettbewerbsgesellschaft.

4.3.1 Ursachen für Burnout aus gesellschaftswissenschaftlicher Sicht

Neckel und Wagner (2013: 7) sehen die wahren Ursachen für Burnout in der Wettbewerbsgesellschaft, denn „Mithilfe des Burnout-Syndroms wird offenbar ein Unbehagen am Leistungsdruck im heutigen Berufsleben, an der Beschleunigung von Arbeit und Kommunikation, an alltäglicher Überforderung und neu empfundenen Formen von Entfremdung artikuliert (...)“.

Im weiteren Verlauf ihres Buch spezifizieren sie Burnout als „ein Krisensymptom, das subjektives Leid begründet“ ( Neckel/Wagner 2013: 215).

[...]


1 Bundespsychotherapeutenkammer (2012): BPtk – Studie zur Arbeitsunfähigkeit. Psychische Erkrankungen und Burnout, in http://www.bptk.de/uploads/media/20120606_AU-Studie-2012.pdf

2 Vgl. Freudenberger, Herbert J, „Staff Burn- out“, in: Journal of Social Issues, Heft 30/ 1974, S.159-165.

Ende der Leseprobe aus 15 Seiten

Details

Titel
Burnout bei Lehrern. Entstehung und Ursachen des Burnout-Syndroms aus gesellschaftlicher Sicht
Hochschule
Universität zu Köln
Note
1,0
Jahr
2017
Seiten
15
Katalognummer
V926226
ISBN (eBook)
9783346258151
ISBN (Buch)
9783346258168
Sprache
Deutsch
Schlagworte
burnout, lehrern, entstehung, ursachen, burnout-syndroms, sicht
Arbeit zitieren
Anonym, 2017, Burnout bei Lehrern. Entstehung und Ursachen des Burnout-Syndroms aus gesellschaftlicher Sicht, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/926226

Kommentare

  • Noch keine Kommentare.
Im eBook lesen
Titel: Burnout bei Lehrern. Entstehung und Ursachen des Burnout-Syndroms aus gesellschaftlicher Sicht



Ihre Arbeit hochladen

Ihre Hausarbeit / Abschlussarbeit:

- Publikation als eBook und Buch
- Hohes Honorar auf die Verkäufe
- Für Sie komplett kostenlos – mit ISBN
- Es dauert nur 5 Minuten
- Jede Arbeit findet Leser

Kostenlos Autor werden