Das Thema meiner Hausarbeit steht in engem Zusammenhang mit der Debatte um Ethik und Moral in der Wirtschaft, besonders in der Marktwirtschaft. Die Grenzen des Marktes und das Erfordernis staatlicher Regulierung treten selten deutlicher als bei ökologischen Fragen zutage. Auf den folgenden Seiten möchte ich mich mit dem Verhältnis von Wirtschaftlichkeit und Nachhaltigkeit beschäftigen. Ich habe diese Problematik gewählt, weil sie tagtäglich an Aktualität und Bedeutung gewinnt. Die Besorgnis aufgrund des Klimawandels ergreift immer mehr Menschen. Internationale Experten-Komitees, wie beispielsweise der sogenannte Weltklimarat (IPCC), versuchen, Lösungen zu erarbeiten – scheitern mit ihren Vorschlägen aber oft daran, dass sie als nicht tragbar empfunden werden und zu große Einschnitte in die Lebensgewohnheiten der Einzelnen bedeuten. Die nötige radikale Verminderung des Ausstoßes klimaschädlicher Gase lässt sich nur zum Teil durch den Einsatz moderner Technologie und ökologischer Ressourcen bewirken – die Drosselung des wirtschaftlichen Motors scheint unumgänglich, wird jedoch überwiegend als Bedrohung für die kurz- und mittelfristige Lebensqualität empfunden. Es besteht also eindeutig ein Bedürfnis nach einer Synthese aus Nachhaltigkeit, die langfristig für die Gesundheit des Planeten und seiner Bewohner sorgt, und Wirtschaftlichkeit, die gewohnte Lebensstandards und Wohlstand aufrecht erhält. Besonders prekär ist hierbei die Frage nach dem Verhältnis von „developed“ und „less“ bzw. „least developed countries“, wobei Letztere fürchten, in ihrer wirtschaftlichen Entwicklung zusätzlich gehemmt zu werden, ohne den Klimawandel in annähernd ähnlichem Maße verursacht zu haben wie längst industrialisierte Staaten.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Was bedeutet “Wirtschaften”?
i. Das Rationalprinzip
ii. Bedürfnisse
3. Was bedeutet “Nachhaltigkeit”?
4. Umweltprobleme aus Sicht der Ökonomik
i. Das Kollektivgutproblem und externe Effekte
5. Die Optionen: Was ist möglich und was ist nötig?
i. Zinssystem
ii. Wirtschaftswachstum
iii. Weltbild
6. Fazit
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht das Spannungsfeld zwischen ökonomischer Rationalität und ökologischer Nachhaltigkeit. Die zentrale Forschungsfrage lautet, ob eine Synthese zwischen Wirtschaftlichkeit und dem Erhalt natürlicher Lebensgrundlagen unter Aspekten der effektiven Realisierbarkeit möglich ist.
- Grundlagen des ökonomischen Handelns und Rationalprinzips
- Konzeptualisierung von Nachhaltigkeit und Umweltraum
- Ökonomische Analyse von Marktversagen und externen Effekten
- Diskussion alternativer Wirtschaftsmodelle (Zinssystem, Nullwachstum)
- Wandel zu einem ganzheitlichen, postmodernen Weltbild
Auszug aus dem Buch
Das Kollektivgutproblem und externe Effekte
Umweltgüter, z. B. das Wasser eines Flusses, sind größtenteils Kollektivgüter. Das bedeutet, dass niemand Eigentumsrechte auf diese Güter geltend machen kann, sondern dass sie theoretisch für jeden nutzbar sind. Sie können dementsprechend nicht verkauft werden und haben auch keinen – monetären – Preis. „[…] die Inanspruchnahme der Umwelt als Konsumgut, Produktionsfaktor bzw. Ablagerungsstätte erfolgt aus einzelwirtschaftlicher Sicht kostenlos; sie ist mit anderen Worten frei.“ Da ohne Preis niemand einen Gewinn erzielen könnte, ist zur Herstellung dieser Güter kaum jemand freiwillig bereit. Außerdem kann von der Nutzung eines kollektiven Gutes niemand ausgeschlossen werden, zumindest wäre dies moralisch fragwürdig.
Aufgrund dieses Nichtausschlussprinzips fühlen wir uns unbehaglich, wenn uns Arno Gahrmann das Szenario der verkauften Sonne ausmalt: „Selbst die Sonne wird eines Tages kostenpflichtig und somit rar für uns. Und zwar dann, wenn vergleichbar den UMTS-, Ölförder- oder Fußballübertragungslizenzen dereinst die Rechte an der Sonnennutzung von den völlig verschuldeten Staaten der Erde verkauft werden. Bis dahin wird die Mauttechnik jeden Sonnenstrahl erfassen können, den wir zu welchem Zweck auch nutzen. Und alles, was von der Sonne lebt, mittelbar und unmittelbar, wird kostenträchtig, mithin: alles.“ Durch fortschreitende Ökonomisierung und Rationalisierung werden nicht nur bislang öffentliche Güter, sondern sogar zwischenmenschliche Phänomene wie Liebe und Religion zu wirtschaftlichen Gütern mit einem bestimmten Preis deklariert und somit knapp.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Diese Einleitung führt in die Problematik des Klimawandels und des Spannungsverhältnisses zwischen wirtschaftlichem Wohlstand und nachhaltigem Handeln ein.
2. Was bedeutet “Wirtschaften”?: Dieses Kapitel erläutert das Rationalprinzip und die ökonomische Kategorisierung von Bedürfnissen als Grundlage wirtschaftlichen Handelns.
3. Was bedeutet “Nachhaltigkeit”?: Hier wird der Ursprung des Nachhaltigkeitsbegriffs sowie dessen heutige Bedeutung im Sinne einer dauerhaften und gerechten Bewirtschaftung des Planeten beleuchtet.
4. Umweltprobleme aus Sicht der Ökonomik: Dieses Kapitel analysiert die Ursachen von Umweltzerstörungen durch das Modell des Homo oeconomicus und das Phänomen des Marktversagens bei Kollektivgütern.
5. Die Optionen: Was ist möglich und was ist nötig?: Dieser Teil diskutiert tiefgreifende Veränderungsansätze wie das Zinssystem, Wirtschaftswachstum und den Wandel hin zu einem neuen Weltbild.
6. Fazit: Das Fazit stellt fest, dass eine wirkliche Synthese von Wirtschaft und Nachhaltigkeit ohne eine grundlegende Änderung des menschlichen Weltbildes und ein Abkehren von kurzfristigem Denken nicht möglich ist.
Schlüsselwörter
Wirtschaftlichkeit, Nachhaltigkeit, Rationalprinzip, Umweltraum, Kollektivgüter, externe Effekte, Marktversagen, Zinssystem, Wirtschaftswachstum, Homo sustinens, Weltbild, Klimawandel, Ressourcenverbrauch, Suffizienz, Kapitalerhaltung
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit beschäftigt sich mit der grundlegenden Vereinbarkeit von ökonomischer Effizienz und dem Erhalt der ökologischen Lebensgrundlagen im Rahmen der heutigen Marktwirtschaft.
Was sind die zentralen Themenfelder der Analyse?
Die zentralen Felder sind die ökonomische Theorie des Wirtschaftens, die ökologische Problematik, Marktmechanismen bei Kollektivgütern sowie alternative gesellschaftliche und wirtschaftliche Lösungsmodelle.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Ziel ist es zu klären, ob eine Synthese zwischen Nachhaltigkeit und Wirtschaftlichkeit angesichts der aktuellen globalen Herausforderungen und unserer bestehenden Denkmuster überhaupt möglich ist.
Welche wissenschaftliche Perspektive wird verwendet?
Die Arbeit nutzt einen theorie- und grundlagenorientierten Ansatz, der ökonomische Theorien mit sozialwissenschaftlichen und systemtheoretischen Perspektiven verknüpft.
Welche zentralen Aspekte behandelt der Hauptteil?
Der Hauptteil analysiert die Definitionen von Wirtschaften und Nachhaltigkeit, untersucht das Marktversagen durch externe Effekte und bewertet Handlungsoptionen wie die Reform des Zinssystems und die Kritik am Wirtschaftswachstum.
Welche Schlüsselbegriffe charakterisieren die Arbeit?
Wesentliche Begriffe sind das Rationalprinzip, der Umweltraum, das Marktversagen, externe Effekte sowie die Vision eines nachhaltigen Menschenbildes, des „Homo sustinens“.
Was genau versteht die Autorin unter dem „Kollektivgutproblem“?
Das Kollektivgutproblem beschreibt die Situation, dass Umweltgüter für jeden frei nutzbar sind, keine Eigentumsrechte existieren und sie daher aus Sicht der Einzelwirtschaft kostenlos verbraucht werden, was zur Zerstörung führt.
Warum wird das aktuelle Zinssystem in Frage gestellt?
Kritiker führen an, dass das Zinssystem Zwang zur stetigen Effizienzsteigerung und zum Raubbau an Ressourcen erzeugt, da es Gewinne in Form von Zins und Zinseszins in den Fokus rückt.
Inwiefern ist das heutige Weltbild ein Hindernis für Nachhaltigkeit?
Die Autorin argumentiert, dass unser mechanistisches Weltbild, das auf unbegrenztem Wachstum und Konkurrenz basiert, verhindert, dass wir uns als Teil eines ganzheitlichen ökologischen Systems begreifen.
Welche Rolle spielt der Mensch als Akteur im Fazit?
Das Fazit betont, dass Wirtschaft ein soziales Phänomen ist und eine echte Wende bei der Nachhaltigkeit erst eintritt, wenn wir als Individuen unser kurzfristiges Denken und unsere Werte nachhaltig verändern.
- Quote paper
- Lisa Wegener (Author), 2008, Wirtschaftlichkeit vs. Nachhaltigkeit - Ist eine Synthese möglich?, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/92686